Montag, 21. Februar 2011

„Wir schrumpfen, wir sterben aus, immer mehr Rentner, immer weniger Erwerbsfähige…“

oder: Das Dilemma einer grotesken Ideologie

Von Jürgen Voß

„Globalisierung und Demografie verändern die Welt!“ Mit diesem Kernsatz eröffnete ein bekannter Ministerpräsident (inzwischen in die Privatwirtschaft gewechselt) vor einigen Jahren ein Statement im Radio. (Nach diesem Satz habe ich – zu meiner Ehre gesagt – abgeschaltet.)

Prägnanter (und dümmer) kann die Basisideologie der Neoliberalen nicht formuliert  werden. Während der Begriff „Globalisierung“ nirgendwo operational (wie es in der Sozialwissenschaft heißt) definiert ist, sondern als Allerweltsbegriff ganz diffus benutzt wird und in jeder Diskussion als Legitimations- aber auch als Killerphrase herhalten muss, kann die „Demografie“ oder besser das demografische Argument anhand von amtlichen Daten jederzeit überprüft werden. Die Klarheit der Zahlen, die im Statistischen Jahrbuch des Bundes jedermann, vor allem den werten Journalisten und natürlich auch allen Politikern zur Verfügung stehen, überrascht.

Denn diese Zahlen bieten ein ganz anderes Bild, als es die Demografiedramatiker uns seit Jahren präsentieren. Sie zeigen nämlich eine aktuelle demografische Struktur  unserer Gesellschaft, wie sie nach dem Selbstverständnis der Demografieideologen besser nicht sein könnte: Aufgrund der Tatsache, dass die geburtenstarken Jahrgänge allesamt noch in der Erwerbsfähigkeit stehen (und das noch über viele Jahre) bietet sich dem aufmerksamen Betrachter das erstaunliche Bild einer Gesellschaft, in der die Zahl der Menschen, die auf den erwerbsfähigen Teil der Bevölkerung „lastet“, relativ niedrig ist, jedenfalls viel niedriger als noch 1970. Im Sinne des neoliberalen Demografieverständnisses könnte man mit einigem Spott folgern, dass doch zur Zeit die sozialen Sicherungssysteme aufgrund der hohen Zahl der Erwerbsfähigen finanziell aus allen Nähten platzen müssten; leider tun sie es nicht, denn von den über 50 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter (siehe Tabellen) sind nur noch 27 Mio. sozialversicherungspflichtig beschäftigt, bei permanent sinkender Tendenz der Vollzeitbeschäftigten (von der Zahl der „ordnungsgemäß“ Bezahlten ganz zu schweigen).

Heraus kommt schließlich als Resultat: Das Demografiedilemma, mit dem alle Talkrunden seit vielen Jahren sich inflationär beschäftigen, von Raffelhüschen bis von der Leyen, von Müntefering bis Birg und Biedenkopf, ist gar keins, jedenfalls die nächsten 15 Jahre nicht und die vergangenen 10 Jahre war es erst recht keins. Die politische Diskussion hat sich mit einem Phantom beschäftigt, ähnlich wie in dem Märchen von „des Kaisers neuen Kleidern“. Nur hat keiner gewagt in die Diskussion zu rufen: Das Problem ist ja gar nicht existent!

Anmerkung: Die Zahlen sind zum ersten Mal 2005 in den Nachdenkseiten veröffentlicht worden und wurden von mir anhand des Statistischen Jahrbuchs des Bundes 2010 nur aktualisiert.
 
Das Märchen von den schlechten demografischen Verhältnissen*
*(alle Zahlen Stat. Bundesamt, alle bezogen auf Gesamtdeutschland, nachzulesen in den Stat. JB des Bundes alle Jahrgänge)
Tabelle 2.8 Bevölkerung nach Altersgruppen, dazu eigene Berechnungen, die sich aus den Zahlen ergeben.

