Freitag, 20. Mai 2011

Wie antisemitisch ist die LINKE?

Von Stefan Sasse

Ein höchst suggestiver Titel, oder? Die Möglichkeit, dass die LINKE gar nicht antisemitisch sein könnte, wird damit elegant beseitigt. Die Debatte ist so alt wie die Links-Rechts-Auseinandersetzungen in der BRD und ein beständiges, belastendes Erbe der deutschen LINKEn. Da die USA und die bürgerliche Adenauer-Regierung seinerzeit Israel unterstützten, während der Ostblock es mit den arabischen Nachbarn hielt, hat die deutsche Linke gewissermaßen eine inhärente Abneigung gegen Israel eine Zuneigung zu Palästina geerbt, die von politischen Gegnern stets leicht ausgenutzt werden kann. Eine aktuelle Studie von Sozialwissenschaftlern kommt zu dem Schluss, dass in der LINKEn Antisemitismus stark zunehme. Gemessen wird das hauptsächlich an den anti-israelischen Positionen in der Partei. Wegen der skizzierten traditionellen Probleme mit dem Land ist das allerdings reichlicher Unsinn.

Es ist ein Dauerproblem der Diskussion, dass Kritik an Israel gerne mit Antisemitismus gleichgesetzt wird, als würde Israel stellvertretend für alle Juden der Welt stehen (was es nicht tut). Es ist ungefähr so sinnvoll wie jemandem, der den Vatikan kritisiert, eine Feindschaft gegenüber den Christen Brasiliens zu unterstellen. Israel kann krisitiert werden, obgleich man sich dabei stets bewusst sein muss, dass man auf einem schmalen Grat balanciert. Die LINKE geht diesen Pfad gerne sehr sorglos entlang, und sie muss sich nicht wundern, dass hin wieder einmal ein Tritt danebengeht. Es gibt kaum ein Thema in Deutschland, bei dem so stark eine political correctness besteht wie beim Umgang mit Israel - nicht ganz zu Unrecht, im Übrigen. Die LINKE jedenfalls täte gut daran, ihrer berechtigten Kritik an Israel eine kritische Haltung zu den Arabern gegenüberzustellen. Allzuoft erweckt sie nämlich den Anschein, auf der Seite von Terroristen und Autokraten zu stehen und gibt damit nur Wasser auf die Mühlen der politischen Gegner.

Es handelt sich also weniger um einen in der Partei inhärenten Antisemitismus - obgleich es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass es in der Partei Antisemiten gibt, schließlich ermöglichen es die oben genannten Zustände ihnen leicht sich zu verstecken - als um das unselige Erbe des Kalten Krieges, als sich die deutsche Linke eher auf die Seite des Ostblocks und damit der Araber stellte. Es ist ein Nachwehen der Blockbildung jener Epoche, und der Sieg es westlichen Blocks lässt die merkwürdige Mentalität der LINKEn bezüglich Israels und der arabischen Staaten umso schräger aussehen. Die Haltung zum Nahostkonflikt ist eines jener Felder, auf dem die LINKE stets unseriös wirkt, nicht regierungsfähig. Der Vorwurf des Antisemitismus ist unsinnig. Anti-Israelismus kann man ihr aber durchaus vorwerfen. Sie sieht sehr scharf, bisweilen überscharf, die Verfehlungen aus Tel Aviv, und sie hat ein blindes Auge gegenüber den Verfehlungen der Araber - mithin das Gegenteil der Haltung etwa der CDU, die aber den Vorteil hat, sich auf einen breiten Konsens stützen zu können. Das ist unfair, aber Realität, und die LINKE täte gut daran, hier eine gemeinsame Sprachregelung zu finden, die die Gräben des Kalten Krieges hinter sich lässt. Das aber ist unwahrscheinlich.

Kommentare:

  1. @Stefan Sasse

    Danke für ;-)

    Hier noch ein Buchtipp von mir, dass ich zufällig zur selben Zeit fertig gelesen habe wo der unsinnige Vorwurf kommt, dass "Die Linke" antisemitisch wäre -

    "[...]"Antisemit!": Vorwurf als Herrschaftsinstrument von Moshe Zuckermann[...]"

    Hier sind Leseproben zu finden:
    "[...]Anmerkungen zum Antisemitismus[...]"

    Quelle und ganzer Text:

    http://www.mediashop.at/typolight/index.php/nachrichten/items/moshe-zuckermann---antisemit.html

    ...bild dir selbst eine Meinung...

