Donnerstag, 13. Oktober 2011

Grenzen verwischen

Von Stefan Sasse

Mit 15 wäre ich begeistert gewesen. Heute...not so much. Irgendwie erfasst mich eine tiefe Unruhe, wenn ich den Trailer sehe. Vielleicht ist der fertige Film besser, aber irgendwie bezweifle ich es. Die Loslösung irgendwelcher gesellschaftlichen Werte zugunsten eines rigiden Ehren- und Moralkomplexes der militärischen Parallelwelt ist etwas, das man bekämpfen und nicht feiern sollte.

Kommentare:

  1. meh

    dann lieber nochmal thin red line oder apokalypse now gucken.

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  2. Ich habe jetzt eine Stunde über diesen Satz nachgedacht und werde immer noch nicht schlau aus der spezifischen Wortwahl:
    "Die Loslösung irgendwelcher gesellschaftlichen Werte" ... "zugunsten eines rigiden Ehren- und Moralkomplexes" ... "der militärischen Parallelwelt"
    Also es ist da die Rede von zwei verschiedenen Welten: die militärische und eine andere, wohl zivile. In dem Trailer sieht man keine direkte Überschneidung dieser Welten. Militär trifft auf Militär. Nun die "Loslösung irgendwelcher gesellschaftlichen Werte". Was ist mit den Genfer Konventionen? Eine Verletzung dieser ist zumindest im Trailer nicht auszumachen. Die "gesellschaftlichen Werte" werden bewußt unbenannt gelassen, fast schon abgewertet durch das arg laxe "irgendwelche" - während es sich bei der Gegenüberstellung mit der militärischen Parallelwelt dort nicht um "Werte", sondern um "Komplexe" handelt. Also was Werte in der einen Welt sind, sind in der anderen Komplexe? Ich verstehe das nicht. Die Werte in der militärischen Parallelwelt erschöpfen sich jedenfalls nicht in Ehre und Moral, siehe Genfer Konventionen, an denen der Trailer nicht rüttelt.
    Es wird auch nicht klar, welche "Loslösung" den Autor beängstigt: Dass sich in der zivilen Welt die Werte zugunsten militärischer auflösen, oder dass sich in der militärischen Welt zivile Werte auflösen? Letzteres ist doch mit dem Humanitären Völkerrecht zumindest auf dem Papier geregelt, das "im Fall eines Krieges oder eines anderen internationalen bewaffneten Konflikts den weitestmöglichen Schutz von Menschen, baulichen Einrichtungen sowie der natürlichen Umwelt vor den Auswirkungen der Kampfhandlungen zum Ziel hat." - Auch hieran rüttelt der Trailer nicht.
    Ein seltsamer, undurchschaubarer Artikel.

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  3. Die Sache ist, dass Filme und Geschichten wie dieser ein Militär zeigen, das in seiner eigenen Welt lebt. "Ihr versteht uns und unsere Moral nicht, wir sind Profis, ihr kümmert euch nicht um uns und wir uns nicht um euch" - das ist eine Loslösung. Es ist dieses Ethos vom "profi" und seinen Kameraden, der aber nicht wirklich nach den Gründen fragt...

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  4. Ah, danke.
    Das erinnert mich an ein Interview zum Thema Afghanistan-Einsatz. Da hieß es, dass die (deutschen) Soldaten längst nicht mehr "für ihr Land" im Einsatz seien, weil sie im Zuge des Antimilitarismus' vom Volk nicht mehr geschätzt seien.
    Da ist die Henne/Ei-Frage, ob sich zuerst das Volk vom Militär oder erst das Militär vom Volk entfernt hat.

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  5. Mich als Gamer erinnert das schon sehr an "Call of Duty: Modern Warfare", wenn man von den Privatleben-Szenen absieht.

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  6. @Anonym: Ja, das ist eine gute Frage^^

    @Marc: Ja, mich auch. Wenn ich an Modern Warfare 2 denke ist das nichts Positives, oder gar an Black Ops *schauder*

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  7. Solche Spiele sollten verboten und den Programmierern öffentlich ein moralischer Prozess gemacht werden!

