Mittwoch, 13. Juli 2011

Adieu Studiengebühren

Von Stefan Sasse

Ihr wart eine dumme Idee, von Anfang an. Nicht nur sozial ungerecht; etwas anderes hätte man in der geistigen Atmosphäre, in der ihr 2006 beschlossen wurdet, auch gar nicht erwarten können. Nein, ihr seid auch schlicht ineffizient. Durch euch bekamen die Universitäten ein klein bisschen Mittel dazu, die anderweitig gestrichen wurden, und sie bekamen einen riesigen bürokratischen Aufwand und zahlreiche Hürden und Auflagen gleich mit. Die Erstsemesterzahlen sanken, und das in einem Land, das sich konstant und zu Recht darüber beschwert, dass die Studienquote ohnehin zu niedrig sei. Nur noch zwei Bundesländer halten notorisch an den Gebühren fest: Bayern und Niedersachsen, beide regiert von schwarz-gelben Regierungen. Nun schert Bayern aus und verkündet, dass es mittelfristig alle Bildung kostenfrei anbieten will. Adieu Studiengebühren! Wenn euch nicht einmal die Union mehr haben will! 

Die Argumente, die der bayrische Wissenschaftsminister (FDP) zu eurem Schutz vorbringt sind auch nur noch albern. Zwangsläufig verschlechtern würden sich die Studienbedingungen wenn man euch abschaffen würde. Das ist natürlich Unsinn, kann man das Geld doch schlicht wieder wie früher aus anderen Finanzquellen holen. Auch von nachgelagerten Studiengebühren hält er nichts, obwohl oder gerade weil sie die einzigen wenigstens halbwegs sozial verträglichen Gebühren wären. Seine Begründung zeigt eure ganze Misere, liebe Studiengebühren: der Staat müsse dann in Vorleistung gehen, und das wäre bei der derzeitigen finanziellen Lage nicht drin. Na sicher. Eine Steuersenkung um sieben Milliarden, das darf ich gerade heute lesen, die wäre drin, aber dieser Kredit für die Bildung nicht? Das ist lächerlich. 

Nein, liebe Studiengebühren. Eure Zeit ist um. Ihr seid das ungeliebte Kind einer Reformära, die man am liebsten vergessen machen würde. Von Anfang an hat man auf euch gespuckt und euch für schlecht erklärt, und es hat sich alles bewahrheitet, und jeder konnte es sehen. Kein Land, das euch eingeführt und wieder abgeschafft hat hat heute schlechtere Universitäten als zuvor, und kein Land das euch eingeführt hat hatte während eurer Existenz bessere Studienbedingungen. Nein, liebe Gebühren, wir werden euch nicht vermissen. Verschwindet einfach in das dunkle Loch, aus dem ihr gekrochen seid. Ihr seid tot, und ihr stinkt nicht einmal mehr. Auf Nimmerwiedersehen!

Kommentare:

  1. "und kein Land das euch eingeführt hat hatte während eurer Existenz bessere Studienbedingungen"
    Wie auch, wenn nicht mehr Geld in den Kassen der Universitäten lag. Wenn Bildung unsere Ressource ist, dann sollte der deutsche Staat alles dafür tun diese Ressource "abzubauen". Stattdessen verbaut er lieber Wege und verschenkt Geld in Bereichen die keinen Nutzen für ihn bringen (Bankensubvention, etc.)

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  2. Bemühen wir uns dochmal darum das offensichtliche ins hirn der bevölkerungen zu bringen !!!!....die wahrheit liegt auf der strasse , jeder tritt drauf und ekelt sich davor, wie vor einem hundehaufen ....

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  3. Dazu passt ein schönes Plädoyer, die haarsträubenden Summen, die ein Staat so einnimmt und ausgibt ins rechte Verhältnis zu setzen und zu erkennen, dass sie immer so hoch oder niedrig sind, wie es zur jeweiligen Agenda dessen passt, der sie in die öffentliche Runde wirft:

    http://www.freitag.de/politik/1128-wer-hat-angst-vorm-defizit

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