Freitag, 9. März 2012

Weltfrauentag: Unsere tägliche Quote gib uns heute

Von Stefan Sasse

Es gibt nur wenig Gelegenheiten, bei denen ich Schwarz-Gelb zustimme. Die Frauenquote ist eine, und hier sind CDU und FDP sogar sozial engagierter und gerechter unterwegs als selbst die LINKE. Zum Frauentag gab es wieder ein wahres Trommelfeuer der Lobbyistinnen, endlich eine Frauenquote von 40% für Vorstände börsennotierter Unternehmen einzuführen, eine Forderung, die sich hartnäckig hält und völlig bescheuert ist. Die SPD hat sich ausnahmsweise erinnert, dass sie in der Opposition ist und ein entsprechendes Gesetz eingebracht, das natürlich abgelehnt werden wird. Bemerkenswert ist das Argument, mit dem Schwarz-Gelb sie ablehnt: die Frauenquote sei ein "Elitenprojekt". Bemerkenswert von denen, die sonst nach Elitenförderung schreien, zugegeben, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Das Argument, ich hatte es schon mehrfach gesagt, ist absolut richtig. Alles, was derzeit unter dem absurden Titel der Gleichberechtigung oder gar Gleichsstellung firmiert, ist in Wahrheit ein reiner Lobbyismus für eine ungeheuer schmale Schicht von Frauen. Und der Großteil der Bevölkerung macht mit, gibt es doch kaum ein Thema, das politisch so korrekt ist wie dieses. 

Man kann es nicht oft genug sagen: die Vorstände der DAX-Unternehmen? Seriously? Wenn da mehr Frauen sitzen, wird alles besser? Für die Frauen, die immer noch die bedeutende Mehrheit der schlecht bezahlten, kaum ausgebildeten und perspektivslosen Niedriglöhner von Aldi bis zum örtlichen Krankenhaus darstellen, ändert das nichts. Denn weder können noch wollen weibliche Führungslräfte die Marktwirtschaft außer Kraft setzen. Frauen werden auch unter weiblichen CEOs ausgebeutet und benachteiligt. Eine Frau, die BWL studiert und eine Karriere in einem Unternehmen hinter sich hat verbindet hundertmal mehr mit ihrem männlichen Vorstandskollegen als mit der Kassiererin bei Lidl. Die bisherige Leistung von Quoten, die ja besonders im öffentlichen Sektor schon lange Gang und Gäbe sind, ist wenig überzeugend. Es gibt viele Frauen in Sektoren, die schon vorher vergleichsweise weibliche Domänen waren; lediglich die Zusammensetzung der Chefetagen dürfte sich etwas schneller geändert haben, als dies natürlicherweise ohnehin passiert wäre - aber darüber habe ich ebenfalls bereits geschrieben.

Ich fürchte, dass die Quote trotzdem kommen wird. Die gesellschaftlichen Kräfte sind zu groß, als dass eine hypothetische Regierung ohne die CDU sie ignorieren könnte. Also gut. Dann führen wir eben eine Quote ein, aber dann machen wir es gleich richtig. Wir führen eine Quote ein für jeden Job, den es überhaupt gibt. Mindestens zu 40% müssen beide Geschlechter in jedem beliebigen Job repräsentiert sein, sonst greift die Quote und bevorzugt das jeweils derzeit unterrepräsentierte Geschlecht. Weg mit der Diskriminierung bei der Müllabfuhr und den Kanalarbeitern, wo rund 95% männliche Beschäftigte malochen. Mehr Männer als Pfleger in die Krankenhäuser und an die Kassen der Discounter! Wir brauchen Sekretäre in den Vorzimmern, Grundschullehrer und Kindergärtner. Ziehen wir diesen kompletten Irrsinn ein paar Jahre durch, und dann werden wir spezifischer und befördern durch Quotierung noch die Gleichstellung von Immigranten, Behinderten, Jungen und alten. Wir könnten einfach den gesellschaftlichen Querschnitt zur Quote erheben. Wäre das nicht fair?

