Dienstag, 21. April 2026

Katharina Reiche reformiert den Tankrabatt - Vermischtes 21.04.2026

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Montag, 20. April 2026

Die neuen Liberalen?

 

Der Liberalismus ist in der Krise. Das ist nichts Neues. Er ist eigentlich immer in der Krise, seit seiner Entstehung. Er teilt dieses Schicksal ein wenig mit der Sozialdemokratie. Die ist zumindest seit drei Jahrzehnten ständig in der Krise. Seit die FDP aus den meisten Parlamenten geflogen ist und mit Wolfgang Kubicki quasi das letzte Aufgebot zum Erreichen der 5%-Hürde aufgestellt hat, fehlt es nicht an klugen Ratschlägen, wie die FDP sich aufstellen müsste, um wieder den Mantel des Liberalismus zu übernehmen. Es dürfte niemanden überraschen, der das Genre dieser Artikel kennt, dass der Typ natürlich ist, sich wieder auf den echten Liberalismus zu besinnen. Genauso muss die CDU wieder wirklich konservativ werden oder die SPD wieder zu einer sozialdemokratischen Politik finden. Es erfordert glaube ich einmal einen gesonderten Aufsatz, warum immer diese drei Parteien den immer selben Tipp bekommen, während die Grünen immer weniger grün sein sein sollen und die LINKE und AfD grundsätzlich gar keine Ratschläge bekommen. Aber das soll heute nicht Thema sein. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die FDP aus ihrer Todeszone nicht mehr herausfindet und auch unter Wolfgang Kubicki nach 77 Jahren die deutsche Parteienlandschaft endgültig verlässt, liegt doch deutlich über null. Und dadurch entsteht, darin sind sich eigentlich alle Analysierenden einig, eine Leerstelle im deutschen Parteiensystem.

Freitag, 17. April 2026

Rezension: Andreas Fulda - Wenn China angreift. Ein Szenario

 

Andreas Fulda - Wenn China angreift. Ein Szenario (Hörbuch)

Nach dem Angriff Putins auf die Ukraine und dem Trumps auf den Iran ist die Möglichkeit, dass China seine imperialen Ambitionen wahrmachen und die aus seiner Sicht abtrünnige Provinz Taiwan angreifen und annektieren könnte in der Wahrscheinlichkeit stark nach oben gerückt. Xi Jinping hat die chinesischen Streitkräfte bereits vor geraumer Zeit angewiesen, bis 2027 bereit militärisch zu sein, die Invasion Taiwans durchzuführen. Spätestens 2049, zum hundertjährigen Jubiläum des Siegs im Bürgerkrieg, haben sich die Kommunisten ihre eigene Zielmarke gesetzt: bis dahin muss Taiwan wieder mit der Volksrepublik "vereinigt" sein, alles andere wäre eine Blamage und unerträgliche Demütigung für ein Land, in dem nationale Ehre ein wesentlicher Treiber der Außenpolitik ist. Andreas Fulda, Politikwissenschaftler an der Universität Nottingham und Kenner sowohl Chinas als auch Taiwans, warnt bereits seit geraumer Zeit davor, dass China eine aggressivere Außenpolitik fährt und der Westen sich darauf vorbereiten muss. Er hat nun ein Buch vorgelegt, in dem er "ein Szenario" entwirft, wie eine Annexion Taiwans aussehen und welche Konsequenzen sie haben könnte. Angesichts dessen, dass gerade Deutschland wie so oft nicht damit zu rechnen scheint, dass passieren wird, was für uns sehr unangenehm wäre, und die Augen verschließt, ist das ein wichtiger Debattenbeitrag - ungeachtet dessen, wie man zu den konkreten Szenarien steht, für die Fulda explizit auch Kritik und Debatte einfordert.

Donnerstag, 16. April 2026

Orbán scheitert an der Zuckersteuer, die er mit Wehrpflichtigen auf dem Mond einführen wollte, ist aber glücklich mit der Religion - Vermischtes 16.04.2026

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Mittwoch, 15. April 2026

John Grisham in Nürnberg

Ein Drama mit großen Schauspieler*innen zu besetzen ist häufig der erste Schritt auf dem Weg zum Erfolg bei den Kritiker*innen, ganz besonders wenn es um Dramen geht, und am allermeisten, wenn diese auch noch einen historischen Anspruch haben. Bei "Nürnberg", dem neuesten Versuch, aus den Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945/46 einen mitreißenden Stoff zu machen, mangelt es nicht an großen Namen. Michael Shannon spielt Justice Jackson, den Hauptankläger. Rami Mallek mimt Psychater Douglas Kelley, der später ein Buch über den Prozess schrieb und - tagespolitisch aktuell - vor der Banalität des Bösen warnte, noch bevor Hannah Arendt jemals über Eichmann in Jerusalem nachdachte. Colin Hanks spielt seinen Konkurrenten, Gustave Gilbert. Lydia Peckam ist die Femme Fatale Lila, die so viel charakterliche Tiefe hat, dass man ihr nicht einmal einen Nachnamen gab. John Slattery gibt den Gefängniskommandanten Burton C. Andrus. Andreas Pietschmann ist Rudolf Hess. Mark O'Brien spielt den amerikanischen Staatsanwalt John Amen. Lotte Verbreek ist Emmy Göring. Wrenn Schmidt ist Elsie Douglas, die rechte Hand Jacksons. Da sie sich nie mit Lila oder Emmy über den Prozess unterhält, besteht der Film leider den Bechdel-Test trotz rekordverdächtiger dreier weiblicher Rollen nicht. Die eigentliche Sensation des Films aber ist natürlich Russel Crowe als Hermann Göring. Und hier fangen die Probleme an.