    Noch was:

    Zuckerman steht Norman Finkelstein sehr kritisch gegenüber, wegen seinem Buch "Die Holocaust-Industrie", dass weltweit bei Rechtsextremisten als Steilvorlage für einen neuen Antisemitismus diente, aber er schlägt in die selbe Bresche, eigenen Worten nach, wie Finkelstein, wenn er den Mißbrauch des Antisemitismus als politische Waffe ankreidet, der eben durch die rechte israelische Regierung als Totschlagkeule, um berechtigte Kritik mundtot zu machen, benutzt wird, so Zuckerman.

    Gruß
    Bernie

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  2. Noch was, der Vorwurf wurde schon vor Jahren nicht nur der Linkspartei sondern allen Gegnern der marktradikalen "Reformer" gemacht - die wären allesamt Rechtsextremisten, oder Stalins Schergen - eben Rot-Braun. Daher ist dieser Versuch nur ein weiterer in einer gewaltigen Reihe von Lügen, um Kritiker des Neoliberalismus mundtot machen zu wollen.

    Er prallt an der Linkspartei ebenso ab wie alle anderen Versuche der Neoliberalen vom eigenen Antisemitismus, und Rechtsextremismus, den man eben dem politischen Gegnern bzw. den Gegnern des neoliberalen Systems, dass auch heute - siehe Honduras - keine Probleme mit Faschisten hat, abzulenken.

    Gruß
    Bernie

    PS: Zufällig in einem ganz anderen Zusammenhang folgendes gefunden - Haiders FPÖ zeigt Waldbesitzer wegen Nazitums an:

    "[...]Zivilcourage - Die rechte Faust Gottes[...]"

    http://hpd.de/node/11597

    Der Nazivorwurf wird wohl so oft mißbraucht, ebenso wie der Vorwurf Antisemitismus, dass diese Begriffe bald nur noch verharmlost werden -was ich, wie Moshe Zuckerman, für eine gefährliche Entwicklung halten.

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  3. Mit dem Neoliberalismus hat das meiner MEinung nach nichts zu tun.

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  4. @Stefan Sasse

    "[...]Mit dem Neoliberalismus hat das meiner MEinung nach nichts zu tun[...]"

    Mag sein, aber ich wollte nur einmal als Beispiel bringen, dass Neoliberalen, die ich als die wahren Faschisten ansehe, jedes Mittel recht ist - auch dass der Diffamierung der Gegner ihrer Ideologie (Exkurs: Ich weiß, die Ideologen des Neoliberalismus leugnen ja sogar, dass ihre Ideologie eine ist) als Neofaschisten und Antisemiten.

    Ich zitiere da nur Orwells "1984", der etwas darüber geschrieben haben soll wie man geschichtliche Wahrheiten fälscht, und wenn die Lügen oft genug erzählt wurden, dann wurden die für bare Münze genommen und gingen in die Geschichtsschreibung ein.

    Nichts anderes versuchen neoliberale Taliban mit der Linken, nicht nur der Partei gleichen namens - Wie bereits erwähnt, eine Rechnung die so sicher nicht aufgeht.

    Was Zuckerman angeht - Die Leseprobe gelesen?

    Ich fand sein Buch, dass der Israeli in einen Teil Israel und Deutschland gliedert sehr aufschlußreich, was den Begriff "Antisemitismus als politische Waffe" angeht, und was die angebliche Einseitigkeit der Linkspartei Israel gegenüber angeht - die existiert nämlich, lt. Zuckerman, ebensowenig wie es karierte Zebras gibt, was aber an der einseitigen Berichterstattung liegt, die Deutschland über die Linkspartei verbreitet - sogar in Israel selbst hat man dies bemerkt, wie Zuckerman in seinem Buch schreibt - daher meine Buchempfehlung an Dich, und andere, hier.

    Wie bereits erwähnt, und man kann es nicht oft genug wiederholen, das Buch von Moshe Zuckerman ist ein echter Augenöffner was die Strategie angeht politische Gegner als Antisemiten zu diffamieren (nicht nur die Linkspartei ist betroffen), und von der eigenen Rechtslastigkeit (Zuckerman bringt als Beispiel für Deutschland "Antideutsche", die jeden politischen Gegner als Antisemiten brandmarken wollen, aber selbst im rechten Spektrum aktiv sein sollen) abzulenken. Das Buch "Antisemit!": Vorwurf als Herrschaftsinstrument" von Moshe Zuckermann ist daher sogar als Schullektüre empfehlbar - ein echter Augenöffner.

