Donnerstag, 23. August 2012

Darf man Begriffe benutzen, die bisher der Beschreibung der Verhältnisse in der Nazizeit vorbehalten waren?

Von Stefan Sasse

Unter dieser Überschrift fragten die NachDenkSeiten rhetorisch am 4. Juni nach. Dass ich den Artikel so lange mit mir herumschleppe, hat seine Gründe, denn die Beantwortung der Frage ist alles andere als einfach. Konkret geht es den NachDenkSeiten hauptsächlich um den Begriff der "Gleichschaltung", mit dem sie den großen, übergreifenden Reformkonsens in den Medien beschreiben. Weitere verwendete Begriffe sind "Stürmer-Methoden" (BILD) und "völkisches Denken" für den Rassismus, der besonders mit der Euro-Krise wieder salonfähig wurde. Die Frage wurde von den NachDenkSeiten eher rhetorisch gestellt und auch gleich beantwortet: ja, man darf es verwenden, und die Tabuisierung hat nur dazu geführt, dass diese Methoden quasi unter dem Deckmantel der political correctness salonfähig wurden und nicht als das benannt werden dürfen, was sie sind. Ich möchte dieser Argumentation widersprechen, aus zwei Gründen. Der eine ist eine verkappte Zustimmung zum letztgenannten Punkt, während der andere tiefer geht. Ich möchte daher mit dem ersten beginnen, der sich pragmatischer gebärdet und schlicht der politischen Kommunikation entstammt: Nazi-Vergleiche sind ein Verliererthema. Immer. Wer den Nazi-Vergleich benutzt, verliert (ich habe dazu bereits geschrieben). Es ist deswegen in höchstem Maße ratsam, von der Benutzung abzusehen. 

Nazi-Vergleiche werden häufig von Randgruppen der gesellschaftlichen Diskussion benutzt. Es sind stark linksgeprägte Personen, die beständig die Faschismuskeule schwingen, Verschwörungstheoretiker, die von der Gleichschaltung sprechen, und Rechte, die den Vorwurf umzudrehen versuchen. Ebenfalls gerne dabei sind Unsympathen aus dem Ausland, die den Nazi-Vergleich als billige Polemik nutzen - der Iran etwa. Mit diesen Gruppierungen möchte man nicht in einen Topf geworfen werden; der Nazi-Vergleich ist daher ein schwerer Fehler. Nun könnte man argumentieren, dass gerade deswegen der Vergleich genutzt werden muss - um ihn dieser Gruppe zu entziehen. Tatsächlich ist das Besetzen von Begriffen ein schwer unterschätzter Schauplatz des Kampfs um die Deutungshoheit, und pauschal eine komplette Kategorie von Begriffen und jederzeit abrufbaren Assoziationen aufzugeben scheint nur eingeschränkt klug (siehe hier und hier). In den meisten Fällen würde ich deswegen auch zustimmen: entreißt den Gegnern dieser Gesellschaft ihre eigenen rhetorischen Waffen und lasst sie nackt dastehen! Allein, in den von den NachDenkSeiten zitierten Fällen stehen schwerwiegende fachliche Gründe gegen eine Übernahme dieser Begriffe.

Das größte von den NachDenkSeiten aufgemachte Fass ist der Begriff "Gleichschaltung". Mir ist klar, was sie damit sagen wollen - dass die Medien überwiegend einseitig berichten und nur eine bestimmte Meinung geradezu kampagnenartig vertreten. Allein, das ist nicht, was Gleichschaltung ist. Die Verwendung des Begriffs hier entwertet den Begriff für seine konkrete historische Bedeutung völlig. Würde er dem Willen der NachDenkSeiten gemäß salonfähig werden, so wären wir zwar um einen politischen Kampfbegriff reicher (der bald von allen verwendet und deswegen bald sinnentleert wäre), aber um die Beschreibung eines spezifischen historischen Phänomens ärmer. Mit der Gleichschaltung bezeichneten die Nationalsozialisten vor allem die Zusammenfassung der Länder und die Zentralisierung des Deutschen Reiches; später kam dann die Gleichschaltung aller anderen Lebensbereiche hinzu. Die Gleichschaltung aber setzt eine einzige, übergeordnete Instanz voraus. Selbst wenn der von Albrecht Müller erhobene Vorwurf, dass nur rund 200 Personen alle wesentlichen Medien kontrollieren, wahr ist, so konstituiert das allenfalls eine Plutokratie, aber keine Gleichschaltung. Denn es existiert keine zentrale Stelle, die alle Presseorgane gleichschalten und einem Willen unterwerfen würde. 