Kehren wir noch einmal zum ernsthaften Teil zurück. Das Argument, das etwa EU-Abgeordnete Viviane Reding, eine der tatkräftigsten Quotenbefürworterinnen, immer wieder anbringt - dass zwar rund 60% der Studiumsabsolventen, aber nur rund 15% der CEOs weiblich sind - hat überhaupt keinen Wert. Wie viele 25jährige CEOs kennt Reding denn? Solche Jobs hat man mit 50 Jahren, oder älter, im Allgemeinen. Das heißt heute, dass man in den 1980er Jahren studiert haben muss. Relevant sind also die Abgängerzahlen von damals. Und sieht man sich die an, sind Frauen eigentlich ganz gut repräsentiert. In zwanzig, dreißig Jahren wird das völlig anders aussehen - ganz einfach, weil diese studierten Frauen erst dann in solche Positionen kommen werden. Aber wahrscheinlich führen wir dann zum Ausgleich bereits Männerquoten ein. Denn elementare Zusammenhänge der Demographie werden schon bei der Rentendebatte nicht verstanden, warum sollte man dann bei der Frauenförderung damit anfangen? Viel einfacher, weiter lobbyistischen Schindluder damit zu betreiben.

Kommentare:

  1. Ja, ich frage mich auch immer, warum die Quote immer nur bei den schicken, schönen, kreativen und coolen Berufen gefordert wird.

    Und, viel wichtiger: was ist denn, wenn die Quote nicht erfüllt werden KANN, weil es nicht genügend Bewerber oder Bewerberinnen gibt? Darf dann der Posten nicht besetzt werden? Wird der Posten dann vom eh schon überrepräsenten Geschlecht besetzt, aber nur befristet, bis sich ein Bewerber mit dem richtigen Geschlecht bewirbt?

    Vielleicht kann das ja jemand beantworten; wie ist das denn im öffentlichen Dienst, wo es solche Regelungen ja schon länger gibt?

    Warum glauben eigentlich alle, dass sich der Sexismus, der in vielen gesellschaftlichen Netzwerken ja auch real existieren mag, sich durch Gesetze wegbügeln lässt?
    Ich würde eher erwarten, dass die bislang vorhandenen "Old Boys Networks" sich nicht in die Suppe spucken lassen, sondern um die Gesetze herumeiern würden, sich Tricks einfallen lassen würden.

    Ach so: gut, dass Stefan es mal ausspricht: Auch eine Managerfrau hat eine Manager-Sozialisierung hinter sich gebracht. Das Versagen der aktuellen Managergeneration ist nicht (ausschließlich) auf Testosterongesteuertes Riskoverhalten, sondern vor allem auf eine langjährige Sozialisation zurückzuführen. Eine Sozialisation, in der blanke, kurzfristige Zahlen und "Shareholder-Value" mehr wert sind als eine soziale und nachhaltige Entwicklung. Auch Frauen können Heuschreckenschwärme anführen ...

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  2. Viel wichtigere Frage noch: Was passiert mit den männlichen Vorständen, wenn die Quote kommt? Werden die gefeuert? Blähen wir die Vorstände einfach auf?

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  3. Na die männlichen Vorstände setzen sich dann ins Vorzimmer und werden Chefsekretär :D

    Dein erster Link ist übrigens kaputt, ansonsten kann ich dir nur zustimmen. Hat mich gestern auch arg genervt, dass eigtl niemandem was Besseres zum Weltfrauentag eingefallen ist als eine Quote für die Dax-Unternehmen.
    Im Übrigen hab ich mich auch ziemlich gewundert, dass heutzutage der Weltfrauentag so gepusht wird, kann mich nicht erinnern, dass vor 5-10 Jahren jemand Notiz (schon gar nicht in diesem Ausmaß) davon genommen hat. Oder ist das nur subjektive Wahrnehmung?

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  4. Danke, korrigiert. Und ich denke das täuscht tatsächlich.

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  5. @Bombasstard
    Guter Kommentar, sehe ich auch so.


