Sonntag, 17. März 2013

Die Rolle der Agenda 2010 und Lohnentwicklung für die Euro-Krise


Von Tobias Fuentes

Viele Themen und Aufreger sind diese Woche wieder aufgelaufen, die es demnächst abzuarbeiten gilt. Großes Thema war der zehnjährige Jahrestag der Agenda 2010. Hier ranken sich viele Mythen über die Relevanz der Agenda für die wirtschaftliche Erholung Deutschlands und über die deutsche "Schuld" an der Euro-Krise. Mit Verweis auf einige aktuelle Artikel möchte ich manche Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten verdeutlichen. In den Kommentaren zu meinem Austeritäts-Beitrag vom 27.2. wurde dem auch schon näher nachgegangen.


Gustav Horn im Cicero vom 13.3. etwa bezweifelt, dass unsere gute Beschäftigungsentwicklung seit 2005 auf die Agenda zurückginge. Es sei ein allgemeiner (europa- oder weltweiter) wirtschaftlicher Boom gewesen, von dem wir mitprofitierten, und nach der Finanzkrise (als es das "eigentliche deutsche Arbeitsmarktwunder" gab) seien flexiblere Arbeitszeiten und Kurzarbeit für die Genesung verantwortlich: "Es war also nicht die Agenda, sondern die Arbeitsmarktreformen von unten." Vielfach wird der derzeitige deutsche Boom in der Euro-Krise aber schlicht mit der Agenda, mit strukturellen Reformen, erklärt ... oder man steht ratlos vor Deutschlands plötzlicher Stärke. Als Marxist sieht der wortgewaltige Tomasz Konicz in der Krise selbstredend das Ende der Fahnenstange ...  ... "dass der Kapitalismus offensichtlich ohne permanente Schuldenbildung nicht mehr funktionsfähig ist". Er verweist abstrakt auf den Zusammenhang zwischen unserer deutschen Exportbilanz und der Verschuldung der Krisenländer, und auf "kreditfinanzierte Nachfrage", ohne den Mechanismus näher beschreiben zu wollen.


Die Agenda ist nachrangig

Nein, für unsere Erholung war die Agenda 2010 tatsächlich nur nachrangig. Sie war eine Notlösung im Rahmen deutscher Massenarbeitslosigkeit zu Zeiten Rot-Grüns und vor der Euro-Krise. Wir profitieren durch allerlei ausgelöster Flexibilität und Lohnspreizung zwar heute auch von ihr, aber wäre die Finanzkrise (an die sich die Euro-Krise zwingend anschloss) schon 2003 über uns gekommen, hätten wir die Agenda nicht gebraucht - wir würden heute (unterstellt die Exportunterschiede wären ähnlich eklatant groß wie 2007) auch ohne sie boomen, nur etwas schwächer. Warum?

"Die Kapitalbilanz regiert die Handelsbilanz." Grundsätzlich gilt: Kapital sucht sich die rentabelsten Anlagen und Standorte. Durch Kapitalverkehrsfreiheit, also etwa auch durch die gescholtene Liberalisierung, geht das heute noch besser und schneller. Kapital ergibt sich durch Ersparnisbildung. In unserem Geldsystem, einem Schuldgeldsystem, erfolgt die Kreditvergabe technisch nicht vollumfänglich aus zuvor angespartem Kapital, das Banken nur weiterverleihen. Geld wird durch Kreditvergabe jeweils geschaffen (und später wieder bei Tilgung und Weiterreichung an die Zentralbanken vernichtet). Der Knackpunkt dabei ist: Geldschöpfung schafft nur Geld, keine Nachfrage. Nachfrage "korrespondiert" immer noch mit Ersparnissen. Das kann man eindrucksvoll im Rahmen des Euros und durch seine Euro-Krise beobachten. Aber der Reihe nach, insb. hab ich das auch hier anschaulicher dargestellt.


Die Relevanz der Kapitalströme

Zentralbanken regen durch Geldpolitik (Leitzins usw.) die Kreditvergabe an. Aber ... das ist nicht die einzige Quelle und ultimativer Ausgangspunkt von Verschuldungsprozessen. Das Kreditangebotsverhalten von Banken und der "Liquiditätsausgleich" unter Banken (im sog. Interbankenhandel) spielt gleichwohl eine gewichtige Rolle. Durch den Euro wurde diese Rolle noch bedeutender. Die vorhandene Geldschwemme wälzte sich nach Süden, das heißt südländische Banken kamen durch den Euro, etwa durch Wegfall des Wechselkursrisikos, plötzlich (über Kapitaltransfers) zu einfacheren Krediten, vermehrter Liquidität, verringertem Liquiditätsrisiko, was zu expansiverem Kreditangebotsverhalten führte, unabhängig vom Verhalten der Zentralbanken und ihrer sog. Geldbasis, die (normalerweise) Grundlage der Geldschöpfung ist. Banken sind unterschiedlich spezialisiert, manche sammeln Kapital ein, andere kurbeln damit den Kreditvergabeprozess an. So floss deutsches Kapital vor allem zu französischen und italienischen Banken, die dadurch gegenüber anderen Südländern ihr Kreditangebot wieder ausweiten konnten. Korrespondierend: Südländische Unternehmen und Private hatten großen Nachholbedarf an Verschuldung (Kreditnachfrage), etwa in Spanien über den Immobiliensektor. Zwischen 2002 und 2007 gingen von der deutschen gesamtwirtschaftlichen Ersparnis in Höhe von 930 Mrd. Euro netto 67 Mrd. als Direktinvestitionen (7%) und 413 Mrd. über Finanzmärkte (44% und diese sind hier relevant) ins Ausland - Statistisches Bundesamt, Abbildung 2.4 in Hans-Werner Sinns Target-Falle (S. 58).