(noch) nicht erwerbsfähig  0 - u 18



Jahr
0-1
1-6
6-14
14-15
15-18
Summe
1950
1.054.090
4.389.870
9.426.951
1.185.685
3.169.228
19.225.824
1960
1.226.255
5.614.730
8.102.974
800.076
2.752.605
18.496.640
1970
1.015.658
6.089.568
9.871.552
1.096.794
3.205.352
21.278.924
1980
859.531
3.974.333
8.129.750
1.310.161
4.057.829
18.331.604
1990
911.442
4.432.548
6.789.743
803.770
2.406.208
15.343.711
2000
766.554
3.951.030
7.123.903
935.755
2.722.944
15.500.186
2001
735.755
3.959.424
6.967.982
955.683
2.762.575
15.381.419
2002
719.250
3.904.271
6.813.038
979.021
2.821.077
15.236.657
2003
706.449
3.812.842
6.689.370
953.449
2.892.729
15.054.839
2004
704.988
3.730.152
6.525.006
964.512
2.904.177
14.828.835
2005
685.987
3.660.158
6.426.919
876.808
2.907.532
14.557.404
2006
673.132
3.572.031
6.353.159
843.044
2.800.784
14.242.150
2007
685.495
3.506.823
6.267.768
821.610
2.688.387
13.970.083
2008
683.350
3.470.783
6.195.623
789.350
2.544.451
13.683.557





















erwerbsfähig 18 - u 65




Jahr
18-21
21-40
40-60
60-65
Summe
Bev.gesamt
1950
2.878.238
17.287.640
19.831.687
3.373.523
43.371.088
69.346.297
1960
3.614.380
19.492.696
18.811.081
4.261.871
46.180.028
73.146.809
1970
3.211.025
20.488.103
17.523.879
4.787.899
46.010.906
78.069.471
1980
3.925.930
20.637.672
20.328.474
3.009.768
47.901.844
78.397.483
1990
3.066.450
24.120.544
20.959.571
4.350.811
52.497.376
79.753.227
2000
2.852.894
22.536.777
21.957.504
5.718.165
53.065.340
82.259.540
2001
2.841.251
22.222.764
22.123.547
5.805.606
52.993.168
82.440.309
2002
2.822.292
21.857.838
22.517.506
5.663.568
52.861.204
82.536.680
2003
2.795.211
21.417.905
22.927.267
5.476.454
52.616.837
82.531.671
2004
2.821.971
20.923.656
23.361.160
5.197.776
52.304.563
82.500.849
2005
2.867.917
20.460.543
24.012.033
4.670.024
52.010.517
82.437.995
2006
2.929.976
19.987.008
24.552.537
4.303.946
51.773.467
82.314.906
2007
2.937.508
19.592.646
24.947.928
4.250.928
51.729.010
82.217.837
2008
2.937.568
19.197.855
25.225.632
4.228.731
51.589.786
82.002.356
































































nicht mehr erwerbsfähig (ü65)
Bev.- Wachstum in %

1950
6.749.385

Jahr
1970=100
2000=100

1960
8.470.141

1980
0,42


1970
10.779.641

1990
2,16


1980
12.164.035

2000
5,37


1990
11.912.140

2001
5,60
0,22

2000
13.694.014

2002
5,72
0,34

2001
14.065.722

2003
5,72
0,33

2002
14.438.819

2004
5,68
0,29

2003
14.859.995

2005
5,60
0,22

2004
15.367.451

2006
5,44
0,07

2005
15.870.074

2007
5,31
-0,05

2006
16.299.289

2008
5,04
-0,31

2007
16.518.744





2008
16.729.013











Altersstruktur insgesamt





0-18
18-65
ü65
Bev. insgesamt
0-18 (+) ü65*

1950
19.226
43.371
6.749
69.346
25.975

1960
18.497
46.180
8.470
73.147
26.967

1970
21.279
46.011
10.780
78.069
32.059

1980
18.332
47.902
12.164
78.397
30.496

1990
15.344
52.497
11.912
79.753
27.256

2000
15.500
53.065
13.694
82.260
29.194

2001
15.381
52.993
14.066
82.440
29.447

2002
15.236
52.861
14.439
82.536
29.675

2003
15.055
52.617
14.860
82.531
29.915

2004
14.828
52.304
15.367
82.499
30.195

2005
14.557
52.011
15.870
82.438
30.427

2006
14.242
51.773
16.299
82.315
30.541

2007
13.970
51.729
16.519
82.218
30.489

2008
13.684
51.590
16.729
82.003
30.413

* sog. Gesamtlastquote

































































































Lastquoten







Alters"last"-
quote
Jugend"last"-quote
Gesamt"last"-quote



1950
15,6
44,3
59,9



1960
18,3
40,1
58,4



1970
23,4
46,2
69,7



1980
25,4
38,3
63,7



1990
22,7
29,2
51,9



2000
25,8
29,2
55,0



2001
26,5
29,0
55,6



2002
27,3
28,8
56,1



2003
28,2
28,6
56,9



2004
29,4
28,3
57,7



2005
30,5
28,0
58,5



2006
31,5
27,5
59,0



2007
31,9
27,0
58,9



2008
32,4
26,5
59,0








Fazit:





