Donnerstag, 21. Juni 2007

Exportweltmeister - Karriere eines Mankos

Wer krank und angeschlagen ist, sieht im allgemeinen ganz andere Sachen als positiv an als gesunde Menschen. Nach einem Verkehrsunfall mag die Möglichkeit einer leichten Bewegung des linken Arms ein Erlebnis sein, das andere als Einschränkung betrachten würden. Ungefähr so verhält es sich mit dem Titel "Exportweltmeister", mit dem sich Deutschland so gerne schmückt.
Dabei ist Exportweltmeister zu sein nichts, das positiv wäre. Die USA bezeichnen sich auch nicht als Importweltmeister, obwohl da die Gründe naheliegender sind.
Des Einen Exportüberschuss ist des anderen Importüberschuss - letztlich ist das auch gesetzlich im Stabilitätsgesetz von 1967 verankerte Ziel der Regierung, eine ausgeglichene Handelsbilanz vorzulegen. Genau das tut sie jedoch, gerade unter stolzer Berufung auf den Fetisch Exportweltmeister, nicht. Das hat zweierlei Konsequenzen.
Es handelt sich um den Teil einer Politik, die nicht erst Stiglitz mit beggar-thy-self (Bring dich selbst an den Bettelstab) bzw., daraus folgend, beggar-thy-neighbour (Bring deinen Nachbarn an den Bettelstab) umschrieb. Beggar-thy-self bedeutet, vorrangig über Steuersenkungen für Unternehmen und Subventionen die Einnahmen des eigenen Landes stark zu beschneiden - eine unübersehbare Tendenz der letzten Jahre, die von der Wirtschaft und ihren Marionetten innerhalb der Politik gerne mit steuertechnischen Sachzwängen zu begründen versucht wird. Dabei wird jedoch meist so getan, als ob Deutschland eine Insel und allein der Globalisierung ausgesetzt wäre: wenn Deutschland die Steuern senkt (und dabei ist es, entgegen der neoliberalen Propaganda, Vorreiter), ziehen die Nachbarn aus den gleichen Sachzwängen nach - die beggar-thy-self-policy wandelt sich zur beggar-thy-neighbour-policy. Und genau in diese Sparte schlägt der Exportweltmeister.
Dadurch, dass Deutschland seine (dank Niedriglöhnen und Niedrigsteuern) billig hergestellten Güter in Massen exportieren und auf die europäischen Märkte werfen kann (die EU ist der Haupthandelspartner Deutschlands), erwirtschaftet die Wirtschaft dieser EU-Nachbarn Saldos. Das führt zu einer aggressiven Politik gegen Deutschland auf der einen Seite (siehe Frankreich und Polen), zur aggressiven Konkurrenz innerhalb der EU auf der anderen Seite. Das ist die internationale Komponente. Innerhalb Deutschlands sorgen die "hervorragenden Wettbewerbsbedingungen" in Form niedriger Löhne und Steuern für stetig sinkende Investitionen des Staates, der immer mehr Verantwortung an seine Bürger abgibt, die in der überwältigenden Mehrheit diese nicht tragen kann. Da jedoch dadurch zuwenig Geld bei den Bürgern verfügbar ist, kommt die Binnenkonjunktur seit Jahren nicht auf Touren - im Gegensatz zur Erfolge feiernden Exportwirtschaft. Deswegen ist die Hoffnung unseres Aufblaswirtschaftsminister Glos', die boomende Exportwirtschaft möge auf die Binnenkonjunktur umschlagen, auch so irr. Beten wäre rationaler.

Kommentare:

  1. Deutschland ist wohl Exportweltmeister, exportiert also im internationalen Vergleich zu anderen Staaten am allermeisten Güter.

    Mich erinnert dieses Wort Exportweltmeister an einen gesunden Menschen, der regelmäßig extrem viel Blut für andere Menschen spenden muss. In einem gewissen Rahmen ist es möglich, dass ein gesunder Mensch Blut für andere spendet. Aber was ist, wenn er dauerhaft immer ein bisschen zu viel von seinem eigenen Blut abgeben muss? Dann kann auch dieser gesunder Mensch irgendwann einmal ganz erhebliche gesundheitliche Probleme bekommen und unter Umständen kollabieren.

