Christina Dongowski hat einen Bluesky-Thread voller Meinungen zu Kunst- und Literaturgeschichte geschrieben. Ich fand die spannend und wollte mir ihr darüber reden. Und wir haben da so viel zu reden, dass das hier nur Teil 3 sein kann.
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Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)
Am 19. Juli verabschiedete der Kongress zudem den Two-Ocean Navy Act, der eine Erweiterung der US-Marine um 70 Prozent vorsah und den Bau von mindestens 18 Flugzeugträgern, 115 Zerstörern sowie 15.000 Flugzeugen verlangte. Am 16. September folgte der Selective Training and Service Act von 1940, der erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten eine Wehrpflicht in Friedenszeiten einführte, um eine Streitmacht von 1,4 Millionen Soldaten aufzubauen. Obwohl sich die USA weiterhin im Frieden befanden, produzierten sie bis Mitte/Ende 1940 bereits fast so viele Waffen wie Deutschland oder Großbritannien. Hitler hatte also allen Grund zur Sorge. Die Vereinigten Staaten rüsteten offensichtlich für einen Krieg auf, und es lag nahe zu vermuten, gegen wen sich diese gewaltige Mobilisierung richten würde – zumal die USA Großbritannien ab März 1941 im Rahmen des „Lend-Lease“-Programms umfangreiche materielle Hilfe gewährten. Das neue europäische Imperium des nationalsozialistischen Deutschlands musste dieser Mobilisierung mit eigenen Anstrengungen begegnen. Doch die erforderlichen Ergebnisse blieben aus.
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der Begriff „Blitzkrieg“ berühmt geworden. Üblicherweise verbindet man damit das Bild einer mechanisierten Streitmacht, die mit überlegener Geschwindigkeit und Feuerkraft einen überraschten Gegner überrollt. Der Begriff tauchte erstmals in den Berichten westlicher Journalisten über den deutschen Angriff auf Polen im September 1939 auf und wurde später häufig zur Beschreibung der deutschen Strategie in Westeuropa verwendet. Tooze – ebenso wie viele andere Historiker*innen – hält jedoch die Vorstellung eines ausgearbeiteten Blitzkrieg-Konzepts im deutschen Militärdenken für einen Mythos. Obwohl das Wort oft Hitler zugeschrieben wird, soll dieser selbst erklärt haben: „Ich habe das Wort Blitzkrieg nie benutzt, weil es ein sehr dummes Wort ist.“
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Der entscheidende Punkt ist, dass diese potenziellen Gegner bereits im Frühjahr 1938 selbst umfangreiche Aufrüstungsprogramme durchführten. Diese wurden sowohl durch die Aggression Deutschlands als auch durch Italiens Angriff auf Äthiopien 1935/36 und Japans Invasion Chinas 1937 ausgelöst. Sobald diese Programme einmal angelaufen waren, hatte Deutschland kaum eine Chance, mitzuhalten. Im maritimen Bereich zeigen zeitgenössische Quellen, dass die britische Royal Navy seit 1933 etwa 30 Prozent mehr ausgegeben hatte als die deutsche Kriegsmarine. Großbritannien baute damit seinen ohnehin überwältigenden Vorsprung an Kriegsschiffen weiter aus. Noch bedrohlicher waren die Vereinigten Staaten: Am 17. Mai 1938 unterzeichnete Präsident Roosevelt ein Gesetz über ein Flottenausbauprogramm im Wert von 1,15 Milliarden Dollar, das „sicherstellte, dass die Vereinigten Staaten jeden ihrer Rivalen im weltweiten Flottenrüstungswettlauf übertreffen würden“.
Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)
Wie wenig am NationalSOZIALISMUS neben wohlklingender Phrase an Substanz zu finden war zeigt Kapitel 5, "Volksgemeinschaft on a budget". Von der KdF zu den großen Feierlichkeiten des Regimes über sein Winterhilfswerk wurden viele Initiativen rhetorisch zu gewaltigen Kraftanstrengungen aufgeblasen, die insgesamt ziemlich wenig Substanz hatten. Das ist auch kein Wunder, denn das Regime besaß für mehr überhaupt nicht die Mittel. Die angebliche Volksgemeinschaft musste ohne eine Unterfütterung durch einen funktionierenden Sozialstaat auskommen.