    Übrigens, die, die lt. Zuckerman andere des Antisemitismus bezeichnen - jüdische Deutsche z.B. wie Henryk Broder, oder Rechtslastige wie Sarrazin sind in dem Feld der Islamfeindlichkeit als "Panikmacher" unterwegs wie Zuckerman auch schreibt, d.h. der Vorwurf des Antisemitismus als Totschlagkeule und Islamfeindlichkeit gehören, lt. Zuckerman, oft zusammen wie ein Ei zum anderen - M.E. ein sehr aufschlußreicher Satz im Buch, der sich auch mit dem deckt was man manchmal bei SPIEGELFECHTER nachlesen kann über Broder & Co.

    Gruß
    Bernie

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  5. Noch was zu Broder & Co.:

    Zuckerman schreibt, dass die sich nicht zu blöde sind Kritiker ihrer Islamfeindlichkeit, sogar jüdische aus Israel wie Felicia Langer, als "Antisemiten" zu brandmarken.

    Eine Tendenz welche, man kann es nicht oft genug schreiben, brandgefährlich ist, und die auch von der israelischen Regierung gegen andere inner- und ausserisraelischer Kritiker ihrer Politik gerne betrieben wird - wie ich Moshe Zuckerman verstehe.

    Eine brandgefährliche Politik, da, so Moshe Zuckerman, der echte Antisemitismus verharmlost wird, durch rechte israelische Politiker, und deren Unterstützer in Deutschland, die alle politischen Gegner als "Antisemiten" und "Islamfreunde" beschimpfen.

    Gruß
    Bernie

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  6. Übrigens, mit seinen Thesen hat sich Zuckerman weder in seiner Heimat Israel noch hier Freunde gemacht, wie man an Teils unqualifizierten Kommentaren im Internet sehen kann.
    Er hat ganz offensichtlich in ein Wespennest gestochen - mit seinem Buch ""[...]"Antisemit!": Vorwurf als Herrschaftsinstrument von Moshe Zuckermann"
    Gruß
    Bernie

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  7. Würde man sich nur die Mühe machen dieselben Maßstäbe und Differenzierungen wie von dir (Stefan) hier auf alle entsprechenden Sachverhalte anzuwenden. Das gelingt euch eben nicht. Wer A sagt: "Der Vorwurf des Antisemitismus ist unsinnig." - muss auch B sagen: "Der Vorwurf von Rassismus bei Sarrazin ist unsinnig". Wenn Linke das Existenzrecht Israels polemisieren, mit "Kauft nicht Waren aus Israel"-Aktivisten sympathisieren und demonstrieren, usw., will dir plötzlich nicht der Vorwurf von Antisemitismus über die Lippen kommen. Das sind für dich unbedeutende Ausrutscher, weil die Linke nun mal eine Heile-Welt-alle-Menschen-sind-gleich-Friedenspartei ist. Richtig. Und die eigentlichen Ursachen für solche Vorfälle lassen sich durchaus in der historischen Ost-West-Entwicklung, der politischen Positionierung und der Klassenkampf-Paranoia finden. Nichts anderes zeichnet die erwähnte Studie nach, soweit bekannt. Zu welchem - normativen - Ergebnis man kommt, liegt im Auge des Betrachters. Ob man meint einen aufkommenden Antisemitismus bei Linken erkennen zu müssen oder ob man Sarrazins Äußerungen als rassistisch wertet, ist so unsinnig wie unnötig und gefährlich. Für besonders sensible Gutmenschen braucht es nicht viel, um schon Abgründe zu sehen. Antisemitismus und Rassismus sind normative Begriffe (bzw. sind dazu verkommen) mit beliebigem strittigem Inhalt. Wer die Gesellschaft normativ vermessen und gestalten will, scheitert und zerstört sie.

    Genau wie fanatische Linke ihre gutgemeinten Gründe haben Boykott-Aktionen zu starten, Provokatives zu äußern und mit Tabus zu spielen, hat sie Sarrazin. Linke treibt die Sorge um den Weltfrieden zu solchen Verzweiflungsaktionen, Sarrazin treibt die Sorge um einen funktionierenden (sozialdemokratischen) Staat mit seinen autoritären Institutionen.

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  8. @Tobias Fuentes

    "[...]Für besonders sensible Gutmenschen braucht es nicht viel, um schon Abgründe zu sehen. Antisemitismus und Rassismus sind normative Begriffe (bzw. sind dazu verkommen) mit beliebigem strittigem Inhalt. Wer die Gesellschaft normativ vermessen und gestalten will, scheitert und zerstört sie[...]"

