Freitag, 30. September 2011

Von der Zivilisation

Von Stefan Sasse

Zarte Anfänge der Zivilisation
Der Begriff der Zivilisation ist ein merkwürdig undefinierter Begriff. Häufig spielt er auf einen bestimmten Stand kultureller Entwicklung an, meist vor allem, um ihn von den primitiven Agrar- und Stammesgesellschaften der menschlichen Frühgeschichte abzuheben. Eine ganz eigene, negative Definition erhielt er während der Zeit des deutschen Kaiserreichs, in dem er als pejorativer Begriff mit dem angelsächsischen Raum verbunden und dem eigenen Begriff der deutschen "Kultur" gegenübergestellt wurde. In diesem Bild, dessen Nachhall selbst heute spürbar bleibt, ist "Zivilisation" etwas kaltes, technisches, seelenloses. Man besitzt Maschinen und gewisse materielle Komforts, aber man ist gewissermaßen als Mensch zurückgeblieben. Diese Definition teile ich nicht. Zivilisation ist viel mehr etwas, das noch nicht lange existiert, das fragil und beständig gefährdet ist und das sich aus sechs Teilen zusammensetzt, die alle notwendig sind um eine echte Zivilisation zu konstituieren und zu erhalten. Gefährdet und fragil ist Zivilisation deswegen, weil bereits das Fehlen eines einzelnen dieser Teile reicht, um sie zu zerstören und etwas anderem, düstererem Platz zu machen. Wir werden dies im Folgenden im Detail beobachten können. 

Mein Zivilisationsbegriff entscheidet drei Sicherheiten und drei Freiheiten. Sie kreisen um die Zuschreibungen "persönlich", "politisch" und "wirtschaftlich". Folgerichtig benötigt Zivilisation persönliche Freiheit und persönliche Sicherheit, politische Freiheit und politische Sicherheit, wirtschaftliche Freiheit und wirtschaftliche Sicherheit. Einige dieser Sicherheiten und Freiheiten haben Staaten früher, andere später entwickelt; manche Staaten besitzen gar keine (das aber sind die wenigsten). Gemein ist ihnen allerdings, dass erst die Einheit aller sechs Merkmale eine Zivilisation konstituiert. Je feiner und besser ausgestaltet sie sind, desto besser geht es den Menschen in dem fraglichen Staatsgebilde. 

Magna Charta (1215)
Befassen wir uns zuerst mit der persönlichen Sicherheit. Sie umfasst im Wesentlichen die körperliche Unversehrtheit und den Schutz vor willkürlicher Gewalt, auch und besonders von staatlicher Seite. Zu der Ideengeschichte der persönlichen Sicherheit gehört beispielsweise das römische Bürgerrecht, das zumindest in eingeschränktem Maße einen Schutz vor Willkür bot, oder die englische Magna Charta, die zum ersten Mal die Grundrechte des "freien Mannes" festlegte. Allerdings dürfen diese Errungenschaften in Hinblick auf das Kriterium persönlicher Sicherheit nicht überbewertet werden. Sie erstreckten sich stets nur auf einen Teil der Bürger - mindestens Männer, meist aber nur eine eingeschränkte Oberschicht - und waren vor der obersten politischen Autorität - meist einem Monarchen - nicht sicher. Erst die Verfassungsbewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts machten sich ernsthaft daran, die persönliche Sicherheit umzusetzen. Vorreiter waren hier besonders England, Frankreich (allerdings nur während der Revolutionsperiode) und ganz besonders die Vereinigten Staaten. Einen umfassenden Schutz der persönlichen Sicherheit erlebten weite Teile Europas denn aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Kodifizierung der Menschenrechte und die effektive Abschaffung des Krieges als Mittel der Politik innerhalb der "Ersten Welt" die Sicherheit der Bürger weitgehend gewährleistete. Essenziell ist es, dass Grund- und Menschenrechte universal sind: die Garantie der persönlichen Sicherheit erstreckt sich nicht allein auf Bürger des eigenen Staates - und das ist weitgehend noch kein Konsens -, sondern auch auf alle anderen Menschen dieser Erde.

