Donnerstag, 9. Februar 2012

Nachtrag zu Steinbach

Von Stefan Sasse
Crosspost vom Geschichtsblog.

Götz Aly äußert sich in der FR zum Thema und erklärt, dass die Fans von links und rechts ihre jeweiligen Lager in Weimar reichlich fließend wechseln konnten und dass die Idee einer Verschmelzung von Nation und Sozialismus damals sehr beliebt war. Sicher, damit hat er natürlich auch Recht. Aber das erklärt immr noch nicht, ob die NSDAP links oder rechts war. Festzustellen, dass ein Großteil ihrer Anhänger zu blöd oder indifferent war, die Unterscheidung zu treffen, sagt ja über die Ideologie noch nichts aus. Deren Gehalt ändert sich ja nicht dadurch, dass sie falsch verstanden wird, auch wenn ihre Vertreter dieses Fehlverständnis aus strategischen Gründen aktiv unterstützen. Aly verweist auch auf die Tatsache, dass es unter den Ostblockdiktaturen Verfolgung und Mord gegeben hat. Das bezweifelt ja auch gar niemand, aber es führt von der Frage erneut weg. Das Problem ist, dass "links" und "rechts" nur sehr schwammig definierte Begriffe sind. Wenn man jeweils die Stücke nimmt, die einem in den Kram passen, kann man die NSDAP natürlich zu einer linken Partei machen. Damit kann ich aber auch die KPdSU zu einer rechtsextremen Partei machen, was komischerweise im Umkehrschluss niemand jemals tut. Denn unter Stalin gab es ebenfalls einen starken Nationalismus, er verfolgte ethnische Minderheiten und breitete das eigene Territorium aggressiv aus. Nur, was davon konstituiert einen nun als rechts oder links? Der Terror alleine ist es jedenfalls nicht, darin kann man Steinbach, Aly und alle anderen problemlos beeinander finden. 

Ich bleibe dabei, dass die NSDAP nicht links war. Versuchen wir erst einmal einige Begriffe zu definieren, damit wir sicherstellen, dass wir überhaupt vom Gleichen reden. Was ist "links", was ist "rechts"? Ich habe bereits in meinem Eingangsartikel zu Steinbach gesagt, dass jeglichem "links"-Sein ein Zug von Internationalismus und Pazifismus beiwohnt. Das sind elementare ideologische Merkmale, die von der Sowjetunion auch mit großem Erfolg ausgeschlachtet wurden (ihr gelang es noch in den 1980er Jahren, auf dem Höhepunkt des Afghanistankrieges, bei großen Teilen der deutschen Friedensbewegung propagandistisch als friedliebendes Land dazustehen), auch wenn die Realität anders aussah. Ein weiteres konstituives Element ist die Egalisierung. Unter linken Ideologien sind alle Menschen gleich, sollen alle Menschen zudem möglichst emanzipiert sein (erneut: wir reden hier von den Ideologien, nicht von der Wirklichkeit). Im Gegensatz dazu sind rechte Ideologien betont national und leben von der Abgrenzung der eigenen Nation oder des eigenen Volkes von anderen, konstituieren also gerade nicht die Gleichheit aller Menschen. Dieser Punkt ist der größte Reibungspunkt von Rechten und Linken, hier unterscheiden sie sich am deutlichsten. Und dieser Punkt ist es auch, der nicht nur die Einordnung der NSDAP, sondern eben auch der KPdSU erschwert, denn dieses Element macht letztere ebenfalls reichlich rechts. Auch vom Pazifismus halten Rechte bekanntlich wenig. 