Dazu kommt, dass der Vorwurf schlicht sachlich falsch ist. Besonders seit 2009 hat sich die Lage ohnehin wesentlich gebessert, und in vielen Zeitungen herrscht inzwischen eine gewisse Meinungsvielfalt mit Beiträgen zu mehreren (konsensfähigen) Sichtweisen. Zweifellos liegt noch immer ein starkes Übergewicht bei einer Sichtweise, aber von einer Gleichschaltung, bei der alle nur dasselbe schreiben dürfen und das auch kontrolliert wird, kann keine Rede sein. Der Begriff relativiert damit, in diesem Zusammenhang geraucht, nicht nur ein historisches Phänomen, das ein Grundstein der Nazi-Zeit war, es ist schlicht im Gebrauch falsch. 

Schwieriger ist es bei den Vorwürfen der "Stürmer-Methoden" und des "völkischen Denkens". Die BILD ist nicht der "Stürmer", so viel sollte klar sein. Aber die krasse Zuspitzung, Polarisierung und Aufpeitschung beherrscht sie. Allerdings bestehen auch hier ernsthafte Probleme: der "Stürmer" war ein Staatsorgan, das die Aufgabe hatte, die Bevölkerung gegen eine bestimmte Gruppe aufzustacheln und gewissermaßen "auf Linie" zu bringen. Die BILD dagegen ist ein kommerzielles Boulevardblatt, das sein Geld damit macht, an die niederen Instinkte zu appellieren. Das ist ein Unterschied. Der Vorwurf der "Stürmer-Methoden" sollte daher an dieser Stelle ebenfalls unterlassen werden. Er ist unzutreffend, eine riesige Keule und eine schwere Beleidigung. 

Der komplizierteste Fall ist wohl das "völkische Denken". Dies liegt auch daran, dass es sich nicht um ein Nazi-Phänomen handelt. Die völkischen Ideen entstammen dem 19. Jahrhundert und sind eher eine übersteigerte Form des Nationalismus als ein direkter Vorläufer des Nationalsozialismus. Dieser nahm zwar viele Elemente der völkischen Bewegung auf - schon allein, weil diese sehr populär und bekannt war -, unterschied sich aber in einigen Punkten. Die Diversität der völkischen Bewegung und ihre lange Geschichte macht es auch leichter anwendbar. Ich sehe allerdings in der Griechen-Polemik unserer Tage kein "völkisches Denken" in dem Sinne, als dass das deutsche Blut dafür verantwortlich wäre. Wäre dem so, so könnte man den Griechen nicht vorwerfen, zu faul zu sein und sie aufzufordern, einfach dem deutschen Beispiel zu folgen. Läge es am Blut, wären sie dazu ja gar nicht in der Lage. Ganz anders sieht es bei Sarrazin aus: ihm völkisches Denken zu unterstellen ist mit Sicherheit kein Fehler. Viktor Orban kann man es ebenso um die Ohren hauen. 

Zuletzt haben die NachDenkSeiten merkwürdigerweise auch "Rassismus" in ihre Auflistung integriert. Das ist insofern merkwürdig, als dass sie zwar Recht damit haben, dass der Begriff tabuisiert wurde, aber er mit Sicherheit kein nazi-spezifischer Begriff. Daher: ja, den kann man verwenden. Man sollte ihn auch verwenden. Sarrazin das Label des Rassisten anzuhängen war das Beste, das man tun konnte, denn das ist er. Es war falsch von der bundesdeutschen Gesellschaft, Rassismus nur auf tumbe Glatzen zu beschränken und so zu tun, als sei der Alltagsrassismus der bürgerlichen Gesellschaft keiner, sondern vielmehr so was wie das konservative Herz der Deutschen, eine im Grunde liebenswürdige Schrulle. Von den Brandanschlägen auf Asylantenheime in den 1990er Jahren über die entwürdigende Behandlung der Asylbewerber bis hin zu den NSU-Morden lässt sich eine klare Linie aus dem Verschweigen des Rassismus ziehen. 

