Dienstag, 15. Februar 2011

Überzeugungstäter

Von Stefan Sasse

Der Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Roland Tichy, setzt in einem Beitrag Axel Weber ein Denkmal. Weber habe sich in den letzten Jahren aus politischen Gründen bis zur Selbstverleugnung getrieben, indem er den geldpolitischen Kurs der EU mitgemacht habe, indem er sich nicht entschieden gegen die Inflationspolitik gestellt habe:
Weber ist einer der letzten prominenten Verfechter der reinen Lehre der Anti-Inflationspolitik. Die ehernen ordnungspolitischen Wahrheiten schweißen die Spitzen der Deutschen Bundesbank zu einem elitären Zirkel von Überzeugungstätern zusammen. Für diese Ökonomen sind die strikten Regeln der Geldpolitik unantastbar und nicht verhandelbar.
Nun ist es sicher ehrenwert, dass gegen Inflation angegangen wird - denn wirklich haben will die keiner. Allein, in ihrer Überzeugungstäterschaft, die bei Tichy als große Tugend daherkommt, tun Weber und die anderen Bundesbanker niemandem einen Gefallen. 

Möglich, dass sie Recht haben. Möglich, dass Inflation durch die Euro-Rettung entstehen wird, dass große Kosten nicht nur, aber hauptsächlich für Deutschland entstehen. Mag alles sein. Nur, wissen kann es niemand. Stellen wir uns für einen Moment vor, dass Weber EZB-Chef wird und dann, aus irgendeinem Grund in einem politischen Vakuum operierend nicht mehr zu Kompromissen gezwungen seine reine Lehre aus Überzeugung durchsetzen kann. Wenn es klappt, ist ihm der Ruhm der Nachwelt sicher. Wenn es nicht klappt - dann bricht Europa mit einem Schlag zusammen, der 1929 wie ein laues Lüftchen aussehen lassen wird. Die Konsequenzen eines Zusammenbruchs der Euro-Zone sind potentiell verheerend.

Seit fast über 50 Jahren fußt der Friede in Europa auch auf der Verflechtung der einst so streitsüchtigen nationalen Streithähne, in ihrem beständigen Zwang zur Kooperation, in dem sich die Großen - ganz besonders die BRD - stets zurücknehmen und Kompromisse mit den Interessen der Kleinen schließen mussten. Dieser Konsens wird von Merkel in einem wahren Hasardeursspiel nationaler Großmannspolitik bereits aufs Spiel gesetzt, doch würde sich diese Linie nun auch finanzpolitisch für alle EU-Länder verbindlich durchsetzen, so gäbe es für viele keine Möglichkeit mehr, in der EU zu verbleiben. Der südliche Rand der EU wäre wohl der erste, der ginge und sich in einen Hort der Instabilität verwandeln würde. Ein katatrophaler wirtschaftlicher und sozialer Abstieg  in diesen Ländern, der dort einzig und allein der EU angelastet würde, würde sie auf lange Zeit zu erbitterten Feinden der Union machen und vermutlich entsprechende Politiker an die Macht bringen. Die Streitereien mit Frankreich würden sich ebenfalls häufen, eine Kooperation mit Paris wäre kaum mehr vorstellbar. Die EU fußt aber letztlich auf der Einigkeit seiner beiden wichtigsten Schrittmacherstaaten. Würde der Kompromiss dieser beiden Länder zugunsten einer Konkurrenz aufgekündigt, würde die EU zu funktionieren aufhören. Auch die Euro-Währungszone würde das nicht überleben. Innerhalb weniger Jahre würden so große Teile der EU ins Chaos trudeln. 

Noch einmal: gesichert ist das nicht. Weber könnte auch Recht behalten. Aber die Bedrohung ist eine reale. Nur um der Aufrechterhaltung einiger monetärer Prinzipien willen, deren Richtigkeit genauso in Frage steht wie das beschriebene Szenario, die vollständige Katastrophe zu riskieren - das ist unverantwortlich und falsch. Die Alternative kostet uns Geld, sicherlich. Sie belastet die Haushalte. Aber letztlich handelt es sich dabei um ein politisches Problem, das politisch lösbar bleibt - und das in seinen Dimensionen nicht annähernd mit dem Problem vergleichbar ist, das die obige Schilderung hervorrufen würde. Es ist deswegen zu begrüßen, wenn Dogmatiker wie Weber nicht an Positionen sitzen, die demokratisch ohnehin nicht legitimiert, dafür aber mit weitreichendem Einfluss ausgestattet sind. Lieber soll er an einer Universität oder in irgendwelchen Gremien sitzen und alternative Gutachten verfassen, nach denen Entscheider dann entscheiden können - oder auch nicht.

Kommentare:

  1. Inwieweit unterscheidet sich deine Sicht der Dinge und propagierte Lösung von dem, was man dem politischen Gegner vorwirft? In nichts. Entweder nimmt Deutschland sich zurück oder es gibt Krieg. Die Abkehr von der 50-jährigen deutschen Stabilitätspolitik wird heute als so zwingend und so selbstverständlich angesehen, so wie sie als absurd und untragbar bei bisher jedem EU-Entwicklungsschritt und selbst bei der Währungsunion erschien. Sollte die sich aufdrängende Frage nicht lieber dahin gehen, a) warum wir überhaupt den Kopf in dieser Schlinge haben und b) wie man ihn wieder herausziehen kann? Anstatt anderen ins Ohr zu säuseln, wie alternativlos es sei, dass man gleich etwas an der Schlinge ziehe und dass es vielleicht gar nicht so arg weh tun müsse?

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  2. Wir haben den Kopf auch in der Schlinge, weil man sich aus "prinzipiellen Gründen" stets gegen eine Wirtschaftsregierung gestreubt hat.
    Ich rede nicht direkt von Krieg; das würde wohl eher Randnationen treffen. Ich rede von Rezession und einem Zurückdrehen von Erfolgen wie dem Schengener Abkommen.
    Was ist denn dein Vorschlag?

