Dienstag, 21. August 2012

Vereinbarkeit von Familie und Beruf - Die Lebenslüge einer Gesellschaft

Von Stefan Sasse

Anne-Marie Slaughter war so eine Art Vorzeigefrau des amerikanischen Feminismus. Sie war Planungschef im Stab von Außenministerin Hillary Clinton - eine extrem anspruchsvolle Aufgabe, entscheidend in den Abläufen von Politik. Sie war die erste Frau auf dem Posten. 2011 ist sie zurückgetreten, zugunsten einer Professorenstelle in Princeton. Weder vom Anspruch, noch von den Arbeitszeiten, noch vom Gehalt her war dieser Schritt ein besonders schwerer Bruch. Schwer war vielmehr die Begründung, die sie in einem Gastartikel des "Atlantic" gab. Die Überschrift: "Why Women Still Can't Have It All". Darin erklärt sie, dass sie es nicht länger habe ertragen können, die Beziehung zu ihren Kindern und auch ihrem Mann so verkümmern zu sehen und dass Frauen damit eben mehr Probleme hätten als Männer, weswegen sie eben immer noch nicht "alles" haben könnten, Familie und Beruf. Der Artikel hat hohe Wellen geschlagen, viele Feministinnen betrachteten ihn als Verrat - was Quatsch ist, denn eine Professorin in Princeton ist nicht gerade ein Feigenblattposten, um eine Rückkehr hinter den Herd zu verbergen (Kommentar Slaughter: "I can't even cook"). Um eine Argumentation à la Hermann geht es Slaughter offensichtlich nicht. Sie lamentiert eigentlich nur, dass die aufreibenden Top-Jobs an der Spitze von Unternehmen oder Staaten für Frauen nicht mit einer Familie vereinbar seien. Und genau an dieser Stelle ist der Knackpunkt, denn sie sitzt der Lebenslüge einer ganzen Gesellschaft auf und verbreitet sie weiter, der Lebenslüge, die die Familienpolitik der letzten zehn Jahre geprägt hat: dass Familie und Beruf überhaupt "vereinbar" seien.

Blick nach Deutschland. Schon immer sind manche Politikbereiche als wichtiger und ernsthafter angesehen worden als andere. Den Finanz- und Außenminister können die meisten  benennen, aber beim Verbraucherschutz und Verkehr wird es dann meistens doch eher schwierig. Manchmal wandeln sich die Politikbereiche, weil die Umstände andere Gewichte erforderlich machen. Das Wirtschaftsministerium etwa verliert vor dem Hintergrund internationaler Finanzkrisen hinter dem Finanzministerium so deutlich an Boden, dass es nicht nur dank seiner FDP-Besetzung inzwischen praktisch irrelevant ist. In den letzten zehn Jahren transformierte sich besonders ein Politikbereich vom Nieschengeschäft zum Topthema: die Familienpolitik. Gerhard Schröder sprach noch in seiner gewohnt charmanten Art vom Ministerium für "Frauen, Familie und Gedöns". Inzwischen nimmt Familienpolitik besonders wegen des Erziehungsgeldes im Bundeshaushalt einen immer größeren Anteil ein. Das Ziel hinter den Maßnahmen ist zweigleisig: einerseits soll den Frauen, denen der biologische Nachteil des Kindsaustragens zwangsläufig die Karriere erschwert der Weg geebnet werden, andererseits diese Last so zwischen Mann, Frau und Gesellschaft verteilt werden, dass trotz Karriere Kinder möglich sind. Zu diesem Zweck vor allem wurde das Elterngeld eingeführt, das unter der Zielsetzung, mehr Kinder unter "Karrierehaushalten" zu schaffen, als gescheitert angesehen werden muss. Aber diese Idee war auch von Anfang an ein Irrweg, denn es sind nicht die Finanzen, die Topverdiener von der Familienplanung abhalten. Gerade sie brauchen die finanziellen Linderungen am wenigsten.

Sowohl die gesamte Debatte als auch die oben skizzierte Familienpolitik aber leiden unter einem grundsätzlichen Problem: ihrer unhaltbaren Prämisse. Slaughter versucht ebenso wie die Familienpolitiker der letzten Jahre und "Karriere-Feministen", die das Ziel der Frauengleichberechtigung auf Karrieren und Vorstandsposten reduzieren, einer Idee das Wort zu reden, die völlig unerfüllbar ist. Sie postulieren, dass Frauen - in Slaughters Worten - immer noch nicht alles haben können. Wie sie auf die wahnwitzige Idee kommen, dass Männer alles haben könnten, erschließt sich mir nicht. Slaughter hat sicher Recht wenn sie sagt, dass Männer wesentlich häufiger als Frauen die Interessensabwägung zwischen der Familie und den zermürbenden Anforderungen eines Spitzenjobs zugunsten des Jobs abschließen. Das aber lässt sich nicht durch politische Maßnahmen lösen. Egal wie viel Geld in Ausgleichszahlungen gepumpt wird, das Ziel wird dadurch nicht näher kommen als heute. Das liegt daran, dass die Belastung eines solchen Führungsjobs den ganzen Menschen erfordert. Das ist der Preis, der damit einhergeht, schon immer gewesen. Herumreisen in der Weltgeschichte, Meetings bis nach Mitternacht, Arbeitsbeginn um spätestens sechs Uhr früh, ständiger Stress und Druck gewaltiger Verantwortung - all das gehört inhärent zu diesen Jobs dazu. Und das ist auch ein wesentlicher Grund, warum viele Menschen diese Jobs überhaupt nicht machen wollen (eine vernünftige Entscheidung, nebenbei bemerkt). Es braucht schon eine gewisse Mischung bestimmter Charaktereigenschaften, um das durchzuhalten. Geltungsbewusstsein, brennender Ehrgeiz, eine gewisse Hybris, hohe Belastbarkeit, Arroganz. Diese passen nur wenig zu einem erfüllten Privatleben im Kreis der Familie.