Gerade deshalb aber ist es wichtig, Begriffe trennscharf zu benutzen. Nicht nur macht man sich selbst lächerlich, wenn man mit völlig unangemessenen Begriffen um sich wirft - man richtet dabei auch viel größeren Schaden bei der Aufarbeitung und Bewertung der dunkelsten Zeit in der Geschichte der Deutschen an. Wenn die Begriffe dieser Epoche (beziehungsweise die, mit denen wir sie beschreiben) völlig entwertet und beliebig in aktuellen Debatten zum bashen des jeweiligen Gegners verwendet werden können, beschreiben sie bald gar nichts mehr, und ein bleierndes Schweigen legt sich über jene Zeit. Wie kann man beispielsweise ernsthaft die Geschichte des Sozialismus besprechen, wo der Begriff zu einer so beliebigen politischen Kampfvokabel verkommen ist? Was beschreibt "neoliberal" denn heute noch, außer jemandem, der nicht mit einem Linken übereinstimmt? Dieses Schicksal sollte man den Begriffen, die die Nazi-Zeit beschreiben, dringend ersparen. Deswegen, liebe NachDenkSeiten, seht von ihrer Benutzung ab. Verwendet zutreffende Beschreibungen und macht sie populär. Vor 1933 war Gleichschaltung auch nur ein Begriff, der Elektrikern vertraut war.
 
Nachtrag:
Ein Leser hat noch weitere Nachfragen gestellt:
Nochmals hallo mit ein paar weiteren Gedanken, die mir im Rahmen Ihres Blogs gekommen sind, während ich mich langsam durch die älteren Beiträge lese.

Zunächst einmal möchte ich anmerken, daß mir die Art, in der die Artikel geschrieben sind, ausgesprochen sympathisch ist, da persönliche Standpunkte, soweit eingebracht, weitgehend in separaten Abschnitten abgehandelt werden, anstatt sie mit dem Faktenmaterial zu vermengen. Eine Tugend, die sich im Internet und gerade bei potentiellen Reizthemen (wozu, wie die weniger lesenswerte Kommentarspalte zeigt, teils auch Ihre Einträge gehören) nicht unbedingt verbreitet ist.

Zum zweiten eine kurze Frage zu Ihrem aktuellsten Artikel über Vor- und Nachteile milieufremder Verwendung faschistisch besetzter Ausdrücke: Ein paar mal habe ich mich auch mit diesem Thema geistig beschäftigt, ohne auf eine konkrete Antwort zu kommen, allerdings in einem anderen Rahmen als die im Eintrag vorhandenen Beispiele. Im Gegensatz zu den klar abwertend und in Assoziation zur damaligen Diktatur gebrauchten Fällen stellt sich mir die Frage, ob es richtig oder falsch wäre, zu damaligen Zeiten pervertierte Sprachfiguren gezielt in einem sachlich passenden Zusammenhang zu nutzen, um sie dem Nazivokabular zu entziehen. Als Extremfall sei hier auf die bekannte Aufschrift "Arbeit macht frei" verwiesen (wenngleich ich die Prämisse nicht gänzlich teile).
Welchen Standpunkt würden Sie hierbei einnehmen?

Eine weitere Frage betrifft den Artikel "Probleme sprachlicher Klarfassung am Beispiel realsozialistischer Diktaturen". In diesem erklären Sie ausführlich, weshalb Sie die Ausdrücke "realsozialistisch" und "Ostblock" verwenden, nutzen aber einen weiteren politisierten Ausdruck relativ unreflektiert. Verbinden Sie mit der Bezeichnung "Warschauer Pakt" eine ähnliche Stellungnahme, die Sie diesen gegenüber dem "Warschauer Vertrag" bevorzugen läßt, oder handelt es sich hierbei eher um sprachliche Gewohnheit?

Und zuguterletzt noch eine Frage zu dem Artikel über "Erinnerung und Geschichtsbewußtsein der Deutschen" vom Februar des letzten Jahres. Ein größerer Teil des Artikels wird durch zeitgenössische Sichtweisen, insbesondere in zunehmend revisionistischer Form zum Nationalsozialismus, eingenommen. In diesem Zusammenhang mußte ich an die Grabrede zu Ehren des damaligen Strafrichters und späteren Landespolitikers Hans Filbinger denken, dessen Nachfolger hierbei die Taten als "inneren Widerstand" einordnete, möglicherweise in einem falsch verstandenen Anfall von Pietät. Die Kritik an der Aussage war heftig, soweit ich mich erinnern kann, wobei ich mir unsicher bin, ob es auch Stimmen gab, die das ähnlich sahen.
Wie würden Sie im Rahmen Ihres Artikels dieses Ereignis einordnen?

