Thomas E. Ricks - Waging a good war. A Military History of the Civil Rights Movement, 1954-1968 (Hörbuch)
Die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung wird vor allem als eine bereinigte Feel-Good-Geschichte erzählt, in die sich die weiße Mehrheit mit hineinimaginieren kann. Ähnlich wie in Deutschland quasi alle im Widerstand waren und nur extrem böse Menschen Nazis waren, waren Segregationisten in den USA eine winzige, bösartige Minderheit, die merkwürdigerweise dennoch im ganzen Land die Gleichstellung der Schwarzen ein Jahrhundert lang nicht nur verhindert, sondern vor allem (aber bei weitem nicht nur) im Süden in mörderischer Gewalt gesichert hatte. In dieser Fantasieerzählung steht Rosa Parks im Bus nicht auf, hält Martin Luther King eine Rede in Washington, eventuell gibt es noch den Marsch über die Brücke in Selma, weil jemand den Film gesehen hat, und dann erkennen die Weißen die moralische Überlegenheit der Bürgerrechtsaktivisten an und der Rassismus wurde besiegt. Ähnlich wie 1945 die braunen Aliens wieder in die Raumschiffe stiegen, aus denen sie 1933 kamen, und auf Nimmerwiedersehen verschwanden.
Selbst unter denen, die die moralische Bewertung der Bürgerrechtsbewegung richtig einordnen können, ist der eigentliche Grund für ihren Erfolg meistens gar nicht klar, er wird teleologisch einfach vorausgesetzt: the arc of history is long, and it bends towards justice, wie schon MLK selbst gesagt und damit die Saat dieser späteren Erzählung legte. Aber der Bogen der Geschichte spannt sich nicht von alleine, sondern er wird gespannt. Thomas E. Ricks unternimmt es, einen neuen Analyseansatz zu wählen, der den Erfolg der Bürgerrechtsbewegung erklären soll: er nutzt militärhistorische Werkzeuge und betrachtet den Kampf der Aktivist*innen als einen Feldzug gegen einen (inneren) Feind, in dem der Erfolg aus einer Kombination überlegener Taktik, Strategie, Training, Aufklärung und Logistik kam.
In seiner Einführung, "Stirrings, 1865-1954", widerlegt Ricks den zur Erzählung gehörenden Mythos, dass die Bürgerrechtsbewegung effektiv mit Rosa Parks startete. Stattdessen weist er darauf hin, dass es zahlreiche Proteste gegen die ungerechte Behandlung der Afroamerikaner*innen gab, aber außerhalb der Betroffenen im Süden interessierte sich niemand dafür, so dass die Terrorregime dort ungehindert mit blutiger Gewalt und Repressalien gegen die Proteste vorgehen konnten. Das änderte sich erst im Verlauf der 1950er Jahre, und Ricks großes Argument beginnt hier: der Unterschied in den 1950er Jahren war natürlich auf der einen Seite ein gesteigertes moralisches Bewusstsein der Nation. Vor allem aber trat eine Bewegung auf den Plan, die mit militärischen Mitteln einen "good war" gegen die weiße Suprematie kämpfte.
Kapitel 1, "Montgomery, 1955-1956: Besieging a City", gibt eine neue Perspektive auf den Busboycott, der die erste erfolgreiche Kampagne der Bewegung war. Unter einschlägig Gebildeten ist hinreichend bekannt, dass Rosa Parks nicht zufällig zur Ikone der Bewegung wurde. Bereits vorher hatten zahlreiche Afroamerikaner*innen sich geweigert, aufzustehen, und wurden dafür drangsaliert (oft genug wesentlich gewalttätiger und aggressiver, bis hin zu Mord). Aber einerseits hatte die Polizei nicht mehr die Bereitschaft, solche Gewalt auszuüben, und andererseits war Rosa Parks als verheiratete, charakterlich integre und konservative Christin ein perfektes poster child für die Bewegung. Der folgende Boycott hatte keine Erfolgsgarantie: es erforderte, dass die gesamte Gemeinschaft die Aktion deckte und über einen langen Zeitraum nicht brach. Ricks betont, wie viel Vorbereitung in den Boycott ging: er entstand nicht spontan durch Parks' Aktion, sondern war von langer Hand geplant und vorbereitet. Dass diese "Belagerung" Montgomerys so lange durchgehalten werden konnte, war eine Leistung der Organisation. Das Ziel sei außerdem gut gewählt gewesen: der Boykott traf die mehrheitlich weiße Business-Community der Stadt, die kein sonderlich großes Interesse an der Aufrechterhaltung der Segregation hatte, wenn es ihre Profite betraf. Am Ende habe die Belagerung so Erfolg gehabt.