Verletzt wird der Absolutheitsanspruch der persönlichen Freiheit am stärksten im Krieg. Das Töten von Menschen und damit die größtmögliche Verletzung ihrer persönlichen Freiheit gehören hier quasi inhärent dazu. Daraus folgt, dass Krieg wenn irgendmöglich zu vermeiden ist. Dies ist natürlich nicht möglich, wenn man angegriffen wird, und nicht wünschenswert in einigen anderen Fällen. Existiert beispielsweise ein Regime, das die Freiheiten und Sicherheiten einschneidend verletzt - beispielsweise das nationalsozialistische Deutschland - kann es geboten sein, die kleinere Verletzung der persönlichen Freiheit durch Krieg hinzunehmen, um die große der Konzentrationslager auszumerzen. Diese Abwägung zu treffen ist jedoch sehr schwierig und kann kaum verallgemeinernd beantwortet werden.

Erste "Homo-Ehe" Quebecs
Persönliche Freiheit, auf der anderen Seite, ist eine deutlich schwieriger zu umgreifende und zu definierende Kategorie. Sie umfasst letztlich die Lebensentwürfe und ihre Umsetzung, und sie stößt naturgemäß an Grenzen, ja, muss an Grenzen stoßen, nämlich spätestens dort wo die persönliche Freiheit und Sicherheit anderer beeinflusst wird. Schwierig ist hier auch die Definition dessen, was überhaupt privat und persönlich ist, was akzeptiert ist und was nicht. Noch vor 50 Jahren waren gleichgeschlechtliche Beziehungen in der Bundesrepublik strafbar, und erst im letzten Jahrzehnt wurde ihnen ein annähernd gleicher Rechtsstatus wie "traditionellen" Partnerschaften verliehen. Auf der anderen Seite ist ein persönlicher Lebensentwurf als Serienkiller nicht machbar. Grenzen werden also von der Gesellschaft gesetzt, müssen gesetzt werden. Eine Gesellschaft ohne solche Grenzen besteht aus einer reinen Anarchie. Die Garantie der persönlichen Freiheit ist also immer ein Balanceakt, und ein äußerst diffiziler noch dazu. Die Auslotung der Grenzen erfordert mehr Fingerspitzengefühl, als die Gesellschaft meist besitzt, weswegen die rechtlichen Rahmenbedingungen sich häufig erst mit einer gefühlten Verspätung von ein bis zwei Dekaden ändern, ob das nun die Abtreibung oder die sexuellen Neigungen anbelangt. Es ist auch unmöglich, die Grenzen vorauszuahnen - früher beispielsweise waren die Grenzen des sexuellen Umgangs mit Kindern wesentlich weniger hart als heute, und wer weiß ob sie nicht in dreißig Jahren wieder anders definiert sein werden? Vorauszusehen ist das kaum, und die stete Wandlung, der die Gesellschaft hier unterworfen ist, macht die Festsetzung unwahrscheinlich schwierig, während die Kriterien für persönliche Sicherheit über Jahrtausende dieselben geblieben sind.

Gerade auf dem Feld persönlicher Freiheiten finden die erbittertsten Auseinandersetzungen innerhalb einer Gesellschaft statt. Wie sieht es beispielsweise, nur um zwei aktuelle Themenfelder aufzugreifen, mit der Ausübung des Islam als Religion und der Wahrung heimischer Kulturgüter als Immigrant aus? Oder, um den Blick in die USA zu wenden, welche Rolle soll dem Schutz ungeborenen Lebens zustehen? Solche Fragen können kaum so eindeutig beantwortet werden, wie dies auf dem Feld persönlicher Sicherheit möglich ist. Eine Gesellschaft muss sich konstant einer Grundwertediskussion stellen und in der Lage sind, sich wandelnd auf neue Umstände einzustellen.

