Samstag, 3. April 2010

Wieviele Leben noch, Frau Kanzlerin?


Wieder sind drei deutsche Soldaten in Afghanistan in einem Krieg, der nicht einmal so heißen darf, gefallen. Wieder werden Eltern, Frauen und Kinder um ihre Söhne, Männer und Väter trauern und die berechtigte Frage stellen, wofür sie eigentlich gestorben sind. Für die “Verteidigung des Vaterlandes”, wie es weiland ein Peter Struck genannt hat, oder starben sie für ‘übergeordnete Interessen’, die nicht notwendigerweise “dem Wohle des deutschen Volkes …” dienen, ” … seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen …“?

Diese Frage verdient eine ehrliche Antwort, Frau Kanzlerin, denn die haben sowohl die Angehörigen der vielen zivilen Opfer des Tankwagen-Massakers wie auch die Familien der mittlerweile 39 toten Soldaten verdient. Frage: Wird hier wirklich Deutschland verteidigt? Frage: Falls ja – wo liegt die konkrete Bedrohung für uns? Frage: Falls nein – warum steht die Bundeswehr dann am Hindukusch? Ein anderer deutscher Kanzler soll dereinst gesagt haben, daß ihm der Balkan “nicht das Leben eines einzigen pommerschen Grenadiers” wert wäre; nun, Afghanistan ist noch weiter entfernt …

Sie finden den Angriff auf die deutschen Soldaten “verabscheuungswürdig und hinterhältig”, Ihr vormaliger Vize Steinmeier lamentiert von “feige und hinterhältig”, nur – sehen Sie denn nicht, daß wir hier in einen Krieg verstrickt sind? So leid es mir um die deutschen Soldaten auch für ihre Angehörigen tut – sie sind gemäß Völkerrecht als bewaffnete und ordnungsgemäß erkennbare Kombattanten ‘legitime Ziele’ der Aufständischen. Da dann von “feige”, “hinterhältig” und ähnlichem zu schwadronieren, ist nur eines: feige! Wie Ihrem Vorgänger, der Ihnen diesen Krieg als Erbschaft hinterlassen hat, fehlt es Ihnen an Mut, die unbequeme Wahrheit einzugestehen und – so oder so – Konsequenzen daraus zu ziehen. Diese Feigheit, nicht vor dem Feind, aber vor dem eigenen Volk, das diesen Krieg in seiner großen Mehrheit ablehnt, charakterisiert nicht allein Sie, sondern die Vertreter aller Parteien, die diesem Einsatz zugestimmt haben und Jahr um Jahr eine Mandatsverlängerung absegnen. Ist es nicht langsam genug?

Dieser Konflikt, der zunehmend verloren zu gehen droht (trotz der jüngsten Offensive wird z.B. Marjah nachts schon wieder von den Taliban beherrscht), ist auf Lügen gebaut, wie beispielsweise Ex-Ver-teidigungsminister Rühe zunehmend deutlich ausspricht und auch die Meinungsmanipulationsversuche der transatlantischen Verbündeten, die hier und andernorts unlängst angesprochen wurden, werden nichts daran ändern. Die ‘Stimme des Volkes’, wenn sie auch noch recht leise und zaghaft ist, ist doch eindeutig und sollte dies nicht ausreichen – der amtierende Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, bleibt in der Tradition seiner zurückgetretenen Vorgängerin, Margot Käßmann, und warnt vor einem “Legitimationsproblem“. Als der Vorsitzenden einer christlichen(!) Partei könnte Ihnen das durchaus zu denken geben.

Eine klare, deutliche Sprache und ein ebensolcher Kurs wären im neunten Jahr des Krieges wohl angebracht – aus Respekt vor den beiderseitigen Opfern und aus Respekt vor dem deutschen Volk.

[fb]

Kommentare:

  1. Frau Kanzlerin,

    werden Sie nicht nur blecherne Tapferkeitsorden verleihen, sondern auch die Trauerrede für die jüngsten deutschen Kriegsopfer halten - Auge in Auge mit den Angehörigen - oder fallen Trauerreden für gefallene Soldaten auch nicht in Ihre Zuständigkeit?

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  2. @ fletcher:

    Das hätte ich auch noch gerne gefragt. Zeit für ehrliche Antworten!

    Auch Dir ein frohes Osterfest
    Frank

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  3. Ich weiss wirklich nicht, was deutsche Soldaten im Ausland, vor allem Afghanistan zu suchen haben. Das konnte mir bis jetzt keiner erklären. Es kann doch nicht sein, dass wir Deutschland am Hindukusch verteidigen müssen, wie es die SPD sagt. Da wäre ein Einsatz in Dafur sicher angebrachter. Haben wir denn gar nichts gelernt? Meines Erachtens sollten die deutschen Soldaten so schnell als möglich nach Hause (Deutschland) geholt werden.

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