    @Stefan Sasse
    Heikles Thema, daran kann man sich nur die Finger verbrennen...

    der Herr Karl

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  6. Dafür isses bei meinen bisherigen Statements eh zu spät.

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  7. Den Ausführungen von Stefan Sasse kann ich nur zustimmen .
    Mit Frauenrechten als Teil des Kampfes um Menschenrechte hat das längst nichts mehr zu tun.
    Aber es ist ein "gutes" Thema , deshalb traut sich kaum ein politisch Linker zu widersprechen.

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  8. Eine Quote ist natürlich nur da sinnvoll, wo Männer und Frauen um die selben Jobs konturrieren. Eine Quote für Müllwerker(-innen) oder Kanalarbeiter(-innen) ist deshalb wohl nicht nötig, weil die Nachfrage nach solchen Jobs unter Frauen extrem gering sein wird - ebenso wie die männliche nach Jobs als Lidl-Kassierer (obwohl, EINEN habe ich schon gesehen ...).

    Ich frage mich aber, warum Du Dich bei dem Thema so echauffierst. Was wäre denn SCHLIMM an der Quote ? Ob diese blasierten antisozalen Typen in den DAX-Vorständen nun männlich oder weiblich sind, ist doch wirklich egal - ein Elitenproblem, wie Du richtig anmerkst. Das einzige Argument, das mir gegen die Quote einfällt ist, dass man die Zeit, die man für die Diskussion darüber verschwendet, besser für Wichtigeres verwenden könnte. Aber das läßt sich auch zur causa Wulff oder Guttenberg sagen.

    Die Vorstellung, dass diese Typen - und sei es nur in so einem Randthema - mal ausnahmsweise nicht machen können, was immer sie wollen, finde ich irgendwie sympathisch ...

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  9. Also mich persönlich nervt abseits der Elitenproblematik an der Quotendiskussion vor allem der Umstand, dass es nicht darum geht, wirklich etwas anders zu machen, sondern dass alles beim alten bleiben soll, Frauen dürfen aber auch mitmachen. Sieht man sich diese Berufe aber mal an, sind sie darauf ausgelegt, dass man seinen Managementjob zu 100% in den Mittelpunkt stellt und auf ein normales Familien/Privat-Leben verzichtet. Auch Männer, die dazu nicht bereit sind, bleiben übrigens auf der mittleren Ebene hängen. Andersrum bin ich davon überzeugt, dass Karrierefrauen, die dazu bereit sind, auch keine Förderung nötig haben.
    Für mich ist die ganze Debatte also kein Mann/Frau-Problem, sondern ein Problem des Berufumfelds. Die Quote ist einfach nur ein netter Mantel, mit dem die eigentlichen Konflikte zugedeckt werden.

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  10. Die eigentliche Sache ist doch: Die massgeblichen Positionen werden aus einer
    eng begrenten soziologischen Gruppe besetzt, sozusagen den wahren 'Kontrolettis'. Ob das nun Männchen ode Weibchen sind, ist doch egal. Das ist alles nur Vernebelung, Ablenkung vom wirklich relevanten Themen.

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  11. Es ist wirklich eine Vernebelungstaktik, wie buffy_h sagt, um von wirklich wichtigen Dingen abzulenken und um weitermachen zu können wie bisher.

    Ich weise nur immer wieder gerne darauf hin, dass bei Frauenquoten, Feminisimus und vermeintlichem Patriarchat nur nach oben, aber nicht nach unten geschaut wird. Zitat (Wikipedia):

    Die Mehrzahl der Obdachlosen in den Industriestaaten sind männlich, unter den alleinstehenden Obdachlosen machen Männer etwa 80 Prozent aus.

