Dienstag, 3. Mai 2011

Liebeserklärung an Amerika

Von Stefan Sasse

Sie sagen immer, man solle nicht in einen oberflächlichen Anti- Amerikanismus abgleiten. Meiner ist aber gar nicht oberflächlich. 
       - Volker Pispers
Volker Pispers findet sich in guter Gesellschaft. Im Bereich der Politik und des politischen Kabaretts nimmt der beiläufige Seitenhieb auf die USA, mal mehr, mal weniger böse, den Platz ein, den im normalen Witz- und Comedy-Verkehr der Humor zu Unterschieden zwischen Mann und Frau hat. Mein eigenes Verhältnis zu den USA war im Verlauf des letzten Jahrzehnts einigen Änderungen unterworfen. Es war der Anti-Amerikanismus, durch den sich meine Politisierung vollzogen hat. Besonders dem Blog USA erklärt verdanke ich einen tieferen Einblick in die amerikanische Psyche, und meine Beschäftigung mit der Geschichte und dem politischen System der USA half mir, Erkenntnisse zu vertiefen und frühere Ansichten zu hinterfragen. Verständlich bleibt Kritik an den USA, oftmals auch nur plumpe (selten feinsinnige) Polemik, denn sie ist immer hilfreich wenn man seine eigene Unabhängigkeit im politischen Denken deutlich machen will. Man stößt praktisch immer auf Zustimmung, wenn man in Deutschland Kritik an den Militäreinsätzen der USA und ihrem machtbewussten Auftreten in der Außenpolitik übt. Zustimmung erntet praktisch jeder Verweis auf die scheinbar mangelnde Kultur der Amerikaner, deren Errungenschaften auf diesem Gebiet irgendwo zwischen McDonalds, Las Vegas und Hollywood lägen. Die inzwischen schon sprichwörtliche Unbildung der Amerikaner, was die Geographie Europas angeht, ist Gegenstand zahlloser meist schlechter Scherze. Das Negativbild, das so über die USA entstanden ist, hat mit der Realität allerdings oft genug wenig gemein. Es wurzelt in trüben Epochen unserer eigenen Vergangenheit, und letztlich dient der Anti-Amerikanismus oft genug dazu, sich selbst der eigenen Großartigkeit zu versichern, auch wenn dazu eigentlich kaum Grund besteht.

Eines der bekanntesten und am häufigsten wiederholten Vorurteile gegenüber den USA ist, dass sie keine Kultur besäßen. Gemeint ist hier meistens, dass es an Malern, Dichtern oder Musikern gebricht, die es mit ihren europäischen Gegenstücken aufnehmen könnten. Das ist teilweise richtig; die ersten Musiker von Weltrang würden erst im 20. Jahrhundert die Bühne betreten, und amerikanische Maler haben nie einen Bekanntheitsgrad erreicht, wie dies etwa Michelangelo oder Rubens getan haben. Es gibt aber genügend amerikanische Dichter und Autoren. Viel schlimmer an diesem Vorurteil aber ist, dass es Quatsch ist. Im 19. Jahrhundert machte sich eine gänzlich neue Kunstrichtung breit, die ihre Anerkennung selbst heute noch sucht: die Fotographie. Viele ihrer Pioniere stammten aus den USA. Als sich um die Jahrhundertwende zudem der Film entwickelte, waren es Amerikaner, die zahllose heute noch berühmte Werke schufen (etwa "Birth of a Nation" von 1915). Das Problem bei diesem Vorurteil ist, dass die meisten Leute die es verwenden selbst keine Ahnung von Kunst haben. Wer hat schließlich je außerhalb der Schule Goethe oder Lessing freiwillig gelesen? Wer setzt sich nach Feierabend vor einen van Gogh anstatt vor die Glotze oder schwelgt in den Klängen Haydns? Die Vorstellung ist absurd. Es handelt sich vielmehr um eine chauvinistische Attitüde.

Filmplakat 1915
Amerika hat kulturell etwas bewerkstelligt, was bis dato kein Europäer je auch nur versucht hätte: eine Kultur des Massengeschmacks zu erstellen. Die Autoren, Dichter, Maler und Musiker, die in Europa so als Geistesgrößen verehrt werden (und es sicher auch waren) haben ihre Kultur nur für einen sehr kleinen, erlesenen Kreis gemacht. Sie waren voller Verachtung für andere Schichten, besonders die breite Masse der Bevölkerung, der Bauern und Arbeiter. Für 80% der Menschen in Europa war diese Kunst nie da, nie gedacht. Die Künstler selbst engten ihren Rezipientenkreis meist noch viel weiter ein; Mozart etwa beklagte sich unentwegt über die "langen Ohren", also Menschen, die seine Werke nicht verstanden, und machte seinem Selbstverständnis nach Musik nur für einige ganz wenige. Bei den meisten anderen Künstlern war dies ebenfalls der Fall; viele Maler etwa haben Auftragswerke für reiche Adelige erstellt, die zwar keine Ahnung von den künsterischen Dimensionen, aber immerhin den Geldbeutel hatten sie zu finanzieren. In Amerika dagegen entstand erst auf den Bühnen und in der Belletristik, später dann in Kino und Radio eine Massenkultur, die erste (und eigentlich einzige), die die Menschheit je hervorgebracht hat. Für eine Weile konnte der Kultursnobismus die Oberhand behalten und die "Vermassung" beklagen, was man gerne tat, weil man sich gebildet dabei vorkommen konnte. Spätestens das Ende des Zweiten Weltkriegs aber brach alle Dämme, und der Erfolg der der amerikanischen Massenkultur ist nicht mehr aufzuhalten.

