Donnerstag, 6. September 2012

Der Euro spricht kein deutsch mehr

Von Marc Schanz

Der Märktepsychiater Draghi diagnostiziert eine schwere Störungen an den Anleihemärkten und wird die Irrationalen Handlungen mit allen Mittel aus seinem Giftschrank bekämpfen: Der EZB-Präsident Draghi kündigt den unbegrenzte Aufkauf von Staatsanleihen an!
Das darf doch nicht wahr sein! In diesen Maastricht-Verträgen, die mit dem Blut europäischer Demokratien geschrieben wurden, steht doch dieser eine in Stein gemeißelte Satz:
No-Bailout! No-Bailout! NO-BAILOUT!1!!
Die EZB verletzt dieses höchste aller ordoliberalen Gebote! Oh Graus, der Euro ist nicht mehr deutsch! Am heutigen Tag starb die ehrenwerte Bundesbank und morgen kommt die Hyperinflation, ganz bestimmt!1!!

 Welch putzige Horrorgeschichte. Um zu verstehen, was wirklich passiert, muss man zumindest die Grundzüge des Finanzsystems kennen. Das Finanzsystem stellt nicht nur die Finanzierung der Realwirtschaft sicher, es verwaltet auch enorme Vermögenswerte. Richtig, die Staatsschulden gehören in die Sphäre der Vermögenswerte und haben erstmal wenig mit der Realwirtschaft zu tun. Wenn die Staatsschulden steigen, schrumpfen oder auf den Mars exportiert werden, für die Realwirtschaft hat das erst einmal keine Konsequenzen. Ob also die EZB Staatsanleihen kauft oder nicht, ob eine schlichte Umbuchung in der Sphäre der Vermögensverwaltung statt findet oder nicht, ist für die Realwirtschaft erst einmal egal. Erst wenn der Staat sein Vermögen in seine Wirtschaft oder Bürger investiert, in dem er Konjunkturprogramme auflegt oder seine Sozialausgaben erhöht, gäbe es einen positiven realwirtschaftlichen Effekt. Glaubt jemand ernsthaft daran, dass Europa, das Land der ESM-Willkürherrschaft und Troika-Knechtschaft, sich in ein solches Gutmenschenparadies verwandeln könnte? Eben, das wird nicht geschehen und daher wird exakt nichts passieren. Nur den Staatshaushalten wird etwas Luft verschafft und das Sterben der dysfunktionalen Währungsunion wird verlängert. Der Horror einer Hyperinflation wird nicht eintreten und die Krise wird bestehen bleiben.

Für die No-Bailout-Irren habe ich noch einen Hinweis: Die vertraglichen Regelungen einer Währungsunion darf zweifelsohne eine No-Bailout-Klausel enthalten. In diesem Fall müssen aber in den Verträgen alternativlos zwingend zwei weitere Regelungen definiert werden: eine Staatsinsolvenz und ein Austritt aus der Währungsunion. Die derzeitige Währungsunion, die zwar eine No-Bailout-Klausel enthält, aber immer noch auf eine Regelung der Staatsinsolvenz und eines Austritts verzichtet, ist purer Schwachsinn. Dass dieser Konstruktionsfehler seit über zehn Jahre bestehen kann und selbst nach über drei Jahren Dauerkrise noch nicht in Angriff genommen wurde, ist mit der Formulierung “abgrundtiefe Dummheit jenseits sämtlicher Vorstellungskraft” nur äußerst unzureichend beschrieben.

Europa wird nicht an einer Hyperinflation des Geldes, sondern an der Hyperventilation seiner eigenen Dummheit zugrunde gehen.


Kommentare:

  1. Innerhalb vorgegebener Gedankenmuster ein sehr guter Text.

    Vergiftetes Lob. Pfui!

    Zu dieser Rabulistik treibt mich die Erkenntnis, dass keine Justierung von Stellschrauben (oder das Bohren neuer Gewindelöcher) dieser Währungsunion dieses Wirtschaftssystem langfristig aufrecht erhalten kann.

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    1. Der Euro könnte morgen repariert werden und die Krise wäre vorbei. Unser Wirtschaftssystem ist so ganz okay. Ob wir es für sinnlose Kriege oder für die Bildung unserer Kinder nutzen, liegt nicht am Geld- oder Wirtschaftssystem, sondern an uns Menschen. Hier sehe ich überhaupt keine Probleme. Was jedoch nicht aufrecht erhalten werden kann, ist, dass die verpfuschte Währungsunion gezielt zur Spaltung und Zerstörung ganzer Nationen und Gesellschaften missbraucht wird.

