Samstag, 9. Juni 2012

Target2 oder der verbuchte Selbstbetrug

Von Marc Schanz
Target2 ist ein Flussgeldkontensystem für Bankreserven, das aufgrund von Eigenwährungstransfers negative Bankreserven erzeugen kann. Diese Anomalie entsteht, da die Zentralbankkonten der nationalen Notenbanken des Euro-Systems in Wahrheit nur Unterkonten einer faktischen, gemeinsamen Euro-Zentralbank sind.
Was passiert eigentlich auf diesen viel diskutierten Target2 Salden, die im Zuge der Euro-Krise astronomische Ausmaße angenommen haben? Die positiven Target2 Salden der Bundesbank belaufen sich auf unglaubliche +644,182 Mrd. Euro (Stand April ’12) und übersteigen den Haushalt des Bundes sogar um ein Mehrfaches! Sind wir dank der Krise und Target2 nun abartig reich geworden?
Die Antwort ist leicht, die Begründung jedoch alles andere als das. Um die komplexen Zusammenhänge so einfach wie möglich darzustellen, verdeutliche ich den Sachverhalt an einer fiktiven Währungsunion von Athenia und Teutonia.

Die beiden Nachbarländer beschließen, eine Währungsunion zu bilden und als Gemeinschaftswährung den Money (M) herauszugeben. Die Länder sind befreundet, mehr auch nicht. Daher soll die Währungsunion nur ein ökonomischer Akt werden und es gilt die strenge politische Vorgabe, dass die Unabhängigkeit der beiden Zentralbanken erhalten werden muss. Es ist jedoch offensichtlich, dass die beiden Zentralbanken ein gemeinsames System zum Austausch von Zentralbankgeld benötigen. Zu diesem Zweck wird das ForExSim (foreign exchange simulator alpha) Kontensystem ins Leben gerufen.

Athenia ist ein kleines Land, die athenischen Geschäftsbanken haben bei ihrer Zentralbank Sicherheiten im Wert von nur 2 Mrd. M hinterlegt und die Banken haben daraus über den Mechanismus der Giralgeldschöpfung eine Geldmenge von 20 Mrd. M erschaffen. Teutonia ist ein größeres Land und dementsprechend haben die dortigen Geschäftsbanken mit 10 Mrd. M an Sicherheiten eine Geldmenge von 100 Mrd. M erzeugt. In der gesamten Währungsunion ist die Summe der Geldmenge M0 somit 12 Mrd. M und die der Geldmenge M1 120 Mrd. Bisher lebten beide friedlich vor sich hin, hatten keine größeren wirtschaftlichen Austausch und alles war gut:


Nach der Währungsunion beschließen die Athenier von Teutonia eine größere Lieferung der dort produzierten tollen, teutonischen Autos zu kaufen. Teutonia liefert die Autos und die Athenier bezahlen sie mit 15 Mrd. M – ein im Grunde ganz harmloser, wirtschaftlicher Vorgang. Zu jeder Überweisung der Geschäftsbanken gibt es eine Gegenbuchung bei der entsprechenden Zentralbank. Daraus ergibt sich folgende Situation:


Die Summe von M0 und M1 bleiben in der Währungsunion bleiben gleich, das Kapital der athenischen Geschäftsbanken verringert sich um 15. Mrd., während es sich für die teutonischen im gleichen Maße erhöht. Die Bilanzen der Zentralbanken geraten ob der Gegenbuchung ins Ungleichgewicht. Die Bilanz der teutonischen Zentralbank explodiert und Athenias Zentralbank fällt ins Minus. Obwohl doch nur eine normale Finanztransaktion in der Eigenwährung erfolgte, müssen wir überrascht feststellen, dass es zu seltsamen Anomalien gekommen ist:

  1. Die Zentralbank Athenia verfügt über eine negative Bilanz, es sind aufgrund einer Eigenwährungstransaktion negative Bankreserven erschaffen worden.

  2. Die Bilanzsumme der teutonischen Zentralbank ist größer als die Summe der hinterlegten Sicherheiten der gesamten Währungsunion.

  3. Bankreserven darf nur über eine Kreditgewährung erschaffen werden, in diesem Falle wurde es durch eine simple Überweisung erzeugt.
Wodurch entsteht diese Fülle an Anomalien? Eine Antwort wird leichter verständlich, wenn wir versuchen, die ForExSim-Salden als Devisenkonten zu verstehen: Zentralbanken tauschen niemals Zentralbankgelder direkt aus, es ergäbe auch keinen Sinn. Sie müssen sich zuerst am Devisenmarkt mit der Fremdwährung versorgen und können dann am Devisenmarkt ihre Transaktionen tätigen. Dürfen die ForExSim nicht als eine Art der Simulation einer Devisentransaktion verstanden werden? Nein, denn es fehlen zwei wesentliche Elemente: Devisen und der Markt. Es ist ja so: die beiden Länder sind bewusst eine Währungsgemeinschaft eingegangen und haben sich dafür entschieden, den Marktmechanismus abzuschaffen, um ihre Finanztransaktionen leichter durchführen zu können. Möchte man die länderübergreifenden Kapitaltransfers jedoch lieber besichern und vom Markt bewerten lassen, da der Nachbar einem irgendwie suspekt geworden ist, dann gibt es einen ganz einfachen Trick: die Währungsunion auflösen.
Sind zwei Zentralbanken direkt über einen Austausch von Zentralbankgeld verbunden, ist es in Wahrheit nur eine einzige. Der ungehinderte Austausch von Bankreserve über ein gemeinsames Kontensystem schweißt die Zentralbanken so eng zusammen, dass sie in Wahrheit eine Einheit bilden. Aus Sicht dieser einen faktischen Zentralbank ist die fiktive Gemeinschaftswährung Money in bester Ordnung, nur die künstlichen Konten der beiden „unabhängigen“ Zentralbanken bilden ob ihrer widersinnigen Konstruktion heftige Ungleichgewichte aus. Um das Chaos zu beheben, müssen die Bankreserven mittels eines eigenen, unabhängigen Geldsystems übertragbar gemacht werden, um sie zwischen den dezentralen Zentralbanken verbuchen zu können. Dabei entstehen negative Bankreserven mit mit all ihren Anomalien. Die Eigenständigkeit der beiden Zentralbanken ist somit nur eine Illusion, die Buchungstricks mit Flussgeldkonten für Bankenreserven sollen diesen Selbstbetrug aufrecht erhalten.