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  3. Eine Wirtschaftsregierung so wie jetzt intendiert ist, im Sinne einer Transferunion und zentraler gleichmacherischer Lenkung unter Ausschaltung von Wettbewerb, war nicht das, worauf man sich geeinigt hatte. Es ist ein linker Wunschtraum, aber entgegen den EU-Verträgen, die man heute ignoriert - sowohl hinsichtlich Sanktionen und Konsequenzen als auch hinsichtlich untersagten Bail-Outs.

    Was gibt es denn für Möglichkeiten?
    Wir erkennen das Scheitern der Währungsunion an, a) behalten sie bei und lassen die Konsequenzen zu oder b) kehren von ihr ab. Oder wir retten uns kurzfristig in einen EU-Sozialismus - der Ölfleck breitet sich weiter aus. Needless to say, bin ich gegen letzteres. Sich den Realitäten zu stellen, ist mittel- und langfristig die beste Variante für alle.

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  4. Gott, die jetztigen Wirtschaftsregierungspläne sind absurd, so einem Unsinn hänge ich sicher nicht an.
    Es geht auch nicht um die Ausschaltung von Wettbewerb, eher darum, ihn zu garantieren. Nationale Alleingänge werden ja viel schwieriger, wenn es ein solches Gremium gibt.
    Was die Verträge angeht: man kann neue machen. Offensichtlich besteht der Bedarf nach Handlungen und einer besseren Koordinierung der Wirtschafts- und Währungspolitik auch gegenüber dem Nicht-EU-Ausland.
    Und bitte rede nicht von "EU-Sozialismus", bloß weil es Bail-Outs gibt. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, und es ist eigentlich unter deinem Niveau.

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  5. Excuse me, ich nenne es EU-Sozialismus, weil es Sozialismus ist. Hintergrund deiner Ansichten ist offenbar der Gedanke, man müsse erst alles gleich machen, damit Wettbewerb überhaupt stattfinden kann. Aber der einzige Grund für eine "Koordinierung" liegt darin, dass man nicht die Verantwortung einer gescheiterten Währungsunion tragen möchte. Man übertüncht das Versagen und verschiebt die Konsequenzen in die Zukunft. Niemand will die Konsequenzen tragen, wir retten uns gegenseitig zu Tode bis uns das gesamte System um die Ohren fliegt. Und wer war dann wieder Schuld? Der Kapitalismus. Ja klar.

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  6. Hi Tobias,

    nein, das ist nicht Hintergrund meiner Ansichten. Und klar will man Versagen übertünchen - aber was hilft es? Das ändert doch nichts an Notwendigkeiten. Ich rede ja auch von einer anderen Koordinierung als die derzeitig Regierenden.

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  7. Die Linke fordert die Abschaffung der 1 Euro Jobs.

    Stattdessen fordert sie eine Stifung Genossenschaftsbetriebe, die der Bund mit 50 Milliarden Euro ausstatten soll.

    Das Modell ist nach einiger Zeit selbst tragend, da die erfolgreich gegründeten Genossenschaftsbetriebe, 10% ihrer Gewinne für die Gründung neuer Genossenschaftsbetriebe ausschütten.

    Es kann nicht sein , 1 Euro zu fördern, damit unfähige Politker im strukturschwachen Hamburg mit 150000 Arbeitssuchenden gewählt werden.

    Gebt den Betroffenen eine ehrliche Chance in einem Innovations- und Imitationszyklus ihre Chancen zu verbessern.

    Das Warten auf den Investor ist das Warten auf Godot.

    HERR SCHOLZ SIND SIE AM SCHICKSAL DER MENSCHEN INTERESSIERT Ja oder Nein?

    Die Personalie Bundesbankpräsident ist eine Farce, da der Finanzmärkte nicht effizient sind, setzt man nicht einen Professor auf diesen Stuhl, der ideologisch verblendet immer nach daran glaubt, dass die Finanzmärkte effizient sind. Und deshalb auf deren Regulierung verzichtet. Und grosse Schuld an der Wirtschaftskrise mitträgt.

    GOTTSEIDANK IST ER WEG.

    Die Frage ist ob Marx recht hat, dass letztlich nur eine geplante Wirtschaft eine krisenfreie Wirtschaft ist.

    Bitte die kleinen Leute haben doch ganz andere Sorgen, als die ewig gleichen ideologischen Diskussionen.

    Die Ökonomie hat heute wie 1929 komplett versagt.

    Und jetzt laßt uns den kleinen Leuten wirklich helfen!

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  8. Notwendigkeiten ... wieder deine Alternativlosigkeit. Ein gut gemeinter Zweck rechtfertigt nicht ein falsches Mittel mit einem verkehrten Instrument zu korrigieren. The road to hell ... Nimm deinen Einsteiger Inflation - sie führt langfristig zu Massenarbeitslosigkeit. Ist es gerechtfertigt den nötigen Cut zu ignorieren, um das Dilemma nur in die Zukunft zu schieben? Natürlich nicht.

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  9. Du sprichst doch genauso von Alternativlosigkeit. Ohne Cut Massenarbeitslosigkeit. Ist es gerechtfertigt, auf Basis dieses düsteren Szenarios den Totalcrash zu riskieren? Natürlich nicht.

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  10. Eine kurzzeitige! Erhöhung der Arbeitslosigkeit ist kein Totalcrash. Dauerhafte Arbeitslosigkeit durch galoppierende Inflation ist der Totalcrash. Kindergarten.

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  11. Prima.

    Da die Wirtschaftsabläufe nicht krisenfrei ablaufen können, müssen und sollen sie nach Marx so reguliert werden, dass sie zum Nutzen der kleinen Leute funktionieren.

    Bravo.