So verlor Deutschland Kapital, ohne dass wir was dagegen hätten tun können. Mit dem Kapital floss Nachfrage ab, wir hatten - spiegelbildlich - automatisch weniger Investitionen, Kredite und Lohnsteigerungen ... man bedenke: unsere Lohnzurückhaltung wurde nicht durch plötzliche Gier der Unternehmer erzwungen, sondern war ihrerseits den nachfrageseitigen Umständen geschuldet. Durch die Aufwertung der D-Mark und expansive Lohnpolitik der frühen 90er hatte sich zuvor schon unsere angebotsseitige Struktur verschlechtert, womit der Aufbau der Massenarbeitslosigkeit fortschritt, und als Folge (!) die Agenda 2010 initiiert wurde, um zu retten, was noch zu retten ist.

Denn ... eine verstärkte staatliche Ausgabenpolitik (Fiskalpolitik) oder eine forcierte Arbeitsmarktpolitik (hohe Lohnsteigerungen) hätten diese Kapitalströme seit dem Euro nicht (adäquat) aufhalten können. Die Südländer hatten ihre nachfrageinduzierte Inflation (Nachfrage über unsere Ersparnis vermittelt). Politisch oder gewerkschaftlich erzwungene deutsche Lohnsteigerungen hätten bei uns allenfalls eine kostenbasierte Inflation ausgelöst (Kosten, weil fehlende Ersparnis und fehlende Nachfrage). Eine kostenbasierte Inflation schafft Arbeitslosigkeit, bekannt ist die Stagflation der 70er (sog. Angebotssschocks, Ölpreisschocks von 1973 und 1979). Keynesianer argumentieren sodann verlegen, das Maß der nötigen Inflation hätte sich nur nach oben verschoben ("die Phillipskurve verlagert sich nach rechts oben"). Aber bei außenwirtschaftlichen Kapitalströmen ... scheitert eine solche Erkärung. Hier versagt die Nachfragetheorie. Man bräuchte eine Wirtschafts"koordination", die Kapitalströme stoppt, die die Kreditvergabe in den Südländern rationiert ... dessen ist man sich vielfach gar nicht bewusst ... und wie soll das etwa im Falle Spaniens gehen: man müsste Baukredite rationieren. Staatliche Ausgabenpolitik mag noch beherrschbar sein, aber wie private Verschuldung?

Wer argumentiert, Deutschland hätte durch die Agenda und Lohnzurückhaltung die Ungleichgewichte verschärft, hat recht. Das Problem: wir hatten keine Wahl. Es war der Euro, der Kapitalströme ausgelöst und dadurch unseren Spielraum für Lohnsteigerungen auf Null reduzierte. Ohne Euro hätten wir nicht diesen exzessiven Kapitalabfluss gehabt, der die allseits gewünschte beschäftigungserhöhende nachfrageinduzierte Inflation aus Deutschland in den Süden verlagerte. Normalerweise, ohne Euro, wären Kapitalflüsse in "marktkonforme" Bahnen gelenkt worden. Südländer hätten nur insofern von unserer Ersparnis profitieren können, wie es ihre wirtschaftliche Angebotssituation erlaubte, um sodann zu investieren (anstatt wie geschehen zu konsumieren) und eigene Ersparnis aufzubauen. Es wäre gar nicht erst zur Katastrophe, dem Point of no return, den schlagartig steigenden Zinsen und der Kapitalflucht gekommen. Aber der Euro hat diese marktimmanenten Bremsen gelöst, er hat mit einem Schlag diese Kapitalströme bewirkt (neben den durch die Gemeinschaftswährung ohnehin bezweckten Zinsangleichungen über Geldpolitik). Die damit einhergehenden Kreditvergaben waren "Vorschusslorbeeren", die die Krisenländer verfrühstückt / konsumiert haben. Sowohl die Kapitalströme, das ausgeweitete Kreditangebotsverhalten, als auch der Nachholbedarf der Südländer, wie der Immobilienboom Spaniens, sind einzig durch vielfache Staatsinterventionen erklärbar.