Was macht dieses seltsame Kontensystem eigentlich? Es misst die Kapitalungleichgewichte der beiden Ländern, um die Zentralbankkonten ausgleichen zu können. Es ist demnach nur ein Seismograph für Kapitalbewegungen in der Währungsunion. Die Transaktionen werden nur aufgezeichnet, ohne dass sie mit Sicherheiten unterlegt werden, wie dies bei „echten“ Devisentransaktionen der Fall wäre.
Das Target2 System ist eine komplexere, aber vergleichbare Konstruktion wie die fiktiven ForExSim Salden. Daher ist auch die dezentrale Struktur der nationalen Notenbanken des Euro-Systems eine Illusion, auch die Euro-Währungsunion verfügt faktisch nur über eine einzelne Zentralbank, in der die einzelnen Länder nur ihre Unterkonten verwalten. Hans Werner Sinn, unser Starwirtschaftsökonom, meint nun, negative Target2 Salden seien als eine Art Überziehungskredit anzusehen. Kann man eine Illusion überziehen? Wer weiß das schon, aber Länder mit negativen Target2 Salden könnten auch eine Ausleihgebühr verlangen, denn schließlich haben sie „ihr“ Kapital einem anderen Land zur Verfügung gestellt.

Die entscheidende Frage ist, haben die Target2 Salden irgendeinen einen Wert, falls die Währungsunion zerfallen würde? Nein, sie enthalten weder Geld noch sonstige werthaltige Forderungen, es sind nur Forderungen auf Bankreserven, die aufgrund einer Anomalie erzeugt werden müssen. Eines hingegen belegen die Target2-Salden eindrucksvoll: die Ungleichgewichte an den Kapitalmärkten übersteigen die Problematik der Staatsschulden um ein Vielfaches, die wahren Probleme der Euro-Krise werden immer noch nicht verstanden.
Die Target2 Debatte zeigt, unsere Experten verstehen das eigene Konstrukt der Euro-Zone nicht, ihnen fehlt völlig das Verständnis für eine Währungsunion. Kein beruhigendes Faktum in einer Krise wie dieser.

Kommentare:

  1. Auweh. Ich prophezeihe einen Aufmarsch der Ideologen in den Kommentaren, Fuentes vorneweg.

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    1. Unwahrscheinlich. Wer will denn über einen derart miesen Artikel diskutieren?

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  2. So gut der artikel auch ist, wer zeigt für mich wieder einmal das grundlegende problem: der kram lässt sich kaum allgemeinverständlich erklären.keine chance gegen die schwäbische hausfrau.

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  3. So gut der artikel auch ist, wer zeigt für mich wieder einmal das grundlegende problem: der kram lässt sich kaum allgemeinverständlich erklären.keine chance gegen die schwäbische hausfrau.

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  4. Also messen die Target2-Salden einfach nur den Zahlungsverkehr (bzw. dessen Saldo) zwisachen den verschiedenen Teilen des EURO-Raums (für die "technisch" noch unabhängige nationale Notenbanken bestehen), unabhängig vom Grund der Zahlung ?

    Der deutsche Target2-Saldo steigt also auch, wenn z.B. spanische Kleinparer ihr Geld von der (spanischen) Bank holen und auf ein Konto bei einer deutschen Bank einzahlen, weil sie die für "sicherer" halten ? Und was wäre in dem Fall oben gewesen, wenn die Autolieferung von Athenia nicht bar bezahlt, sondern über einen Kredit bei einer teutonischen Bank finanziert worden wäre ? Vor Beginn der Tilgung dürfte das doch (mangels internationalem Geldfluß) die Target2-Salden nicht beeinflussen, oder ... ?

    Sorry für die dummen Fragen, aber ich versuche hier zu verstehen, um was es bei Target2 geht und ob ich den Artikel verstanden habe ...

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  5. Die Target-2 Salden haben genauso viel Wert wie eine entsprechende Menge Euro Banknoten. Wenn die ganze Währungsunion zerfällt wird nicht alles auf Null gestellt sondern die EZB Forderungen und Verbindlichkeiten werden entsprechend den Anteilen der Länder verteilt. Ich befürchte die EZB Verträge sind so gestaltet, dass wenn ein Land Austritt es für seinen Anteil an den EZB Verbindlichkeiten auch nur entsprechend der Quote haftet bzw. entsprechend ausgleichen muss. Die sich ergebende Summe reicht bei Griechenland bei weitem nicht um dessen Target-2 Saldo in der EZB Bilanz auszugleichen.

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  6. @Stefan

    Ja, so ist es leider :(

    @Anonym 21:41

    Ja, ausführlicher ist es hier erklärt.

    @Christian Hartmann

    Target2 Sladen sind Bankreserven und diese können keine Wert besitzen. Es sind Buchungspositionen, die ausschließlich bei Notenbanken existieren können. Sollte es eine solche Haftungsregel geben, wäre sie in meinen Augen schlichter Betrug.