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  2. Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit.

    Das sind Begriffe, die bei Linken völlig fehlen. Sie kommen in deren Denkschemata nicht vor. Dabei sind sie die Grundlage allen Wirtschaftens. Kein Mensch schließt einen Vertrag ab, wenn er seinem Gegenüber nicht vertraut. Der permanente Vertragsbruch führt zum völligen Vertrauensbruch.

    Stattdessen muss die Wirtschaft stimuliert werden, weil der Erwerbstrieb angeblich lahmt wie der Fortpflanzungs- und der Sexualtrieb. Gut satuierte Beamte in Ministerien und Kommunen sollen den immer am Laufen halten. Das wäre so, als würde der Papst über das Wohlergehen der Pornoindustrie wachen.

    Nein, Marc Schanz mag andere für irre erklären. Wie Wirtschaft funktioniert, darüber scheint er selbst keine Ahnung zu haben. Schade eigentlich.

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    1. @In Dubio

      Ich versuche es mal an einem anderen Beispiel: ich schließe mit einer Person einen Vertrag ab, dass die Erde eine Scheibe ist. Das kann ich machen und ich kann auf die Einhaltung des Vertrags pochen, nur eines erreiche ich damit nicht: dass der Vertrag der Realität entspricht.
      Ich weiß, diesen Satz werden sie nicht verstehen: der Vetragsbruch der EZB ist notwendig, um den Euro an die Realitäten der verpfuschten Währungsunion anzupassen.

      Übrigens habe ich oben die Lösung aus der Misere erwähnt: wenn eine Staatsinsolvenz und/oder ein Austritt geregelt wäre, könnten die Verträge der Währungsunion auch eingehalten werden. Ohne diese Klauseln ist der Euro eine Scheibe.

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    2. Sie gehen dabei davon aus, dass es in Vertragsbeziehungen so etwas wie die physikalische Wahrheit gäbe. Doch das gibt es im Zwischenmenschlichen höchst selten. Und selbst wenn man das im Falle der Währungsunion annähme, bliebe die Frage, warum die momentan angeblich darunter leidenden Staaten diesen Vertrag eingegangen sind. Da stottern Sie permanent, das passt nicht ins Korsett.

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    3. Vertrauen. Glaubwürdigkeit. Verlässlichkeit.

      Bitte versuchen Sie einmal, diese Begriffe in Ihre Argumentation zu integrieren. Und sei es nur in der Negierung.

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    4. Sie gehen dabei davon aus, dass es in Vertragsbeziehungen so etwas wie die physikalische Wahrheit gäbe.

      Ich meine, es gibt Verträge, deren Bedingungen niemals eingehalten werden können. Da hilft weder Vetrauen, noch Glaubwürdigkeit, noch Verlässlichkeit.

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    5. Dann schließt der, welcher meint, die Bedingungen nicht einhalten zu können, den Vertrag nicht ab. Alles andere ist arglistige Täuschung, genau das, was viele Deutsche den südlichen Tricksern vorwerfen. Punktum.

      Treue liegt nicht im Wesenskern unserer Biologie. Dennoch verpflichten sich Milliarden von Menschen zur Treue. Ich weiß, in Deinen Worten irre und so werden beide "Partner" das permanente Fremdgehen akzeptieren müssen. Viel Spass bei der Diskussion mit Deiner Partnerin! :-)

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    6. @In Dubio

      Hier sind wir einer Meinung: der Vertrag zur Euro-Währungsunion hätte niemals unterzeichnet werden dürfen - von allen beteiligten Parteien!

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    7. Diesen Vertrag wollten Frankreich und die heute am Pranger stehenden Länder. Geschlagen werden aber die Deutschen. Jetzt errichtet man das, was diese Länder bereits hatten, nur diesmal mit Beteiligung Deutschlands.

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  3. "Stattdessen wird – mit Schaum vor dem Mund – der „Rechtsbruch“ der EZB oder die Überschreitung „von roten Linien“ angeprangert. Selbst wenn es ein Rechtsbruch wäre: Wie kann man unkonditioniert die Durchsetzung von Recht verlangen, das von denen, die dem Recht unterliegen, fordert, etwas zu tun, was objektiv unmöglich ist? Wo es gegen die Logik verstößt, hat auch das Recht sein Recht verloren."
    Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker ( http://www.nachdenkseiten.de/?p=14377 )

    So sehe ich das auch. Wenn man verlangt, dass 2+2=3 ist, klappt es auch dann nicht, nur weil es in Gesetzesform gegossen wird.

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  4. "No-Bailout-Irre"

    Sehr treffende Beschreibung...