Dazu kommen die Anforderungen eines solchen Jobs selbst, wo man sich Fehlzeiten einfach nicht leisten kann. Einige Spitzenpolitiker haben das in der letzten Zeit eindrucksvoll bewiesen. Kristina Schröder und Andrea Nahles sind beide innerhalb von Wochenfrist nach der Entbindung wieder auf ihren Posten gewesen. Warum? Weil sie sie sonst nicht hätten behalten können. Nahles hat sich darüber auch beklagt. Sigmar Gabriel steckt gerade Häme dafür ein, dass er während der Babypause die SPD-Programmdebatte führt. Er ist der Vorsitzende der größten deutschen Partei - ist es ernsthaft vorstellbar, dass er ohne Auswirkungen auf seine politische Arbeit einfach mal für zwei Monate auf Tauchstation gehen kann? Könnte es funktionieren, dass ein Josef Ackermann etwa mal für ein halbes Jahr das Baby hütet, während - ja wer eigenlich? - die Deutsche Bank weiterführt? Und danach kann man reibungslos wieder einsteigen? Diese Lebenslüge gehört endlich als solche benannt. Familie und Spitzenjob lassen sich nicht vereinbaren, weder für Frauen noch für Männer. Beide müssen für diese Positionen ungeheur viel opfern. Wenn sie das wollen, ist das ihr Bier. Ich kann nicht nachvollziehen, was daran so attraktiv ist, aber scheinbar gibt es Menschen, die diese Jobs haben wollen. Man kann aber, um erneut auf Slaughter zurückzugehen, einfach nicht alles haben. Die Anmaßung, die in dieser Überschrift steckt, ist absurd. Man muss sich nun mal entscheiden. Alles geht nicht. Punkt, aus, Ende.

Verlassen wir damit das luftig-entrückte Gebiet der absoluten Spitzenpositionen und begeben uns auf das Feld normaler Berufstätigkeit. Wie sieht es hier aus, jenseits der privilegerierten Positionen? Tatsächlich kann kaum jemand behaupten, dass die Gleichberechtigung im Sinne einer Gleichheit der Chancen und der Auswahl von Lebensentwürfen bereits erreicht sei (rechtlich ist sie erreicht). Noch immer haben es Frauen ungleich schwerer als Männer, eine "normale" Karriere zu verfolgen (also eine, die nicht eine der beschriebenen Spitzenjobs zum Ziel hat). Und, das ist die andere, praktisch nie debattierte Seite der Medialle, noch immer haben es Männer ungleich schwerer als Frauen, sich der Familie zu widmen. Die Entscheidung, welcher Partner arbeiten geht und welcher die Kinder hütet wird, so sie ansteht, noch immer überwiegend entlang alter Rollen entschieden: Mann arbeitet, Frau bleibt zuhause. Zum Teil hat das biologische Gründe (besonders was die Erholung nach der Geburt angeht, deren gewaltige Anstrengungen den Frauen kein Gesetz der Welt abnehmen kann), zum Großteil aber herrschen noch immer alte Klischees vor. Diese aber treffen Männer und Frauen gleichermaßen (ein gutes Beispiel dafür ist dieses Interview, das Geschlechterklischees von weiblicher Seite geradezu forciert). Postuliert man, wie es die aktuelle Debatte tut, den beruflichen Erfolg als höchstes Ziel, so leiden unter diesen Klischees hauptsächlich die Frauen, weil die Männer ohnehin qua Rollenbild in dieser Position sind.  Das aber ist einseitig und ungerecht. Männer, die sich der Familie widmen wollen und etwa die ihnen gesetzlich zustehenden zwei Monate Elternzeit nehmen wollen, sehen sich oft Unverständnis und Anfeindungen ausgesetzt, gerade auch seitens des Arbeitgebers. Dies ist kein weitverbreitetes Problem, weil gerade die Geschlechterklischees dafür sorgen, dass die Nachfrage seitens der Männer nicht besonders hoch ist. Es zeigt aber deutlich, wie die Rollenbilder sich für beide Seiten einschränkend auswirken.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist darüber hinaus auch aus ganz anderen Gründen eine Lebenslüge der Gesellschaft. Selbst wenn wir die Geschlechterklischees in einem Gedankenexperiment elimieren und die Spitzenjobs aus unserer Gleichung streichen, so werden zwei Partner, die beide arbeiten, einfach nicht so viel von ihrem Kind haben können wie Paare, in denen nur eine Person arbeitet (die dann zwar auch nichts hat, aber wenigstens der andere Partner). Der Ausgleich dieser Problematik lässt sich nur auf eine Weise bewerkstelligen: wenn die Jobs derart flexibel würden, dass sich die Partner praktisch abwechseln können (einer arbeitet vormittags, einer nachmittags), die Bezahlung proportional und, vor allem, die Aufstiegschancen und Berufsfelder gleich sind. Das bedeutet, dass ein in Teilzeit arbeitender Partner die gleichen Jobs machen und in ihnen aufsteigen können müsste wie jemand, der dort in Vollzeit arbeitet. Das ist in den meisten Berufen völlig utopisch (in meinem eigenen Berufsfeld ist es möglich, aber der öffentliche Sektor bietet ohnehin bei der Familienplanung viele Vorteile, die der private nicht hat). Und genau hier liegt das Problem. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfordert derart massive Umbauten an der bisherigen Struktur von Erwerbsarbeit, dass zuerst einmal fraglich ist, ob sie überhaupt möglich sind. Man kann sich das Geschrei der Wirtschaftsvertreter über die Wettbewerbsfähigkeit des Landes unter solch massiven Einschränkungen bereits vorstellen, und gänzlich unberechtigt ist es ja auch nicht. Bis diese Frage geklärt und angegangen ist werden Paare mit Kindern immer Nachteile haben. It comes with the territory.

