Donnerstag, 13. Oktober 2011

The 7 biggest lies about economy


Ja, ist ziemlich kurz, ziemlich pauschal, teilweise vielleicht kritikwürdig (ich meine dich, Tobias Fuentes :)), aber insgesamt trotzdem ein sehenswerter Überblick und Diskussionsanstoß. Besonders wenn man "in a nutshell" jemandem zeigen will, was die eigene Gesprächsgrundlage ist, ist das Video ganz gut geeignet. Besonders aber den Punkt mit der 70% Einkommenssteuer + höheres Wachstum mit Verweis auf die 1960er und 1970er Jahre halte ich für Unsinn.

Kommentare:

  1. Die 70% Einkommenssteuer bei hohen Wachstumsraten während der Nachkriegsjahrzehnte lassen natürlich nur bedingt Rückschlüsse auf die heutige Situation zu. Aber die Gleichungen "niedrige Steuern=hohes Wachstum" und "hohe Steuern = niedriges Wachstum" sind definitiv falsch, und die Erkenntnis ist schonmal wichtig. Business braucht ja auch Humankapital, Infrastruktur und Nachfrage. Die aber sind nur mit Steuern und (moderater) Umverteilung zu haben.

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  2. Hallo, fühle mich ob der Erwähnung geehrt und schreibe jetzt mal drauf los. Die Darstellung von Reich ist natürlich wirklich nicht HILFreich. Er hat sich mit seinen verzerrenden Verkürzungen eh schon längst diskreditiert. Der ist nicht ernstzunehmen, auch wenn man das nicht aussprechen sollte. Genauso feynsinn und SF. Mittlerweile rege ich mich schon gar nicht mehr auf. Ich hätte was Geballtes zur Medien-Diskussion schreiben können und hat's vor, über SF's Heuchelei und Widersprüche - aber was soll's. Das bringt alles nichts. Was das Video zeigt sind einmal mehr die Missverständnisse, die jede Diskussion prägen. Es hat keinen Sinn über uferlose Begriffe wie Kapitalismus, Trickle down ... zu streiten, wenn jeder was anderes darunter versteht. Social Security ist natürlich ein Ponzi-Sheme. Das kann man nicht mit bestreiten, indem sagt das Kartenhaus fiele ja nicht zusammen, wenn halt mehr Geld reingepulvert wird. Solches nichtssagende Geschwafel ist nicht ernstzunehmen. Was Reich unter Trickle Down fasst ... einseitiger verwirrender Schmarrn. Als ob tax cuts on the rich sofort auf jedweden Lohn Einkommensschwächerer durchschlagen, und das auch noch überproportional. Als ob sowas behauptet würde. Wenn immer ich mich mit sowas befasse, Statistiken sehe und vergleiche ... es bleibt immer dabei: keiner ist besser als Reagan, keiner hat eine bessere Bilanz, keiner war hilfreicher für den einfachen Mann als Reagan, unter Reagan hat sich die Lafferkurve eindrucksvoll bestätigt. Selbst Krugman hat das kürzlich indirekt zugeben müssen. Steuersenkungen haben zu Einkommensgewinnen geführt, aber eben durch pre-tax-Einkommen und nicht dadurch, dass man darauf prozentual weniger zahlen musste und der Staat weniger einnahm - genau das Gegenteil war der Fall. Reiche wurden geschröpft unter Reagan, im Sinne des gesamten Anteils, den sie unterm Strich zahlen mussten. Steuersenkungen haben den Reichen durch diese in Gang gesetzte Dynamik gleichfalls genutzt, aber eben nicht auf Kosten der Ärmeren (im Gegenteil) oder des Staates. Wer Wirtschaft als Nullsummen- und Verteilungsspiel versteht und statische Vorstellungen von Menschen als Roboter hat, der kommt zum Irrglauben man müsse Reiche nur stärker besteuern. Insofern war es wohltuend auch sowas noch lesen zu dürfen: http://lewrockwell.com/gregory/gregory221.html Leave the Top 1% Alone - let us remember that the top 1%, like everyone else, are paying way too much. Das stößt bei Linken natürlich auf Unverständnis, zu einem Bruchteil aber auch zurecht und auf diesen Bruchteil stürzen sich Linke nun mal ausschließlich. Einkommens- und Vermögenskonzentration hat eben auch andere - staatlicherseits veranlasste Gründe ... vom geschaffenen Finanzsektor bis zum welfare state... ach, darüber ließe sich eh keine Einigkeit erzielen ... und aus diesen Gründen kann (oder müsste) man insoweit für eine noch stärkere Umverteilung sein - darüber sich den Kopf zu zerbrechen und eine stärkere Besteuerung zu promoten ist aber nun nicht Aufgabe von Libertären. Missverständnisse damit aber vorprogrammiert. Ja, und natürlich zahlen Ärmere zwar weniger Einkommensteuern, aber einen höheren Einkommensanteil für sämtliche Dinge. Das anzuprangern ist Unsinn, das ist nunmal so. Das kann man nicht mit höherer Besteuerung lösen. Tja, alles starker Tobak für die Leserschaft hier. Sowas sollte man verbieten wie es Gang und Gäbe ist auf euren linken Blogs.