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  12. Ich rede auch nicht von kurzzeitiger Arbeitslosigkeit. Im Artikel habe ich meine Befürchtung dargestellt. Bisher gibt es nicht die geringsten Anzeichen für galoppierende Inflation, allenfalls (!) moderate Inflation. Selbst trabend ist sie noch lange nicht und wird es auch nicht sein. Der Anstieg auf vielleicht 4 oder 5% ist zwar bedauerlich, aber nicht das Drama, als das du es hinstellst.

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  13. Stefan, du machst dir keine Vorstellungen von dem, was du redest. Jede Inflation ist Enteignung der Bürger, führt zu Verwerfungen und verselbstständigt sich irgendwann - wenn sie über Wachstumszuwachs liegt. Versetze dich mal in die Lage eines Unternehmers - ein Realitätsschock für Linke, ich weiß. Man kann 4-5% auf Dauer nicht konstant durchhalten. Und es gibt nicht die geringsten Anzeichen für galoppierende Inflation? Rohstoffpreise? Nahrungsmittel? Und was der Ausgangspunkt für die Finanzkrise? Blasen durch Inflation.

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  14. Wer redet auch von dauerhaft durchhalten? Derzeit haben wir das Problem ja noch gar nicht, es handelt sich um eine Befürchtung, die nicht eintreten muss. Und selbst als Unternehmer ist das nicht nur negativ - jedes Unternehmen hat mal Kredite aufgenommen, und eine Inflation hilft beim Abbezahlen. Der Nachteil ist die Erschwernis von Neuaufnahmen, sicherlich. Aber solange es nur kurz passiert - maximal ein, zwei Jahre - ist das Risiko vollkommen beherrschbar.
    Mit wäre es außerdem recht, wenn du dich mit Polemiken gegen "Linke" zurückhalten würdest. Ich beschimpf dich ja auch nicht ständig als neoliberalen, kapitalistischen Ausbeuter.

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  15. Stefan, du redest völlig absurd. Du machst dir keine Vorstellungen. Ein, zwei Jahre mal Inflation? Wenn die Zentralbank gerade aufs Gas drücken soll? Meine Güte. Das kann echt nur ein Laie sagen.

    Ich rede von "Linken" und Gutmenschen, wenn es im Zusammenhang passend ist und eine Polemik passend ist - du weißt, dass ich in einer Diskussion solche Spielchen nicht mache. Linke sind deutlich eingrenzbarerer als "Neoliberale", zudem Linke konsequent Begriffe in den Dreck ziehen und umdeuten.

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  16. Immerhin hat die Inflation geholfen die Sozialleistungen in den letzten Jahren um 20% zu kürzen.

    Während die Gewinne und Einkommen aus Kapitaleinkommen inflationsbereinigt explodiert sind.

    Was hat Inflation und die Regulierung der Märkte zu gunsten der keinen Leute oder zu ungunsten der kleinen Leute mit einander zu tun.

    Außer der ziemlich durchsichtigen Lüge Fuentes, es sei der Freund der kleinen Leute.

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  17. @Tobias Fuentes
    Relevante Inflation entsteht nur dann, wenn Produktionsapazitäten aus- bzw überlastet sind. Diese ganze Diskussion die man darüber hört lässt sich auf das Dogma von Milton Friedman zurückführen: "Inflation is always and everywhere a monetary problem" Wenn man daran glaubt kriegt man natürlich die Paaaaanik wenn die Geldmenge erhört wird...

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  18. Ich meinte natürlich erhöht, nicht erhört.

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  19. @Anonym
    Nein, du vermischst die Dinge. Milton Friedman hatte und hat Recht. In dem, was er sagte, nicht in dem, wie er pauschal interpretiert und verkürzt wiedergegeben wird. Bis und wann Inflation auf allgemeine Preise durchschlägt, hängt von anderen Faktoren ab - selbstredend. Daraus zu schlussfolgern Friedmans knappe Aussage sei falsch, ist unsinnig. Davon abgesehen, wie ich sagte, Inflation kanalisiert/e sich in bestimmten Bereichen (Dotcom, Immobilien, Rohstoffe, Nahrungsmittel etc). Und ganz im Gegenteil, das Gelddrucken derzeit in den USA liegt nmM deutlich auf Friedmans Linie (wenn vielleicht auch nicht in aktuellen Größenordnungen), genau wie er in Japan Geld gedruckt hätte. So komplex ist Wirtschaft. Wir (also außer Linken) meckern über das hemmungslose Gelddrucken der FED und befürchten (zu Recht) Inflation - nur, die (vom staatlichen Geldsystem selbst verschuldete) Massenarbeitslosigkeit in den USA lässt der FED fast keine andere Wahl. (Und so absurd es klingt, auch die Austrians haben Recht, wenn sie das aktuelle Gelddrucken kritisieren. Aber das führt zuweit ...) Zu unterschieden ist die Situation aber bei uns in Deutschland - hier ist eine expansive Geldpolitik ganz und gar nicht angezeigt. Im übrigen, grad gesehen: http://doku.iab.de/kurzber/2011/kb0211.pdf - Inflation und Arbeitsmarkt in Deutschland. Spanien bspw. hingegen wieder erfordert im Friedmanschen Sinne eine expansive Geldpolitik.

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  20. @Tobias Fuentes:

    "Linke sind deutlich eingrenzbarerer als Neoliberale"

    Wie denn? Ich bin der Meinung, dass niemand hungern sollte. Auch bin ich gegen entwürdigende Behandlung, für den Weltfrieden, für allgemeinen Wohlstand usw. Bin ich jetzt links?

    Auch die Identifizierung von irgendwelchen Dirigismen mit "links", ich antizipiere mal eine Antwort, halte ich nicht für zielführend. Nicht nur sind viele Konservative dirigistisch, auch und gerade Liberale sind es im Kern.