Kinder und Familie sind anstrengend und kosten Geld, das ist ein Fakt. Die Politik wird wahrscheinlich nie in der Lage sein, diese Lasten komplett zu lindern und gleichmäßig auf die Gesellschaft umzulegen. Sie kann nur versuchen, es möglichst leichter zu machen. Das Elterngeld war ein guter Schritt in diese Richtung. Es steht zu hoffen, dass weitere folgen werden. Finanzielle Erleichterungen sind das Eine. Ebenfalls notwendig ist tatsächlich der Ausbau der Kinderbetreuung, eine Aufgabe, die bisher vernachlässigt wurde und nun zum hektischen Aktionismus der "Krippenoffensive" geführt hat. Doch auch hier gilt: Eltern wollen Kinder nicht, um sie danach in die Krippe zu packen. Sie wollen so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen. Der Ausgleich zwischen den eigenen Wünschen, zu denen oftmals auch die berufliche Betätigung gehört, und denen an das Zusammenleben innerhalb einer Familie ist schwierig, ein dauerhafter Drahtseilakt. Der Staat kann dabei helfen, aber er kann es den Menschen auf Dauer nicht abnehmen. Es braucht einen generellen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft, die die Rolle von Beruf und Familie realistisch klären muss, ohne einfach nur eine bestimmte, schmale Schicht zu privilegieren. Alle diese Schritte können daher auch nur dann Erfolg haben, wenn wir es endlich schaffen, die Geschlechterklischees für beide Seiten abzubauen - und dem hat Slaughter tatsächlich einen Bärendienst erwiesen.

Kommentare:

  1. Lange erwartet, schöner Artikel :)
    Ich bin schon länger der Meinung, man müsste die gesamte Famlienproblematik endlich mal von der männlichen Seite her angehen. Mich regt es tierisch auf, dass jedes Problem - egal ob Kinderkriegen oder Vereinbarkeit oder sonstwas fast immer rein aus Frauensicht debattiert wird.
    Deswegen hab ich mich auch so über diesen Spon-Artikel geärgert: http://www.spiegel.de/spiegel/emanzipation-warum-frauen-frueher-kinder-bekommen-sollten-a-851069.html
    Das ist nämlich auch das Motto: "Hey kriegt früher Kinder und eure Probleme sind gelöst und ihr braucht nicht rumheulen" Aber dass man dazu eventuell einen Partner braucht und Männer mit Anfang 20 nicht so erpicht aufs Vaterdasein sind, wird nicht erwähnt. Oh doch ein Satz, da sind auch die Frauen schuld, weil die Männer, die mit Anfang 20 eine Familie wollen, schon alle weg sind.

    Ich glaube auch, es bräuchte ein gesellschaftliches Umdenken, bei Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht es seit zig Jahren darum, dass Frauen das berufliche wollen und es wäre imo an der Zeit, dass die Männer dann ihre Forderung nach mehr Familie formulieren. Und zwar nicht wieder aus weiblicher Sicht, damit die Frau mehr arbeiten kann, sondern aus dem eigenen Wunsch heraus. Wenn der denn wirklich so existiert, dass da nichts kommt, macht mich nämlich schon ein wenig stutzig, ob das wirklich ein mehrheitlicher Vaterwunsch ist. Männer meldet euch doch mal, würdet ihr für Eure Familie berufliche Einbußen in Kauf nehmen?^^

    Ich bin auch gar nicht sicher, ob es wirtschaftlich wirklich so eine Katastrophe wäre, denn theorethisch würde es ja auf Null herauskommen, wenn zum Beispiel beide Eltern je sieben Monate Elternzeit nehmen würden. Sicher nicht überall und nicht sofort, aber im Laufe der Zeit sollte das in vielen Fällen doch gehen, bei Frauen klappts doch auch.

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  2. Der Artikel lässt mich einigermaßen ratlos zurück ob dessen, was Stefan Sasse sagen will. Eine richtige Kernaussage findet sich nicht, sondern mehrere.

    Kinder und Familie sind anstrengend und kosten Geld, das ist ein Fakt. Die Politik wird wahrscheinlich nie in der Lage sein, diese Lasten komplett zu lindern und gleichmäßig auf die Gesellschaft umzulegen.

    Darum kann es eigentlich nicht gehen und das ist tatsächlich eine Lebenslüge der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die sich spätestens im Kindergeld manifestiert hat. Kinder in "normalen" Familien erzeugen kein besonderes Armutsrisiko, Kinder bei Alleinerziehenden schon. Dennoch ist diese Gruppe seit 1990 stark gewachsen. Es scheint für bestimmte Frauen attraktiv zu sein, "arm" zu werden. Andererseits wird der Fairnessgedanken, der sich in der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit ausdrückt, mit Füßen getreten, wenn Eltern einfach ein kleiner Festbetrag zugewiesen wird, den sie vom Staat als Ersatz für eine höhere Besteuerung erhalten. So zahle ich gerade einen nicht unwesentlichen Teil meines verfügbaren Einkommens dafür, dass mein Kind studieren kann. Steuerlich betrachtet mutiert der Kindesunterhalt damit zum Hobby.

    Außerdem wird nach dem Genderstreaming der Eindruck erweckt, beide Geschlechter hätten die gleichen Interessen und Motive im Leben. Genau deswegen studieren Frauen vorrangig "Unterhaltungsfächer" und Männer "Fächer zum Unterhalt". Es ist ja schön, wenn jemand das studiert, was ihm Spass macht. Nur sollte er daraus dann nicht zwingend eine bestimmte Karriereerwartung ableiten. Und immer noch gibt es Studentinnen, die die Uni als besseren Platz zur Partnerfindung betrachten.

    Und dann gibt es noch einen schönen Widerspruch im Text:
    Das liegt daran, dass die Belastung eines solchen Führungsjobs den ganzen Menschen erfordert. Das ist der Preis, der damit einhergeht, schon immer gewesen. Herumreisen in der Weltgeschichte, Meetings bis nach Mitternacht, Arbeitsbeginn um spätestens sechs Uhr früh, ständiger Stress und Druck gewaltiger Verantwortung - all das gehört inhärent zu diesen Jobs dazu. Und das ist auch ein wesentlicher Grund, warum viele Menschen diese Jobs überhaupt nicht machen wollen (..).

    und dann:
    Wie sieht es hier aus, jenseits der privilegerierten Positionen?