Dienstag, 14. April 2026

Iranische Experten erforschen iranische Tradwives und fahren zur Springerzentrale aus Nostalgie schwarz - Vermischtes 14.04.2026

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Montag, 13. April 2026

Rezension: Jonathan Parshall/Anthony Tully - The Shattered Sword. The untold story of Midway

 

Jonathan Parshall/Anthony Tully - The Shattered Sword. The untold story of Midway (Hörbuch)

Die Schlacht von Midway hat für den Pazifikkrieg in etwa dieselbe Rolle, die Stalingrad für die Ostfront hat: eine Art Wendepunkt im Kriegsgeschehen, der Moment, in dem sich das Kriegsglück für die Achsenmächte wendete. Die Schlacht im Juni 1942 endete für Japan mit dem Verlust von vier Flugzeugträgern und dem Ende ihres Offensivpotenzials. Entsprechend fasziniert ist sie für Militärhistoriker*innen seither. Man kann die Menge an Veröffentlichungen zu dieser Schlacht in Festmetern messen. Die Frage, wozu es ein neues, mehrere hundert Seiten starkes Wort über eine Schlacht braucht, die im Endeffekt in einigen Stunden entschieden war, beantworten die Autoren mit starken Fehlinterpretationen, die es auszuräumen gelte. Sie beruhten darauf, dass im westlichen (sprich: amerikanischen) Diskurs viele japanische Quellen und der Stand der japanischen Forschung nicht bekannt seien, die einige Fehlannahmen über die japanische Seite ausgeräumt habe. Vor allem werfen die Autoren ihren Kolleg*innen vor, sich nicht genug mit japanischer Doktrin und der Funktionsweise japanischer Flugzeugträger auszukennen und deswegen einerseits frühe japanische Quellen unkritisch zu übernehmen und andererseits unzulässig von amerikanischer Doktrin und Technik zu extrapolieren.

Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction

 

Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)

Im Jahr 2006 wurde der Historiker Adam Tooze einer breiteren Öffentlichkeit mit seinem Magnum Opus "The Wages of Destruction" bekannt. Zum damaligen Zeitpunkt (und auch bis heute nicht) existierte keine Gesamtwirtschaftsgeschichte des Nationalsozialismus, so dass sein Werk mit einem gehörigen Maß an Anspruch daherkam. Zusätzlich beanspruchte es nicht nur, deskriptiv die Wirtschaft des Dritten Reiches darzulegen, sondern auch, einen neuen interpretatorischen Rahmen zu bieten, den Tooze selbst gleich ausfüllte und zahlreiche bis dahin geltende Paradigmen in Frage stellte. Dass ihm dies weitgehend gelang - selbst die sonst so kritische HSozKult findet nur Details zu kritisieren - zeigt den anhaltenden Wert dieses Werkes, das ich selbst schon mehrfach gelesen habe und das bei jeder Lektüre neue Sichtweisen für mich hervorbringt, schon alleine, weil es so viele Informationen, Analysen und Deutungen enthält, die gleichzeitig notwendig kompliziert sind; Wirtschaftsgeschichte erfordert schließlich einen ganz anderen Referenzrahmen, den ich als eher mathe- und damit auch wirtschaftswissenschaftsaverser Mensch nicht mitbringe. Ich möchte auch noch die kleine Vorwarnung mitgeben, dass manche Teile des Buches viel ausführlicher rezipiert werden als andere; das hat mit der Qualität meiner Notizen und den jeweiligen Leseumständen zu tun. Das Buch ist wahnsinnig dicht und komplex und kann grundsätzlich nur unvollständig wiedergegeben werden; es lohnt in jedem Fall die eigene Lektüre. Doch damit genug der Vorrede.

Freitag, 10. April 2026

Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 10)

 

Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)

Diese Radikalisierung fand ihren Ausdruck auch in den NS-Massenmorden. Die Verfügbarkeit ineffizienter, aber extrem billiger und austauschbarer Arbeitskraft durch das System der Konzentrationslager und der Zwangsarbeit wurde von den Unternehmen wie auch von der deutschen Wirtschaftsplanung direkt einkalkuliert. Die "Vernichtung durch Arbeit" erhielt dadurch eine Ambivalenz, weil sie einerseits ein ideologisches Produkt war, aber andererseits ein wirtschaftlicher, rational kalkulierter Faktor wurde. Die Unternehmer machten sich hier auch zweifelsfrei direkt schuldig, weil sie diese Logik willentlich akzeptierten und an ihr teilhatten. Diese Mittäterschaft wurde durch die Nazis auch aktiv befeuert. So informierte Himmler auf einer Versammlung aller Gauleiter offen über den Stand des Holocaust, um den Anwesenden die Möglichkeit zu nehmen, sich durch Nichtwissen nach dem Krieg herauszureden. Speer tat genau das und behauptete später, nicht anwesend gewesen zu sein, was Tooze anhand seines Kalenders als höchst unplausibel zurückweist (auch wenn die Dokumentenvernichtung nach dem Krieg und Speers kluges PR-Management keine Sicherheit erlauben können).