    Dieses ewige Linkengebashe ist genauso ein Einschlagen auf selbstaufgestellte Strohpuppen wie das ständige Lamentieren gegen die bösen Neoliberalen. Wenn man andere in Schubladen steckt, steckt man sich ebenso in eine. Ein Verzicht darauf würde zudem den Vorteil haben, auch mal anderen Argumenten eine Chance zu geben als den immergleichen, die sich immer dann einstellen, wenn sich ein Diskutant woauchimmer "verortet" hat.

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  21. Gomez,
    jeder will des Bestmögliche für eine Gesellschaft insgesamt. (Und pardon, das sprechen Linke idR den 'Neoliberalen' ab.) Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeit: mehr Staat bzw. kollektive Kontrolle der Produktionsmittel oder mehr persönliche Freiheit. Also grds. Etatisten vs. Liberale. Linke sind Etatisten - ob Sozialdemokraten, Grüne, ex-SEDler, MLPD etc. "links" hierbei natürlich in wirtschaftlicher Hinsicht gemeint. Auf der anderen Schiene, libertär im gesellschaftlichen Sinne, fahren wir praktisch alle - aber darum gehts nicht. Ob ich nun Etatisten sage, oder Linke - ist ja wohl gleichgültig. Wie sollte ich Linke denn sonst nennen? Eben, da gibts nichts anderes.

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  22. @Tobias
    Naja sowas wie die Dotcom als Inflation zu interpretieren ist schon merkwürdig.. Diese Blasen entstehen nicht wegen des Gelddruckens! Es ist zwar zu viel Geld auf den Märkten, aber nur weil das dermaßen ungleich verteilt ist dass die Reichen es in viel zu großer Menge auf die Märkte werfen, bis alle sinnvollen Anlagemöglichkeiten ausgeschöpft sind - dann landen wir im spekulativen wenn nicht gar Ponzi-Bereich, egal ob das nun Subprime Kredite oder die New Economy sind.
    Du sagst es selbst "Bis und wann Inflation auf allgemeine Preise durchschlägt, hängt von anderen Faktoren ab - selbstredend" auch wenn du das ob vergessen hast. Friedman versteht Inflation als rein monetär, deswegen ist seine Aussage als Tautologie zu verstehen - und per definition richtig. Deshalb sprach ich von _relevanter_ Inflation. Die, die in der Wirklichkeit eine Rolle spielt und nicht in den Modellen. Im übrigen lieferst du keine stichhaltigen Argumente du sagst nur dass Friedman Recht hat. Du hast Angst vor dem Gelddrucken, aber warum ist nicht klar.

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  23. Anonym,
    du siehst komplexe Dinge eindimensional - du ignorierst andere, einfachere Erklärungen. Wenn ausgerechnet bestimmte 'Spekulanten' (die Etatisten natürlich vorher kennen) das Kapital nicht zur Verfügung gehabt hätten, gäbs keine Blase. Joseph Stiglitz hat sich hier geoutet: 'ohne die Geldpolitik wäre es vielleicht nicht zu Blasen gekommen', aber entscheidender und tragischer ist für ihn, was man mit dem ganzen Geld hätte machen können, wenn kluge Leute es in ihrern Händen gehabt hätten: Planwirtschaft.

    Angst vorm Gelddrucken? Schafft man mit Gelddrucken reale Werte und Wohlstand?

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  24. @Tobias
    Dein erster Satz ist ziemlich widersprüchlich - zuerst sehe ich komplexe Dinge eindimensional und gleichzeitig ignoriere ich andere, einfachere Erklärungen?
    Es sind nicht "bestimmte Spekulanten". Es geht ganz einfach darum dass es nur eine begrenzte Anzahl an sinnvollen Investments auf der Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt gibt. Wenn mehr Geld auf den Finanzmärkten ist als vernünftig investiert werden kann, entstehen zwangsläufig Blasen. Gegenmittel, auch wenn es dir nicht in den Kram passt: gerechtere Einkommensverteilung. Wenn mehr Leute gute Einkommen und dafür wenige nicht vollkommen absurd hohe Einkommen hätten - dann wäre weniger Geld auf den Finanzmärkten und würde sinnvoller in den realen Welt eingesetzt. Wo da der Zusammenhang ist muss ich dir hoffentlich nicht erklären.
    Nope, mit Gelddrucken an sich schafft man keine Werte. Aber das neue Geld sorgt dafür, dass mehr gehandelt wird ("Schmiermittel" und so), ergo mehr konsumiert und früher oder später investiert - und das kann tatsächlich zu mehr realem Wohlstand führen.
    Wäre auch nett wenn du mal sachlicher dahergekommen würdest, aber ich sehe schon du bist alleine in einer Welt von allmächtigen Etatisten. Und Joseph Stiglitz Planwirtschaft zu unterstellen ist schlicht lächerlich.

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  25. Wir brauchen Inflation, um die Geldvermögen der Reichen endlich kräftig abzuschmelzen. Wir werden die Inflation auch bekommen, weil es dazu keine Alternative mehr gibt. Die Geldvermögen sind nach dreißig Jahren "Stabilitätspolitik" exponentiell gewachsen und eine Hochzinspolitik ist derzeit gar nicht mehr umzusetzen.

    Es geht in der Wirtschaftspolitik nicht um Prinzipien und eine reine Lehre, noch nicht einmal bei so einem Betonkopf wie Axel Weber. Es geht ganz schlicht um Interessen, also um das Interesse der Reichen und der Rentiers an der Kaufkraft ihrer Geldvermögen und hohen realen Zinsen und um das Interesse der Ausbeuter an noch höheren Profiten, weil der Realzins für Geld die untere Schranke für die Profite ist.

    Umgesetzt wird die ganze "Stabilitätspolitik" seit 1980 durch die absichtliche Erzeugung von Rezession und Massenarbeitslosigkeit, um so die Löhne zu drücken und die lohnabhängigen Arbeiter immer brutaler auszubeuten.