Fackelzug zur "Machtergreifung"
Kommen wir zum Feld politischer Sicherheit. Dieses Feld überlappt sich teilweise mit dem der persönlichen Freiheit, geht jedoch in einigen Bereichen einen Schritt weiter. Grob gesagt muss mit der politischen Sicherheit sichergestellt sein, dass niemand für seine politischen Überzeugungen benachteiligt oder gar in seiner persönlichen Sicherheit bedroht wird. Allerdings, und hier unterscheidet sich die politische Sicherheit von der persönlichen Sicherheit, ist dieser Anspruch nicht absolut. Die Erfahrung der Weimarer Republik hat schmerzlich bewiesen, dass es einer politischen Gesellschaft unmöglich ist, die politische Sicherheit derer zu gewährleisten, die ihre Grundwerte nicht teilen. An einem Beispiel ausgedrückt: die politische Sicherheit eines überzeugten Nazis ist nicht nur nicht gesichert, sie kann und darf nicht gesichert sein. Wo politische Überzeugungen andere Sicherheiten und Freiheiten gefährden, ist die politische Sicherheit (genausowenig übrigens wie die politische Freiheit) zu gewährleisten. Dieses Diktum öffnet zwar einen breiten Raum für Interpretationen und Missbrauch, ist aber für sich selbst zwangsläufig absolut. 

Ein mindestens ebensowichtiger Bestandteil politischer Freiheit, das darf nicht vergessen werden, ist der Schutz vor politischer Diskriminierung. Nur weil ich der CDU angehöre, darf ich unter einer SPD-geführten Regierung nicht benachteiligt werden oder umgekehrt. Die politische Affiliation - wiederum mit Ausnahme solcher politischer Präferenzen, die aktiv an der Zerstörung der geltenden Ordnung arbeiten und gleichzeitig den sechs Freiheiten und Sicherheiten widersprechen - darf keinesfalls in negativer Weise in die Behandlung eines Menschen einfließen. Das gilt übrigens auch umgekehrt: eine politische Präferenz darf genausowenig zu einer Bevorteilung führen.

Rednertribüne ("Rostra") in Rom
Die politische Freiheit enthält deswegen, logisch folgend, die Möglichkeit sich politisch zu betätigen oder, was mindestens ebenso wichtig ist, sich politisch nicht zu betätigen. Im Gegensatz etwa zu den realsozialistischen Systemen, in denen ein kompletter Rückzug aus dem politischen Raum praktisch unmöglich war und die schon alleine deswegen das Kriterium politischer Freiheit nicht erfüllen, muss die Möglichkeit eines vollständigen Desinteresses an Politik gegeben sein. Die freie Betätigung findet ihre Grenzen freilich wie üblich dort, wo die Sicherheiten und Freiheiten anderer bedroht sind, besonders dann, wenn der politisch handelnde aktiv versucht, die geltende Ordnung durch eine zu ersetzen, in der sie weniger gut erfüllt sind als in der bestehenden.

Kommen wir zum Problem der wirtschaftlichen Freiheit. Sie ist, neben der persönlichen Sicherheit, das Element mit der längsten und auch erfolgreichsten Geschichte. Zu allen Zeiten haben Herrscher erkannt, dass die Wirtschaftskraft des von ihnen beherrschten Raumes zunimmt, je mehr Freiheiten man den wirtschaftlich handelnden Subjekten zugesteht. Demzufolge war der Ausbau wirtschaftlicher Freiheiten auch stets ein vorrangiges Ziel der meisten Regierungen. Grenzen fand sie meist, wo Herrschaftsansprüche irgendwelcher anderer Fraktionen betroffen waren. Folgerichtig ging der Ausbau wirtschaftlicher Freiheiten auch umso schneller voran, je mehr die politischen Akteure selbst mit dem wirtschaftlichen Handeln verwoben waren, also vor allem mit der Verstädterung und dem Aufstieg des Bürgertums. 

Eduard Bernstein, Reformer der SPD
Der starke Ausbau wirtschaftlicher Freiheit ging jedoch allzuoft zulasten der wirtschaftlichen Sicherheit vieler. Diese letzte Kategorie war bis weit ins 19. Jahrhundert hinein überhaupt nicht existent. Eine "soziale Frage" hatte einfach nicht bestanden, Armut und Reichtum waren als gottgewollte Elemente hingenommen worden. Lediglich im Rahmen des gesunden Eigeninteresses der Herrschenden hatte es Abmilderungen schrecklicher Zustände gegeben. Auf die Idee, wirtschaftliche Sicherheit zu garantieren, ohne einen direkten Vorteil daraus zu haben, kam man erst sehr spät. Es waren Sozialismus und Kommunismus, die die Tür zu dieser Gedankenwelt weit aufstießen, und es sollte die von Deutschland ausgehende Verbreitung des Wohlfahrtsstaates sein, die ihr am deutlichsten Rechnung trug. Als jüngstes Element der sechs Freiheiten und Sicherheiten ist die wirtschaftliche Sicherheit das am wenigsten etablierte, das gefährdetste Element von allen. Es existiert praktisch kein echter Konsens über ihre Notwendigkeit, selbst in der westlichen Welt nicht, die sonst die anderen fünf im Großen und Ganzen einhält. Das ist ein ernsthaftes Problem.

