Mittwoch, 17. Oktober 2012

Target 2 – Unsinn ohne Ende

Von Marc Schanz

Wir sind deutsch, wir müssen einfach über alles Buch führen. Wer hat was bezahlt? Wo ist der Beleg? Welche Rechnung ist noch offen? In geschäftlichen Beziehungen, in Mietangelegenheiten bei Mehrfamilienhäusern, in der in der Ehe, kurz: jede zwischenmenschliche Beziehung muss bei uns in geordneten Buchungsbahnen verlaufen. Eine Familie benötigt immer nur ein Konto, denn alle sind bereits per Geburt Buchhalter und ohne die stundenlangen Debatten über die korrekte Verbuchung der Zimmerpflanzenbewässerung gäbe es in deutschen Familien überhaupt keinen Gesprächsbedarf. Diese zwanghaft pedantische Denkweise saugen wir bereits mit der ebenfalls buchhalterisch exakt erfassten und rationierten Muttermilch auf.

Aus dieser rein deutschen Eigenart lassen sich vortreffliche Märchen erzählen. Einer der bekanntesten deutschen Märchenonkel, Herr Hans Werner Sinn, hat sein neustes Werk veröffentlicht: “die Target Falle”. Das Buch bietet alles, was das deutsche Herz begehrt: ein sagenumwobener Schatz, der Kampf Gut- gegen Schlechtmenschen und als Höhepunkt das alternativlose Horror-Debakel!
Das Märchen ist schnell erzählt: auf den Zentralbankkonten der Deutschen Bundesbank hat sich von allen bisher unbemerkt der sogenannte Target-Schatz angehäuft. Erst durch die Heldentat eines mutigen Professors konnte dieser aus den unergründlichen Tiefen der Notenbankbilanzen gehoben werden. Doch bevor wir uns bis an unser Lebensende an dem unermesslichen Reichtum erfreuen können, wollen auch schon böse Mächte ihn uns aus den Händen reißen. Die faulen Südländern erpressen uns nämlich und verlangen, dass wir sie durchfüttern, sonst machen sie unseren geliebten Schatz ganz einfach kaputt. Deutschland ist also gerade dabei, seinen wohlverdienten Reichtum selbst abzuschaffen!
Ist das nicht ein wunderbares Märchen? Ja, sicherlich. Leider ist es so, dass es diesen mysteriösen Target-Schatz gar nicht gibt. Die Gelder auf diesen Konten sind eine raffinierte Illusion. Das ist traurig, aber wahr. Es ist der Märchenonkel höchst persönlich, der den entscheidenden Hinweis liefert. In einem seiner zahlreichen Schatz-Geschichten schreibt er:
“Genauso wenig beruhigt es, dass die EZB die Target-Salden in ihrer Bilanz gar nicht verbucht und man in den nationalen Bilanzen der Zentralbanken nachschauen muss, weil ihr Nettobetrag über alle Euroländer addiert null ist.”
Ein Kontensystem, das mit anderen Konten verbunden ist, aber in der Summe null ergibt – was ist das eigentlich? Die Antwort ist nicht leicht zu verstehen, aber sie ist überaus überraschend! Es gibt zwar Verbindungen zu Konten außerhalb dieses seltsamen Kontenverbunds, aber dieser Austausch muss, um in der Summe immer null zu ergeben, stets wertneutral sein. Gibt es einen Geldzufluss, muss er sofort wieder abfließen. Die Konten beeinflussen die außerhalb befindlichen Konten daher nicht, obwohl deren Zahlungsströme durch die Konten geleitet werden und diese wiederum den Kontenverbund beeinflussen – eine faszinierende Eigenschaft.
Um zu verdeutlichen, was in einem solchen Fall genau passiert, habe ich ein kleines Modell gebastelt. Eine gute Möglichkeit, die Wirkungsweise von Finanzströmen zu simulieren und zu visualisieren, ist mittels eines Wassermodells. Ich habe für euch einen kleinen Kasten gezimmert, der in einem größeren Teich schwimmt und die Funktionsweise des Target-2-Null-Summen-Kontensystems der Notenbanken darstellen soll. In ihm befinden sich nur zwei Zu- bzw. Abflüsse, an dessen Öffnungen sich jeweils eine Wasseruhr befindet.


An diesem Modell wird ersichtlich, dass sich die Wasser- bzw. Geldmenge in- und außerhalb des Kontenverbunds nicht ändern. Ob diese ganze Apparatur vorhanden ist oder nicht, ist vollkommen unerheblich, da zwischen der Apparatur und der Umgebung keine Wechselwirkung statt findet. Die Wasser- bzw. Finanzströme der umgebenden Konten können durch ein solches Null-Summen-Kontensystem unverändert hindurch fließen, während dabei der Durchfluss registriert wird. Das ist im Grunde das Verhalten eines Messinstruments, wobei die positiven und negativen Salden den gemessenen Zu- und Abflussmengen entsprechen.
Es ist erstaunlich, aber simple Buchungskonten können, wenn sie gewissen Regeln und Bedingungen unterliegen, bemerkenswerte Fähigkeiten entfalten. Die beschriebene Messfunktion ergibt sich zwingend aus der Tatsache, dass die Salden des Kontensystems – im Modell die Messwerte der Wasseruhren – in der Summe null ergeben.
Das Target 2 System ist natürlich weitaus komplexer, aber dieses Modell soll nur das wesentliche Funktionsprinzip und die Eigenschaften dieses speziellen Kontensystems verdeutlichen.

