Dienstag, 6. November 2012

Hauptsache Macht?

Von Stefan Sasse

Das "Missy Magazine" hat in einem Artikel mit der Überschrift "Hauptsache Frau?" harsche Kritik an der Anwendung der Frauenquote in der Redaktion der Zeit geübt. Zur Erinnerung: Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hatte eine Frauenquote von 30% versproche, weil dies die Homogenität der Redaktionen aufbräche und die Zeitung "interessanter" mache. Nun steigt mit Sabine Rückert die erste Frau in die Chefredaktion auf. Für das "Missy Magazine" ist das Anlass zu schwerer Klage: 
Eine Journalistin also, die sich während ihrer gesamten Karriere nur mit antifeministischen Positionen profilierte. Die die feministische Bewegung diskreditierte, wo sie nur konnte. [...] Jetzt geht es um die Wurst, liebe Kolleginnen. Reicht euch das? Gebt ihr euch damit zufrieden, einfach mehr Menschen mit einer Vagina in leitender Position in den Redaktionen installiert zu sehen? Oder steht ihr mit “Pro Quote” für eine tatsächlich feministische Kritik, die dann zwingend auch beinhalten müsste, für einen Journalismus einzutreten, der Sexismus und Ungleichbehandlung anprangert und für bessere Lebensbedingungen von Frauen eintritt?
Damit spricht das "Missy Magazine" offen aus, was ich schon vor Jahren geschrieben habe: die ganze Diskussion um die Frauenquote ist ein reines Machtinstrument, und zwar nicht zur Durchsetzung der Interessen "der Frau" (eine so diverse Gruppe, dass allein die Idee einer einheitlichen Vertretung wahnwitzig ist), sondern einer sehr schmalen Schicht von Profiteuren. Die Forderung nach einer Frauenquote in den DAX-Vorständen hilft vor allem der schmalen Schicht Frauen, die eine solche Karriere anstreben - dem überwältigenden Rest hilft es überhaupt nicht. Die Frauenquote in den Chefredaktionen dagegen wird vom "Missy Magazine" offen als Möglichkeit gesehen, eigene Truppen an die entscheidenden Schaltstellen der öffentlichen Meinung zu bringen. 

Es geht den Autorinnen überhaupt nicht um eine "Frauen"quote. Das ist lediglich das Label, mit dem man es verkaufen will, denn sich gegen die Frauenquote zu stellen ist eine gewaltige Schwierigkeit, da man leicht als Frauenfeind abgestempelt werden kann. Würde man eine entsprechende Quote, wie das "Missy Magazine" sie anstrebt einfach "Feministinnenquote" nennen, würde es niemals Unterstützung finden. Zurecht, übrigens, denn genausowenig gibt es eine "Liberalenquote", "Sozialistenquote" oder sonstige Quotierungen von Meinungen. 

Wird eine Quote als reines Machtmittel verstanden, um Anhänger und Vorkämpfer einer Minderheitenbewegung an die Schaltzentralen der Macht zu bringen, entbehrt sie völlig jeglichem Nutzen. Schon so ist zweifelhaft genug, ob sie irgendeinen positiven Effekt haben wird; sicher ist, dass sie negative hat. Als reines Machtinstrument eingesetzt aber ist sie nur noch schädlich. Bekämen die Damen vom "Missy Magazine" ihren Willen, so könnte der Journalismus gleich einpacken. 30% der Chefredakteursposten mit jemandem zu besetzen, der qua Quote gezwungen ist, eine bestimmte Meinung zu vertreten, ist blanker Irrsinn. Es wäre an der Zeit, dass jemand aus der Politik die Quotenforderungen als genau das benennt, was sie sind - Lobbyismus einer verschwindend kleinen Minderheit.

Kommentare:

  1. Wenn Frauen, die sich "mit antifeministischen Positionen profilieren" nicht mitgezählt werden dürfen, zählen Männer, die der "feministischen Bewegung" nahe stehen, dann auch für die Frauenquote?