Man kann kritisieren, dass sie flach sei und eigentlich gar keine Kultur. Ich halte das für falsch. Sicher erreicht sie nicht die mehrdeutigen Tiefen, die Schillers Werke auszeichnet. Sicher sind die meisten Hollywood-Produktionen großer Quatsch. Allerdings gilt das für 95% dessen, was zwischen 1770 und 1830 in Deutschland gedichtet wurde auch. Goethe und Schiller sind Ausnahmen, nicht die Regel. Den miesen Rest haben wir nur vergessen. Dazu kommt, dass der Prophet stets am Wenigsten im eigenen Lande gilt. Kultur wurde noch nie von den Zeitgenossen als solche betrachtet. Die Adelung zum Kulturgut, das Erhalten und Verfielfältigen und dann später das Quälen zahlloser Schülergenerationen, kommt immer erst später. Wer weiß, vielleicht werden in 20 oder 30 Jahren in der Schule Filme besprochen, die wir heute lieben und über die die späteren Schüler dann stöhnen werden. Ein anderes Beispiel ist Jazz: die Zeitgenossen sahen es als Negermusik an, als wilden, chaotischen Mist, den ein ordentlicher Mensch nicht hört. Heute gehört das andächtige Lauschen von Ray Charles zum Ausdruck von Kunstverständnis. Werke dieser Massenkultur aber einfach dafür zu kritisieren, dass sie für den Kommerz und damit den Profit gemacht werden ist geradezu hirnissig. Genausogut hätte man Michelangelo und Leonardo da Vinci vorwerfen können, dass sie immer nur für reiche Auftraggeber arbeiten.

US-Marines bei der Einnahme Saddam Husseins Palast 2003
Etwas, woran sich für gewöhnlich jedoch die meisten Geister scheiden, ist die Rolle der US-Außenpolitik. Ihr wird extreme Prinzipienlosigkeit vorgeworfen, die jegliche Moral über Bord wirft. Der Bellizismus der USA, die gerne bereit sind, mit Waffengewalt gegen unliebsame Entwicklungen in anderen Ländern vorzugehen, ist geradezu sprichwörtlich. Ihre militärische Macht ist erdrückend. Es gibt auf diesem Feld nur wenig zu beschönigen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sich die USA oftmals wie ein Arschloch benommen. Eine Spur von Blut zieht sich durch viele lateinamerikanische Republiken, wo für den Profit deutlich zu eng mit der Regierung verknüpfter Großkonzerne wie United Fruit demokratisch gewählte Regierungen zugunsten blutrünstiger Diktatoren abgesetzt wurden. In Vietnam wurde rücksichtslos über Jahre eine Bevölkerung bombardiert, mit der man nominell nicht einmal im Krieg war. In Pakistan wurde erst gestern Osama bin Laden erschossen - eine Tat, deren Rechtfertigung vor dem Völkerrecht bestenfalls an einem seidenen Faden hängt.

Es führt zu weit, sich mit all diesen Fällen zu befassen. Neben den bereits erwähnten Interessenverschränkungen muss man den USA immerhin konzedieren, dass sie von der Gefahr kommunistischer Umstürze tatsächlich überzeugt waren (was aus ihren Handlungen selbstverständlich immer noch kein Recht macht). Es ist die Kritik an ihrer Außenpolitik, in der antiamerikanischer Protest, oftmals zu Recht, seinen sichtbarsten Ausdruck findest. Die Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg in den 1960er Jahren und die Demonstrationen gegen den Irakkrieg 2003 übten beide eine gewaltige Anziehungskraft auf Bevölkerungsschichten aus. Zur Ehrenrettung der Amerikaner darf man hier aber nicht verschweigen, dass die Bevölkerung selbst krasse Fehlentwicklungen der Außenpolitik wie Irak und Vietnam selbst korrigiert. Beide Kriege wurden gerade wegen des anhaltenden Protests in den USA selbst beendet. So begeistert eine Bevölkerungsmehrheit auch in falsch verstandenem Patriotismus hinter den Einsätzen stand - es gab stets auch Amerikaner, die Protest geübt haben. Dieser Protest war dabei in den Augen der Exekutive auch nie illegitim. Das Recht auf Meinungsfreiheit und das Ausdrücken dieser Meinungsfreiheit hat in den USA einen sehr viel höheren Stellenwert als hierzulande.

Bush unterzeichnet den "Patriot Act"
Das gilt auch und im Besonderen für die Pressefreiheit und andere rechtsstaatliche Grundlagen. Das Sensorium der US-Gesellschaft für Einschränkungen auf diesem Feld ist, trotz Abnormitäten wie dem "Patriot Act", unendlich viel feiner als das deutsche. Immer wieder haben Präsidenten versucht, ihre Befugnisse auszuweiten, und selten gelang ihnen das auch. Es gehört zu den Konstanten der US-Geschichte, dass viele dieser Ausweitungen auch wieder rückgängig gemacht wurden. Einer Perversion des US-Systems, der Bevorzugung reicher Kandidaten (der Wahlkampf, der privat finanziert werden muss, ist ungeheuer kostspielig), steht eine echte Gewaltenteilung gegenüber. Wo das deutsche System an dem Problem leidet, dass die Exekutive gleichzeitig Mitglied der Legislative ist und die Handlungsfreiheit des Parlaments damit aus objektiven Zwängen stark einschränkt, sind die Abgeordneten in den USA deutlich freier in ihren Wahlentscheidungen und sind, zwangsläufig, näher am Puls derjenigen, die sie wählen. Paradoxerweise gelingt es vielen Kritikern der USA, zum Einen dieses freiere Element gut zu finden und sich dann auf der anderen Seite darüber zu echauffieren, dass Waffenbesitz und Todesstrafe immer noch nicht abgeschafft sind. Die Mehrheit der Bürger, so schwer das für uns Kontinentaleuropäer auch zu verstehen ist, steht firm hinter diesen Einrichtungen.