Das Entscheidende ist: das zusätzlich erzeugte Zentralbankgeld, das auf dem Target 2 Kontosystem der Zentralbanken aufgrund der gemessenen Ungleichheiten entsteht und mit einiger Wahnvorstellung als eine Art Überziehungskredit verstanden werden könnte, kann niemals dieses System verlassen und daher niemals auf die Zentralbankgeldkonten der Geschäftsbanken gelangen, obwohl sie mit diesem Kontensystem verbunden sind. Es ist unmöglich, dass dieses überschüssige Zentralbankgeld die Sphäre der Notenbanken verlassen kann, da es in dem Kontensystem eingeschlossen ist, und es kann daher niemals Nachfrage auslösen. Ob die Target 2 Salden der Zentralbanken null sind oder ob die absolut aufsummierten Beträge Billionenwerte überschreiten, hat daher für die Wirtschaft keinerlei Auswirkung, denn diese Konten sind für die Wirtschaft unsichtbar und somit faktisch nicht vorhanden. Kurz gesagt: die Target 2 Salden der Notenbanken machen weder reich noch arm, sie sind nur ein tief in den Notenbankbilanzen verborgener, wertloser Buchungsposten.
Wozu sind denn eigentlich diese merkwürdigen Konten da? Sie entstehen aufgrund einer Anomalie der Euro-Währungsunion. Um die Illusion einer dezentralen Geldschöpfung in den nationalen Zentralbanken aufrecht erhalten zu können, müssen diese ihre Zentralbankgeldströme über das Target 2 Kontensystem abgleichen.

Sollte der Euro zerbrechen, würde das nicht die wertlosen Target 2 Salden in pures Gold verwandeln? Nein, zu dieser Art der Alchemie sind selbst Notenbanken nicht fähig! Auf den Target 2 Konten befindet sich kein Geld, sondern wie gesagt Zentralbankgeld! Die ausscheidende Notenbank kann der EZB jederzeit folgende Notiz zukommen lassen:
“Falls sie, liebe EZB,  zum Ausgleichen der Target 2 Konten nicht das nötige Zentralbankgeld in ihren Büchern finden können, dann überlassen wir ihnen gerne diesen Blanko-Zentralbankgeldscheck, mit dem sie jederzeit Zentralbankgeld in unbegrenzter Höhe bei uns einfordern können.”
Eine Zentralbank kann jederzeit und in unbegrenzten Umfang Zentralbankgeld schöpfen. Das ist aber noch keine Geldschöpfung aus dem Nichts, denn ohne eine Besicherung des Zentralbankgeldes durch die Geschäftsbanken ist und bleibt das Zentralbankgeld nur ein wertloser Buchungsposten.
Technisch gesehen ist es so, dass bei einer Auflösung der Euro-Zone das Messinstrument der Target 2 Konten keinen Sinn mehr ergibt. Würde in einem solchen Fall die EZB auf das “fehlende” Zentralbankgeld zur Begleichung der Target 2 Salden bestehen, wäre es im Grunde ein Einfordern von Messergebnissen – das wäre vollkommen absurd.

Als Seismograph für die Gefährlichkeit eines Austritts aus der Währungsunion taugen die Target 2 Salden ebenso wenig. Obwohl sich Billionensummen auf ihnen befinden können, wäre eine Trennung ohne Verluste theoretisch möglich. Andererseits ist ein Saldo von null keine Gewährleistung für einen risikolosen Austritt. Ausgeglichene Salden besagen nicht, dass es keine Interaktion zwischen diesen Zentralbanken gab, sondern nur, dass deren Zu- und Abflüsse im Gleichgewicht sind.
Wie schmerzhaft eine Trennung letztendlich wird, entscheidet sich nicht anhand der Target 2 Salden, sondern an der Beziehungen der Geschäftsbanken zwischen den beteiligten Ländern und der konkreten Umsetzung der Trennung. Erfolgt sie kontrolliert im allseitigem Einverständnis oder unkontrolliert und chaotisch? Das sind die entscheidenden Fragen!
Solange wir in Deutschland nur über solche Phantomschmerzen wie die Target 2 Salden debattieren, kommen wir keinen Millimeter bei der Krisenbekämpfung voran. Das ist wahrlich keine lächerliche Lappalie, das ist eine europäische Tragödie! Dieser Unsinn muss schnellst möglich beendet werden!