Leistungsbilanzungleichgewichte bauen sich automatisch ab

Heute, in der Euro-Krise, schwappt das Kapital wieder nach Deutschland bzw. bleibt gleich bei uns. Jetzt haben wir notgedrungen ganz automatisch den gesamten Spielraum für höhere Löhne und Investitionen. Jetzt bekommen wir unsere Inflation, die nun eine beschäftigungsfördernde nachfrageinduzierte ist, die unsere Exportüberschüsse langsam schrumpfen lässt und die die Leistungsbilanzungleichgewichte ausgleicht - leider zu langsam für die Südländer - und auch nur bis zur (mehr oder weniger gravierenden) kommenden Eskalation der Euro-Krise. Dies gilt jedenfalls insoweit, wie man Austerität in den Krisenländern (Lohn- und Preissenkungen) wirken lässt, was einerseits sehr zäh ist und andererseits mit unserer Art der Rettungsmaßnahmen konterkariert wird. Aber nochmal: die Krise ist nicht die Schuld der Agenda und der Lohnzurückhaltung, sondern in erster Linie die des Euros. Nach wie vor ist Austerität und eine Agenda-Politik in den Krisenländern erforderlich (als einzige Alternative zu Schuldenschnitt und Euro-Austritt, was hingegen zu bevorzugen ist, um das nochmal klarzustellen), aber das würde nicht gemeinsam mit uns in eine wechselseitige Lohn-Abwärtsspirale münden. Auch ist die Rhetorik, nicht alle Länder können Exportüberschüsse einfahren und daher seien Agenda-Reformen Unsinn, fehl am Platz ... eine solche Abwärtsspirale ist schlicht ausgeschlossen, und dies ist augenscheinig für den, der die Relevanz und Wirkungen von Kapitalströmen kennt und beachtet. Der Übeltäter für die vorangegangenen Verwerfungen ist und bleibt: der Euro.

Kommentare:

  1. Was mich an solchen Artikeln immer wieder irritiert ist die Sprache:
    "Wir stehen gut da."
    "Wir boomen."

    Ich stehe tendenziell schlechter da als noch vor Jahren und boomen tue ich schon gar nicht.

    Dieses "Wir-Gerede" hat so etwas National-Chauvinistisches. Also ob ich stolz darauf sein müsste dass der DAX neue Rekorde bricht oder Kraus-Maffei wieder mehr Panzer verkauft.

    Die Vorstellung, dass die wirtschaftliche Potenz einzig über das Wohl und Wehe der Menschen entscheidet ist derart massiv in den Köpfen verankert das der Bevölkerung praktisch jegliche Einschränkung und Demütigung unter dem Vorwand verkauft werden kann, dann gehe es schließlich "uns" besser.

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    1. Aber so ist es nun mal. Du willst genauso eine staatliche Politik, die eben nationale Auswirkungen hat. Eine koordinierte Wirtschaftspolitik in der EU würde auch nationale Lösungen erfordern. Dass es so ist, wie es ist, kann man sich nicht aussuchen. Wirtschaften entwickeln sich bedauernswerterweise unterschiedlich.

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    2. Als die Mauer fiel und sich die starke Internationalisierung der Wirtschaft nebst Aufstieg von China und den Tigerstaaten deutlich abzeichnete, begann in Deutschland eine Debatte, ob wir nun eher im Wohlstand schrumpfen würden. Schon Anfang der 1990er Jahre waren viele Ökonomen der Ansicht, dass Deutschlands Wohlstand nicht mehr wie bisher wachsen würde und man sich auf Stagnation einstellen müsste.

      Dieser Entwicklung hat man sich in den 1990er Jahren um den Preis stark steigender Verschuldung und wachsender Arbeitslosigkeit entgegen gestemmt. Seit Mitte der 1990er Jahre differenzieren sich nun die Löhne stärker aus, die "Spaltung" der Gesellschaft nimm zu, da als erstes die Einkommen von Geringqualifizierten unter Druck gerieten.

      Seit zwei Dekaden sind ein paar Milliarden Menschen hinzugekommen, die am Wohlstand dieses Globus teilhaben möchten. Sie konkurrieren zwangsläufig um die nicht unbegrenzt vorhandenen Produktionsmittel, ob nun als Staaten in Form von besseren Investitionsbedingungen oder als Individuen in Form von Arbeitsbedingungen.

      Große Konzerne arbeiten zunehmend in "Cloud"-Strukturen, das bedeutet, sie halten sich nur noch eine kleine Stammbelegschaft und kaufen alle sonstigen Leistungen zu. Diese schreiben sie weltweit aus: Schulung von Mitarbeitern, Entwicklung von Programmen, finanzwirtschaftliche Leistungen. Als Staat kann ich das verbieten, in dem ich eine bestimmte Relation von Eigen- und Fremdleistungen beispielsweise vorschreibe. Der Effekt wird jedoch nur sein, dass dann dieser Konzern auf Arbeit aus dem regulierenden Land verzichtet, womit der Wohlstand deutlich sinkt.

      Das Paradies gibt es nicht auf Erden, das ist dem Himmel vorbehalten.

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  2. "Kapital ergibt sich durch Ersparnisbildung."
    "Der Knackpunkt dabei ist: Geldschöpfung schafft nur Geld, keine Nachfrage."
    Der groesste Bloedsinn wird auch dann nicht zur Wahrheit, wenn man ihn staendig wiederholt. Ich empfehle Ihnen zur Weiterbildung und Ueberwindung Ihrer obsoleten Vorstellungen Steve Keen:
    http://www.debtdeflation.com/blogs/manifesto/

    Sapere Aude!