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  3. @ Tobias Fuentes:
    Das versteh ich nicht. Kannst du das vielleicht nochmal erklären? Besonders, was nun dein persönlicher Punkt ist, auf den du hinaus willst. Das kam noch nicht so gut durch, find' ich.

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  4. @Marc
    Was denn genau? Dinge sind nunmal komplex - es gibt weder richtig und falsch (auch wenn Linke das ausdrücklich genau andersrum sehen ... so eine einfach Weltsicht liest man genauso deutlich und dreist). Einkommens- und Vermögenskonzentration, Ungleichheiten sind kein Selbstzweck. Es gibt keine richtige oder angemessene oder unfaire Konzentration mit der 'richtigen' Konsequenz da einzuschreiten und höher zu besteuern. Man hüte sich vor solchem Pauschalismus. Oder die Begründung gegen smaller government, dass man ja Infrastruktur, Lehrer brauche, Punkt 3 im Reich-Video. Das ist völlig inhaltsleer ... lol, wenn man sich das überlegt .. das Reich-Video hat echt keinen einzigen ernstzunehmenden Gedanken. Wer von smaller government spricht, meint doch nicht das Vernachlässigen von Infrastruktur oder das Verkommen von Bildung (das etwa auch keine primäre und zwingende Staatsaufgabe war und ist, aber das nur nebenbei), insb. solange und wenn es nunmal (noch) in der Hand des Staates liegt. Das Ding ist eben nur, dass man nicht überall hin Straßen und Brücken bauen kann und mit ständigen steigenden Staatsquoten es vielleicht doch irgendwann mal schaffen sollte solche einfachen Aufgaben zu erfüllen. Wer mit Brücken und Straßen als Argumente ankommt, wenn man steigende Staatsausgaben beklagt, sorry, dem kann man fast nicht mehr nur anlasten einem Missverständnis zu unterliegen ... sondern das ist eher eine Ignoranz, die sinnvolles Diskutieren echt unmöglich macht. Robert Reich ist flüssiger als flüssig - überflüssig.

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  5. @Tobias Fuentes

    Das zeigt mal wieder, jegliches Fehlen von makroökonomischen Zusammenhängen.

    Da gibt es zum einen die Produktionssphäre, innerhalb derer die Arbeitnehmer ein Arbeitsentgelt bekommen.

    Das Arbeitsentgelt bestimmt darüber welchen Anteil am gemeinsam erwirtschafteten der Einzelne konsumieren kann.

    Was der einzelne konsumiert bestimmt wiederum die Produktionspläne der Unternehmen für die nächste Periode.

    Sind die Einkommen zu konzentriert bestimmen wenige die Produktionspläne der Unternehmen , die Produktpalette schrumpft auf wenige Luxuswaren.

    Ist das eine demokratische Wirtschaft?

    Die Konsumquoten der niedrigen Einkommen sind höher. Sie sparen weniger. Die Wirtschaft kann stärker wachsen.

    Ausserdem Reich kann sich auf empirische Daten stützen.

    Der Oeffinger Freidenker stellt einfach eine Behauptung auf die den empirischen Daten widerspricht.

