Dienstag, 22. November 2011

Sprachmassaker bei Hahne

Von Stefan Sasse

Peter Hahnes Talkshow hat gegenüber dem ganzen Rest der unsäglichen Bande einen entscheidenden Vorteil: öfter mal sitzen da nur zwei mit dem Moderator zusammen, was immerhin so etwas wie eine Diskussion ermöglichen könnte. Da hört das Positive aber auch schon auf. Nicht nur, dass Hahne genausowenig wie seine Kollegen darauf verzichten kann, jeden Gesprächsfluss mit Einspielfilmchen abzuwürgen, derer es absolut nicht bedarf. Er ist auch ein eitler Gockel, der sich selbst mit vollem Recht als privilegierten Gesprächsteilnehmer begreift. Das führt dann dazu, dass man zwar eine halbe Stunde irgendwie ein Thema beackert. Aber immer, wenn gerade jemand so etwas wie ein Argument auspacken könnte, das tatsächlich so etwas wie eine Diskussion in Gang brächte, mischt sich Hahne ein, um eine billige Anekdote einzubringen, die zwar Zustimmung des Zuschauers und ein gequältes Lächeln bei den Gästen hervorruft, aber jeden Versuch einer thematischen Auseinandersetzung beendet. Aktuelles Beispiel gefällig? "Was machen wir aus unserer Sprache?" lautet der Titel, und zu Beginn kündigt Hahne groß an, dass zwei Personen, die nie zuvor am selben Tisch saßen zusammengebracht wurden: Sascha Lobo und Bastian Sick. Auf der einen Seite das Aushängeschild von "das Internet", auf der anderen Seite die Heilsfigur der Sprachschützer und Grammatiknazis. Tatsächlich hätte das eine interessante Diskussion werden können, wenn da nur der Moderator nicht wäre. 

Das geht schon bei der Vorstellung los. Hahne versucht nicht einmal, eine neutrale Moderatorfunktion einzunehmen. Wie immer bezieht er stattdessen deutlich Stellung, setzt schon von Anfang an den Ton und würgt ab was ihm nicht passt. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Journalisten und Moderatoren dürfen, ja sollen eine Meinung haben. Eine Diskussion aber macht nur Sinn, wenn man sie auch führt. Was bei Hahne passiert ist aber keine Diskussion, sondern ein reiner Flickenteppich von Soundbites, aus denen vor allem die Erkenntnis hervorgeht, dass Peter Hahne echt eine clevere Grinsekatze ist und Recht hat. Um was es genau ging - hey, wen interessiert es, hauptsache Moderator und Zuschauer konnten am Ende oft genug Zustimmung brummeln. Das Schlimme ist, dass im Gegensatz zu häufigen solchen Konstellationen - wenn etwa zwei Politiker dieser Couleur aufeinandertreffen - sowohl Lobo als auch Sick bereit schienen, trotz aller Selbstdarstellungsallüren die Argumente des anderen anzuhören und kontern zu wollen. Nur, Hahne verbot das. Sobald sich auch nur der anschein auftat, dass das Argument eines Teilnehmers diskutiert werden könnte, ging Hahne dazwischen.  So viel jedenfalls zur Kritik an Hahne; kommen wir zum thematischen Aspekt der Sendung. 

Lobo und Sick versuchten ja durchaus, ein interessantes Thema zu beackern, nämlich ob die deutsche Sprache schutzbedürftig ist und ob die vielen Anglizismen des Alltags nicht schädlich sind. Wenig überraschend nehmen die beiden Diskutanten dabei sehr konträre Positionen ein, schließlich verdienen sie ihr Geld mit diesen Positionen. Sick, der selbst ernannte "Deutschlehrer der Nation", verweist gerne auf irgendwelche alten Wörter und welche Bedeutungen irgendwelche Sachen früher mal hatten und spricht sich vehement für deutsche Ersatzwörter aus (Prallbeutel für Airbag beispielsweise). Lobo auf der anderen Seite ist ein großer Freund alles technisch-englischen Vokabulars und kreativer Neuschöpfungen. Für Bastian Sick ist die Sache relativ klar. Routiniert brachte er seine Beispielmaschine zum Laufen, bei der besonders die Deutsche Bahn mit ihren Service-Points mal wieder als Negativbeispiel herhalten musste. Anglizismen sind schlecht, verderben die Sprache und überhaupt, Grammatik kann auch kein Jugendlicher mehr richtig. Lobo auf der anderen Seite liebte es, die "alten Männer" zu zitieren, die sich über die Jugend von heute echauffieren und ließ auch das zugkräftige Argument nicht missen, dass solche Beschwerden schon in sumerischer Keilschrift überliefert sind. 