In Kapitel 2, "Nashville, 1960: Developing a Nonviolent Cadre", zeigt Ricks anhand der Ausbildungsstrukturen der Bewegung, wie diese einen Kader hoch disziplinierter und geschulter Aktivisten ausbildeten. Auf der einen Seite mussten diese ideologisch auf Gewaltfreiheit gedrillt werden, was einerseits das konzeptuelle Verständnis erforderte (Ricks erklärt die Einflüsse Ghandis und die spezifische Ideologie, die MLK verbreitete) und andererseits ein intensives Training, denn die Aktivisten mussten die Gewalt des Mobs und der Polizei ertragen, ohne je zurückzuschlagen, bereit sein, ins Gefängnis zu gehen und Verletzungen hinzunehmen und zu lernen, wie sie diese minimieren konnten. Dass die Bewegung es überhaupt schaffte, einen Kader hochdisziplinierter Kader heranzubilden, die diese Fähigkeiten und dieses commitment mitbrachten, war eine bemerkenswerte Trainingsleistung.
Kapitel 3, "The Freedom Rides, 196: A Raid Behind Enemy Lines", bringt das Konzept des (militärischen) Überfalls (raid) in die Thematik ein. Für Ricks waren die Busreisen von (nördlichen) Aktivisten in den tiefen Süden, die "Freedom Rides", letztlich ein solcher raid: sie drangen tief in feindliches Territorium ein, ohne dass der Gegner darauf vorbereitet war. Der Hintergrund war, dass die SCOTUS-Urteile es nicht erlaubten, inter-staatlichen Verkehr zu segregieren. Die Greyhound-Busse durften deswegen an und für sich nicht segregiert werden. Die Freedom Rides, von Journalisten begleitet, zwangen daher die Terrorregime des Südens, in aller Öffentlichkeit Bundesrecht zu brechen. Dies gelang auch, wenngleich der Preis dafür für die Aktivisten oft hoch war: die Mobs, die sich in enger Zusammenarbeit mit der Polizei zu Mord und Totschlag zusammenrotteten, waren eine sehr reale Gefahr für Leib und Leben. Die gute Organisation im Vorfeld - Ricks betont die Rolle von Aufklärung und Logistik immer wieder - verhinderte oft dadurch das Schlimmste, dass die Aktivisten in der lokalen afroamerikanischen Bevölkerung untertauchen konnten.
Das vierte Kapitel, "The Albany Movement, 1961-1962: Stymied by an Adaptive Adversary", zeigt exemplarisch das Scheitern einer Unternehmung auf, weil zentrale Zutaten des Erfolgs fehlten. In Albany hatte die Bewegung ihre Ziele zu breit gefasst, nicht genug Vorbereitung betrieben und stieß zu allem Überfluss auf einen überlegenen Gegner: der Polizeichef der Stadt war kein brutaler Schlächter wie in Selma oder Birmingham, sondern hielt sich an den Buchstaben des Gesetzes. Die Aktivisten wurden mit heute durch die #BlackLivesMatter bekannten Mitteln drangsaliert, indem man sie für alle möglichen "Vergehen" einsperrte und indem man die Gewalt in Grenzen und außerhalb des öffentlichen Auges hielt.