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  8. Na, da hat das Pentagon ja mal wieder tief in die Taschen gegriffen. Warscheinlich braucht das "Volk" mal wieder eine Impfung "Hero Worship" um den Patriotismus zu beleben. "Our good boys keep fighting the fine fight...". Ein kritisches Hinterfragen von den aktuellen Militär-Einsätzen wäre heutzutage sehr angebracht. Immerhin werden so manche Verbrecher glorifiziert.

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  9. @Anynom:
    Solch Forderungen zeugen von einem stalinistischen Verständnis von dem, was erlaubt sein darf und was nicht. Der von dir geforderte Prozess wäre nichts anderes als ein menschenrechtswidriges Beispiel eines "Unrechtstaates". Seien wir lieber froh, dass jede Spieleschmiede das programmieren darf, was auch Aussicht auf Verkaufszahlen hat. Selbst für sich allein darf man noch so unorthodoxes Zeug bauen.
    Ich würde mal das eigene Rechtsverständnis auf den Prüfstand stellen, anstatt hier gleich nach Teer und Federn zu brüllen.

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  10. @Stefan:
    Neulich wurde doch eine Art Mini-Prequel zu "CoD:MW1" veröffentlicht ("Operation Kingfish" http://www.youtube.com/watch?v=XY5bJxNb8hg ). Die gedrehten Szenen sind zwar handwerklich eher amateurhaft, aber im Grunde sind es die selben Bilder und damit Botschaften, die vermittelt werden.

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  11. Ein "moralischer Prozess"? Am besten vor einem Volksgerichtshof, oder?

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  12. Mhh...werd ich mir nicht ansehen, auch wenns ja actionreich und spannend zu sein scheint. Habe die Erfahrung gemacht, das Filme, in deren Trailer die amerikanische Flagge und/oder Soldaten in Kombination mit "Ehre" vorkommt bei mir die gleiche Wirkung wie Rizinusöl haben.

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  13. So ein Unsinn. Absolut gut finde ich das... Was ist denn das Problem bei der Darstellung eines Kodexes? Es ist doch gerade wünschenswert, dass, in einer Zeit in welcher Interesse zu sehr von wirtschaftlichem Opportunismus geleitet werden, Filme an grundlegende Werte appelieren, die den meißten nicht unbdeingt erhalten geblieben sind (ich denke hier beispielhaft an "no man left behind", welches sicherlich für viele sehr unverständlich erscheint)

    "Solche Spiele sollten verboten und den Programmierern öffentlich ein moralischer Prozess gemacht werden!" - Wohl CDU wähler oder sonst irgendwelche Probleme.

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  14. Ich sehe ein Problem ausdrücklich nur dort, wo dieser Kodex losgelöst von irgendwelchen anderen Werten praktiziert wird, wo also Kameradschaft etc. als reines Mittel zum Militäreinsatz gesehen werden, dessen exakter Nutzen vollkommen irrelevant ist. Wenn die Professionalisierung unter einem solchen Ethos ein solches Ausmaß erreicht, dass die Natur des Einsatzes in den Hintergrund rückt - dann und nur dann besteht ein Problem. Die Modern Warfare Spiele leiden an diesem Problem grundsätzlich.

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  15. Noch zu:
    "Da ist die Henne/Ei-Frage, ob sich zuerst das Volk vom Militär oder erst das Militär vom Volk entfernt hat."

    Stefan Sasse hat gesagt…
    @Anonym: Ja, das ist eine gute Frage^^

    Die Antwort darauf ist, dass sich erst das Volk vom Militär entfernt hat, ohne unmittelbaren Anlass des Militärs. Denn die regelmäßigen Störungen von Vereidungsveranstaltungen begannen ja, als die Bundeswehr noch ein "ruhendes Heer" war, also vor z.B. den Auslandseinsätzen in Afghanistan.

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