Freitag, 12. Oktober 2012

Vier Prozent

Von Christian Sickendieck

Beim neuesten Deutschlandtrend kommen die Piraten nur noch auf 4%, in der derzeitigen Verfassung ist es fraglich, ob sie im nächsten Jahr in den Bundestag einziehen. Wenn man nicht ganz schnell gegensteuert, bleibt man das One-Hit-Wonder des Sommers 2012.

Der Niedergang ist nicht nur ein Problem der Skandale und Shitstorms - auch wenn mittlerweile jeder Idiot aus Hintertupfing mit Piratenfahne auf Spiegel Online erscheint: insbesondere das Führungspersonal prägt das Bild der Piraten. Auch wenn es den Piraten nicht gefällt: Politik ist immer mit denen verbunden, die diese öffentlich vertreten.

Dabei stechen zwei Personen heraus: Johannes Ponader und Julia Schramm. Ponader mag privat ein netter Mensch sein, aber sein öffentliches Auftreten ist unterirdisch. Zudem pflegt er einen zweifelhaften Lebensstil. Direkt gesagt: Ein Klaus Ernst im Porsche, eine Sahra Wagenknecht beim Hummeressen treten glaubwürdiger für eine Reform des Sozialstaats ein, als es Ponader jemals könnte.

Ich habe die Tage auf der Arbeit ein paar Kollegen gefragt, was sie von Ponader halten. Gut, die wenigsten kannten ihn, aber die, die ihn kannten, sagten sinngemäß, dass sie den Eindruck hätten, Florida-Rolf zu sehen, der ihr Geld fordern würde um weiter Lebenskünstler sein zu können. Spiegel Online schreibt heute, Ponader sei mittlerweile im Vorstand isoliert. Ein Rücktritt wäre an dieser Stelle zu wünschen.

Die zweite Person, die den Piraten gerade in den letzten Wochen massiv geschadet hat, ist Julia Schramm. Auch Schramm mag ein netter Mensch sein, doch bekommt man bei ihr den Eindruck als hätte man es mit einer eitlen Selbstdarstellerin zu tun, die nun wirklich nichts mit den Piraten gemein hat. Schramm ist allem Anschein nach die typische Karrieristin, die auf der Bugwelle der Piraten nach oben geschwemmt wurde - und dies zu Geld gemacht hat. Das kann man ihr nicht vorwerfen, aber es war zum Schaden der Piraten. Auch hier müssen die Piraten die Frage beantworten, ob Schramm wichtig ist oder die Piraten. Schramm hat diese Frage allem Anschein für sich nach beantwortet.

Ich halte im Übrigen jetzt auch gar nichts davon, Marina Weisband zu bitten, wieder eine Führungsposition zu übernehmen. Sie mag sehr sympathisch bei den Menschen ankommen - jedoch sitzt sie in der selben Glaubwürdigkeitsfalle wie Schramm. Wer wenn nicht Weisband mit ihrer Anzahl von Followern, Lesern und Kontakten hätte die Möglichkeit gehabt, das eigene Buch über neue, moderne Vertriebswege zu verbreiten? Doch auch Weisband wählte die gleichen Weg wie Schramm. Die Glaubwürdigkeit Weisbands ist zumindest angekratzt und es wäre für die politischen Mitbewerber ein Leichtes, hier einzuhaken.

Der Hype ist vorbei. Das sehen manche Piraten nun positiv. Das wäre es, wenn es vorher eine gesunde Wählerbasis gegeben hätte. Die gab es nicht. Und man hat es versäumt, diese aufzubauen. Es ist dringend an der Zeit, die Reißleine zu ziehen.

An erster Stelle stehen dabei die Personalien Ponader und Schramm.

Kommentare:

  1. Ich muss zugeben die PIRATEN und ihr Konzept sind mir zutiefst sympatisch.

    Die Idee der "liquid democracy" halte ich für richtungsweisend für eine neue Art einen Staat zu lenken (von regieren will ich dabei gar nicht mehr sprechen).

    Allerdings passt dieses Konzept so gar nicht in die alt hergebrachte Parteienlandschaft. Der eigentliche Gag besteht ja darin, dass die Piraten je nach Situation nächstes Jahr das genaue Gegenteil von dem vertreten was sie heuer fordern. Eben wohin die "flüssige Demokratie" gerade fliest. Hierfür charismatisches Führungspersonal zu gewinnen ist schwer. Zu den Piraten würde eher so eine Art smarter Regierungssprecher passen der unabhängig von der eigenen Meinung alles vertreten kann. Das ist aber wenig sexy.

