Freitag, 5. Dezember 2008

Absurditäten

Steinbrück ist Politiker des Jahres 2008. Das muss man zweimal lesen. Politiker des Jahres 2008. Wegen seines hervorragenden Umgangs mit der Finanzkrise. Welcher Finanzkrise? Wir müssen irgendwann im ersten Halbjahr 2008 eine verpasst haben, die Steinbrück hervorragend gemanagt hat, denn von der aktuellen kann man das wohl kaum behalten. Laudator ist übrigens Roland Koch. Ich glaube die Jungs spekulieren echt schon offen auf GroKo 2.0.

Den Vogel aber schießt die SZ mit einem Artikel zum Mindestlohn ab. Ich dachte in der Einleitung, ich fass es nicht, die SZ für Mindestlohn? Ist sie auch tatsächlich, aber irgendwie doch nur so halb:
Für viele Unternehmen und Ökonomen ist eine einheitliche Lohnuntergrenze ein Graus. Sie fürchten um ihre Gewinne oder den Verlust von Arbeitsplätzen - und das nicht zu Unrecht. Erfahrungen aus dem Ausland und zahlreiche Studien zu dem Thema legen den Schluss nahe, dass ein zu hoher Mindestlohn Arbeitsplätze kosten könnte. (Quelle)
Fälle aus dem Ausland? Wie in Frankreich mit seinen 8,44€ oder in Großbritannien mit seinen weit über 8 Euro? Wo sogar Arbeitsplätze entstanden sind? Meint ihr diese Fälle aus dem Ausland? Merkwürdig nebulös bleiben diese "Erfahrungen". Und Studien? Da haben wir einen ganzen Haufen Studien von vier der fünf Wirtschaftsweisen, also der Ökonomen, die sich in der aktuellen Krise so blamiert haben.
Folgerichtig wird im Artikel auch argumentiert, ein Mindestlohn zwischen "4,50€ und 5€" sei an gemessen und vernichte keine Arbeitsplätze, schütze aber vor Ausbeutung. Hallo? Was schützt da vor Ausbeutung? Ein Stundenlohn von um 8€ bringt etwa 1300 Euro brutto monatlich. Das sind dann rund 1000 Euro Netto. Schon mal versucht, von 1000 Euro Netto eine Familie zu ernähren? Witz komm raus, du bist umzingelt. Und die SZ-Granden hier wollen für die Hälfte Ausbeutung ausschließen! Es scheint, als ob unsere Eliten auch in der Journalistenzunft jede Bodenhaftung verloren hätten. Für 5 Euro pro Stunde kann niemand vernünftig leben.

Zur Ehrenrettung der SZ sei aber auf den aktuellen Heribert Prantl verwiesen.

Kommentare:

  1. Steinbrück ist Politiker des Jahres 2008! Wenn sich die Qualitäten unsere Eliten bei Null bewegen, würde ich das nicht als Auszeichnung sehen. Wahrscheinlich wurde er gewählt, weil er so herrlich absurd ist. Wir müssen sparen und den Haushalt konsolidieren! (Nebenbei werden 50Mrd. direkt für Banken verbraten) Steinbrück kann keiner mehr lächerlich machen, dass schafft er schon. Und das Koch ihm den Preis gibt. Der ist ja nicht mal mehr der einäugige unter den Blinden.

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  2. Mein Vater bezeichnete Steinbrück als den "besten Politiker dieser Regierung". Auf meine Antwort, daß ich dann nicht den schlechtesten kennenlernen wollen würde, reagierte er mit Unverständnis.

    Wenn ein hochintelligenter, hochgebildeter Mann so denkt, wundert es mich nicht, daß sich das Aufjaulen im Volke in engen Grenzen hält.

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  3. @flying circus, warum sollte das Volk aufjaulen, wenn es verwirrt ist und demzufolge rinks von lechts nicht mehr unterscheiden kann? oder um einen Aphorismus von Jerzy Lec auf die Ehrung von Steinbrück anzuwenden - Lec sagt: in der Hölle ist der Teufel eine positive Gestalt -, wenn man Steinbrück zum Politiker des Jahres 2008 kürt, kann das nur heißen, daß wir bereits in der Hölle leben.

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  4. @ Klaus: klasse Kommentar.
    @ alle: Steinbrück ist so ziemlich der unterirdischste der unterirdischen Politfatzkes. Das ist alles an Absurdität kaum noch zu überbieten.

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  5. Ich fasse es nicht. Ausgerechnet Steinbrück. Die Oberflächlichkeit und der Mangel an Kenntnissen aktueller politisch-wirtschaftlicher Zusammenhänge in der Bevölkerung ist erschreckend. Wer steckt eigentlich hinter der Helios Media GmbH? Bertelsmann? Springer? INSM?

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  6. "...oder in Großbritannien mit seinen weit über 8 Euro? Wo sogar Arbeitsplätze entstanden sind?"

    Ähm, da solltest du nochmal recherchieren wieso genau dort Arbeitsplätze entstanden sind und was das für die Staatsverschuldung bedeutet hat. Nichts für ungut, aber das Eine hat mit dem Anderen primär nichts zu tun. Und grundsätzlich kann man mit solch pauschalen Aussagen eh nichts anfangen weil man mit Statistiken so ziemlich jeden Scheiss "belegen" kann.

    Und zum Thema: der einzige Preis den dieses Jahr ein Politiker verdient hätte, wäre der Comedypreis für Helmut Rau. Dafür dass er das Hauptschul-Problem "gelöst" hat.

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  7. Ich versteh auch gar nicht warum es einer Familie möglich sein muss, mit einem Alleinverdiener leben zu können...Ziemlich veraltetes Rollenbild, oder=

    Ein Mindestlohn muss gewährleisten, dass ein 1-Personen-Haushalt sich durch sein Einkommen ohne Unterstützung durch den Staat selbst versorgen kann...

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  8. Was genau ist denn an der Idee, dass eine Familie den Ausfall eines von zwei "Ernährern" ausgleichen können sollte, ohne gleich in Armut zu verfallen, veraltet?

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  9. dafür gibts das ALG...

    Einen totalen Verdienstausfall eines von 2 Verdienern aufzufangen ist weder finanziell machbar, noch Aufgabe des Staates oder der eines Mindestland...wäre natürlich Schlaraffenland...
    Wo wären wir denn da? Recht auf 2000€ netto für alle?

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