Mittwoch, 28. November 2007

Soziale Ader bei Köhler?

Fast könnte man das angesichts der Schlagzeilen meinen. Aber nur fast. "Scharfe Kritik" übte Köhler an den hohen Unternehmergehältern, für die Kleinen und Schwachen müsse man sich stark machen, und was der eigentlich sozialdemokratischen Phrasen mehr sind. Seltsam, sie ausgerechnet aus seinem Mund zu hören. Misstrauisch machte mich dann folgender Satz in der SZ:
Der Präsident geht noch weiter: Er fordert, die Arbeitnehmer an Ertrag und Kapital von Unternehmen zu beteiligen. (Quelle)
Toller Hecht, unser Herr Präsident! Trotzdem musste ich gleich wieder an den Investivlohn denken, als ich diese Worte las. Also habe ich genauer hingeschaut. Und natürlich wurde ich auch gleich fündig:
Um gegen steigende Einkommensunterschiede vorzugehen, forderte Köhler eine Beteiligung der Arbeitnehmer an Ertrag und Kapital von Unternehmen. Die internationale Finanzkrise mache es jedoch schwieriger, breite Bevölkerungsschichten an den Kapitalmarkt heranzuführen. (Quelle)
Köhlers Bedauern ist das eines Straßenräubers, der die Pistole ziehen muss, damit die Reisenden ihm die Börse geben und das aufrichtig bedauert. Während die SZ also reißerisch titelt "Köhler knöpft sich Manager vor", arbeitet er diesen in Wirklichkeit nach wie vor in die Hand. Die Politik betätigt sich wieder einmal, bis hinauf ins ach so leicht käufliche höchste Staatsamt, als Lobbyisten und Agenten von Versicherungs- und Finanzwirtschaft.
Der Investivlohn ist mit Sicherheit das Letzte, was Deutschlands "durchschnittlichen" Arbeitnehmern (die ja gerade von Merkel auch wider Willen als Kronzeugen bemüht werden) in irgendeiner Art und Weise die klaffende Schere zwischen Arm und Reich in der BRD zu schließen hilft. In Wirklichkeit wird die Schere dadurch eher weiter aufgehen. Löhne, die zum Teil als Aktienoptionen ausgezahlt werden? Horden von Arbeitnehmern, die auf dem Aktienmarkt aktiv werden? Ein goldenes Geschäft für Makler und Versicherer aller Art, denn wer kennt sich da schon aus? So bringen die Arbeitnehmer nicht nur ihre Arbeit in die Unternehmen ein und helfen die überzogenen Managergehälter finanzieren, nein, sie leihen den gleichen Unternehmen auch noch gleich ihr Geld und machen diese für ihr eigenes Outsourcing flüssig. Und wenn die nächste Krise kommt, die die Arbeitnehmer aufgrund mangelnder Kenntnis des Finanzmarktes weder vorhersehen noch beherrschen können und sich dann neben der (privatisierten) Altersvorsorge und der (privatisierten) Krankenversicherung auch noch die (schon immer privaten) Löhne im Nirvana auflösen und tausende von Menschen vor einer Aussicht stehen, gegen die 1929 wie ein Paradies anmutet - das ist der Markt. Und der wird es schon richten.



Kommentare:

  1. Die herrschenden vertrauen auf das kurze Gedächtnis der leider ignoranten Massen. Zum flaa Köhler ist anzumerken, das der heutige Bundespräsident 2001 in seiner Funktion als Weltbankpräsident in das durch ein neoliberales Expeeriment in schwere Turbulenzen geratene Argentinien reiste, dort die Forderung nach Zahlungsaufschub ablehnte und somit das Leid von Millionen Argentinier noch verschärfte.
    "Was anders sind Reiche, wenn ihnen Gerechtigkeit fehlt als große Räuberbanden?" Augustinus, De Civitate Dei

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  2. "Die internationale Finanzkrise mache es jedoch schwieriger, breite Bevölkerungsschichten an den Kapitalmarkt heranzuführen."

    Leider ist das genau so eine Worthülse von Köhler wie das, was er vor ein paar Tagen sagte, Globalisierung menschlich machen!

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  3. Probleme gibt es damit Massenhaft... sollte wirklich alles privatisiert und in dieser Form angelegt sein, könnte man tatsächlich in Probleme kommen.

    Allerdings übertreibst du am Ende deutlich.
    1. Legt wohl hoffentlich keiner sein gesamtes Vermögen in Aktien an. Anleihen zum Beispiel repräsentieren hier eine gute Alternative die sicherer ist.

    2. Altersvorsorge usw. kann durchaus mit Lebensversicherungen oder speziellen Fonds getätigt werden, welche trotz dieser aktuellen Krise nicht in Schieflage geraten werden (klar bleiben die nicht verschont, aber die Anlagephilospohien hier sind eher konservativ, daher sicherer).

    3. Warum muss das grundsätzlich schlecht sein? Warum sollen die Arbeitnehmer (welche es wünschen?!) am Unternehmen partizipieren können?
    Gerade für Startups stellt die Finanzierung per Opitonen eine gute Möglichkeit dar die Mitarbeiter zu entlohnen... (klar... dotcom Bubble usw. waren dann nicht so schön... allerdings haben auch viele Arbeitnehmer damals gut Geld gemacht).

    4. Den Kaptialmakrt durchschauen brauchst du als einfacher Anlerger nicht um Geld zu verdienen...

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