Noch einmal im Voraus danke für die Antwort (und in Vorfreude auf weitere Blogartikel)
Jerry
 Meine Antwort: 
Hallo Herr Laval,

prinzipiell ist die Idee, Dinge dem nationalsozialistischen Sprachschatz zu entziehen ja in Ordnung. Aber wozu? In welchem Zusammenhang möchte ich "Arbeit macht frei" denn tatsächlich nutzen? Ich kann sagen "Arbeit wirkt befreiend", ohne Probleme, und habe mich wahrscheinlich auch noch präziser ausgedrückt. Ich denke, die lingua tertii imperii sollte als solche gebrandmarkt bleiben, schon alleine, damit wir sensibilisiert bleiben für das Problem von entmenschlichender Sprache generell. Worte wie "Sonderbehandlung" oder "Endlösung" haben ja dasselbe Problem. Ich könnte auch Waren in mein "Konzentrationslager" bringen, wo ich eben alle meine Samsung Bildschirme, die ich verkaufe auf einem Punkt konzentriere, aber warum, wenn ich "Zentrallager" sagen kann? Der Vorteil der Sprache als reines Nazi-Vokabular ist, dass ich deren Praktiken sehr präzise fassen kann. Wenn ich im Kontext des Nationalsozialismus von Sonderbehandlungen rede weiß ich, was gemeint ist. Ich kann dann auch im Kontext eines modernen Genozids sagen, dass die Praxis sich an die Sonderbehandlungen der Nazi-Zeit anlehnt - und wieder weiß ich sofort, was gemeint ist. Das ist nicht der Fall, wenn ich den Begriff wieder in den Allgemeinwortschatz überführt habe.
Und genau damit wären wir bei Ihrem zweiten Punkt. Die Verwendung des Wortes "realsozialistisch" dient der Differenzierung zwischen der sozialistischen Ideologie und den Staaten, die sie zu ihrer Legitimierung nutzten. Würde ich die DDR und die anderen Warschauer-Pakt-Staaten "sozialistisch" nennen, so würde ichd en Sozialismus als Ganzes diffamieren. Stattdessen kann ich so differenzieren. Das ist etwas, was ich bei "nationalsozialistisch" ganz bewusst will - jede Verwendung des Begriffs soll sofort das Dritte Reich assoziieren, ebenso "Sonderbehandlung" oder "Gleichschaltung".
Der Warschauer Pakt ist genauso wie der Ostblock eine sprachliche Gewohnheit. Wenn ich mich nicht irre wurden die Begriffe aber ebenfalls verwendet.
Was Oettinger betrifft, so versuchen die Konservativen seit langem, in diese Richtung zu gehen. Kohls "geistig-moralische Wende" 1982 hatte dieses Ziel; Oettinger ist da ein relativer Spätzünder. Ich denke in seinem Fall war es einfach unbedachte Pietät, aber es gibt definitiv Menschen, die so denken, und auch zahllose Menschen, die Filbingers Aussage zustimmen würden, weil sie die Implikationen nicht verstehen.

Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich unseren Mailwechsel unter den Artikel ergänze, gegebenenfalls anonym?

Liebe Grüße
Stefan Sasse

Kommentare:

  1. Zustimmung, gerade Gleichschaltung sehe ich auch extrem kritisch, weil der Begriff eine völlig neue Bedeutung bekommt. Klar, jeder weiß, was die NDS oder sonstwer damit meinen, aber es ist eben was anderes als die Nazi-Gleichschaltung, also sollte man sich lieber etwas anderes ausdenken.
    Außerdem (und bei Albrecht Müller gehe ich davon aus, dass es bewusst geschieht) hat der Begriff mMn immer einen verschwörungstheoretischen Beigeschmack, dass ALLES von einer herrschenden Instanz gelenkt und bestimmt ist.
    Bei Müller ist das ja sicherlich gewollt, aber im Ursprungsartikel der TAZ macht Misik ja schon deutlich, dass es sich eben nicht um eine gelenkte Sache handelt (er setzt es übrigens auch in Anführungszeichen) Sprich: irgendwer sollte hier am besten ein neues Wort erfinden :)

    Über Rassismus bin ich übrigens auch gestolpert und mir unverständlich, wie das in diese Liste reingerutscht ist. Das passt vielleicht mit Tabuisierung zusammen, aber ein Nazibegriff ist es nicht.

