Freitag, 17. Februar 2012

Eine kurze Geschichte des Kommunismus, Teil 2/2

Von Stefan Sasse

Teil 1 findet sich hier. 

Sowjetunion und Kommunismus

Pin of the Flag of CPSU.png
Emblem der KPdSU
Anfang der 1920er Jahre wurden die „Kommunistische Partei der Sowjetunion“ und die Sowjetunion gegründet. Sehr schnell wurden dabei besonders in der westlichen Welt eine durch Lenin und die KPdSU durchaus gewollte Assoziation en vogue, nach der Kommunismus gleichbedeutend mit Terror und Diktatur ist. Diese Entwicklung wurde in Europa überwiegend negativ rezipiert. Ab 1924 begann die KPD in einen moskauzentrierten Sog zu geraten. Auf der III. Internationale der Kommunistischen Internationalen, die von 1929-1943 bestand, dominierte Moskau die KPs Deutschlands und Frankreichs, später auch der anderen europäischen Länder. Die KPs der europäischen Länder fungierten nun mehr als reine Sektionen der Moskauer Parteizentrale. Der Kommunismus wurde zur Staatsidee, in der Marx nur noch als Stichwortgeber fungierte – diese Entwicklung begann jedoch bereits mit Lenin. Der verbreitete Antikommunismus richtete sich gegen Ende der 1920er Jahre nicht mehr nur gegen die KPs, sondern auch gegen die Sowjetunion selbst. Im Rahmen des Fortschritts des Faschismus’ in den 1920er Jahren gewann auch der Kommunismus an Einfluss. Warum er in den 1930er Jahren nicht weiter an Einfluss gewann, sondern verlor, liegt an den großen Säuberungen und dem Nichtangriffspakt mit Hitler. Die bolschewistisch-kommunistischen Intellektuellen kamen nun in die Situation, ihre theoretische Überzeugung widerrufen müssen. Sie wandten sich dem New-Deal-Liberalismus zu, der sozialdemokratische Elemente enthielt und der zu dieser Zeit von Roosevelt betrieben wurde. Diese Leute wird man 1944 in den USA und um 1950 in Westdeutschland als energische Antikommunisten wieder finden.

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Kommentare:

  1. Deine Darstellung der Bolschewiken bleibt wieder den Prinzipien der bürgerlichen Geschichtsschreibung treu, nämlich den Leuten jeden Hintergrund der Geschehnisse zu vernebeln.

    Da muss ich sogar einmal den SPIEGEL als gutes Beispiel empfehlen, der in seiner Dokumentation die Finanzierung der Bolschewiki durch Deutschland und die Beförderung der Machtübernahme in Russland durch Ludendorff und die Maßnahmen und militärischen Entscheidungen vom deutschen Oberkommando wenigstens teilweise dargestellt hat.

    Die gekaufte Revolution: http://www.youtube.com/watch?v=oaRrMPg7sFI

    Es kommt ja selten vor, dass dem Publikum die Wahrheit wenigstens angedeutet wird, dass Revolutionen halt nicht von selber sich ereignen, sondern von interessierter Seite mit viel Geld und Waffen und Agenten betrieben werden müssen.

    Wenn man das kapiert hat, erübrigt sich auch die Frage, warum 1918/19 dann in Deutschland plötzlich so viele Kommunisten auf den Straßen waren und alle Moskau treu ergeben. Ja - die wurden dann schon wieder von den Bolschewiki finanziert.

    Dass der Kommunismus mit Terror und Elend gleichgesetzt werden sollte, war nicht nur ein Anliegen Lenins, sondern auch aller Finanziers der russischen Revolution. Wozu nicht nur Deutschland, sondern auch England und über Trotzki Kreise der USA zu zählen sind.

    Englische Agenten hatten übrigens die erste "Revolution" in Petrograd gegen den Zaren inszeniert (mit viel Geld) und ihren Kerenski an die Macht gebracht.