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  7. @ Marc

    Danke für die Antwort. Ich habe also offenbar tatsächlich mal was davon verstanden ... :)

    Ich frage mich dann allerdings, woher der ganze Hype um Target2 eigentlich kommt. Die Target2-Salden messen dann doch eigentlich nur Zahlungsströme zwischen rein virtuellen Teilräumen des an sich ja einheitlichen EURO-Raums. Ist Target2 dann nicht etwas rein fiktives ? Die ganze Berechnung wäre dann doch eigentlich genau so unsinnig, wie etwa die Aufstellung von Salden, die die Geldflüsse zwischen den Bundesstaaten det USA messen. Welche Relevanz hat Target2 dann eigentlich ?

    Für eine kleine Erklärung (oder einen Link zu einer Erklärung) ware ich wirklich dankbar ...

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  8. @Anonym

    Perfekt erklärt! Ich kann es leider nicht belegen, da es keinen gültigen Erklärungsansatz für die Target2 gibt, exakt darum dreht sich nämlich der Expertenstreit. Es gibt auch noch keine vernünftige Erklärung, soweit ich weiß, was eigentlich negative Bankreserven sein sollen. Mit meinem Artikel habe ich meine Sichtweise dargelegt und stelle mich klar auf die Seite der Vernunft, also der ISNM- und Sinn-Kritiker.

    Ich kann dir aber etwas anderes anbieten: Logik. @Christian Hartmann und auch in Wikipedia wird behauptet, die Target2 Salden wären eine wechselseitige Beziehung der Notenbanken mit der EZB. Das ist falsch. Die Target2 Salden sind aufsummiert Null, sie sind einfach gegen sich selbst gebucht. Als Beleg führe ich keinen geringeren als H.W. Sinn himself an:

    Genauso wenig beruhigt es, dass die EZB die
    Target-Salden in ihrer Bilanz gar nicht ver-
    bucht und man in den nationalen Bilanzen
    der Zentralbanken nachschauen muss,
    weil ihr Nettobetrag über alle Euroländer
    addiert null ist.

    Da soll noch einer sagen, Ökonomiedebatten können nicht lustig sein.

    Eine andere Logik: woher sollen die Werte, die sich in den Target2 Salden angeblich abbilden, eigentlich kommen? Haben wir noch irgendwo einen bisher unbekannten, unterirdischen Mega-Industriestandort, der in der Krise aktiviert wurde und jetzt auf Hochtouren läuft? Die Erklärung, dass eine Risikoverlagerung von den Geschäftsbanken hin zu den Zentralbanken statt gefunden hat, klingt doch da etwas vernünftiger.

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  9. Vielen Dank für diese sehr gute Erklärung von Target 2! Ich habe in letzter Zeit immer wieder gedacht, dass ich mich endlich mal damit beschäftigen müsste. Schneller als in diesem Beitrag und klarer auf den Punkt habe ich das aber noch nicht gelesen.

    Also Danke und weiter so!

    @Anonym (Sonntag 10. Juni):
    Meiner Meinung nach ja und nein. Bei den USA gibt es eine politische Union und in der EU nicht im gleichen Maß. Deshalb schaut man bei den USA nicht auf die Salden zwischen den Unionsstaaten, wie in der EU. Hier geht es aber auch um (vielleicht bewusste) Verschleierung der Wahrheit, mindestens aber um Unverständnis, wie die Volkswirtschaften funktionieren. Sonst würden die Experten nicht dermaßen versagen. Aber das sind nur meine 2 Cent.

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  10. Spanien bekommt 100 Milliarden für seine Banken.

    Bravo. Diese können das geld sofort an ihre Gläubigerbanken in Deutschland überweisen.

    Tatsächliche Hilfe für Spanien. ZERO: ZERO ZERO.

    Diese Heuchelei und Verlogenheit und die Käuflichkeit unserer Medien verursacht nur noch Brechreiz.

    Niemand wird eines Tages mehr diese Zeitungen kaufen.

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  11. Wer die Target2 - Salden zurückführen möchte, muß Staatsanleihen zu 100% garantieren.

    DAS REICHT AUS!

    Damit die Ungleichgewichte abgebaut werden können, müssen die Einkommen anders verteilt werden . Also Lohnfindung.

    BESITZSTANDSWAHRUNG Weckt Killerinstinkte.

    Das belogen werden ist nur das geringste Übel.

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  12. @ Marc

    Vielen Dank für die Antwort. Ich muß gestehen, dass ich zur Zeit noch etwas davor zurückschrecke, die Target2-Debatte tatsächlich für 100% heiße Luft zu halten, aber heutzutage muß man wohl auch damit rechnen ...

    Dass sich die Target2-Salden bei der EZB zu Null saldieren, finde ich logisch, denn alles, was Target2 beeinflußt, sind ja letztlich Geldflüsse innerhalb der Eurozone, für die die EZB nun einmal die einzige Notenbank ist. Was ich aber jetzt noch schmerzlich vermisse, wäre eine verständliche Erklärung, was genau das Verhältnis der EZB zu den nationalen Notenbanken in diesem ganzen System ist. Wie ich es verstehe, entstehen die Target2-Salden doch nur dadurch, dass die Geldströme zunächst "virtuell" über die nationalen Notenbanken verbucht werden, obwohl sie an sich ja keine separaten Währungsräume mehr repräsentieren. Also platt ausgedrückt: Wozu sind eigentlich die nationalen Notenbanken noch da ?

    @ Guido

    In der Tat, der einzige Unterschied, der mir zwischen den USA und der Eurozone einfällt, ist der, dass die US-Bundesstaaten direkten zu ihrer Notenbank haben ("Primärmarkt" nennt man das wohl ...), die einzelnen EURO-Mitgliedsstaaten aber nicht. Ich habe allerdings nicht die kleinste Ahnung, ob und wie das für Target2 relevant sein könnte. Vielleicht gibt es ja irgend einen Zusammenhang zwischen den Target2-Salden und den Möglichkeiten der Eurostaaten, sich an den Finanzmärkten zu refinanzieren, aber wie der aussehen könnte, keine Ahnung ....