Die harte Linie, die die USA oft in der Außenpolitik einnehmen, wird durch zahlreiche Umfragen kontrastiert, denenzufolge die meisten US-Bürger nicht die geringste Ahnung von Geographie haben. So wissen sie nicht, dass Afrika ein Kontinent und kein Land ist, vermuten den Iran in Australien und haben noch nie von Kanzlerin Merkel gehört. Abgesehen davon, dass man auf deutschen Straßen genausoviele Leute ohne Ahnung finden kann - die Unbildung vieler Amerikaner über die genauen politischen Verhältnisse in Europa ist kein solcher Ausdruck von Ignoranz, wie das oftmals scheint. Oder kann jemand aus dem Stand den Premierminister Kanadas nennen? Weiß jemand, wer gerade in Mexiko regiert? Ob Bolivien oder Venezuela weiter südlich liegen? An wie viele Länder Chile angrenzt? Das Wissen über (politische) Geographie ist stark vom Standpunkt abhängig. In Europa vergessen wir außerdem gerne, dass die USA so groß sind wie Europa ohne Russland zusammengenommen. Da verschieben sich Maßstäbe automatisch. Die Volkswirtschaft von Kalifornien ist größer als die der meisten EU-Mitglieder, und es scheint deswegen ratsamer, den Gouverneur dieses Staates zu kennen als den Ministerpräsidenten Spaniens. Nicht umsonst orientieren sich Highway-Schilder in den USA an den Himmelsrichtungen und nicht wie bei uns an den Städten. Welcher Kalifornier weiß schon genau, ob er in Richtung Mobile oder in Richtung Little Rock eher an sein Ziel kommt?

Tea-Party Protestler
Wenn irgendetwas die Amerikaner gerade unsympathisch macht, dann ist es sicher die Tea-Party-Bewegung. Ultrarechts und aggressiv im Auftreten stehen sie für das Amerika, das jedem Europäer ein Schaudern über den Rücken jagt. Die große Rolle der Religion im öffentlichen Leben der Amerikaner und ihr teilweise fast fanatischer Hass auf Andersdenkende kontrastiert ihre sonstige Offenheit aufs Schärfste. Das Einzige, was zur Ehrenrettung der Amerikaner insgesamt gesagt werden kann ist wohl, dass es auch immer eine Opposition dagegen gibt. Für jeden religiösen Spinner gibt es auch einen vernünftig denkenden Liberalen. Und obwohl der Ton der Debatte gerade ungewöhnlich scharf und aggressiv ist, ist die Voraussage nicht weit hergeholt, dass die Amerikaner selbst diesen Graben wieder schließen werden, wie sie es immer getan haben, und dass Meinungsfreiheit und andere Werte bestehen bleiben. Aktuell jedenfalls sichert die Tea-Party-Bewegung Obamas Wiederwahl, denn auch wenn es manchmal den Anschein hat - die Spinner sind eine Minderheit.

Überhaupt, der Dissens. Die Tea-Party-Bewegung fußt auch auf dem Statement "dissens is patriotic". Im Gegensatz zu Deutschland, wo Ordnung und Fraktionsdisziplin über alles gehen (nicht, dass man nicht trotzdem darauf schimpfen würde. Die Deutschen können genauso schizophren sein wie die Amerikaner), hat die Diskussion und der Dissens einen positiven Stellenwert. Die Amerikaner sind stolz darauf, viel zu wählen. Vom Hundefänger über den Polizeichef bis zum Staatsanwalt und Abgeordneten wird alles gewählt. "Townhall Meetings", bei denen sich etwa der Präsident den Fragen der Wähler stellt, sind in Deutschland fast undenkbar. Es verwundert ausländische Beobachter auch immer wieder, wie furchtbar ineffizient das amerikanische System ist, wie viele verschiedene Institutionen miteinander verschränkt sind und sich gegenseitig in den Arm fallen. Steht man mit dem Herzen bei einer bestimmten Sache, etwa Obamas Gesundheitsreform, will man einfach nur schreien wenn man beobachtet, wie sie Stück für Stück zerpflückt wird. Veränderungen geschehen auf diese Weise nur extrem langsam. Es dauerte über 60 Jahre, bis die USA die Sklaverei abschafften, und noch einmal fast exakt 100 Jahre, bis endlich rechtliche Gleichberechtigung für alle Rassen hergestellt war (die faktische Gleichberechtigung wird wohl noch einmal ihre 60, 70 Jahre in Anspruch nehmen). Das ist ein Nachteil des amerikanischen Systems. Sein unschlagbarer Vorteil aber ist, dass während es unfähig ist positive Änderungen schnell zu initiieren, es auch keine Chance hat negative Änderungen durchzudrücken.

Friedrich "der Große"
In einer Geschichte von mittlerweile deutlich über 200 Jahren hatten die USA keinen Diktator, keinen Putsch, keine innere Revolution (sofern man den Bürgerkrieg nicht mitzählt). In der Zeit, in der die USA existieren, hat sich Preußen Norddeutschland vereinnahmt, hat die Revolution von 1848 stattgefunden, haben die Einigungskriege stattgefunden, ging der Erste Weltkrieg verloren, die Weimarer Republik unter, wurde die Bonner Republik geschaffen. In all dieser Zeit bestand das politische System der USA weitgehend unverändert fort und garantierte seinen Bürgern die Freiheiten, die die meisten Deutschen erst 1919 und ungefährdet erst 1949 erleben dürfen. Es ist völlig unangebracht, von oben herab auf die USA herabzusehen. Ihr System hat sich als das stabilste der Welt erwiesen, sie sind der älteste Staat der Welt. Die oft mit snobistischem Lächeln der Überheblichkeit vorgebrachte Beobachtung, dass die USA eine sehr junge Geschichte haben wird dadurch kontrastiert, dass sie eine kontinuierliche haben. Was ist denn aus der Zeit vor 1945 in unseren Alltag überkommen? Welche gesellschaftlichen Elemente aus der Zeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sind bei uns noch lebendig? Die Tea-Party-Bewegung beruft sich auf Ereignisse aus den 1770er Jahren! Welche Werte aus dieser Zeit - oder der 100 Jahre später? - könnten oder wollten wir für uns in Anspruch nehmen? Als die Amerikaner über ihre Verfassung diskutierten, die bis heute ihre Freiheiten garantiert, herrschte bei uns Friedrich der Große! Als sie ihren Bürgerkrieg über die Frage ausfochten, ob Schwarze freie Bürger sein könnten, lag bei uns Friedhofsruhe über dem Land, nachdem preußische Bajonette die Revolution niedergehalten hatten.