    Was ist daran nach den Vorworten privilegiert? Es sind schließlich jene, wo sich eine "Worklife Balance" eher weniger umsetzen lässt und wo sich heute eher weniger Kandidaten finden. Kein Wunder: auf vielen der Spitzenpositionen kann man sich bestenfalls noch 2 Jahre halten, während gleichzeitig der Suchprozess Monate dauert. Kein Wunder, dass in diesen Kreisen das hohe Gehalt nicht allein mit Leistung, sondern mit Schmerzensgeld gerechtfertigt wird. Dafür soll es jetzt allenhalben eine höhere Besteuerung geben, schließlich sind das die starken Schultern. Was ist mit jenen, die formal stark sind, diese Last aber nicht schultern wollen?

    Der tiefere Grund für die seit den 1970er Jahren niedrige Geburtenrate liegt in der Kinderfeindlichkeit dieses Landes. Wo Materielles zählt übersieht man den Wert des Emotionalen. Typisch die Haltung der "normalen" Frauen, Kinder erst dann zu bekommen, wenn man alle anderen Lebensziele verwirklicht hat. Kinder sozusagen als Sahnehäupchen auf das eigene Leben. Das gibt die Prioritätenliste der meisten punktgenau wieder.

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  3. @Dubio: Bei "privilegiert" ging es mir nur um die Bezahlung - die müssen sich keine Sorgen machen, die Kinder irgendwo unterzubringen, weil sie es sich leisten können. Zugegeben ich hätte das besser formulieren können.

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  4. Das ist dennoch nicht stringent. Nach dem Desaster mit dem Zusammenbruch der New Economy ist man weitgehend davon abgekommen, Anfang 30jährige in Führungspositionen zu befördern. Da zur Ausübung solcher Tätigkeiten ein gewisses Maß an Lebenserfahrung gehört, erreicht man diese Ebene heute erst mit um die 40 Jahre. In dem Alter haben die meisten jedoch längst Kinder, die dann bereits in der Schule sind. Wenn sie also in der "privilegierten Position" sind, brauchen sie eher weniger die Rundumbetreuung. Allerdings sieht ihr Leben sehr zerrissen aus: man wird schnell mal nach London oder in den östlichen Teil der USA für 3 Jahre versetzt, die Niederlassung in Hamburg muss aufgemöbelt werden u.ä. Wie macht man das dann mit Kindern?

    Zumal, wenn ich den Text richtig verstanden habe, der Sinn des Kinderkriegen ja gerade nicht darin besteht, diese so schnell wie möglich in die Obhut Dritter zu bringen.

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  5. Ja, genau. Viele Jobs mit Karriereaussichten verlangen diese Art Flexibilität, und das geht halt mit Kindern einfach nicht.

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    1. Das hängt vom Unternehmen ab. Es gibt Unternehmen, haben das im Blick und damit kann "Sack und Pack" mitgehen. Ob das für Kinder und PartnerInnen immer toll ist, aller drei bis fünf Jahre den Ort zu wechseln, das steht auf einem anderen Blatt.

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  6. Schöner Artikel!

    Die ständig fordernde Mobilität und Flexibilität samt Überstunden und prekärer Lohnarbeit - ist zugleich die Antwort auf den vermeintlichen demographischen Wandel. Wer sich kaputt schuftet, keine sichere Arbeit hat und gerade so finanziell überlebt - der setzt auch keine Kinder in die Welt.

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  7. @Dubio
    Es scheint für bestimmte Frauen attraktiv zu sein, "arm" zu werden
    Ich glaube, du verwechselst hier Ursache und Wirkung, Alleinerziehende sind doch nicht aus Spaß an der Freude arm, sondern aus handfesten praktischen Gründen. Sie tragen einen Teil (je nachdem oft den Großteil) der Kosten fürs Kind, können je nach Alter des Kindes nicht vollzeit arbeiten (meist schon gar nicht in gutbezahlten Berufen) und es fehlt ein Partner mit zusätzlichem Einkommen im Haushalt. Das halte ich schon allgemein für eine wenig attraktive Situation, mit wenig Geld umso mehr.

    Der tiefere Grund für die seit den 1970er Jahren niedrige Geburtenrate liegt in der Kinderfeindlichkeit dieses Landes. Wo Materielles zählt übersieht man den Wert des Emotionalen. Typisch die Haltung der "normalen" Frauen, Kinder erst dann zu bekommen, wenn man alle anderen Lebensziele verwirklicht hat. Kinder sozusagen als Sahnehäupchen auf das eigene Leben. Das gibt die Prioritätenliste der meisten punktgenau wieder.
    Also zum Einen gibts das bestimmt, einfach weil "für Nachwuchs sorgen" nicht mehr der Hauptdaseinszweck im Leben (beider Geschlechter) ist. Das halte ich aber nebenbei gesagt für legitim, wenn Frauen oder auch Männer noch andere Ziele im Leben haben. (Sonst könnte man ja einfach Verhütungsmittel verbieten und das Problem wäre gelöst) Und zum Zweiten ist das doch kein reines Frauenproblem! Die Männer sitzen doch nicht völlig selbstlos da, haben schon mal das Nest bereitet und warten nun heulend auf eine Kinderschar, weil die Frauen zu selbstsüchtig sind, ihrer "Pflicht" nachzukommen.

    #Flexibilität
    Ich denke, ein Problem ist auch, dass die erweiterten Familien heute oft nicht mehr in einem Ort wohnen, so dass zb Großeltern als Babysitter oder auch allgemein Familienunterstützung nicht mehr genutzt werden können als früher. Ich hab in meiner Kindheit bestimmt die Hälfte meiner Zeit bei meiner Oma verbracht, sonst hätte meine Mutter nicht als Strohwitze voll arbeiten können, obwohl ich noch nebenbei im Kindergarten war.

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  8. @Ariane

    Ich glaube, du verwechselst hier Ursache und Wirkung, Alleinerziehende sind doch nicht aus Spaß an der Freude arm, sondern aus handfesten praktischen Gründen.

    Genau das bezweifle ich.