    Sagt man das einer Feministin, ist die Antwort: die sind alle selbst schuld. Und genau solche sollen in den Führungsetagen etwas besseres-menschlicheres bewirken als die Männer? *hust*

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  12. Feiner Artikel, der sehr klar herausarbeitet, dass die geplante Quotenregelung nichts anderes als ideologisches Gedönse im Zeichen des orakelten "Jahrhunderts der Frauen" ist. Wie bei fast allen politischen Entscheidungen und "Diskuusionen" offenbart sich auch hier, dass es weniger um den Inhalt als um eine aufpolierte Fassade geht (Merkel will, so habe ich heute gelesen, die Quote für ihren Wahlkampf nutzen?). Gerade eine Kanzlerin Merkel zeigt überdeutlich, dass Frauen in unserem jetzig gearteten poltischen und wirtschaftlichen System ihre Postionen nicht anders ausfüllen als alle männlichen Vorgänger. Nebenbei bemerkt: Diese Art "Feminismus" ist überhaupt nicht an einer Bewusstseinsänderung, die Männer und Frauen als Menschen mit Talenten, Vorzügen und Grenzen sieht, interessiert, sondern will um der Profilierung Willen den sog. Geschlechterkampf aufrecht erhalten, was eine antifeministische Gegenbewegungen, in der sich benachteiligt fühlende Männer um ihre eigene Emanzipation kämpfen, geradezu provoziert.

    Einzig mit dieser Aussage habe ich ein kleines Problem:

    "In zwanzig, dreißig Jahren wird das völlig anders aussehen - ganz einfach, weil diese studierten Frauen erst dann in solche Positionen kommen werden. Aber wahrscheinlich führen wir dann zum Ausgleich bereits Männerquoten ein."

    Das klingt mir dann doch zu sehr nach sich selbstverständlich von ganz alleine durchsetzender Gleichwertbehandlung von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft (womit ich v.a. das sich durchzusetzende Bewusstsein dafür meine). Daran kann ich in einer Gesellschaft wie der heutigen nicht so recht glauben, auch weil ich nicht der Meinung bin, dass die wirkliche Emanzipation sich längst erledigt hat. Mit Quoten allerdings ereichte man m.E. eher das Gegenteil.

    Cora

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  13. Ich kenne in meinem Umfeld kaum jemanden, der an der Gleichberechtigung zweifelt. Wann immer man Zweifel hört, sind es Frauen, die glauben wegen Schwangerschaften u.ä. nicht in der Lage zu sein. Aber was soll ne Quote daran ändern? Wer es sich nicht zutraut bewirbt sich ja auch bei ner Quote nicht.

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    1. Was die unsinnige Quotenreglung angeht, sind wir uns doch einig. Meine Erfahrenswerte sind aber stellenweise andere als deine. Da geht es nicht um private Einigkeit zwischen miteinander lebenden oder arbeitenden Männern und Frauen (auf meiner bescheidenen Ebene). Es geht mir um den gesamtgesellschaftlichen Blickwinkel und ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein. Ich empfehle Jack Hollands Buch "Geschichte der Misogynie". Außerdem habe ich mich z.B. mit der Enstehung des Strafrechts hinsichtlich der Vergewaltigung in der Ehe beschäftigt. Welche Aussagen da von an der Gesetzesnovellierung beteiligten Politikern männlichen Geschlechts als Argument gegen eine strafrechtliche Verfolgung dieses Deliktes getroffen wurden, haben mich echt erschüttert. Außerdem empfehle ich gelegentlich Kommentare zum Thema Feminismus/ Emanzipation der Frau im Inernet zu verfolgen: Was da an Hasstiraden ausgeschüttet wird, da kann einem schlecht werden. Auf Arte lief letztens eine interessante Dokumentation mit dem Titel "Macht der Männer", in der es um das "Verhältnis" von Männern und Frauen in Frankreich ging. Was im privaten Umfeld über weite Strecken längst wunderbar funktionieren mag, sagt nicht allzu viel über den gesamtgesellschaftlichen Konsens zu diesem Thema aus. Das bleibt m.E. eine ganz große Baustelle. Aber solange es beiden Seiten und seitens der Politik um nichts anderes als einen erbitterten Wettstreit geht, wer denn der/die Bessere sei, wird das nichts. Quotenregelungen unterstützen genau das und sind darum in meinen Augen ein absolutes No Go!