    Auch die Weltwirtschaftskrise von 1929-33 war absichtlich verursacht, um den Goldstandard zu den Preisen von 1913 wieder durchzusetzen. Die ganze Not der Menschen ist damals absichtlich zur Deflation der Preise inszeniert worden und heute darf die ganze Wahrheit über die Great Depression noch immer nicht in der VWL diskutiert werden oder in den Geschichtsbüchern stehen.

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  26. @Keynesianer
    Du hast zwar Recht mit den Interessen, aber zu den Betonköpfen muss ich dir widersprechen: Da gibt es tatsächlich eine Menge die das definitiv glauben, lässt sich auch ja so schön mathematisch beweisen und so..

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  27. @Tobias:

    Anarchisten, Linkslibertäre, Marxisten - alles Etatisten? Das meinte ich ja oben mit "Strohpuppen". Gerade Kritik am Staat kam meist von Leuten, die sich selbst wohl eher als "links" verstanden haben. Und wie gesagt, auch sich selbst so nennende Liberale kriegen ihr Volksbeglückungsprogramm nicht hin, ohne auf die Zwangsmittel des Staates zurückzugreifen.

    Aber egal, ist eh schon sehr ot, wollte nur zum Ausdruck bringen, wie sehr mich - und andere offensichtlich auch - diese Etikettierung nervt. Blogger wie Zettel z.B. könnten deutlich seriöser rüberkommen ohne diese Obsession (daß er sie mit Stilblütenkönig Fleischhauer teilt, macht die Sache auch nicht besser). Ich glaube, man wird einfach ernster genommen, wenn man sowas läßt, es trägt jedenfalls zur Versachlichung bei. Wenn´s gar nicht anders geht, ersetze "Linke" doch einfach mit "Leute, die in dieser Sache auf dem Holzweg sind". So meinst Du es schließlich auch.

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  28. @Anonym,
    "begrenzte Anzahl an sinnvollen Investments auf der Welt" ist absurd. Es gibt immer ausreichend Investments, wenn man nicht dazwischenfunkt. Durch Geldmengeninflation wird sich nicht zuletzt in Investments geflüchtet, deren (höhere) Rentabilität gerade in Inflation liegt - die Subprime-'Spekulanten' waren arme Leute, die sich ohne staatliche Manipulation nie auf diese 'Investments' eingelassen hätten. Die Rendite war Immobilienpreis-Inflation. Es waren arme Leute, die über 1 Bio US Dollar aus ihren Anlagen per Refinanzierung flüssig machten und verkonsumierten - bis das Kartenhaus zusammenfiel. Mit gerechterer Einkommensverteilung hat das wenig zu tun. Aber selbst wenn es an anderer Stelle zuträfe, für dich ist es scheinbar das einzige Zwangs-Mittel.

    Der Wohlstand, den du in angekurbelten Investitionen siehst, ist fiktiv - die damit verbundene Inflation führt zu rein gar nichts.


    die erst durch Inflation rentabel gemacht werden und zum anderen Kapital in unrentable Investments fehlgeleitet entweder unrentabelerst verursacht und andere seingelassen.

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  29. Gomez,
    wieviele Anarchisten geistern denn hier rum? Warum heißt es ausgerechnet "links"-libertär? Und Marxisten sind Etatisten. Links-libertär ist eine zusätzliche und weitestgehend unnötige Verklausulierung. Wir reden über Wirtschaft, und hier gibt es nur die beiden Extreme links und liberal. Staatsgläubige/Kollektivisten vs. Liberale. Rede ich von Leuten mit staatsgläubigen Ansichten, betitele ich sie mit Linke. Wie sonst? WIE SONST! "Leute, die in dieser Sache auf dem Holzweg sind" ... ja klar, Scherzkeks.

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  30. @anonym

    "aber zu den Betonköpfen muss ich dir widersprechen: Da gibt es tatsächlich eine Menge die das definitiv glauben, lässt sich auch ja so schön mathematisch beweisen und so.."

    Nach meinen Erfahrungen wissen die Profs wie Weber ganz genau, um was es geht. Anders könnten die ihren Blödsinn vor den Studenten ja gar nicht so gut verzapfen.

    Nehmen wir mal den Arbeitsmarkt, da müsste doch jedem Prof auffallen, dass die Arbeitslosigkeit nie durch plötzliche Lohnerhöhungen entstanden ist, sondern immer durch rabiate Zinserhöhungen. Also kann das Modell, in dem keine Zinsen vorkommen auf dem Arbeitsmarkt, ja gar nicht stimmen.

    Dafür, dass er das alles weiß und trotzdem vor den Studis so tut, als müsse man jetzt die Löhne senken und nicht die Zinsen, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, dafür haben diese Figuren ihren Lehrstuhl gekriegt.

    Jemand, der den Unsinn wirklich glauben würde, hätte schnell die ersten Zweifel an makroökonomischen Modellen ohne richtiges Geld und würde ganz naiv auf die Idee kommen, dass man Wirtschaftskrisen doch nicht mit Modellen ohne richtiges Geld diskutieren darf, wenn die doch immer monetäre Ursachen haben.

    Nein, die Figuren lügen alle ihre Studenten schamlos an, in vollem Bewusstsein und mit böser Absicht.

    So wie die Historiker natürlich auch wissen, dass die Große Depression vom Goldstandard und dessen Deflationsautomatik verursacht wurde und dass die Notenbanker und Politiker das genau so vorgesehen hatten.

    Wer nicht weiß, dass Deflationspolitik durch die gezielte Verursachung von Rezession und Massenarbeitslosigkeit realisiert wird, wäre in einer Notenbank völlig unbrauchbar. Die wissen auch, wie man eine Krise sofort wieder beendet, wenn zum Beispiel ein Krieg ansteht wie 1914, wo dann die Konjunktur voll laufen muss.