Stattdessen blieb das Deutsche Reich eine deutliche Klassengesellschaft. In den Städten lebten die Arbeiter immer noch in reichlich erbärmlichen Umständen, und selbst das Bürgertum genoss einen Lebensstandard, der kaum an den von amerikanischen Facharbeitern heranreichte, von ihren Klassengenossen in den US-Metropolen ganz zu schweigen. Die größten wahrnehmbaren Effekte besaß die "Volksgemeinschaft" in den erzwungenen Gemeinschaftsmaßnahmen (von denen etwa Sebastian Haffner in seiner "Geschichte eines Deutschen" aus erster Hand berichtet), bei denen der ungewaschene Plebs in Machtpositionen gesetzt wurde, um der Bourgeoisie einmal ordentlich einzuheizen. Solche Maßnahmen dienten aber dem Bedienen von kleinbürgerlichen Ressentiments, die die NS-Führung selbst hegte, als dass eine strukturierte und geplante Auflösung von Klassen wie im Sowjetkommunismus angestrebt worden wäre.
Die mörderischen Energien der Nazis richteten sich vielmehr auf jene Elemente, die man bewusst aus der "Volksgemeinschaft" exkludierte: auf der einen Seite die rassisch als minderwertig gebrandmarkten Juden, Sinti/Roma und Slawen, auf der anderen Seite ideologische Gegner wie Sozialdemokraten, Kommunisten oder Zeugen Jehovas. Sie wurden in das rapide expandierende Netz an Lagern gesteckt, die in dieser Zeit aus dem Boden wucherten.
Eine spezielle Gruppe war die Bauernschaft, die Thema von Kapitel 6, "Saving the peasants", ist. Aus ideologischen Gründen war die deutsche Landwirtschaft für die Nazis von großer Bedeutung. Sie war einerseits seit dem frühen Kaiserreich notorisch ineffizient und konnte nur dank massiver staatlicher Hilfen überhaupt überleben; die große Rolle der Junkerklasse im Lobbying des Kaiserreichs und Weimar reflektiert dies ebenso wie ihre ideologische Nähe und frühe Unterstützung für die Nazis. Auf der anderen Seite gab es eine Reihe von kleinen Familienbetrieben auf marginalem Land, die ebenfalls nicht sonderlich rentabel waren. Der ganze Sektor basierte immer noch auf körperlicher Arbeit; mechanisiert war noch so gut wie nichts (anders als etwa in den wesentlich effizienteren USA oder Großbritannien und selbst Frankreich mit seinem großen und fragmentierten, aber mit wesentlich besserem Boden ausgestatteten Agrarsektor).
Deutschlands Rolle als Nahrungsmittelimporteur war für Hitler und Chefideologen Darré nicht akzeptabel. Hier manifestierte sich die Lebensraumideologie in ihrer krassesten Form: die Lösung für die unzweifelhaft vorhandene Landnot war nicht Rationalisierung und Mechanisierung, sondern gewaltsame Eroberung und ethnische Säuberung. Die Ablehnung von Mechanisierung und Rationalisierung hatte neben der unzweifelhaften Rolle der Ideologie auch wirtschaftliche Ursachen: die deutsche Volkswirtschaft war schlicht nicht in der Lage, die Mechanisierung zu stemmen. Alle entsprechenden Ressourcen gingen, wie wir noch sehen werden, in die Aufrüstung.
Gleichzeitig mussten aus ideologischen Gründen die kleinen Betriebe erhalten bleiben. Die Nationalsozialisten schufen deswegen das so genannte Erbhofsystem: wer arische Vorfahren bis mindestens 1800 nachweisen konnte und eine Reihe strenger Auflagen akzeptierte (strikte Primogenitur und Entrechtung der anderen Familienmitglieder, vor allem Frauen; Verkaufsverbot; Hypothekenverbot) kam in den Genuss umfangreicher Schutzmaßnahmen und durfte sich fortan "Bauer" nennen; alle anderen mussten sich mit der Bezeichnung "Landwirt" zufriedengeben. Das ursprüngliche Gesetz war völlig starr und unpraktikabel, wurde aber mit dem Input der Betroffenen schnell erweitert und flexibilisiert - ein Schema, das auch in der Industrie durch die Partnerschaft der Nazis mit der Wirtschaft (siehe Kapitel 4) Anwendung fand.