Ohne wirtschaftliche Sicherheit nämlich ist eine funktionierende Demokratie nicht vorstellbar. Erst der große gesellschaftliche Konsens der Nachkriegszeit, der Ausbau des Sozialstaats und die Zusammenarbeit der Tarifpartner, schufen das tragfähige Fundament der Bundesrepublik, nicht etwa ihr Grundgesetz. Papier ist sehr geduldig, und es gibt zahllose Beispiele in der Geschichte dafür, dass die Zustimmung einer Gesellschaft zum Staatswesen in erster Linie wirtschaftlich motiviert ist, und dass die Freiheiten und Sicherheiten umso gefährdeter sind, je schlechter es um die wirtschaftliche Sicherheit steht. Paradoxerweise ist diese Erkenntnis bisher kaum durchgedrungen.

Die obige Darstellung lässt nur einen sehr kleinen Kreis von Staaten als "zivilisiert" im Rahmen der Definition erscheinen. Das ist durchaus so gewollt. Die Decke der Zivilisation ist dünn, und in jeder Gesellschaft warten niedere und aggressive Instinkte geradezu darauf, an die Oberfläche zu brechen und beherrschend zu werden. Die aktuelle Euro-Krise zeigt dies deutlich genug. Nationale Ressentiments und rassistische Überzeugungen feiern fröhliche Urständ, als hätte es die 60 Jahre europäischer Einigung nie gegeben.

Flagge der Europäischen Union
Man muss sich wirklich klar machen, dass die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts in der westlichen Welt eine bis dato unerreichte Vollständigkeit der sechs Freiheiten und Sicherheiten sah. Die aktive Teilhabe eines großen Teils der Bevölkerung ist ein Zustand, der eigentlich das Ziel aller Politik sein müsste - die Herstellung echter Zivilisation also. Es eigentlich überraschend, dass dies nicht der Fall ist. Mehr oder weniger explizit hat sich die Politik von einigen dieser sechs Felder mehr oder minder vollständig verabschiedet. Man darf die Schuld allerdings kaum alleine der Politik anlasten; auch die Gesellschaften selbst haben mit ihrer Infragestellung besonders persönlicher Sicherheit und wirtschaftlicher Sicherheit dem Ganzen mehr als Vorschub geleistet.

Die Errichtung des Sozialstaats, dies muss in aller Deutlichkeit gesagt werden, ist die wohl größte zivilisatorische Leistung des 20. Jahrhunderts und stellt die meisten anderen Entwicklungen dieser Epoche völlig in den Schatten. Nichts hat die Menschheit als Ganzes so sehr weitergebracht wie die Vorstellung, dass die Starken solidarisch für den Schutz der Schwachen einstehen sollen. Der diesbezügliche Konsens war schon immer wackelig, und die Starken haben sich bereits seit vielen Jahren wieder davon verabschiedet und geben diese gewaltige zivilisatorische Errungenschaft damit dem Verfall Preis. Was sie dabei nicht bedenken ist, dass die Zustände jedes Einzelnen dadurch eine größere Bandbreite bekommen. Sie können, das ist unzweifelhaft richtig, wesentlich radikaler in die positive Richtung ausschlagen und aus einem Habenichts einen Milliardär machen. Sie können allerdings auch, und dies betrifft einen um ein vielfaches größeren Teil der Bevölkerung, auch wesentlich radikaler in die Gegenseite ausschlagen. Wirtschaftliche und politische Freiheit allerdings, ebenso wie persönliche Sicherheit und Freiheit und politische Sicherheit - sie alle hängen an der wirtschaftlichen Sicherheit. Nur wessen wirtschaftliche Sicherheit, sein Urbedürfnis, gestillt ist, misst den anderen Freiheiten und Sicherheiten einen Wert bei. Es war das gigantische Fehlen wirtschaftlicher Sicherheit, das einer Person wie Adolf Hitler, die so offen andere Sicherheiten und Freiheiten missachtete den Weg ebnete. Zivilisation ist nicht vorstellbar ohne das Zusammenspiel aller Kategorien. Lässt eine Gruppe mutwillig einen der sechs Bälle fallen, so wird sie auch die übrigen nicht balanciert in der Luft halten können. Zivilisation erfordert das Zusammenspiel aller sechs Kräfte, und es ist eine Mammutaufgabe, sie alle zu gewährleisten. Es ist eine Mammutaufgabe, die jeden Tag aufs Neue unternommen werden muss.

