Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Fundstücke
1) Innovationen
Die ständige Forderung nach Innovationen führt zu bemerkenswert wenig politischen Taten. In einem sehr lesenwerten Kommentar argumentiert Christian Stöcker, Deutschland habe den eigentlichen Sinn von Innovation aus dem Blick verloren. Politiker wie Friedrich Merz oder Markus Söder würden Innovation vor allem mit technischen Erfindungen oder Zukunftsvisionen wie Kernfusion verbinden. Tatsächlich gehe es jedoch – in Anlehnung an den Ökonomen Joseph Schumpeter – darum, neue Ideen erfolgreich am Markt durchzusetzen und bestehende Strukturen durch „kreative Zerstörung“ zu ersetzen. Als Beispiel nennt der Autor die Energiewende und die Elektromobilität. Erneuerbare Energien, Batterietechnologien und Elektroautos seien längst marktfähige Innovationen, während Verbrennungsmotoren oder Wasserstoffautos eher Versuche seien, überholte Technologien zu bewahren. Deutschland investiere dennoch vergleichsweise wenig in Zukunftsfelder wie Batterieforschung und halte zu lange an alten Industrien fest. Besonders hervorgehoben wird die Entwicklung in China. Dort würden die Prinzipien disruptiver Innovation konsequent umgesetzt. Chinesische Hersteller dominierten inzwischen große Teile des weltweiten Elektroautomarktes und profitierten davon, dass sie günstigere, einfachere und besser skalierbare Produkte entwickelten. Die eigentliche Herausforderung für Deutschland liege daher weniger in Bürokratie oder Energiepreisen als in der Unfähigkeit, technologische Umbrüche rechtzeitig zu erkennen und aktiv zu gestalten. Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass Deutschlands wirtschaftliche Probleme Ausdruck eines „Innovationsdilemmas“ seien: Während andere Länder neue Technologien vorantrieben, versuche Deutschland häufig, bestehende Geschäftsmodelle und Industrien zu bewahren. Dadurch drohe das Land bei zentralen Zukunftsmärkten den Anschluss zu verlieren.
Ich fasse den Artikel so ausführlich zusammen, weil ich Stöckers Argumentation für grundsätzlich sehr zutreffend halte. Die Automobilbranche wird mehr und mehr zu einem Mühlstein um den Hals der deutschen Volkswirtschaft, weil sie statt Innovationen zu befördern vor allem versucht, durch Lobbying und Abschottung möglichst lange ein erkennbar auf dem Abstieg befindliches Geschäftsmodell zu erhalten. Dabei blockt sie zahlreiche Möglichkeiten.
Dazu kommt die Zerstörung eines innovativen und einst führenden Wirtschaftszweigs aus ideologischen Gründen, die die einstige Marktführerschaft Deutschlands bei der Solarenergie völlig verspielt haben. Auch hier ist bemerkenswert, wie wenig in die Zukunft investiert wird: periodisch wird festgestellt, dass die Kapazitäten im Netz unzureichend sind, doch anstatt das vernünftig anzugehen, akzeptiert man einfach das Schneckentempo auf dem Gebiet.
Resterampe
a) Harsche Kritik an der Personalauswahl der demokratischen Primaries-Wählenden, und nein, nicht weil sie zu woke sind. Für mich klingt das richtig.
b) Faszinierende Umfrageergebnisse bezüglich der Haltung linker und rechter Wählender. Ist für die USA, aber das ist überall so. Die Rechtsradikalen sind einfach permanent schlecht drauf und negativ.
c) Dickes lol für die Namensgebung von Syphilis.
d) Ich halte die Exxon-Execs (pars pro toto) für Schwerverbrecher.
e) Aufruf zu mehr sozialem Ostrakismus.
f) Die Disse zur neuen Kubicki-FDP schreiben sich auch von selbst.
g) Und mal wieder ein Beispiel in der Reihe: wie soll die CDU mit so was koalieren können?
h) Sehr richtiger Punkt zum Links-Rechts-Bias von Institutionen.
i) Die gute René-Pfister-Kolumne muss auch noch erfunden werden. Wie Ariane sagt, Journalismus am Limit. Primitives Gemeckere.
j) Die ÖRR sind halt doch diverser als ihr Ruf.
k) Sehr guter Punkt zu den KI-Datencentern.
l) Es gibt keinen Linksrutsch der FDP.
m) Maschmeyer bleibt stabil, dieses Mal zu Teilzeit.
n) Ole Nymoen und Co sind echt nicht zu retten. Das hat schon echt "War an Hitler alles schlecht?"-Niveau.
o) Spannend, dass Merz in der (saudummen) Kanzlertauschdebatte so direkt "einzelne Medienhäuser" angreift. Die lange Liebesaffäre zwischen Springer und der CDU kriegt immer mehr Risse.
p) Kein Mitleid mit Glenn Greenwald.
q) Ich sag es immer wieder, der Begriff der Meinungsfreiheit ist mittlerweile komplett sinnentleert.
r) Cem Özdemir gibt sein erstes Interview der FAZ und fordert Bürokratieabbau. Mal gespannt, ob dieses aggressive Werben um konservative Liebe erfolgreich sein wird.
s) Neue Forderung aus der CDU: Bürgergeldempfänger*innen die Mobilitätspauschale streichen und verpflichtendes Deutschlandticket geben. Von der gleichen Partei, die gebetsmühlenartig erklärt, dass man ohne Auto nicht überleben kann. Aber klar, auf die Schwachen draufhauen geht immer.
t) Früher war nicht alles besser, Ertrunkene-Kinder-Edition.
u) Die NYT hat schöne Schaubilder, was Milliardäre in den USA an Steuern zahlen. Wer jetzt denkt "sicher weniger als ich" liegt üblicherweise richtig, anteilsmäßig.
v) Gute Nachrichten, wenigstens etwas wächst in Deutschland zuverlässig.
w) Papst Leo auch weiterhin stabil.
x) Völlig korrekte Analyse zu den Notwendigkeiten für die Democrats.
y) Völlig korrekt zur Abgehobenheit von Politik und Bürger*innenferne.
z) Die positive Kehrseite deutscher Bürokratie. Sprechen auch für sich, die Zahlen.
Fertiggestellt am 05.06.2026
1 Weiß irgendjemand, warum wir unbeliebte Sachen ausgerechnet mit Fußpilz vergleichen? Und warum gibt es in öffentlichen Schwimmbädern nicht mehr diesen Sprühhahn, an dem man vor dem Schwimmen die Füße gegen Fußpilz immunisiert? In meiner Kindheit hat man das nach dem Duschen immer gemacht. Ich schweife ab.
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