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  31. @Tobias
    Es gibt schon genug Investments - nur nicht genug _sinnvolle_ . Und bei Ponzi-Finanzierung im großen Stil ist es mir recht wenn "man dazwischenfunkt".

    Schon ziemlich dreist die armen Leute dafür verantwortlich zu machen dass Banken ihnen Geld leihen, die es eigentlich besser wissen müssten. Die das aber auch nur taten weil sie sicher waren den Kredit weiterverkaufen zu können - es gab schliesslich mehr als genug freudige Abnehmer (wie war das noch mit zuviel Geld auf den Märkten?) . Und ja, da waren nicht nur Reiche darunter - aber das ändert nichts an der Problematik, wenn alle _sinvollen_ Investments ausgeschöpft sind muss man nehmen was da ist. Dass die Banken da noch kräftig Beihilfe durch Fehlinformation und sogennate Beratung geliefert haben steht außer Frage. Aber man darf ja nicht dazwischenfunken nicht wahr?

    Und bitte, verrate mir eins: Woher soll Wohlstand überhaupt kommen, wenn selbst der aus Investitionen fiktiv ist?
    Selbst der Sinn wäre da mit mir einer Meinung...

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  32. @Keynesianer
    Ich studiere an der HU VWL (zumindest im Augenblick noch -.- ) und habe das Gefühl dass viele der Profs die Realität dezent ausblenden wenn sie nicht mit ihren Modellen zusammenpasst. Z.b. die monetären Aspekte hat man mit der Geldillusion ganz schnell vom Tisch. Es mag diejenigen geben, die die Leute bewusst belügen - aber ich denke es gibt auch viele die es sich in ihrer intellektuellen, berechenbaren Welt bequem gemacht haben und gar nicht mehr rauskönnen.

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  33. Anonym,
    wie du die Dinge verdrehst und mir Sachen in den Mund legst ... Weder sind die armen Leute schuld (mir das zu unterstellen ist schon mehr als dreist) noch gaben die Banken freiwillig Subprime-Kredite. Remember, selbst Obama war als Anwalt daran beteiligt die Citibank dazu gerichtlich zu zwingen! An jeder Ecke hat man dazwischen gefunkt, und einzig von einer Seite: von ganz oben. http://myslu.stlawu.edu/~shorwitz/open_letter.htm

    Und seit wann predict Prof. Sinn Inflation?

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  34. Man musste die Banken also zwingen, Subprime Kredite zu vergeben? Ich bezweifle, dass das (grade in den USA) überhaupt möglich ist.
    Und das mit Sinn: Ich meinte nicht die Inflation sondern die Investitionen. Wenn ich dich weiter oben richtig verstanden habe siehst du auch, dass "Gelddrucken" Investitionen und damit Wohlstand ankurbelt, nur hältst du diesen für fiktiv. Und das ist schon ziemlich abenteuerlich: Wie kann Wohlstand, der durch (reale) Investitionen entstanden ist, fiktiv sein? Das ist der einzig überhaupt mögliche Wohlstandszuwachs! Und in dem Punkt würde mir Sinn Recht geben, der denkt sogar, wir bräuchten nur Investitionen... http://www.weissgarnix.de/2010/07/26/ist-professor-sinn-ein-verruckter-marxist/

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  35. Anonym,
    dann hältst du wahrscheinlich auch die USA für das Musterland des Kapitalismus ... Entgegen der kürzlich aufgekommenen absurden Darstellung von Krugman & Co waren es die Privatbanken, die man zwingen musste Subprime-Kredite zu vergeben - mit dem Community Reinvestmest Act und mit Gerichtsklagen. Erst später hat sich das verselbstständigt, wurde mit Verbriefungen übertüncht etc. - alles Dinge, die es von allein nie gegeben hätte - da könnt die Einkommensverteilung noch dreimal ungleicher sein. Ich empfehle nachdrücklich die grad verlinkte Brandrede zum angeblichen Versagen freier Märkte. Obama - man musste gegen Banken klagen, um die gut gemeinten gesetzlichen Vorgaben/Regulierungen durchzusetzen. Diese NINJA-Kredite haben Banken nicht freiwillig akzeptiert. Erst nach massiven Klagen änderten Banken ihre Kreditvergabepraxis.

    Du bringst nach wie vor alles durcheinander. Sinn würde dir Recht geben? Nun, lies mal im WGN-Artikel nach ... ich war soweit ich mich erinnere der Einzige unter den verehrten anwesenden Schreiberlingen, der Sinn Recht gab. Es macht einen Unterschied, ob man erzeugte Werte im nächsten Schritt durch zwangsläufige Inflation für die Bürger wieder entwertet (und dass Inflation aufkommt, ist hierbei unbestritten - sie wird entweder ja gar unterstellt bzw. liegen von links erkannte Inflations-Voraussetzungen vor) oder ob es tatsächliche Wohlstandssteigerungen sind, die nicht durch Kaufkraftverfall aufgezehrt werden. Der Keynes'sche Inflationsmechanismus ist eine kurzfristige! Täuschung, keine nachhaltige Wirtschaftspolitik.

    However, man muss genau sein und differenzieren. Schon jetzt scheinst du mich konsequent missverstehen zu wollen. Ich bezog meine Aussagen übers Gelddrucken in USA und Spanien nicht auf Inflation (also steigende Preise), das war keine Fürrede für Inflation. In einer Depression mit plötzlicher Massenarbeitslosigkeit war Friedman Pragmatiker genug, um mittels Gelddrucken kurzfristig Investitionen anzukurbeln und nicht abzuwarten bis wieder Ruhe und Vertrauen in die Märkte kommt. Ob es später gelingt Inflation zu verhindern und überschüssige Liquidität zu entziehen, ist eine andere Frage und Neuland. Man wird sehen, ob es gelingt - Bernanke liegt nmM in Einklang mit Friedman. Er handelt im Sinne Friedmans, so wie er Friedmans Lehren zur Great Depression interpretiert.

