Mittwoch, 16. Februar 2011

Guttenberg und ein linker Professor [UPDATE2]

Von Stefan Sasse

Guttenberg bekommt erneut Kratzer an sein Strahlemann-Image: seine Doktorarbeit, 2006 fertiggestellt, soll an acht Stellen ein Plagiat sein - in der wissenschaftlichen Community ein schwerer Vorwurf, der zum Entzug der Doktorarbeit führen kann. Entdeckt hat das zufällig ein Jura-Professor, der das Ding für eine Rezension seines Magazins gelesen und einen Google-Routine-Check gefahren hat. Es soll hier gar nicht so sehr um Guttenbergs Arbeit selbst gehen - im politischen Geschäft ist ein Doktortitel wegen des Seriositätsbonus' viel wert -, sondern um die explizite Betonung in der SZ, dass der fragliche Entdecker ein Linker sei und auch sein Magazin selbst im linken Meinungsspektrum einzuordnen ist. Stephan Hebel, den ich sonst sehr schätze, hat bereits deutlich auf dieses Fakt aufmerksam gemacht. Allein, in dem Fall zielt die Kritik ein wenig ins Leere. 

Um zu verstehen wo das Problem liegt mache man folgendes Gedankenspielchen: der fragliche Akademiker sei linker Provenienz, etwa Oskar Lafontaine. Entdeckt hat die acht Stellen auf knapp 475 Seiten Professor Raffelhüschen, der seine Botschaft auch gleich über die INSM-Kanäle an die Zeitungen dieses Landes verbreitet hat. Diese berichten über einen Professor, der das Ganze entdeckt habe - und erwähnen nicht seine Verbindungen in die neoliberalen Think-Tanks. Das Geschrei wäre zurecht groß. Warum also sollte für die Kritik an Guttenberg durch einen Linken eine andere Regeln gelten? Nur weil die SZ normalerweise deutlich weniger genau ist, wenn es um Neoliberale geht? Ein Unrecht macht man nicht wett, indem man ein anderes begeht. Die geistige Herkunft zu erwähnen ist also richtig, und zu wünschen wäre, dass die SZ dabei in alle Richtungen konsequenter würde und nicht nur, wenn es ihr gerade in den Kram passt. Das macht kritische Medien aus.

UPDATE: Pünktlich wie ein Uhrwerk meckert die CSU, es handle sich um einen "Linksaußen" und "Enthüllungprofessor". Der nicht gerade linker Umtriebe verdächtige Max Steinbeis bezeichnet ihn als einen der profiliertesten Völkerrechtler der jüngeren Generation.

UPDATE2: Angesichts der Fülle neuer Plagiate, die gerade herauskommt, revidiere ich meine ursprüngliche Einschätzung, dass Guttenbergs Verfehlung nicht dermaßen schlimm ist. Der Doktortitel gehört weg. Ob der danach zurücktritt ist eine Frage seines persönlichen Anstands, aber bei dem Aufhebens, den er immer darum macht, ist kaum zu erwarten dass er ihn hat. Dumm wäre es nicht - Rücktritt jetzt, Rückkehr in der nächsten Legislatur als Phönix aus der Asche, geläuterter Engel und immer noch mit der positiven Besetzung in Sachthemen. Aber sehen wir mal. 

Kommentare:

  1. Die Frage ist wie wichtig diese Passagen für die Arbeit waren. Wenn es nur ein wenig unsauber war, dann können nachträglich die Referenzen hinzugefügt werden. Wenn es allerdings der Kern der Arbeit war, dann hat Guttenberg ein Problem. Denn dann sollte er seinen Titel verlieren.

    AntwortenLöschen
  2. Bei der SZ gibts nen Abgleich als Bildstrecke, sieht mir persönlich wie ne Bagatelle aus. Rechtlich passiert da denk ich nix, der politische Schaden ist das wichtige.

    AntwortenLöschen
  3. Fuer mich sieht das so aus, dass diese Plagiate an Stellen sind, an denen Schluesse gezogen und Bewertungen abgegeben werden.
    Genau die stellen aber den Kern einer wissenschaftlichen Leistung dar. Wenn die einfach abgeschrieben ist, ist das sicherlich keine Bagatelle.

