Freitag, 4. Januar 2019

Warum Hillary verlor, Teil 2: Was 2016 geschah

Nachdem wir im ersten Teil der Serie über die Grundlagen von Clintons Person und ihrer Kandidatur gesprochen und mein persönliches Verhältnis dazu geklärt haben, wollen wir nun direkt in die Frage einsteigen, was 2016 eigentlich geschah. In diesem Teil soll es dabei nur um die Faktoren gehen, die sich hinreichend objektiv feststellen lassen, während die Bewertung des eigentlichen Wahlkampfgeschehens Objekt folgender Teile wird. Ich habe die Artikelserie mit einem schnoddrigen Kommentar eines Journalisten zur Umfragenwahrscheinlichkeit gemacht, und eines der offensichtlichsten Themen, die hier angesprochen werden müssen, ist die Frage der Zuverlässigkeit von Umfragen. Zahllose Instititute sagten einen Sieg Clintons voraus, manche gaben Wahrscheinlichkeiten zwischen 85 und 95% an; Obama-Redenschreiber Jon Favreau versteigerte sich gar zur Aussage, Clintons Sieg sei zu 100% sicher, es gebe keine Chance für Trump. Auf diesem Sektor gibt es viele Missverständnisse. Denn die Umfragen waren ziemlich akkurat.

Um zu verstehen, was hier eigentlich passiert ist, muss man sich klarmachen, wie die Umfragen funktionieren. Grundsätzlich werden zwei verschiedene Umfragen gemacht: nationale und einzelstaatliche. Die nationalen Umfragen geben im Endeffekt das popular vote wieder, eine für den eigentlichen Sieg (wie sich ja zeigte) irrelevante Messgröße. Die einzelstaatlichen Umfragen geben manchmal das popular vote des Staates, manchmal eine nach Counties aufgeschlüsselte Simulation der späteren Wahl wieder. Da im amerikanischen Wahlsystem in den meisten (aber nicht allen) Staaten alle Elektorenstimmen an den Sieger im Mehrheitswahlrecht gehen (first past the post), können hier kleine Schwünge einen großen Effekt haben. Neben den Umfragen der einzelnen Institute gibt es Aggregatoren wie 538, The Upshot oder The Crystal Ball, die alle Umfragen nach einem Modell zusammenrechnen und daraus einen Schnitt errechnen. Das hat den Vorteil, dass Ausreißer wie die Umfragen der Los Angeles Times ausgeglichen werden, aber den Nachteil, dass systemische Fehler reproduziert werden. Grundsätzlich sind die Aggregatoren aber deutlich präziser als die einzelnen Umfragen und sollten für die Einschätzung der Situation bevorzugt werden.

In der medialen Rezeption wurden diese verschiedenen Umfragearten ständig durcheinander geworfen. Zudem wurden die Zahlen gerne ohne die Einschränkungen genommen, mit denen sie immer kamen. Und diese Einschränkungen sind relevant: Einerseits gilt für alle Umfragen ein margin of error von mindestens (!) 3% (in den einzelstaatlichen Umfragen kann er auf 8% steigen). Andererseits werden die Staaten in unterschiedlicher Intensität und Qualität umgefragt (gepollt? geumfragt?). Staaten wie Virginia oder Pennsylvania werden beständig untersucht, während Staaten wie Idaho häufig keine aktuellen Umfragen haben. Das alles beeinflusst die Genauigkeit. Auf diese Faktoren kommen wir wieder zurück.

Abgesehen von dieser Problematik der unterschiedlichen Umfragearten kamen noch zweu wesentlich schwerwiegendere Probleme dazu. Viele Beobachter (mich eingeschlossen) verstanden schlichtweg das Konzept von "Wahrscheinlichkeit" nicht; die meisten (mich nicht mehr eingeschlossen) verstehen das, wie am im zu Beginn zitierten Tweet sehen konnte, heute noch nicht. Eine Wahrscheinlichkeit von 80% bedeutet nicht, dass ein Ereignis sicher eintreffen wird. Es heißt, dass es das wahrscheinlichste Ergebnis ist. Aber die Leute neigen dazu, diese Dinge durcheinander zu werfen. Deswegen ist es nicht paradox zu sagen, dass die Umfragen generell ziemlich akkurat waren. Ein Beispiel: die Los Angeles Times sagte voraus, dass Trump die Wahl gewinnen werde, mit einem oder zwei Prozent Vorsprung im popular vote. Nur macht das die Umfrage trotz des "richtigen" Ergebnisses falscher als eine Umfrage, die einen Clinton-Sieg mit drei Prozent des popular vote vorhersagte. Das ist das eine.