    Sie tragen einen Teil (..) der Kosten fürs Kind, können je nach Alter des Kindes nicht vollzeit arbeiten (..) und es fehlt ein Partner mit zusätzlichem Einkommen im Haushalt.

    90% aller Alleinerziehenden landen ohne über Los zu gehen direkt in der statistischen Armut. Eine Alleinerziehende mit 2 Kindern hat einen um knapp 10.000 EUR höheren Finanzbedarf als eine vergleichbare Familie mit klassisch Vater / Mutter. Den, da hast Du recht, kann sie kaum erwirtschaften. Eine junge Frau, die ohne Partner ein Kind austrägt, kann sich also ziemlich genau ausrechnen, wo ihre Lebenschancen liegen. Das "Alleinerziehensein" läuft aber nicht nach dem Motto ab: "Pech bei der Partnerwahl gehabt". Es wäre sonst sehr erklärungsbedürftig, warum die Zahl der Alleinerziehenden ständig ansteigt und im Osten doppelt so hoch liegt wie im Westen. Ostdeutsche Unternehmen, nur als zusätzliche Info, sind weit weniger exportlastig wie die in Bayern, NRW oder Baden-Württemberg. Ohne Bezug auf individuelle Verhaltensweisen kommen wir da kaum weiter, wenn wir nicht einen Teil der Wirklichkeit ausblenden wollen.

    Ich glaube nicht, dass Frauen über die Jahrzehnte der Blick verloren gegangen ist, wer der richtige Partner für die zukünftigen Kinder sein könnte. Nur scheinbar schert es einen bestimmten Typus nicht, ob man hinterher solo dasteht.

    Kinder sind einer der Hauptlebenszwecke jeden menschlichen Daseins, ja jeden Lebens überhaupt. Dieser Aspekt ist leider völlig verloren gegangen. Er taucht für viele erst auf, wenn sie älter sind - oder keine Kinder mehr bekommen können. Seinen Lebensabend allein in einer großen Villa zu verbringen, ist dann doch häufig nicht so prickelnd.

    Der weit überwiegende Teil der Deutschen lebt mit einem Radius von 50, 60 km dort, wo man aufgewachsen ist. Weniger als 20% sind Globetrotter. Wenn Großeltern nicht zur Verfügung stehen, liegt das nicht selten daran, dass Eltern und Kinder sich zerstritten haben oder Kinder das Idyll stören. Auch das gibt es, selbst wenn es in Gegensatz zum vorherigen Absatz steht.

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  9. Also ich finde einige deiner Argumente nicht unbedingt überzeugend. Alleinerziehende sind doch keine Frauen, die ohne Partner ein Kind austragen, das ist doch nur ein Bruchteil. Die meisten sind halt einfach geschieden und die Scheidungsraten sind in den letzten 20 Jahren doch auch gestiegen und liegen im Osten mMn auch höher, da könnte frei ins Blaue spekuliert zb Tradition/Religion eine Rolle spielen. Oder meinst du, dass die ostdeutschen Frauen im Gegensatz zu Westdeutschen NOCH mehr Attraktivität in der Armut sehen, weil da ja auch der Export geringer ist? Oo Und wieso sind denn da nun auch wieder nur die Frauen schuld, die entweder den Blick für den lebenslangen Familienvater verloren haben oder aber absichtlich unbeständige Männer suchen, um endlich der Attraktivität der Armut zu fröhnen? Das ist doch wirklich gänzlich absurd und nochmal die ganze Chose - egal ob Kinderkriegen, Scheidung - ist doch nicht alleinige Sache der Frau! Es heißt schließlich Familie und Partnerschaft und sollte eine gemeinsame Sache sein, auch ohne abseitige Beschuldigungen eines Geschlechts.

    @Großeltern
    Zum Teil liegt das sicherlich daran, dass es zerstrittene Familien gibt, obwohl ich nicht glaube, dass das so in die Höhe gegangen ist. Teilweise liegt es vielleicht auch daran, dass die Großeltern noch arbeiten und 50km weit weg ist für einen flexiblen Babysitterservice dann eben auch schon zu weit, das müsste schon der gleiche Ort/Stadtteil sein, damit das regelmäßig funktionieren kann.

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  10. Wer soll sich das schon noch antun? Zweifellos sind Kinder etwas schönes, vermute ich mal, aber es ist keine Notwendigkeit. Unter diesen Lebensbedingungen will ich keine Kinder. Das Bedürfnis kann man auflösen und sich anderem zuwenden. Punkt.
    Grundsätzlich wäre die Verteilung der Fürsorgearbeit zu thematisieren. Die Erwerbsarbeit nährt unter Umständen nur mehr mäßig, manche haben gar keine, die Fürsorgearbeit ist traditionell umsonst zu bewältigen, vorzugsweise von Frauen, und durch die allseitigen Privatisierungsschritte wächst sie wie sonst kein Wirtschaftssektor. Entsprechend kann man eine 'Privat'-markt voller id.R. weiblicher Menschen aus dem europäischen oder asiatischen Osten vorfinden, die korrelativ nur billigst 'privat'-bezahlt werden müssen, in der Regel von reichen weißen Männern. Was soll man Männern Kinder gebären, wenn sie ihnen nichts anderes lernen können, als einen Makkerhabitus oder einen rigiden Geldsammlertrieb.
    Ehrlich gesagt sind doch diese Work-Life-Balance-Reden schwachsinnige Sonntagsideale, die die bestehende Prekarität zu einem selten erreichbaren Ziel bündeln sollen, damit die Leute nicht sofort alles hinschmeißen, damit das Feld mit Leistungsreizen gespickt wird, damit die eingschulten 'streng dich an, du kannst es schaffen'-Reflexe greifen können. Von alleine kann man ja kaum auf so einen niedrigschwelligen Gedanken kommen.

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  11. @flavo: Wenn jetzt nicht der passende Zeitpunkt für Kinder ist... welcher ist es dann? All den Schwierigkeiten für die Eltern zum Trotz gibt es wohl in der Geschichte dieses Landes solche Zeitpunkte wie jetzt, in denen Kinder ohne Krieg und Hunger aufwachsen können.