    Aber zur "Bagatelle" wurde es ja auch erklaert, als der Luegenbaron sich als "Geschaeftsfuehrer eines mittelstaendischen Unternehmen" dargestellt hat.

    Rechtlich wird da sicher nichts passieren. Der Mann ist schliesslich adelig!

    AntwortenLöschen
  4. Vielmehr stellt sich doch die Frage ob für das Auffinden der möglicherweise abgeschriebenen Stellen die politische Gesinnung des Professors überhaupt von Nöten ist.
    Als Beispiel, eine Verstrickung von Maschmeyer und Rürup ist bei einer Einführung einer privaten Altersvorsorge durchaus erwähnenswert, das sie einen Interessenkonflickt darstellen könnte. Ob die GEsinnung eines probelesenden Dozenten eine Rolle spielt wage ich zu bezweifeln. Jedem anderen wäre das auch aufgefallen, lediglich ob dann auch eine story draus geworden wäre ist wohl nicht sicher.

    Daher denke ich wird der Vorwurf der mangelnden Seriosität noch öfter kommen, einfach weil das, sofern was dran ist an dem Vorwurf, die beste Möglichkeit für den KT ist aus der ganzen Geschichte halbwegs sauber rauszukommen: Indem man dem "Angreifer" unlautere Ziele unterstellt und versucht ihn von der Sachebene wegzulenken. Wenn eine solche Information von guten PR- Beratern gestreut wird bleibt bei den meisten Menschen bestenfalls hängen dass "die LInken" versucht haben das Ansehen eines unbescholtenen Politikers zu schädigen.
    Daher ist die Kritik aus meiner Sicht nicht ganz unbegründet, da in diesem Fall die Information, die wir uns sonst wünschen würden evtl. einen bestimmten Zweick verfolgt.

    AntwortenLöschen
  5. Das zweite "Doktorarbeit" soll sicher "Doktorwürde" heißen, oder?

    AntwortenLöschen
  6. Und wie überzeugend der Mann dementieren kann:
    "Und sollte jemand auf die Idee kommen zu behaupten, MITARBEITER MEINER BÜROS hätten an der wissenschaftlichen Erarbeitung meiner Dissertation mitgewirkt, stelle ich fest: Dies trifft nicht zu. Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung."
    Früher nannte sich sowas "Nach-Vorne-Verteidigung"
    - auf gut deutsch heißt das: "Ich hab das selbst geklaut und nicht wie die Köhler ABSCHREIBEN LASSEN..."
    Der eloquente Baron bei der Selbstdemontage

    AntwortenLöschen
  7. Naja, der Vergleich hinkt, da es sich bei der insm und ihrem Beziehungsgeflecht um eine Lobbyverbindung handelt (das muss in der Tat erwähnt werden in Artikeln). Eine reine weltanschauliche Einordnung ohne Lobbybeziehung sehe ich hingegen nicht generell als notwendig an. Eine solche Einordnung (vorausgesetzt sie ist neutral und betrifft alle Seiten)) vorzunehmen ist aber, insofern stimme ich dir zu, zumindest möglich und soweit ich es überblicke hier auch nicht problematisch.

    AntwortenLöschen
  8. Der Mann ist Lobbyist, er arbeitet in Ypsilantis Think/Tank mit. Von daher absolut legitim.

    AntwortenLöschen
  9. Hehe, ja die "kommunistische Ypsilanti-Initiative", wie Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt das auszudrücken pflegt...

    Haja, ich bin überrascht, dass die Plagiatssache so aufgebauscht wird. Es wird doch eh nix passieren, KaTe wird schon an den richtigen Strippen ziehen.

    AntwortenLöschen
  10. Über den Burschen sollte man das hier nicht vergessen:

    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=16325

    und das:

    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=16287

    Schöne Abendgrüße

    AntwortenLöschen
  11. Mich würde nicht wundern, wenn die das medial so hinbiegen, dass die Urheberin der Textpassagen in Wirklichkeit bei KT abgeschrieben hat.

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.