Der Geschichten erzählende Onkel Sinn glaubt noch an das Märchen der dezentralen Geldschöpfung in der Euro-Zone und schaut dabei stur auf die Target-Wasseruhr der Deutschen Bundesbank. Mit diesem begrenzten Horizont ist es nicht weiter verwunderlich, dass er von unermesslichen Reichtümern halluziniert. Ohne diesen mysteriösen Target-Schatz gibt es allerdings auch keine Erpressung und keinen Kampf der deutschen Gut- gegen die südländischen Schlechtmenschen. Die Target Falle ist und bleibt nur eine sinnentleerte Phantasterei.
Das neue Märchenbuch von Herrn Sinn ist eine beeindruckende Innenschau aus der Traumwelt der deutschen Ökonomie. Leider haben die verrückten Märchen dieser Herrschaften ernsthafte und ganz reale Konsequenzen. Unter der Knute des deutschen Euros, die von unfähiger Ökonomen und Politiker geschwungen wird, leiden ganze Länder und deren Völker. Statt die echte Krise zu bekämpfen und längst überfällige Maßnahmen gegen die unverantwortlich hohe Arbeitslosigkeit zu ergreifen, um den sozialen Frieden nicht weiterhin sträflich zu gefährden, denken sie sich lieber irgendwelche Märchen aus 1001 Nacht aus, um von ihrem katastrophalen Versagen abzulenken – das ist einfach nur noch erbärmlich.

Kommentare:

  1. Man kann annehmen, dass Hans-Werner Sinn etwas intelligenter und weltgewandter als Marc Schanz ist. Aber der Plebs hat sich schon immer lustig über "die da oben" gemacht.

    Die Target-Salden sind kaum etwas anderes als Verrechnungskonten. Jeder Konzern hat solche internen Verrechnungskonten. Und wie das mit Bilanzen so ist, sind sie am Ende immer ausgeglichen. Leider hat das alte Konzerne wie die AEG nicht daran gehindert, zusammenzubrechen. Man hatte übersehen, dass Verrechnungskonten die Beziehungen zwischen Teilen der Gruppe abbilden.

    Klar, Zentralbankgeld ist nichts anderes als bunt bedruckte Scheinchen. Mit einer entsprechenden Presse kann man beliebig viele davon herstellen. Nur hat, wer solches schreibt, noch immer nicht begriffen, was Geld ausmacht und wofür es da ist.

    Prof. Dr. Hans-Werner Sinn schon. Aber der kam den Target-2-Salden schon auf den Trichter, wo andere dies für eine neue Torregel beim Fußball hielten.

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  2. ob Sinn wirklich "intelligenter und weltgewandter" als Schanz ist, weiß ich nicht. aber eines ist er auf jeden fall: einer der lautesten und gleichzeitig neurotischsten lobbyisten des einen prozents, denen es seit jahrhunderten gelingt, die 99 prozent eklatant auszubeuten.

    die dafür erforderlichen "legitimations-märchen" erfinden ihnen immer wieder willfährige, sogenannte ökonomen, die qua titel das recht beanspruchen, den menschen die neoliberale welt als einzig mögliche vorzugaukeln. ob die nun Sinn, Friedman, von Hayek oder sonstwie heißen: ihre pseudo-intellektuellen erklärungen, können von jedem menschen mit gesundem menschenverstand, als das durchschaut werden, was sie sind: wolken aus dampf und rauch, die einzig dem zweck dienen, der mittelschicht weiter einzureden, es werde in ihrem sinn gehandelt, während in wahrheit gleichzeitig die gigantische weltweite umverteilung von unten nach oben immer schneller weiter geht.

    lg
    don

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    1. Hans-Werner Sinn ist Wissenschaftler (zu seiner Zeit in den USA sogar einer der dort angesehensten!) und Leiter eines Think Tank, den er aufgebaut hat. Er trifft keine politischen Entscheidungen.

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  3. Zum Haareraufen. Was Marc & Co offensichtlich unterstellen, ist, dass a) normale Schwankungen im Target-System jetzt nur eben mal größer geworden sind und b) ein Problem dann keines mehr ist, wenn man es löst. Das letztere ist das Primitive, das mich ständig aufregt. Einem Krebspatienten wird gesagt, mach dir doch keine Sorgen, wenn du geheilt bist, bist du wieder gesund. Also arbeiten wir an der Heilung. In der Eurokrise ist es dann dummerweise so, dass linke Lösungen das Problem verschlimmern, siehe dazu im anderen Thread. Und im Falle des Euro ist das Problem auch nicht zu lösen. Griechenland ist pleite und wird nie - jdf bestenfalls auf Jahrzehnte - seine Schulden begleichen können.