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    1. Die Frage beim zweistufigen Zentralbankensystem ist historisch eher so zu stellen, wozu die EZB eigentlich da ist. Das zweistufige System hat sich aus historischen Erfahrungen von Münzunionen/Great Depression und deren Interpretationen entwickelt, siehe bündig hier: http://www.eurospethmann.de/pdf/p20_DievierAchillesfersendesEurosystems.pdf (1. Teil) Geldschöpfung läuft primär über die nationalen Notenbanken, der EZB-Rat kann sich da nur einschalten/oder unterlässt es. Indirekt steuert die EZB das Ganze insb. über Leitzins und Lockerung der Kreditbesicherungsanfordungen.

      Ich weiß nur immer nicht, ob allen der Knackpunkt klar ist: die Möglichkeit der internen/zusätzlichen Geldschöpfung trat anstelle der regulären Kapitalmarkt-Finanzierung, die nach der Finanzkrise schleichend wegbrach. Bis zur Finanzkrise finanzierte man die Leistungsbilanz-/Handelsdefizite über den Kapitalmarkt, dann immer mehr und heute komplett über das 'Target-System'. Die Target-Salden wachsen seit 2007/08.

      Auch was der Vergleich mit den USA angeht, darf man nicht die Unterschiede vergessen. "Politische Union" ist sehr abstrakt und ich wüsste auch nicht inwiefern man das so sehen will. Jedenfalls gibt es keine vollständige Transferunion, und Staaten werden nicht konsequent gerettet, man kann pleite gehen. Das Fed-System hat auch interne Schranken für deren Targetentwicklung, dort ist die Möglichkeit von Target-Krediten beschränkt, und sie müssen zeitnah beglichen werden. Was in der Eurozone ansteht und letztlich notwendig wird, geht weit über das US-System hinaus.

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    2. @Fuentes
      Jetzt hast du aber etwas nicht verstanden, glaube ich. Man finanziert nichts übers Target2-System. Target2 ist ein Zahlungsverkehrssystem. Von welcher internen Geldschöpfung redest du eigentlich? Das ist doch Unsinn.

      Beim geschöpften Geld (für Griechenland) beispielsweise handelt es sich um Zentralbankgeld.
      Weidmann hat es hier sehr gut und leicht verständlich erklärt:
      http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/standpunkt-jens-weidmann-was-steckt-hinter-den-target2-salden-11681939.html

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    3. Das sind rein semantische Feinheiten, über die es sich im Grunde nicht zu streiten lohnt. Nationale GIIPS-Notenbanken haben vermehrt/zusätzliches Zentralbankgeld geschöpft, das via Target2 unterm Strich zur Finanzierung der Leistungsbilanzdefizite gebraucht (logischerweise, denn aus dem Ausland geschöpftes Geld fiel ja dafür weg) und verwendet wurde, angeheizt durch die lockere EZB-Politik. So wie es Weidmann im Artikel auch beschreibt. Nur in der Risiko-Bewertung muss er offenbar zwangsläufig beruhigen.

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    4. @Fuentes
      Weidmann: "Um den Liquiditätsbedarf abzudecken, der beispielsweise aus Warenkäufen oder Kapitalabflüssen resultierte, wurden verstärkt Mittel beim Eurosystem aufgenommen."

      Die "lockere EZB-Politik" war notwendig. Sonst wäre uns die ganze Sache schon längst um die Ohren geflogen.
      Weidmann gibt einen deutlichen Hinweis auf die eigentlichen Verantwortlichen. Das Versagen liegt bei der Politik. Nicht bei der Zentralbank. Auch nicht bei den Griechen.

      Weidmann: "Der Schlüssel zur Lösung der Krise liegt am Ende nicht bei den Notenbanken, sondern bei den Mitgliedstaaten."

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    5. Es wäre ja wohl für alle Beteiligten besser gewesen sie wäre uns schon 2008 um die Ohren geflogen. Heute sind wir 5 Jahre Massenarbeitslosigkeit weiter, die genau dieser Konkursverschleppung geschuldet ist. Diese vertanen 5 Jahre wurden mit Milliarden sinnlos erkauft und treiben uns in noch größeren Aktionismus, der am Ende zum größtmöglichen Knall führt. Der Schlüssel liegt bei den Mitgliedstaaten? Sicher, wobei Weidmann aber mal ganz andere Vorstellungen hat als du vermutlich. Entweder die GIIPS schrumpfen sich gesund oder wir blähen uns krankhaft auf. Der Mittelweg ist teuer und kostet uns Jahrzehnte. Schon jetzt braucht es mindestens 10 Jahre bis etwa GR im Euro zurechtgestutzt wird. Hätte man 2008 angefangen, ginge es heute schon wieder bergauf, und die Kosten der Abfederung wären ein Bruchteil der heutigen gewesen.

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    6. @Fuentes
      Es wäre ja wohl für alle Beteiligten besser gewesen sie wäre uns schon 2008 um die Ohren geflogen.
      Das ist doch Quatsch. Hat man doch in den Staaten versucht (mit Lehman). Ging doch gewaltig schief.

      Das Versagen der Politik besteht doch darin, dass man von 2008 bis heute die Bankenlandschaft nicht adäquat neu geordnet hat. Dann könnte man die Banken jetzt pleite gehen lassen. Das wäre auch im Sinne der Gesellschaft.

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    7. @Fuentes
      "Entweder die GIIPS schrumpfen sich gesund oder wir blähen uns krankhaft auf."

      Was ist denn krankhaftes aufblähen? Meinen sie damit, dass unsere Gehälter über einen gewissen Zeitraum stärker steigen als die der GIIPS? Das wäre zumindest eine Strategie. Die schlechteren Exportergebnisse könnten durch den Binnenmarkt abgefedert werden.

      Leider ist dies nicht gewollt da viele Politiker daran glauben, dass wirklicher Wettbewerb zwischen Staaten herrschen kann. Was passiert wenn man diesen Wettbewerb gewinnt sieht man im Moment. Ein teurer Sieg.