In Kapitel 5, "Ole Miss, 1962: A Racial Confrontation Lacked Movement Input", zeigt Ricks auf, wie manche Auseinandersetzungen ohne jeden Input der Bewegung entstanden. Im Fall des Versuchs eines Schwarzen, als Studenten in die offiziell nun desegregierte Universität Mississippi zugelassen zu werden, war vor allem Robert Kennedys Staatsanwaltschaft involviert. Die Kennedys waren allenfalls zögerliche Verbündete der Bewegung, denen es am liebsten wäre, wenn MLK vom Erdboden verschluckt worden wäre. Aber die offensichtliche Verweigerung der Terrorregime des Südens, sich an Bundesrecht zu halten, wurde von ihnen als persönlicher Angriff empfunden. Ohne die Kenntnisse der Umgebung eskalierte Robert Kennedy den Konflikt mit dem Universitätspräsidenten, der seinerseits nur zu gerne den Studenten zugelassen hätte, sich aber dazu zwingen lassen wollte, da er sein Gesicht gegenüber den anderen Rassisten wahren musste. Ricks erzählt also vor allem eine Geschichte vom Scheitern der Diplomatie.
Kapitel 6, "Early Birmingham, Spring 1963: Putting Children in the Frontlines", zeigt ein moralisch sehr graues Bild. Der Einsatz von Kindersoldaten ist vor allem aus afrikanischen Bürgerkriegen bekannt und wird selten in einem sonderlich positiven Licht gezeichnet. Umso schwieriger ist Ricks hier zu lesen, weil er den bewussten Einsatz von Kindern durch die Bürgerrechtsbewegung mit kühlem Pragmatismus als Erfolgsstrategie markiert. Die Kinder hatten anders als die Erwachsenen kein Einkommen zu verlieren. Als die brutale Polizei begann, ihre üblichen Waffen gegen Kinder zu richten, vergaßen sie nicht nur diesen Unterschied im Ziel, sondern rechneten auch nicht mit der neuen Technologie der TV-Live-Übertragung. Weiße Südstaatler, die Kampfhunde auf wehrlose Kinder hetzten und sie mit Wasserwerfern die Straße hinunterspülten, machten es der weißen Mehrheitsgesellschaft im Norden zunehmend unmöglich, die Gewalt zu ignorieren, und änderten damit die Grundlage im Kongress, wo die Segregationisten ihre Vetomacht zu verlieren begannen.
Kapitel 7, "The March on Washington, Mid-1963: Taking the National Stage", widmet sich dem wohl berühmtesten Einzelereignis der Bürgerrechtsbewegung, dem Marsch auf Washington und MLKs berühmter "I have a dream"-Rede. Das Ziel hier war, die Bürgerrechtsbewegung endgültig auf nationaler Ebene bekannt zu machen und so den Blick des ganzen Landes und nicht nur des Südens darauf zu richten. Dafür musste in einem gigantischen logistischen Aufwand die Menge der Demonstrierenden nach Washington gebracht, mit Nahrung und Wasser versorgt und von trainierten Kadern geleitet werden, damit es nirgendwo zu irgendwelchen Ausschreitungen kam. Hunderttausende kamen morgens in die Stadt und waren abends wieder verschwunden. Es war eine logistische Meisterleistung.
Das achte Kapitel, "Later Birmingham, Fall 1963: Counter-Escalation against Children", zeigt eine Wiederholung des Strategie des Nutzens von "Kindersoldaten". Die Polizei in Birmingham hatte nichts gelernt und war unfähig, sich an die geänderte Umgebung anzupassen. Ihre weiterhin gegen wehrlose Kinder gewandte Gewalt traf nun auf eine Bevölkerung, die wesentlich aufnahmebereiter gegenüber dem Argument war, dass es Bürgerrechtsgesetze brauchte. Ab 1963 war es eine ausgemachte Sache, dass ein Gesetzespaket den Kongress passieren würde, die Frage war nur, wie umfangreich.
Kapitel 9, "Oxford, Ohio, June 1964: SNCC Prepared to Assault a State", zeigt eine Ausdehnung der Ziele der Bürgerrechtsbewegung. Um den politischen Druck zu erhöhen, beschloss die Führung der SNCC-Organisation (einer der radikaleren der zahlreichen untereinander verbündeten Gruppen der Bewegung), mit Mississippi einen der brutalsten und rückständigsten Staaten auf allen Ebenen anzugreifen, indem die praktisch komplett vom Wahlrecht ausgeschlossenen Schwarzen registriert würden. Freiwillige aus dem ganzen Land wurden zusammengezogen, Aufklärung betrieben und der Boden bereitet.