    Dieses Bild finde ich passt insgesamt auch ganz gut auf Deutschland. Insbesondere Westdeutschland ist ein wirtschaftlich eigentlich äußerst erfolgreiches und »gesundes« Land. Aber wenn ständig sehr viel Vermögen exportiert wird, dann wird auch aus diesem gesunden Land irgendwann ein kranker Patient, der möglicherweise kollabieren kann.

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  2. @meudalherr
    Da die Exportgüter mit Gewinn verkauft werden, wird in dem Sinne auch kein "Vermögen exportiert" sondern importiert. Ansonsten würde man es auch nicht machen. Dumm nur, dass dieses Vermögen nicht der Allgemeinheit zu Gute kommt.

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  3. Sassey, es stimmt ja das die Steuerpolitik in dieser Form nicht gesund in Europa ist, ein relativ bekanntes Problem.

    Mit passt nur deine Schlussfolgerung nicht das Güter hier günstig hergestellt werden... diese werden hier äußerst teuer produziert, sind aber so "wertvoll", dass sie exportiert werden können.

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  4. Nein, in Deutschland wird sehr billig produziert. Entscheidend sind nicht die Lohnkosten, sondern die Lohnstückkosten - und die sind in Deutschland so niedrig wie kaum woanders. Anders gesagt: die Produktivität der Deutschen im Vergleich zu ihrem Gehalt ist Spitze.

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  5. Es stimmt schon, dass die Lohnstückkosten bei uns extrem niedrig sind. Doch spielt auch die hier produzierte Qualität eine wichtige Rolle.

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  7. Ist alles eine Frage der Rechnung. Man sollte nur das Ergebnis auch richtig weiterverwenden...

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  8. @Chris: Darauf will ich ja raus.
    @Kniddl: Wie meinen?

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  9. Ach, das sollte man in diesem Eintrag ja auch mal erwähnen. Brauchst du mir nicht zu erzählen, dass die Lohnstückkosten niedrig sind, aber trotz allem ist deine Argumentation etwas... seltsam...

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  10. Hallo Bernd,

    Das kannst du so sehen. Dem Export an Waren stehen Ansprüche gegenüber. Und ein Anspruch zählt natürlich auch zum Vermögen. Ich glaube, wir meinen so in etwa das gleiche.

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  11. Naja, ich finde die Argumentation das "in Deutschland werden Waren billig hergestellt und exportiert" etwas an den Haaren herbeigezogen. Ich meine trotz allen, dass die Löhne relativ zur Produktivität in Deutschland hoch waren(!). Habe gerade keine aktuellen Zahlen.

    Fakt ist ja, dass größtenteils Produkte exportiert werden, welche "komplex" in Ihrer Herstellung sind und damit ein gewisses Level an Technologie benötigen um hergestellt zu werden.
    Mit billig produzierten Produkten versteh ich immer noch "einfache" Güter.

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  12. Nun, Deutschland produziert billiger als seine Nachbarn in der EU - eben wegen der ungeschlagenen Lohnstückkosten, selbst zu Zeiten, als die Löhne nominal höher waren als in der Rest-EU.
    Im Endeffekt ist es nur eine Begriffsdefinition; ich könnte auch "kostengünstig" sagen.

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  13. Einen größeren Quatsch, als auf dieser Seite versammelt, habe ich selten gelesen...

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  14. Schon seit mehr als 150 Jahren betreibt die Schweiz mit Ihrer Schwarzgeld gestützten Währung Beggar-thy-neighbour. Dadurch wurden Weltkriege erst möglich gemacht. Mit der sicheren Erwartung der Steuerbetrüger, daß das Schwarzgeld sicher ist.

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  15. Schon seit mehr als 150 Jahren betreibt die Schweiz mit Ihrer Schwarzgeld gestützten Währung Beggar-thy-neighbour. Dadurch wurden Weltkriege erst möglich gemacht. Mit der sicheren Erwartung der Steuerbetrüger, daß das Schwarzgeld sicher ist.

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