    Was a) betrifft ... es handelt sich eben nicht um 'normale' Schwankungen. Marc schreibt "ohne eine Besicherung des Zentralbankgeldes durch die Geschäftsbanken ist und bleibt das Zentralbankgeld nur ein wertloser Buchungsposten". ... wie wurden die Targetsalden aufgebläht? Gerade indem Besicherungsanforderungen heruntergeschraubt wurden. Wir haben (!) heute wertlose Buchungsposten. Die heutige Geldmenge kommt allein aus den Krisenländern und weil Besicherungsstandards auf Null gingen. Was eben auch nicht klar ist ... werthaltige deutsche Forderungen wurden quasi gerade durch wertlose Target-Forderungen ersetzt, indem unsere Geschäftsbanken ihre Forderungen mit dem neu geschöpften Geld beglichen bekommen und dieses bei der Bundesbank 'anlegen' und damit von der Geldmenge verschwinden lassen. Geld kommt ja nicht immer nur dazu, es wird bei Schuldenbegleichung im Mechanismus vernichtet. Der Spiegelfechter hatte im August evtl. Notenbankverluste beim Euro-Scheitern als irrelevant dargestellt, solche müssten ja gar nicht mit Steuergeld ausgeglichen werden. Nein, müssen sie auch nicht, aber nur deswegen, weil das effektiv schon längst geschehen ist. Auch Marc scheint nur auf die gesamte Geldmenge zu schauen, ohne auf die dahinterliegenden Druckvorgänge, Verteilung und Konsequenzen. Und er schaut einseitig auf das Targetsystem als Thermometer, ohne zu sehen wie das Fieber von den Krisenländern auf uns übergeht. Unterm Strich bleibt wie immer zu attestieren: typisch linkes statisches Aggregatdenken.

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    1. Was Marc völlig ausblendet: die Target-Salden sind entstanden, weil jemand etwas gekauft und ein anderer verkauft hat. Wenn also ein realwirtschaftlicher Vorgang voransteht, können die Salden kaum sinnlos sein. Sonst würde man sie übrigens auf Null stellen. Und die Anomalie, die Marc sieht, resultiert einzig daraus, dass er sich nicht mit anderen Wirtschaftsräumen beschäftigt hat. In den USA gibt es nämlich das Gleiche und dort werden die Target-Salden mit harten Wertpapieren beglichen. Dagegen fehlt im jede Begründung, warum in den letzten beiden Jahren diese Verrechnungssalden expotentiell nach oben geschossen sind.

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  4. Schon die Liste der Beiträge um Target2 http://www.robertmwuner.de/materialien_euro_literatur_target2.html zeigt, dass es sich um ein ernstzunehmendes Problem handelt. Wer meint, jetzt noch mit primitiver Polemik punkten zu können, dass alles Unsinn sei, ist nicht ernstzunehmen. Er hat sich selbst diskreditiert.

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    1. @ Robert

      Du meinst, aus der Menge der Beiträge auf deren sachlichen Gehalt schließen zu können ?

      Dann geh mal in eine größere Buchhandlung oder Bibliothek und schau nach, was man so alles unter den Stichworten Esoterik, UFOs, Geister usw. findet. Dagegen ist Target2 nur eine Fußnote. Kann man daraus jetzt schließen, dass UFOs und Geister "ein ernstzunehmendes Problem" sind ?

      Man kann (leider) auch mit absolutem Unsinn sehr viele Seiten und Bücher und sogar Bibiliotheken füllen. Wenn Du also Artikel wie den oben kritisieren willst, musst Du es schon inhaltlich tun, anstatt nur Beiträge in irgend einer Liste zu zählen.

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  5. @In Dubio

    Was Marc völlig ausblendet: die Target-Salden sind entstanden, weil jemand etwas gekauft und ein anderer verkauft hat. Wenn also ein realwirtschaftlicher Vorgang voransteht, können die Salden kaum sinnlos sein.

    Das ist richtig, die Target 2 Salden entstehen aus ganz normalen Kapitaltransaktionen, wenn sie über Euro-Binnengrenzen getätigt werden. Aber weil es sich eben "normale" Transaktionen handelt, werden diese nur registriert, nicht über das Tagert System finanziert.

    @Fuentes

    Was eben auch nicht klar ist ... werthaltige deutsche Forderungen wurden quasi gerade durch wertlose Target-Forderungen ersetzt, indem unsere Geschäftsbanken ihre Forderungen mit dem neu geschöpften Geld beglichen bekommen und dieses bei der Bundesbank 'anlegen' und damit von der Geldmenge verschwinden lassen.

    Das Target-System der Zentralbanken ist in der Summe Null, es kann keine Forderungen der Geschäftsbanken ersetzten. Das ist eine einfache, verständliche und logische Tatsache.
    Richtig ist: zu uns fließen Kreditströme, die das Target-System registriert, und die von Zentralbanken stammen, die Euros mittels mangelnder Sicherheiten gedruckt haben könnten.
    Nochmals: das Gelddrucken findet nicht mittels des Target-Systems statt, sondern vorher. Und exakt aus diesem Grund ist es eine Phantomdiskussion.