Bildnachweise: 
Urmenschen - Wiktor Waznewow (gemeinfrei)
Magna Charta - Earthsound (gemeinfrei)
Homoehe - Montrealis (GNU 1.2)
Fackelzug - unbekannt (CC-BY-SA 3.0)
Rostra - Filipo (GNU 1.2)
EB - unbekannt (gemeinfrei)

Kommentare:

  1. Mir ist das zu schematisch. Es sieht so aus als hättest du eine Matrix aufgestellt und daran entsprechend die Definitionen passend gemacht. Mir scheint die Abgrenzung von zB persönlicher Freiheit und persönlicher Sicherheit auch dir nicht so klar ist.

    Zivilisation bezeichnet für mich einfach eine gesellschaftliche Großstruktur mit in etwa einheitlichem Rechtssystem, mit Kommunikations-, Handels-, Transportnetzen und anderen Infrastrukturen. Heute gibt es also nur noch eine Weltzivilisation. Etwas anderes mE ist Humanismus bzw Menschenrechte. Es sind (mir zumindest) "unzivilisierte" Gemeinschaften vorstellbar, die Menschenrechte weitgehend achten und "zivilisierte" Gemeinschaften, die diese missachten.

    Aber natürlich ermöglicht und verhindert Zivilisation Humanität. Ziel muss hier natürlich eine möglichst humane Gesellschaft sein. Aber das mit Grad an Zivilisation gleichzusetzen ist mE nicht sonderlich hilfreich. Historisch haben sich Zivilisationen (etwa das römische Reich) sich auf Krieg, Terror und Sklaverei gegründet, nicht gerade human. Heute baut unsere Zivilisation auf vergangenen Verbrechen (Kolonialisierung, Sklaverei), billiger und schmutziger Energie (Öl, Kohle, Atom), Militärmacht, Korruption und Ausbeutung in armen Ländern auf. Die Rechten haben mE Recht wenn sie sagen wir "verdanken" dem Kapitalismus unseren Wohlstand, aber nicht durch seine Effizienz, sondern dadurch dass andere für uns schuften (müssen) oder der Ressourcenzugang verweigert wird oder die Rechnung bezahlen müssen (Klimawandel, Umweltzerstörung, atomare Abfälle, Ressourcenerschöpfung,...)

    Man kann aber, denke ich, argumentieren, dass humanere Gesellschaften eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung genießen und sich langfristig durchsetzen werden und stabiler sind. Insofern ist dein Ansatz recht positiv zu werten. Er ähnelt mE dem Capability-Approach von Amartya Sen.

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  2. Ich versuche ja gerade, meinen Zivilisationsbegriff von Reichen wie dem Römischen oder dem imperialen England etc. abzugrenzen.

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  3. Als die Taliban, "Steinzeitislamisten", das damalige Afghanistan regierten, hatte Afghanistan also keine Zivilisation? Klar, hatten die eine Zivilisation. Würde man diese Zivilisation mit der westlichen Zivilisation vergleichen, würde man augenscheinlich scheitern. Nicht scheitern würde man jedoch wenn man den Begriff der Kultur zu Hilfe nimmt. Denn der Kulturbegriff geht viel weiter indem er die Moral mit ins Spiel bringt.
    Kann man also definieren: Zivilisation ist die Abwesenheit von Moral? Ich denke ja.

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  4. Du ignorierst völlig dass mein Zivilisationsbegriff vom Üblichen abweicht.

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