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  5. @Christian

    Welcher Geisteskranke schließt einen Vertrag ab, den er wissentlich nicht einhalten kann? Und welches geistesgestörte Volk drängt seine Repräsentanten in ein disziplinierendes Währungssystem, dessen Bedingungen inakzeptabel erscheinen? Sie irren: niemanden ist etwas aufgezwungen worden. Doch wenn man einen Vertrag unterschreibt, dann deswegen, weil man sich daran halten will und halten kann. Niemand zeichnet einen Vertrag, wo drin steht, die Erde wäre eine Scheibe.

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  6. Wenn die Staatsschulden steigen, schrumpfen oder auf den Mars exportiert werden, für die Realwirtschaft hat das erst einmal keine Konsequenzen.

    Das ist definitiv völliger Unsinn. Unter der Prämisse, dass das anlagesuchende Kapital gleich bleibt, so steigt der Zins mit steigender Staatsverschuldung. Wer heute in Griechenland investiert, dürfte eine Renditeerwartung haben, die deutlich über der in Deutschland liegt. Da jedoch mit steigenden Renditeerfordernissen auch das Risiko steigt, dieses zu verfehlen, unterbleiben im Zweifel Investitionen. Es hat seinen Grund, warum seit zwei Jahren niemand in Hellas investieren will.

    Umgekehrt werden derzeit die Spareinlagen der Deutschen entwertet. Der bisherige Garantiezins, zu dem Kapitallebensversicherer verpflichtet sind, lässt sich unter den veränderten Bedingungen nicht mehr halten. Was der Staat auf der Finanzseite macht, bleibt ebne nicht ohne, manchmal sehr gravierende, Auswirkungen auf die Realwirtschaft.

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    1. Unter der Prämisse, dass das anlagesuchende Kapital gleich bleibt, so steigt der Zins mit steigender Staatsverschuldung.

      Tja, wenn die Währungsunion eine Scheibe wäre, dann schon. Leider steigt unsere Verschuldung und die Zinsen sind teilweise negativ.

      Es hat seinen Grund, warum seit zwei Jahren niemand in Hellas investieren will.

      Natürlich, eine total verpfuschte Währungsunion.

      Der bisherige Garantiezins, zu dem Kapitallebensversicherer verpflichtet sind, lässt sich unter den veränderten Bedingungen nicht mehr halten.

      Ja, aber das hat erst einmal keine Konsequenzen für die Realwirtschaft.

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  7. @Marc

    Momentan zahlt Deutschland einen negativen Zins. Dies passiert aber nur aus dem Grund, weil das private Kapital aus zahlreichen anderen Staatsanleihen flüchtet. Die müssten, weil sie angeblich die "Wucherzinsen" nicht zahlen können, Staatsschulden tilgen. Stattdessen soll die EZB einspringen. Außerdem sollte nicht entgangen sein, dass deutsche Aktien momentan eine Bullensaison erleben. Damit steigen auch die Renditeerwartungen. Alles im übrigen ist eine sehr kurzfristige Betrachtungsweise, für eine Fundamentalanalyse eignet sich das nicht. Fakt ist aber, dass die Zinsen für Unternehmensanleihen 2008 / 2009 kräftig angezogen hatten.

    Es hat seinen Grund, warum seit zwei Jahren niemand in Hellas investieren will.

    Natürlich, eine total verpfuschte Währungsunion.


    Was ist das denn für ein Kindergartenargument??

    Der bisherige Garantiezins, zu dem Kapitallebensversicherer verpflichtet sind, lässt sich unter den veränderten Bedingungen nicht mehr halten.

    Ja, aber das hat erst einmal keine Konsequenzen für die Realwirtschaft.


    Bitte??! Wenn das erwartbare Endkapital für Altersvorsorge oder sonstige Absicherung sinkt, ist das keine Auswirkung auf die Realwirtschaft? Das wäre dann ein extrem eingeschränkter Begriff von Realwirtschaft...

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    1. @In Dubio

      Das Kapital muss flüchten, da die Euro-Zone instabil ist. Das Kapital kann so leicht flüchten, weil ihm das der Target2-Mechanismus ermöglicht. Die Euro-Krise ist eine direkte Folge dieser Konstruktionsfehler und des unbegreiflichen Missmanagements. Die irrationalen Anleihezinsen, das kollabieren der Staatshaushalte, das sinken sämtlicher Zinsen unter den Garantiezins sind die Folgen davon.
      Dass ich ihnen diesen einfachen und offensichtlichen Zusammenhang nicht auf einem gehobeneren Niveau erklären kann, liegt nicht an mir!