Donnerstag, 9. April 2026

Lehrkräfte in Paris wollen nicht mehr links sein, weswegen sie Kubicki zum Unionschef wählen - Vermischtes 09.04.2026

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Dienstag, 7. April 2026

Bohrleute 125 - Wer ist hier ein Nazi, mit Ralf

 

Im Blog "Deliberation Daily" hatten wir mittlerweile mehrere Diskussionen darüber, ob man die AfD als "Nazis" oder "Nationalsozialisten" bezeichnen kann. Kommentator Ralf ist der Meinung, dass dies gerechtfertigt ist; ich bin skeptisch. Wir diskutieren es hier gemeinsam aus.

Montag, 6. April 2026

Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 9)

 

Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)

Als Reaktion darauf verschworen sich Backe und seine Mitstreiter im Frühjahr 1942 dazu, die Grundsätze des Hungerplans in größerem Maßstab in den besetzten Gebieten Deutschlands umzusetzen. Von nun an sollten sämtliche Lebensmittellieferungen aus dem Reich an die Wehrmacht im Feld eingestellt werden; Deutschlands Armeen sollten sich „aus den von ihnen besetzten Gebieten selbst ernähren, ohne Rücksicht auf die Folgen für die einheimische Bevölkerung“. Wie Joseph Goebbels in sein Tagebuch schrieb, verlangte dieses neue Regime, dass, bevor Deutschland hungere, „eine Reihe anderer Völker an die Reihe kommen“ werde.

Freitag, 3. April 2026

Bohrleute 124 - Die dümmste Partei, mit Ariane Sophie

 


Die SPD ist, wieder mal, in der Krise. Die Analyse ist klar: sie muss sich auf ihre Wurzeln besinnen und die arbeitende Mitte in den Blick nehmen. Die Stupidität sowohl der Partei als auch der Analysen ist bemerkenswert.

Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 8)

 

Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)

Eine Antwort besteht darin, dies als direkten „Kompromiss“ zwischen den widersprüchlichen Imperativen von Ideologie und Ökonomie zu deuten. Während die Ideologie die Beseitigung von Juden und Slawen verlangte, um Raum für deutsche Besiedlung zu schaffen, bestand die Ökonomie auf dem Bedarf an ausländischer Muskelkraft, um Deutschlands Arbeitskräftemangel auszugleichen. Trotz ihrer genozidalen Tendenzen mussten die Nationalsozialisten also die kräftigsten Juden und Slawen am Leben lassen, um ihre Kriegsmaschine am Laufen zu halten. Tooze bemerkt, dass angesichts der Vielzahl von Belegen zugunsten dieser „Kompromiss“-Deutung „kaum Zweifel daran bestehen könne, dass sie wesentliche Züge der NS-Politik erfasst“. Das Ergebnis war angesichts der grundlegenden Bedeutung sowohl des Rassenkampfes als auch der deutschen Kriegswirtschaft „eine gewisse Segmentierung der Politik, in der der SS gestattet wurde, dem ideologischen Imperativ der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung zu folgen“, während der Umgang mit ausländischen Arbeitskräften und einem kleinen Teil der jüdischen Bevölkerung schrittweise „ökonomisiert“ wurde, um den Bedürfnissen der Kriegswirtschaft Rechnung zu tragen.

Donnerstag, 2. April 2026

Verlustsüchtige Schwaben vertreiben entsolidarisierte eAutos aus den USA, um Probleme zu lösen - Vermischtes - 2.4.2026

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Mittwoch, 1. April 2026

Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 7)

 

Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)

Wie Kapitel 15, "December 1941: The turning point", zeigt, schien "Taifun" zunächst alle Anzeichen eines Erfolgs zu tragen. Der Wehrmacht gelang es, der Roten Armee verheerende Schläge zu versetzen; nach einer doppelten Einkesselung bei Wjasma und Brjansk machte sie sechshunderttausend Kriegsgefangene. In der zweiten Oktoberwoche geriet Stalins Regime „nahe an den Punkt des Zusammenbruchs“, als die Bevölkerung Moskaus in Panik geriet, nachdem Gerüchte aufkamen, die kommunistische Führung verlasse die Stadt. Doch die Ordnung wurde wiederhergestellt, und General Georgi Schukow gelang es, noch eine weitere Verteidigungslinie aufzubauen. Trotz ihrer Verluste fügte die Rote Armee der Wehrmacht ihrerseits schwere Schäden zu. Am 8. Oktober begannen die Herbstregen und verwandelten den Mittelabschnitt der deutschen Front in einen „unpassierbaren Morast“. Ende Oktober stand die Heeresgruppe Mitte 100 Kilometer vor Moskau still.