Allein diese historische Leistung rechtfertigt Respekt vor den Amerikanern. Ohne sie lebten wir heute vielleicht in einem Großdeutschen Reich von Archangelsk bis zu den Vogesen, in dem im Gleichschritt über Werte wie Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit hinweggetrampelt würde. Machen sie Fehler? Sicherlich. Haben sie Fehler begangen? Ohne Zahl. Wird die US-Geschichte mit Blut geschrieben? Ohne Zweifel. Aber niemals haben die USA solche Fehler begangen wie die Deutschen. Viele ihrer Charaktermerkmale kann ich kaum verstehen. Wie man so einen nachgerade fanatischen Glauben in die Kraft des Individuums und solches Misstrauen in jegliche staatliche Normierung hegen kann ist mir unbegreiflich. Wie man einerseits so stolz auf seine eigenen grundrechtlichen Errungenschaften sein kann und es dann klaglos hinnimmt, dass Soldaten auf der ganzen Welt diese Werte mit Füßen treten entzieht sich mir. Ich bin mir aber sicher, dass die Welt ohne die USA heute eine schlechtere wäre. Die Ideale dieses Landes und seiner Bevölkerung hatten über Jahrzehnte eine gewaltige Strahlkraft. Sollte diese Strahlkraft nun erlöschen, weil das Land - wie es in apokalyptischen Szenarien gerne und mit einem wohligen Schauder ausgemalt wird - langsam zerfällt, dann wird das unangenehme Konsequenzen für uns alle haben. Wollen wir hoffen, dass die USA noch lange bestehen bleiben und ihren Glauben an ihre Werte erhalten.

Alle Bilder Wikimedia Commons. 

Kommentare:

  1. Ich fand dieses Zitat des englischen Bloggers Andrew Sullivan neulich klasse, der nach Jahren des Wartens eine permanente Staatsbürgerschft in den USA erlangt hat:

    "America remains the great dream, the great promise. For all its dysfunction, it remains an ideal, a place where the restlessness of the human mind and soul comes to rest in a place it constantly reinvents and forever re-imagines. I know this in my bones, perhaps more than many who take this amazing mess of a country for granted."

    http://andrewsullivan.thedailybeast.com/2011/04/home-and-dry.html

    Amerika strahlt einfach eine Leidenschaft aus, im Guten und Schlechten, die gerade auch uns durchorganisierte und gelangweilte Deutsche fasziniert, glaube ich. Mich zumindest.

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  2. "Die inzwischen schon sprichwörtliche Unbildung der Amerikaner, was die Geographie Europas angeht, ist Gegenstand zahlloser meist schlechter Scherze."

    Schöner Artikel. Ich hatte zu diesem Thema auch schon mal eine Diskussion. Ich bat dann einfach darum die afrikanischen Staaten aufzuzählen. Da wird dann einigen Deutschen schnell klar, dass wir nicht besser sind als die US Amerikaner.

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  3. Uff- hörbar knirschend rückt meine amerikanische Wahrnehmung dieser Tage wieder an eine brauchbarere Position. Danke dafür. In den letzten Monaten hab ich tatsächlich Scots "USA erklärt" ein wenig vernachlässigt.

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  4. Als Anhänger des Negativismus, stehe ich Jubelreden, Verherrlichungen und Lobeshymnen zunächst grundsätzlich sehr skeptisch gegenüber. Gültige Argumente sind für mich in erster Linie kritisch und hinterfragend. Mit Positivismus werden wir in der Werbung, der Politik, der Wirtschaft usw., schon genug erschlagen, betrogen und belogen.

    Zum Artikel: ich kann weder einer Person, noch einem Staat eine Liebeserklärung machen, die gefoltert, gemordet und für millionenfaches weltweites Leid gesorgt hat. Das verbietet mir mein Gewissen. Details zu den US-Verbrechen, hast Du teilweise ja schon selbst aufgezählt. Die Liste ist aber sehr viel größer und länger.

    Menschen, die für den Frieden eingetreten sind und eintreten, haben eine Liebeserklärung verdient (Nelson Mandela, Rosa Luxemburg, Gandhi usw.), aber ganz sicher nicht die USA, die sich in ihrer sehr blutigen Geschichte durch die halbe Welt gebombt und geschossen haben.

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  5. "Ich bin mir aber sicher, dass die Welt ohne die USA heute eine schlechtere wäre."

    Wie kannst du Dir da so sicher sein? Meine hellseherischen Fähigkeiten sind nicht so ausgeprägt dass ich mir darüber ein Urteil erlauben würde. Sie wäre sicher eine andere, aber schlechter? Nun, ich bin mir sicher dass das viele in Südamerika nicht unterschreiben würden, oder gehören die nicht auch zu dieser Welt?

    Das mit der Allgemeinbildung kann ich dafür so stehen lassen, allerdings ist das auch kein rein amerikanisches Problem, sondern ein globales, trotz der unglaublichen Verfügbarkeit von Information via INternet, komisch eigentlich.

    Mag ja sein dass es Amerika auszeichnet eine "kontinuierliche" GEschichte zu haben, aber ist es wirklich besser so? Führt nicht gerade das auch dazu, dass man scheinbare Werte trotz deren offensichtlicher Überalterung krampfhaft festhält? Man könnte auch sagen es ist etwas das Europa auszeichnet, den Versuch zu unternehmen mit der eigenen Vergangenheit kritisch umzugehen (und ja, mir ist klar dass das bei weitem nicht immer gelungen ist), statt krampfhaft am bisherigen festhalten zu wollen.

    Insgesamt ist viel interessantes in Deinem Artikel, er enthält für meinen GEschmack allerdings zu viel Heldenpathos und zu wenig Realität.

    "Aber niemals haben die USA solche Fehler begangen wie die Deutschen."
    Darum geht es aber nicht, sondern darum ob jemand bereit ist zu seinen FEhlern zu stehen und aus ihnen zu lernen oder ob ihn nur eins auszeichnet: dass er die immer gleichen Fehler absolut zuverlässig wieder und wieder und wieder macht. Kein Mensch ist fehlerlos, kein Volk ohne Schuld, aber der Umgang mit der eigenen Schunld macht es doch aus, oder nicht?