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    8. @ Anonym
      Es git aber wohl keinen seriösen Ökonomen, der - selbst jetzt nach den Rettungsexzessen - an Dominoeffekte glaubt, wenn GR pleite geht und/oder ausscheidet. Das sind utopische, unseriöse und taktische Szenarien von Politikern und Linken, die wissenschaftlich mehrfach widerlegt wurden. Derivat-Kettenbriefe sind was anderes als läppische Staatsanleihen. Staatsbankrotte sind nun auch nichts Besonderes. Jedes GIIPS-Land ist anders gelagert, gemein ist allen nur, dass sie zu teuer sind. Das, was finanziell bei einem GR-Bankrott/Austritt ansteht, wurde betragsmäßig längst sinnlos in die vermeintliche Rettung verpulvert. Und selbst jetzt ist ein GR-Ausscheiden wohl immer noch die günstigere Variante.

      Von mir aus hätte man Banken nie retten müssen. Dass dann alles zusammenbräche, ist genauso ein Mythos. Die Bankenrettungsgelder hätte man zum Abfedern der kurzfristigen Folgen besser verwendet. Wie siehts denn heute aus? Schlimmer gehts ja kaum. Die heutige Lage ist verschärfter und kritischer als damals. Und das wurde mit bis zu 2 Bio Euro an Rettungsmaßnahmen erkauft. Ein Irrsinn.

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  13. @Autor
    Die enorme Anhäufung von Unwissen und Unfähigkeit in diesem Blog hat schon etwas schockierendes. Der Autor hat noch nicht einmal eine Vorahnung von der operativen Funktionsweise einer stinknormalen Banküberweisung. Eine wirklich schlimme Sache und damit folglich ein schlechter Artikel.

    Aber nur mal so als Tipp: Wenn große Beträge überwiesen werden, dann muß das von einer Bank refinanziert werden. Die Refinanzierung findet über den Geldmarkt statt. Vielleicht hilft das.

    Und: Noch viel Spaß beim "Tappen im Dunkeln". Sie sind ja nicht allein. Mindestens Sasse ist ja auch noch mit dabei.

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  14. Vielen dank für den sehr gut geschriebenen Artikel. Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, den Target2 Salden etwas weiter auf die Schliche gekommen zu sein ;)

    Daher möchte ich das genannte Beispiel von Athenia und Teutonia gerne mal fortführen. Die beiden Länder haben ja im Verhältnis ihrer "Wirtschaftskraft" oder BIP einen bestimmten Geldanteil in die gemeinsame Währung eingebracht. So weit richtig?
    Nach dem oben beschriebenen Deal, liegen jetzt 15Mrd M mehr bei Teutonia, und nur noch 5 Mrd bei den Athenia Banken.

    Und jetzt ein Gedankenexperiment:
    Athenia möchte jetzt nicht mehr in der Währungsunion sein, sondern wieder austreten und eine neue Währung schaffen.
    Da die Geschäftsbanken von Teutonia wohl kaum ohne Gegenleistung das Geld wieder zurückbuchen werden, verbleibt dieses Geld bei Teutonia und Athenia druckt sich einfach neues Geld.
    Damit hat jetzt Teutonia sehr viele Autos weniger und gleichzeitig sehr viel mehr Geld. Das bedeutet in meiner Kausalkette eine anziehende Inflation in Teutonia, da der geringeren Gütermenge eine deutlich größere Geldmenge gegenübersteht.
    Das Ganze funktioniert in gleicher Weise auch ohne Autos, wenn wie beschrieben nichts gekauft, sondern Kunden ihr Geld zu ausländischen Banken bringen, weil sie glauben, dass es dort sicherer sei.
    Was aber macht die Zentralbank in Teutonia mit der Forderung gegen Athenia, wenn dieses Land austritt? Einfach streichen? Muss die Zentralbank dieses "Loch" irgendwie durch andere Geschäfte stopfen? Oder wie wird die Bilanz der Zentralbank dann aussehen? Weiß jemand hier auf diese Frage eine Antwort?

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    1. Sowohl Forderungen (als auch Verbindlichkeiten) bestehen fort (in der ursprünglich notierten Währung). Problematisch wird die Sache erst im weiteren Verlauf. Wenn die "neue Währung" des Aussteigerlandes auf- bzw. abwertet.
      Der Gläubiger wird in der Regel viel Geld verlieren, da der Schuldner nicht mehr in der Lage sein wird die Zinslast zu bedienen.
      Falls die Forderung abgeschrieben werden muß, dann müsste die entsprechende Zentralbank aufs Eigenkapital buchen. Bei großen Beträgen würde das heißen, dass dadurch ein negatives Eingenkapital entstehen würde.
      Da eine Zentralbank nicht pleite gehen kann, würde das "lediglich" zu einem Vertrauensverlust an den Devisenmärkten führen.

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    2. Halt Moment! Die Konstellation oben mit Teutonia und Athenia ist ja ohne irgendwelche Kredite entstanden. Die Leute in Athenia haben ganz normal von ihrem Geld Autos aus Teutonia bezahlt. Durch die Zahlung entsteht der Zentralbank ein Verrechnungssaldo. Das ist ja aber insofern kein Kredit, oder etwas, worauf Zinsen anfallen. Falls doch, dann habe ich es immernoch nicht verstanden.

      Und noch weiter: wenn die Zentralbank ihre Forderungen auf ihr Eigenkapital abschreibt und negatives Eigenkapital entsteht, muss das ja dann irgendwie wieder ausgeglichen werden. Und wie genau kann das dann geschehen?