    Mir ist übrigens dieser Zeit-Artikel noch aufgefallen, weil da in der Überschrift direkt Kristallnacht draufsteht und im Text auch noch von Volkszorn geschrieben wird. Gerade Volkszorn sehe ich kritisch, weil ich das Gefühl habe, dass der Begriff eine Renaissance erlebt.

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  2. Gleichschaltung....kritisch sehen, weil NS-Zeit belastet...(Ach ja, welch tolles Argument;)
    Also wenn Sie nicht in der Lage sind, die "Gleichschaltung" unserer so genannten "freien" Medien zu sehen, dann empfehle ich Ihnen den Augenarzt zu wechseln und sich einen Blindenhund anzuschaffen.
    Wenn man eine (leider)reale Tatsache beim Namen nennt, kommt die letzte Waffe der Gutmenschen zum Einsatz: Die Nazikeule, sprich Zensur.

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  3. .....wie wäre eseigentlich, wenn dir die deutsche Sprache gleich mal abschaffen....denn schliesslich sprachen die "Nazis" ja deutsch.....

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  4. Lieber Stefan Sasse,

    entschuldigen sie bitte, dass ich sie der "korintenkackerei" bezichtige und ihnen widerspreche. In Deutschland gibt es doch eine sehr ausgeprägte Gleichschaltung, insbesondere in den Medien. Natürlich gibt es Ausreißer. Aber eben nur Ausreisser.Damit steht doch die Tendenz fest, oder ? Das Einzige, was uns von einer Gleichschaltung noch fern hält, ist unser Recht auf freie Meinungsäußerung. So einfach ist das. Und Viele machen ausgiebig Gebrauch davon, in der Hoffnung darauf, Gehör zu finden.

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  5. @anonym, bist du wirklich sicher, dass die nationalsozialisten deutsch gesprochen haben?

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  6. Nein, es ist keine Gleichschaltung. Was die Medien tun ist Opportunismus. Es ist keine Linie, die einfach von oben verordnet wird. Und es sind auch nicht einfach nur ein paar Ausreißer. Ich würde grob schätzen, dass es sich im Rahmen 70:30 bewegt. Deutliches Übergewicht für eine Seite, aber von Gleichschaltung kann keine Rede sein.

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    1. Ok, eine von "oben" angeordnete Gleichschaltung sehe ich auch nicht, ich glaube das steht auch ausser Frage. Aber offenbar eine selbst auferlegte. Eben Opportunismus, wie sie doch richtig bemerken.Und das ist doch ein wenig abgemildert ausgedrückt, haarspalterei.
      Mit der Einschätzung 70:30 stimme ich auch opportun überein ;-)

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    2. Das ist es ja aber gerade. Gleichschaltung ist etwas anderes. Man kann sie sich nicht selbst auferlegen, sie wird auferlegt. Opportunismus ist etwas völlig anderes - und sollte entsprechend benannt werden. Bei einem Drittel abweichender Meinungen noch von Gleichschaltung zu sprechen ist absurd. In der gleichgeschalteten Welt gibt es keine Abweichungen.

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    3. Wenn aber öffentliche Meinung Alternativen bewußt oder unbewußt ausblendet, ist es Opportunismus. Mit der Gleichschaltung sind wir doch völlig einer Meinung. Bitte genauer Lesen, sonst nenne ich es wieder korintenkackerei ;-)