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  2. Richtig, bei diesen ganzen Quoten für Frauen in DAX-Vorständen oder Chefredaktionen handelt es sich um ein "Eliten"-Problem, das nur eine kleine privilegierte Minderheit betrifft. Allerdings ist "Es gehr den Frauen nur um Macht" in diesem Zusammenhang ein Nicht-Argument, denn "nur um Macht" geht es es in diesem Bereich Männern und Frauen gleichermaßen. Nach "Macht" (und den entspechenden Positionen) zu streben ist für Frauen nicht verwerflicher als für Männer und der Hinweis, den Frauen gehe es nur um Macht, in diesem Zusammenhang deshalb irrelevant.

    Man kann durchaus fragen, ob sich die Frauenbewegung mehr um Lidl-Kassiererinnen und Krankenschwestern kümmern sollte, aber das macht das Thema bei DAX-Vorständen oder Chefredaktionen noch nicht obsolet. Und wer weiss, vielleicht, ganz vielleicht, wäre die eine oder andere Frau in einem DAX-Vorstand auch für Kassiererinnen und Krankenschwestern von Vorteil ...

    Und zur "Minderheitenbewegung": die Frauen sind in dieser Gesellschaft nicht die Minderheit, sondern die Mehrheit. Und selbst wenn man die Frauenbewegung als politische Bewegung als Minderheitenbewegung ansehen wollte, da ja nicht alle Frauen sie unterstützen, würde das über die Berechtigung ihrer Anliegen trotzdem nichts aussagen. Auch die Suffragetten waren zu ihrer Zeit eine "Minderheitsbewegung", da Frauen für das Wahlrecht entweder als zu erhaben oder zu dumm galten. Heute ist ihre "Minderheitsmeinung" common sense ...

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  3. Du hast vollkommen recht: Es geht nicht um Frauen - es geht um Macht.
    (sage ich auch schon lange)

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    1. Es geht um Macht für Frauen, also um beides.

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    2. @Anonym
      Nein, glaube ich nicht.
      Es geht um Macht - für Konzerne. Eine Frauenquote befördert den Kampf zwischen den Geschlechtern, spaltet Familien, schwächt die Gesellschaft und stärkt schliesslich die Macht der Konzerne.

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  4. Es geht eben nicht um Macht für Frauen - es geht um Macht für einige Frauen. Mit dem Geschlecht hat das nur sekundär zu tun.

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    1. In Internetdiskussionen mit Feministinnen habe ich immer wieder festgestellt, dass Aufsichtsrats- und sogar Vorstandsposten auch nur als reine Futtertröge der Macht (miss-)verstanden werden. Dann heißt es, es gehe um "ausgeglichene Machtstrukturen" und teilweise wird es auch explizit eingestanden, hohe Mangangmentposten als reine Prestige- und vor allem Machtzentren zu verstehen. Das es sich auch um einen schweren Job handelt (bei Vorstandsposten noch mehr als bei Aufsichtsratsposten) und zwar in _erster Linie_ um einen schweren Job, die Machtkomponente mehr eine Art unvermeidbare Nebenwirkung der Existenz dieser Posten ist, nicht aber der Grund warum es sie gibt, wird nicht wahrgenommen - oder man interessiert sich unter Feministen nicht dafür.

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  5. Wollen mir hier wirklich alle ernsthaft erklären, es mache keinen Unterschied für die Frauenbewegung/Gleichberechtigung, dass alle (!) Vorstandsvorsitzenden der DAX-Unternehmen Männer sind? Das kann doch nicht Euer Ernst sein. Na klar, unmittelbar macht das für die Kassiererin keinen Unterschied, aber es ist doch wohl logisch, dass das allgemeine Bild auf die Leistungsfähigkeit von Frauen auch davon abhängt, ob sich einige in hohen und höchsten Positionen bewähren. Und da kommt frau eben nicht rein, ganz unabhängig von der Qualifikation. Und jetzt komm mir keiner mit der Kanzlöse, das ist Politik und da läuft die Welt anders.

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    1. "Und da kommt frau eben nicht rein, ganz unabhängig von der Qualifikation."

      Und das stimmt eben nicht. Egal wir oft man Frau klein schreibt.

      Aber schauen sie mal auf das Alter von Vorstandsvorsitzenden und überlegen sie dann nochmal, ob selbst die heutige Mangergeneration nicht auch einfach noch ein Ausläufer der 60er/Anfang 70er seien könnten, anstatt eine heutige Diskriminierung.