1. Bis 2002 ist die Bevölkerung immer gewachsen, teilweise mit erheblichen Anstiegsquoten (durch Zuwanderung). Erst seit 2003 kompensiert die Zuwanderung nicht mehr ganz den Sterbeüberschuss.

Daher ist seitdem die Bevölkerungszahl leicht rückgängig: Gegenüber dem Höchststand in 2002 um rd. 560 tsd. Einwohner(innen). Seit 1996 lag aber die Gesamtbevölkerung stabil über 82 Millionen, und damit um über 4,5 Mio. höher als 1985 (alte BRD und
ehemalige DDR). Inzwischen liegt sie unter 82 Millionen.







2. Die sog. Gesamtlastquote (Verhältnis der Nichterwerbsfähigen zu den Erwerbsfähigen) war 1950 höher als heute, in 1970 sogar um fast 11 Prozentpunkte.







3. Immer noch befinden sich  5,58 Mio. Menschen mehr im erwerbsfähigen Alter als 1970,
im Vergleich zu 1950 sogar 8,2 Mio. (Mit ein Grund für die hohe Arbeitslosigkeit!!) Auf jeden Bürger über 65 kommen rechnerisch 3,1 Erwerbsfähige, nicht zu verwechseln mit Erwerbstätigen! (Die berühmt- berüchtigte demografische "Rentenformel" a la Guido Bohsem, Marc Beise u.a.)









Kommentare:

  1. Der Beitrag ist Effekthascherei. Ich wundere mich regelmäßig welche Behauptungen von linker Seite den "Neoliberalen" in den Mund gelegt werden. Es sind Übertreibungen und Entstellungen. Ich wüsste nicht wer der demografischen Entwicklung die Alleinschuld an unserer Misere gibt. Oder was mich bei Vispers aufregt ... das gleiche Schema, es werden plausible Antworten gegeben und Pointen erzielt, die auf abstrusen Unterstellungen und falschen Annahmen beruhen ... dass behauptet wird nach herrschender Ansicht bräuchte man einen Niedriglohnsektor, "um die Wirtschaft am Laufen zu halten", dass der Zinsmechanismus an der Vermögenskonzentration schuld sei usw. - Halbwahrheiten und Mythen. Im Gegenteil, der Beitrag fußt selbst auf einer Halbwahrheit: für die chronische Unterfinanzierung der SV-Systeme sei die demografische Entwicklung (jedenfalls in den letzten 10 Jahren) irrelevant gewesen. Dabei wird diese Aussage mit den statistischen Angaben selbst widerlegt. Die Gesamtlastquote stieg nur um 4 Punkte - die Alterslastquote stieg 7, die Jugendlastquote ging um 3 zurück ... das zeigt die Brisanz der demografischen Entwicklung. Von 1990-aktuell stagniert die Gesamtlastquote auch bei einer bloßen Steigerung von 4 Punkten, aber seit 1990 stieg die Alterslastquote um über 10 Punkte, während die Zahl der Erwerbsfähigen! zurückging. Diese Tatsache wird übertüncht, indem auf 1970 und früher rekurriert wird. 1970 war hingegen die Jugendlastquote 23 Punkte über der Alterslastquote - der Nachwuchs für die SV-System war vorhanden. Seit Millennium hat die Alterslastquote die Jugendquote eingeholt und entfernt sich von ihr. Das sind dramatische demografische Verschiebungen, die schon längst ein Umsteuern erforderlich machten - selbst wenn man die Zahl der SV-pflichtigen Jobs seit den 80ern bzw. der Wende gehalten hätte! Die Zahl der SV-pflichtigen Jobs gingen bis 2005 zurück - seither steigen sie wieder! Dass die Gesamtlastquote 1970 (dank Babybooms!) weit höher lag - unbenommen. Entscheidend ist die sich öffnende Schere: die steigende Alterslastquote und die verhältnismäßig deutlich sinkende Zahl der Erwerbsfähigen ( und -tätigen).