    Die Piraten sind der Versuch den Bodensee mit dem Fahrrad zu überqueren. Viel Glück dabei. Ich hoffe ja ihr schafft das!

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  2. Das ist ja nicht alles, auch wenn es sicher ein Hauptbestandteil ist.

    Aber die Piraten in den Landtagen liefern auch nchts. Da hört man nichts, keine Offenlegung von Vorgängen durch Anfragen - Stichwort Tranzparenz - noch sonstwas.

    Dazu die "dämlichen" Auftritte mit der Büchereigebühr, der Steuer-CD, der Internet Exhibitionistin u.a.

    Das alles führt halt zu der Situation in der sich die Piraten befinden.

    Zudem habe ich das Gefühl, dass diese sich in eine Art Elfenbeinturm verschanzt haben. "Wir" sind halt anders als alle anderen. Schön....nur wenn man in der dunklen Ecke seinen Turmes verschwindet kann man auch nichts ändern.

    Es wäre wirklich schade, wenn die Piraten wieder verschwinden, denn ich sehe - ausser mit argen Bauchschmerzen die Linken - keinerlei wählbare Partei weit und breit.

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  3. „Es ist dringend an der Zeit, die Reißleine zu ziehen.“
    Wo, im Bällchenbad auf einer FlauschCon? Da das, wenn man die Filme zur FlauschCon so sieht, auch nicht so richtig der Renner ist, kann ja vielleicht die Esoterik den Weg aus der Krise zeigen.
    Eine Fraktionsgeschäftsführerin, die im Okkulten bewandert ist hat man ja schon seit langem.
    Der nicht ganz unbekannte Stefan Wehmeier darf auf einem sonst nur durch hochnotpeinliche Moderation/Zensur verwalteten Piraten-Forum seinen Senf dazugeben.
    Da sollte uns doch um die Zukunft der Piraten, zumindest auf Esoterikmessen, nicht bange sein. ;-)

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  4. Wie kommt denn irgendwer darauf, dass die Piraten eine "Reform des Sozialstaats" anstrebten, die sich auch nur einen Hauch von der bekannten/bewährten Reform der Spezialdemokraten unterscheidet? Es mag sicher Ausnahmen geben, aber aus meiner Sicht ist das Gros der Piratinnen und Piraten an so komplizierten Dingen wie Rente, Steuern, Arbeitslosenversicherung, Bildung "und so" nicht interessiert. Selbst Dinge wie Datenschutz scheinen gerade einigen Landtagsabgeordneten ein Buch mit 70 Siegeln zu sein.

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  5. Kurz in anderer Sache:
    Da auf Ad Sinistram auch Kommentare zensiert werden, die den Nutzungsbedingungen entsprechen, hier ein freies Kommentarforum zu dem Blog nach gängiger Netiquette:
    http://ad-sinistram-react.blogspot.de

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  6. "Die Reissleine ziehen" hiesse, den Rücktritt der gesamten Führung zu verlangen. Mir war das Konzept der Piraten auch sympathisch.
    Wohin geht nun die grosse Masse der Protestwähler, die sich mit den etablierten Parteien nicht mehr identifizieren konnte?

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  7. Florida Rolf

    Echt.

    Der paßt nicht ins gewünschte ideologische Kleid.

    Frage doch mal deine intelligenten Kollegen: "Warum gibt es den Artikel 20 Absatz 1 im GG überhaupt?"

    Volksverhetzung kommt an!

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  8. Ich konnte mit den Piraten gar nichts anfangen, sie schienen mir irgendwie im luftleeren Raum zu hängen.

    Was ihnen fehlte, war eine Bewegung, die sie tragen und ihnen eine Richtung geben konnte. Ein paar Nerds reichen da nicht aus.

    Deshalb wurde auch nie klar, für welche Ziele sie eigentlich stehen, sondern es gab nur zusammenhanglose Einzelpositionen ohne ein geschlossenes Konzept.

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  9. Oh BOB! Ich wollte ja schon beginnen mit "Stefan, bei aller Liebe ...", aber das ist ja nur von Sickendieck, der sich da zunehmend auch bei Dir breit macht. Na, dann ist es ja wurscht, denn es ist ein weiteres Mal am Thema vorbei und et kütt, wie et kütt.

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  10. liegt wohl beim POnader daran, dass er sozusagen schon den ARSCH im Namen führt

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