Diese Anstrengungen führten zum im zehnten Kapitel, "The Battle of Mississippi, July and August 1964: Freedom Summer", zum berühmten Freedom Summer, in dem tausende von Aktivist*innen nach Mississippi reisten, darunter auch zum ersten Mal in größerem Ausmaß Weiße, und die dortige in 200 Jahren eingeschüchterte Bevölkerung zu registrieren versuchten. Die Beschreibungen des Terrors durch Polizei und Mob sind absolut erschütternd, und die Risiken und der Druck, dem die Aktivist*innen ausgesetzt waren, wird von Ricks nicht zu Unrecht mit den Belastungen von Soldat*innen im Kampfeinsatz verglichen. Ende 1963 zeigten sich bei vielen Veteran*innen der Bewegung auch deutliche Ermüdungserscheinungen wie PTSD.
Kapitel 11, "Selma, 1965: Victory and Finalization", behandelt den Feldzug in Selma, der vor allem als glorreicher Schlussstein der Bewegung gelten kann, der Lyndon B. Johnsons Bürgerrechtspaket durch den Kongress schubste. Ein letztes Mal zeigten sich alle Vorzüge der Bewegung: gewaltfreier Ansatz, große Disziplin, gute Planung, taktische Finesse und vor allem einen klug gewählten Gegner: der Polizeichef von Selma war ein extrem gewalttätiger Rohling, der sämtliche Fehler der Terrorregime der Südstaaten der letzten Jahre wiederholte.
Doch danach ging es mit der Bürgerrechtsbewegung bergab. Kapitel 12, "Chicago, 1966: A Bridge Too Far", zeigt anhand des Versuchs der Aktivist*innen, ihre Erfolge auf den Norden zu übertragen, die Grenzen des Ansatzes auf. Die offene Gewalt des Südens fand dort nicht statt, die Aufmerksamkeit war nicht mehr gegeben, die Vorbereitung war schlecht und die Risse innerhalb des Bündnisses der Bürgerrechtsgruppen zeigten sich immer offener. Es kam zu gewalttätigen Ausschreitungen, die das Bild der Bürgerrechtler nachhaltig verschlechterten.
Entsprechend melancholisch ist der Ton von Kapitel 13, "Memphis, 1968: The Cost of it All", in dem nicht nur die Ermordung Martin Luther Kings, die dieser selbst immer wieder prophezeit hatte, behandelt wird, sondern auch sein weitgehend gescheiterter Versuch, die ökonomische Benachteiligung der Afroamerikaner*innen zu thematisieren. Andere Mitglieder der Bewegung radikalisierten sich oder waren schlicht erschöpft. In der Bewegung selbst brachen die Konflikte immer weiter auf und führten zu einem Bruch, so dass etwa die Black Panther an Prominenz gewannen, und so weiter.
Der Epilog, "The Good War Today", skizziert denn auch die Entwicklung der Bürgerrechtsbewegung in den folgenden Jahrzehnten und positioniert #BlackLivesMatter in diesem Kontext.
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Ich möchte gleich zu Beginn sagen, dass mir der analytische Wert der Militärmetaphern von Ricks deutlich überstrapaziert scheint. So wertvoll ich die Betonung der Notwendigkeit von Organisation, Logistik, Training und Aufklärung finde, so wenig überzeugend finde ich, mit Belagerungen, Überfällen und Vergleichen zu Sherman und dem D-Day zu operieren. Es ist zwar durchaus manchmal erhellend, dass bestimmte organisatorische Elemente auch beim Militär vorkommen, aber gleichzeitig könnte ich in dieser Breite dieselben Metaphern auf die Wirtschaftswelt anwenden, indem ich Marktforschung als Aufklärung bezeichne, die Einführung eines neuen Produkts im selben Markt wie jemand anderes als raid und einen Preiskampf als Belagerung, ohne dass ich klar ersehen könnte, inwieweit das meiner Analyse großartig weiterhilft. Ricks scheint das auch hin und wieder selbst bemerkt zu haben, wenn er bemüht Verweise auf seine Metaphernstruktur einbaut.