    Georg Trappe

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    1. Es ist leider wie es ist. Oder wie erklärst du dir Deutschlands Performance? Auch nur durch "flexible Arbeitszeiten", Kurzarbeit oder Abwrackprämie - Sachen, von denen wir bis heute so massiv profitieren würden? Ernsthaft?

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    2. "Es ist wie es ist"

      ach so.

      Ich hatte für mein Restaurant 50.000 € Kredit aufgenommen. Damit schaffte ich dann keine Nachfrage, weil ich den Kredit ja zurückzahlt habe und das Geld wieder vernichtet ist ?

      Verstehe ich das richtig ?

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    3. @ul
      Der Zusammenhang von Tilgung und Geldmenge ist hier schön beschrieben (Geldschöpfung und Geldvernichtung der Geschäftsbanken, Mitte der Seite).
      Mit einer künstlich ohne vorangegangene Ersparnis (Konsumverzicht) ausgeweiteten Geldmenge treibt man die Wirtschaft nur so lange bis nichts mehr an künstlicher 'Nachfrage' hinterherkommt (die Zentralbank muss die Zinsen immer weiter senken). Wenn Ersparnis aus Deutschland fließt, ist dies umso schneller der Fall ... es fehlt die Grundlage für weitere Kredite/Nachfrage, es wird weniger investiert und konsumiert. Dann kann man an die Substanz der Unternehmen gehen (erzwungene Lohnerhöhungen), um mit Konsum den Crash weiter hinauszuzögern (das ist das kurzsichtige Denken der Vulgär-Keynesianer), aber durch hohe Löhne verschlechtert sich die Angebotssituation für weitere Investitionen immer mehr ... Wenn der kurze Konsumzyklus nach den erzwungenen Lohnsteigerungen dann vorbei ist, ist man am Ende: man hat Massenarbeitslosigkeit wie 2003.
      Die Vorstellung, dass es nur auf den Konsum ankomme, und jede Lohnerhöhung oder jedes Gelddrucken die Wirtschaft ankurbelt, ist eine laienhafte. Das geht über Keynes hinaus, der trotzdem immer für diese Laiensicht in Haftung genommen wird, aber Keynes hatte sich nicht von der allgemeinen klassischen Beschäftigungstheorie gelöst, nach der Beschäftigung über eine Senkung der Reallöhne gesteigert wird.

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    4. Da wundert mich dein Verständnis von Wirtschaft auch nicht mehr, wenn du von Geldmengensteuerung ausgehst bzw. dem Geldmultiplikator. Es sei denn du stimmst nicht damit überein, was in dem von dir verlinktem Inhalt steht, dann weißt du das Folgende ja bereits.

      Banken verleihen keine Reserven. Oder andersherum: Kredite erzeugen Einlagen. Die man wiederum (*nachdem* sie erzeugt wurden) buchhalterisch "finanzieren" muss.
      Sieht man auch gut daran, dass der Reservesatz über einen Zeitraum einer Periode im Mittel erfüllt sein muss.

      Außerdem setzen Zentralbanken die Zinsen. Und der Rest der Wirtschaft folgt.

      Banks are not reserve constrained.
      http://www.nakedcapitalism.com/2011/05/banks-are-not-reserve-constrained.html

      Und hier mal wirklich eine gute Erklärung was Modern Monetary Theory eigentlich ist. Es geht nämlich tatsächlich um die reale Wirtschaft ;)
      http://neweconomicperspectives.org/2013/03/what-is-modern-monetary-theory-or-mmt.html

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    5. Ein schlauer Mann soll einmal gesagt haben:"An dem Tag, an dem die breite Bevölkerung das Geldsystem versteht gibt es Revolution."

      Die Gefahr scheint mir übersichtlich zu sein...

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    6. @Christian
      "In practice, banks don’t wait for the reserves to be available to issue loans. They make loans first and then borrow the reserves in the interbank market."
      Das ist gehuppt wie gesprungen. Und eine völlige Verwirrung wie die Anmaßung es ging um "reale Wirtschaft", wenn ihr ein künstliches Gelddruck-Währungssystem übergestülpt werden soll um Wirtschaft in zentralistische Bahnen zu lenken, und wirtschaftliche Zwänge auf ein "poorly managed monetary system" reduziert und verniedlicht werden.

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    7. @Christian
      PS. Ich wollte nicht unhöflich ... für Links und Hinweise wie deine bin ich immer dankbar. Mich macht die MMT nur definitiv wütend, weil ich sie als dreisten Etikettenschwindel sehe. Ich hab mir damals die deutsche Übersetzung des Interviews von Bill Mitchell (im spiegelfechter) ausgedruckt, aber selbst auf deutsch dreht sich mir der Kopf ... irgendwann will ich das gewiss mal abfrühstücken, in einem Aufwasch mit Flassbeck ... vllt macht man dann mal nen großen Showdown der Geldsysteme, aber dazu muss ich noch weit mehr anlesen.

      Aus Mitchell: "Jedenfalls wissen die Banken am Ende des Tages, dass sie ihre Reserven durch eigene Kreditaufnahme bei der Zentralbank decken können." ... ja, aber der Clou ist ja, dass südländische Banken den Kredit billiger über den Interbankenmarkt bekamen ...

