Sonntag, 28. Oktober 2007

Luxusprobleme

Merkel beklagt sich - wieder einmal - über die niedrige Quote von Frauen in Spitzenpositionen. Ich persönlich glaube, sie tut das nur routiniert, um die Stimmen der Feministenecke und der politisch korrekten zu sichern. Während sie darüber lamentiert, welche Probleme die geringe Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Professorinnen über 40 mit sich bringt, ist im "echten Leben" wieder einmal eine Tragödie passiert:
Wieder einmal hat eine Mutter ihr neugeborenes Kind getötet. Als Motiv gab die 39jährige, die es in einen Plastikbeutel steckte und in den Müll warf, Geldnot an. Geradezu entlarvend ist der Satz:
"Ich kann mir kein Kind leisten. Ich muss doch arbeiten gehen und Miete zahlen", habe die Frau laut einem Behördensprecher gesagt.
Solange Morde geschehen, weil in den unteren Schichten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf - ein Euphemismus für sich - mit dem Hungertod konfrontiert ist, sollte Merkel als Kanzlerin aller Deutschen - und nicht nur der Wirtschaft und der oberen zehntausend - vielleicht eher solche Probleme angehen.

Kommentare:

  1. Luxusprobleme, Absolut!

    Dies ist aber ein generelles Problem des Feminismus. Wenn man feministische Schriften liest, ist dort immer von "Karriere" und "Selbstverwirklichung" die Rede. Solche Wörter wie "Schaffen" ("Nee, heute nicht, ich muss morgen schaffen gehen" - "Was? am Sonntag?"), "Schuften", "Malochen" oder ganz simpel: "Arbeiten" kommen dort nicht vor.

    Für die überwältigende Mehrheit der Menschen ist Arbeit aber kein Vergnügen sondern schlichte Notwendigkeit, die man aufgeben würde, wenn morgen der Lottogewinn ins Haus flattert. Der Tunnelblick auf die Chefetagen lenkt ab vom Wesentlichen. Feminismus ist der Tod der Linken.

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  2. Ist der Fakt, dass man arbeiten muss, was jeder einzelne Mann ebenfalls tut, und zwar erfolgreich auch dann, wenn er ein Kind hat, etwa eine Ausrede dafür, dass eigene Kind zu ermorden?

    Müssen wir also bald von Männern bezahlte Steuergelder dafür ausgeben, Frauen zu bezahlen, damit sie nicht arbeiten müssen, selbnt wenn sie alleine leben - weil sie sonst ihre Kinder ermorden?

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  3. "von Männern bezahlte Steuergelder" - zahlen arbeitende Frauen keine Steuern?

    "selbst wenn sie alleine leben" - wäre es aktzeptabel, für das Nichtarbeiten bezahlt zu werden, wenn man dieser Zahlung eigentlich nicht bedarf? Lass den Teufel auf den dicken Haufen scheißen?

    Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich wage zu behaupten, dass geschlechtsunabhängig der Status der oder des Alleinerziehenden immer prekär ist. Ich habe höchste Achtung vor denen, die diesen Job trotzdem gut meistern und sogar nebenbei arbeiten können. Aber alle anderen haben mein Verständnis, zumindest solange sie den Teil mit dem Kindererziehen ernst nehmen.

    Es gibt keine, absolut keine Ausrede, die es im mindesten rechtfertigen würde, sein Kind zu töten. Man mag von unseren Sozialgesetzen halten, was man will, aber "Kind oder Tod" ist eine Wahl, vor der hier niemand, zumindest nicht aus ökonomischen Gründen, steht.
    Trotzdem ist es erschreckend, welchen geringen Stellenwert die Kindererziehung in den Köpfen inzwischen einnimmt. Arbeit ist demnach nur dann etwas wert und dient nur dann der Selbstverwirklichung, wenn sie sich finaziell auszahlt oder öffentlichkeitswirksam ist. Wer den ganzen Tag für seine Kinder da ist und dafür sorgt, dass auch (oder wenigstens?) die nächste Generation aus anständigen Menschen besteht, ist demnach also ein Faulenzer oder, weit häufiger, eine Faulenzerin? Ist die Notwendigkeit, Kinder, die man in die Welt gesetzt hat, auch noch zu erziehen, neuerdings eine unzumutbare Belastung, von der man Frauen befreien muss, weil sie ihrer "Selbstverwirklichung" im Wege stehen? Ganz zu schweigen von Männern, die ihre gesetzlich zugestandene Elternzeit beanspruchen und für ihr Kind da sein wollen - sie werden geradezu verachtet und, schlimmster Tritt für die männliche Seele, als "Weicheier", als "halbe Männer" bezeichnet. Tief sind wir gesunken in der Generation Ich-AG. Überall schreit man nach der Vereinbarkeit von Kind und Beruf, doch die eigentliche Bedeutung dessen ist doch: Vereinbarkeit von demographischer Pflichterfüllung und Erhaltung der Arbeitskraft (Übrigens einer günstigen, sind Frauen doch im Allgemeinen schlechter bezahlt als Männer, ein Unding in unserer Gesellschaft, dass jedoch noch immer stillschweigend akzeptiert wird). Vereinbarkeit von Kind und Beruf würde bedeuten, dass man Eltern (und nicht nur Müttern) ein Arbeitszeitmodell zugesteht, welches ihnen ermöglicht, ein angemessenes Zeitquantum in die Erziehung ihrer Kinder zu investieren. Wenn die Jobchancen von Frauen im gebärfähigen Alter denen gleichaltriger Männer gleichen würden. Wenn man nach der Elternzeit sicher wieder ins Berufsleben zurückkehren könnte. Stattdessen wird nach Möglichkeiten gesucht, den Eltern die Erziehung ihrer Kinder so weit wie möglich aus den Händen zu nehmen. "Hilfe" nennen sie das. Es tut mir leid, liebe Frau Merkel, und vermutlich ist es auch anmaßend von mir als Mann, dass ich soetwas sage, aber ich möchte meine Kinder gerne zumindest ein wenig selber erziehen und nicht nur der Typ sein, der ihre 24/7-Verwahranstalt bezahlt oder in dessen Wohnung ihr Bett steht. Und ich möchte mich dafür nicht rechtfertigen müssen. Wenn es einmal nicht mehr heißt "Jaja... Kinder... soso... aber sagen sie mal, was machen sie beruflich?" sondern "Beruf.. jaja... aber sagen sie mal: Sie haben doch Kinder?", wenn ordentlich erzogene Kinder genauso als Selbstverwirklichungsmodell aktzeptiert werden wie eine Professur in Staatsökonomie, wenn eine junge Frau in Ruhe ihr Kind zur Welt bringen kann, weil sie weiß, dass dieses Kind sie nicht ins gesellschaftliche Abseits stellen wird - dann haben wir vielleicht soetwas wie eine Vereinbarkeit von Kind und Beruf. Vorher nicht. Egal wie viele Kinderbetreuungsplätze die Regierung für uns schafft.

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