    Danke für deine klaren Worte, und die Verteidigung des Sozialrassisten Sarrazin. Oben erwähnter Satz zeigt mir klar wie verharmlosend mittlerweile die Begriffe "Antisemitismus" und "Rassismus" geworden sind, und woher der Begriff "Gutmensch" ja eigentlich stammt - aus dem rechtsextremen Spektrum.

    Wie schon gesagt, danke für deine erfrischenden Ausführungen, die zeigen wes Geistes Kind so mancher in Deutschland wieder ist, und wohin die von "Bernie" erwähnte Verharmlosung von Begriffen führt.

    Übrigens Zuckerman meint in seinem Buch auch, dass Obama von der Netanjahu-Regierung, wegen seiner Friendsbemühungen zwischen Israelis und Palästinensern, als Antisemit beschimpft wurde - Krasser geht es wohl auch nicht mehr?

    Mfg
    Ein "Gutmensch", der etwas gegen Bösmenschen hat!

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  9. Was immer du mir gerade zu unterstellen versuchst - darüber näher zu sinnieren ist Zeitverschwendung - es ist offenbar das Gegenteil dessen, was ich meinte und sagte. Ausgangspunkt des Threads war, wie ich darstellte, die Inflationierung solcher Begriffe durch fanatische Gutmenschen. DAS ist das Absurde, Lächerliche und Gefährliche. Sarrazin musste es durchleiden. Und jetzt die Linken. Wenn man diesen Irrsinn bein Namen nennt, kriegt man von Gutmenschen wie dir nun vorgeworfen man wolle "verharmlosen".

    Excuse me, Leute aus der Linken polemisieren über das Existenzrecht Israels, es gibt unsägliche faschistoide Entgleisungen, über mangelnde Demokratiefähigkeit von Juden (soweit ich mich auf die Berichte grad verlasse) - all das ist für deinesgleichen keiner Rede wert, im anderen Thema kürzlich wurde sowas als Medienkampagne, Propaganda und Lügerei vom Tisch gewischt - aber einzig ein Sarrazin, der Vorschläge für Integration bringt, soll ein Übeltäter sein.

    Solche verblendeten Ideologen wie du, die mit ihrem totalitären Wahrheitsanspruch sämtliche Andersdenkende ächten wollen, sind weit gefährlicher (und in meinem Augen verabscheuungswürdiger) als eine Populismuswelle, die ein Sarrazin lostreten könnte.

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  10. Hallo Tobias,

    ich verharmlose das überhaupt nicht. Was ich gesagt habe ist, dass die LINKE wegen der beschriebenen Traditionen eine leichte Möglichkeit für Antisemiten bietet, sich zu verstecken und zu agitieren. Es gibt Antisemiten in der LINKEn, aber die LINKE ist nicht antisemitisch.
    Sarrazin ist ein Rassist, die SPD aber keine rassistische Partei. Gleicher Sachverhalt, differenziert ganz ohne "Gutmenschentum".

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  11. Hallo Stefan, ich meinte dich doch grade nicht. Und meinen Comment, der an dich gerichtet war, hast du offenbar überlesen. Sarrazin ist genauso viel Rassist wie die Linke antisemitisch ist. Genauso viel. Nach der angewendeten uferlosen Rassismus-Definition in diesem bestellten Gutachten (worüber ich kürzlich sprach, das Sarrazin rassistische Äußerungen bescheinigte), bin ich wohl auch ein Rassist. Nun, wenn man meint mich so bezeichnen zu müssen, meinetwegen - es bleibt lächerlich. Wer zwischen Sarrazin und tatsächlichen/eigentlichen Rassisten umgangssprachlich keinen Unterschied setzen will, unbenommen. Gefährlich ist es dann, wenn man sich einredet, dass tatsächlich keiner bestünde - tja, so einfältig wie viele Gutmenschen nun mal sind, ist dieses Pauschalismus die Regel. Du machst große Anstalten zu erklären warum die Linke und selbst die auffällig gewordenen Linken nicht antisemitisch sind - bei Sarrazin legst du stillschweigend (denn eine Begründung von dir fehlt) andere Maßstäbe an. Punkt. Aus.

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  12. Hi Tobias,

    ich hab dich schon verstanden. Aber ab wann ist man denn ein Rassist?