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    3. @letzter Anonymer
      Das ist das Problem mit dem Artikel. Der Artikel klärt die Grundlagen nicht bzw kennt der Autor diese nicht:
      Giralgelder sind bankseitig Verbindlichkeiten. Bankkundenseitig handelt es sich quasi um (vereinfacht gesprochen) Forderungen. Technisch gesehen gibt der Bankkunde der Bank einen Kredit wenn sich auf dessen Konto ein Guthaben befindet. Deshalb erhält man auch beispielsweise Zinsen auf Einlagen.
      Deshalb erhalten wir auch gesamtwirtschaftlich eine Nullsumme aus Forderungen und Verbindlichkeiten als Resultat aus einer Kreditvergabe (beispielsweise). Es handelt sich hier nicht um einen Selbstbetrug wie der Autor suggeriert. Sondern um ein wichtiges Element des Bankgeschäfts und der Bankbuchführung.

      Ein Guthaben (und die damit verbundenen bankseitigen Verbindlichkeiten) sind also bereits EIN Bestandteil eines Kredits.

      Eine große Überweisung selbst muß über den Geldmarkt refinanziert werden. Also wieder über einen KREDIT ausgeglichen werden. Die Bank die unter Geldabflüssen zu leiden hat muß sich dieses Geld wieder am Geldmarkt holen. Muß also dort einen KREDIT aufnehmen.
      Eine andere Möglichkeit wäre es Aktiva aufzulösen. An letzterem wird die Bank in der Regel nicht interessiert sein und dies nur im Notfall tun.

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    4. Das negative Eigenkapital wird man dann in der Regel über den Staatshaushalt wieder ausgleichen. (Um die potentiellen Problem am Devisenmarkt zu vermeiden). Man holt sich das Geld vom Steuerzahler. Da man an die großen Vermögen nicht rankommt (sind zu flexibel; Kapitalflucht) holt man sich das Geld von der Mittelschicht beziehungsweise der Unterschicht (falls es dort noch was zu holen gibt).

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    5. @vorletzter Anonymer
      Das hier verstehe ich noch nicht: "Eine große Überweisung selbst muß über den Geldmarkt refinanziert werden. Also wieder über einen KREDIT ausgeglichen werden. Die Bank die unter Geldabflüssen zu leiden hat muß sich dieses Geld wieder am Geldmarkt holen. Muß also dort einen KREDIT aufnehmen."
      Warum ist das so? Die Bank hat doch bspw. 15 M Einlagen der Kunden. Wenn diese jetzt für 10 M im Nachbarland etwas kaufen, dann überweist die Bank einfach die 10 M - oder nicht? Warum muss sich die Bank das Geld am Geldmarkt wiederholen? Wenn ich im Supermarkt einkaufe, dann hole ich mir doch anschließend das bezahlte Geld auch nicht im Spielcasino wieder. Wo ist mein Denkfehler?

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  15. @Tobias Fuentes

    Ich weiß nur immer nicht, ob allen der Knackpunkt klar ist: die Möglichkeit der internen/zusätzlichen Geldschöpfung trat anstelle der regulären Kapitalmarkt-Finanzierung, die nach der Finanzkrise schleichend wegbrach.

    Mir ist dieser Knackpunkt bewusst, deshalb habe den Weg gewählt, es an einen leicht nachvollziehbaren Beispiel verständlich zu erklären. Und daher lautet meine Antwort: auf den Target2 Konten findet eine (virtuelle) Geldschöpfung statt, ohne dass sich die Geldmenge vergrößert!.

    @Anonym 13:10:00

    Aber nur mal so als Tipp: Wenn große Beträge überwiesen werden, dann muß das von einer Bank refinanziert werden. Die Refinanzierung findet über den Geldmarkt statt. Vielleicht hilft das.

    Es handelt sich um ein fiktives Beispiel, bei dem der Komplexitätsgrad absichtlich reduziert wurde. Ich möchte den Mechanismus der Target2 Salden heraus arbeiten, natürlich lässt sich das Beispiel so nicht 1:1 auf die Realität übertragen.

    @Zur Scheidungsdebatte

    Die Salden enthalten keine werthaltigen Forderungen, daher können sie nach der Trennung nach meiner Auffassung nicht eingefordert werden. Wie die Zentralbanksalden wieder ins Lot gebracht werden können, weiß ich auch nicht.

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    1. @Marc
      Dein Knackpunkt ist keiner. Selbstverständlich erhöht sich die Geldmenge im Rahmen einer Refinanzierung. Wie bei jeder Kreditvergabe.

      Weidmann hat es hier sehr gut und leicht verständlich erklärt:
      http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/standpunkt-jens-weidmann-was-steckt-hinter-den-target2-salden-11681939.html

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    2. @ Marc

      Wenn ich diesen Artikel (http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=19402) richtig verstehe, müssen Zentralbanksalden überhaupt nicht ausgeglichen werden, da eine Notenbank jederzeit unbegrenzt selbst Geld schöpfen kann und deshalb im Gegensatz zu Geschäftsbanken kein Insolvenzrisiko trägt, "... if the entity’s liabilities are denominated in domestic current and nominally denominated", was für die Bilanzpositionen der EZB in EURO ja der Fall ist. Aus diesem Grund dürfte wohl auch die Annahme von Anonym (15.07 Uhr), größere Überweisungen müßten über den Geldmarkt refinanziert werden, nur für Geschäftsbanken gelten, nicht aber für eine Notenbank wie die EZB.

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    3. Weidmann:
      Um den Liquiditätsbedarf abzudecken, der beispielsweise aus Warenkäufen oder Kapitalabflüssen resultierte, wurden verstärkt Mittel beim Eurosystem aufgenommen. Das ist möglich, weil das Eurosystem seit Ausbruch der Finanzkrise seine Liquiditätsbereitstellung sukzessiv ausgeweitet hat: Liquidität wurde gegen Sicherheiten in unbegrenztem Umfang (Vollzuteilung), zu einem niedrigen Zins und zu deutlich längeren Laufzeiten bereitgestellt. Außerdem wurden die Anforderungen an die geforderten Sicherheiten, unter anderem Ratingschwellen, spürbar abgesenkt.