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    8. @Fuentes
      Auf den Showdown bin ich gespannt ;)
      Warren Mosler, den man als Begründer von MMT sehen kann, hatte keine volkswirtschaftliche Vorbildung, sondern hat sich das alles selbst erschlossen, aus der operativen Sicht als Banker. Nachher hat man dann festgestellt: Moment, das ist eine Weiterentwicklung/Wiederentdeckung von bekannten Ideen und passt zur endogenen Geldtheorie und State Theory of Money. Dies wurde dann erweitert durch Stock-Flow Consistent Accounting usw.

      Interessant ist hier auch z.B. Mariner Eccles, der FED-Chef unter Roosevelt um zu sehen dass es sich um das Neuentdecken von damals bereits bekannten Ideen handelt. Google/Wikpedia hilft hier weiter, als Einstieg hier nur ein Auszug http://www.nakedcapitalism.com/2011/09/marriner-eccles-on-the-need-to-save-the-rich-from-themselves.html

      Zu deiner ersten Anmerkung. Das ist eben nicht gehupft wie gesprungen. Das ist fundamental. Es läuft darauf hinaus, ob man versteht wie Banken in unserem Geldsystem eigentlich funktionieren.
      Deshalb funktioniert z.B. QE auch nicht, da, siehe oben, Banken keine Reserven verleihen. Der Geldmultiplikator existiert nur als statistische Größe und nicht als Kausalzusammenhang, etc.

      Zu deiner zweiten Anmerkung: Ja und? Das ändert an der Korrektheit der Beschreibung nichts. Zentralbank ist last resort, wenn der Interbankenmarkt nicht funktioniert bzw. zuviele/zuwenig Reserven im System vorhanden sind.

      Das Geldsystem, welches wir momentan haben, kannst du mögen oder nicht, es wird durch MMT aber korrekt beschrieben. Soviel müsstest du schon zugestehen, ansonsten lohnt die weitere Diskussion nicht.

      Vielleicht ist dann für dich ja eher "Monetary Realism" was, die behalten die Geldsystembeschreibung von MMT bei, sowie das Stock-Flow Accounting, sind aber politisch nicht auf Vollbeschäftigung gepolt (für mich persönlich deshalb nicht ganz korrekt, aber was solls)
      http://monetaryrealism.com/

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    9. @Christian
      "durch MMT aber korrekt beschrieben"
      Sie beschreibt lediglich einseitig den finanz-technischen Vorgang und entwickelt theoretische Möglichkeiten der staatlichen Lenkung der Realwirtschaft mithilfe des technischen Instrumentariums. Deswegen verfallen ihr hauptsächlich Mathematiker und Informatiker. Die MMT ist die Pervertierung des Papiergeldsystems. Aber die Praxis ist eben eine andere, dort kommt die Realwirtschaft mit ihren Ressourcen und Zwängen dazu, deren Probleme (infolge staatlicher Einflussnahme) von der MMT als "poorly managed monetary system" vorgegaukelt werden, um noch mehr Staatslenkung zu legitimieren. Wenn ich die Lösungen der MMT wie die staatliche Jobgarantie sehe, schüttelt's mich. Soviel Zentralismus könnt ihr selbst den deutschen Staatsgläubigen nicht verkaufen.
      Und wie erklärt die MMT die Kapitalbewegungen und die ihr innewohnenden Booms and Busts, wenn das doch alles völlig irrelevant sei?

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    10. Aber die Praxis ist eben eine andere, dort kommt die Realwirtschaft mit ihren Ressourcen und Zwängen dazu, deren Probleme (infolge staatlicher Einflussnahme) von der MMT als "poorly managed monetary system" vorgegaukelt werden, um noch mehr Staatslenkung zu legitimieren.

      Die realwirtschaftlichen Zwänge sind für das Finanzsystem bedeutungslos, sie machen nur einen Bruchteil der Finanztransaktionen aus.

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    11. Die Über-Dimensionierung des Finanzsektors ist ne andere Schublade und hat nichts mit der Diskussion zu tun.

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    12. @Tobias
      Schön, dann sind wir ja schonmal der gleichen Ansicht, dass die finanztechnischen Vorgänge und das Geldsystem korrekt dargestellt werden. Darauf lässt sich doch sicherlich aufbauen ;)
      Zum Beispiel damit, dass du deine eigenen Analysen Stock-Flow konsistent machst.

      Das bedeutet allerdings nicht, dass man ein modernes Geldsystem nicht schlecht steuern könnte, so z.B. als würde man noch unter dem Goldstandard leben.

      Und MMT sagt eben gerade aus, dass es sehr wohl auf die Realwirtschaft ankommt und dass wir uns nicht von angeblichen monetären Zwängen dazu genötigt sehen unsere Volkswirtschaft nicht auszulasten, z.B. Arbeitslosigkeit in riesigem Ausmaß zuzulassen.
      Rente? Können wir nicht bezahlen!
      Lehrer? Können wir nicht bezahlen!
      Infrastruktur? Können wir nicht bezahlen (es sei denn es ist S21 oder ein Großflughafen)!
      Arbeitslosigkeit? Die Leute sind halt nicht qualifiziert bzw. verlangen zu viel Lohn!