    Dass die Härte des sog. Arbeitsmarktes vielen vieles vermiest - geschenkt. Das ist auch die Intention des Textes. Man kann einfach nicht alles haben.

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  12. @Ariane

    Es widerspricht zwar jedem männlichen Denken, aber es sind immer und überall die Weibchen, die über eine Beziehung entscheiden. Sie sind die, welche die ersten Signale setzen und sie sind diejenigen, welche meist das Ende bestimmen.

    Seltsamerweise korrelieren Anteil Alleinerziehender und Arbeitslosenquote miteinander. Und seltsamerweise ist der Anteil Alleinerziehender in Ost-Deutschland mit so 15% weit überdurchschnittlich hoch, obwohl mehr Frauen als Männer kontinuierlich nach Westen wandern. Und wenn man dann noch den Bildungsgrad hinzunimmt, ergibt sich auch eine statistische Korrelation.

    Wenn Religion ein Grund für einen niedrigen Anteil Alleinerziehender wäre, so müsste man für mehr Religiösität kämpfen. Unter allen möglichen Modellen sind Vater / Mutter / Kind-Familien optimal, das können Patchwork-Verhältnisse nicht aufwiegen. Nein, für diese Zahlen kann der Staat einiges und Unternehmen wenig. Jedenfalls kann der Staat diese Form der Kinderarmut nicht heilen.

    Das Typische ist ja nicht, dass eine berufstätige, gut ausgebildete Frau mit zwei Kleinkindern plötzlich verlassen wird und nun alleinerziehend durchs Leben zieht. Da spricht die Kundschaft der Jugendämter eine andere Sprache. Die typische Alleinerziehende bekommt in sehr jungen Jahren ihre Kinder, sind es mehrere, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese von verschiedenen Vätern sind. Ihr Bildungsgrad ist überdurchschnittlich häufig einfach. Gertrud Höhler und Renate Schmitt sind heute nicht typisch.

    Das ist alles keine Spekulation, das sind die Fakten. Was wir daraus schlussfolgern, ist dann eine andere Sache.

    Die meisten haben einen Arbeitsweg unter 20 km. Da sollte es möglich sein, bei einem Radius von 50 km, im Mittel vielleicht 20 km, mit den Großeltern zusammenzukommen. Jedenfalls ist das Bild des Wanderarbeiters immer noch in weiten Teilen ein Mythos.

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  13. Hallo Dubio,

    Korrelation ist nicht Zusammenhang. In der DDR war der Anteil auch schon höher. Es war einfacher einen Kita Platz zu finden(ist es heute noch), es gab Vergünstigungen für Wohnungen, Job kein Problem etc. guckst du:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Frauen-_und_Familienpolitik_der_DDR

    Sorry, ich hasse wiki links auch, aber hier findet man weit plausiblere Gründe als "Korrelation", vor allem mit dem "Bildungsgrad". Weißt du, wie sich der Anteil der Alleinerziehenden in der (ehemaligen) DDR nach der Wende entwickelt hat ?

    Was du als Fakten bezeichnest ist nicht einmal Spekulation, sondern Vorurteil. Bevor du diese öffentlich widerkäust hättest du z.B. mal die schönen Wörter "Bildungsgrad" und "Alleinerziehende" googlen können. Du weißt schon, zusammen. Erster Treffer:(bei mir)

    http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Dossier-Alleinerziehende,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

    Zitat:Zitat Ende

    Daraus wird bei dir dann "überdurchschnittlich häufig einfach." Erschließt sich mir nicht. Ebensowenig wie der Rest deiner Außerungen aus der sicherern Distanz des Halbwissens. Wenn man keine Ahnung hat - einfach mal die Klappe halten ! Oder wenigstens mal kurz überprüfen ob dass, was man da von sich gibt einen fünf Sekunden Google Check überlebt.

    Der letzte Absatz ist übrigens, neben einem eindrucksvollen Beleg für deine Kinderlosigkeit, dermaßen bescheuert, dass mir selbst auf einer halbstündigen Busfahrt ins fünf Kilometer entfernete Nachbarkaff nichts mehr dazu einfällt. Außer dir von Herzen eine Tochter zu wünschen, die ihrem Vater eines Tages erklärt, dass er sein Leben die nächsten Jahre gefälligst nach ihrem Arbeitsplan zu richten hat. Eine Kellnerin vielleicht.

    beste Grüße, Ul

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  14. uups, Zitat verschluckt:

    Bildungsstand:
    Bei der schulischen Bildung zeigen sich kaum Unterschiede zwischen Alleinerziehenden und Müttern in Paarfamilien. 30 Prozent der Alleinerziehenden haben einen Hauptschulabschluss, knapp ein Viertel hat Abitur, über 40 Prozent haben einen Realschulabschluss. 5 Prozent der Alleinerziehenden haben keinen Schulabschluss.(...)

    sorry...

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  15. @ul

    Weil Korrelation nicht gleichbedeutend mit Zusammenhang ist, habe ich den Begriff verwandt. Als alter Statistiker weiß ich natürlich, dass es auch Unsinnskorrelationen gibt (Schuhgröße / Einkommen). Allerdings ist nicht gesagt, dass dies Unsinnskorrelationen sind.

    Vielen Dank für den Link, der interessante Details preisgibt und mich in Teilen korrigiert. Nicht überall. Interessant ist z.B., dass knapp 1/3 aller Alleinerziehenden sich durch ALG I und ALG II finanziert, bei denen in Paarhaushalten jedoch nur 6%. Dies ist auch deshalb seltsam, weil Alleinerziehende weit häufiger vollerwerbstätig sind, werden Mütter aus Paarhaushalten häufiger Teilzeit arbeiten. Das liegt natürlich an der insgesamt niedrigen Erwerbsquote. Allerdings: Auch wenn das Kind längst weitgehend auf eigenen Beinen steht (<15 Jahre), arbeiten Alleinerziehende gerade zu 40% (Paarmütter: 27%).