      Und wenn heutige Finanzunternehmen teilweise weniger BWLer und Ökonomen, sondern Mathematiker, Programmierer und Physiker suchen und sich diese Tendenz verstärkt, dann wird sich vielleicht auch in einigen Jahrzehnten durch eine höhere Frauenquote unter BWLern nur bedingt etwas ändern, solange Frauen nicht in die MINT-Fächer gehen. Aber selbst dann wird sich von selbst die Verteilung verändern und sich zeigen, dass die heute aufgewachsenen Generationen mit Diksriminierung in der Regel nichts am Hut haben. Da ändert keine Empörung etwas und auch keine kollektiven Rachefantasien, die auf Kollektivschuldthesen aufbauen. Schon in einer Generation Unsinn, so trifft es auch noch die absolut falschen Generationen.

      Wenn 40% der neueingestellten Inginiuere bei Autoherstellern weiblich sind, obwohl unter 20% der neuen Diplom-Inginiuere weiblich sind, dann liese sich das ohne Diskriminierung hauptsächlich durch drei Faktoren erklären:

      a) unterschiedliches, durchschnittliches Können
      b) unterschiedliche Varianz
      c) unterschiedlich verteilte Motivation oder unterschiedliche Möglichkeiten für alternativen Lebensentscheidungen, wie z.B. Schwanger zu werden

      Sind Frauen im Durschschnitt im Inginiuersstudium besser? Wäre mir neu.

      Die Varianz ist fast durchgehend bei Männern höher, auch auf Gebieteb, bei denen der Durchschnitt bei Frauen höher ist. Vermutlich also auch hier.

      Und das Frauen eine höhere Motivation haben sollten als Männer, Autos zu konstruieren, nicht im Einzelfall, sondern im Schnitt, lässt sich auch nicht glaubhaft konstruieren. Daneben gibt es noch andere Lebenswege, die Frauen gehen können, Männer aber nicht.

      Es gibt nur eine Erklärung und die wird häufig auch offen eingestanden: Vergangene Diskriminierung soll ausgeglichen werden. Hat teilweise auch Unterstützung bei Männern, inbesondere solchen, die ihre Schäfchen im trockenen haben (Stichwort Managergeneration). In Managmentposten der DAX-Konzerne, vor allem der Telekom, befinden sich dann ja auch entsprechend Befürworter der Frauenquote - natürlich nur für Neubesetzungen, bereits vergeben Posten haben natürlich Bestandsschutz. Da wollen auch Feministinnen nicht offen ran. Vielleicht weil sie wissen, dass sie praktische Verbündete gewinnen können, die sich dadurch als aufgeklärte, moderne Manager einen guten Ruf erwerben können (und Schmutzkampangen abwenden können), ohne das ihnen selber etwas materiell, beruflich oder an Macht abhanden kommt.

      Soweit mein kleiner Rant.

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    2. Kleine Korrektur:

      Einige Feministinnen wollen schon an bereits vergebene Posten herran, obwohl der derzeitige Inhaber nicht in Ruhestand geht, kündigen will oder wegen Inkompetenz entlassen werden soll. Aber die Posten müssten dann mit ungewöhnlich jungen Leuten besetzt werden, um genügend zu haben. Ob das sinnvoll ist? Zweifelhaft.

      Es bleibt dabei: Lobby für eine kleine priviligierte Minderheit, zum Schaden aller.

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    3. 1. Ich versteh die Argumentation nicht. Was stimmt nicht? Dass es keine Vorstandsvorsitzenden in DAX-Unternehmen gibt? Ich hab nicht bei jedem angerufen, aber Wikipedia sagt mir das so... Dass es für Frauen unabhängig vom Können schwerer ist, in höhere Positionen, bzw. unmöglich, ganz nach oben zu kommen? S.o.
      Und dann wäre mein Vorschlag, einfach mal im Bekanntenkreis zu fragen. Bei Frauen, die nach oben wollen, also wirklich motiviert sind. Von allen, die ich kenne (auch meiner Frau), höre ich nur, dass die obersten Zirkel zu sind.
      Und ich erlaube mir das polemisch darauf zu zuspitzen, dass es eben nicht so lustig ist, mit 'ner Kollegin in den Puff zu gehen. Solche extremen Auswüchse findet man natürlich nicht in jeder Branche, aber überall dort, wo die Arbeit später noch beim Geschäftsessen und danach in der Hotelbar weiter geht, spielt es eine Rolle, ob man über anzügliche Witzchen mitlacht oder doch eher genervt ist.