    Versuche vielleicht mal mich nicht misszuverstehen. Irgendwas wollte ich noch sagen ... vergessen, whatever.

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  36. @anonym

    "Ich studiere an der HU VWL "

    Dann hast Du ein Problem, weil Du das psychisch nicht durchhalten wirst, den Blödsinn zu durchschauen und trotzdem zu lernen. Die Studenten sind ja nicht blöd, was sollen sie machen. Also glaubt man das halt, was der Prof erzählt, damit man zuletzt den Schein kriegt, mit dem man sich Bätscheller oder gar Master nennen darf.

    Wer das realisiert, dass er beim VWL-Studium von seinen Profs ganz professionell angelogen und verarscht wird, der haut noch einen von den Figuren um. Jedenfalls klappt das Lernen der Gleichgewichtskurven für die Prüfungen dann nicht mehr.

    "Z.b. die monetären Aspekte hat man mit der Geldillusion ganz schnell vom Tisch."

    Aber nur in einem Hörsaal voller Studenten, die zum Schluss die Prüfung bestehen wollen. Wenn ich die monetären Aspekte vom Tisch nehme, brauche ich anschließend keine Gleichgewichtskurven über Y (wie sind eigentlich die Punkte dieser Y-Achse definiert, hm?) mehr zu diskutieren.

    Denn ein makroökonomisches Ungleichgewicht kann ja nur monetäre Ursachen haben. Also entweder reden wir über die monetären Ursachen der Wirtschaftskrisen oder wir gehen an den Strand zum Eis essen.

    Aber Gleichgewichtstheorie ohne die monetären Aspekte, was soll da diskutiert werden?

    Frag das mal Deinen Prof und Du wirst schnell merken, dass er Dich professionell anlügt und für dumm verkauft.

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  37. @Tobias

    "In einer Depression mit plötzlicher Massenarbeitslosigkeit war Friedman Pragmatiker genug, um mittels Gelddrucken kurzfristig Investitionen anzukurbeln und nicht abzuwarten bis wieder Ruhe und Vertrauen in die Märkte kommt."

    Aber nur in der Theorie, denn die Große Depression war längst vorbei, als die Chicago Boys auch noch auf die Idee gekommen sind, dass die Große Depression monetäre Ursachen hatte. Die sind selbstverständlich nur deshalb auf diese Idee gekommen, weil die Keynesianer das seit jeher erzählt haben und die von Rockefeller finanzierten Freiheitsfreunde sich so langsam lächerlich gemacht haben.

    Also hat Friedman endlich die monetäre Verursachung der Großen Depression eingeräumt und dabei gleich wieder die wahren Zusammenhänge verdreht. Denn es war kein "Fehler" der FED, dass die von 1929-33 die "Geldmenge" so sehr schrumpfen ließ; das war eine absichtliche Deflationspolitik unter der Automatik des Goldstandards.

    Außerdem geht es nicht um "Gelddrucken", sondern um eine expansive oder restriktive Kreditvergabe, mit der die Güternachfrage zu jedem Zeitpunkt erhöht oder gesenkt werden kann. Wenn die Wirtschaft durch eine expansive Kreditpolitik wächst, läuft natürlich auch eine größere "Geldmenge" um und es steigen bei hoher Auslastung die Preise.

    Stabilitätspolitik bessteht dann darin, mit restriktiver Geldpolitik eine Absatzkrise und Massenarbeitslosigkeit zu erzeugen, wie es von 1929-33 und durch Friedman und seine Monetaristen wieder ab 1980 geschehen ist.

    Die Massenarbeitslosigkeit führt dann zu sinkenden Löhnen und steigenden Profiten für das Kapital und zu Kaufkraftgewinnen bei den Geldvermögen der reichen Rentiers, die schon an der Hochzinspolitik verdienen, mit der die Notenbanken die Arbeitslosigkeit bewusst erzeugen.

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  38. Hallo Leute,
    irgendjemand hat da seine Hausaufgaben nicht gemacht.

    Es kann nicht sein, dass ich permanent schufte und von meinem Geld nichts übrig bleibt, nur weil ich meinem vielgeliebten Nachbarn ständig aus der Patsche helfen muss. Irgendwann bricht mir das selbst den Hals. Ich werde zwangsläufig mit meinem Nachbarn reden müssen und ihm klar machen, dass es so nicht weitergeht. Letztendlich würde ein Fortführen dieser Praktiken uns beiden Kopf und Kragen kosten.

    Im Privatleben käme niemand auf die Idee, solche Hilfemaßnahmen auf Dauer durch zu ziehen. Warum sollte man also als "souveräner" Staat solche Maßnahmen praktizieren? Das wird kein Volk der Erde über einen nicht enden wollenden Zeitraum mitmachen.

    Ergo - alles läuft auf nationale Währungen und nationale Haushalte hinaus. Und damit die Wirtschaftsleistung eines Landes, als auch die Motivation des entsprechenden Volkes erhalten bleiben, kann die Form der Entlohnung nur aus einem stabilen und werthaltigen Geld bestehen. Ansonsten würde jeder "den Pinn rein hauen", den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, und nur noch von staatlicher Stütze leben.

    Weber scheint einer der wenigen logisch und vernünftig denkenden Menschen zu sein, die wir überhaupt noch in Deutschland haben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ein Bürger, der mit wenig Geld gelernt hat zu haushalten.

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  39. Das schlimme ist, die Entwicklung ist adäquat zu der von 1929.

    Für 2011 und folgende Jahre ist ein unglaublicher Absturz zu erwarten.

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  40. Weidmann wird Bundespräsident.

    Nicht weil er wüßte wie man die Fuinanzmärkte regulieren sollte, sondern weil er das Kontinuum für die besitzende Klasse sicherstellt.

    Pfui Teufel.