In der Propaganda wurde die Rolle des Bauernstandes immer wieder betont. Tooze beschreibt ausführlich das Reichserntedankfest 1934, bei dem Hitler - noch nahbar - von zehntausenden Bauern, die man aus ganz Deutschland zu einer beeindruckenden Massenveranstaltung und Demonstration der Organisationsfähigkeiten und oberflächlichen "Modernität" des Regimes zusammengezogen hatte, diese Rolle publikumswirksam in Szene setzen konnte. Wie wir noch sehen werden, konnten die Nazis in der Praxis die wirtschaftlichen Fliehkräfte trotzdem bestenfalls teilweise aufhalten.
Abschnitt 2, "War in Europe", beschreibt den Weg in den Krieg und die ersten Kriegsjahre. Das Ziel der Nationalsozialisten war von Anfang an das Führen eines rücksichtslosen Eroberungskriegs. Unklar waren nur Zeitpunkt und Strategie, aber die Zielrichtung einer Expansion nach Osten war ideologisch von Beginn an festgelegt und fand ihren Niederschlag auch in der Wirtschaftspolitik.
Den klarsten Ausdruck fand das in den in Kapitel 7, "1936: Four years to war", behandelten Vier-Jahres-Plänen. Unter Hermann Göring entstanden neue Konglomerate und Behörden, die eine unglaubliche Konzentration vor allem der stahlerzeugenden Industrie herbeiführten, die die Größe von US Steel erreichte - nicht im Umfang, aber in der Konzentration. Tooze stellt auch die Rolle der technologischen Veränderungen heraus. So war Anfang der 1930er Jahre noch das aus Holz und Leinwand gebaute Flugzeug Stand der Technik; das Rüstungsprogramm von 1936 sah den Bau tausender Vollmetallflugzeuge vor, und 1943 würden die ersten Jetflugzeuge von deutschem Boden abheben. Das verschlang immense Ressourcen. Dasselbe galt für den durch interne Ränkespiele massiv aufgeheizten Flottenbau, und in abgespecktem Maße auch für die Wehrmacht: die Panzer, die Deutschland Mitte der 1930er Jahre besaß, waren Panzer I und II, mit Maschinengewehren ausgestattet: kaum die Waffen, die später den Blitzkriegmythos begründen sollten.
Bei alledem aber blieb die deutsche Armee eine "arme" Armee. Auch wenn das Ziel ausgegeben wurde, mechanisierte Divisionen aufzustellen, so würde der Großteil der Soldaten doch zu Fuß gehen und die Artillerie von Pferden gezogen werden. Die Hybris, die aus den Plänen spricht, wird durch den nüchternen Stil Toozes, in dem dieser die Zahlen auflistet und die Pläne und Herausforderungen beschreibt, umso krasser deutlich.
Auch auf finanziellem Gebiet hatte das Dritte Reich von Beginn an mit erheblichen Problemen zu kämpfen – insbesondere im Hinblick auf seine Zahlungsbilanz. Deutschlands starke Abhängigkeit von Rohstoffimporten, die mit dem wirtschaftlichen Wiederaufschwung nach der Weltwirtschaftskrise noch zunahm, traf auf chronisch schwache Exportleistungen. Die Folge war ein permanenter Devisenmangel, der die Beschaffung jener Materialien blockierte, die für eine wirklich umfassende Aufrüstung nötig gewesen wären. In der Rüstungspolitik trat dieser Engpass noch deutlicher zutage – und zwar umso bedrohlicher, als die potenziellen Gegner Deutschlands ihre eigenen Rüstungsprogramme massiv beschleunigten. Großbritannien, Frankreich und die USA reagierten damit zumindest teilweise auf das aggressive Auftreten des Regimes seit 1933.