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  8. @Marc

    Das Kapital flüchtet ja nicht einfach aus der Eurozone, es schichtet deutlich um. Und selbst Großbritannien bekommt zunehmend Probleme, sich am Kapitalmarkt zu finanzieren, die Bank of England hortet Staatsanleihen auf Rekordniveau. Das heißt, es werden Unterschiede gemacht, das spricht gegen Ihr Argument.

    Die Beweglichkeit des Kapitals hat nichts mit dem Target2-Mechanismus zu tun, sondern mit fehlenden Kapitalverkehrskontrollen. Kann ich daraus lesen, dass Sie für dieses Instrument der Gängelung plädieren?

    Klar, wenn man die eigenen Argumente nicht akzeptiert, liegt das daran, dass der andere nicht mitdenken will. Und nicht, dass die eigene Argumentation Brüche aufweist. Genauso argumentiert Flassbeck, die anderen wollen einfach nicht verstehen, was für einen selber so einsichtig ist. Ich persönlich mag solche Muster nicht, sie sollen Schrott übertünchen.

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    1. Das Kapital flüchtet ja nicht einfach aus der Eurozone, es schichtet deutlich um.

      Ja, diese "Umschichtung" zwischen den Euro-Ländern bedeutet für die Krisenländern die Zerstörung ihres Staates, der Wirtschaft und der Gesellschaft.

      Das heißt, es werden Unterschiede gemacht, das spricht gegen Ihr Argument.

      Wieso sollte es keine Unterschiede geben können? Irrationalität ist nicht gleich Irrationalität!

      Die Beweglichkeit des Kapitals hat nichts mit dem Target2-Mechanismus zu tun, sondern mit fehlenden Kapitalverkehrskontrollen.

      Eine Devisentransaktion ist so etwas wie eine automatische Kapitalverkehrskontrolle, da bei einer stärkeren Kapitalflucht die Wechselkurse entsprechend steigen bzw. sinken würden. Dieser Schutzmechanismus ist aufgrund der Währungsunion weggefallen! Dank Target2 kann das Kapital in der Eurozone beliebig umgeschichtet werden, ohne dass es zu nennenswerten Korrekturen kommt! In einer Währungsunion mit 17 Ländern ist das nur noch Hirnriss^10.
      Eine derart massive Kapitalflucht, wie sie derzeit innerhalb der Euro-Zone statt findet, wäre ohne die Währungsunion niemals möglich!

      Sie wollen nicht die katastrophalen Anreizbedingunen, die aus der verpfuschten Währungsunion resultieren, als solche anerkennen. Selbst eines ihrer Idole, Herr Sarrazin, ist zu dieser nicht sehr schweren intellektuellen Leistung fähig, machen sie es ihm einfach nach!

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  9. @Marc

    Das ist nicht gerade viel Klasse - ich habe Sarrazin nie in diesem Blog erwähnt. Und sein neues Buch habe ich auch nicht gelesen. Was soll ich ihm also nachmachen?

    Natürlich hätte es diese Kapitalflucht auch ohne Währungsunion gegeben. 2004 wurde Griechenland erstmals von Moody's herabgestuft, allerdings haben die Finanzmärkte nicht darauf reagiert. Selbst Flassbeck gesteht zu, dass in Folge der Finanzkrise 2008 eine Neubewertung von Kapitalanlagen stattgefunden hat. Investoren schauen wieder genauer hin, was sie im Portfolio haben. Athen hätte seit 2010 kein Kapital mehr bekommen - ob mit Euro oder mit Drachme. Seit 2000 haben amerikanische Investmentfonds und chinesische Staatsfonds in großem Stil in Europa investiert. Die Party ist vorbei.

    Ich könnte heute problemlos meine europäischen Aktien und Anleihen sofort verkaufen und in südamerikanische und indische Papiere umschichten. Kostet mich lediglich ein paar Knopfdrucke.

    Irland bekommt wieder Geld, Portugal bekommt wieder Geld vom Kapitalmarkt. Beide Länder sind auf dem richtigen Weg und keineswegs auf einem, der den Staat zerstört.

    P.S.: Wärmstens empfohlen sei hier "Why Nations Fail". Dazu bedarf es auch keiner sonderlichen intellektuellen Leistung, lediglich besserer Englischkenntnisse.

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    1. @In Dubio

      Erklären sie mir mal bitte, weshalb eine Herabstufung eine Kapitalflucht auslösen soll und belegen das bitte mit einem Land, das seine eigene FIAT-Währung hat (keine Währungsunion, keine Währungs-Kopplung). Danke.