Das andere war, dass die Umfragewerte durch die ganze Wahlsaison - Mai bis November 2016 stark schwankten. Und genau hier lag der Hase im Pfeffer. Denn woran das lag, war überhaupt nicht klar. Wir wissen heute, dass viele Wähler unentschlossen waren und bis zum Ende ihre Entscheidung immer wieder revidierten. Dieses Argument brachte seinerzeit vor allem 538 vor, weswegen sie auch die niedrigste aller Wahrscheinlichkeiten für einen Clinton-Sieg (rund 70%) angaben. Das ist aber für Wahlen besonders in dieser polarisierten Zeit eher untypisch (und hatte Gründe in den Kandidaten, zu denen wir im nächsten Teil kommen werden), und eine alternative Erklärung kam etwa vom Umfrageinstitut YouGov. Diese Erklärung, die sich ebenfalls problemlos aus der Datenlage stützen ließ, besagte, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Unterstützer eines Kandidaten überhaupt an einer Umfrage teilnahmen, davon abhing, welcher Kandidat gerade vorne lag. Oder anders ausgedrückt: hatte Trump schlechte Presse, verweigerten sich mehr Republicans dem Anrufer, und umgekehrt. Die Ausschläge wären damit ein statistisches Artefakt gewesen, entscheidend wäre allein der (für den Wahltag repräsentativere) Durchschnitt ("revert to the mean"). Es war durchaus möglich, dass 538 falsch lag, und ich fand seinerzeit das Erklärungsmodell von YouGov überzeugender, wollte es vielleicht auch überzeugender finden. Aber es hatte eine solide Basis in der Realität und war für viele Wahlen nachgewiesen worden.

Und damit kommen wir wieder zu den Staatenumfragen zurück. Für viele der Staaten, die sich dann für das Ergebnis als entscheidend erwiesen, gab es in den anderthalb Wochen vor der Wahl keine aktuellen Umfragen mehr; für manch andere gab es zwar welche, aber diese waren schlecht und wurden (oft zurecht, weil sie falsch waren!) von den Aggregatoren nur gering gewichtet. Das wäre kein Problem, wenn die Erklärung von YouGov richtig gewesen und sich alles eh wieder am Durchschnitt ausgerichtet hätte; wenn aber 538 richtig lag (was sie taten), bedeutete das hohe Unsicherheit. 538-Chef Nate Silvler geriet mit seinem Kollegen Nate Cohn von der New York Times, dessen Upshot eine Wahrscheinlichkeit von über 90% für einen Clinton-Sieg ausgab, in einen erhitzten Streit und warf diesem vor, die Unsicherheit der aktuellen Lage nicht genügend einzubeziehen.

Das bedeutet, dass die Schwünge aller Wahrscheinlichkeit nach (mit Sicherheit werden wir es nie wissen, aber das wird mittlerweile von allen Seiten akzeptiert) echt waren. Man kann sich das Auf und Ab wie eine Runde "Reise nach Jerusalem" vorstellen. Nur blieb die Musik in einem für Clinton maximal ungünstigen Zeitpunkt stehen. Es kann als extrem wahrscheinlich geben, dass sie die Wahl nur eine Woche vor oder nach dem eigentlichen Wahltermin gewonnen hätte (wenngleich knapp). Warum bin ich mir über das "knapp" so sicher? Weil Trumps Sieg extrem knapp war. Wirklich, wirklich knapp. Das sieht man den Zahlen des Electoral College nicht an, weil das Bild hier verzerrt wird. Aber hätte Trump - der über 60 Millionen Stimmen auf sich vereinigte - in insgesamt drei Staaten insgesamt 77.744 Stimmen weniger bekommen, wäre er heute nicht Präsident. Das ist eine hauchdünne Mehrheit.