Die Kriegsplanungen bedeuteten einen unaufhaltsamen Vormarsch in Richtung Krieg spätestens ab 1936. Kapitel 8, "Into the danger zone", zeigt auf, dass von Beginn an die Innen- und Außenpolitik des Dritten Reiches auf die kompromisslose Durchsetzung ideologischer Ziele ausgerichtet war. In der Industrie bedeutete dies die absolute Priorität für Rüstungsproduktion. Tatsächlich gelang es dem Regime, den Anteil der Militärausgaben am Sozialprodukt innerhalb von sechs Jahren von unter einem Prozent auf fast zwanzig Prozent zu steigern – die größte friedenszeitliche Ressourcenverschiebung zugunsten des Militärs, die je ein kapitalistischer Staat vollzogen hat. Das Ausmaß dieser Rüstungsausgaben spottete jeder Beschreibung und erforderte eine Konzentration von Ressourcen.
Das bedeutete einerseits, dass der private Konsum dramatisch unterdrückt werden musste; auf der anderen Seite musste das Regime aber den inflationären Druck durch die massive staatliche Nachfrage (bei Vollbeschäftigung!) abfangen. Die mangelnden Ressourcen (vor allem an Stahl und anderen Metallen) erforderten ein Quotierungssystem, das die Kräfte des Marktes hier weitgehend ausschaltete; der Erhalt eines privaten Wirtschaftssystems und die garantiert hohen Renditen hielten den Widerstand seitens der Wirtschaft in engen Grenzen. Um den inflationären Druck weiter unter Kontrolle zu halten, wurden Preis- und Lohnstopps verordnet und mit drakonischen Strafen durchgesetzt. Ab 1938 wurde zudem ein Kommandosystem für Arbeit eingeführt, bei dem Arbeiter zwischen den verschiedenen Industrien verschoben wurden; ein ineffizientes System, zu dem es aber mangels Anpassungsmöglichkeiten über den Preis keine Alternative gab.
Bis 1938 hatte sich zudem das Devisenproblem dramatisch zugespitzt. Ein Symptom zeigte sich ausgerechnet bei der Umsetzung eines zentralen ideologischen Ziels: der Emigration der jüdischen Bevölkerung. Nach einem anfänglichen Höhepunkt 1933 stagnierte die Zahl der Auswandernden bei rund 20.000 pro Jahr. Tooze argumentiert, das entscheidende Hindernis seien die „extrem hohen Kosten der Auswanderung“ gewesen, die wiederum auf denselben strukturellen Mangel zurückzuführen seien, der nahezu alle Bereiche der NS-Politik belastete: den Mangel an Devisen. Ohne ausreichende Rücklagen in Fremdwährung ließen sich deutsche Juden kaum zur Emigration bewegen. Schon hier zeigt sich, wie ökonomische Realitäten ideologische Ansprüche unterliefen.
Parallel dazu betrieb Deutschland eine zunehmend aggressive Außenpolitik. 1938 kulminierte diese im „Anschluss“ Österreichs im März sowie in der Annexion des Sudetenlands im Oktober. Während der Anschluss kaum Protest hervorrief, verschärfte er die Spannungen in Europa erheblich, da deutsche Truppen nun die westliche Hälfte der Tschechoslowakei von drei Seiten bedrohten. Diese Lage eskalierte in der sogenannten Maikrise vom 20./21. Mai, als Gerüchte über einen bevorstehenden Angriff zur Mobilisierung tschechoslowakischer Reservisten führten. Entscheidend war, dass Großbritannien und Frankreich hier erstmals demonstrativ klarstellten, sie würden der Tschechoslowakei im Kriegsfall beistehen. Diese Machtdemonstration prägte die strategischen Schlussfolgerungen Berlins nachhaltig. Die Krise hatte auch Auswirkungen auf die Wirtschaft: die Mobilisierung der Armee, vor allem in Bayern, zeigte die Funktionsfähigkeit der Logistik einerseits und die zu erwartenden Verwerfungen andererseits allzu deutlich auf. Die Abhängigkeit Deutschlands von der Landwirtschaft etwa zeigte sich schon darin, dass Hitler den Zeitpunkt für den geplanten Krieg gegen die Tschechoslowakei auf Oktober setzte, also nachdem die Ernte komplett eingefahren war, weil das Mobilisieren der Bevölkerung vorher die Nahrungsmittelproduktion gefährdet hätte.