Tatsächlich hat Lobo einfach Recht: Sprache ist kein geschützter Raum, kein starres Wesen, sondern in einer ständigen Entwicklung, auch und gerade durch junge Menschen. Neue Wörter sind nicht per se gut oder schlecht. Was in der Diskussion letztlich völlig ausgeklammert wurde war der Selbstreinigungsprozess von Sprache, da Hahne die erste echte Auseinandersetzung um die Frage, ob ein Einzelner überhaupt Einfluss auf Sprachentwicklung hat sofort abwürgte. Es setzen sich schließlich nicht willkürlich alle Anglizismen durch, sondern nur bestimmte. Nach welchem Muster sie dies tun, und wie der kollektive Entscheidungsprozess abläuft wäre eine interessante Fragestellung gewesen, aber das war Hahne wohl bereits ein Zuviel an Niveau. Letzten Endes ist der Versuch, Sprachschutz zu betreiben, zum Scheitern verurteilt. Sowohl Hahne als auch Sick erwähnten die französische Sprachschutzbehörde als positives Beispiel. Es fehlte aber jeglicher Hinweis darauf, dass nicht nur die Franzosen weltweit (zu Recht) die Einzigen bleiben, die eine solche Behörde unterhalten, noch dass sie auf den tatsächlichen Sprachgebrauch der Franzosen außerhalb der kontrollierten, weil veröffentlichten Sprache keinen Einfluss ausübt. Sprachneuschöpfungen wie "ordinateur" für Computer haben sich auch in Frankreich nie vollständig gegen "Computer" durchsetzen können, und der von Hahne und Sick so konsequent promotete "Klapprechner" als Ersatz für den Laptop wurde von Lobo zu Recht damit gekontert, dass er den Nutzer solcher Begriffe einfach nur auslachen würde. 

Interessanterweise ebenfalls völlig im Sande verlief die ambivalente Widmung von Lobos neuestem Buch, das er dem jahrhundertealten Schaffer von deutschen Ersatzworten widmete, der gegen das damals stark einflussreiche Französisch vorging (niemand weiß heute mehr, dass "Auf Wiedersehen" eine Neuschöpfung war, um "Au revoir" zu verdrängen). Tatsächlich könnte der nachhaltige Erfolg dieses Mannes ja gerade ein Beispiel sein, dass solche Ersatzworte auf lange Sicht erfolgreich sind. Für Hahne natürlich irrelevant, weil möglicherweise in einer ernsten Beschäftigung mit dem Gegenstand mündend. Das Beispiel des Französischen, das das Deutsche für Jahrzehnte stark beeinflusste, ist in der Tat interessant. Für gebildete Europäer war Frankreich der Nabel der Welt, die Beherrschung dieser Sprache elementar für Teilhabe am gehobenen Leben (so wie heute Englisch). Nur, der Niedergang dieser Einflüsse und ihre Ersetzung durch deutsche Neuschöpfungen kam nicht durch eine generelle Erkenntnis, dass es eines Schutzes der Sprache vor fremden Einflüssen bedürfe. Es kam mit dem Aufstieg eines dumpfen Nationalismus und einem grassierenden Franzosenhass. Und in genau dieselbe Kategorie passen auch die heutigen selbst ernannten "Sprachschützer". Sie sind konservativ bis reaktionär und mögen viele Entwicklungen der modernen Welt nicht. Englisch ist ihnen dabei nur das Mittel zum Zweck. Stets kommt auch ein großer Kulturpessimismus zum Ausdruck, und es ist kein Zufall, dass gerade die NPD zu den stärksten Verfechtern von Sprachschutz gehört. 