Und damit sind wir beim Electoral College. Das amerikanische Präsidentenwahlrecht gibt nämlich einen Dreck auf den popular vote. Üblicherweise streicht der Sieger in einem Staat auch alle Elektorenstimmen ein. Viele Staaten sind daher auch nicht umkämpft - Arkansas ist etwa so klares Republican-Territorium wie New Jersey es nicht ist. Der Fokus liegt daher auf den Staaten, die tatsächlich umschwingen können, die so genannten Battleground States. Wegen der oben beschriebenen hohen Unsicherheit 2016 gab es davon mehr als üblich, aber viele alte Bekannte waren ebenfalls dabei. Florida war so knapp wie eh und je, Virginia war heiß umkämpft, ebenso Pennsylvania und Ohio.

Die Strategie der Democrats basierte auf der Überlegenheit Clintons. In allen Umfragen genoss sie eine Mehrheit, mal stabil, mal knapp, aber immer in denselben Staaten. Diese Staaten bildeten die so genannte "Firewall". Während Staaten an der Peripherie dieser Firewall mal in ihr Lager fielen und mal nicht (je nachdem, ob das popular vote im Schnitt deutlich über 5% auf ihrer Seite lag, was oft genug vorkam), war die Firewall selbst stabil. Dazu gehörten Staaten wie Pennsylvania, Michigan, Virginia. Die Firewall war groß genug, dass der Verlust eines oder zwei dieser Staaten immer noch für einen knappen Clinton-Sieg gereicht hätte.

Aber, und hier war Nate Silver von 538 tatsächlich der einsame Mahner in der Wüste, was viele übersahen: die Staaten korrelierten. Wenn Clinton tatsächlich Pennsylvania verlieren würde, dann würde sie sehr wahrscheinlich auch Wisconsin, Michigan, Ohio, und so weiter verlieren - und umgekehrt, wenn sie sie gewann, würde sie wahrscheinlich auch alle dieser Staaten für sich gewinnen. Sie waren in Demographie und Wahlverhalten sehr ähnlich. Aber nur der zweite Teil dieses Sachverhalts dran zu den Beobachtern durch, auch mir, die sich deswegen in falscher Sicherheit wiegten.

Seither überkompensieren die politischen Beobachter. Es hat sich ein veritabler "Rust Belt Mythos" gebildet, ein Narrativ, in dem die weiße Arbeiterklasse aus diesen Staaten, enttäuscht von den sich auf identity politics konzentrierenden Democrats und von wirtschaftlicher Unsicherheit (economic anxiety) ergriffen, von ihrer langjährigen politischen Basis abwandten und den Populisten Trump wählten. Gerne wird in diesem Zusammenhang auch sein Chefstratege Steve Bannon erwähnt, der entsprechende Bemerkungen gemacht hatte.

Das ist aber ein Mythos. Trump wurde nicht von einer Rebellion der Blue-Collar-Arbeiter in den Städten, sondern von den Einwohnern der ländlichen Regionen an die Macht gebracht. Was überhaupt noch übrig ist von dieser früher so dominanten Schicht bleibt weiterhin demokratisch, schon allein, weil mittlerweile gut die Hälfte der Arbeiter gar nicht mehr weiß, sondern Angehörige einer Minderheit sind. Stattdessen war 2016 eine in den großen Trends völlig normale Wahl und Teil eines Realignments, das bereits seit Jahren von sich geht. In etwas, das wohl ein Muster darstellt, kam die Wahl für dieses Realignment aber an einer ungünstigen Stelle. Was ist damit gemeint?

In den letzten zwei Dekaden lässt sich eine langsanme, aber stetige Wählerwanderung beobachten. Einerseits führt diese von den Städten aufs Land und andererseits vom Süden in den Mittleren Westen, jeweils aus der Sicht der Democrats. Die einstigen Bastionen der Republicans im Sun Belt, also den ehemaligen Südstaaten, werden etwas blauer, die einstigen Bastionen der Democrats im Rust Belt, also dem Mittleren Westen, werden roter. 2016 profitierte die GOP von diesem Trend, 2018 bei den Midterms ihre Gegner.