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  13. Stefan, diese Frage ist von euch zu beantworten. Wie ich schonmal sagte wäre das eine Aufgabe von linken Blogs gewesen - zu begründen, warum man zu solch ehrabschneidenden Urteilen kommt. Das tendenziöse Aneinanderreihen von Zitaten wie von Feynsinn, dem Meister der seichten linken Phraseologie, ohne Quellen zu benennen, um zu vertuschen, dass nur die Hälfte in Sarrazins Buch steht, und das dreiste augenscheinliche Fehl- und Überinterpretieren, selbst das Vergewaltigen des Wortlauts, hin zu schauerlichen Märchen, ist nicht wirklich überzeugend.

    Ich habe hier nicht den Platz, nicht die Lust und Zeit mich in die Untiefen eines wertungsgeladenen Begriffes zu stürzen, wenn ihr zu faul seid euch nur ansatzweise damit zu beschäftigen, pardon. Es gibt enge und weite Definitionen, wenn schon ausreicht, dass man Unterschiedlichkeiten feststellt - und auf dieser Schiene fahren linke Gutmenschen - selbst kulturelle Unterschiede wurden ja ach so gern negiert während der Sarrazin-Debatte. Das erwähnte Gutachten von Gideon Botsch (kann ergoogelt werden) gibt an, dass der verwendete herrschende von Albert Memmi ein mittlerer sei. Dann wird Rassismus in vielerlei Hinsicht gesehen - in sozialer und was weiß ich nicht alles. Und schließlich kann man herzlich über die korrekte Anwendung und Interpretation streiten.

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  14. @Fuentes

    Merken sie nicht das sie ganz schön absurd daherreden?
    Allein ihre Sprachwahl hält mich (und wahrscheinlich viele andere) davon ab, mich mit ihnen inhaltlich zu beschäftigen.

    Sie beschweren sich z.B. über die "Inflationierung solcher Begriffe durch fanatische Gutmenschen" und bewerfen selber inflationär Andersdenkende mit dem abschätzigen Begriff "Gutmenschen".

    Sie verlangen oder erwarten "Differenzierung" und schmeißen selber gerne alles in einen Sack.

    Sie beschweren sich über die zweifelsohne auch in sog. "linken Kreisen" vorhandene Polemisierung und betreiben die ganze Zeit nicht anderes als die gleiche billige Polemisierung.

    Und dann beschweren sie sich über "solche verblendeten Ideologen wie du, die mit ihrem totalitären Wahrheitsanspruch sämtliche Andersdenkende ächten wollen" .. abgesehen davon, das ich ihren Vorwurf nicht nachvollziehen kann, merken sie gar nicht, das sie selber genau das tun, was sie dem anderen soeben vorgeworfen haben.

    Zu alledem sprechen sie immer wieder von "ihr Linken" oder "euch Linken" – sorry, aber das ist einfach zu blöd. Sie erwarten doch nicht wirklich das sich jemand auf einem solchen Niveau noch inhaltlich mit ihnen auseinandersetzt?

    Ja, und das Modewort "Gutmenschen" wird seit vielen Jahren insbesondere inflationär in Blogs wie PI-News gebraucht, wo sich ein fanatisierter und aufgepeitschter Mob aus selbsternannten "Islamkritikern" ihren Gewaltfantasien gegenüber Moslems und sog. "Linken" hingibt. Aber ebenso gerne in der NPD, der sog. PRO - Bewegung und ähnlichen Kreisen. Ich finde es erstaunlich das sie dieses Modewort offenbar trotzdem zu einem ihrer Lieblingswörter in ihren "Argumentationen" machen.

    Sie benutzen wissend inflationär ein Wort, das seine Herkunft und seine große Verbreitung aus Kreisen hat, die generell und absichtlich nicht differenzieren, weil auch nur der Ansatz von Differenzierung ihre Hassideologie in Frage stellen würde.

    Auch hier gilt: Erwarten sie wirklich, das ihre Beiträge ernstgenommen werden? Oder wollen sie nur rumpöbeln?

    Sie scheinen sehr von ihren intellektuellen Fähigkeiten eingenommen zu sein. So verweisen sie sinngemäß darauf, das es ihnen zu blöd ist, sich inhaltlich mit "uns Linken" und "uns Gutmenschen" auseinander zusetzen und ihre Argumente weiter auszuführen. Kurz: "Alle die nicht meiner Meinung sind, sind blöd".