Letztlich ist es immerhin gut zu sehen, dass sowohl Lobo als auch Sick der Meinung waren, dass der Staat in dieser Sprachfindung nichts verloren habe und die Forderung nach Deutsch im Grundgesetz keine Berechtigung hat. Es ist ein totalitärer Schritt, wenn der Staat in Sprache herumfuhrwerkt, und solche gilt es zu vermeiden. Ich bin der Ansicht, dass Sprache sich mit ihren Nutzern entwickelt. Es hat seine Gründe, dass Anglizismen eine solche Verbreitung haben, und das ist nichts per se Schlechtes. Oft genug spielen Ressentiments gegen die USA und, in schwächerem Maße, Großbritannien eine entscheidende Rolle bei der Ablehnung von Anglizismen. Der "Sprachschutz" ist nur ein bequemes Gewand, um die ollen Kamellen von deutscher Kultur und angelsächsischer Zivilisation wieder aufkochen zu können. Sprache findet immer ihren Weg, und alles was übereifrige Sprachschützer oder Beförderer tun können ist Abartigkeiten zu erzeugen, ob das nun in missglückten "Service Points" liegt oder im "Prallbeutel" und "Klapprechner".

Links: 

Kommentare:

  1. Hallo Stefan,

    Nazi ist zu hart. Definitiv. Ich mag nicht mit denen in einen Topf geworfen werden, nur weil ich mich für die deutsche Sprache interessiere.
    Neee.. das ist echt zu hart... ;O)

    Gruß Stefanie

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  2. muss stefanie beipflichten, zumal sich der Freidenker auch sonst immer gegen Nazivergleiche ausspricht...sonst aber sehr guter Beitrag!

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  3. "Grammatiknazi"? Musste das sein?
    Wieviel Kriege hat Sick angefangen? und wieviel Millionen Menschen ermordet?
    .
    Bei etwas, was einem persönlich nicht gefällt, die Nazikeule rausholen, gibt's dafür nicht'n Begriff im Netz?

    -Jeeves

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  4. Ach, bei diesen Biedermeiers und Sprachkonservativen geht es meist nur um vermeintliche "Sprachreinheit" und "Sprachpflege", im Sinne eines Leitkultur-Geschwurbels. Echte Sprachkritik sieht anders aus.

    Wenn das Thema Sprache überhaupt mal öffentlich diskutiert wird, fehlt regelmäßig der Zusammenhang von Macht-Herrschaft-Sprache-Denken. Zufall?

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  5. Das ist kein Nazi-Vergleich. ^^ Ein Nazi-Vergleich wäre "Bastian Sicks Positionen sind wie die der Nazis".
    "Grammatiknazi" ist vielmehr eine Eindeutschung eines Phänomens, das im Englischen seit vielen Jahren bekannt ist, nämlich "nazi" an eine beliebige Zuschreibung anzuhängen, um eine radikale Position anzudeuten. Im Englischen: "grammar nazi". Ich kenne dieses Phänomen auch aus anderen Bereichen und dachte, es sei verbreiteter. Das ist kein Nazi-Vergleich.

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  6. Ich erinnere mich an eine Episode bei Seinfeld: "Der Suppennazi" - der Begriff ist im Englischen gebräuchlich. Man muß nicht gleich wieder moralisieren, nur weil der Begriff hier fiel.

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  7. "im Englischen seit vielen Jahren bekannt ist, nämlich "nazi" an eine beliebige Zuschreibung anzuhängen, um eine radikale Position anzudeuten."
    .
    Eine windelweiche Erklärung.
    Eine Entschuldigung und Korrektur wäre angemessener. Zumal weder Sick noch Lobo und schon gar nicht der windelweiche Hahne für eine "radikale Position" steht. Auch nicht in dem Video.
    Und überhaupt: übernehmen wir jetzt auch sowas schon aus England? (wird nicht ständig der+ber geklagt, adss die Engländer "uns" als Nazis verunglimpfen (Don't mention the war!")