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    1. Marc, du hast es nicht verstanden. Die Kernprobleme sprichst du nicht an, weil du sie nicht erkennst. Auf das, was ich geschrieben hab, gehst du nicht ein. "... es kann keine Forderungen ersetzen" ... doch, das macht es effektiv, über den ganzen Mechanismus, der dahintersteckt, die Operationen zwischen EZB-Bundesbank-Geschäftsbanken, dem Bedarf an Liquidität, Refinanzierung usw. Wie soll man es dir noch erklären. Lies Sinns Buch und gehe auf die Kernprobleme ein. Die ganze Diskussion hatten wir im übrigen damals schon in ähnlicher Form. All die Kritik an Sinn seit über einem Jahr hat sich weitestgehend verflüchtigt. Missverständnisse sind längst aufgeklärt. Das, was man Sinn anfangs unterstellt oder bestritten hat (wie das Bestreiten der Verdrängung der Kreditvergabe), wird von seinen Kritikern nicht mehr behauptet, sie sind verstummt. Ich kenne quasi nur noch 2 ernsthaftere Kritiker, die den Schein gänzlich wahren wollen - Whelan und Reszat, beide verklausulieren ihre Kritik in nicht mehr nachvollziehbarer Weise. Andere Kritiker kommen längst nicht mehr mit, und Krugman belastet sich mit solchem Kram eh nicht. Storbeck musste klein beigeben. Und Strobl von WGN, leidenschaftlicher Sinn-Opponent, hatte Sinn bei Target von Anfang an Recht gegeben.

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    2. Sie können ihre Liste der Sinn-Kritiker noch erweitern. Der Chefvolkswirt der amerikanischen Großbank Citigroup, Willem Buiter, bezweifelt ebenfalls, dass Zentralbank-Verluste reale Verluste sind. Genau darum geht es: wenn die Target 2 Salden der Deutschen Bundesbank von pösen Terroristen morgen einfach gelöscht werden, dann passiert - nichts!

      Jetzt soll eine Verdrängung der Kreditvergabe ein Problem sein? Warum? Es wurde eine Währungsunion gemacht, damit die Schranken fallen. Dann fallen sie, es findet ein Austausch statt, der auch zu Verdrängung führt und dann ist das Gewollte ein Problem? Ich finde das Schizophren!

      Natürlich, die Euro-Währungsunion hat dramatische Probleme, das ist offensichtlich. Aber das Problem sind nicht die Target 2 Salden und auch nicht ihre Höhe! Wir haben ganz andere Probleme. Mir wäre z.B. ein Insolvenzrecht für Staaten lieber als die ESM Katastrophe. Ich kann es daher überhaupt nicht verstehen, weshalb wir diese grausige Phantomdebatte führen müssen. Nur damit ein Märchenbuch besser verkauft wird? Das ist doch echt ....

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    3. Nein, nein. Kritiker werden immer weniger und von denen, die semantisch immer noch stark aufrüsten, sehe ich Karl Whelan http://www.voxeu.org/article/target2-germany-has-bigger-things-worry-about und De Grauwe http://www.voxeu.org/article/how-germany-can-avoid-wealth-losses-if-eurozone-breaks-limit-conversion-german-residents
      So, wenn ich mir De Grauwe anschaue, seine 3 abschließenden Punkte - der zweite ist falsch soweit ich das erkenne (faktisch auch von Whelan widerlegt) und die beiden anderen sind keine Argumente gegen die Target-Risiken, der erste ist aus der Kategorie 'kein Problem, wenn es gelöst ist' und der dritte ist gerade ein vager Vorschlag wie man mit der tatsächlichen Gefahr fertig wird. Auf dieser Ebene diskutiert auch Whelan - er ist schwer zu verstehen, in der mir zur Verfügung stehenden Zeit kapiere ich es nicht, nach dem was ich erkenne, leugnet er auch das Target-Problem nicht mal - offensichtlich im Gegensatz zu dem, was du postulierst (das ist absurd). Ich erkenne nur heiße Luft bei Whelan und Grauwe. Spekulieren darüber, wie man Targetverluste nach einem Euro-Aus vermeidet, aber das Ganze reißerisch aufmachen mit der Behauptung, dass Target gar nicht relevant sei. Blödsinn. Wichtigtuer.

      Und was ist denn die Phantomdebatte? Dass es schändlich ist auf die Höhe der Targetsalden und der existierenden Gefahr hinzuweisen - mit dem Argument, die Höhe - selbst bei einem 700-Milliarden-Risiko - sei irrelevant, denn die richtige Lösung des Targetproblems sei doch entscheidend? Ja hallo, das größte Problem, das wir haben, IST das offensichtliche Unvermögen das Problem zu lösen und die Salden abschmelzen zu lassen. Es liegt doch auf der Hand, dass wir die Eurokrise nicht lösen. Und das sage ich, der Austerität für nötig hält (die aber im Euro scheitern wird). Was sollst du denn da sagen, der meint man sei von einer Lösung meilenweit weg. Solange es in den Krisenländern nicht vorangeht (aktuell 4 Jahre Stillstand beim entscheidenden Preisniveau), solange ist jedes Anwachsen der Salden eine Katastrophe für uns.

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    4. Was ist die Phantomdebatte?

      Wenn ich den Zerfall der Währungsunion so konstruiere, dass das Bargeld ausländischer Banken und das Bargeld von Ausländern bei uns nicht in die neue Mark, sondern in deren neue Währung umgewandelt wird und im Gegenzug unsere Auslandsguthaben nicht zur Fremdwährung, sondern neue Mark werden, gibt es kein Target Problem.

      Aber wie ich sie kenne, wollen sie lieber ihre Phantomschmerzen behalten als über sinnvolle Lösungen nachzudenken.

