Samstag, 14. Juli 2007

Kurt Beck Kanzlerkandidat der SPD

Riesenüberraschung angesichts des ungemein gehaltvollen Aufgebots an beliebten Spitzenpolitikern in der SPD: Kurt Beck wird Kanzlerkandidat 2009, zumindest, wenn es nach Peer Steinbrück geht, der einer der engsten Verbündeten des Brummbären ist.
Aber auch ohne Steinbrücks Intervention ist dieser Schritt wohl der einzig mögliche für die kriselnde SPD. Müntefering ist so beliebt wie Fußpilz, der ganze Rest der Riege größtenteils unbekannt und farblos. Kurt Beck fällt nicht wirklich aus diesem Raster; weder fällt er durch eigene Ideen oder Konzepte auf noch kann er irgendwie Sympathieträger sein. Auf die SPD kommt ein Wahldebakel zu, das dem von 1990 in nichts nachsteht. Nur wird die Union wohl ebenfalls Probleme haben, Mehrheiten für schwarz-gelb zu organisieren. Sollte sich der aktuelle Trend bis 2009 halten, so wird eine Neuauflage der Großen Koalition der einzige Weg sein, will man weiterhin nicht ernsthaft über Drei-Parteien-Koalitionen nachdenken.
Beck sieht sich zudem der schwierigen Situation ausgesetzt, an drei Fronten Wähler zurückgewinnen zu müssen, ohne neue zu erreichen: zum ersten die abgewanderten SPDler bei der Linken - hier findet sich dank der neoliberalen Ausrichtung Becks allenfalls das Potenzial, von den aktuellen 15% zurück auf die 8% der Bundestagswahl 2005 zu fallen, vermutlich aber weniger -, zum zweiten die Nichtwähler, die aus Verbitterung über die Politik im Allgemeinen oder der SPD im speziellen den Bettel hingeschmissen haben; hier hat allerdings die Linke deutlich bessere Mobilisierungschancen. Zum dritten die CDU, die mit ihrem vorsichtigen Vortasten in Richtung Erhalt von Kernelementen der Sozialen Marktwirtschaft ebenfalls in SPD-Gefilden gewildert hat.
Allgemein gleicht die SPD einer gerupften Gans kurz vor Weihnachten; jeder will sich eine große Scheibe abschneiden, während das Tier hastig das herumfliegende Gefieder zusammenzuraffen versucht. Der wichtigste Mobilisierungsgrund für SPD-Anhänger dürfte wohl die Abneigung zur Linken sein, aber je mehr SPDler und Gewerkschaftler zu ihr abwandern, desto weniger Anziehungskraft hat diese Motivation.

Nachtrag: Beck übt sich in Farbenspielen und wirbt für die Ampel 2009.

Kommentare:

  1. Ein Trauerspiel, wohl war. Da wählt man wieder zwischen Pest und Cholera

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