Dieser Krieg fand nicht statt. Wie in Kapitel 9, "Nothing to gain by waiting", ausgeführt wird, gestatten Großbritannien und Frankreich Hitler schließlich dennoch, das Sudetenland zu übernehmen (im Münchner Abkommen vom 30. September). Aber die Maikrise hatte eine Botschaft übermittelt, die die Nationalsozialisten niemals vergessen würden. Seit dieser Krise „begann Hitler ernsthaft über die Notwendigkeit eines großen Krieges im Westen nachzudenken, als Vorspiel für seinen geplanten Vorstoß gegen die Sowjetunion [während er zuvor zumindest auf britische Duldung gehofft hatte]“. Dies sei „die entscheidende Lehre gewesen, die in Berlin bis zum Frühsommer 1938 gezogen wurde“, unabhängig von den späteren Ereignissen in München. Das Dritte Reich musste das britische Empire fortan „als eine Kraft betrachten, die Hitlers Traum von einer Eroberung im Osten entgegenstand“. Darüber hinaus hatten deutsche Militärplaner stets angenommen, dass Großbritannien und Frankreich im Falle eines Krieges von der enormen wirtschaftlichen Macht der Vereinigten Staaten unterstützt würden – also erneut jene gewaltige Allianz bilden könnten, die Deutschland bereits im Ersten Weltkrieg besiegt hatte.
Weiter geht es in Teil 3.
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Adam Tooze - Wages of Destruction (Hörbuch) (Ökonomie der Zerstörung)
Im Jahr 2006 wurde der Historiker Adam Tooze einer breiteren Öffentlichkeit mit seinem Magnum Opus "The Wages of Destruction" bekannt. Zum damaligen Zeitpunkt (und auch bis heute nicht) existierte keine Gesamtwirtschaftsgeschichte des Nationalsozialismus, so dass sein Werk mit einem gehörigen Maß an Anspruch daherkam. Zusätzlich beanspruchte es nicht nur, deskriptiv die Wirtschaft des Dritten Reiches darzulegen, sondern auch, einen neuen interpretatorischen Rahmen zu bieten, den Tooze selbst gleich ausfüllte und zahlreiche bis dahin geltende Paradigmen in Frage stellte. Dass ihm dies weitgehend gelang - selbst die sonst so kritische HSozKult findet nur Details zu kritisieren - zeigt den anhaltenden Wert dieses Werkes, das ich selbst schon mehrfach gelesen habe und das bei jeder Lektüre neue Sichtweisen für mich hervorbringt, schon alleine, weil es so viele Informationen, Analysen und Deutungen enthält, die gleichzeitig notwendig kompliziert sind; Wirtschaftsgeschichte erfordert schließlich einen ganz anderen Referenzrahmen, den ich als eher mathe- und damit auch wirtschaftswissenschaftsaverser Mensch nicht mitbringe. Ich möchte auch noch die kleine Vorwarnung mitgeben, dass manche Teile des Buches viel ausführlicher rezipiert werden als andere; das hat mit der Qualität meiner Notizen und den jeweiligen Leseumständen zu tun. Das Buch ist wahnsinnig dicht und komplex und kann grundsätzlich nur unvollständig wiedergegeben werden; es lohnt in jedem Fall die eigene Lektüre. Doch damit genug der Vorrede.
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Trump hat es getan und zusammen mit Israel den Iran attackiert. Der schlägt zurück und tut sein Bestes, die Region in Flammen zu setzen. Zusammen mit Alexander Clarkson unternehme ich einen ersten Versuch der Einordnung unter Eindruck des Nebel des Krieges.
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Die Wahl in Baden-Württemberg ist vorbei. Zusammen mit der Trash-Kolumnistin der Herzen analysiere ich die Lage. Dazu gibt es ein Trinkspiel: jedes Mal, wenn das Wort "Ländle" fällt, wird ein Viertele getrunken!
