Donnerstag, 13. August 2009

Ihr wisst, was ich diesen Sommer getan habe

Auf vielfachen Wunsch möchte ich nach meiner letzten Ankündigung, wie ich meinen Sommerurlaub zu verbringen gedenke, etwas näher ausführen. Das Hobby, dem ich nachgehe und dass den einen oder anderen sich vielleicht etwas verwundert die Augen reiben lässt, nennt sich Live-Rollenspiel (Live Action Roleplaying, kurz LARP). Die meisten finden es schon komisch, wenn sich fünf erwachsene Menschen um einen Küchentisch setzen und gemeinsam vorstellen, Helden in einer Fantasy-Welt zu sein; das Ganze dann auch noch in Kostümen auszuspielen, erscheint vielen noch absurder. Doch genau das ist es, was wir Liverollenspieler tun.
Im konkreten Fall ging es darum, den Kontinent Mithraspera zu bespielen. Dieser Kontinent wurde von wagemutigen Abenteuern entdeckt und nun besiedelt, doch die sind nicht alleine: fünf Elemente beherrschen das Land, und jedes hat ein pervertiertes Gegenstück, das mit ihm um die Vorherrschaft ringt. Während die Spieler alle mehr oder minder auf der guten Seite stehen (nämlich auf der der Elemente), stellen die Statisten (Nicht-Spieler-Charaktere, kurz NSC) die "Bösen" dar. Da der Hintergrund von Mythodea über die Jahre recht komplex geworden ist (ein Umstand, an dem ich als Plotschreiber nicht unschuldig bin) ist die Frage nach gut und böse nicht ganz so einfach zu beantworten wie in vielen anderen, eindimensionaleren Fantasy-Welten.
Auf der Veranstaltung spielte ich die Rolle eines Presbyten, eines Inquisitors des Kults der Knochenkönigin, der Göttin des Untoten Fleisches. Das Untote Fleisch ist das Verfemte Element (Gegen- oder Antielement) zu Terra. Es besteht aus Untoten und trachtet danach, die Grenze zwischen Leben und Tod für alle Lebewesen aufzuheben. Ich war also ein recht hochrangiger Kleriker und bösartiger Dogmatiker.
Hoffentlich denkt ihr jetzt alle "Hey, das ist ja das totale Gegenteil von dem, was der Oeffinger Freidenker sonst so ist". Das ist richtig. Rollenspiel erlaubt es einem, andere Dinge auszuprobieren, besonders solche, die man eigentlich real nicht erleben will - etwa in einem rigiden Kastenwesen zu funktionieren und eine düstere Religion mit Feuer und Schwert zu verbreiten. Und natürlich, in gewaltigen Schlachten mitzukämpfen, ohne gleich einen realen Tod befürchten zu müssen. Die Waffen, die auf diesen Veranstaltungen verwendet werden, sind aus Schaumstoff mit einem Fieberglaskernstab und tun bei sachgemäßer Verwendung kaum weh. Rüstungen sind im
Normalfall aus echtem Metall. Die Sicherheitsstandards sind sehr hoch, und bei jedem 22-Spieler-Fußballturnier gibt es mehr Verletzungen als in einer 300-Mann-LARP-Schlacht (und selbst bei den dieses Jahr erreichten 6000 Teilnehmern auf dem ConQuest of Mythodea waren die meisten Verletzen hitze- und nicht waffenbedingt). Es handelt sich also um ein Hobby, bei dem man mal die Seele baumeln lassen kann, in einer Phantasiewelt unterwegs ist und sich um Dinge wie den Lebensunterhalt verdienen, die aktuelle Uhrzeit, dringende Termine oder Dienstpläne keine Sorgen machen muss, eine Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann.

Unvorteilhaft fotographiert, aber man sieht was es sein soll :)

Ein Mitglied der gefürchteten Knochengarde, der Leibwache König Garvans.

