Von Stefan Sasse
Daß die versprochene “Steuern-runter”-Zirkusnummer weder finanzierbar noch durchsetzbar ist, hätte schon vor der Wahl jeder wissen können, der bis drei zählen kann.
Das halte ich für einen kapitalen Denkfehler. Denn auch schon vor der Wahl war das, abgesehen von den FDP-Hanseln und einigen Wirtschaftswaisen-Betonköpfen, der überwiegenden Mehrheit vollkommen klar. Ich denke, die Mehrheit der FDP-Wähler hat sich nur klar verrechnet, was das Verhalten ihrer Partei nach der Wahl anging. Sie wählten die Blau-Gelben nicht, weil sie von dem Steuermodell etwas erhofften, sondern als Protestwahl und zur Verhinderung einer Großen Koalition. Sie waren also ziemlich naiv, aber nicht so naiv nicht zu wissen, dass die Steuerreform in der FDP-Wunschvariante blanker Unfug ist.
Sie gingen wohl einfach nur davon aus, und hier waren sie extrem naiv, dass dies auch der FDP-Führung klar war und die Steuerreform unter dem üblichen Wahlkampfgeplapper abzulegen sei. Sie hatten gewissermaßen die Rechnung ohne das standhafte Opportunistenmännchen Westerwelle und seine Spießgesellen gemacht, die nichts so sehr fürchten und zu widerlegen versuchen wie den Ruf der FDP als Umfallerpartei. Dementsprechend halten sie auch so starr an den dämlichen Konzept fest, und meiner Meinung nach sind die in letzter Zeit so brutal gefallenen Umfragewerte der FDP genau auf dieses Phänomen zurückzuführen: "Mensch, die meinen das ja tatsächlich ernst! Das kann man ja sagen, aber doch nicht machen!" Tja, die Ernüchterung ist schmerzhaft für beide Seiten.