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  2. Teil 2:

    Wie der "Kommunismus" in Russland sich dann gestalten sollte, hat übrigens ein Rudolf Steiner schon am 21. Mai 1921 in Stuttgart in einer Rede vor seinen Anhängern verkündet:

    "… Man weiß, daß die soziale Frage ein weltgeschichtlicher Impuls ist, der unbedingt sich ausleben muß. Es gibt keinen der Führenden unter den angelsächsischen Persönlichkeiten, die in Betracht kommen, der nicht mit einem, ich möchte sagen, außerordentlich kalten, nüchternen Blick sich sagte: Die soziale Frage muß sich ausleben. - Aber er sagt sich dazu: Sie darf sich nicht so ausleben, daß die westliche, die angelsächsische Mission dadurch Schaden erleiden könnte. Er sagt da fast wörtlich, und diese Worte sind oft gesprochen worden: Die westliche Welt ist nicht dazu angetan, daß man sie ruinieren lasse durch sozialistische Experimente. Dazu ist die östliche Welt angetan. - Und er ist dann von der Absicht beseelt, diese östliche, namentlich die russische Welt, zum Felde sozialistischer Experimente zu machen.

    Dasjenige, was ich Ihnen jetzt sage, ist eine Anschauung, die ich konstatieren konnte - vielleicht geht sie noch weiter zurück, das weiß ich vorderhand nicht - bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Mit kaltem Blicke wußte man im angelsächsischen Volke, daß sich die soziale Frage ausleben müsse, daß man durch diese das Angelsachsentum nicht ruinieren lassen wolle, daß daher Rußland werden müsse das Experimentierland für sozialistische Versuche. Und nach dieser Richtung hin wurde in der Politik tendiert, es wurde mit aller Klarheit nach dieser Politik hin tendiert. ... und man hoffte, daß die sozialistischen Experimente, dadurch daß sie sich so abspielen, wie sie sich abspielen müssen, wenn die in die Irre gehende Proletarierwelt sich nach marxistischen oder ähnlichen Prinzipien richtet, daß dann diese sozialistischen Experimente auch für die Welt der Arbeiter eine deutliche Lehre sein werden in ihrem Ausgehen, in der Nichtigkeit, in der Zerstörung eine deutliche Lehre sein werden, daß man es so auch nicht machen könne. Man wird also die westliche Welt dadurch schützen, daß man im Osten zeigen wird, was der Sozialismus anrichtet, wenn er sich so verbreiten kann, wie man es für die westliche Welt nicht will." (S. 359)
    GA 174b http://fvn-archiv.net/PDF/GA/GA174b.pdf

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  3. Teil 3:

    Ebenda, Seite 361:

    "… England hat ja, wie Sie bereits gesehen haben, mit Rußland etwas Besonderes vor, das sozialistische Experiment, und es muß daher seine ganze Politik daraufhin anlegen, daß auf der einen Seite diese Wirtschaftslinie zustande komme, und auf der anderen Seite Rußland so eingeengt und eingedämmt werde, daß es zu den sozialistischen Experimenten eben den Boden hergeben könne."

    Rudolf Steiner, selber nicht fremd in der Branche des Agentenwesens, kannte auch den deutschen Anteil am Erfolg der Bolschewiki in Russland:

    "Nicht wahr, wir haben in unserer Zeit die groteske Zusammenstellung erlebt des fast schon an den Absolutismus grenzenden monarchischen Prinzips mit der Ludendorfferei – mit dem Leninismus in Rußland, mit dem Bolschewismus, denn der Bolschewismus ist eigentlich ein Geschöpf Ludendorffs. Der Bolschewismus ist von Ludendorff in Rußland erzeugt worden, weil Ludendorff meinte, mit niemandem anderen in Rußland Frieden schließen zu können als mit den Bolschewisten, so daß nicht nur dasjenige, was als Unglück über das deutsche Volk hereingebrochen ist, in vieler Beziehung von einem einzelnen Menschen im Laufe von zweieinhalb Jahren bewirkt worden ist, sondern daß auch das Unglück Rußlands in vieler Beziehung mit den grotesken Irrtümern dieses einzelnen Menschen zusammenhängt."
    GA 185a (pdf), S. 212

    Ganz interessant, was selbst der Rudolf Steiner schon teilweise im Voraus zu erzählen wusste, was unseren Schülern und Studenten aber bis heute vorenthalten wird. Das kam allerdings nicht aus okkulten Quellen, wenn man nicht Geheimdienste dazu rechnen wollte. Man kann sich ja mal überlegen, wer wohl dem Steiner damals kurz vor dem Großen Krieg sein "Goetheanum" bei Bern finanziert hat:

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Goetheanum-kert.jpg&filetimestamp=20071210081338

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  4. Das Foto zeigt das Parteiabzeichen der KPdSU (kyrillisch КПСС): http://de.wikipedia.org/wiki/Kpdsu

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