Ein Element, das in beiden Definitionen bislang nicht vorkam, war der Sozialpopulismus, der von Aly (wie auch anderen diese These vertretenden Historikern) immer wieder als Beweis für das Linkssein der NSDAP herangezogen wird. Ja, sicher, die NSDAP führte diverse soziale Wohltaten ein, die es größtenteils in die BRD hinübergeschafft haben. (Aly: "Wer den deutschen Mieter- und Kündigungsschutz, das Kindergeld, die Krankenversicherung für Rentner oder den Naturschutz für fortschrittlich hält, sollte bedenken, dass die Gesetze 1937, 1934, 1937, 1941 und 1938 erlassen oder in ihrer Schutzfunktion erheblich gestärkt wurden.")Sozialpopulismus aber ist kein linkes Alleinstellungsmerkmal. Er ist ein Wahlkampfmechanismus, ein PR-Gag (bestenfalls mit positiven Folgen). Ein rechtes Regime kann genauso problemlos soziale Wohltaten verteilen wie ein linkes. Sogar konservativ-demokratische Regierungen können das, völlig problemlos. Ja, ich meine Sie, Herr Adenauer. Ob die jeweilige Maßnahme rechts oder links einzuordnen ist, hängt wieder von dem emanzipativen Aspekt ab. Und hier sieht die Bilanz der Nazis nicht besonders links aus, denn die meisten ihrer sozialpolitischen Taten dienten der Zementierung eines sehr reaktionären Männer- und Frauenbilds (Muttertag, Kindergeld, etc.) und kaum dem Versuch, alle zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft zu bewegen. Daher muss man vorsichtig sein, wenn man so leichtfertig Dinge durcheinander wirbelt, weil sie einem gerade in den Kram passen. 

Das größte Problem an der Debatte ist aber eigentlich, dass die "links"- und "rechts"-Begrifflichkeiten überhaupt keinen großen Erklärungswert mit sich bringen. Sie sind politische Kategorien. Es geht um die Diskreditierung eines politischen Gegners, und Aly macht das in seinem Statement auch bemerkenswert deutlich:
Viele Deutsche identifizieren Rechts mit Böse und Links mit Gut. Ihrem geschichtlichen Durchblick hilft das nicht.
Richtig, Herr Aly, dem geschichtlichen Durchblick hilft das überhaupt nicht. Stalins Sowjetunion und Hitlers Deutschland waren beides totalitäre Regime, die Millionen Menschen auf dem Gewissen haben. Was also soll die Frage, ob irgendetwas darin links oder rechts war? Beide benutzten die Ideologien, denen sie anzuhängen vorgaben, als reinen Deckmantel und Legitimationsinstrument. Die Internationale war Stalin ein Außenbüro der KPdSU in jeder Hauptstadt und Zuflucht für den KGB, und er verfolgte nationale Minderheiten mit einer ähnlichen Begeisterung wie sein Pendant in Berlin. Hitler, auf der anderen Seite, ignorierte praktisch alle revolutionären Aspekte seiner eigenen Ideologie. Die "Volksgemeinschaft" war letztlich nur ein anderes Wort für "Maul halten und parieren", und in seinem Deutschland waren die in den Wahlkämpfen der 1920er Jahre so vehement kritisierten Unternehmer ebenso eine Stütze des Staates wie die Militäraristokratie. Das änderte sich erst nach dem Juli 1944, als das Reich bereits brennend in den Untergang taumelte und danach trachtete, so viele wie möglich mit in den Abgrund zu reißen. Letztlich bedeutsam ist wohl die Frage, als was Stalinismus und Hitlerismus wahrgenommen wurden. Und in dieser Wahrnehmung ist Hitler rechts und Stalin links, und beide Ideen tragen seither an diesen Exponenten und werden zur ständigen Selbstreflexion mit ihren totalitären Auswüchsen gezwungen. Das tut weh, und es provoziert Reaktionen.

Kommentare:

  1. Muss man den Ansichten von Frau Erika S. so viele Ehre antun? Immerhin hat sie es geschafft, mit einem einzigen Satz (nein mit zwei: Schumacher auch noch) eine Menge Staub aufzuwirbeln.

    Das Links-Rechts-Schema ist zu eindimensional. Es kommt auch auf die Ebene an: Hitler-Stalin ist komplexer und unschärfer als Linkspartei - CSU oder NPD. Und auf kommunaler Ebene wird es dann wieder unscharf. Eine Kita oder eine Umgehungsstraße ist weder noch.

    Der Satz von Götz Aly gilt auch andersherum. Auch die Rechten halten sich für gut und die Linken für schlecht. Es geht ganz wesentlich um Selbst- und Fremd-Zuschreibungen.