Ein Teil dieses Trends ist auch der Wandel der Vororte: Suburbia war noch vor vier Jahren eine konservative Bastion, in der traditionelle Familienwerte gegen die gottlosen Atheisten aus den Städten verteidigt wurden. Clinton gewann eine zweistellige Prozentzahl in den Vororten und kam fast gleichauf mit den Stimmen der Republicans; 2018, beschleunigt durch Trumps extremistisches Gebahren im Weißen Haus, gewannen die Democrats diese Demographien zum ersten Mal. Nur: Das Land, also die vom wirtschaftlichen Wachstum und gesellschaftlichen Fortschritt abgehängten Counties (das Viertel der Counties, die Clinton wählten, vereinte fast 2/3 der Wirtschaftsleistung der USA auf sich), wandte sich in noch stärkerem Maße den Republicans zu. Und die gewannen mit hauchdünnem Vorsprung diesen Kampf um die Ausnutzung des Realignments - zumindest 2016, wo die Wahlbeteiligung auf dem Land über- und die der Vororte und Städte unterdurchschnittlich war. 2018 führte diese Strategie in die bereits für 2016 prophezeite Katastrophe, als dieser Faktor nicht mehr galt.

Warum also wählte das flache Land in nie dagewesenen Zahlen einen Immobilienmogul aus New York, der gegenüber den Werten dieser Bevölkerung nur Verachtung übrig hatte und dessen ganzer Lebensstil "neureiche Ostküstenelite" schrie? Hier kommen wir auf Steve Bannon zurück, der einen längeren Trend in der GOP ausmachte: einen Wandel der Kernwähler zu einer aggressiv-reaktionären Grundhaltung, die bereits 2010 die Tea-Party-Revolution befeuert hatte (Sean McElwee bezeichnete es nicht zu Unrecht als "fear of diversity"). Trumps Strategie in den letzten anderthalb Monaten des Wahlkampfs - die einzigen, in denen Bannon eine Rolle spielte - war eine Konzentration auf die Basis und ein Aufgeben jedes Versuchs, die moderaten Amerikaner zu gewinnen. Das Mittel dazu war eine ausschließliche Konzentration auf rechte identity politics, was jeder Wahlmanager Trumps - Lewandowsky, Bannon und so weiter - auch in zahlreichen Interview seither so bestätigt hat. Diese Strategie konnte nur dann Erfolg haben, wenn die Gegenseite nicht in gleichem Maße mobilisiert wurde - wie es ja dann auch geschah.

Trumps Team zeigte sich dabei als geschickter darin, Mechanismen der alten und neuen Medien auszunutzen. Seine Wahlkampforganisation nutzte Facebookwerbung gezielt in geschlosseen Gruppen (also Facebookgruppen, für die man eine Einladung braucht und in der Gleichgesinnte einander in ihrem radikalen Weltbild bestätigen) sowie beim Abzielen auf die republikanische Basis. Sein Team selbst setzte dabei zwar auf tonal ungewöhnlich aggressive, aber im Kern klassische Wahlkampfthemen, während Dritte eine wahre Welle von Fake News über diese Zielgruppen schwemmten (die Rolle russischer Bots und Trolle in diesem Zusammenhang ist hoch umstritten und wird hier deswegen nicht weiter thematisiert; wir begegnen ihr in einem späteren Teil des Artikels wieder).

Gleichzeitig nutzte Trump eine Schwäche der traditionellen Medien gnadenlos aus: Während das republikanische Staatsfernsehen, FOX News, wie bei den Wahlen zuvor als reiner Propagandasender der GOP agierte, verhielten sich die übrigen Medien so, wie sich Medien immer verhalten. Sie nahmen an, dass zwei grundsätzlich demokratische und deswegen gleich legitime Bewerber stritten, die daher auch beide eine gleiche und faire Behandlung verdienten. Das bedeutet nicht, dass sie deswegen nicht Trump veurteilten (die meisten Medien gaben am Ende eine Wahlempfehlung für Clinton ab), aber es bedeutete einerseits, dass sie Trumps Worte stets "in good faith" nahmen, wodurch er mit abstrusen Lügen einen Nachrichtenzyklus beherrschen konnte (eine Strategie, die er erfolgreich bis heute anwendet) und so einzelne Skandale in der schieren Masse der Skandale untergehen ließ, die ihn umgaben.