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    4. @Anonym Sonntag, 10. Juni 2012 19:10:00 MESZ
      Meine Güte. Aber die Überweisungen werden doch von den Geschäftsbanken ausgelöst UND dann von Target2 (Zahlungsverkehrssystem!!!!) abgewickelt.
      Ist das schwierig! Die Geschäftsbank muß sich natürlich refinanzieren. Das Problem ist nicht Target2, sondern das der Interbankenmarkt nicht mehr funktioniert.
      Niemand war bereit die griechischen Banken über den Interbankenmarkt zu refinanzieren. Deshalb ist die Zentralbank eingesprungen. Als Sicherheiten dienen "faule Papiere". Und damit sind auch hohe Ausfallrisiken verbunden. Das ist das tatsächlich Problem. Leider hat obiger Artikel zur Aufklärung keinen Beitrag geleistet. Dafür ist die Verwirrung offensichtlich vergrößert worden.
      Die hohen Target2-Salden dokumentieren lediglich das Problem.

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    5. @Anonyms

      Ich widerspreche weder Weidmann noch euch.

      Target2 sind Flussgeldkonten, also ein Zahlungsverkehrssystem. Es kann keine Liquidität erzeugen. Das ist genau das, was ich demonstrieren möchte.

      Weidmann kritisiert die Liquiditätsbereitstellung der EZB, das ist sein gutes Recht. Nochmals, die Liquiditätsbereitstellung findet aber in den jeweiligen Ländern statt und dazu hinterlegen die Geschäftsbanken bei "ihrer" Notenbank Sicherheiten. Sollten diese wertlos sein, ist das ein gewaltiges Problem, aber das hat mit Target2 gar nichts zu tun! Es zeigt nur die Ungleichgewichte der Liquiditätsverteilung an. Target2 sagt auch nichts über die Qualität der Liquiditätsflüsse aus. Eine Devisenmarkt macht genau das, Traget2 Transfers eben nicht, er transferiert alles, ob der zugrundeliegende Transfer Müll war oder nicht, ist ihm egal. Sinn kritisiert diesen Automatismus, dann muss er aber die Währungsunion auflösen.

      Also, mir ging es in meinem Artikel nur um die Rolle des Target2 Systems. Die Probleme der Eurozone sehe ich auch, aber ich wollte nur diesen Punkt klären.

      Also, die Gefahr ist, dass der Target2 Automatismus den Zufluss "schlechter" Liquidität erlaubt, das Problem ist aber nicht Target2, sondern dass in der Euro-Zone schlechte Liquidität erzeugt wird.

      Können wir uns auf diese Formel einigen? Im übrigen habe ich genau so Weidmann verstanden.

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    6. @Marc
      Ich hatte weiter oben schon auf den Geldmarkt verwiesen.

      Ich glaube immer noch, dass du den essentiellen Zusammenhang zwischen Target2 und dem Geldmarkt nicht verstanden hast. Deshalb will ich es deutlicher formulieren:
      Wenn die Zentralbank für Griechenland keine Liquidität bereitgestellt hätte, dann wären die erfolgten Überweisungen (von Gr nach D) überhaupt nicht mehr MÖGLICH gewesen. Ich hoffe das war grob genug.

      Das heißt: Die Überweisungen konnten nur erfolgen, weil die Zentralbank diese refinanziert hat.
      Die Liquiditätsbereitstellung der Zentralbank steht in diesem Fall (Griechenland) im direkten Zusammenhang zur Aufrechterhaltung des griechischen Bankensystems und damit zur Aufrechterhaltung des Euro-Währungsraumes. Das ist der brisante Aspekt an dem ganzen.

      Fazit: Überweisungen (in diesem Maßstab) müssen refinanziert werden. Deshalb der Kontext Zahlungsverkehr zu Geldmarkt.

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    7. @Anonym

      Das bestreite ich nicht und ich widerspreche auch nicht! Ich habe mit meinem Beitrag aber eine andere Frage klären wollen, nämlich ob die Target2-Salden eine Werthaltigkeit besitzen oder nicht.

      Die Werthaltigkeit der Liquidität, die transferiert wird, ist eine andere Frage. Diese kann aber nicht durch das Target System beantwortet werden, da diese im Gegensatz zu einem Devisenmarkt eben keine Bewertung und Besicherung des Liquiditätstransfers vornimmt. Das habe ich aber bereits im Beitrag angesprochen.

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  16. Geldmenge M0 somit 12 Mrd. M und die der Geldmenge M1 120 Mrd.

    Endlich hat das mal einer verständlich erklärt.

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  17. "..negative Bankreserven..."

    Schön, Euphemismus vom Feinsten

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  18. @ Anonym (19.22 Uhr)

    Mein Punkt war die Frage, ob dieses Ausfallrisiko für eine Notenbank wie die EZB relevant ist. Während eine Geschäftsbank Verluste ausgleichen muß, um nicht (durch Überschuldung) insolvent zu werden, kann eine Notenbank nie insolvent werden, da sie im Bedarfsfall die Verluste einfach dadurch ausgleichen kann, dass sie "Geld druckt". Das Ausfallrisiko ist deshalb für die EZB irrelevant.

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    1. Ja, richtig. Man kann immer so weitermachen. Irgendwann kracht es trotzdem. Wir reden hier mittlerweilen von dreistelligen Milliardenbeträgen!

      Für Geschäftsbanken wäre das übrigens auch möglich. (wie auch für den Rest der Wirtschaft). Man muß diese ja nicht dicht machen, wenn die Pleite sind. Sondern schiebt einfach Zentralbankgeld hinterher.
      Trotzdem bleiben die Auswirkungen auf den Devisenmarkt und die Währung. Die wird man nicht in Kauf nehmen. Außerdem will man doch das Geld der Steuerzahler haben.