    http://www.bpb.de/wissen/899LBF,0,0,Entwicklung_der_Altersstruktur.html

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  2. Zu Tobias Fuentes: So lange nur die Zahl der Erwerbsfähigen - und dass nur marginal - zurückgeht - bei einem nominalen Überschuß (Beamte eingerechnet) von 20 Millionen Menschen, kann man nicht von einem demografischen Problem gesprochen werden. Natürlich wird die Zeit zwischen 2025 und 2040 - 2050 - also die Phase, in der die geburtenstarken Jahrgänge im Rentenalter sind - ob sie eine Rente dann beziehen, steht noch auf einem ganz anderen Blatt - eine sozialpolitisch schwierige Zeit, zumal wenn der Arbeitsmarkt weiter so zerfasert wie bisher. Aber die Alternative: mehr Kinder ist menschlich in Ordnung, sozialpolitisch aber sehr kritisch. Wer sagt denn, dass wir für bsplweise 10 Mio. mehr Kinder auch die entsprechende Arbeit hätten?
    Noch etwas zu der Zahl der SV-Beschäftigten: Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten geht permanent zurück, das Ansteigen ist nur nominal festzustellen und resultiert aus dem Anstieg der TZ-Beschäftigten. Im Übrigen ist der abgabenpflichtige Grundlohn, also der Durchschittslohn aller Versicherten unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze die entscheidende Größe (siehe oben), und nicht die Zahl der Beschäftigten und schon gar nicht die Zahl der Erwersbfähigen. Die Finanzierung unserer Sicherungssysteme ist eine Variable des Arbeitsmerktes und nicht der Demografie! (Letzterses nur für Raffelhüschen und Maschmeyer!). Nichts für Ungut!

    Jürgen Voß

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  3. Hallo Jürgen,
    anfang der 90er konnten die auf den Arbeitsmarkt drängenden Babyboomer die steigende Lebenserwartung der Älteren (statistisch) ausgleichen - der Anteil der Erwerbsfähigen stieg. 1990 kamen auf jeden Ü65 nach deinen obigen Angaben 4,4 15-65jährige? - das unterschlägst du. 2008 sank diese Zahl schon auf 3,1 - das erwähnst du. (Ähnlich bei dem von mir verlinkten Altenquotienten: 1990 kam auf jeden Ü60 2,7 20-60jährige, 2005 waren das 2,2). Du meinst nun das sei kein Problem, weil wir im Vergleich zu 1970 noch 5 Mio mehr Erwerbsfähige haben bzw. die Zahl seit 1990 nur stagniert. Das ist erkennbar kein tragendes Argument. Du ignorierst die Alterung komplett und kommst zu der falschen Aussage, dass "die Zahl der Menschen, die auf den erwerbsfähigen Teil der Bevölkerung 'lastet', relativ niedrig ist, jedenfalls viel niedriger als noch 1970". Im Vergleich zu 1970 haben wir nach deinen Quellen oben 6 Mio mehr Ü65, aber auch nur 5,5 Mio mehr Erwerbstätige. Das Gegenteil deiner Aussage ist richtig. Wir haben seit den 70ern Massenarbeitslosigkeit - seit Mitte der 90er zweistellige Quoten, mal mehr, mal weniger. Das chronische Problem der Sozialkassen geht insofern nahezu ausschließlich auf die demografische Entwicklung zurück. Das gab es schon vor der Lohndumping-Mär.

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  4. Edit. Es muss heißen: "Bis Anfang der 90er ..." und "5,5 Mio mehr ErwerbsFÄHIGE".

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  5. @ Tobias Fuentes

    "Der Beitrag ist Effekthascherei. Ich wundere mich regelmäßig welche Behauptungen von linker Seite den "Neoliberalen" in den Mund gelegt werden. Es sind Übertreibungen und Entstellungen."

    Sie haben vom Aussagengehalt recht, nur die politische Zuordnung wundert mich. Wie kommen Sie darauf, Jürgen Voss sei ein Linker oder argumentiere hier für Linke typisch?

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  6. "Wir haben seit den 70ern Massenarbeitslosigkeit - seit Mitte der 90er zweistellige Quoten, mal mehr, mal weniger. Das chronische Problem der Sozialkassen geht insofern nahezu ausschließlich auf die demografische Entwicklung zurück."