      MMT sagt uns: Können wir bezahlen. Nun sollten wir aber schauen ob wir es auch *real* können. Sprich: haben wir die nötigen Arbeitskräfte/Wissen/Rohstoffe?
      Schauen wir nicht nach, ob wir es auch real können, könnte Inflation die Folge sein.

      Natürlich kannst du dich als monetär souveräner Staat so verhalten, als ob du nicht monetär souverän wärst, bestes Beispiel ist Obama.

      Dass du, der du ideologisch gegen mehr Staat in der Volkswirtschaft bist, da natürlich Argumente suchst warum das schlecht ist, kann ich menschlich verstehen. Aber wir sind halt ideologisch anders aufgestellt, wobei ich natürlich genau wie du der Meinung bin, dass meine Weltsicht "stimmt". Und der Punkt, der mich wirklich interessiert, ist, wo wir anfangen uns von Fakten zu lösen, damit wir unsere Weltsicht nicht ändern müssen. Welche Annahmen sind wesentlich, damit deine Weltsicht bestehen bleibt? Und welche Annahmen, die wir implizit treffen, lassen sich in der Realität nicht wiederfinden?

      Wie erklärt MMT Booms and Busts? Da würde ich mal in Post-Keynesianische Literatur schauen ;)
      Minsky sei da z.B. ein Stichwort. (War übrigens der Doktorvater von Wray, einem der Mitgründer von MMT)
      Und das hat dann wieder viel mit dem Finanzsektor zu tun.

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    13. @Christian
      Und MMT sagt eben gerade aus, dass es sehr wohl auf die Realwirtschaft ankommt und dass wir uns nicht von angeblichen monetären Zwängen dazu genötigt sehen unsere Volkswirtschaft nicht auszulasten, z.B. Arbeitslosigkeit in riesigem Ausmaß zuzulassen.

      Mich würde deine Meinug interessieren, welche Ursache die monetären Zwänge haben. Meiner Meinung nach liegt es daran, dass die Vermögenswerte, die im Finanzsystem verwaltet werden, eine weitaus größere Dimension haben und daher auch als weitaus wichtiger erachtet werden als realwirtschaftliche Finanzkreisläufe. Hinzu kommt, dass die Renditen in realwirtschaftliche Prozessen ständig sinkt, während bei Vermögenstransaktionen Traumrenditen erwirtschaftet werden können - in Abhängigkeit des gwählten Schneeballsystems.

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    14. @Marc
      Es kommt darauf an, welche monetären Zwängen du meinst. Ich dachte da eher an die berüchtigte schwäbische Hausfrau in Bezug auf Staatshaushalte. Das ist ja übrigens das lustigste an der ganzen Sache, dass die FDP dafür eintritt, dass der Staat den Bürgern mehr wegnehmen soll, als er ihnen gibt (Staatsüberschuss). Und das Ganze unabhängig von der Außenhandelsbilanz..

      Dass man einen Großteil des Finanzcasinos schließen sollte, ist glaube ich unstrittig, das sagt ja sogar der Sinn. Es ist zwingend notwendig, dass die großen Banken abgewickelt werden. Dazu bräuchte es aber politische Entscheider, die das wollen und nicht von den Banken gekauft sind. Schwierig ;)

      Randall Wray hat dazu schon viel geschrieben, schau dir einfach mal das folgende Paper an.
      http://www.levyinstitute.org/pubs/wp_661.pdf

      Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Renditen in realwirtschaftlichen Prozessen ständig sinken, das kommt vermutlich stark auf die Branche an.

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  3. "Das Problem: wir hatten keine Wahl."
    Das ist genau was uns weiß gemacht werden soll. Woher will man das wissen? Kann man alle Alternativen halbwegs valide mit Hilfe von Modellen und/oder Experimenten durchspielen? Kann man nicht. Damit ist die Aussage ein Diskussionskiller, mehr aber auch nicht.

    "Es war der Euro, der Kapitalströme ausgelöst und dadurch unseren Spielraum für Lohnsteigerungen auf Null reduzierte"
    Wenn das stimmen würde, warum stieg die Investitionsquote dann nicht dramatisch an, nachdem man die Löhne stagnieren ließ?

    http://wko.at/statistik/eu/europa-investitionsquoten.pdf

    Das Problem ist, dass sich die logisch schlüssigen Ergebnisse aufgrund der ökonomischen Annahmen die sie Treffen ergeben. Diese können beliebig falsch sein. Somit sind absolute Aussagen wie sie hier getroffen werden nicht möglich.

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    1. Habe ich und ich sage dennoch, dass "Das Problem: wir hatten keine Wahl." nicht stimmt. Nur wenn man sich komplett auf den Export fokussiert würde das stimmen. Wäre die DM geblieben, dann bringt eine Lonsenkung bei gleichzeitiger Produktivitätssteigerung eine weitere Aufwertung der Währung. D.h. wenn die die deutsche Währung hoch bewertet war, dann war die deutsche Wirtschaft stark und nicht schwach.