    Ich bin es so leid mich inhaltlich mit Forenteilnehmern auseinander zusetzen, die nicht in der Lage oder Willens sind, auch nur ein Minimum an Differenzierung aufzubringen, Und die ständig von anderen Forenteilnehmern etwas fordern, was sie selber nicht bereit sind zu leisten.
    Carlos

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  15. @Anonym-Carlos
    Ich habe angemessen auf deinen frechen Comment von billigen Unterstellungen und Wortverdreherei reagiert. Tu doch bitte nicht so, als ob du dich mit einen Bemerkungen auseinandersetzen willst. Mit dem Versuch mich mundtot zu machen und zu diskreditieren fällt das schwer zu glauben. Mich dagegen zu wehren, und wenn der Eifer des Gefechts mich dazu brachte dir einen "totalitären Wahrheitsanspruch" vorzuwerfen - hmm, wo hab ich da was falsch gemacht?

    "Gutmenschen" verwende ich augenscheinlich idR für besonders ideologisierte linke Zeitgenossen, insb. wenn ihr Absolutheitsanspruch ihre argumentativ-logischen Fähigkeiten beeinträchtigt, wie man an deiner Reaktion und deinen Vorwürfen sieht. Du wirfst mir vor es wäre mir zu blöd mich mit euch "inhaltlich" auseinanderzusetzen. Das Ding war aber grad, dass ihr nicht bereit seid! euch einer inhaltlichen Auseinandersetzung zu stellen. Ich hab mich mehrfach intensiv mit dem beschäftigt, was da war: eure weitschweifigen Sarrazin-Interpretationen. Was fehlt ist eine fundierte Begründung für eure Rassismus-Vorwürfe. Euren Rassismusbegriff würde ich euch vermutlich liebend gern um die Ohren hauen, wenn's denn nur irgendwas davon geben würde. Stattdessen kommt man vom Wesentlichen ab, euren Kritikern wird die Kritikfähigkeit abgesprochen. Man zieht sich an Kinkerlitzchen hoch. Sucht dreist Ausflüchte, warum man nicht übers eigentliche Thema spricht. Leute wie dich, Carlos, gibts auf sämtlichen linken Blogs - und sie sind der Grund, warum keine fruchtbare und seriöse Diskussion mit Kritikern zustande kommt. Der Freidenker ist einer der wenigen, die noch nicht gänzlich von solchen Chaoten belagert werden.

    "Gutmensch" ist ein eingebürgerter Begriff, den ich mir nicht nehmen lasse. Linke haben ausreichend Begriffe in den Dreck gezogen und negativ besetzt, so dass man unvermeidlich in linke Fettnäpfchen tritt. Ob Chancengleichheit, Neoliberalismus und was weiß ich nicht alles - alles wurde pervertiert. Neuester Coup ist die Legitimation von "Verschwörungstheorien", denn die herrschende Klasse lügt ja eh wie gedruckt und alle Medien sind ja sowieso gekauft. Wen ich bei der Verwendung von "Gutmensch" in seiner Befindlichkeit störe, dann ist es so - man kann es nicht allen recht machen. Die Linke redet und schreibt ausgiebig von "Daseinsvorsorge" - ein Begriff kommend auch aus der NS-Zeit. Welchen Sprachgebrauch PI-News oder NPD pflegen, ist mir Wurst. Dass NPD von Gutmenschen redet, hab ich noch nicht gehört. Vielmehr ist deren Steckenpferd der "wahre Sozialismus" - genauso wie bei der Linken, der MLPD & Co. Also bitte.

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  16. "dass Kritik an Israel gerne mit Antisemitismus gleichgesetzt wird"

    @ Stefan

    Du deutest es an, machst es aber mMn nicht hinreichend deutlich: Wer heftig und nachhaltig Israel kritisiert, vergleichbares Verhalten aber bei anderen Ländern/Nationen (Russland, China, Iran Kongo usw.) NIEMALS thematisiert, ist der wirklich kein Judenhasser? Welches andere Motiv kann es für diese Einseitigkeit geben?

    Das gleiche Schema wie beim USA-Artikel. Kein Zufall.


    Hier am Ort gibt es eine sehr aktive Linken-Gruppierung, die regelmäßig Palästina-Gedenk-Veranstaltungen macht. Aufgefordert, auch mal einen Kurden-Gedenktag zu veranstalten, hat man "keine Zeit", weil man mit dem Unrecht in Palästina voll ausgelastet sei. Nachtigall, ick hör dir trapsen.