    Oder ist, ich wiederhole und glaube: eine windelweiche Ausrede für leider zu schnell und leichtfertig Hingeschriebenes.

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  8. Überhaupt nicht windelweich. Ich verwende das in meinem alltäglichen Sprachgebrauch und stehe dazu. Und ich beschwer mich ganz sicher nicht drüber, solche Sachen zu übernehmen. Und Sick ist ein Grammatiknazi ^^

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  9. Das mag ja sein, dass es kein direkter Vergleich ist, mit Political Correctness hat das auch nix zu tun. Vor einiger Zeit beklagtest du, Stefan, das man allgemein verbal abrüsten sollte. In einem anderem Zusammenhang, ich weiss, aber dennoch ist das eine ziemlich harte Keule sowas, auch wenn es vielleicht eine gebräuchliche Redewendung aus dem englischen ist, ist sie ein wenig verharmlosend, finde ich. Ich weiss was es bedeuten soll, aber ein superlativ kann auch anders aussehen...

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  10. Also ich sehe da jetzt auch kein großes Problem und benutze ...-nazi eigentlich auch bei vielen Gelegenheiten. Ich finde es da wesentlich schlimmer bei dem Wort jedesmal in Deckung zu gehen, betreten nach unten zu schauen oder direkt die Moralkeule rauszuholen. Durch diese Dämonisierung des Wortes an sich, verliert man nämlich schnell den Blick auf die tatsächlichen Geschehnisse dahinter. Das ist der gleiche Gedankengang der Leute, die rechtsextremistische Gewalt immer mit pöbelnden Dorftrottelnazis gleichgesetzt haben und jetzt die Rechnung präsentiert bekommen haben. Gleiches gilt für die geschätzten Idioten bei Political Incorrect, die sich ja auch nicht als Nazis bezeichnen, nur weil sie pro Isreal sind, bzw. das als Deckmantel benutzen um gegen den Islam zu wettern. Anstatt den Sprachgebraucht und die Wortwahl zu bemängeln, sollte man sich lieber die Strukturen ansehen, die mit Faschismus (in welcher Form auch immer) einhergehen. Denn die gibt's nicht nur bei den Nazis.

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  11. Mir ist das "nazi"-Anhängsel schon vor mindestens fünf Jahren über den Weg gelaufen. Damals ging es um eine Person, die mit einem detailierten Plan in die Weihnachtsvorbereitung ging und keinerlei Abweichungen von diesem Plan duldete. Amerikanische Freunde weisen uns freundlich darauf hin, dass diese Art von Menschen in den Staaten weit verbreitet seien und dort im Allgemeinen als "christmasnazis" bezeichnet würden.

    Seither ist mir das "nazi"-Anhängsel ständig wieder begegnet und einige Bezeichnungen sind fest in mein Vokabular übergegangen, z.B. jener christmasnazi, der grammarnazi, der linuxnazi oder fleischnazi.

    Persönlich halte ich den "-nazi" für eine gelungene Beschreibung eines Fanatikers - egal welchem Fanatismus er fröhnt. Zeugt auch von ein klein wenig Humor ;-)

    Gruß Paule

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  12. Es ist eben vielfach nicht ungefährlich, derartige fast schon idiomatische Begriffe 1:1 in eine andere Sprache zu übersetzen, denn an manchen Begriffen hängt eben ein Rattenschwanz an Kontext und Assoziationen, der sich (wie auch hier) von Sprache zu Sprache unterscheiden kann. Was im Englischen völlig in Ordnung ist, muß es deshalb im Deutschen noch lange nicht sein. Und die Sprache dieses Blogs ist nun einmal Deutsch ...

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  13. Dieser Begriff bürgert sich im Deutschen mehr und mehr ein. Ich kann das nicht genug betonen: in meinem Sprachgebrauch, alltäglich, und dem meines Bekanntenkreises ist das völlig normal.

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  14. @Stefan Sasse 22.11. 20.08 Uhr

    Dann muß ich wohl etwas versäumt haben, denn mir ist diese Verwendung von "-nazi" im Deutschen bisher nicht untergekommen. Man lernt eben immer noch was dazu ...