    Was hat denn die demographische Entwicklung mit der Massenarbeitslosigkeit zu tun. Rentner sind nicht arbeitslos. Ebensowenig sind es die Jugendlichen die nicht geboren werden. Es streitet niemand (auch in diesem Beitrag) ab, dass die deutsche Bevölkerung altert. Es geht allerdings um die Kosten die dies verursacht. Da sieht man, dass die Gesamtkosten (jung+alt) 1970 deutlich höher waren. Damals war die Arbeitslosigkeit geringer. Auch war der Anteil des Lohnes am Gesamteinkommen höher. Somit war schlicht und gab es mehr Geld in den Sozialkassen. Aktuell sinkt die Zahl der Vollzeitstellen. Somit sinken die Einzeleinkommen. In der Summe mag sich das die Waage halten. Allerdings zahlen Aufstocker und Teilzeitarbeiter (einige) aufgrund der Freibeträge nicht (oder ermäßigt) in die Sozialkassen ein. Ein Job mit Vollzeitjob mit 800 Euro Entgeld würde in die Kassen zahlen. Die Aufteilung in zwei 400 Euro Teilzeitjobs würde mehr Arbeitsplätze schaffen + die Lohnquote gleich lassen. Allerdings sinken die Einnahmen der Sozialverischerungen. Diese Effekt wird eine Rolle spielen.

    Die Frage ist auch, wie sie umsteuern wollen? In meinen Augen bleibt nur, die Arbeitslosigkeit zu senken und die Entlohnung zu steigern. Dann steigen auch die Beiträge der Sozialkassen.

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  7. Die Gespensterdiskussion 'Globalisierung' wird im Artikel zu recht als erfundene Sage beschrieben. Ganz anders sieht es mit der Demographie aus. Ich meine, es ist mutwillig, beides gleichzusetzen, denn hier ist nichts gleich.
    Es geht auch überhaupt nicht um das Hier-und-Heute. Es geht um den Geburtenberg der Jahre vor dem 'Pillenknick', also einige Jahre nach dem Krieg beginnend, rund 1955-1968. Hier beginnt das zahlenmäßige Ansteigen in den Altersruhestand bereits in etwa 4-5 Jahren, von heute gerechnet. Daran läßt sich auch nichts mehr ändern. Die begonnene Lösung des Herrn Müntefering, die Alten ganz einfach weiterarbeiten zu lassen, wird nicht funktionieren, weil die das nicht mitmachen werden. Ich selbst werde nächstes Jahr 60 und weiß, was ich sage. Ein verantwortliches Regierungshandeln hätte dem seit mindestens 10 Jahren Rechnung tragen müssen, indem 'Sozialhilfegeburten' nach Möglichkeit und so schwierig das auch verfassungsrechtlich ist, verhindert würden, was man sträflich versäumt hat. Die jetzige 'Wegnahme' des Elterngeldes für Sozialhilfegeburten ist deshalb völlig richtig und unvermeidbar. Diese finanziellen Lastgeburten müssen unbedingt für die nächsten 25 Jahre verhindert werden, denn ein gleichzeitiges Finanzieren der 'Sozialhilfekinder' über den Zeitraum von 20-25 Jahren in nennenswerter Anzahl UND dem unvermeidlichen Zuwachs an Alten funktioniert nicht. Die Konsequenz wäre entweder ein 'Totarbeiten' bis zur Grabeskante für die Einen oder ein Zusammenstreichen und bloßes Tafel-Essen und Suppenküchengehen für alle. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis hat man bereits in den USA vor einigen Jahren mit der "Family Cap" begonnen - der Wegnahme der Sozialhilfe für die 'Welfare Mothers" und jetzt beginnend in Großbritannien. Ich weiß, das klingt nicht schön, ist aber letztlich unvermeidlich, wenn die Vernunft einer gewissen Klientel (der Kinderproduzentinnen) versagt, bzw. nicht vorausgesetzt werden kann. Bloßes Wunschdenken hilft da nicht weiter. Gerade das ist hier verantwortliches und soziales Handeln, nicht, wenn man die Dinge einfach sich selbst überläßt und damit den Einsturz des Sozialsystems provoziert.
    gez. Braunes Hartz.

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