Dienstag, 31. März 2026

Die Misserfolge der Linken liegen an den Fehlannahmen der Bürgerlichen, weil diese mit Melonis Justizreform nicht den Fernandez-Skandal um die Herstellung von Routern verhindern konnten - Vermischtes 31.03.2026

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Montag, 30. März 2026

Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 6)

 

Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)

Kapitel 14, "The grand strategy of racial war", stellt die Frage, ob das Scheitern der Deutschen, die Sowjetunion 1941 zu besiegen, ein zwangsläufiges Ergebnis oder gewissermaßen ihre eigene „Schuld“ war, weil sie den Krieg nicht so führten, wie sie es hätten tun sollen. Tooze führt diese Frage ein, indem er John Kenneth Galbraith zitiert – den berühmten kanadisch-amerikanischen Ökonomen –, der 1945 behauptete, „die einfache Tatsache ist, dass Deutschland den Krieg niemals hätte verlieren dürfen“. Nach Galbraith scheiterte die Wehrmacht deshalb, weil die nationalsozialistische Führung es „versäumt hatte, die deutsche Wirtschaft ausreichend zu mobilisieren“, um sie zu stützen – ein Fehler, geboren aus einer „Mischung aus Selbstüberschätzung und Unfähigkeit, verschärft durch einen chronischen Mangel an politischem Willen“. Inzwischen dürfte man ahnen, dass Tooze dieser voluntaristischen Lesart widerspricht. Es war nicht ein „Mangel an politischem Willen“, der Deutschland den Krieg im Osten kostete, sondern vielmehr die militärisch-ökonomischen Realitäten und die Entscheidungen, die sich aus ihnen ergaben.

Sonntag, 29. März 2026

Bohrleute 123 - Meinungen zu Kunst- und Literaturgeschichte, Teil 3, mit Christina Dongowski

 

Christina Dongowski hat einen Bluesky-Thread voller Meinungen zu Kunst- und Literaturgeschichte geschrieben. Ich fand die spannend und wollte mir ihr darüber reden. Und wir haben da so viel zu reden, dass das hier nur Teil 3 sein kann.

Shownotes:

Freitag, 27. März 2026

Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 5)

 

Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)

Am 19. Juli verabschiedete der Kongress zudem den Two-Ocean Navy Act, der eine Erweiterung der US-Marine um 70 Prozent vorsah und den Bau von mindestens 18 Flugzeugträgern, 115 Zerstörern sowie 15.000 Flugzeugen verlangte. Am 16. September folgte der Selective Training and Service Act von 1940, der erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten eine Wehrpflicht in Friedenszeiten einführte, um eine Streitmacht von 1,4 Millionen Soldaten aufzubauen. Obwohl sich die USA weiterhin im Frieden befanden, produzierten sie bis Mitte/Ende 1940 bereits fast so viele Waffen wie Deutschland oder Großbritannien. Hitler hatte also allen Grund zur Sorge. Die Vereinigten Staaten rüsteten offensichtlich für einen Krieg auf, und es lag nahe zu vermuten, gegen wen sich diese gewaltige Mobilisierung richten würde – zumal die USA Großbritannien ab März 1941 im Rahmen des „Lend-Lease“-Programms umfangreiche materielle Hilfe gewährten. Das neue europäische Imperium des nationalsozialistischen Deutschlands musste dieser Mobilisierung mit eigenen Anstrengungen begegnen. Doch die erforderlichen Ergebnisse blieben aus.

Donnerstag, 26. März 2026

Wolfram Weimer analysiert die Probleme der Democrats nach einem Angriff französischer Linksextremisten auf iranische Reformer, die die Geschichtspolitik der SPD ändern wollen - Vermischtes 26.03.2026

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Mittwoch, 25. März 2026

Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 4)

 

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der Begriff „Blitzkrieg“ berühmt geworden. Üblicherweise verbindet man damit das Bild einer mechanisierten Streitmacht, die mit überlegener Geschwindigkeit und Feuerkraft einen überraschten Gegner überrollt. Der Begriff tauchte erstmals in den Berichten westlicher Journalisten über den deutschen Angriff auf Polen im September 1939 auf und wurde später häufig zur Beschreibung der deutschen Strategie in Westeuropa verwendet. Tooze – ebenso wie viele andere Historiker*innen – hält jedoch die Vorstellung eines ausgearbeiteten Blitzkrieg-Konzepts im deutschen Militärdenken für einen Mythos. Obwohl das Wort oft Hitler zugeschrieben wird, soll dieser selbst erklärt haben: „Ich habe das Wort Blitzkrieg nie benutzt, weil es ein sehr dummes Wort ist.“

Dienstag, 24. März 2026

Antisemitische Linke verschleudern mit Trump und der CDU visionslos das Sondervermögen in der Straße von Hormuz, um Dick Pics zu kaufen - Vermischtes 24.03.2026

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Montag, 23. März 2026

Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 3)

 