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    5. Mal die Annahme unterstellt, der Euro würde über Nacht verpuffen und morgen die DM wieder eingeführt. Was passiert dann mit den Target-Saldo der Bundesbank? Schließlich reden wir hier von Bilanzen und da muss sich alles ausgleichen.

      Wir hatten ähnliches schon mal, nach dem 2. Weltkrieg, allerdings in deutlich kleineren Volumina. Damals wurde eine Saldierung mit späteren Gewinnen der Bundesbank vorgenommen. Das aber ist nichts anderes als "die Begleichung der Rechnung" durch den deutschen Steuerzahler.

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    6. Also, ich gehöre nicht gerade zu Bewunderern von Herrn Sinn, aber der Artikel verwirrt leider mehr als er aufklärt. Tatsache ist, die Target2-Salden sind ein Teil des Auslandsvermögens der BRD und haben gegenüber den Euro-Ländern buchhalterisch gesehen den gleichen Sinn wie die Währungsreserven gegenüber den Nicht-Euro-Ländern, beides sind Forderungen. Und das Risiko, das damit zusammenhängt ist einfach, dass im Falle einer Auflösung der EWU diese "Währungsreserven" vermutlich drastisch an Wert verlieren, genauso wie das mit echten Währungsreserven passieren kann und in der Vergangenheit durchaus auch passiert ist.

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    7. @Alex Hummel

      Die Target 2 Salden sind Forderungen auf Zentralbankgeld und daher ein wertloses Vermögen.

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    8. Hmm, mal abgesehen davon, dass die Sache mit Target2-Forderungen ein wenig komplizierter ist,als Sie das darstellen, Sie meinen also Forderungen auf Zentralbankgeld sind wertlos? Sehr interessant, ich bin mir sicher, wie wir alle haben auch Sie ein Konto bei einer Bank. Ein solches Konto ist nichts anderes als Forderung gegenüber ihrer Bank auf Zentralbankgeld. Anders formuliert, ihre Bank ist verpflichtet Ihnen auf Forderung den Betrag auf Ihrem Konto in Zentralbankgeld (Bargeld in diesem Fall) auszuzahlen. Wenn sie also meinen, diese Ihre Forderung gegenüber ihrer Bank ist wertlos - können sie diese vielleicht mir überlassen ? -:) Ich hätte für diese "wertlose" Forderung von Ihnen bestimmt eine Verwendung gefunden.

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    9. @Alex Hummel

      Ich kann ihren Wunsch einfacher erfüllen als die denken: entwerfen sie ihr eigenes Geld und ernennen sich zur Zentralbank dieser Währung. Dann dürfen sie soviel Zentralbankgeld schöpfen wie sie wollen.

      Das Zentralbankgeld an sich hat noch keinen Wert, erst durch die Besicherung durch Gold, Devisen oder eben durch Geschäftsbanksicherheiten erhält es seinen Wert. Auf den Target 2 Salden befindet sich allerdings mit negativen Zentralbankgeld besichertes Zentralbankgeld. Schon an der Formulierung erkennt man den Unsinn, der da betrieben wird.

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    10. Ich glaube Sie haben tatsächlich ein Problem mit Ihrer Argumentation. Was ist denn "negatives" Zentralbankgeld? Nie davon gehört.

      Aber jetzt zu der Frage der angeblichen Besicherung. Gold lassen wir erst einmal beiseite - denn Goldstandard wurde vor 40 Jahren abgeschafft.
      Sie sagen also Zentralbankgeld wird durch Geschäftsbanksicherheiten besichert. Interessant. Nun spielen wir es an einem Beispiel durch. Eine deutsche Geschäftsbank braucht Liquidität und bekommt diese von der Zentralbank. Im Gegenzug hinterlegt sie bei der Zentralbank, wie üblich Bundesanleihen. Was sind aber Bundesanleihen ? Das sind Forderungen gegen den deutschen Staat auf Euro, d.h. gesetzliches Zahlungsmittel, d.h. Zentralbankgeld. Also, wenn man Ihrer Argumentation folgt ist Zentralbankgeld besichert ruch Forderungen auf ... Zentralbankgeld. Drehen Sie sich da nicht im Kreis ?

      P.S
      Und Ihr Vorschlag passt mir übrigens nicht wirklich - wenn ich selbst Geld emittieren würde, würde es keiner annehmen wollen, anders als bei Euro. Daher hätte ich doch lieber Ihre (für Sie ja wertlose) Forderung gegen Ihre Bank:-) Aber im Ernst, genau das ist es, was den Wert des Geldes ausmacht (ob Zentral- oder Geschäftsbankgeld) - Vetrauen.

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    11. Das Target 2 System verwaltet die Zentralbankguthaben, darauf befindet sich also Zentralbankgeld. Das griechische Target 2 Konto ist negativ - ergo befindet sich darauf negatives Zentralbankgeld.

      Ein Kredit hat einen Wert, er bemisst sich in den noch ausstehenden Zahlungen minus einem Risikoabschlag. Wir haben eine Kreditwirtschaft, der Wert unseres Geldsystems basiert demnach auf harten Kreditforderungen, nicht irgendwelchem Gutmenschenvertrauen.

