Dienstag, 8. Februar 2011

Ägypten? Da war doch was...


Noch ist der Kairoer Tahrir-Platz belagert – von Demonstranten, die 30 Jahre Militärherrschaft und Korruption unter Husni Mubarak beenden wollen, und von außen von “Gegendemonstranten”: Parteigänger des Mubarak-Regimes, die das demokratische Aufbegehren gerne niederschlagen würden, wenn nicht das Militär derzeit halbherzig die junge Demokratiebewegung schützen würde. Noch ist die Situation in Kairo wie im Land weiterhin ungeklärt, aber die ersten Journalisten wurden bereits abgezogen, wie Sonja Zekri in einem ebenso ehrlichen wie nachdenklich stimmenden Artikel in der Süddeutschen zu berichten weiß.

War es das schon? Hält das Interesse der Weltöffentlichkeit nicht länger als nur zwei Wochen vor? Fast wäre ich geneigt dies zu glauben, denn auch meine “Twitter-Timeline” zeigt mir seit Tagen, daß seit Tagen immer weniger KollegInnen immer weniger zu dem Thema twittern – ein fast untrügliches Zeichen, daß ein Thema “durch” ist. Und auch über die Blogs läuft weniger, war es das also?

Nein, denn auf dem Tahrir-Platz – und in ganz Ägypten – harren diejenigen, die an eine bessere Zukunft ohne Mubarak, ohne Folter, Korruption und Unterdrückung der Meinungsfreiheit glauben, weiter aus und riskieren dafür weiter Leib und Leben. Können, ja dürfen(!) wir als globale “Zivilgesellschaft” da zurückstehen und uns abwenden? Nein! Diese Auseinandersetzung zwischen der Macht und dem Recht – der Macht, zu tun, was einem beliebt, und dem Recht auf Meinungsfreiheit, Unversehrtheit und Gleichberechtigung -, ist universell und betrifft den Fließbandarbeiter in Rüsselsheim ebenso wie den Obstverkäufer in Alexandria. Dabei kommt es auch nicht darauf an, ob dies eine “bürgerliche Revolution” ist, wie es vielleicht manche Linke abschätzig sehen mögen – jedes Quentchen Macht, das ein demokratisch gesinntes Volk seinen Eliten entreißt, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Wir alle können diesen Prozess unterstützen, und sei es nur, indem wir daran erinnern und nicht einfach wegsehen.

Kommentare:

  1. Die Revolution ist gescheitert..machen wir uns nichts vor. Sie ist auch gescheitert weil usa deutschland israel usw ..unterm tisch ihre ängste durchgetreten haben !!!!

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  2. @ Anonym:

    Das glaube ich eben nicht. Solange die Menschen dort nicht aufgeben, ist sie nicht "gescheitert". Allerdings sollten wir hier auch mal dafür Sorge tragen, daß unsere Politiker ihren Lippenbekenntnissen zu "Freiheit" und "Demokratie" auch mal Taten folgen lassen und ihre pragmatische Unterstützung von Diktatoren durch eine Politik im Sinne des Grundgesetzes ersetzen.

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  3. Schön, aber wie?? Ich denke da schon seit Tagen nach, was kann ich hier in D tun um "meine" Interessenvertreter mal weider an meine Interessen zu erinnern???

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