Samstag, 1. August 2009

Eine Frage des Geldes?

Gesellschaftlich sehr wichtige Jobs wie Polizist, Krankenschwester, Lehrer oder Kindergärtner sind sehr schlecht bezahlt. Besser bezahlt - um nicht zu sagen geradezu verschwenderisch - sind dagegen Managerjobs. Das führt immer mehr zu einem Knirschen in der öffentlichen Wahrnehmung. Bislang wurden die exorbitanten Managergehälter vorrangig mit Argumenten wie Fleiß, Leistung und ähnlichem legitimiert. Eine absurde Vorstellung, dass ein einzelner Mensch tausende von Male so viel leistet wie ein anderer, das befindet sogar M. Beise in der Süddeutschen Zeitung.
Er stützt in seinem Artikel obige Argumentation und geht einen Schritt weiter, indem er erklärt, warum die exorbitanten Gehälter dennoch legitimiert sind: dies sei eine einfache Angebot-Nachfrage-Relation, mithin also eine Marktkorrektur. Da das Führen eines multinationalen Unternehmens schwierig und ein Knochenjob sei, machen ihn nur wenige, die dafür entsprechend viel verlangen können. Waren über die Scannerkasse ziehen kann dagegen jeder, entsprechend schlecht bezahlt ist der Job.
Das ist sicher richtig. Dennoch ist diese Argumentation ein Trugschluss. Denn Beise erkennt richtig, dass es bei einem akuten Lehrer-, Polizisten- und Krankenschwestermangel offensichtlich nicht mit einem reinen Marktangebot zusammenhängen kann, dass diese so schlecht bezahlt sind, und macht den Bösewicht darin aus, dass diese vom Staat angestellt sind. So ganz geheuer ist ihm das stupide Staatsbashing aber dann doch nicht, weswegen er das Argument gleich wieder relativiert. Seine Schlussfolgerung: der Staat muss den Wert steigern, indem er die Löhne erhöht, da der Markt hier ja offensichtlich nicht zieht.
Ich nenne diese Argumentation nicht gut durchdacht. Denn das Gehaltsgefälle fußt in meinen Augen nicht auch nur im Geringsten auf Marktkräften. Diese bestimmen den Unterschied innerhalb der exorbitanten Managergehälter (Ackermann hat mehr als Ron Sommer), aber sie sind nicht auch nur die geringste Erklärung, warum andere Jobs für die man gut qualifiziert sein muss (wie Lehrer) oder die gefährlich sind (wie Polizist oder Soldat) schlecht bezahlt sind. In meinen Augen liegt das in der völlig anderen Mentalität dieser Berufsgruppen. Ich kann nur für die Lehrerseite sprechen, weil ich da dazu gehöre, aber meiner Erfahrung nach ist das bei vielen Berufsgruppen so.
Sobald ein Beruf eine gewisse Qualifikation erfordert, machen ihn Leute eher, weil sie ihn machen wollen, als weil irgendwelche extrinsischen Modifikatoren (wie Gehalt) die Macht übernehmen würden. Die meisten Lehramtsstudenten in meinem Bekanntenkreis haben keine Ahnung, wie viel sie später einmal verdienen werden (ich übrigens auch nicht) ganz einfach, weil es sie nicht interessiert. Wir wissen dass es ordentlich ist und man davon gut leben kann. Wir machen den Job weil wir ihn wollen oder weil andere Faktoren neben dem Gehalt (wie die relative Sicherheit oder die vielen Ferien oder weiß was) attraktiv sind.
Deswegen ist es auch ein Trugschluss zu glauben, man würde qualifiziertes Personal in den Lehrerberuf locken, wenn man dort besser bezahlte. Gute Lehrer, also Menschen mit einem Talent und einer Begeisterung dafür sind Lehrer. Sie warten nicht als Manager in einem mittelständischen Betrieb darauf, dass das Lehrergehalt besser wird. Gleiches gilt auch für die Polizei und Krankenschwestern und alle anderen solchen Berufe.
Das soll jetzt nicht heißen, dass sie schlechte Bezahlung akzeptabel wäre. Denn tatsächlich wird es sicher Menschen geben, die eher andere Berufe ergreifen, die besser bezahlt sind. Aber die Höhe des Gehalts alleine ist nicht aussagekräftig, inwiefern man qualifiziertes Personal bekommt. Da spielen viele andere Faktoren ebenfalls hinein.

Kommentare:

  1. Es gibt meines Erachtens noch einen weiteren Grund für die ungerechte Lohnverteilung: Menschen wie Manager gehören genau zu jener Gruppe, die über Netzwerke selber unmittelbaren Einfluss auf ihr Einkommen haben. Etwa über Aufsichtsräte anderer Konzerne, in denen sie anderen zu Vorteilen verhelfen, die dann wiederum ihnen im eigenen Konzern helfen. Also ein in sich geschlossenes System der Vorteilnahme.

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  2. Die Idee, daß Manager usw. so unglaublich rar wären, und daher entsprechend bezahlt werden müßten, ist eine durchsichtige Nebelkerze. Manager u.ä. haben ihre Einkommen in den letzten 20 Jahren überproportional gesteigert. Sie sind seither aber weder seltener geworden noch leisten sie bessere Arbeit als in den 1980er Jahren. Es herrscht dort kein Markt, sondern, besonders in der höchsten Liga ein wechselseitiges Zuschanzen von Posten. Es folgt ja in aller Regel auch keinerlei Sanktion bei Versagen. Abgesehen von dicken Abfindungen auch bei Mißerfolg findet praktisch jeder Versager sehr schnell einen vergleichbar dotierten Job, oder eben als "Berater".

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  3. Selbstverständlich. Dazu kommt, dass dies eine Einkommensgruppe ist, für die Geld eine überdurchschnittliche Größe bei der Jobwahl darstellt.

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  4. "Sobald ein Beruf eine gewisse Qualifikation erfordert, machen ihn Leute eher, weil sie ihn machen wollen, als weil irgendwelche extrinsischen Modifikatoren (wie Gehalt) die Macht übernehmen würden."

    Auf Lehramt kann man studieren und da jeder ein paar Jahre in der Schule war, kann er sich unter den Lehrerberuf etwas vorstellen. Manager ist nunmal kein Ausbildungsberuf, in solche Posten wächst man rein.

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  5. Naja, im Falle von Lehrern und Polizisten ist der Markt ja schon an sich verfälscht, weil der Staat das Angebot bestimmt...Sobald der Staat Lehrerstellen kürzt oder die Anforderungen für die Polizistenschule hochfährt, wirkt das auf Potentielle Bewerber abschreckend. Und dann an Ausbildungs- / Studiumsende fällt dem Staat plötzlich ein: Oh wir haben zu wenig Lehrer / Polizisten. Und schwupps da ist er: der Lehrer / Polizistenmangel.

    Und in meinem Bekanntenkreis studieren leider einfach deshalb Lehramt, weil ihnen "nix besseres eingefallen ist" - Traurig, aber auch Teil der Wahrheit.

    Und ich möchte anmerken: Bei Managern ist wohl eher Macht als Geld wichtig. Ackermanns Investmentbanker verdienen nämlich allesamt mehr als er ;-)

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