      Cora

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    2. Ja, aber du bringst ja gerade Beispiele aus der Vergangenheit. Ich zweifle ja gar nicht, dass es früher katastrophal war. Aber heute?

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    3. Wie kommst du darauf, dass es dabei nur um Beispiele aus der Vergangenheit geht? Aber gut. Bleib du mal bei deinen Wahrnehmungen. Will hier ja schließlich niemanden bekehren. Mit der Bewertung der Quote liegst du jedenfalls richtig. Und darum gings ja. Danke für den Artikel.

      Cora

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  14. Ganz im Sinne von Bombasstard fordere ich eine Frauenquote auch bei Müllmännern, Metzgern, Eisenlegern usw.
    Und ich fordere eine geschlechtsneutrale und politisch korrekte Formulierung in den Medien auch bei Begriffen wie Mörder, Unholde, Betrüger, Säufer, Geisterfahrer usw.
    Wennschon, dennschon...

    der Herr Karl

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    1. Gut gebrüllt!

      Um den "Unsinn" weiter zu führen:

      Ich fordere männliche Quoten für Erzieher in Kindertagesstätten, Grundschullehrer, Küchenhilfen, Putz"männer", Krankenschwestern... äh... Pfleger, häusliche Betreuer für ältere und kranke Menschen, Friseure (angestellt), Zimmer"jungen" in Hotels...

      So und nicht anders kann dafür Sorge getragen werden, dass niemand sich mehr ungerecht behandelt und benachteiligt fühlt. ???

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  15. Warum sollte denn eine Quote keine positive Ausstrahlungswirkung haben? Schon klar, bei Vorständen börsennotierter Unternehmen handelt es sich nicht um besonders weit verbreitete Jobs. Und Sympathieträger werden die Damen auch nicht sein. Aber gibt es denn bessere Vorschläge, die ungleiche Bezahlung für die gleiche Tätigkeit zu überwinden? Erst mal fängt man ganz oben an, weil es dort umsetzbar ist. Wenn man sieht, dass es was bringt, weitet man die Maßnahmen auf andere Berufsgruppen aus.

    Noch ne Frage: Woher stammt denn die Information über die Abgängerzahlen aus den achtziger Jahren? Nur 15% Frauen halte ich doch für sehr niedrig angesetzt.

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  16. Man kann die Quote für sinnlos oder für sinnvoll halten, entscheidend ist doch, dass Frauen nach über 30 Jahren feministischer Bewegung in unserer Gesellschaft immer noch systematisch benachteiligt sind.
    Argumente wie "Ach, eine Frau, die will, könnte auch", "Wer will denn überhaupt so einen Asi-Job im DAX-Konzern?" und "Das ränkt sich schon ein, warte mal 30 Jahre" sind wirklich lächerlich und zeigen nur, dass derjenige sich mit dem Problem einfach nicht beschäftigt hat.
    Männer, habt ihr keine Schwester, Tochter, Freundin, Frau? Glaubt ihr nicht, dass diese im Alter von 30 Jahren beim Bewerbungsgespräch schlechtere Karten haben als der gleich belebenslaufte Mann, wenn alle Entscheider der Firma Männer sind, deren Frauen außerdem alle als Hausfrauen und Mütter zu Hause sind?
    Da kann man seitenlang drüber diskutieren. Wichtig finde ich 1. die Frage ist nicht nach der Schuld ("Die Männer sind schuld", "Frauen sind selber schuld", " das System ist schuld"), sondern nach einer Lösung, die zu mehr Gerechtigkeit führt. 2. Elite ist erstmal ein neutraler Begriff; diese Elite ist von Männern dominiert. Neben der sichtbaren Organisation und "Karriereleiter" gibt es viele "Intangibles", ich meine damit, dass Männer sich auf dem Golfplatz treffen, zusammen auf die Jagd oder Angeln gehen und abends beim Saufen werden dann die entscheidenden Absprachen getroffen. Wie kann man diese Machtstrukturen aufbrechen?
    Ich glaube nicht, dass Frauen besser sind, aber eine gemischte Elite macht sicher eine Gesellschaft besser.