    Nachdenkliche Grüße
    Nanny

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  6. @Nanny:
    Nenn es Erfahrungswerte.
    Und ich denke, dass die Amerikaner durchaus Fehler eingestehen und sie in Zukunft zu vermeiden versuchen.

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  7. Als gebürtiger US Amerikaner kann ich dem Artikel im Großen und Ganzen nicht zustimmen.

    Meiner Meinung nach haben sich die USA in den letzten Jahrzehnten zum größten Übel der Welt entwickelt. Keine andere Nation verfolgt so konsequent eigene Interessen und geht dabei über Leichen. Keine Nation verfällt in solch blinde Selbstverliebtheit und zeigt einen solchen Mangel an Selbst-Reflektion. Sicher, das kann man nicht über alle Amerikaner sagen, aber es sind eben zuviele, die so sind. Ich kann nur hoffen, dass möglichst bald mehr und mehr meiner Landsleute aufwachen und sich fragen, wo sie als Nation hinsteuern. Was die USA tun oder nicht tun, fällt auf uns alle im "Westen" zurück. Mitgefangen, mitgehangen, wie man sagt.

    Was den Mangel and geographischen Wissens angeht (ich bekenne mich schuldig, da auch so manch Lücke zu haben), muss ich folgendes sagen: wenn man als Volk den Anspruch hat, überall mitzumischen und die Welt nach eigenem Ermessen zu gestalten, sollte man auch wissen, worum es eigentlich geht.

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  8. @stefan: nun, zunächst mag ich die Bezeichnung "die Amerikaner" nicht, weil es das meines Wissens gar nicht wirklich gibt. Meine persönliche Erfahrung mit Us- Amrikanern ist allerdings schon die, dass viele über ein nicht allzu großes Allgemeinwissen verfügen, ganz so wie die Entwicklung hierzulande auch verläuft. Was die Theorie bestätigt dass wir uns viel ähnlicher sind als den meisten bewusst und lieb ist. Nur damit du mcih verstehst, ich werfe das wieder hierzulande noch dort den betroffenen Menschen vor, sondern es ist Ausdruck des Systems. Eines Systems, das bemüht ist die Menschen bewusst uninformiert zu lassen frei nach dem Motto: "dumm läßt sich leichter regieren."
    Eine Tea-Party Bewegung könnte es auch bei uns jederzeit geben, es müßte sich nur eine entsprechend charismatische Person finden die dieser vorsteht :-( Auch das läßt sich mit schlecht gebidleten Menschen doch ganz gut machen.
    Und dann stimme ich Anonym über mir dahingehend zu dass man doch erwarten können sollte dass die Bevölkerung sich zumindest da informiert wo sie betroffen ist, sprich dass sie zwar kein umfassendes Wissen über BAngladesh aufweisen kann, aber wissen sollte wo Afghanistan liegt (wenn man da schon Krieg führt). Zumindest ungefähr.
    Zu guter letzt: mit der Meinungsfreiheit und der Freiheit allgemein scheint es zu hapern, wenn man unser demokratisches Vorbild in Übersee so sieht, und das zeigt sich auch bei unseren Meinungsführern. So ist ein Mensch wie Assange, der für mehr Transparenz zur besseren Meinungsbildung stand, dort zum Staatsfeind Nummer eins geworden und Bradley Manning, von dem wir nicht wissen ob ihn nicht tatsächlich einfach nur das Entsetzen über das ERlebte zum "whistleblowing" trieb sitzt unter menschenunwürdigen Bedingungen im Gefängnis.
    Und es mag sein dass die Mehrheit der US Amerikaner hinter ihren Waffengesetzen steht, doch das spricht nicht unbedingt für die Demokratieform der USA sondern lediglich dafür wie gut Meinung gemacht werden kann wenn nur genug Macht und Geld dahintersteht. Wieviel Meinungsfreiheit ist möglich, wenn die Verbreitung bestimmter Meinungen vom jeweiligen GEldbeutel abhängen? Wohlgemerkt findet diese indirekte ZEnsur ja auch bei uns in Deutschland statt.
    Schließlcih gibt es noch eine Sache die ich der amerikanischen Einflußnahme in der Welt wirklich übelnehme: der augeprägte Antikommunismus führt dazu, dass bis zum heutigen TAg ein Denkverbot herrscht, eine andere als die momentan dominante GEsellschaftsform auch nur zu erträumen. Das führt dazu dass mögliche Lösungsansätze schon im Keim erstickt werden und bringt die Menschheit um eine große Chance einfach nur etas ganz neues zu schaffen.

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  9. "Wer hat schließlich je außerhalb der Schule Goethe oder Lessing freiwillig gelesen? Wer setzt sich nach Feierabend vor einen van Gogh anstatt vor die Glotze oder schwelgt in den Klängen Haydns?"

    Ich zum Beispiel. Und meine Gattin.
    .
    Danke übrigens für den Hinweis und Link zum Blog "USA erklärt"; was ich bisher dort sah, hat mir SEHR gefallen: d. h. ich habe nach ein paar Minuten reinschauen dazugelernt.
    .
    Denn ich bin auch so einer, der erst Ami-Fan war (: Jazz, Blues, Rock'n'Roll, chewing gum, Coca Cola, Hollywood-Kino...) und sich nach und nach wegen der Politik der USA immer mehr den Kopf schüttelte und sich abwandte.

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  10. Rhetorische Fragen beantwortet man nicht! :P
    Aber ernsthaft, die wenigsten lesen oder hören so was tatsächlich zum Vergnügen.

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  11. Kann mich epikur nur anschließen. Zu einem Land, dass den Rest der Welt immer und immer wieder mit Krieg überzieht will mir einfach kein Lob einfallen. Und wenn ich sehe wie euphorisch die amerikanische Öffentlichkeit auf die Wiedereinführung der Lynchjustiz reagiert -und um nichts anderes handelt es sich m.E. wenn Killerkommandos losgeschickt werden um für "Gerechtigkeit zu sorgen" wird mehr einfach ganz undifferenziert schlecht und für "Kultur" kann ich so etwas nicht halten. Sorry, aber da helfen dann auch keine Erklärungen mehr.

