In dem berühmten Märchen "Des Kaisers neue Kleider" gibt es einen entscheidenden Moment, als ein Kind die offensichtliche Wahrheit ausspricht, die alle Erwachsenen ignorieren: dass der Kaiser nackt ist. Vorher hatten alle sich eingeredet, dass die Kleider, die nur klugen Menschen sichtbar sein sollten, eben doch vorhanden sein müssten. Das Ende der Illusion, die man sich eingeredet hatte, war für alle Beteiligten ein eher peinlicher Moment. In Bezug auf die Schuldenbremse gibt es einen solchen Moment nicht. Das Kind existiert nicht, weil alle Erwachsenen weiterhin fest die Augen zusammenkneifen und so tun, als ob da eine Schuldenbremse sei, die das tut, zu was sie ursprünglich geschrieben worden ist. Doch das ist seit dieser Woche erkennbar nicht mehr der Fall. Stattdessen werden wir Zeugen eines des wohl größten Wahlbetrugs mindestens seit den "blühenden Landschaften" Helmut Kohls, die völlig ohne zusätzliche Kosten für die Westdeutschen finanzierbar sein sollten.