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John Dolan - They should have been hanged
John Dolan, bekannter unter seinem Alias "Gary Brecher, the War Nerd", hat schon mehrere Essaysammlungen veröffentlicht, genauso wie eine brillante Ilias-Übertragung (beide hier besprochen). Nun liegt neu eine Essaysammlung zum Thema "Amerikanischer Bürgerkrieg" vor, die der selbst erklärte "Hardcore Unionist" unter den provokativen Titel "They should have been hanged" stellt. Dolan alias Brecher alias War Nerd ist für seine politische Lager überschneidende, scharfe Rhetorik bekannt. Entsprechend kann man auch hier mit sehr klaren Meinungen rechnen, wenngleich in sehr unterhaltsamer Rhetorik und einem eigenen, sehr lesenswerten Stil, der sich natürlich auch an andere Nerds richtet. Wer nicht weiß, wer George McClellan oder was Shermans "March to the Sea" war, wird vermutlich das eine oder andere Mal kopfkratzend zurückbleiben.
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Mein Eintrittsbändchen.[/caption]Die baden-württembergischen Landtagswahlen am 8. März präsentieren eine epochale Entscheidung: wird die aktuelle Koalition unter einem Ministerpräsidenten der CDU oder der Schwesterpartei der Grünen weitergeführt? Aber ohne die Lästereien über die Kontinuität im Land der Autobauer: selbst wenn es dem Herausforderer Manuel Hagel nicht gelingen sollte, den Topposten von Kretschmanns designiertem Nachfolger Cem Özdemir zu erobern, so ist der Wahlkampf doch unter dem Blick darauf, in welche Richtung sich die Seele der CDU entwickelt, von Relevanz. Manuel Hagel wäre, sollte er die Wahl gewinnen, der jüngste Ministerpräsident Deutschlands. Er wäre der erste Ministerpräsident, der jünger ist als ich, was allein schon Grund dafür ist, auf seine Niederlage zu hoffen und meine Illusionen über die eigene Jugendlichkeit noch eine Legislatur zu retten. Spaß beiseite: die Selbstinszenierung Hagels und seiner CDU geben Aufschlüsse über den Stand des Konservatismus in Deutschland, und natürlich interessiert mich das. Deswegen habe ich vergangenen Freitag die Chance genutzt, eine Wahlkampfveranstaltung Hagels in meinem Wahlkreis in Waiblingen zu besuchen und diese hier zu analysieren.
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Heinrich August Winkler - Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte
Für die Geschichtswissenschaft mag Leopold von Ranke einmal das Ideal ausgegeben haben, sie solle Dinge darstellen, wie sie gewesen sind. Doch von dieser Idee hat sie sich schon lange emanzipiert, die Vorstellung einer objektiv zutreffenden Geschichtsdarstellung als naiven Mythos entlarvt. Geschichtswissenschaft ist immer auch ein Deutungskampf, Geschichtspolitik sowieso. Es ist deswegen lobenswert, wenn Heinrich August Winkler seinen Sammelband mit Essays aus sechs Jahrzehnten geschichtswissenschaftlicher Tätigkeit mit dem Titel "Deutungskämpfe" versieht und so mit offenem Visier kämpft: er stellt sich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, streitlustig sicher, aber stets der wissenschaftlichen Methode verpflichtet und mit dem analytischen Blick des Historikers. Bekannt ist Winkler vor allem für sein Mammutwerk zur deutschen Geschichte, dem er den Übertitel des "langen Weg nach Westen" gegeben hatte; eine klare Missionsansage. Die lange Zeitspanne der veröffentlichten Essays bringt notwendigerweise mit sich, dass ein guter Teil der Meinungskämpfe, in deren Verlauf diese Texte gehören, abgeschlossen ist. Das ist gar nicht so selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Manche Debatten sind wahre Evergreens, während andere so sehr zum Konsens geworden sind, dass es aus heutiger Perspektive beinahe ulkig ist, dass sie einmal kontrovers waren. Winklers Sammelband ist somit auch eine historiografische Quelle, wenngleich kein Versuch einer entsprechenden Einordnung unternommen wird: diese müssen die Lesenden selbst leisten, und diese Rezension ist auch ein Experiment darin, das zu wagen.
Heinrich August Winkler - Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte
Nazi-SoziologieZu den entscheidendsten Fragen jüngerer deutscher Geschichtsschreibung gehört die nach dem "Warum". Warum kam Hitler an die Macht, und wie? Die konservativen Apologeten favorisierten lange eine Erklärung von der Wahl radikaler Spinner, die quasi allein verantwortlich waren, durch verelendete Massen. Doch bereits in den 1960er Jahren begann eine vor allem soziologisch unterfütterte Analyse Raum einzunehmen.