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    4. Nennen wir es freiwillige Reihenschaltung mit Links-Sicherung?
      Logisch, dass es keine Gleichschaltung wie im Nazireich gibt, keinen polternden Gröfaz, weil das ja evtl. etwas zu auffällig wäre.
      Ein wenig Pluralismus kann sich unsere Junta ja leisten und ist taktisch klüger. Solange Friede Schleicher und Liz Hugenberg als inoffizielles Propagandaministerium die öffentliche Meinung bestimmen, brauch es keinen totalen Totalitarismus, da hat man aus der Geschichte dazugelernt. Heute ist das halt subtiler und dadurch effizienter.
      Unter das Bild unserer Staats-Allmutter im alten Fetzen beim Opernbesuch druckte die WAZ einen Vergleich mit dem blauen Umhang der beschützenden Gottesmutter und wurde als Zeichen für Europa fürs Sparen hochgedeutet.
      Aber wenn es dazu auch kritischere Artikel gibt: Was bleibt in den Köpfen wohl hängen? Die sachliche Analyse ihrer "Sparbemühungen" oder das sympathische Bild der religiösen Ikone?
      "Mutter Angela, beschütze uns vor der Verantwortungslosigkeit der südländischen Untermenschen und der Sozialdemokratisierung der CDU!"

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    5. Genau gegen diese Idee verwehre ich mich aber. Es gibt keine übergeordnete Verschwörung zur Beeinflussung der Meinung, mit einem Plan einige Feigenblätter zu installieren.

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    6. Ich meinte auch nicht, dass es eine "Verschwörung" gibt.
      Dass da Leute in der Kutte im Keller sich gegenseitig die Palme wedeln und Babys opfern, ist düstere Verschwörungs-Folklore, (wohl nicht grundsätzlich auszuschließen, da rennen ja einige Soziopathen rum,) aber völlig belanglos in der Sache. Man kennt sich, man ist sich einig und spielt sich die Bälle zu, Synergieeffekte in einer homogenen Elite. Amigo-Wirtschaft. Man geht nicht in die Gruft, man geht schlimmstenfalls zusammen in den Puff. Die Annahme, dass der Ober-Bilderberger da seinen Gästen einen Zettel mit durchzusetzenden Maßnahmen in die Hand drückt, ist bei den dort versammelten Primadonnen und Selbstdarstellern schon grotesk. Aber dass da eine subtilere Gruppendynamik jenseits demokratischer Strukturen zum Tragen kommt, kann man doch kaum bestreiten. Sich selbst verstärkende Elite-Rückkopplungen. Wer sich nicht gefügig zeigt, wird nicht mehr eingeladen, ist nicht mehr wichtig, verliert den Draht zu den Mächtigen, zur Wirtschaft. Wer seine Interviews nicht autorisieren lässt, bekommt keine Interviews mehr "gewährt", das Blatt mit Anzeigenverlust bedroht.
      Ich behaupte ja nicht, dass da kritischere Blätter "installiert" werden, man lässt solche (beinah)Ausnahmeerscheinungen einfach gewähren, weil sie völlig belanglos sind. Sie erfüllen aber genau die (erwünschte) Funktion eines Feigenblattes.
      Ob man sich dazu dann einen übergeordneten Lenkungskreis dazu vorstellt, ist völlig egal:
      Es zählt, was in den Köpfen hängenbleibt, was unter dem Strich rauskommt. Und die Verschiebung des Gesamt-Koordinatensystems nach "rechts" war doch wohl sehr erfolgreich, wenn man sich die Heitmeyer-Studien so anguckt.

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  7. Was heisst "nicht von oben verordnet"? Natürlich ist sie das! Von den Herrschenden, den finanziell Mächtigen, den Einflussreichen, den Meinungsmachern usw. - nur weil kein Manifest und kein Diktator existiert, heisst das nicht, dass es keine Gleichschaltung gibt!

    Die Medien sind gleichgeschaltet, sie bedienen sich ALLE der Nachrichtenagenturen und schreiben ALLE das Gleiche. Ein vergleichender Blick in die Online-Medien sollte genügen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und ja, man kann und sollte sie auch so nennen (dürfen)!

    Abgesehen davon sprichst Du von der Sensibiliserung von Begriffen und benutzt gleichzeitig den Begriff "Verschwörungstheoretiker´". Ein Schlagwort, das nur dazu dient andersartige Denkweisen und Ansichten zu denunzieren. Jeder, der also schreibt, es gäbe eine Gleichschaltung in Deutschland, ist somit ein "Verschwörungstheoretiker". Diesen Begriff benutzen vor allem liberale Linke gerne, um Alternativen jenseits des linken mainstreams im Vorfeld als unglaubwürdig zu diffamieren.