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  12. Im Artikel ist vieles zutreffend. Viele Fehler, die den Amerikanern angekreidet werden, sind so so gut wie überall vorhanden. Und aus Amerika kommen viele großartige und sehr gescheite Sachen.Was aber so nicht überall vorhanden ist, ist die Arroganz und Ignoranz den anderen gegenüber, eine einzigartige Selbstbezogenheit und eine Vorstellung von eigenen Großartigkeit, die seines Gleichen sucht.Das ist sowohl in der offiziellen Darstellung als auch offenbar in der Bevölkerung tief verankert.

    Und die Mängel bei der politischen Geografie sind meines Erachtens die Folge dieser Ignoranz dem Rest der Welt gegenüber. Die angebotene Erklärung des Autors (eine Frage des Standpunkt) ist mit Verlaub Unsinn. Ich wuchs in einem Land auf, dass mehr als doppelt so groß als USA und auch damals deutlich mehr Einwohner als USA hatte. Dennoch waren die Lücken in der politischen Geografie auf dem europäischen Niveau.

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  13. Was bedeutet Anti-Amerikanismus?

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  14. Ein aus meiner Sicht sehr empfehlenswerter Artikel, wenngleich ich mir nicht jede Position zueigen machen muss. Unbestreitbar ist die außenpolitische Hybris der USA, wiederum ist diese aber auch historisch begründet, u. a. durch die Rolle der USA im kalten Krieg.

    Es gibt vieles, was am politischen Gebaren dieses Landes zu kritisieren wäre, andererseits erlebe ich Amerika als ein sehr handlungsorientiertes Land. Und diese Handlungsorientiertheit (für mich insbesondere außenpolitisch bemerkbar) mag sicher auch die größte Schwäche sein - aber so ist es halt bei "Machern". Eine konträre Neigung konstatiere ich bspw. bei uns Deutschen. Hier kommt man zuweilen vor lauter Bedenkenträgerei nicht zum Tun. Eine Schwäche der anderen Seite.

    Man mag sicher etliche pro/contra Argumente zu diesem Blogartikel finden, die auch alle ihre Berechtigung haben. Eines hat Stefan Sasse allerdings erreicht - er regt zum Nachdenken an und hinterfragt einen stereotypen Antiamerikanismus. Und dafür gebührt ihm mein Dank. Ein guter Diskussionsbeitrag!

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  15. Ich "liebe" Willy Brandt für seinen Kniefall.... ich habe früher sehr viel getrauert um die Opfer des Naziregimes, "keine Gedichte mehr nach Auschwitz".
    Warum bin ich so verzweifelt über die USA und auch Israel ? Weil es besonders dort (unsere eigene Mischpoche !) eine zu gering entwickelte Kultur des Trauerns gibt, über die Verbrechen die man selbst begeht.

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  16. "Ich bin mir aber sicher, dass die Welt ohne die USA heute eine schlechtere wäre."
    Na super, Peter Lustig erklärt uns die Welt. Endlich weiß ich wo die Guten und wo die Bösen sitzen ;-)

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  17. Mehr haben Sie heute zum Thema USA nicht zu sagen, heute, am 4. Mai 2011?

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  18. @ Anonym:
    "Keine andere Nation verfolgt so konsequent eigene Interessen und geht dabei über Leichen."

    Verfolgen die USA ihre eigenen Interessen? Oder nicht eher die Israels?

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  19. @Rchel: Lad solchen Bullshit bitte woanders ab und nicht hier.

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  20. Wer weiß denn schon, was 1846/47 in den USA stattgefunden hat oder warum die Flagge von Hawaii so seltsam anmutet.

    Kalifornien, Arizona, New Mexico, Utah, Nevada, Texas und Teile von Colorado und Wyoming gehörten bis dato zu Mexico. Hawaii war bis 1898 eine freie Republik.

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  21. Und jetzt? Meinst du den Leuten da ginge es heute besser wenn sie noch Mexikaner oder unabhängige Hawaiianer wären?

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  22. Der Verfasser beklagt sich über den oftmals oberflächlichen Antiamerikanismus und greift dabei zum Mittel des oberflächlichen Amerikanismus.

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  23. Ja, Herr Sasse!
    Selbsbestimmungsrecht der Völker, klingelt da was?
    Uns ginge es auch besser, wenn man uns hätte selbst entscheiden lassen, was und wie wir sein wollten. Russen, Franzosen, Schweden, Engländer, der einzige Deutsche war witzigerweise Österreicher, dann seit 1944 wieder Russen und jetzt zurückgekehrte Amerikaner. Warum dürfen Polen nicht über Polen entscheiden?
    ps. Ich meine nicht abstimmen.

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  24. inteligencja , zastanawiać się ,

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  25. Bei weiten kann ich mich der Lobeshymnen auf the USA auch nicht anschliessen und ich will es auch nicht!
    Komisch finde ich es dennoch, dass gerade in solchen Diskussionen dann immer auf die "Schuld" der Deutschen hingewiesen wird! Sehr fraglich, denn ich bin mit Sicherheit schuldfrei!
    Und zur Schuld von the USA sag ich dann mal nur Indianer, redet kein Mensch mehr drüber, aber uns ständig 12 Jahre der Geschichte ständig vorhalten! Und die Indianer waren doch nur der Anfang!

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  26. 1) Von deiner Schuld redet keiner.
    2) Warum postulierst du dann eine für die Amis?