    Insgesamt zeigt sich auch dabei, dass Paarhaushalte, ob im Eheinstitut oder ohne Trauschein, die stabilste und ökonomisch sinnvollste Form des Zusammenlebens mit Kindern ist. Genau das war die Kernaussage. Und warum gehen so viele, vorrangig Frauen, aus festen Bindungen raus, obwohl ihr Armutsrisiko damit gravierend steigt? Spätere Partnerschaften sind übrigens noch instabiler. Die Gründe für Trennungen liegen fast ausschließlich im Persönlichen und nicht Materiellen:

    1. Wir haben uns auseinander gelebt. (37%)
    2. Wir waren zu unterschiedlich. (30%)
    3. Das Geben und Nehmen war nicht ausgeglichen. (26%)
    4. Wir hatten unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe und Freiraum. (26%)
    5. Wir konnten nicht miteinander reden. (23%)

    Die Anzahl von Alleinerziehenden ist in Ballungsräumen am Größten, dort gibt es auch die meisten Ehescheidungen und dort ist auch die Arbeitslosigkeit häufig höher. In Ost-Deutschland ist der Anteil der Alleinerziehenden besonders hoch, obwohl es dort in einer Vielzahl von Gebieten deutliche Männerüberschüsse gibt. Und es ergibt einen qualitativen Unterschied, ob eine 60jährige "nur" über einen einfachen Bildungsabschluss verfügt oder eine Mutter zwischen 25 und 35 Jahren.

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  16. Boah, ich würde mal einen Blick in "Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz", speziell zum dort ausgebreiteten Bevölkerungsdiskurs, empfehlen. Was hier zum Teil an biologistischen Reduktionsismen und negativen Stereotypen gebraucht wird, passt auf keine Kuhhaut (Stichwort: "Sozialhilfemütter"). Da wird mir schlecht.

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  17. Hallo Dubio,

    wenn deine Kernaussage "Insgesamt zeigt sich auch dabei, dass Paarhaushalte, ob im Eheinstitut oder ohne Trauschein, die stabilste und ökonomisch sinnvollste Form des Zusammenlebens mit Kindern ist." lautet,ok.

    Dummerweise ist es aber eben nicht die stabilste Form, sonst würde diese Form ja nicht weniger werden und diese Diskussion nicht stattfinden. Die Frage, mit der sich der Artikel ja auch beschäftigt, lautet warum.

    Stefan vertritt die Ansicht, dass die Ursachen (unter anderem) in der modernen Arbeitswelt und den damit verbundenen Anforderungen zu suchen sind. Darüber hinaus gibt es natürlich auch kulturelle Gründe.

    Deine, für den Leser erkennbare, Gegen(Kern)aussage lautet: Die Frauen sind schuld. Sie sind ungebildet und zu doof dein 20km Radius Babysitterkonzept umzusetzen. Unfug. Deine Vorurteile triefen förmlich aus allem, was du hier schreibst. Und nichts, was du anführst bestätigt deine Sichtweise, auch wenn du das möglicherweise glaubst.
    So sagst du z.B. "Und warum gehen so viele, vorrangig Frauen, aus festen Bindungen raus, obwohl ihr Armutsrisiko damit gravierend steigt?"
    Dann folgt Eine Umfrage einer Komerziellen Partnervermittlung mit dem dusselig-schönen Namen Elitepartner, durchgeführt unter den Teilnehmern dieser Firma. Nichts, aber auch gar nichts in diesem Link rechtfertigt dein "vorrangig" aus dem oben zitierten Satz. Was übrigens schon aus dem "Wir" erkennbar ist.

    Ebensowenig lässt sich aus den von dir angeführten Statistiken eine Ursache für die Zunahme bei den Alleinerziehenden herauslesen, so sehr du das auch implizieren willst.

    In München und Stuttgart gibt es auch mehr Alleinerziehende als im ländlichen Umfeld, gleichzeitig eine niedrige Arbeitslosenquote. Damit wird für "alte Statistiker" deine Alleinerziehende-Arbeitslosigkeit Korrelation zur Unsinnskorrelation. Vom Huhn-Ei Problem mal ganz abgesehen...

    beste Grüße, Ul


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  18. @ul

    Trotz aller Abgesänge ist die Ehe immer noch die weit beliebteste Form des Zusammenlebens. Darüber hinaus kommen 70% aller Kinder in Ehen zur Welt, nimmt man die in eheähnlichen Partnerschaften hinzu, sind es noch weit mehr. In 90 Prozent aller Ehen gibt es Kinder. Die Frage ist dann eher, warum schaffen es die Menschen immer weniger, diese Beziehungen stabil zu halten. Daran sind kaum fehlende staatliche Leistungen wie Kindergartenplätze for free schuld.

    Deine, für den Leser erkennbare, Gegen(Kern)aussage lautet: Die Frauen sind schuld.

    Zu einem gewichtigen Teil. Sie sind in der Biologie die Controller, im Guten (dem Zusammenkommen) wie im Schlechten.

    Sie sind ungebildet und zu doof dein 20km Radius Babysitterkonzept umzusetzen.

    Falsch. Auch zu mir hat es sich herumgesprochen, dass Frauen heutzutage die besseren Bildungsabschlüsse vorweisen können und größere soziale Kompetenz besitzen. Es gibt aber auch hier die andere Seite der Medaillie: Im Gegensatz zu Männern haben Frauen eine echte, gesellschaftlich weitgehend akzeptierte Alternative, wenn es mit der Bildung und der Karriere nicht so klappt. Stell' Dir mal einen Mann vor, der eher weniger gefragt auf dem Arbeitsmarkt ist und der im Bekanntenkreis verkündet, er würde sich jetzt erstmal eine Frau suchen, mit ihr Kinder zeugen und dann sich deren Aufzucht widmen. Undenkbar.

    Zu den Gründen von Trennungen hätte ich natürlich auch eine andere Quelle verlinken können, die war einfach am schnellsten greifbar. Die Ursachen, weshalb Beziehungen scheitern, sind seit langem die immer gleichen. Gib' mir ein bisschen Spiel, okay?