    P:S: Neoliberalismus ist kein inhaltsleerer Kampfbegriff von vermeintlich linksradikalen Extremisten, sondern beschreibt eine konkrete und weltweit dominierende wirtschaftspolitische Denk- und Handlunsgweise: Flexibilität, Deregulierung, Privatisierung, Liberalisierung, Sozialabbau und Lohndumping.

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  8. Ich benutze "Verschwörungstheoretiker" hier voll absichtlich denunzierend, weil ich von diesen Ideen überhaupt nichts halte ;)

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  9. Eine kleine Korrektur: der STÜRMER war kein "Staatsorgan", sondern - wie BILD - eine private Zeitung, die zwischen 1923 und 1945 vom privaten Stürmer-Verlag (Herausgeber: Julius Streicher) herausgegeben wurde. Streicher wurde zwar von Hitler protegiert, der Verlag stand aber nie unter direkter Kontrolle des Staates.

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    1. Ich glaube, eine private Zeitung wie BILD war der Stürmer trotzdem nicht. Das Ding war ja 100% staatstreu. Das kann man nicht als rein privat ansehen.

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  10. Langsam wird es Zeit, dass die Deutschen mal den geschichtlichen Abschnitt des "Tausendjährigen Reichs" mal ganz normal und locker sehen.

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    1. Ja genau, das kriegen wir diesmal besser und länger hin. War ja nicht alles schlecht und eine Frau konnte nachts allein durch den Wald gehen und Autobahn und Lichtenhagen - Herr lass Hirn.

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    2. Aha. Und was genau ist "normal und locker"?

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  11. @ Stefan Sasse

    Von "Gleichschaltung" zu reden ist einfach falsch, trotz der Nachrichtenagenturen und trotz der Übereinstimmung der meisten Wirtschaftsjournalisten in wirtschaftspolitischen Fragen. Es gibt nun mal keine Reichsschriftumskammer die bestimmt, wer was veröffentlicht. Schirrmacher, aber auch Flassbeck, Münchau oder Dirk Müller hätten sonst längst Schreib- oder Berufsverbot. Hier stimmen bei den NDS einfach die Dimensionen nicht.

    Allerdings bin ich über den Begriff "Faschismus-Keule" in Deinem Beitrag gestolpert. Der Begriff des Faschismus wird heute weitgehend sinnentleert verwendet (manche wähnen uns ja gegenwärtig schon im "Wirtschafts-Faschismus") und damit die ungeheuere Bösartigkeit des historischen Faschismus verharmlost.

    "Auschwitz-Keule" geht bekanntlich auf Martin Walser zurück, der damit das ständige Erinnertwerden an die Nazizeit abwehren wollte. Linke wie Rechte wehren sich beständig gegen die "Antisemitismus-Keule".

    Der Begriff der "X-Y-Keule" ist also auch belastet. Ich schlage daher vor, ihn ebenfalls nicht zu benutzen.

    P.S. Der Begriff der "Lebenslüge" im letzten Beitrag war mMn sehr treffend gewählt.

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    1. Ich stimme dir 100% zu. Falls ich einen gegenteiligen Eindruck erweckt habe - sorry.

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  12. arbeiten bis 65 ------ dazu noch gekürtzte rente --- arbeit ist besser wie sozialhilfe wenn du krank bist dann arbeite halt weniger gekürtzte leistungen bei der gesundheit aber nein kein paralelen erkennbar

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  13. @ Stefan Sasse

    Wenn man von "Gleichschaltung" im Sinne der Nazizeit spricht , so ist es natürlich richtig , daß es sich um eine solche nicht handeln kann .

    Es stellt sich aber die Frage , ob dieser Begriff nicht auch verwendet werden darf für Vorgänge , die nicht von der einen Obrigkeit im klassischen Sinne einer Staatspartei verordnet werden , sondern in einem komplizierten Geflecht von lobbyistischer Einflußnahme , dem genannten Opportunismus und dem für deutschen Journalismus so typischen Herdentrieb entstehen.

    Sie interpretieren das sehr konsequent , ich selber würde das etwas lockerer sehen.

    Hinzu kommt , daß sich Begriffe in ihrer sprachlichen Verwendung auch ( mitunter drastisch )ändern können , "neoliberal" ist ein Paradebeispiel, ob sich Nazi-Begriffe ändern dürfen , ist dann wieder eine eigene Frage.