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  6. @Tobias

    Reagan hat sich in dem Zeitraum auch massiv verschuldet, da die Kombination aus Steuersenkungen und expansiven Militärausgaben tödlich für jeden Haushalt sind. Hätte er die Ausgabenseite zusammengestrichen, dann wäre der positive Effekt durch Steuersenkungen warscheinlich vernachlässigbar gewesen.

    http://www.sgipt.org/politpsy/finanz/schuldp/usa/usa0.htm

    "das etwa auch keine primäre und zwingende Staatsaufgabe war und ist, aber das nur nebenbei"
    Was zwingend ist und was nicht ist schwer zu definieren. In der Ökonomie gibt es nur sehr wenig reine öffentliche Aufgaben wie das Militär. Dennoch sehe ich das Problem der staatlichen Schulen nicht wirklich. Für mich sollten sie aus dem einfachen Grund in staatlicher Hand sein, da ein Wettbewerb nicht wirklich möglich ist. In Grüßstädten hätte man noch eine Auswahl (was ist die Zielgröße? Nette Lehrer, gute Noten, saubere Räume, gute Berufschancen?) Schon jetzt bezahlen einige wohlhabende Menschen an Privatschulen das Netzwerk und nicht die Bildung.

    "wenn man steigende Staatsausgaben"
    Man sollte doch lieber Brücken bauen, als Banken retten, oder einen Militäretat jenseits von Gut und Böse zu finanzieren. Wer steigende Ausgaben anmahnt sollte solche Luftnummern als erstes angehen. Bei den Sozialsystemen wird wenigstens noch dem Binnenmarkt geholfen.

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  7. @Tobias:
    Deinen Enthusiasmus in allen Ehren, aber vielleicht solltest du dann doch mal das Feuer auf deiner Zunge löschen. ;-)

    Wenn ich dich korrekt verstehe, dann beklagst/kritisierst du, dass man Wirtschaftspolitik moralisiert, indem man nach "Gerechtigkeit" oder "Fairness" fragt. Das kannst du natürlich gerne den "linken" vorwerfen, dass sie wirtschaftspolitische Fragen mit denen der Moral vermischen.
    Jedoch ist es mir bei dir zuviel rant und zuwenig Argumentation. Es gibt auch gewichtige Gründe dafür, dass man den vorhandenen Wohlstand, den eine Markwirtschaft erbringt, auf die gesamte Gesellschaft aufteilt.

    Und dann noch eine Frage: Was ist für dich die eigentliche Aufgabe des Staates? Gibt es soetwas wie einen staatlichen Kernbereich überhaupt?

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  8. Wenn ein Hauptschulabgänger im Hüttenwerk, am Montageband, +++ einen Verbesserungsvorschlag macht, dann verbessert er nicht nur seine Arbeitsbedingungen sondern auch die seiner Kollegen.
    Und da in der selben Zeit mehr Produkte erzeugt werden können, oder Ressourcen zu deren Produktion benötigt werden, steigt sein Lohn weil er sonst nicht die zusätzlichen Produkte kaufen kann.

    Die Produktivität in der gewerblichen Wirtschaft wächst im Durchschnitt um 4% jährlich.

    Ich verstehe dass ein Hauptschulabgänger mit seinem Briefträger solidarisch sein möchte, damit dieser auch einen höheren Anteil am produzierten Reichtum bekommt, aber warum fallen die Löhne für Dienstleistungsberufe wie Briefträger oder Journalist?

    Woran mag das wohl liegen?

    Obwohl die Verhältnisse nicht anders sind als 1960 - 1970.

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  9. Ja jetzt die Globalisierung, der böse chinesische Arbeiter.

    DIE PREISE SINKEN NICHT, die Unternehmen geben die Vorteile durch sinkende Löhne, mehr Produktivität nicht weiter!

    Also wie kommt die Entlohnung zur Warenwelt?

    Wie kann weniger chinesische Entlohnung, die selben Waren zum gleichen Preis kaufen?

    Ja, aber wenn die Chinawaren nicht wären aber dann wären die Preise galoppiert, sagt der Wirtschafts- Stammtisch

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