    Ich persönlich werde diese Neuerung wohl dennoch nicht benutzen, denn die inflationäre Verwendung des Begriffs "Nazi" würde, fürchte ich, letztlich zu einer Bagatellisierung des "Originals" führen.

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  15. Denke ich nicht. "Nazi" hat in dieser Verwendung keinerlei semantische Verbindung zu den Nationalsozialisten des Dritten Reichs. Es besteht einfach keinerlei inhaltlicher Zusammenhang. Es ist wie "fuck" im Englischen, oder "scheiße" im Deutschen. Weder der Geschlechtsakt noch der Stuhlgang haben die geringste Beziehung dazu.

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  16. wie wäre es mit bazi?

    ein gut geschriebener artikel, stefan. ich käpmfe schon seit jahrzehnten gegen die germanisierung des englischen: kindergarten ist schlimm, am schlimmsten fand ich bisher das verb to abseil.

    ansonszen sind die sprachvorschläge von sick nur abstrus. ein witzbold.

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  17. to abseil bring ich auch gerne als Argument. Aber waldsterben, angst oder u-boat ist ebenfalls toll.

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  18. @ Stefan Sasse 20.25 Uhr

    Die ersten paar Posts zu diesem Artikel legen nahe, dass diese Sicht zumindest noch nicht Allgemeingut geworden ist ...

    Wie den auch sei, die Sache dürfte wohl inhaltlich geklärt sein. Mein Punkt war, dass diese Verwendung von Begriffen wie "Nazi" zu Mißverständnissen führen kann, die offenbar auch bei Anderen aufgetreten sind und bei anderen Formulierungen nicht aufgetreten wären. Ich sehe die semantische Verbindung, von der Du sprichst, durchaus, aber jeder mag die Verbindungen so ziehen, wie er sie sieht - wenn er bereit ist, mit den möglicherweise daraus folgenden Mißverständnissen zu leben ...

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  19. @ Stefan Sasse 22.11. 21.01 Uhr

    Das habe ich schon vermutet ... :)

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  20. Ich möchte da nur ein Beispiel nennen:
    Warum wurde eigentlich das Englisch klingende Wort Handy im Deutschen kreiert, um Mobiltelephone einen Namen zu geben?
    Wenn schon Englisch, warum dann nicht gleich Cell Phone? Und Mobiltelephon hört sich jetzt auch nicht schlecht an.

    Ich finde es ja gut, dass auch fremdsprachige Wörter die deutsche Sprache auffrischen (die ist ja eigentlich durchsetzt mit diesen). Jedoch mag ich es nicht, wenn hier Wörter kreiert werden, die wie fremdsprachig klingen. In den USA oder in Großbritannien kannst du einfach nicht von einem Handy sprechen, weil die Leute nicht verstehen, was man damit meint.
    Ich bin dafür, dass, wenn schon Anglizismen genutzt werden, diese auch dem Englischen Sprachgebrauch entsprechen.

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  21. Zuerst der inhaltliche Teil. "Mobiltelefon" ist elend lang. Man würde es nur "mobil" nennen, oder "mote" oder sonstwie abkürzen. Zweitens, Engländer und Amerikaner sagen "cell", nicht "cell phone", aus genau dem Grund. "Hey, give me a call on the cell". Deswegen Handy. Es ist kurz und griffig. Mobiltelefon...not so much.
    Zweitens, das Argument dass nur Anglizismen mit echter Grundlage verwendet werden sollten ist einfach grundlos. Warum denn? Welchen rationalen Grund gibt es dafür, für ein neues deutsches Wort zu verlangen dass es eine Entsprechung in einer anderen Sprache gibt? Würde "Hobby" weniger gut sein wenn wir wüssten, dass es im Englischen gar nicht existiert? Die beiden Argumente zum Handy hört man ständig, und ich finde sie einfach nicht stichhaltig.

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  22. ""Nazi" hat in dieser Verwendung keinerlei semantische Verbindung zu den Nationalsozialisten des Dritten Reichs"

    Irgenwie schon.