      Die hohe Arbeitslosigkeit resultierte zu großen Teilen aus der Deindustrialiserung der neuen Bundesländer. Die Agenda hat die Ursache und Wirkung verdreht. Die Arbeitslosigkeit war zuerst da und nicht die hohen Sozialausgaben (ich hoffe du weißt was ich meine. In deinen Augen sind die Ausgaben immer zu hoch ;).). Alternativen wurden von Lafontaine vorgestellt. Er wollte den Binnenmarkt stärken und Banken regulieren. Dafür wurde er als gefährlichster Mann Europas bezeichnet. Stattdessen kam das genaue Gegenteil.

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  4. So verlor Deutschland Kapital, ohne dass wir was dagegen hätten tun können. Mit dem Kapital floss Nachfrage ab, wir hatten - spiegelbildlich - automatisch weniger Investitionen, Kredite und Lohnsteigerungen ...

    Das passiert, wenn Ökonomen nur in realwirtschaftlichen Zusammenhängen denken können. Wir leben aber in der Moderne und die zeichnet sich dadurch aus, dass die Realwirtschaft nicht mehr der bestimmende Faktor im Finanzsystem ist. Wenn ich einen Kredit aufnehme, um zu spekulieren und zypriotische Staatsanleihen zu kaufen, weshalb sollte dann "Nachfrage" abfließen?
    Wer nur in realwirtschaftlichen Dimensionen denken kann, der hat natürlich den Vorteil, auf primitive Denkmodelle zurückgreifebn zu können. Mit der Wirklichkeit hat das aber nichts zu tun.

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  5. Es ist schon erstaunlich, wie geschichtsvergessen die Menschen sind. Beginnend Mitte der 1970er Jahre ist in jedem Konjunkturzyklus die Erwerbstätigkeit gesunken und die Sockelarbeitslosigkeit (ein Begriff, der heute nicht mehr verwendet wird) gestiegen. Linke erklärten dies mit dem hohen Rationalisierungsdruck. Sie ignorierten dabei, dass sie diesen Rationalisierungsdruck selbst durch hohe Lohnforderungen ausgelöst hatten und dass in anderen OECD-Staaten wie z.B. der Schweiz die Erwerbstätigkeit stieg, während die Arbeitslosigkeit sank. Es ist also erklärungsbedürftig, warum wir seit 2006 eine andere Entwicklung haben.

    In der selben langen Reihe stiegen auch die Überstundenkonten auf immer neue Rekordhöhen. Das veranlasste Linke über eine Begrenzung der Überstunden nachzudenken, um damit Beschäftigung zu schaffen. Sie begriffen nicht, dass die Überstundenkonten damals das einzige Instrument waren, Unternehmen nach Auftragslage atmen zu lassen. Die klassische Wirtschaftstheorie sieht für solche Fälle Entlassungen vor, die jedoch wegen dem regiden deutschen Arbeitsrecht sehr teuer sind. Wenn heute wunschgemäß die Überstundenkonten abgeschmolzen sind, ist dies auch erklärungsbedürftig.

    Die Erklärung von Horn ist lachhaft. Da will jemand die Leute für dumm verkaufen. Die deutsche Rezession lief von 2002 bis 2005 und damit über den längsten Zeitraum der Nachkriegsgeschichte. Weltweit brach die Konjunktur nach 9/11 nur kurzzeitig ein, in den USA konnte mit Steuergutschriften eine tiefe Rezession verhindert werden. Während also 2004 die Weltkonjunktur längst wieder lief, dümpelte Deutschland in der Rezession. Das ist auch erklärungsbedürftig und nicht zu negieren wie Horn das tut.

    Deutschlands Exportgüter sind Luxuswaren und Investitionsgüter. Luxus ist weit weniger konjunktursensibel als andere Waren. Für Investitionsgüter gilt ein durchschnittlicher Konjunkturzyklus von 10 Jahren, bis Maschinen ersetzt werden müssen. Umsatzsteigerungen entstehen hier durch die Ausweitung des weltweiten Produktionspotentials und Verdrängung von Wettbewerbern. Diese beiden Fakten erklären erst recht nicht die langanhaltende Rezession im letzten Jahrzehnt.

    Und so kommt man zwangläufig zu den Wirkungen der Agenda 2010, die den Arbeitsmarkt ohne Aufweichung des Kündigungsschutzes enorm flexibilisiert hat. Heike Göbel hatte gestern im Presseclub recht: wenn wir nun die Maßnahmen der Agenda Punkt für Punkt zurückdrehen und neu regulieren, kommen wir nicht umhin, wieder über den Kündigungsschutz zu sprechen. Ansonsten enden wir dort, wo heute Frankreich und Italien sind.

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    1. Ja, gute Darstellung. Für die einen ist es flexible Arbeitszeit und Kurzarbeit, für die anderen die Konjunkturprogramme. Andere bestreiten, dass es Beschäftigungszuwachs überhaupt gab, ob durch Ignoranz oder Verweis auf Statistikmanipulation. Und für die europäische Arbeitslosigkeit "trotz" Mindestlöhnen hat man wieder Begründungen auf Lager, das fehlende duale System an erster Stelle. Es ist ein ewiger Krampf. Butterwegge ist da auch sehr kreativ: "Zwar ist die Zahl der Erwerbstätigen seit Wirksamwerden der 'Agenda'-Reformen gestiegen und die Zahl der Arbeitslosen zurückgegangen. Das ist allerdings teilweise demografisch bedingt und liegt nicht zuletzt an der höheren Frauenerwerbsquote sowie erhöhter Zuwanderung" (NDS 13.3.). Die sinkende Zahl der Leistungsempfänger erklärt er mit "drastisch verschärften Anspruchsvoraussetzungen, Kontrollmechanismen und Repressalien".