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  2. Ein paar weitere Anmerkungen.
    1. Götz Aly springt Steinbach doch gar nicht insofern zur Seite wie es ihm gleich unterstellt wird; er begibt sich nicht auf diese Links-Rechts-Schiene, so oberflächlich ist kein seriöser Intellektueller (RIP Joachim Fest). Er setzt dem reflexartigen linken Abwehrverhalten das entgegen, was gesagt werden muss. Dass es in mancher, sowohl ideeller als auch wirtschaftlicher/sozialpolitischer Hinsicht, mehr Gemeinsamkeiten zwischen Linken und Rechten gibt als gegenüber der "Mitte", die hier ohnehin nicht weiß wie ihr geschieht. Ein Golfball ist ein Sportgerät wie ein American Football. Aber mit Blick auf Form und Potten gleicht ein Golfball mehr einem Apfel als einem Football.
    2. Was du als links-spezifische Egalisierung, die der Rechten fehlen würde, konkret beschreibst und andeutest, ist nichts anderes als der "Internationalismus", den du vorher als linkes Alleinstellungsmerkmal definierst. Ein Zirkelschluss. Ähnlich dein Sozialpopulismus-Argument. NS-Wirtschaftspolitik war Mittel zum Zweck, zu einem Zweck, der manifestierend ist für die Einordnung als "rechts". DAS kann man nun nicht als Argument bringen, dass rechts eben nicht links sei. Sehr wohl kann man aber die Wirtschafts- und Sozialpolitik vergleichen mit Blick auf den eigentums- und lenkenden Charakter: Kollektivismus.

    3. Rechte und Wirtschaftsfragen. Wie kürzlich schon erwähnt gibt es keine intellektuelle Einheit von Wirtschaft und Gesellschaft wie beim Marxismus. Mussolini etwa kam gar vom marxistischen Sozialismus. Andere Rechte waren weniger vorbelastet oder gar interessiert. Pinochet war ahnungslos - aber war Pinochet überhaupt rechts? Kann man ihn als nationalistisch bezeichnen? Für Hitler waren Wirtschaftsfragen auch eher sekundär.
    4. Elementar zur NS-Wirtschaftsfrage ist Hauke Janssen - Nationalökonomie und Nationalsozialismus, 4. Auflage mittlerweile. Dort speziell Literaturüberblick zur Frage kapitalistisch/sozialistisch. Was insofern nicht viel weiter hilft, als dies uferlose Begriffe sind, in die jeder das hineinlegt, was er will. Ein Genuss aber, was Mises schon 1938/39 über den NS ausführte ("Im Namen des Staates oder Die Gefahren des Kollektivismus", postum veröffentlicht, ursprünglicher Titel "Vom Wesen und Werden des Nationalsozialismus"). Gewiss, so mag man einwenden, was war für Mises denn nicht Sozialismus? Seiten 216-218, "Der NS ist die Verwirklichung der Utopie, die dem radikalen Flügel des deutschen Kathedersozialismus vorgeschwebt hat. Mehrere Generationen deutscher Philosophen, Volkswirte, Geschichtsschreiber und Gesellschaftskritiker haben an der Gestaltung dieses Gesellschaftsplans gearbeitet ... Rodbertus und Lassalle ... Walther Rathenau würden in dem fertigen Bau ihre Bausteine erkennen. Doch die wichtigsten Gedanken kamen von den englischen und frz. Sozialisten und Reformern. Die Sozialisten aller Länder und aller Richtungen wollen das freilich nicht zugeben. Doch können sie nicht bestreiten, daß im dritten Reich die Wirtschaft planmäßig vom Staate gelenkt wird ... Einkommensgestaltung vom Staate geregelt wird ... was sie ... allein tadeln können ist das, daß sie nicht selbst im Reichswirtschaftsministerium entscheiden, sondern andere ... Es ist leicht zu verstehen, warum die verschiedenen sozialistischen Gruppen einander heftig und unversöhnlich bekämpfen. Das Leben in einem sozialistisch organisierten Gemeinwesen ist für alle, die bei der Regierung nicht beliebt sind, unerträglich. Doch wer das dem Sozialismus zum Vorwurf machen will, darf eben nicht Sozialist sein." ROFL. Einfach herrlich. ;)

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  3. Diese ganze Debatte ist einigermassen absurd, denn die Begriffe "links" wie "rechts" sind voellig aus der Zeit gefallen. Sie sind anachronistisch und haben praktisch keinerlei Bedeutung mehr.