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    12. Ich glaube weitere Diskussion hat keinen Sinn, sie haben sich anscheinend eine eigene (Geld-)Welt im Kopf zusammengebastelt, die mit der realen nichts zu tun hat.

      1. Das Target2-System verwaltet keine Zentralbankguthaben, das ist wie der Name schon sagt "Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System", also ein System zur Ausführung der Zahlungen zwischen den Geschäftsbanken des Eurosystems.
      Zentralbankguthaben werden im Eurosystem in folgenden zwei Systemen verwaltet:

      -Girokonten der Geschäftsbanken bei den nationalen Zentralbanken
      -Einlagefazilität

      2. Ein Kredit in einem Fiatgeldsystem hat keinen realen sondern nominalen Wert.Wie ich schon gesagt habe, Sie drehen sich im Kreis, indem Sie den Wert des Geldes auf Forderungen, die auf ebendieses Geld lauten, zurückführen. Das Vetrauen ist in einem Fiat-Geldsystem immens wichtig, das Vetrauen nämlich dass die Geldmenge von der Zentralbank nicht unkontrolliert vermehrt wird.

      3. Ich würde Ihnen empfehlen in Diskussionen keine eigenen Begriffe zu erfinden - negatives Geld gibt es nicht.

      4. Und schließlich ganz allgemein - bevor Sie ein Artikel schreiben, ist es immer sinnvoll sich mit dem Gegenstand zumindest oberflächlich vertraut zu machen. Mit Ihren wirren (Entschuldigung, aber ein anderes Adjektiv fällt mir beim besten Willen nicht ein) Thesen übetreffen Sie Hans-Werner Sinn bei weitem.

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    13. Das Target 2 System wickelt Zentralbanktransfers ab, das sagt zumindest die Bundesbank.

      Negatives Geld mag für sie eine wirre These sein, aber ein Kontensystem, das in seiner Summe null ergibt, jedoch positive und negative Salden erzeugt, schöpft für mich zwingend logisch negatives Geld.

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    14. Bitte nicht Begriffe "on the fly" vertauschen:

      In Ihrem letzten Kommentar sagten sie:

      "Das Target 2 System verwaltet die Zentralbankguthaben"

      Jetzt sagen Sie auf einmal:

      "Das Target 2 System wickelt Zentralbanktransfers ab"

      Es gibt, für mich zumidest, einen großen Unterschied zwischen Guthaben und Transfers. Der zweiten Behauptung stimme ich voll zu (und nicht nur, weil die Bundesbank das sagt), die erste Behauptung ist dagegen falsch. Genau das habe ich in meinem vorigen Kommentar gesagt, ich zitiere:

      "Das Target2-System verwaltet keine Zentralbankguthaben, das ist...ein System zur Ausführung der Zahlungen zwischen den Geschäftsbanken des Eurosystems". Vielleicht hätte ich ordnungshalber noch präzisieren sollen, das es sich hierbei um Zentranbankgeldzahlungen, also Zentralbankgeldtransfers handelt - aber andere Geldtransfers zwischen den Geschäftsbanken gibt es per Definition nicht, wie Ihnen höchstwahrscheinlich bekannt ist.


      "Ein Kontensystem, das in seiner Summe null ergibt, jedoch positive und negative Salden erzeugt, schöpft für mich zwingend logisch negatives Geld."

      Tut mir leid, dem bin wahrscheinlich intelektuell nicht gewachsen -:)

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  6. Klar, der Target-Saldo auf der Ebene der EZB ist Null:

    Die Deutschen zahlen und die anderen kassieren es ein. Ohne Target Buchhaltung würde es der Michel halt weniger merken. Außer daran, dass er für immer weniger Lohn und Rente immer länger malochen muss.

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  7. @ Marc

    Wenn ich den Artikel richtig verstehe, geben die Target2-Salden also das Verhältnis von Euro-Zu- und Abflüssen in den nationalen "Teilräumen" des Euroraums wieder. Ein positiver deutscher Target2-Saldo von 700 Mrd. Euro etwa bedeutet also, dass 700 Mrd. Euro mehr in den deutschen "Teilraum" des Euro hineingeflossen sind, als herausgeflossen sind, wobei die Zahlungsströme sowohl realwirtschaftlich (z.B. Bezahlung von Warenlieferungen) als auch rein finanzwirschaftliche Kapitaltransfers sein können. Die Targetsalden entstehen dadurch, dass bei transnationalem Kapitaltransfers die beteiligten Banken keine gemeinsame nationale Notenbank als Clearingstelle haben und deshalb die EZB hier als Clearingstelle der nationalen Notenbanken fungiert, was in den Target2-Salden abgebildet wird. In gewissem Sinne könnte man also sagen, dass die Target2-Salden angeben, wieviel die nationalen Notenbanken innerhalb des Euro-Systems "einander schulden". Habe ich das bis hierhin richtig verstanden ?