    An deiner Stelle, Stefan Sasse, hätte ich "grammar nazi" mit Anführungszeichen anstelle von Grammatiknazi geschrieben.
    Das Wort "Grammatiknazi" wird sich wohl schon deshalb nicht im deutschen Kulturraum etablieren, weil es nur schwer auszusprechen ist. Gewisse Begriffe können einfach nicht von einer anderen Sprache übernommen werden.

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  23. Sehe ich nicht so. Aber wenn es sich nicht durchsetzt, hast du ja nichts zu befürchten, und in meinen Artikeln verwende ich Umgangssprache im Allgemeinen ja nicht.

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  24. Hallo Stefanie,

    mir ist in diesem Zusammenhang unverständlich, daß du einerseits schreibst : "So ist nunmal mein Sprachgebrauch." Und im letzten Kommentar schreibst du: "Ich verwende ja Umgangssprache im Allgemeinen nicht." Was denn nun?

    Gruß Stefanie

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  25. Sowohl als auch. Ich verwende es im normalen Sprachgebrauch, ebenso wie beispielsweise "fuck" oder "Scheiße". Beides findet sich ebenso nicht in Artikeln, weil die der Umgangssprache meist enthoben sind. In dem Fall erschien es mir aber angebracht.

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  26. Ich benutze "Nazi" eigentlich auch ständig, da ist nichts bei.
    Der Busfahrer, der immer eine Minute zu früh abfährt, ist eben der Überpünktlichkeitsnazi, mein Nachbar, der seinen Hund trotz wiederholter Beschwerde überall hinkacken läßt, ist der Hundekacknazi, und Robert Lapuente, der mit geringer Reizschwelle kleinmütig zensiert, was nicht auf seiner Linie ist, ist der Zensurnazi.
    Nur so als Beispiel.

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  27. "Ich verwende im normalen Sprachgebrauch..."
    http://www.youtube.com/watch?v=mjuaFfrIElw&feature=related

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  28. "XYZ-Nazi": beliebtes Bastelwort, fördert die Sprachkreativität. Ursprünglich vorzugsweise von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem Unterschichtsmilieu/mit Migrantenhintergrund benutzt. Über Musik (HipHop/Rap usw.) und Medien in die Szenesprache eingesickert, wenngleich noch nicht wirklich etabliert. Wird neuerdings von der gutbürgerlichen Spießerszene aufgegriffen, um sich einen jugendlich-alternativen Touch zu geben. Bietet nahezu unbegrenzte Variationsmöglichkeiten dank des Platzhalters „XYZ“. Läßt sich prima benutzen, um andere lächerlich zu machen, sie als Außenseiter abzustempeln, in die Extremistenrolle zu drängen, abzuwerten, Verachtung und Haß auszudrücken. Von den meisten Bürgerspießern aber eher aus Gedankenlosigkeit oder weil es so hip und szenig klingt genutzt. Auch schon gehört: Gesichts-Nazi, Öko-Nazi, Gerechtigkeits-Nazi.

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  29. Jaja, das nimmt den Verlauf wie immer: Die ollen Mittelschichtssäcke- und säckinnen bemächtigen sich des Worts bzw. der diversen Varianten. Dumm nur, dass "Nazi" so auf Dauer zur Albernheit bzw. zum Beliebigkeitswort verkommt. Leider sind Nazis aber nichts Albernes. Aber nun denn, erfinden wir für die Rechtsextremen eben einen neuen Begriff. Wie wär´s mit den LINKEN? Das ganze Unbill mit den Neonazis geht ja laut Freya Klier auf linke Kräfte zurück (siehe dazu http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13727979/Neger-Fidschis-und-die-Heuchelei-der-Linken.html sowie den http://jacobjung.wordpress.com/2011/11/22/schuld-am-rechtsextremismus-die-linke).

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  30. Alle Argumente gegen Bastian Sick hier sind übrigens auch Argumente gegen ein von oben verordnetes Gremium, das sich eine Rechtschreibreform ausdenkt, welcher hier aber alle brav zu folgen scheinen...

