So wie es aussieht, ist die Belagerung von Minneapolis weitgehend vorüber. Sie war der erste Lackmustest für Trumps neue Privatarmee, die massiv ausgeweitete Immigrations and Customs Enforcement (ICE). Das Ziel war eminent politisch: Minnesota, das vom demokratischen Gouverneur Tim Walz regiert wird, weigerte sich weitgehend, mit ICE zusammenzuarbeiten, wenngleich Walz immer betonte, dass der Staat kein sanctuary state sei, genauso wie Minneapolis nicht den Status einer sanctuary city besitzt; beides würde entsprechende Gesetzgebung voraussetzen, die undokumentierten Einwander*innen explizite Rechte einräumt. Die Nicht-Kooperation mit Bundesbehörden besitzt in den USA eine Tradition, die älter ist als die Verfassung, vor allem aber aus der Sklavereizeit bekannt ist: hier weigerten sich die Nordstaaten häufig, mit den Sklavenfängern des Südens zu kooperieren; nicht umsonst war der Fugitive Slave Act, der sie dazu zwang, einer der zentralen Auslöser des Bürgerkriegs. Umgekehrt hatten die Südstaaten jahrzehntelang alle Gesetze und Maßnahmen zur Gleichstellung der Schwarzen verhindert; erst 100 Jahre nach dem Dreizehnten Verfassungszusatz errangen sie dank der Bürgerrechtsbewegung die (rechtliche) Gleichstellung, die freilich in republikanisch regierten Bundesstaaten bis heute hintertrieben wird.