    Interessant, dass hinter der Gegenbewegung zu deiner Meinung anscheinend immer eine "Lobby" steckt. In diesem Fall die bekannte, finanzstarke Elitefrauenlobby... (die auch Die Linke unterwandert hat)

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  17. @Jan

    Wo werden Frauen beim Sorge-, Unterhalts- und Scheidungsrecht benachteiligt? Wo werden Frauen bei hunderten (wenn nicht gar tausenden!) bundesweiten Frauenförderprojekten im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des europäischen Sozialfonds und der lokalen Quartiermanagements benachteiligt? Wo werden Frauen in Deutschland bei ihrer durchschnittlichen Lebenserwartung, die knapp 4 Jahre höher als die der Männer liegt, benachteiligt?

    Ich bin kein Fan von dieser Männer-Frauen-Spalter-Diskussion, denn sie bringen die Geschlechter nicht näher, sondern spalten sie. Nur Sätze wie "dass Frauen nach über 30 Jahren feministischer Bewegung in unserer Gesellschaft immer noch systematisch benachteiligt sind." kotzen mich an, denn sie gehen an der heutigen Realität völlig vorbei.

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  18. @Jan

    (sorry, Doppelpost!)

    Ach ja, ich habe eine Freundin. Sie ist Erzieherin. Ihre Chefin mag keine Männer und stellt deswegen keine männlichen Erzieher ein, obwohl sich welche bewerben. Auf ihrer Arbeit sind nur Frauen angestellt. Und die Kinder würden sich über männliche Erzieher sicher freuen.

    Soviel zum Thema systematische Benachteiligung von Frauen.

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    1. Hey @epikur,
      ok, bei dem Wort "systematisch" lasse ich mit mir reden. Natürlich gibt es überall Frauenbeauftragte, Förderprogramme und Tralala. Und eine gesetzliche Benachteiligung gibt es natürlich nicht, wäre ja auch gegen das Grundgesetz.
      Aber kennen wir nicht alle Szenen, wo die männlichen Entscheider in Firmen, Parteien, Vereinen usw. bei 5 Bier über diese Frauenförderung lachen und dann die wichtigen Posten untereinander verteilen? Also ich hab das erlebt.
      Ich meine ja eben die unsichtbaren Machtstrukturen. Wie kann man die aufbrechen? Quoten wären ein Mittel, wenn auch kein schönes.
      Die Chefin deiner Freundin ist eine Ärschin!
      Mein Sohn wird in seiner Krippe von einem männlichen Erzieher mit türkischen Wurzeln betreut! (Boah, ist mein Leben politisch korrekt, oder nicht? :-)

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    2. Und eine gesetzliche Benachteiligung gibt es natürlich nicht, wäre ja auch gegen das Grundgesetz.

      Dann schau Dir mal das Sorge-, Unterhalts- und Scheidungsrecht genauer an! Weißt Du eigentlich wie das heute mit dem Sorgerecht gehandhabt wird? Die Frau, also Mutter wird vom Jugendamt gefragt, ob sie es mit dem Mann teilen will oder nicht, sofern sie zum Jugendamt geht. Wenn sie nicht hingeht, hat in Deutschland automatisch JEDE Mutter das alleinige Sorgerecht und Väter haben nix mher zu melden. Nur zahlen dürfen sie weiterhin, auch ohne Sorgerecht. Keine gesetzliche Benachteiligung?

      Allein die Tatsache, dass ein Frauenministerium und hunderte Frauenförderprojekte, aber so gut wie kein Jungenförderprojekt gibt (was nach den PISA-Ergebnissen, in denen festgestellt wurde, dass Jungen in der Schule mehr Hilfe brauchen als Mädchen) mehr als überfällig wäre, ist gesetzliche Benachteiligung pur.

      Fazit: es gibt mindestens genauso viele Bereiche, in denen es Männern schwerer gemacht wird, als Frauen. Ob Merkel, Susanne Klatten (Quandt-Clan) oder Liz Mohn - sie sind genauso wie ihre männlichen Kollegen.