    So schreibst Du etwa "Ich habe bereits [...] gesagt, dass jeglichem "links"-Sein ein Zug von Internationalismus [...] beiwohnt. [...] Im Gegensatz dazu sind rechte Ideologien betont national [...]". Aber war es nicht z.B. die LINKE, die dem Vertrag von Lissabon (also dem Ruf nach mehr Internationalisierung) ihre Zustimmung verweigerte, waehrend CDU und FDP das Projekt vorantrieben? Ist die LINKE nun rechts? Und CDU und FDP links?

    Ferner schreibst Du "Ein weiteres konstituives Element ist die Egalisierung. Unter linken Ideologien sind alle Menschen gleich, [...] Im Gegensatz dazu sind rechte Ideologien betont national [...], konstituieren also gerade nicht die Gleichheit aller Menschen.". Auch das ist mehr als fragwuerdig. Die Ideologie der Nazis war auf einen homogenen Volkskoerper gerichtet, in dem - nach Ermordung aller derjenigen, die ihrer Meinung nach nicht dazugehoerten - voellige Gleichheit herrschen wuerde. Der Individualismus sollte nach Meinung der NSDAP ausgerottet werden. Alle sollten gleich sein, wurden in die selbe Uniform gesteckt, sollten Mitglieder in den selben Organisationen werden etc.. Gemessen an dem "Gleichheitsdogma" waeren die Nazis also eher links. Der einzige, der aus der braunen NS-Einheitssauce herausstechen sollte, war der "Fuehrer", um den ein grotesker Personenkult veranstaltet wurde. Aber wenn das die Ungleichheit ist, auf die Du anspielst, dann waeren auch die Sowjetunion, Nordkorea und China rechts, denn der Personenkult um Stalin, Kim Il Sung und Mao war kein Stueck geringer (weder ideologisch noch praktisch) und hat mit einer angestrebten "Gleichheit aller" rein garnichts zu tun.

    Weiter schreibst Du: "Auch vom Pazifismus halten Rechte bekanntlich wenig.". Volle Zustimmung. Aber kann das wirklich als Abgrenzungsmerkmal zu den Linken gelten. Beispiel Nordkorea? Oder Sowjetunion? Oder China? Und ich meine nicht nur realpolitisch, sondern auch ideologisch. Nordkorea ist z.B. ganz offiziell ideologisch auf eine "Military First"-Ideologie eingedrillt. Auch die offiziellen, endlosen, maechtigen Militaerparaden in der UDSSR oder China sprechen eine ganz deutliche Sprache, die mit Pazifismus nichts zu tun haben.

    Den groessten Fehler machst Du aber, wenn Du schreibst: "Ob die jeweilige Maßnahme rechts oder links einzuordnen ist, hängt wieder von dem emanzipativen Aspekt ab. Und hier sieht die Bilanz der Nazis nicht besonders links aus, denn die meisten ihrer sozialpolitischen Taten dienten der Zementierung eines sehr reaktionären Männer- und Frauenbilds (Muttertag, Kindergeld, etc.) und kaum dem Versuch, alle zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft zu bewegen.". Hier werden also politische Projekte in der Retrospektive als "rechts" oder "links" umgedeutet, je nach dem, mit welcher Motivation sie moeglicherweise verfolgt worden waren. Die einem Projekt zugrundeliegende Motivation hat aber rein garnichts mit dessen Einordnung im Rechts-Links-Spektrum zu tun. Kindergeld bleibt eine eher linke Massnahme, auch wenn sie von den Nazis erfunden wurde. Auch Hitlers Autobahnen sind nicht "rechter", als die von Merkels Bundesregierung gebauten Pendants. Ich habe den Eindruck hier werden eher emotionale Labels als politische Kategorien verliehen.