    Wer jedoch die Verwendung von "Gleichschaltung" im genannten Zusammenhang ablehnt , muß diese Maßstäbe auch an den eigenen Einsatz von Bezeichnungen anlegen , umgekehrt von "Verschwörungstheorien" zu sprechen, gegenüber der unübersehbaren Beeinflussung vieler Medien , ist nicht nur falsch , sondern dann auch inkonsequent.

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    1. Warum einen Nazi-Begriff umdeuten? Umdeuten muss man ohnehin. Warum also einen Begriff, der eine hervorragende und vor allem nützliche Funktion erfüllt zerstören?

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    2. wenn auch nicht in direktem Zusammenhang mit ihrem Beitrag stehend, möchte ich dennoch folgendes von Volker Pispers,wie es auch die Nachdenkseiten tun, empfehlen:
      http://www.wdr2.de/unterhaltung/kabarett/volker_pispers102.html

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  14. @ Stefan Sasse

    Auf Teufel komm raus umdeuten bringts nicht , stimmt , ich hätte "Gleichschaltung" allerdings eher als allgemeinen Begriff gesehen für ähnliche Vorgänge in totalitären Systemen, aber es stimmt schon , er wird in der Regel im Zusammenhang mit den Nazis verwendet.
    Vielleicht wäre "Gleichmachen" ein besserer Begriff, allerdings würde ich Begrifflichkeiten jetzt auch nicht überbewerten , gerade die politische Linke verliert sich auch mal gerne in solchen Diskussionen.

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  15. Die Themen werden von den 5 großen Nachrichtenagenturen verbreitet - dort erfolgt die erste Vorauswahl. Und von dem was dann in den Medienagenturen ankommt wird noch mal ausgesiebt. Klar gibt es keine Behörde. Es wird überall dazu gelernt. heute funktioniert das über Einkommen.
    Die meisten Journalisten sind Freiberufler. Was bieten sie also an? Doch das, was der Redakteur will. Und der muss im Rahmen des Mainstreams bleiben, sonst ist er auch seinen Job los. Also verwenden alle die innere Schere im Kopf und alle sind happy. Wenn nicht ist man halt weg vom Fenster (Herrmann, Meiser usw.) oder steigt aus (Hörstel). Aber das muss man sich halt leisten können ?? Heute wird man eben finanziell ruiniert - vor hundert Jahren erschossen. Und sich ans Gewissen zu halten ist nicht gewünscht. Da kann ich ja nix dafür - das ist Sache des Auftraggebers/Arbeitgebers. Ich mach ja nur meinen Job. Hab ich schon mal gehört, irgendwo?
    Definition Faschismus: Zusammengehen von Wirtschaft und Politik (Mussolini). Nun, heute ist das halt Spende, Lobby usw. Und zufälligerweise landen Politiker oft bei entsprechenden Firmen. Da muss ja irgendwann mal eine Rekrutierung stattgefunden haben. In Italien sind sie da offener: Geldumschlag rüber und OK, hier wird halt erst danach bezahlt (Jürgen Roth - Mafialand Deutschland).
    Interessante Betrachtungen bei freiwilligfrei.de - downloads
    MfG

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  16. Es gibt in der Tat wohl keinen übergeordneten Gleichschalter, der nicht Genehmes nicht genehmigt oder verbietet.
    Aber was es gibt, hat ein Geschmäckle:
    http://www.freitag.de/autoren/jaugstein/wozu-noch-journalismus-beitrag-zu-einer-serie
    "Ein paar Monate zuvor, am 8. Oktober 2008, hatte es ein sonderbares Treffen gegeben, das in diesem Zusammenhang Erwähnung finden soll. Die Bundeskanzlerin hatte an jenem Tag die bedeutenden Chefredakteure der bedeutenden Medien eingeladen. ... Merkel bat die Journalisten, zurückhaltend über die Krise zu berichten und keine Panik zu schüren."
    Und bis auf wenige Ausreißer haben sie sich daran gehalten und den faulen Griechen erfunden.
    Schwarze Pädagogik ist out, heute fühlen sich Chefredakteure gebauchpinselt, wenn SIE ihnen das Patschehändchen reicht.

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