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  27. Der Text geht völlig am Thema vorbei. Der Autor erwähnt nur Ereignisse aus der vergangenheit und läßt auch dabei noch die wichtigsten weg: Den bürgerkrieg will er nicht mitzählen, den völkermord an den indianern läßt er unerwähnt, ebenso wie die rassentrennung, die es noch bis in die 60er jahre hinein gab. tatsache ist, daß es kein land auf der welt gibt, das so viele kriege geführt hat wie die usa. jeder präsident, der wiedergewählt werden will, muß einen gewinnen. Die usa waren vielleicht mal ein vorbild, seit GWB und Obama sind sie es definitiv nicht mehr. Ein land, das ein konzentrationslager nach nationalsozialistischem vorbild betreibt, dessen insassen gefoltert werden, kann niemals ein vorbild sein, es hat seine ideale vergessen und verraten - es sei denn, der autor will behaupten, daß guantanamo bay mit der bill of rights vereinbar sei. Zum glück gibt es einige amerikaner, die das genau so sehen:
    http://www.democracynow.org/2011/5/2/one_killer_killing_another_journalist_and

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  28. @Kasiffke
    Wenn Sie den gleichen Artikel und die Kommentare(>400) im Spiegelfechter ansehen, werden Sie feststellen, dass Herr Sasse nicht nur so gut wie nichts zu dem Völkermord an den Indianern sagt, sondern sogar abstreitet, dass es so einen gegeben habe. Es habe sich nur um normale Todesfälle und Krankheiten gehandelt. Ich habe dieses blog eigentlich immer gerne besucht, aber angesichts solcher Geschichtsklidderung verzichte ich darauf.

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  29. Das ist nicht vollständig richtig. Dass es Morde gab, etwa am Wounded Knee, habe ich nie in Frage gestellt. Was ich bezweifle ist, dass es einen geplanten Völkermord gab. Die Krankheiten sind zufällig eingeschleppt worden, nicht absichtlich.

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  30. Warum Stefan den Kampf der Siedler und der Regierung gegen die Indianer so blauäugig sieht, verstehe ich auch nicht. Einerseits.

    Andererseits: Auch Indianerstämme haben sich untereinander bekriegt. Und der Massenmord in Latein(!)-Amerika durch die Spanier ist zwar länger her, aber sicher nicht weniger verwerflich.
    Niemand klagt das heutige Spanien deswegen an. Nur eine Frage der Historisierung?

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  31. Auch die Spanier waren das nicht mit genozidaler Intention. Das waren gerade mal 150 Mann oder so, die mit den Konquistadoren eingefallen sind. Als sie gingen, waren hunderttausende tot; das kann man gar nicht willentlich. Die Krankheiten, die sie einschleppten, erledigten das, aber woher sollten die denn das wissen? Die Wirkung von Bakterien und Immunsystemen erkannte man erst im 19. Jahrhundert.

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  32. Ok, gehen wir das mal der Reihe nach durch. Zuerst mal muss ich widersprechen, dass Anti-Amerikanismus generell Zustimmung auslöst hierzulande. Meiner Erfahrung nach läuft es eher in die Richtung, dass die Kritik als Vorurteil oder als Übern-Kamm-Scheren interpretiert wird und damit versucht wird, alles unter den Teppich zu kehren.

    Ich widerspreche entschieden, dass Amerika keine Kultur hätte. Das snobistische Argument, dass Europa früher dran gewesen wäre, entzieht sich selbst die Berechtigung, da die europäische Kunst auch erst im 19. oder 20. Jahrhundert einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, von Kirchen(altären) abgesehen ;) Im 20. Jahrhundert gibt es nicht nur einen kulturellen Einfluss im Massengeschmack, sondern auch in Nischenkulturen sind US-Amerikaner oft führend mit von der Partie. Das Kultur-Argument ist also auf Sandkasten-Niveau und kann m.E. verworfen werden.

    Eine eklatant andere Sicht habe ich auf die US-Außenpolitik: Da war von Annexion über Terror bis Genozid alles dabei. Und nein, die Bevölkerung korrigiert da nichts. Im Gegenteil, die Fehlentwicklungen werden immer drastischer, weil eben kein Korrektiv vorhanden ist. Wenn man sich allein die letzten 60 Jahre US-Außenpolitik ansieht, kann man doch nicht beruhigt sein, dass die Bürger das korrigieren. Die haben doch zum Großteil dank schlauer PR die Fehlentwicklungen jubelnd mitgetragen oder zumindest nicht dagegen opponiert. Apropos, das ist auch ein Schwachpunkt: Es gibt am Ende der Präsidentschaftswahlen zwei Kandidaten, die sich so gut wie gar nicht unterscheiden. Wie soll der Bürger da, selbst wenn er will, eine Richtung vorgeben? Die ist ja schon festgelegt, allein dadurch, dass man genug Geld für eine Kampagne braucht und deswegen nur entsprechende Elemente zur Wahl stehen.

    Also ne, sorry, das geht echt nicht, hier in irgendeiner Form Whitewashing der US-Außenpolitik zu betreiben. Auch der Vergleich zu Deutschland hinkt. Zwar ist die industrielle Planung und Durchführung des Holocaust ohne Beispiel, in allen anderen Punkten haben uns die Amis längst überholt. Und ehrlich gesagt kann ich da nicht froh drüber sein. Mir wäre lieber, mit dem deutschen Massenmord wäre das Kapitel Menschenvernichtung endlich abgeschlossen.

    Das Argument "keine Ahnung von Geographie" kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Du drehst es so hin, als ob es echt so wäre, und rechtfertigst es dann damit, dass wir auch nicht besser sind. Das ist schwach. Ich habe genug Amerikaner kennengelernt und die meisten wussten ungefähr die Länder Europas, einige hatten sogar einen weit besseren Überblick. Da sehe ich eher hierzulande Defizite. Deine Fragen könnte ich übrigens (bis auf den mexikanischen Präsidenten) alle beantworten. Deswegen fühle ich mich aber noch lange nicht überlegen. Denn, auch das fehlt mir ein wenig, die USA sind das führende Land, was Forschung, Technik und Innovation angeht. Und ich bin ehrlich, grade das bewundere ich. Noch dazu können viele Wissenschaftler faszinierenderweise ihr Fachgebiet so erklären, dass es auch ein Laie versteht, was vor sich geht. Das kann man gar nicht hoch genug schätzen, grade im hegel-geschwurbel-verseuchten deutschen Raum.