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  19. "Aber heute?"

    Schade, Stefan.

    Und die Kommentare (mit ein, zwei Ausnahmen) bestätigen das Bild vom erbärmlichen Waschlappen, der sich in meinungskonformen Foren mit seinen Selbstbemitleidungsgenossen über Scheidungsrecht, Müllmänner, böse DAX-Vorstände und dergleichen Nebelkerzen mehr ereifert. Wahrscheinlich liest er auch Arne Hoffmann und glaubt, 'heute' müsse Mann für Männerechte kämpfen. Lachhaft.

    Ehrlich gesagt habe ich schon kein Interesse mehr daran, vermeintlichen Argumenten wie jenen, die Du hier erneut aufbereitest, zu widersprechen. Das wurde bereits so oft und so ausführlich geleistet, dass am Diskussionswillen Deiner Clique gezweifelt werden darf.
    Ferner bist Du offensichtlich weder vertraut mit feministischer noch geschlechtspsychologischer, soziologischer oder gar kriminologischer Literatur zum Thema. Ebensowenig stehst Du in Verbindung zu den maßgeblichen Diskussionsplattformen zu Gender-Fragen im englischsprachigen Netz. Kurzum, Du hast keine Ahnung, wovon Du redest.
    Dass Du dennoch über ein deskriptiv verwickeltes und normativ aufgeladenes Thema wie die Gleichbberechtigung weiblicher Menschen ohne Rücksicht auf irgendwas als Deine überaus beschränkte Erfahrung und völlig oberflächliches Tagespolitikgefasel hinwegfährst, stimmt traurig. Schließlich gibst Du Dir bei Deinen Kernthemen im politischen oder historischen Bereich viel Mühe, verwendest zahlreiche Quellen und stellst Deine Kenntnis der akademischen Literatur unter Beweis - wie es sein sollte, wenn man sich öffentlich zu schwierigen Themen äußert.

    Da Du wahrscheinlich weder geschieden bist noch Kinder alimentieren musst (was auf den einen oder anderen Kommentator hier jedoch zutreffen könnte...), frage ich mich, woher diese knee-jerk reaction kommt.

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    1. Klar muss "Mann" heute für seine Rechte kämpfen. Das kommt daher, dass ihm (mehrheitlich) bis dato gar nicht bewusst war, dass er sie hatte, weil er selbstverständlich Recht/das Recht hatte - der Homo Faber, der Gestalter. Ist doch immer so, wenn jemandem "plötzlich" etwas streitig gemacht wird, was er selbstverständlich für sich in Anspruch genommen hat ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es eben kein naturgemäßer Anspruch ist und jemand anderes dabei benachteiligt oder einfach nicht ernst genommen wird. Ich würds ja lustig finden können, wenns nicht so verbittert ernst verteidigt würde, dass sofort die alleinerziehenden Väter und das Sorgerecht und der Unterhalt (überhaupt die Last des Zahlens) und die gefährlichere oder anstrengendere Arbeit und (wie logisch ist das denn?) die geringere Lebenserwartung des Mannes als Benachteiligung ins Feld geführt werden. Seltsam, dass niemand auf die Idee kommt, dass es ein von Männern erdachtes System ist, unter dem Männer jetzt so leiden, sondern sofort die bösen bösen Feministinnen dafür verantwortlich gemacht werden. Das, was den Feministinnen vorgeworfen (und leider durch unsere Medien und die Politik auch so bescheuert thematisiert)wird, die Frau sei der "bessere" Mensch (was ja auch nicht stimmt und gar nicht das Thema sein sollte), wird auf dieselbe Weise zurückgeschleudert. Mit Vernunft, Logik und Reife hat das nichts zu tun. So verhalten sich Kinder, die sich ungerecht behandelt fühlen.
      Danke für diesen Beitrag.