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  31. Ist richtig. Aber wir haben die Reform nun mal anstelle des Oxford Dictianory, und irgendeine Richtlinie braucht es halt ;)

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  32. "Für gebildete Europäer war Frankreich der Nabel der Welt, die Beherrschung dieser Sprache elementar für Teilhabe am gehobenen Leben (so wie heute Englisch)."
    Au weia, das ging aber daneben. Was ist denn das "gehobene Leben", in dem man heute besonders gern Englisch spricht? Managerschulen? Büros der Reklamebranche? Vor allem braucht man Englisch, wenn man die Programme von Unterschichtsendern wie Vox lesen will, bei Arte kommt man dagegen ganz gut ohne aus. Nein, der heutige Vormarsch des Englischen unterscheidet sich von dem des Französischen im 17. und 18. Jahrhundert nicht zuletzt dadurch, daß er sozial - wenn der Maßstab nicht Macht und Geld, sondern Bildung ist, und den legt ja Stefan Sasse an, er spricht von "gebildeten Europäern" - eher von unten kommt.

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  33. "Es hat seine Gründe, dass Anglizismen eine solche Verbreitung haben, und das ist nichts per se Schlechtes."

    Daß Anglizismen eine solche Verbreitung haben, ist in der Tat nichts per se Schlechtes; es war auch nichts per se Schlechtes, daß sich Latinismen im römischen Reich ausgebreitet haben und auf diese Weise Sprachen wie Französisch, Spanisch und Rumänisch entstanden.

    Aber die Gründe, warum sich Anglizismen heute ausbreiten, sind leider fast immer schlecht. Natürlich, es gibt auch ein paar gute. Weitaus häufiger liegt es aber daran, daß man glaubt, für einen Hinterwäldler gehalten zu werden und man deshalb einen Schutzwall aus weltmännisch und modern klingenden Wörtern um sich baut. Man will sich aufblasen, weil man's nötig hat. Also nichts gegen die Anglizismen, da hat der Anglifizierungsnazi Lobo schon recht, aber den Importeuren der Anglizismen kann ich nicht viel Sympathie entgegenbringen.

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  34. @Ludwig: Das ist Polemik. Für das Unterschichtenfernsehen braucht man keine funktionierenden Englischkenntnisse. Die braucht man erst, wenn man in der Sprache wirklich kommunizieren will.
    Und welche schlechte Gründe gibt es denn für Anglizismen? Dass Englisch Weltsprache ist? Dass es deswegen immer wichtiger für die Kommunikation wird? Das war seinerzeit bei Französisch dasselbe.

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  35. @Stefan Sasse:

    "Das ist Polemik. Für das Unterschichtenfernsehen braucht man keine funktionierenden Englischkenntnisse." - Fürs Fernsehen wohl nicht, aber für das Lesen des Programms. Von "funktionierend" hab' ich auch nichts geschrieben. Die braucht man ja auch nicht für ein anglizismenreiches Deutsch.

    "Und welche schlechte Gründe gibt es denn für Anglizismen? Dass Englisch Weltsprache ist? Dass es deswegen immer wichtiger für die Kommunikation wird? Das war seinerzeit bei Französisch dasselbe."

    Das sind, mehr oder weniger, einige von den guten Gründen, von denen ich ja auch geschrieben habe. Die schlechten liegen nicht, wie die Sprachreiniger (übrigens ganz unsäglich: Sprachnazis) meinen, nicht darin, daß dadurch die deutsche Sprache geschädigt wird (ich weiß gar nicht, ob so etwas möglich ist), sondern darin, daß sich die Weltsprache zum Angeben eignet und daß das mit Abstand der Hauptgrund der Verwendung von Anglizismen ist. Das war übrigens beim Französischen auch nicht anders. Einige wenige sprachen französisch, weil die deutsche, polnische oder schwedische Sprache es nicht erlaubte, sich ähnlich gut z. B. über Fragen der Philosophie zu unterhalten (so wie es heute z. B. im schwäbischen oder fränkischen Dialekt auch nicht geht, dazu braucht man hochdeutsch). Die allermeisten sprachen französisch, weil sie so sprechen wollten wie "bei Hofe", also aus dem gleichen Grund, aus dem sie hie höfische Kleidermode nachäfften.