      2. Wer redet denn von Ingenöööören? Oder Bauarbeitern, oder so? Jetzt gerade diskutiert man über die "Elite", wie hier ja ausgiebig geschildert wurde. Gleichzeitig frage ich mich aber, was dagegen sprechen würde, jede Stelle BEI GLEICHER QUALIFIKATION einer Frau zu geben? Was soll daran unfair sein, solange wir Männer ohne eine solche Regelung in den meisten Jobs genau das Gegenteil praktizieren. Und das will doch wohl keiner in Abrede stellen? Allein die hochroten Köpfchen, die alle Arbeitgeber, die ich kenne, bekommen, wenn das Wort "Schwanger" auch nur angedeutet wird!

      3. Natürlich reicht eine Quote nicht, gerade für Männer, die gleichberechtigt leben wollen. Dazu gehört zu allererst, dass Mann nicht mehr überlegen muss, ob er Elternzeit machen will, oder Karriere.

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    4. Auf ihren Beitrag einzugehen lohnt sich eigentlich nicht. Meine Aussagen waren klar. Was nicht stimmt, hatte ich zitiert.

      Vielleicht ist ihre Frau nicht qualifiziert genug?

      Der zweite Punkt ist selbstoffenbarend:

      >>"Wer redet denn von Ingenöööören? Oder Bauarbeitern, oder so? Jetzt gerade diskutiert man über die "Elite", wie hier ja ausgiebig geschildert wurde.<<

      Es geht also nur um die scheinbaren Futtertröge der Macht... Diese Tätigkeiten werden zu Unrecht als reine Futtertröge missverstanden.

      >>Gleichzeitig frage ich mich aber, was dagegen sprechen würde, jede Stelle BEI GLEICHER QUALIFIKATION einer Frau zu geben? Was soll daran unfair sein, solange wir Männer ohne eine solche Regelung in den meisten Jobs genau das Gegenteil praktizieren.<<

      "Wir Männer"? Wir sind kein gleichgeschaltetes Kollektiv. Auch pauschal und gesetzlich eine Bevorzugung von Frauen ins Gesetz zuschreiben hätte nichts mit Gleichberechtigung zu tun... Und wir als staatlich gesichertes Privileg auch so schnell nicht wieder abgeschafft werden, wäre also undynamisch.

      >>Und das will doch wohl keiner in Abrede stellen? <<


      Doch, ich widerspreche ihnen. Subtile Drohung mit dem Herdentrieb und damit PC funktioniert über das Internet nicht so richtig, insbesondere bei pseudonymen Diskussionen. Ich würde ihnen aber auch ins Gesicht widerprechen.


      >>Allein die hochroten Köpfchen, die alle Arbeitgeber, die ich kenne, bekommen, wenn das Wort "Schwanger" auch nur angedeutet wird!<<

      Sie kennen keinen Arbeitgeber mit Pokerface? Keinen einzigen? Alle Arbeitgeber die Sie kennen sind darüber hinaus gleich? Entweder sie erfinden hier etwas oder sie sehen nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit.

      >>3. Natürlich reicht eine Quote nicht, gerade für Männer, die gleichberechtigt leben wollen. Dazu gehört zu allererst, dass Mann nicht mehr überlegen muss, ob er Elternzeit machen will, oder Karriere. <<

      Wie wollen Sie den unterbinden das Menschen, auch Männer, aufhören zu überlegen und nachzudenken? Durch Indokltrination? Sie verwechseln Gleichberechtigung mit statistischer Gleichschaltung. Warum soll sich das Individuum danach richten, was ihr statistischen Idealbild ist?