    Einziger Satz, dem ich uneingeschraenkt zustimmen kann, ist: "Das größte Problem an der Debatte ist aber eigentlich, dass die "links"- und "rechts"-Begrifflichkeiten überhaupt keinen großen Erklärungswert mit sich bringen. Sie sind politische Kategorien. Es geht um die Diskreditierung eines politischen Gegners ...".

    Eigentlich haette man es dabei belassen koennen und sich diesen - wie den letzten Beitrag zu diesem Thema - schenken koennen.

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  4. Mir scheint, in dem Kommentar von Ralf M. Leonhardt gibt es ein häufiges Missverständnis, was "Gleichheit" angeht. Die linke Version davon ist keine Gleichmacherei, wie es die Nazis planten. Gleichheit bedeutet bei den Linken Gleichwertigkeit, also Respekt und Chancengleichheit für jeden, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft usw.

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  5. @Nebelwind
    Wer will denn keine Gleichheit / Chancengleichheit? Alle Richtungen und Parteien predigen - ihrem Verständnis nach - Gleichheit und Freiheit. (Es sei denn sie sind so dumm wie die Rechten, die etwa schon gar nicht 'liberal' sein wollen - da scheiterts schlicht an der intellektuellen Reife mehrdeutige Begriffe in ihrem Sinne prägen zu können). Rechte wollen Gleichheit für ihren erlauchten nationalen Kreis - deswegen nennt man sie "rechts". Das betrifft den Gegensatz Internationalismus/Nationalismus, aber nicht konkret die Gleichheitsfrage. Der Gleichheitswahn ist Kernmerkmal von Linken und Rechten - weitestgehend übereinstimmend in gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht (unterschiedlich aber in Herleitung, Rang und Bedeutung). Gleichheit im ursprünglichen Sinne (Gleichheit vor Gott/Gesetz) ist nicht das gleiche wie "Chancengleichheit", wie man es heute interpretiert/pervertiert. Solche Begriffe sind nichtssagend und offen für Missbrauch und Missverständnis. Das kollektivistische Paradox ist ja: Freiheit einzuschränken, damit überhaupt jeder frei sein könne. Die Ergebnisse von Chancengleichheit zu korrigieren, damit wieder Chancengleichheit herrsche. Das Paradox ist nicht aufzulösen. Kollektivisten predigen Chancengleichheit und Freiheit, meinen aber Ergebnisgleichheit und Unfreiheit. Das wollen und können sie nicht zugeben, in ihrer Logik kann Freiheit und Gleichheit, so wie sie pur und radikal zu verstehen ist, nicht funktionieren. Sich von diesen Begriffen zu lösen können sie nicht, sie müssen sie neu interpretieren und ihrem Fundament anpassen. Sie beklagen eine "freie" Marktwirtschaft, aber wollen einschreiten, um Freiheit wiederherzustellen ... das Predigen vom Monopolkapitalismus oder einer radikalen, am liebsten 100%-, Erbschaftssteuer, damit für jeden (wieder) Chancengleichheit möglich und jeder (wieder) frei von vorhandenen Zwängen und Strukturen sei. Nun, hinter solchen Forderungen steckt keine Chancengleichheit, sondern einzig Ergebnisgleichheit. Was nützt es gnädig Chancen zu gewähren, wenn man ins Ergebnis eingreifen will? Man hasst die Bezeichnung "Leistungsträger" und hält einem ständig vor, dass ohne Putzfrauen und Fensterputzer alles zusammenbrechen würde und man Leistung ja gar nicht messen lassen. Eigentlich müsste man alle gleich bezahlen. Aber da sich diese Erkenntnis noch nicht durchgesetzt hat, korrigiert man eben die Ergebnisse. Minimum- und Maximumlöhne, 1:12-Initiative. Für richtige Linke ist das lächerlicher Pseudosozialismus, das ist Konterrevolution, das ist Kapitalismus, weil (immer noch) Elitarismus und nicht Egalitarismus.

    Nein, Kollektivisten sollen bitte schweigen und Begriffe wie "Chancengleichheit" und "Freiheit" nicht in den Mund nehmen. Wann herrscht denn die wahre Chancengleichheit und Freiheit? Welche Zwänge müssen weg, welche Ergebnisse sind akzeptabel? Linke haben keinen Respekt vor Chancengleichheit und Freiheit.

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