    Gibt es Unterschiede zu Tietmeyer.

    Dem Peitscher der kleinen Leute?

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  41. Ach so, die Wahrung der Interessen der deutschen Steuerzahler, in jenem bescheidenen Rahmen, wie Angela Merkel sie überhaupt noch verfolgt, heißt jetzt
    "Hasardeursspiel nationaler Großmannspolitik"?
    Und der Kampf gegen Inflation ist bloße Sturheit,
    "Aufrechterhaltung einiger monetärer Prinzipien"?

    Gewiss hat die Meinung von Keynesianer Charme, dass wir
    "Inflation [brauchen], um die Geldvermögen der Reichen endlich kräftig abzuschmelzen."
    Und seine Einschätzung dass wir
    "... die Inflation auch bekommen [werden], weil es dazu keine Alternative mehr gibt [weil] die Geldvermögen ... nach dreißig Jahren "Stabilitätspolitik" exponentiell gewachsen" sind,
    halte ich für treffend. Aber wie stellt sich die Interessenlage für mich als "Kleinen Mann" dar? Nützt mir Inflation, weil sie die Reichen enteignet? Enteignet sie denn wirklich "die" Reichen?
    Und während auch ich natürlich sehe, dass eine Hochzinspolitik die Kapitalbesitzer noch fetter macht, frage ich mich doch, was ist mit den Nebenwirkungen einer Niedrigzinspolitik ist?
    Da werden dann Kredite auf Teufel komm raus vergeben, Häuser gekauft statt Fabriken gebaut (die Waren kommen ja aus China) - und alles läuft auf den nächsten Crash hinaus.
    Die Reichen haben Grundbesitz und Aktien und Commodities.
    Der kleine Mann hat (ich zwar nicht, aber wahrscheinlich doch eine Menge Leute) ein paar tausend Euro auf dem Konto und wird durch Inflation enteignet.

    Sauberer wäre es gewesen, die Banken in die Insolvenz gehen zu lassen (und die Staaten auch), die Trümmer vom Staat aufsammeln und flicken zu lassen und dann den Kapitalisten teuer wieder zu verkaufen - Schweden lässt grüßen.

    Sauber wäre es auch, das Kapital durch Besteuerung zu dezimieren.

    Mit Inflation und Hochzinspolitik verlieren, fürchte ich, wir alle.

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  42. Nach Überschlafen:
    Was sagt uns der Freidenker eigentlich, was ist die Botschaft des Textes?
    Ich höre nur:
    "Mit der Herde laufen ist am sichersten".

    Aber das bleuen uns doch schon die Massenmedien ein; dafür brauchen wir doch kein freies Denken?
    (Und die Masse - der Finanzmärkte - ist ja auch herdentriebig voll in die Sch'e gelaufen!)

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  43. Einige weitere Anmerkungen:

    1) "Mit den 2,1 Millionen Euro von der EU will er untersuchen, wie unterschiedliche Vermögenswerte und Anlageformen tiefe Krisen wie Kriege und Revolutionen überstanden haben. „Darüber wissen wir bislang sehr wenig“, erklärt Voth." (Zitat aus Handelsblatt-Artikel http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/hans-joachim-voth-von-mckinsey-in-die-uni/3119252.html?p3119252=all )
    Die von "Keynesianer" entwickelte Vorstellung, durch Inflation die Reichen ärmer zu machen, wird nach Abschluss dieser Forschungen vielleicht verifiziert oder falsifiziert; bisher ist man offenbar auf Mutmaßungen angewiesen.

    2) Die "Reichen" sind heutzutage auch die chinesischen Wanderarbeiter, die für ihre Altersversorgung sparen, oder die Rentensparer in den USA und - dank Riester - jetzt auch bei uns, die auf das Kapitaldeckungsverfahren vertrauen (vgl. dazu auch meine umfangreiche Kritik - festgemacht an Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, u. d. T. "Sinn substituiert die Konjunktion: rettet er die Renten durch ökonomische Akzeleration?" - http://www.beltwild.de/rentenreich). Das macht die Entreicherung kompliziert. Überhaupt könnte es sein, dass die tiefere (den Akteuren nicht notwendig bewusste) Ratio für die Umstellung der Rentenversicherung vom Umlage- auf das Kapitaldeckungsverfahren eine breitere Fundierung der Legitimität des Kapitalismus im Bewusstsein der Massen ist (Herstellung einer scheinbaren Interessenidentität zwischen den viel und den wenig Besitzenden).

    3) Zum Thema Deflation habe ich etwas Material gesammelt u. d. T. "Deflation demystified oder: Eine Deflationsursache gibt es nicht!" http://beltwild.blogspot.com/2009/07/deflation-demystified-oder-eine.html

    4) Inflationäre Geldpolitik nützt m. E. nicht zuletzt den Finanzmärkten: sie vermehrt den Stoff, der dort umgeschlagen wird. Irving Fishers "Debt Deflation Theory of Great Depressions" erscheint zwar auf den ersten Blick einleuchtend; nicht zu übersehen ist indes, dass hier ein Spekulant (der Fisher ja war) seine Interessen vertritt: der Kursverfall soll durch vermehrte Geldversorgung aufgehalten werden, d. h. der inflationierte Markt durch Geldmengeninflationierung nachträglich gewissermaßen 'bestätigt' werden (und dann geht das so weiter - wie wir das unter Greenspan ja erlebt haben - bis es irgendwann doch kracht?)

    5) Weitere Überlegungen zum Inflationsthema - und Einführung des Begriffs "Schleuseninflation" s. meinen Blott "Die drei-plus-eine Dimensionen der Inflationsfrage: Kaufstimulation, Entschuldung, Entreicherung. Und dann wäre da noch der gern vergessene Realzins." http://beltwild.blogspot.com/2010/02/die-drei-plus-eine-dimensionen-der.html

    Summa summarum: die Sache ist kompliziert ;-)

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