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  6. Wahre Worte.
    Eine Frauenquote ist ja per se eine Sonderbehandlung von Frauen und damit kann keine Gleichbehandlung erreicht werden, wie auch immer man es dreht. Außerdem habe die letzten Jahre gezeigt, dass einige Frauen in Fühungspositionen zu besetzen - in Schlüsselpositionen wie Kanzlerin, Arbeitsministerin und Familienministerin sogar!- dem Gros der Frauen im Land rein gar nichts hilft. Im Gegenteil.

    Allerdings sehe ich nicht (ich habe den Artikel ganz gelesen), wo die Missy deines Erachtens eine "Feministinnenquote" fordert. Das wäre ja auch ziemlich bescheuert. Viel eher wünscht sich die Autorin mehr feministische bzw. gleichberechtigungsorientierte Mitsprache in der Politik, anstatt der Augenwischerei, die daraus besteht, Frauen zu besetzen, nur, weil sie Frauen sind.
    Nun ist es allein die Sache der ZEIT, wen sie als Redakteur/in besetzt. Aber sich für jemanden wie Frau Rückert als Vorreiter der Gleichberechtigung von Mann und Frau zu bezeichnen (denn gerade im Bereich Journalismus ist eben auch die politische Positionierung gefragt), ist ziemlich - ZIEMLICH - dreist.

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  7. Hintergrund der Frauenquote aus dieser Sicht ist ja meist eine Dekonstruktion der Geschlechterrollen. Die soll eben durch Frauen als Vorbilder in passenden Positionen erreicht werden. Davon verspricht man sich einen Wandel, der dann dazu führt, dass die Quote unnötig wird, weil Mann und Frau keine unterschiedliche Sozialisierung erfahren.

    Dieses eigentliche Ziel wird untergraben, wenn eine Frau ernannt wird, die das System stützt. Und da die Rape Culture eine der klaren Stützen des Systems ist (wie ist mir eigentlich nicht ganz klar, aber sei es drum) ist eine Frau, die die Verurteilung von Vergewaltigern verhindert und Vergewaltigungsmythen verbreitet für das eigentliche Ziel kontraproduktiv. Im Gegenteil: So wird die weibliche Solidarität untergraben, indem eine Stärkung patriarchischer Strukturen belohnt wird.

    Verständlich also, dass man sich bei dieser Personalie aufregt.

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    1. Eigentlich wird aber anders herum ein Schuh draus.
      Wenn man die Kinder eben von vornherein ohne Geschlechterklischees erziehen würde - was sich nur erreichen lässt, wenn auch die Eltern die Gleichberechtigung verinnerlichen, was wiederum nur durch eine Dekonstruktion der Klischees seitens der Bildungsbeauftragten des Landes zu machen ist, schließlich ist es in unserer Demokratie dankenswerterweise noch Sache der Eltern, welche Werte sie ihren Kids vermitteln - wären Frauen als Vorbilder für Mädchen eigentlich überflüssig, da ein Mädchen sich ja auch einen Mann zum Vorbild nehmen könnte. Selbstverständlich gilt das auch umgekehrt, wo wahrscheinlich noch ein weiterer Weg zu gehen ist.

      Es geht bei Frau Rückert m. E. auch weniger um "Das System"(TM), sondern mehr um ihr grundsätzliches Misstrauen gegenüber Frauen und dem Fehlen eines Statements, das einem eigentlich spätestens in der sechsten Klasse klar sein sollte: Frauen werden jeden Tag von ihren Freunden vergewaltigt. Anders als bei Vergewaltigung durch einen Fremden ist die Beweislage hier immer schwierig, noch schwieriger, wenn BDSM im Spiel war. Völlig unabhängig davon, ob Kachelmann schulding ist oder nicht, die Wahrscheinlichkeit, dass er wg. Mangel an Beweisen freigesprochen werden würde, war von Anfang an astronomisch hoch. Diese Tatsache zu leugnen spricht für eine tief verinnerlichte Frauenfeindlichkeit, und es ist dem Missy-Magazin keineswegs zu verübeln, dass sie von der Besetzung einer solchen Person für einen Posten, der in Deutschland meinungs(mit)bildend wirkt, tief enttäuscht sind.

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