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  10. @Marc

    Diese Frage erstaunt mich doch sehr, ich dachte, die Grundlagen für Kapitalaustausch wären Common Sense. Wie kommen Linke seit einiger Zeit darauf, das nur wirtschaftliche Disparitäten innerhalb eines Währungsverbundes Kapitalflucht auslösen könnte? Im Gegenteil, das ist höchstens ein Symptom. Kapital geht dahin, wo es gute Anlage- und Renditemöglichkeiten vorfindet. Dazu gehört insbesondere der Schutz des Eigentums und eine maßvolle Besteuerung. Wir können wetten, dass Frankreich in den nächsten Jahren einen verstärkten Kapitalexport verzeichnen wird.

    Zu den Beispielen: Generell ist Kapitalflucht typisch für Entwicklungs- und in bestimmten Stadien für Schwellenländer. In OECD-Ländern gab es zuletzt massive Kapitalflucht 1998 Russland, während der Asienkrise Anfang des Jahrtausends in Korea und in Argentinien 2000/2001. Auch Island verzeichnete 2008 einen deutlichen Kapitalabfluss, dem es mit Kapitalverkehrskontrollen begegnete.

    Damit wieder zurück zum Punkt: Griechenland bekommt nicht wegen, sondern trotz des Euroverbundes kein Geld mehr am Kapitalmarkt. Spanien und Italien hätten vergleichbare Probleme mit einer eigenen Währung.

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  11. Russland ist natürlich nicht OECD-Mitglied.

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  12. @In Dubio

    Für mich haben realwirtschaftliche Faktoren eine geringe Bedeutung, bisher haben immer sie deren Rolle betont.
    Ich finde es augenfällig, dass Länder, die über ihre eigene FIAT-Währung verfügen, eine weitaus kürzere Krisenphase hatten. Russland, Asien und Island sind nach ein, maximal zwei Jahren wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt, obwohl z.B. in Russland die Probleme weitaus größer waren als in der Euro-Zone. Argentinien, das aufgrund der Währungskopplung zum Dollar faktisch keine eigene Währung hatte, benötigte mehr als doppelt so lange. Die Euro-Krise wird diese Spanne noch toppen - das ist meine Wette.

    Natürlich finden auch außerhalb von Währungsunionen Kapitalflüchte statt, sie können aber die Staaten nicht in eine existenzbedrohende Lagen bringen, die Zahlungsströme im Inland können zur Not über die Druckerpresse aufrecht erhalten werden. Die dadurch bedingte Abwertung wirkt wie ein automatisches Export-Konjunkturprogramm.

    Ich wiederhole mich, aber diese gravierenden Unterschiede zwischen einem Land im Korsett einer Währungsunion und einem Land mit seiner eigenen FIAT-Währung kann kein vernunftbegabter Mensch einfach ignorieren. Die Probleme wären in den Krisenländern zumeist gar nicht entstanden, weil der Beitritt zur Währungsunion erst den Kapitalzufluss auslöste oder sie wären weitaus geringer, denn durch eine Abwertung hätten die Staaten die Krise erfolgreich bekämpfen können und die Krise wäre schon längst vorbei.

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  13. @Marc

    Die genannten Staaten kann man kaum mit Griechenland vergleichen, eher Entwicklungsländer. Denn wie diese verfügt Hellas über kaum Industrie und nur geringe exportfähige Güter. Dagegen gehören Russland und Südkorea zu den exportstärksten Nationen der Welt. Der Vergleich hinkt also sehr und erklärt gleichzeitig, warum sich Argentinien, Korea und Russland relativ schnell erholten, was Sie einseitig der Währung zuschreiben. Monokausale Erklärungsansätze sind meistens falsch.

    Immerhin scheinen wir soweit zu sein, dass Griechenland auch ohne den Euro in die Bredouille gekommen wäre, wobei Sie meinen, es hätte sich daraus aus eigener Kraft befreien können. Daran dürften jedoch erhebliche Zweifel bestehen, nimmt man den Vergleich mit schwarzafrikanischen Staaten.

    Eigentumsrechte sind in jeder freien Gesellschaft elementar. Sie zu garantieren und die uneingeschränkte Verfügungsmacht darüber zu gewährleisten sind Grundbedingungen für Wohlstand und Prosperität. In einem der korruptesten und bürokratischsten Länder auf dem Globus ist das eben nicht gegeben, weshalb Griechenland in seiner Wettbewerbsfähigkeit neben Gabun eingestuft wird. Und dort will schließlich auch niemand investieren.

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