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  6. Der Euro ist nicht der Übeltäter. Er ist vielmehr das Werkzeug. Übeltäter ist die deutsche exportoriente Wirtschaft, die alle Nachbarländer niederkonkurriert und gegen die sich seit der Einführung des Euro kein Land der Eurozone mittels Wechselkursen wehren kann.

    Selbstverständlich hätte es in Deutschland Raum für Lohnsteigerungen gegeben. Aber wer als Dogma verlaubart "kostenbasierte Inflation schafft Arbeitslosigkeit" und dies auch noch mit dem Ölpreisschock der 70er Jahre begründet, hat wohl eine politische Agenda. Es ist logisch, dass höhere Ölpreise sowohl Arbeitslosigkeit als auch Inflation steigen lassen. Dies als Begründung für dein Dogma zu nennen, ist schäbig.

    Inflation, die durch Lohnsteigerungen ausgelöst wird, führt natürlich nicht automatisch zu mehr Arbeitslosigkeit. Die Lohnsteigerungen führen zu mehr Nachfrage am Binnenmarkt und hätten im Fall von Deutschland sogar zu einer Reduktion der Arbeitslosigkeit geführt. Natürlich wären einige Gewinne anders verteilt worden. Weniger zu den Kapitalgebern und mehr zu den kleinen Leuten, die noch mit ihren Händen arbeiten.

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    1. Wie kann Deutschland alle niederkonkurrieren, wenn es mit die höchsten Löhne der OECD hat? Was tun erst Staaten, die weit niedrigere Löhne haben? So einfach ist die Welt nicht.

      Von 1974 bis 2000 haben die Gewerkschaften mehr als den Verteilungsspielraum genutzt und Arbeitslosigkeit produziert. Die ist schließlich nicht vom Himmel gefallen. Seit 2005 wird das Rad langsam zurückgedreht, in dem der Verteilungsspielraum zugunsten dem Abbau von Arbeitslosigkeit genutzt wird.

      Linke reden permanent von Anregung der Binnennachfrage. Nun nehmen Sie bitte mal den Warenkorb des Statistischen Bundesamtes und gehen shoppen. Bei welchen Unternehmen wollen Sie für Umsatz sorgen. Bitte mal 20 Unternehmen nennen, Roß und Reiter (kein Handels-, kein Dienstleistungsunternehmen). Vielleicht kommen Sie dann dahin, dass Deutschland eine andere Wirtschaftsstruktur hat als Frankreich oder besonders die USA.

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  7. @Anonym
    Selbstverständlich hätte es in Deutschland Raum für Lohnsteigerungen gegeben ... Inflation, die durch Lohnsteigerungen ausgelöst wird, führt natürlich nicht automatisch zu mehr Arbeitslosigkeit.

    Warum das grundfalsch ist, hab ich begründet, und nicht "mit Ölpreisschocks". Was deine Argumente sind, bleibst du schuldig.

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  8. Kommentar von Jürgen Voß:


    Ich finde es schon ein wenig drollig, wie sich hier die beiden neoliberalen Archetypen Fuentes und In Dubio (pro Neolibertate) in unübertrefflich selbstgerechter Weise die Bälle zuwerfen und alle Andersdenkenden als Idioten darstellen. Ob dies methodisch wie inhaltlich im Sinne des Initiators dieses Blogs ist, mag dahingestellt sein. Für mich gilt: Wenn ich neoliberalen Unfug lesen will, brauch ich nicht ins Netz zu gehen, da reicht mir die tägliche Lektüre des Wirtschaftsteils der Süddeutschen.

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    2. Jürgen, dann versuch doch mal zu begründen, was "Unfug" ist. Die Mühe hab ich mir bei deinen irreführenden kurzsichtigen Einlassungen zum Rentensystem damals auch gemacht.
      Wenn es deinem Verständnis nach "methodisch wie inhaltlich" zu einem linken Blog gehören sollte reine Selbstbespaßungs- und Selbstbestätigungsplattform zu sein, findest du ausreichend Ausweichmöglichkeiten. Den Vorwurf "alle Andersdenkenden als Idioten" darzustellen, richtest du bitte an Spiegelfechter, Feynsinn und Co (aber darauf werden sie selbst aus den eigenen Reihen schon zur Genüge hingewiesen), aber erkennbarerweise nicht an mich. Vulgäre Linke deines Schlags, für die es zum guten Ton gehört, sich über ihr Gegenüber mit Nachnamen auszulassen, können sich iü glücklich schätzen, wenn überhaupt auf sie eingegangen wird.

      Stefan, das kannst du bitte Jürgen ausrichten. Leute wie er sind erst der Ansporn für mich noch eine Schippe draufzulegen.

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