      Aber das hatten wir alles schon unter Anonym Sonntag, 10. Juni 2012 15:09:00 MESZ.

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  19. @Marc
    Es ist wirklich so viel Unsinn in dem Artikel, man weiß nicht wo man anfangen soll. Beispiel:

    ist ja so: die beiden Länder sind bewusst eine Währungsgemeinschaft eingegangen und haben sich dafür entschieden, den Marktmechanismus abzuschaffen, um ihre Finanztransaktionen leichter durchführen zu können. Möchte man die länderübergreifenden Kapitaltransfers jedoch lieber besichern und vom Markt bewerten lassen, da der Nachbar einem irgendwie suspekt geworden ist, dann gibt es einen ganz einfachen Trick: die Währungsunion auflösen.

    Der Marktmechanismus ist nicht abgeschafft. Es gibt den Geldmarkt. Dort beschafft man sich die notwendige Mittel an Zentralbankgeld. (Man wird es kaum glauben, aber man bezahlt dafür einen Zins! Oh my goodness! )
    Im Target2 werden Zentralbankguthaben verschoben. Zentralbankgeld erhält man nur indem man Sicherheiten hinterlegt (beispielsweise Staatsanleihen ...). Dazu muß man die Währungsunion nicht auflösen. Wäre vielleicht auch etwas krass.

    Darf man fragen aus welchem Bereich du kommst? Bitte sag jetzt nicht BWL oder VWL, sonst bekomm ich einen Nervenzusammenbruch und Selbstmordgedanken.

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    1. Wenn in Griechenland nur noch Schrott hinterlegt wird und damit Liquidität erzeugt wird und hier bei uns astreines Zeugs in die EZB-Tresore gelangt, würde bei einem funktionierendem Marktmechanismus die griechische Währung in Relation zu unserer abwerten. Das geht nicht mehr, weil wir in einer Währungsunion sind, falls sie das noch nicht wissen. Der Geldmarkt hat die Fähigkeit verloren, die unterschiedlichen Qualitäten der Geldschöpfungen in den Ländern abbilden zu können.

      Ich bekomme auch Nervenzusammenbrüche, wenn ich sehe was "ihr" Ökonomen mit "meinem" Geld macht!1!!

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    2. Den lakonischen Hinweis von Tom Petty finde ich schon berechtigt:

      Geldmenge M0 somit 12 Mrd. M und die der Geldmenge M1 120 Mrd.
      Endlich hat das mal einer verständlich erklärt.

      Bevor sich viele Leser ernsthaft mit dem Thema von Target 2 auseinandersetzten können und ob dieses lediglich systemimmanente Probleme abbildet ohne selbst Ursache des Problems zu sein oder ob es ebenen doch Teil der Ursache, des Problems ist, bräuchte ich und vielleicht auch andere zunächst einen Artikel für "Dummies", der das Phänomen von Giralgeldern plausibel und nachvollziehbhar erklärt. Ich habe es mir bei Wikipedia und dergleich durchgelesen, geglaubt es zu verstehen und dann doch wieder zu merken, dass ich es nicht verstehe. Wenn eine Zentralbank eine gewissse Menge an Geld druckt, das sich in Buchgeld und Bargeld aufteilt, wieso gibt es im nächsten Schritt M1 mehr Geld? Wo kommt es her, wenn es nicht gedruckt wird und es doch eigentlich nur in den Bilanzen der Banken existiert ( Zentralbanken, Notenbanken, Geschäftsbanken, ... )Klar die Banken verdienen am Geld verleihen, aber wo kommt dieser Gewinn her?

      Bin zwar keine schwäbische Hausfrau, stelle nun aber vielleicht eine entsprechende Frage:

      Deutschland (was immer das ist ) hatte früher in den Nachrichten ganz ganz ganz viele Schulden (bei wem eigentlich ?)

      Nun soll dieser so verschuldete Staat der mehr Geld ausgibt als er einnimmt über Eurobonds für andere Staaten haften. Mit dem Geld (Investoren,Schulden/Steuern,??? ) das er von anderer Stelle bekommt. Dies soll dann wiederum beruhigend auf Investoren/ den Finanzmartkt wirken. Nun ist meine Frage die:

      Haben die Investoren denen Deutschland Geld schuldet mit den Investoren was zu tun, die nun durch Eurobonds, Rettungsschirme etc. beruhigt werden sollen?

      Auch wenn diese Frage nun vielleicht über naiv, polemisch bis vielleicht dumm rüber kommt, sie ist wirklich ernst gemeint.

      @Marc: Ich finde es übrigens sehr sympathisch, wie geduldig und sachlich Du auf einige schon recht persönliche Angriffe hier reagiert hast - aber dieser Kommentar tut hier ja rein sachlich nun auch nicht zu der Sache. Vielleicht kannst Du mir gute Links empfehlen, die auf meine Fragestellung eingehen.

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    3. "Wenn in Griechenland nur noch Schrott hinterlegt wird und damit Liquidität erzeugt wird und hier bei uns astreines Zeugs in die EZB-Tresore gelangt, würde bei einem funktionierendem Marktmechanismus die griechische Währung in Relation zu unserer abwerten."

      Und genau an dieser Stelle liegt das Risiko - G. schafft Geld ohne Wertschöpfung auch TAGET 2 SALDEN genannt

      "Das geht nicht mehr, weil wir in einer Währungsunion sind, falls sie das noch nicht wissen. Der Geldmarkt hat die Fähigkeit verloren, die unterschiedlichen Qualitäten der Geldschöpfungen in den Ländern abbilden zu können."

      Das kann der Geldmarkt sehr wohl noch, G- kann nur noch Anleihen mit Ramsch - Status emittieren.

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  20. In dieser Linksammlung / Linkliste wird die Diskussion um Target2 vollständig dokumentiert: http://www.robertmwuner.de/materialien_euro_literatur_target2.html

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