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  17. Herr Dierkes von den Duisburger Linken schlägt nun gegen die FR und Bodo Ramelow zurück:

    http://diefreiheitsliebe.de/allgemein/die-linke-die-frankfurter-rundschau-und-der-antisemitismus
    http://diefreiheitsliebe.de/deutschland/herr-ramelow-seit-wann-ist-kritik-an-israel-antisemitisch-hermann-dierkes

    Dierkes hatte einen Widerspruch zwischen Judentum und Demokratie gesehen und rechtfertigt diese "auf Tatsachen gegründete Feststellung" (!) nun mit bloßer Religionskritik, was (angeblich) etwas anderes sei als rassistisch motivierte Kritik. Tja, herrlich ... die Schwierigkeit der Abgrenzung und Interpretation ist offensichtlich. Jeder Konservative mit solchen Äußerungen wäre längst als Rassist verschrien. Und in der Tat, legt man an solche Äußerungen die Maßstäbe an, die an Sarrazin angelegt wurden (Botsch-Gutachten), dann sind Dierkes Äußerungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom gleichen Gutachter als rassistisch anzusehen: wohl gruppenbezogener 'kultureller Rassismus'. Die Juden seien nicht in der Lage in demokratischen Verhältnissen zu leben. Darin liegt natürlich auch mindestens ein Funken Wahrheit ... Religionen sind letztlich intolerant und undemokratisch. Dierkes meint nun in bester Absicht festzustellen, dass dies beim Namen genannt werden müssen, es sei "humanistisch".

    Dann geht Dierkes Herrn Ramelow an. Ramelow hatte gestern eine Stellungnahme abgegeben und schon öfters sein Unverständnis geäußert. Ich fand es großartig, wie er und sein Partei Opfer seines eigenes begrenzten Horizonts werden.

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  18. Die ganze "Kappelei" über mir lasse ich jetzt mal aus und frage ganz direkt: gab es zum Thema Antisemitismus in der Linken einen Fragebogen und kann man die Fragen mal irgendwo lesen?

    Zitat-on:"Hier am Ort gibt es eine sehr aktive Linken-Gruppierung, die regelmäßig Palästina-Gedenk-Veranstaltungen macht. Aufgefordert, auch mal einen Kurden-Gedenktag zu veranstalten, hat man "keine Zeit", weil man mit dem Unrecht in Palästina voll ausgelastet sei. Nachtigall, ick hör dir trapsen." Zitat-off

    Nur kurz dazu: ich kann ja nun die näheren Umstände nicht beurteilen, da ich auch die beteiligten Personen nicht kenne. ABer ein ähnliches Thema hatten wir hier auch mal, als einer Flüchtlingsorganisation vorgeworfen wurde nicht genug dafür zu tun dass Menschen egal wo auf der WElt gar keinen Grund mehr hätten ihre Heimat zu verlassen. Diese Kritik geht an der SAche vorbei, einfach weil das nunmal nciht deren Augabe ist. Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft und da kümmern sich in dem Fall eben andere darum. Vielleicht war die Denke in dem von dir geschilderten FAll ähnlich.

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  19. Fuentes:

    Hätten Sie den unsäglichen Begriff "Gutmenschen" in Anführungszeichen gesetzt, hätten Ihnen sicher viele zugestimmt. Aber so? Und dann immer wieder. Da vermutet man dann doch eine Gesinnung bei Ihnen, die Sie in eine Ecke stellt ...
    Wieso verwenden Sie dies Wort als Keule, wo Sie doch genau solch Verhalten ablehnen?
    Irgendwas stimmt da nicht.

    - kdm

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  20. Herr von und zu kdm, ich darf doch bitten mich nicht beim bloßen Nachnamen zu nennen (so berühmt ich nun auch wieder nicht), um gar nicht nicht erst den Anschein von Unhöflichkeit aufkommen zu lassen. Man darf mich duzen. Zu den mir gegenüber erhobenen Vorwürfen nehme ich wie folgt Stellung: jene sind abstrus, ich bin aber gern bereit zu prüfen, ob ich die eine oder andere Bezeichung falsch oder nicht korrekt getroffen habe. Nun, wer mit "Linken", "Gutmenschen" u.ä. gemeint ist, ergibt sich aus dem jeweiligen Zusammenhang. Und generell gilt: ich rede ggf. >über Gutmenschen, nicht >mit (das ist mit Moralfundamentalisten nur schwer möglich). Und wenn doch, dann nicht konfrontativ mit Gutmensch-Betitelung. Es sei denn ggf. als Reaktion auf eine Provokation - wie hier und bei jedem anderen Thema nachzuvollziehen. Gutmenschen sind intolerant - geistesgeschichtlich bei Kant stehengeblieben. Trifft ihre subjektive Moralität auf Andersdenkende, ist man hilflos. Das ist unbequem und stört. Aggression, Tabuisierung, Totschlagargumente sind die Folge. Man kann die Welt nicht normativ vermessen, das endet im Totalitarismus. "Wer mit lauterem Herzen handelt, wird am ersten mißverstanden von den Leuten mit dem moralischen und religiösen Lineal." (Hegel) Das erleben Dierkes & Co. derzeit.