Das ist aber insgesamt etwas, über das man hinwegsehen kann, denn die Grundanalyse der Erfolgsfaktoren der Bürgerrechtsbewegung ist absolut solide und in meinen Augen auch eine, mit der sich heutige Aktivist*innen eingehend auseinandersetzen sollten. Viel zu häufig wird Wert auf reine Aufmerksamkeit gelegt, ein Vorkommen in den Medien, ohne dass die entscheidenden anderen Voraussetzungen gegeben sind. Man kann das exemplarisch, finde ich, für die Letzte Generation sehr gut festmachen. Ein halbes Jahr lang beherrschten sie den Diskurs der Republik, und nun sind sie genauso sang- und klanglos wieder verschwunden, wie sie einst aufgetaucht sind (was ich im Übrigen vorhergesagt habe, wenn ich mich an der Stelle selbst loben darf). In Ricks Analyse ist auch leicht zu sehen, warum.
Einerseits waren ihre Ziele viel zu breit: eine völlige Abkehr von fossilen Brennstoffen und Degrowth war eine geradezu lächerlich radikale Agenda, und da die Letzte Generation auch die Grünen und ihren inkrementellen Ansatz als Feinde sahen, war da auch kein Blumentopf zu gewinnen. Aufklärung wurde nicht großartig betrieben, man hat sich halt festgeklebt. Das wurde vor allem dort getan, wo die Aktivist*innen waren, was zu einer krassen Häufung in einigen wenigen urbanen Brennpunkten führte (die zwar medial über Gebühr verstärkt wurden, aber trotzdem). Es gab keinerlei Versuche, die Öffentlichkeit für sich zu gewinnen, und keine charismatische Führungsfigur. Zuletzt fehlte aber vor allem der dumme Gegner. Vielleicht hätten die Demonstrierenden mehr Erfolg gehabt, wenn sie sich auf Bayern konzentriert hätten, das als einziges Bundesland wenigstens ein bisschen überreagierte, aber ich bezweifle das. Genauso wie bei "Ende Gelände" zeigte die deutsche Polizei keine systematische, brutale Überreaktion. Wenn die Hoffnung war, eine Art 2. Juni 1967 für das neue Jahrhundert zu produzieren, musste diese zwangsläufig enttäuscht werden. Das liegt aber - erneut fehlende Aufklärung - auch daran, dass die deutsche Gesellschaft anders strukturiert ist und der Import dieser US-Protestformen hier einfach nicht funktioniert. Hier braucht es Ostermärsche, keine Sit-Ins.
Auch Ricks ist von ein bisschen nostalgischer Verklärung nicht gefeit: sein Epilog über #BLM zeigt eher die Diskrepanzen als die Gemeinsamkeiten mit der damaligen Bürgerrechtsbewegung. Wenn sein eigenes Argument so tragfähig ist, wie er behauptet - und ich halte es für sehr tragfähig -, dann ist #BLM eben nicht in der Tradition der Bürgerrechtler der 1960er, weil ihnen viel zu viel organisatorischer Unterbau fehlt (wenngleich sie der Letzten Generation immer noch Lichtjahre voraus waren). Auch der halbherzige Versuch, MLKs gescheiterten Versuch der Adressierung sozialer Ungleichheit noch zu verwenden, um aus dem eher konservativen Prediger doch noch irgendwie einen Linken zu machen, ist nicht sonderlich überzeugend und keine Stärke des Buches.
Sowohl für das historische Verständnis des Erfolgs der Protestbewegung als auch als Rezeptbuch für den Erfolg von Protestbewegungen generell halte ich Ricks' Werk für eine wertvolle Lektüre. Es erinnert mich an Vincent Bevins' "If we burn" (hier rezensiert), das ebenfalls die relative Erfolglosigkeit moderner Protestbewegungen analysiert und zu recht ähnlichen Schlüssen kommt wie Ricks hier. Natürlich kommt da meine eigene Prägung als moderater Zentrist ins Spiel; ich bin kein Freund radikaler Ansätze und glaube an beschränkte Ziele, das langsame Bohren harter Bretter in kleinen, aber nachhaltigen Schritten. Obama statt Bernie, quasi. Und der reale Martin Luther King, nicht die Fantasieversion, war da ähnlich gestrickt, weswegen die Beschäftigung mit dem Menschen statt mit der Ikone wertvoll ist.
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