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  20. "F",

    F wie Frauenrechtlerin.
    Mein Gott, ich hab's geahnt. Das Kasperletheater kann beginnen:
    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/3886/kasperletheater-in-drei-akten#comments

    der Herr Karl

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  21. "F" zu Siebenstein:

    "Ich bin durchaus kein Korintenkacker, Sie sind bloß ein halbgebildeter Schwätzer."

    F, man wird doch, als Kämpferin für (Frauen-)Recht und Gerechtigkeit, nicht die Contenance verlieren...

    der Herr Karl

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  22. @F

    Schönen Frauen verzeiht man(n) eher...

    der Herr Karl

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    1. Warum nicht gleichermaßen nicht-schönen Frauen? Merken Sie was?

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  23. Sie Sexist.
    Witzig auch, dass Sie mich für eine Frau halten, weil ich Frauenrechte vertre :)te...

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  24. (Mal ganz abgesehen davon, dass ich irgendwessen Verzeihung nicht suche...)

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  25. @F

    Du bist eine Frau, basta.
    Und Frauen müssen immer das letzte Wort haben...
    Gleich gibt's Eine hintendrauf!

    der Herr Karl

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  26. Wenn sie kein Hinweis auf sexistische Reflexe im vermeintlich linken Diskurs wären, fände ich Ihre Herrenwitzchen womöglich harmlos und lustig. Gleichwohl, unter den herrschenden Umständen (vor allem angesichts der angeblich "linken" politischen Ausrichtung dieses und anderer Weblogs) bereiten sie mir Übelkeit.

    Schön, wenn man systematische Privilegien selbst im Diskussionskontext genießt, eh?

    Im Übrigen bin ich keine Frau - nicht, dass es Sie etwas angehen würde...

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  27. @F

    Ich habe mir erlaubt, Ihre klischeehafte Vorstellung von geschlechterpolitisch unkorrekten Männer zu nähren.

    Vielleicht bin ich ja gar kein Mann...

    der Herr Karl

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  28. @F

    Mach doch hier weiter:
    "Der Mann ist eben ein potenzieller Verbrecher"
    http://ad-sinistram.blogspot.com/2012/03/wir-brauchen-einen-weltunterdrucktentag.html

    Viel Spass noch!

    der Herr Karl

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  29. Nebenkriegsschauplatz...
    Obwohl ich eigentlich ein Fan von Quote in der Politik bin, einfach weil ich schon so oft am eigenen Leib erfahren habe wie Männer sich da gegenseitig nach oben helfen (erfolgreiche Frauen tun das seltener) und durchaus kompetente Frauen ausgebootet werden. Aber ich wohne ja auch in Bayern und dazu noch auf dem Lande, spielt in der persönlichen Wahrnehmung sicher auch eine Rolle.
    Daher kann ich Stefans:"Aber heute?" leider nur mit "Ja, auch heute noch!" beantworten. Es ist oft eine gesellschaftliche und strukturelle Benachteiligung, und nur weil es diese auch für andere Bevölkerungsgruppen gibt ist nix besser.
    Dennoch meine ich wenn unsere zwei Ministerialen Oberzicken Ursula und Christina wirklich etwas für die Stellung von Frauen in der Gesellschaft tun wollten wäre es hilfreicher sich für gerechte Bezahlung und ausreichende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder stark zu machen, aber das ist ja für eine konservative Politikerin ausgeschlossen...

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  30. Langsam wird's kompliziert:

    "Die Medizinische Universität Wien will den EMS-AT nun "genderspezifisch" auswerten. Konkret steckt hinter dieser etwas schwurbeligen Formulierung, dass bei weiblichen Teilnehmern weniger strenge Maßstäbe angelegt werden. Als Grund dafür nennt die Universität, dass das bisherige Verfahren dazu führte, dass die Plätze in den letzten beiden Jahren mit dem Verfahren zu 57 und 58 Prozent von Männern und zu 43 beziehungsweise 42 Prozent von Frauen belegt wurden, obwohl sich jeweils 56 Prozent Frauen und 44 Prozent Männer bewarben. Das sei eine Schwäche des Tests, die man mit der Geschlechtertrennung ausgleichen wolle."

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36622/1.html

    der Herr Karl

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