    Ebensowenig lässt sich aus den von dir angeführten Statistiken eine Ursache für die Zunahme bei den Alleinerziehenden herauslesen, so sehr du das auch implizieren willst.

    Die will ich nicht wirklich geben, höchstens in den Mund legen. Schließlich bin ich kein Sozialforscher. Dass wir uns heute viel leichter trennen, hat weitgehend mit veränderten Einstellungen zu tun. Diese Verschiebungen sind nicht umbedingt gut. Und Du hast Recht, natürlich gibt es auch in München und Stuttgart viele Alleinerziehende. Ohne es überprüft zu haben, würde ich tippen, dass dort ein geringerer Anteil von Sozialhilfe abhängig ist wie beispielsweise in Berlin. Und vielleicht ist dort der Anteil an Alleinerziehenden niedriger als beispielsweise in Dortmund. Falls das strittig ist, können wir ja den Test machen, ich lasse mich durchaus überraschen.

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  19. Hallo Dubio,

    "Die Frage ist dann eher, warum schaffen es die Menschen immer weniger, diese Beziehungen stabil zu halten."

    So ist es. Und wie beantwortest du die Frage ?

    "Daran sind kaum fehlende staatliche Leistungen wie Kindergartenplätze for free schuld."

    Das hat ja auch niemand (hier) behauptet.

    Die Behauptung, um die es hier geht ist "Eine der Ursachen ist die falsche Vorstellung, dass sich Familie und Beruf (von Staats wegen) vereinbaren lassen. Anhand eines Beispiels erklärt Stefan, dass der Druck und die Anforderung von Spitzenjobs per se, für Männlein wie Weiblein, ein vernünftiges Familienleben ausschließt. Daher ist die Vorstellung mit mehr Frauen in Spitzenjobs etwas zu erreichen unsinnig. Sie beruht auf der falschen Prämisse.


    "Deine, für den Leser erkennbare, Gegen(Kern)aussage lautet: Die Frauen sind schuld.

    Zu einem gewichtigen Teil. Sie sind in der Biologie die Controller, im Guten (dem Zusammenkommen) wie im Schlechten."

    Nun, dass du weder im Jugendamt arbeitest, noch Kinder hast, hatten wir ja bereits geklärt. Jetzt wissen wir auch, dass du kein Biologe bist. Nach der Fisher-Price Statistik kommt jetzt die Mickey Maus Biologie. Glückwunsch. Versuch´doch zur Abwechslung mal was zu lernen, statt deine Eitelkeit zu pflegen.

    "Falsch. Auch zu mir hat es sich herumgesprochen, dass Frauen heutzutage die besseren Bildungsabschlüsse vorweisen können und größere soziale Kompetenz besitzen."

    So so, das hat sich also rumgesprochen. Fragt sich nur, warum du dir dann in deinen vorherigen Kommentaren so viel Mühe gibst einen gegenteiligen Eindruck zu erwecken.
    Es sei denn, du betrachtest:

    "Die typische Alleinerziehende" ("...bekommt in sehr jungen Jahren ihre Kinder, sind es mehrere, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese von verschiedenen Vätern sind. Ihr Bildungsgrad ist überdurchschnittlich häufig einfach.")

    nicht als "Frauen heutzutage".

    "Es gibt aber auch hier die andere Seite der Medaillie: Im Gegensatz zu Männern haben Frauen eine echte, gesellschaftlich weitgehend akzeptierte Alternative, wenn es mit der Bildung und der Karriere nicht so klappt. Stell' Dir mal einen Mann vor, der eher weniger gefragt auf dem Arbeitsmarkt ist und der im Bekanntenkreis verkündet, er würde sich jetzt erstmal eine Frau suchen, mit ihr Kinder zeugen und dann sich deren Aufzucht widmen. Undenkbar."

    yup, die gibt es. Stefan sollte darüber mal was schreiben...warte...

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  20. und, Dubio

    "Zu den Gründen von Trennungen hätte ich natürlich auch eine andere Quelle verlinken können, die war einfach am schnellsten greifbar. Die Ursachen, weshalb Beziehungen scheitern, sind seit langem die immer gleichen. Gib' mir ein bisschen Spiel, okay?"

    Nein. Für Leute, die mit Sätzen wie :"Das ist alles keine Spekulation, das sind die Fakten" um sich werfen gibt es kein Spiel. Put up, or shut up.
    Du hast behauptet, dass Frauen VORRANGIG aus festen Bindungen raus(gehen). In diesem Kontext aus Bindungen mit Kindern. Ich weiß nicht, ob es stimmt oder nicht. Ist mir auch eher Wurst, weil sich solche Dinge ohnehin nicht in Statistiken fassen lassen. Ich habe das Beispiel nur angeführt, weil du u.a. dort eine Aussage mit einem Beleg versiehst, der deine Aussage nicht untermauert.

    "Die will ich nicht wirklich geben, höchstens in den Mund legen."

    auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin ob das überhaupt ein Satz ist, so vermute ich doch Gutes dahinter.

    "Schließlich bin ich kein Sozialforscher"

    Und da ist es schon, das Gute. Das ist doch mal eine Erkenntnis. Fang doch mal an das ein oder andere zu lesen was die Leute so schreiben die es sind. Möglicherweise gibst du dann in Zukunft weniger Stuss von dir. Stuss wie:

    "würde ich tippen, dass dort ein geringerer Anteil von Sozialhilfe abhängig ist wie beispielsweise in Berlin. Und vielleicht ist dort der Anteil an Alleinerziehenden niedriger als beispielsweise in Dortmund."

    Toll. Und was sagt uns das ? Das Frauen die Biocontroller sind, die an allem Schuld sind ? Und was hat der Anteil der Alleinerziehenden, die auf Sozialhilfe angewiesen sind mit der Anzahl der Alleinerziehenden zu tun ? Die Antwort, alter Statistiker, lautet: nix ! Du vergleichst Äpfel mit Birnen und versuchst dabei mehr über den Baum zu erfahren.

    Wenn du das nicht in deine Birne bekommst wird der Stuss siegen.

    beste Grüße, UL

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