Der entscheidende Punkt ist, dass diese potenziellen Gegner bereits im Frühjahr 1938 selbst umfangreiche Aufrüstungsprogramme durchführten. Diese wurden sowohl durch die Aggression Deutschlands als auch durch Italiens Angriff auf Äthiopien 1935/36 und Japans Invasion Chinas 1937 ausgelöst. Sobald diese Programme einmal angelaufen waren, hatte Deutschland kaum eine Chance, mitzuhalten. Im maritimen Bereich zeigen zeitgenössische Quellen, dass die britische Royal Navy seit 1933 etwa 30 Prozent mehr ausgegeben hatte als die deutsche Kriegsmarine. Großbritannien baute damit seinen ohnehin überwältigenden Vorsprung an Kriegsschiffen weiter aus. Noch bedrohlicher waren die Vereinigten Staaten: Am 17. Mai 1938 unterzeichnete Präsident Roosevelt ein Gesetz über ein Flottenausbauprogramm im Wert von 1,15 Milliarden Dollar, das „sicherstellte, dass die Vereinigten Staaten jeden ihrer Rivalen im weltweiten Flottenrüstungswettlauf übertreffen würden“.

Freitag, 20. März 2026

Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 2)

 

Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)

Wie wenig am NationalSOZIALISMUS neben wohlklingender Phrase an Substanz zu finden war zeigt Kapitel 5, "Volksgemeinschaft on a budget". Von der KdF zu den großen Feierlichkeiten des Regimes über sein Winterhilfswerk wurden viele Initiativen rhetorisch zu gewaltigen Kraftanstrengungen aufgeblasen, die insgesamt ziemlich wenig Substanz hatten. Das ist auch kein Wunder, denn das Regime besaß für mehr überhaupt nicht die Mittel. Die angebliche Volksgemeinschaft musste ohne eine Unterfütterung durch einen funktionierenden Sozialstaat auskommen.

Stattdessen blieb das Deutsche Reich eine deutliche Klassengesellschaft. In den Städten lebten die Arbeiter immer noch in reichlich erbärmlichen Umständen, und selbst das Bürgertum genoss einen Lebensstandard, der kaum an den von amerikanischen Facharbeitern heranreichte, von ihren Klassengenossen in den US-Metropolen ganz zu schweigen. Die größten wahrnehmbaren Effekte besaß die "Volksgemeinschaft" in den erzwungenen Gemeinschaftsmaßnahmen (von denen etwa Sebastian Haffner in seiner "Geschichte eines Deutschen" aus erster Hand berichtet), bei denen der ungewaschene Plebs in Machtpositionen gesetzt wurde, um der Bourgeoisie einmal ordentlich einzuheizen. Solche Maßnahmen dienten aber dem Bedienen von kleinbürgerlichen Ressentiments, die die NS-Führung selbst hegte, als dass eine strukturierte und geplante Auflösung von Klassen wie im Sowjetkommunismus angestrebt worden wäre.

Die mörderischen Energien der Nazis richteten sich vielmehr auf jene Elemente, die man bewusst aus der "Volksgemeinschaft" exkludierte: auf der einen Seite die rassisch als minderwertig gebrandmarkten Juden, Sinti/Roma und Slawen, auf der anderen Seite ideologische Gegner wie Sozialdemokraten, Kommunisten oder Zeugen Jehovas. Sie wurden in das rapide expandierende Netz an Lagern gesteckt, die in dieser Zeit aus dem Boden wucherten.

Eine spezielle Gruppe war die Bauernschaft, die Thema von Kapitel 6, "Saving the peasants", ist. Aus ideologischen Gründen war die deutsche Landwirtschaft für die Nazis von großer Bedeutung. Sie war einerseits seit dem frühen Kaiserreich notorisch ineffizient und konnte nur dank massiver staatlicher Hilfen überhaupt überleben; die große Rolle der Junkerklasse im Lobbying des Kaiserreichs und Weimar reflektiert dies ebenso wie ihre ideologische Nähe und frühe Unterstützung für die Nazis. Auf der anderen Seite gab es eine Reihe von kleinen Familienbetrieben auf marginalem Land, die ebenfalls nicht sonderlich rentabel waren. Der ganze Sektor basierte immer noch auf körperlicher Arbeit; mechanisiert war noch so gut wie nichts (anders als etwa in den wesentlich effizienteren USA oder Großbritannien und selbst Frankreich mit seinem großen und fragmentierten, aber mit wesentlich besserem Boden ausgestatteten Agrarsektor).

Deutschlands Rolle als Nahrungsmittelimporteur war für Hitler und Chefideologen Darré nicht akzeptabel. Hier manifestierte sich die Lebensraumideologie in ihrer krassesten Form: die Lösung für die unzweifelhaft vorhandene Landnot war nicht Rationalisierung und Mechanisierung, sondern gewaltsame Eroberung und ethnische Säuberung. Die Ablehnung von Mechanisierung und Rationalisierung hatte neben der unzweifelhaften Rolle der Ideologie auch wirtschaftliche Ursachen: die deutsche Volkswirtschaft war schlicht nicht in der Lage, die Mechanisierung zu stemmen. Alle entsprechenden Ressourcen gingen, wie wir noch sehen werden, in die Aufrüstung.