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  36. OK, aber ob sie nun Hochdeutsch nachäffen oder Englisch ist doch erst mal egal, oder?

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  37. @Srefan Sasse

    "OK, aber ob sie nun Hochdeutsch nachäffen oder Englisch ist doch erst mal egal, oder?"

    Genau. Das sehen die Freunde der Anglisierung aber selten ein: daß die im Wesentlichen aus den gleichen Gründen geschieht wie die Abschaffung der Dialekte zugunsten des Hochdeutschen. Manchmal, aber selten, geht es nicht anders, weil man's im Dialekt nicht sagen kann - so ist es bezüglich der Anglizismen z. B., wenn es um Computer geht, da fehlen die deutschen Wörter. Viel häufiger aber geht es nur um Angeberei (siehe z. B. http://www.zeit.de/wissen/2011-11/anglizismen-wissenschaftssprache.)

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  38. Ja, kein Zweifel darüber. Anglizismen setzen sich aber teilweise auch als Bestandteil gewisser Subkulturen durch, etwa der Gaming-Community. Ich adde Leute über Skype, mache einen Rush in StarCraft II oder wehre einen cheese ab, defende meine base gegen einen feindlichen push, etc. Das hat wenig mit Angeberei zu tun, es ist einfach der spezifische Slang. Solange die Beherrschung der Hochsprache in Schrift und Wort noch gegeben ist sehe ich das auch nicht als großes Problem an. Und hey, ich bin Deutschlehrer...

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  39. Falls noch nicht gesehen/gehoert, zum Thema: http://www.youtube.com/watch?v=xAemDwDAZno&feature=player_embedded

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  40. Wer kommt denn auf die Idee Handy solle ein Anglizismus sein? Es ist ein Schwabismus von "Hän die koi Schnur?"

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  41. @jakebaby

    Die Rede des Grünen-Abgeordneten ist nur dann ein Beitrag zum Thema, wenn es um die Meinung geht, Anglizismen seien um der Reinheit der Sprache willen zu vermeiden. Soweit ich es mitbekommen habe, können sich die - um im Jargon von Stefan Sasse zu bleiben - Anglifizierungsnazis gar nicht vorstellen, daß einem die Reinheit der deutschen Sprache völlig egal sein kann oder daß man "Reinheit" in diesem Zusammenhang ohnehin für einen unsinnigen Begriff hält, und daß einem die Anglizismen trotzdem auf die Nerven gehen. Oder richtiger: nicht die Anglizismen, sondern die, die sie verwenden. Denn manchem ist es schwer erträglich, sich ständig von Leuten umwinselt zu sehen, deren Wortwahl immerzu den Subtext offenbart: Halte mich doch bittebitte nicht für den Provinzler, für den ich mich selber halte.

    Ich bin mir ziemlich sicher, daß bei den meisten, die etwas gegen die Anglisierung haben, das der Grund ist und nicht irgendein Kulturnationalismus.

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  42. "Denn manchem ist es schwer erträglich, sich ständig von Leuten umwinselt zu sehen, deren Wortwahl immerzu den Subtext offenbart: Halte mich doch bittebitte nicht für den Provinzler, für den ich mich selber halte."
    Wenn die Anglizismengegner wollen, dass ich sie nicht für Deutschtümler halte, dann sollen sie halt aufhören, sich auf den Kampf gegen Anglizismen zu konzentrieren. Die sind, wenn man deine Position einnimmt, nämlich höchstens ein Symptom.

    Ich meine, wir können ja der Bahn die Anglizismen verbieten, aber so wie ich den Laden kenne, wird das ihr Deutsch vermutlich nur noch schlechter machen. "ReiseZentrum" ist ja schließlich kein Anglizismus.

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  43. @Antikraut
    Ich stimme zu, die Anglizismen sind nur ein Symptom, und die grausigsten Blähwinseleien - man findet sie vor allem in Politikerreden - enthalten kaum Anglizismen. Und ReiseZentrum ist durch keinen Anglizismus zu toppen, jedenfalls keinen einzelnen, allenfalls durch die Anglizismen-Kaskaden, die aus manchem Mund sprudeln.

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