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  21. Dieser Fuentes hat wegen seiner rechtsaußen-Billigpolemik bei mir Kommentarverbot. Solche Leute habe ich zur Genüge verfrühstückt, die Struktur der 'Argumente" ist immer dieselbe, und man kann darauf wetten, dass sie lügen und nachweislich falsche Behauptungen von sich geben. Der Vorwurf "Gutmensch" reicht mir in aller Regel aus, um jemanden zu bannen, derartige rechtsextreme Chiffren muss ich nicht diskutieren.
    Was die Relativierung von Rassismus anbetrifft, so ist es sinnvoll, den Begriff einmal für sich zu klären. In meinem Blog habe ich mich damit hinreichend auseinandergesetzt. Das weiß freilich nur, wer lesen kann und nicht zum Hetzen daher kommt.

    Es wird von mir keinen weiteren Kommentar zu diesem selbsternannten Schlechtmenschen geben.

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  22. Tobias Fuentes hat meinem Unwohlsein bei manchen Artikeln hier mal eine Stimme gegeben, wozu ich nicht die Worte gefunden hätte. Dafür großen Dank.
    Leute wie "flatter" (Feynsinn.org), denen es wichtiger ist, Stimmen zu unterdrücken statt im Fall des Missfallens einfach nicht darauf einzugehen, sind für mich allemal jenseits des Gutheißbaren.

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  23. Meine Frage:

    Warum wird dies in den Medien diskutiert und nicht dieses:

    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/FinanzenSteuern/OeffentlicheHaushalte/Schulden/Tabellen/Content75/Vorl_C3_A4ufiges__Ergebnis,templateId=renderPrint.psml


    vergleichen mit

    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/FinanzenSteuern/OeffentlicheHaushalte/Schulden/Tabellen/Content50/Schulden__oeffentl__Haushalte,templateId=renderPrint.psml

    Der Schuldenstand in NRW ist explodiert.

    Die Düsseldorfer die West LB unter der CDU-Regierung und unter Steinbrück haben den Steuerzahler mehr als 60 Milliarden Euro bis jetzt gekostet Die Summe wird sich auf 100 Milliarden Euro belaufen.

    Was kann NRW jetzt noch tun um Wirtschaftspolitik zu machen.

    Und der korrupte Merz zieht noch mal Millionen aus NRW.


    Und die Explosion hat nichts mit Sozialausgaben zu tun.

    DAS IST BETRUG. BETRUG. BETRUG.

    Kein Staatsanwalt ermittelt.

    Warum?

    Man sieht das Schmierenhombach die Presse in NRW beherrscht.

    Und die rechtsextremistische Rheinische Post wird bestimmt nicht der CDU ans Bein pinkeln.

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  24. Heute ab 15.oo live auf Phoenix eine von der CDU/CSU beantragte aktuelle Stunde zu den Antisemitismusvorwürfen gegen die LINKE.

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  25. Die Frage, ob man eine Partei "antisemitisch" oder "rassistisch" nennen kann, entscheidet sich eigentlich in der Art des Umgangs mit solchen Äußerungen aus der eigenen Reihe. Dazu gehörte ein klares Statement. Solange die Linke diese Auseinandersetzung aber scheut, ist der Verdacht, es handle sich u.U. um eine antisemitische Partei, nicht von der Hand gewiesen. Nicht dazu Stellung zu beziehen, ist in diesem Fall übrigens auch eine Stellungnahme. - Man wird sehen ...

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  26. Zum Thema läuft gerade wieder mal eine Diskussion auf SPON.
    Einen Kommentar möchte ich zustimmend zitieren:

    "Wenn es der Linkspartei wirklich darum ginge, dass ein Land sich nicht an Menschenrechte etc. hält, wäre jeder Nachbarstaat Israels die bessere Adresse für Kritik. Von einigen afrikanischen Ländern ganz zu schweigen."

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