Gleichzeitig mussten aus ideologischen Gründen die kleinen Betriebe erhalten bleiben. Die Nationalsozialisten schufen deswegen das so genannte Erbhofsystem: wer arische Vorfahren bis mindestens 1800 nachweisen konnte und eine Reihe strenger Auflagen akzeptierte (strikte Primogenitur und Entrechtung der anderen Familienmitglieder, vor allem Frauen; Verkaufsverbot; Hypothekenverbot) kam in den Genuss umfangreicher Schutzmaßnahmen und durfte sich fortan "Bauer" nennen; alle anderen mussten sich mit der Bezeichnung "Landwirt" zufriedengeben. Das ursprüngliche Gesetz war völlig starr und unpraktikabel, wurde aber mit dem Input der Betroffenen schnell erweitert und flexibilisiert - ein Schema, das auch in der Industrie durch die Partnerschaft der Nazis mit der Wirtschaft (siehe Kapitel 4) Anwendung fand.

In der Propaganda wurde die Rolle des Bauernstandes immer wieder betont. Tooze beschreibt ausführlich das Reichserntedankfest 1934, bei dem Hitler - noch nahbar - von zehntausenden Bauern, die man aus ganz Deutschland zu einer beeindruckenden Massenveranstaltung und Demonstration der Organisationsfähigkeiten und oberflächlichen "Modernität" des Regimes zusammengezogen hatte, diese Rolle publikumswirksam in Szene setzen konnte. Wie wir noch sehen werden, konnten die Nazis in der Praxis die wirtschaftlichen Fliehkräfte trotzdem bestenfalls teilweise aufhalten.

Abschnitt 2, "War in Europe", beschreibt den Weg in den Krieg und die ersten Kriegsjahre. Das Ziel der Nationalsozialisten war von Anfang an das Führen eines rücksichtslosen Eroberungskriegs. Unklar waren nur Zeitpunkt und Strategie, aber die Zielrichtung einer Expansion nach Osten war ideologisch von Beginn an festgelegt und fand ihren Niederschlag auch in der Wirtschaftspolitik.

Den klarsten Ausdruck fand das in den in Kapitel 7, "1936: Four years to war", behandelten Vier-Jahres-Plänen. Unter Hermann Göring entstanden neue Konglomerate und Behörden, die eine unglaubliche Konzentration vor allem der stahlerzeugenden Industrie herbeiführten, die die Größe von US Steel erreichte - nicht im Umfang, aber in der Konzentration. Tooze stellt auch die Rolle der technologischen Veränderungen heraus. So war Anfang der 1930er Jahre noch das aus Holz und Leinwand gebaute Flugzeug Stand der Technik; das Rüstungsprogramm von 1936 sah den Bau tausender Vollmetallflugzeuge vor, und 1943 würden die ersten Jetflugzeuge von deutschem Boden abheben. Das verschlang immense Ressourcen. Dasselbe galt für den durch interne Ränkespiele massiv aufgeheizten Flottenbau, und in abgespecktem Maße auch für die Wehrmacht: die Panzer, die Deutschland Mitte der 1930er Jahre besaß, waren Panzer I und II, mit Maschinengewehren ausgestattet: kaum die Waffen, die später den Blitzkriegmythos begründen sollten.

Bei alledem aber blieb die deutsche Armee eine "arme" Armee. Auch wenn das Ziel ausgegeben wurde, mechanisierte Divisionen aufzustellen, so würde der Großteil der Soldaten doch zu Fuß gehen und die Artillerie von Pferden gezogen werden. Die Hybris, die aus den Plänen spricht, wird durch den nüchternen Stil Toozes, in dem dieser die Zahlen auflistet und die Pläne und Herausforderungen beschreibt, umso krasser deutlich.

Auch auf finanziellem Gebiet hatte das Dritte Reich von Beginn an mit erheblichen Problemen zu kämpfen – insbesondere im Hinblick auf seine Zahlungsbilanz. Deutschlands starke Abhängigkeit von Rohstoffimporten, die mit dem wirtschaftlichen Wiederaufschwung nach der Weltwirtschaftskrise noch zunahm, traf auf chronisch schwache Exportleistungen. Die Folge war ein permanenter Devisenmangel, der die Beschaffung jener Materialien blockierte, die für eine wirklich umfassende Aufrüstung nötig gewesen wären. In der Rüstungspolitik trat dieser Engpass noch deutlicher zutage – und zwar umso bedrohlicher, als die potenziellen Gegner Deutschlands ihre eigenen Rüstungsprogramme massiv beschleunigten. Großbritannien, Frankreich und die USA reagierten damit zumindest teilweise auf das aggressive Auftreten des Regimes seit 1933.

Die Kriegsplanungen bedeuteten einen unaufhaltsamen Vormarsch in Richtung Krieg spätestens ab 1936. Kapitel 8, "Into the danger zone", zeigt auf, dass von Beginn an die Innen- und Außenpolitik des Dritten Reiches auf die kompromisslose Durchsetzung ideologischer Ziele ausgerichtet war. In der Industrie bedeutete dies die absolute Priorität für Rüstungsproduktion. Tatsächlich gelang es dem Regime, den Anteil der Militärausgaben am Sozialprodukt innerhalb von sechs Jahren von unter einem Prozent auf fast zwanzig Prozent zu steigern – die größte friedenszeitliche Ressourcenverschiebung zugunsten des Militärs, die je ein kapitalistischer Staat vollzogen hat. Das Ausmaß dieser Rüstungsausgaben spottete jeder Beschreibung und erforderte eine Konzentration von Ressourcen.