Aber genau diese Masse sorgte dafür, dass die Medien das Bedürfnis hatten, aus Fairnessgründen auch negativ über Clinton zu berichten. Und das führte zur völligen Überbewertung des Emailskandals, der von den verantwortlichen Medien, allen voran der New York Times, bis heute nicht aufgearbeitet worden ist. Wir werden auf den Emailskandal aber noch zurückkommen. Paradoxerweise war es gerade die weit verbreitete Erwartung eines Clinton-Siegs, die die negative Berichterstattung (2016 war der negativste Wahlkampf der neuen US-Geschichte) maßgeblich mitbefeuerte. Niemand wollte sich dem Vorwurf aussetzen, zu parteiisch gewesen zu sein. Paradoxerweise hätte ein knapperer Wahlkampf, in dem Trump tatsächlich gleichauf mit Clinton gelegten hätte, mit größerer Wahrscheinlichkeit zu ihrem Sieg geführt, weil dieses Bedürfnis bei diversen Akteuren nicht so groß gewesen wäre. Es ist ein paradoxer, aber wirkmächtiger Faktor.

Clinton hatte jedoch auch strategisch zwei Nachteile. Einerseits war die Stimmung im Land auf beiden Seiten (wenngleich von rechts stärker als von links) auf einem Anti-Establishment-Zug. Daraus erklärt sich auch der Erfolg Sanders, denn der verkörperte diesen Geist sehr authentisch. Genauso Trump; während dessen Credentials hinsichtlich einer sozialkonservativen Wertepolitik, vorsichtig ausgedrückt, etwas zu wünschen übrig ließen, konnte kein Zweifel daran bestehen, dass er in den Medien, der professionellen Politik (besonders Politikberatung) und selbst in weiten Teilen der Wirtschaft verhasst war. Clinton dagegen war die Verkörperung des Establishments.

Dazu kam, dass sich Clinton effektiv um eine dritte Amtszeit Obamas bewarb. Dritte Amtszeiten derselben Partei sind in den USA so schwierig wie selten, und dass Clinton über weite Strecken des Wahlkampfs trotz dieses inhärenten Nachteils einen Vorsprung in einer Höhe genoss, der ihren Sieg gesichert aussehen ließ und der fast schon an 2008 erinnerte, zeigt eher die riesigen strukturellen Schwächen der Republicans als eine besondere Stärke von HRC und ihrer Partei. Die richtige Frage lautet daher weniger, wie es Hillary Clinton schaffte, die Wahl zu verlieren, als vielmehr, warum ihr Sieg durch die Bank das wahrscheinlichere Ergebnis war.

Die Antwort darauf ist natürlich Trump, der unbeliebteste Kandidat aller Zeiten und der radikalste Kandidat seit Barry Goldwater. Der gewann natürlich nicht im Vakuum: die hier im Blog schon oft analysierte Radikalisierung der GOP hatte dazu geführt, dass sein schärfster Konkurrent im Wahlkampf Ted Cruz war, selbst einer der unbeliebtesten Politiker, die die Partei aufzubieten hatte.

Der letzte unbestrittene Faktor in der Wahl ist die Unbeliebtheit BEIDER Kandidaten. Nie zuvor standen bei einer Wahl Kandidaten zur Auswahl, die beide Beliebtheitswerte deutlich unter 50% aufwiesen. Trump war zwar stets unbeliebter als Clinton und erreichte nie auch nur annähernd die 50%; Clinton selbst aber startete den Wahlkampf im Sommer 2016 mit soliden Beliebtheitswerten um die 60%-Marke. Wie sie diesen Vorteil verspielte, wird noch zu untersuchen sein; dass er bestand, ist aber zweifelsfrei zu sehen. Diese Unbeliebtheit beider Kandidaten erlaubte es vielen Wählern, Trump unter der "pox on both your houses"-Haltung zu wählen, auf die er 2018 so dezidiert nicht bauen konnte.

Am Ende siegte dann bekanntlich Trump, 306 zu 232. Die Firewall war gebrochen worden, mit Siegen um 0,7% (in Wisonsin und Pennsylvania) und 0,2% (in Michigan), mit den eingangs erwähnten 77.744 Stimmen. Im nächsten Teil der Serie werden wir uns der Frage widmen, welche Faktoren für Clintons Niederlage nicht ausschlaggebend waren - auch wenn sie beständig genannt werden.

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