Den Anfang macht eine in Kapitel 10, "Warum die Bauern Hitler wählten", erst 1963 auf Deutsch erschienen, aber bereits in den 1930er Jahren abgefasste Studie aus Schleswig-Holstein. Darin wurde herausgearbeitet, dass die Bauernschaft Schleswig-Holsteins viel entschiedener und umfänglicher dem Nationalsozialismus verfiel als andere Gruppierungen. Den Grund dafür sieht Winkler vor allem in den vormodernen patriarchalischen Strukturen, die auf dem Land auch zu dieser Zeit noch weitgehend herrschten. Diese Argumentation wird dann in seinen Betrachtungen der Sonderwegsthese später immer wieder aufgegriffen: für ihn ist der entscheidende Unterschied zwischen Deutschland und den westlichen Ländern der starke Agrarsektor mit seiner Adelselite und ihrer Beharrung auf vormodernen Strukturen, weswegen er auch wesentlich bereitwilliger einen Sonderweg zu erkennen bereit ist und von all seinen Kritikern einfordert, diesen Strukturunterschied anders zu erklären (was niemand zu seiner Zufriedenheit tun kann).
Die Bundestagswahl ist ein Jahr her, und Merz seit etwa einem Jahr Kanzler (nunja, fast). Grund genug, eine erste Bilanz zu ziehen vom Kabinett Merz I. Wir sprechen über enttäusche oder erfüllte Erwartungen und sprechen auch darüber, welchen realen Hintergrund die aktuellen Arbeitsweltdebatten haben.
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Heinrich August Winkler - Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte
Ostpreußische Adelige und andere RechteMit dem von mir postulierten Wandel der Geschichtswissenschaft beschäftigt sich Winkler auch auf der Metaebene. In Kapitel 19, "Historiker in ihrer Gegenwart", ist eine Reflexion Winklers über den Historikerkongress in Berlin von 1964 abgedruckt. Für den jungen Winkler war offenkundig, wie sehr sich die Geschichtswissenschaft einerseits methodisch weiterentwickelt hatte, entschieden weg von der früheren Personen- und Diplomatiegeschichte hin zu Wirtschafts- und Sozialgeschichte, wie sie aber auch ebenso entschieden von den typischen apologetischen Positionen etwa eines Gerhard Ritter abgekommen war. Die Deutungskämpfe der 1950er Jahre waren entschieden. Eine neue Generation von Historiker*innen habe eine klar wahrnehmbare "Linksschwenkung" der Geschichtswissenschaft weg von konservativer Apologetik bewirkt, die Debatte sei von den Konservativen klar verloren worden. Genauso wie dies später beim Historikerstreit der Fall sein würde war diese Niederlage vor allem dadurch relevant und deswegen für eine neue Generation von Historiker*innen prägend, weil sie wissenschaftlich geschehen sei: ad fontes, auf Basis der Quellen, ließen sich die alten Deutungen nicht mehr halten.
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Heinrich August Winkler - Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte
Für die Geschichtswissenschaft mag Leopold von Ranke einmal das Ideal ausgegeben haben, sie solle Dinge darstellen, wie sie gewesen sind. Doch von dieser Idee hat sie sich schon lange emanzipiert, die Vorstellung einer objektiv zutreffenden Geschichtsdarstellung als naiven Mythos entlarvt. Geschichtswissenschaft ist immer auch ein Deutungskampf, Geschichtspolitik sowieso. Es ist deswegen lobenswert, wenn Heinrich August Winkler seinen Sammelband mit Essays aus sechs Jahrzehnten geschichtswissenschaftlicher Tätigkeit mit dem Titel "Deutungskämpfe" versieht und so mit offenem Visier kämpft: er stellt sich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, streitlustig sicher, aber stets der wissenschaftlichen Methode verpflichtet und mit dem analytischen Blick des Historikers. Bekannt ist Winkler vor allem für sein Mammutwerk zur deutschen Geschichte, dem er den Übertitel des "langen Weg nach Westen" gegeben hatte; eine klare Missionsansage. Die lange Zeitspanne der veröffentlichten Essays bringt notwendigerweise mit sich, dass ein guter Teil der Meinungskämpfe, in deren Verlauf diese Texte gehören, abgeschlossen ist. Das ist gar nicht so selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Manche Debatten sind wahre Evergreens, während andere so sehr zum Konsens geworden sind, dass es aus heutiger Perspektive beinahe ulkig ist, dass sie einmal kontrovers waren. Winklers Sammelband ist somit auch eine historiografische Quelle, wenngleich kein Versuch einer entsprechenden Einordnung unternommen wird: diese müssen die Lesenden selbst leisten, und diese Rezension ist auch ein Experiment darin, das zu wagen.