Das bedeutete einerseits, dass der private Konsum dramatisch unterdrückt werden musste; auf der anderen Seite musste das Regime aber den inflationären Druck durch die massive staatliche Nachfrage (bei Vollbeschäftigung!) abfangen. Die mangelnden Ressourcen (vor allem an Stahl und anderen Metallen) erforderten ein Quotierungssystem, das die Kräfte des Marktes hier weitgehend ausschaltete; der Erhalt eines privaten Wirtschaftssystems und die garantiert hohen Renditen hielten den Widerstand seitens der Wirtschaft in engen Grenzen. Um den inflationären Druck weiter unter Kontrolle zu halten, wurden Preis- und Lohnstopps verordnet und mit drakonischen Strafen durchgesetzt. Ab 1938 wurde zudem ein Kommandosystem für Arbeit eingeführt, bei dem Arbeiter zwischen den verschiedenen Industrien verschoben wurden; ein ineffizientes System, zu dem es aber mangels Anpassungsmöglichkeiten über den Preis keine Alternative gab.

Bis 1938 hatte sich zudem das Devisenproblem dramatisch zugespitzt. Ein Symptom zeigte sich ausgerechnet bei der Umsetzung eines zentralen ideologischen Ziels: der Emigration der jüdischen Bevölkerung. Nach einem anfänglichen Höhepunkt 1933 stagnierte die Zahl der Auswandernden bei rund 20.000 pro Jahr. Tooze argumentiert, das entscheidende Hindernis seien die „extrem hohen Kosten der Auswanderung“ gewesen, die wiederum auf denselben strukturellen Mangel zurückzuführen seien, der nahezu alle Bereiche der NS-Politik belastete: den Mangel an Devisen. Ohne ausreichende Rücklagen in Fremdwährung ließen sich deutsche Juden kaum zur Emigration bewegen. Schon hier zeigt sich, wie ökonomische Realitäten ideologische Ansprüche unterliefen.

Parallel dazu betrieb Deutschland eine zunehmend aggressive Außenpolitik. 1938 kulminierte diese im „Anschluss“ Österreichs im März sowie in der Annexion des Sudetenlands im Oktober. Während der Anschluss kaum Protest hervorrief, verschärfte er die Spannungen in Europa erheblich, da deutsche Truppen nun die westliche Hälfte der Tschechoslowakei von drei Seiten bedrohten. Diese Lage eskalierte in der sogenannten Maikrise vom 20./21. Mai, als Gerüchte über einen bevorstehenden Angriff zur Mobilisierung tschechoslowakischer Reservisten führten. Entscheidend war, dass Großbritannien und Frankreich hier erstmals demonstrativ klarstellten, sie würden der Tschechoslowakei im Kriegsfall beistehen. Diese Machtdemonstration prägte die strategischen Schlussfolgerungen Berlins nachhaltig. Die Krise hatte auch Auswirkungen auf die Wirtschaft: die Mobilisierung der Armee, vor allem in Bayern, zeigte die Funktionsfähigkeit der Logistik einerseits und die zu erwartenden Verwerfungen andererseits allzu deutlich auf. Die Abhängigkeit Deutschlands von der Landwirtschaft etwa zeigte sich schon darin, dass Hitler den Zeitpunkt für den geplanten Krieg gegen die Tschechoslowakei auf Oktober setzte, also nachdem die Ernte komplett eingefahren war, weil das Mobilisieren der Bevölkerung vorher die Nahrungsmittelproduktion gefährdet hätte.

Dieser Krieg fand nicht statt. Wie in Kapitel 9, "Nothing to gain by waiting", ausgeführt wird, gestatten Großbritannien und Frankreich Hitler schließlich dennoch, das Sudetenland zu übernehmen (im Münchner Abkommen vom 30. September). Aber die Maikrise hatte eine Botschaft übermittelt, die die Nationalsozialisten niemals vergessen würden. Seit dieser Krise „begann Hitler ernsthaft über die Notwendigkeit eines großen Krieges im Westen nachzudenken, als Vorspiel für seinen geplanten Vorstoß gegen die Sowjetunion [während er zuvor zumindest auf britische Duldung gehofft hatte]“. Dies sei „die entscheidende Lehre gewesen, die in Berlin bis zum Frühsommer 1938 gezogen wurde“, unabhängig von den späteren Ereignissen in München. Das Dritte Reich musste das britische Empire fortan „als eine Kraft betrachten, die Hitlers Traum von einer Eroberung im Osten entgegenstand“. Darüber hinaus hatten deutsche Militärplaner stets angenommen, dass Großbritannien und Frankreich im Falle eines Krieges von der enormen wirtschaftlichen Macht der Vereinigten Staaten unterstützt würden – also erneut jene gewaltige Allianz bilden könnten, die Deutschland bereits im Ersten Weltkrieg besiegt hatte.