Mit furchterregender Schminke sieht der Tote gleich noch toter aus.

Mit fünf Jahren noch zu jung, um an den Schlachten teilnehmen zu dürfen, aber zumindest mit dem Enthusiasmus schon voll dabei.

Kommentare:

  1. Gefällt mir echt gut was da gemacht wird. Ich kann es auch gut nach vollziehen so etwas zu machen. Und nein ich finde es nicht komisch! Ich habe zwar noch immer keine konkreten Vorstellung wie so was ablaufen soll aber ich kann mir denken das man dabei eine Menge Spaß hat.Das einzige was mir da schwere Bedenken verursacht sind die Kosten für die ganze Ausrüstung. Das ist doch sicher alles mit viel Geld oder Zeitaufwand verbunden? Die Waffen und Rüstungen machen sich ja nicht allein. Auch das "Drehbuch" schreiben geht sicher nicht ganz von allein. Und dann erst das Organisieren einer so großen Veranstaltung. Ich stelle mir das recht kompliziert vor. Auf alle Fälle kann ich mir es gut Vorstellen einfach mal in eine andere Welt einzutauchen. Danke für die Einblicke.

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  2. Hi Kempec,
    man erstellt sich einfach einen Charakter und spielt den dann. Der Plot wird im Normalfall von außen durch NSC inszeniert (beispielsweise ein Bauer, der Angriffe von Räubern beklagt - die Spieler können dann losziehen und die Räuber bekämpfen). Das Ganze ist besonders bei Veranstaltungen in der Größenordnung des ConQuest of Mythodea mit sehr viel Aufwand verbunden; das Team umfasst rund 250 Mitglieder. Fast alle arbeiten ehrenamtlich. Die meisten cons sind aber kleiner und umfassen nur insgesamt rund 100 Spieler, 20 NSC und 5 Team (grob). Der Eintritt für eine Con beträgt normalerweise irgendetwas zwischen 30 und 130 Euro, je nach Größe und was geboten wird.
    Die Ausrüstung ist gar nicht mal so teuer. Du kaufst dir das Zeug ja auch über die Jahre zusammen. Würdest du Skifahren als Hobby betreiben legst du vermutlich sogar mehr hin.

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  3. Gut, dass Du von den Toten wieder auferstanden bist.

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  4. Nach anfänglicher Skepsis (Hä? Wat will der denn jetzt?) muss ich sagen: Cool! Vor allem, und ich hoffe, ich komm da jetzt nicht total unverständlich rüber, ein bisschen englisch. Die Leute da fragen auch nicht immer, was andere gerade über sie denken könnten, sondern sind gerne mal etwas exzentrisch (anders als diese komischen Münchner, boa, Du kriegst die Tür nicht zu)

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  5. Irgendwie schon merkwürdig, dass diese Veranstaltung an mir vorbeigegangen ist...bei der Größe sollte man als Halb-Interessierte schon mal was gehört haben.

    6000 Leute????? Wahnsinn...vor allem ein Wahnsinn für die SL^^

    Wo sind die alle untergekommen?

    Gruß
    Caana

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  6. In der Regionalpresse und in den letzten Jahren auch bei RTL und Sat1 kam einiges. Einfach mal auch bei YouTube gucken :)
    Und die Leute kommen in Zelten unter.

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  7. Ich habe keinen Fernseher und das aus gutem Grund :)

    Das muss ja ne riesige Zeltstadt gewesen sein, hast du da n Foto?

    Gruß
    Caana

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  8. Hi Caana,
    ich auch nicht :) Wie gesagt, YouTube. Außerdem gibt es auf der www.mythodea.de Pressespiegel.
    Die Leute zelteten nicht in einer Riesenstadt, sondern in thematischen Lagern, die bis zu 1000 Mann umfassten, die kleinsten etwa 100, die meisten um die 300. Die waren über das ganze Gelände, etwa 70 Hektar, verteilt.

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