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
So wie es aussieht, ist die Belagerung von Minneapolis weitgehend vorüber. Sie war der erste Lackmustest für Trumps neue Privatarmee, die massiv ausgeweitete Immigrations and Customs Enforcement (ICE). Das Ziel war eminent politisch: Minnesota, das vom demokratischen Gouverneur Tim Walz regiert wird, weigerte sich weitgehend, mit ICE zusammenzuarbeiten, wenngleich Walz immer betonte, dass der Staat kein sanctuary state sei, genauso wie Minneapolis nicht den Status einer sanctuary city besitzt; beides würde entsprechende Gesetzgebung voraussetzen, die undokumentierten Einwander*innen explizite Rechte einräumt. Die Nicht-Kooperation mit Bundesbehörden besitzt in den USA eine Tradition, die älter ist als die Verfassung, vor allem aber aus der Sklavereizeit bekannt ist: hier weigerten sich die Nordstaaten häufig, mit den Sklavenfängern des Südens zu kooperieren; nicht umsonst war der Fugitive Slave Act, der sie dazu zwang, einer der zentralen Auslöser des Bürgerkriegs. Umgekehrt hatten die Südstaaten jahrzehntelang alle Gesetze und Maßnahmen zur Gleichstellung der Schwarzen verhindert; erst 100 Jahre nach dem Dreizehnten Verfassungszusatz errangen sie dank der Bürgerrechtsbewegung die (rechtliche) Gleichstellung, die freilich in republikanisch regierten Bundesstaaten bis heute hintertrieben wird.
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. Alle Beiträge sind üblicherweise in der Reihenfolge aufgenommen, in der ich auf sie aufmerksam wurde.
Ich komme gerade aus vielerlei Gründen nicht dazu, für alle Dinge, die ich lese, eigene Rezensionen zu erstellen. Deswegen lasse ich eine alte Tradition wieder aufleben und erstelle hier eine Übersicht über einige Titel, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, mit einigen Anmerkungen. Die Titel dieser Liste wurden von September 2025 bis Januar 2026 gelesen. Alle Links führen zu Amazon; wenn ihr darüber bestellt, erhalte ich einen kleinen Anteil. Damit genug der Vorrede, los geht’s.
Bob Blume - Lesen. Schreiben. Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander
Ein Mensch lebt nur ein Leben, aber durch Bücher kann er tausende leben. So oder ähnlich geht jedenfalls das Sprichwort. Umso mehr gilt das natürlich für diejenigen, die schreiben. Sei es Belletristik, Lyrik oder Sachtext, wer schreibt, lebt weitere Leben, entwickelt sich weiter. Manche Menschen verspüren einen regelrechten Drang zu schreiben. Einer dieser Menschen ist Bob Blume. Man kann ihm nicht eben vorwerfen, damit hinterm Berg gehalten zu haben; bereits in seinen frühesten Blogeinträgen sprach er darüber, dass er stets das Bedürfnis zu schreiben und Geschriebenes zu veröffentlichen gespürt hat. Ich kann das nachempfinden; mir ging und geht es genauso. Dieser Blog ist nur ein sichtbarer Ausdruck davon, auch wenn ich den Aufkleber des Spiegel-Bestsellerautors eher als ferne Vision am Horizont habe. Für Bob lag es daher nur nahe, eine Metareflexion über das Lesen und Schreiben zu schreiben - und was es für das Verhältnis von uns Menschen bedeutend, den Schreibenden wie den Lesenden.
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die "Fundstücke" erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die "Resterampe", in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. Alle Beiträge sind üblicherweise in der Reihenfolge aufgenommen, in der ich auf sie aufmerksam wurde.