Weiter geht es in Teil 3.

Donnerstag, 19. März 2026

Die SPD hält durch konsequenten Gender-Fokus im Wahlprogramm die Brandmauer zu Baden-Württemberg aufrecht - Vermischtes 19.3.2026

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Mittwoch, 18. März 2026

Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 1)

 

Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)

Im Jahr 2006 wurde der Historiker Adam Tooze einer breiteren Öffentlichkeit mit seinem Magnum Opus "The Wages of Destruction" bekannt. Zum damaligen Zeitpunkt (und auch bis heute nicht) existierte keine Gesamtwirtschaftsgeschichte des Nationalsozialismus, so dass sein Werk mit einem gehörigen Maß an Anspruch daherkam. Zusätzlich beanspruchte es nicht nur, deskriptiv die Wirtschaft des Dritten Reiches darzulegen, sondern auch, einen neuen interpretatorischen Rahmen zu bieten, den Tooze selbst gleich ausfüllte und zahlreiche bis dahin geltende Paradigmen in Frage stellte. Dass ihm dies weitgehend gelang - selbst die sonst so kritische HSozKult findet nur Details zu kritisieren - zeigt den anhaltenden Wert dieses Werkes, das ich selbst schon mehrfach gelesen habe und das bei jeder Lektüre neue Sichtweisen für mich hervorbringt, schon alleine, weil es so viele Informationen, Analysen und Deutungen enthält, die gleichzeitig notwendig kompliziert sind; Wirtschaftsgeschichte erfordert schließlich einen ganz anderen Referenzrahmen, den ich als eher mathe- und damit auch wirtschaftswissenschaftsaverser Mensch nicht mitbringe. Ich möchte auch noch die kleine Vorwarnung mitgeben, dass manche Teile des Buches viel ausführlicher rezipiert werden als andere; das hat mit der Qualität meiner Notizen und den jeweiligen Leseumständen zu tun. Das Buch ist wahnsinnig dicht und komplex und kann grundsätzlich nur unvollständig wiedergegeben werden; es lohnt in jedem Fall die eigene Lektüre. Doch damit genug der Vorrede.

Dienstag, 17. März 2026

Wolfram Weimer beleidet über Social Media Katharina Reiche - Vermischtes 17.03.2026

 

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Donnerstag, 12. März 2026

Die Democrats organisieren in ihrer Blase mangels Deutschkenntnissen Betriebsratswahlen für die privaten Bauarbeiten Elon Musks an S21 - Vermischtes 12.03.2026

 

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Dienstag, 10. März 2026

Bohrleute 122 - Eine Woche Krieg im Iran, mit Alexander Clarkson

 

Trump hat es getan und zusammen mit Israel den Iran attackiert. Der schlägt zurück und tut sein Bestes, die Region in Flammen zu setzen. Zusammen mit Alexander Clarkson unternehme ich einen ersten Versuch der Einordnung unter Eindruck des Nebel des Krieges.

Kranke Lehrkräfte nudgen an den Stundentafeln herum, um den Supreme Court zur Annahme von Trumps Executive Order zu bringen, die Asylsuchenden ein Eigenheim ermöglicht - Vermischtes 10.03.2026

 

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Montag, 9. März 2026

Bohrleute 121 - Das Ländle-Trinkspiel, mit Ariane Sophie

 

Die Wahl in Baden-Württemberg ist vorbei. Zusammen mit der Trash-Kolumnistin der Herzen analysiere ich die Lage. Dazu gibt es ein Trinkspiel: jedes Mal, wenn das Wort "Ländle" fällt, wird ein Viertele getrunken!

Donnerstag, 5. März 2026

Wir bekommen eine Erklärung, wie Obama es verpasst hat, das Heizungsgesetz mit den Konservativen abzuschaffen, weil er eine Anzeige wegen Beleidigung ob seines Sexismusskandals erstattete - Vermischtes 5.3.2026

 

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Mittwoch, 4. März 2026

Rezension: John Dolan - They should have been hanged

 

John Dolan - They should have been hanged

John Dolan, bekannter unter seinem Alias "Gary Brecher, the War Nerd", hat schon mehrere Essaysammlungen veröffentlicht, genauso wie eine brillante Ilias-Übertragung (beide hier besprochen). Nun liegt neu eine Essaysammlung zum Thema "Amerikanischer Bürgerkrieg" vor, die der selbst erklärte "Hardcore Unionist" unter den provokativen Titel "They should have been hanged" stellt. Dolan alias Brecher alias War Nerd ist für seine politische Lager überschneidende, scharfe Rhetorik bekannt. Entsprechend kann man auch hier mit sehr klaren Meinungen rechnen, wenngleich in sehr unterhaltsamer Rhetorik und einem eigenen, sehr lesenswerten Stil, der sich natürlich auch an andere Nerds richtet. Wer nicht weiß, wer George McClellan oder was Shermans "March to the Sea" war, wird vermutlich das eine oder andere Mal kopfkratzend zurückbleiben.