    Wie kommst du drauf, dass die USA der älteste Staat der Welt sind? Was ist mit dem Vereinigten Königreich?

    Insgesamt würde ich konstatieren, dass die historische Leistung der USA in der Außenpolitik keinen Respekt, sondern höchstens Verachtung rechtfertigt. Man sollte da freilich den Eingriff im zweiten Weltkrieg ausnehmen. Ansonsten kein Ruhmesblatt. Kulturell und technologisch nötigt es mir aber durchaus Respekt ab. Da die Außenpolitik allerdings so hervorstechend und zunehmend antihuman und antiliberal ist, bleibt der Genuss der positiven Beiträge allerdings schal.

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  33. @ Stefan Sasse

    Die Schriften von De Las Casas hast Du aber schon gelesen?

    Es mag ja sein, dass die Conquistadores und die nordamerikanischen Siedler nicht gezielt die Absicht hatten, die Indianer auszurotten. Sie haben ihnen aber die Lebensgrundlage gewaltsam weggenommen, also geraubt.

    Ob man das nun mit dem Terminus "Genozid" belegt, ist da doch zweitrangig. Verbrechen muss man das aber wohl nennen. Denn bedingter Vorsatz (billigende Inkaufnahme) ist auch gegeben.

    Von großen Anstrengungen, die vielleicht wirklich ungewollten schlimmen Folgen zu korriegieren, schreibt Las Casas nichts.

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  34. Ne ich weiß nicht wer das ist, aber natürlich war das ein Verbrechen. Daran zweifelt doch gar keiner. Aber Genozid ist noch einmal ein anderes Kaliber.

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  35. Bartolomé de Las Casas (* 1484 in Sevilla; † 31. Juli 1566 bei Madrid) war ein Mitglied des Dominikanerordens und als Bischof in den spanischen Kolonien in Amerika tätig. Bekannt wurde er durch seinen Einsatz für die Rechte der Indios.
    I
    Bereits 1508 nahm Las Casas laut seinen Aufzeichnungen erschrocken zu Kenntnis, wieviele Indios durch die spanische Kolonisierung auf Hispaniola gestorben waren (nach seiner Schätzung von 1494 bis 1508 über 3 Millionen Menschen).[1] Unter dem Eindruck der Dezimierung und brutalen Versklavung der einheimischen Bevölkerung durch die Spanier trat er im Laufe der Zeit immer energischer gegen die unmenschliche Behandlung von Indiosklaven durch die Konquistadoren ein und erreichte damit bescheidene Reformen der spanischen Indianerpolitik.

    (Auszug aus: Wikipedia)

    Wenn man die Kriterien des Strafrechts zugrundelegt, handelt es sich vielleicht nicht um Völker-Mord, sondern "nur" um Völker-Totschlag.

    Demnach wäre auch die Behandlung von Zwangsarbeitern durch die Nazis kein "Mord"? Das ist doch Wortklauberei.

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  36. Ich glaube du verwechselst die Nazi-Zwangsarbeiter mit den Arbeitslager-KZs. Aber das beiseite gestellt, bei dem einen hast du eine klare Tötungsabsicht (den Genozid der Nazis, die "Vernichtung durch Arbeit") und auf der anderen Seite ein Massensterben, dessen Ursache die Spanier selbst nicht genau kannten. Sie waren keinesfalls allzu human eingestellt, überhaupt keine Frage, aber sie wollten die Arbeitskraft der Indios ja eigentlich schon haben. Ein wirklich absichtlicher Völkermord liegt hier nicht vor. Und das ist mitnichten Wortklauberei. Begriffe brauchen Schärfe, sonst kann man sie nicht mehr verwenden.

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  37. Nach einigem Nachdenken muss ich sagen: Wenn man das so definiert, hast Du recht.

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  38. Öhm...was ist das? Einerseits wird der Amerikaner gelobt, weil er als Korrektiv in zwei Kriegen gewirkt haben SOLL, den logischen Gegenschluß, dass der Amerikaner dann auch alle andere Kriege gebilligt hat, zieht der Autor aber nicht.

    Dann die Argumentation, dass die USA ja nicht so schlecht ist, weil Deutschland in der Nazi Zeit ja viel schlimmer war, ist absolut hanebüchend. Seid froh über Hartz4 , denn in X gibt es gar nichts, fällt in die gleiche Kategorie.

    Eine Freiheit zu loben, die bis in die 70er/80er (wie der Autor selber eingesteht) voller Rassismus gegen Farbige ist, die zudem nur wenigen Reichen wirklich zusteht, grenzt schon an Sarkasmus.

    Meinungsfreiheit in den USA zu sehen und diese auch noch zu loben, ist nach Wikileaks fast schon Realitätsverdrängung. Von der Meinungsfreiheit gegenüber oder von den sog. Kommunisten in den USA (heute und vor allem in den Zeiten des kalten Krieges)will ich gar nicht anfangen.

    Ob die USA nun eine Kultur haben oder nicht, ist mir ziemlich egal und spielt für meine Meinung zu diesem Land nur eine untergeordnete Rolle.

    Ich verstehe diesen beschönigenden Artikel nicht. Argumente werden quasi an den Haaren herbeigezogen, um die Verbrechen der USA in den Hintergrund rücken zu lassen. Dass die USA auch mal etwas Gutes getan hat, wie Nazi Deutschland den Krieg zu erklären, ist klar. Aber diese Sachen lassen sich an einer Hand abzählen und rechtfertigen diese beschönigende Sichtweise auf dieses Land nicht.

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  39. Ach ja, einen Nachtrag habe ich noch: Warum wird der Massenmord an der zivilen Bevölkerung durch den Einsatz von Atombomben nicht erwähnt?

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  40. Weil ich mich damit im Geschichtsblog in meiner Serie zum WKII auseinandergesetzt habe.

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  41. Einer der besten Artikel der jemals geschrieben wurde. Bravo Stefan.
    Joachim aka JK
    Deutsch - Amerikaner

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