    WENN ich das so richtig verstanden habe, ist mir allerdings nicht klar, worin Herr Sinn nun eigentlich das Risiko sieht. Die in Target2 abgebildeten "Schulden" wären danach reine Notenbankschulden. Notenbanken können aber selbst unbegrenzt Geld schöpfen und würden deshalb selbst im Falle eines Ausfalls dieser Forderungen (nach einem Auseinanderbrechen der Eurozone) kein Insolvenzrisiko tragen. Und zumindest in Deutschland besteht auch keine Verpflichtung des Staates (also des "Steuerzahlers"), Verluste der Bundesbank auszugleichen - was wegen der Möglichkeit der Geldschöpfung auch unnötig ist. Worin liegt also für Herrn Sinn das Risiko ?

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    1. Ja, das ist korrekt. Die Eigenschaft der Target 2 Salden, dass ihre Summe null ergibt, zeigt ja, dass ihr Wirkungsspektrum auf die Notenbankspähre begrenzt ist - und das zwingend logisch! Ich interpretiere das Kontensystem als Anomalie, um die Illusion der dezentralen Geldschöpfung der Euro-Notenbanken aufrecht erhalten zu können. Eine Fiat-Währung kann faktisch nur eine Zentralbank haben, alles andere ist Unfug. In Wahrheit handelt es sich um eine Zentralbank mit nationalen Unterabteilungen.

      Es gibt Risiken, aber es sind nicht die Target Salden. Deshalb spreche ich ja immer von einer Phantomdiskussion. Die EZB schöpft über ihre griechische Abteilung tatsächlich Euro-Noten, die mit zweifelhaften Sicherheiten hinterlegt sind. Dieses Problem ist allerdings weniger gravierend, im Grunde beherrschbar und daher nicht "sexy" genug für ein Märchenbuch.

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    2. @ Marc

      Vielen Dank für die Antwort.

      Dass der Saldo aller Target2-Salden Null ergeben muss, ist auch für mich logisch. Was mir aber nach wie vor nicht klar ist, ist das mit Target2 verbundene Risiko (nach Deiner Sichtweise oder der von Sinn). Wenn Target2 tatsächlich nur (fast würde ich sagen: virtuelle) Schulden der nationalen Notenbanken untereinander repräsentiert, wie soll dann daraus ein Risiko entstehen ? Solange die Eurozone besteht, sind die Target2-Salden eine rein buchungstechnische Fiktion. Bei einem Auseinanderbrechen der Eurozone könnten die nationalen Notenbanken (wie auch die EZB) etwaige Verluste (welcher Art auch immer...) durch "Gelddrucken" ausgleichen, so dass ich auch hier kein Risiko erkennen kann.

      Besonders für Deutschland ist mir das Risiko nicht klar: positive Target2-Salden zeigen doch Kapitalzuflüsse aus anderen Teilen des Euroraums nach Deutschland an. Das so nach Deutschland geflossene Kapital löst sich aber doch nicht in einem Moment in Luft auf, wenn die Eurozone tatsächlich auseinanderbrechen sollte. Worin soll also das Risiko bestehen ?

      Für eine kleine Erklärung wäre ich wirklich dankbar ...

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    3. Oftmals wird direkt von Target 2 Krediten und Verlusten bei einer Abschreibungen gesprochen, das ist natürlich kompletter Unsinn. Etwas raffinierter ist die Argumentation, dass die Target-"Verluste" über die Gewinne der Deutschen Bundesbank abgeschrieben werden müssten und so über diesen Umweg zu tatsächlichen Verlusten für den Steuerzahler eintreten würden. Das kann man so machen, wäre aber auch nur Unsinn. In einer ernsthaften Betrachtung müssten ja die Aufwertungsgewinne gegengerechnet werden.

      Lesetipp: Die Milliardenlüge

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  8. @ Marc

    Vielen Dank für die Antwort und den Link.

    Ich kann mich dunkel erinnern, diesen Artikel auf den Nachdenkseiten seinerzeit gelesen zu haben und er scheint ja das, was ich oben geschrieben habe, vollinhaltlich zu bestätigen. Sollte also das große und schreckliche Target2-Risiko tatsächlich schlimmstenfalls darin bestehen, dass die Bundesbank dann wegen des Verlustausgleichs längere Zeit keine Gewinne mehr an den Bundeshaushalt abführen kann ? Irgendwie unbefriedigend, da erwartet man (nach Sinn) einen feuerspeienden Drachen --- und findet eine Eidechse ... :)

    Ich fürchte, ich werde mir also doch Herrn Sinns Werk mal ansehen müssen. Hoffentlich taucht es bald mal für zwei, drei Euro bei Amazon Marketplace auf, denn zwanzig Euro werde ich dafür definitiv nicht ausgeben ...

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    1. Ich hab's mir vorns gekauft und bin mir unsicher, ob diese Frage hinreichend beantwortet werden - schlicht, weil diesen Fragen abstruse Vorstellungen zugrunde liegen. Dass "Notenbanken Geld drucken" ist eine umgangssprachliche Verkürzung, die man bitte schön nicht wörtlich nehmen darf. Geldschöpfung erfolgt über Geschäftsbanken und mit Besicherung, und vor den Notenbanken steht noch die EZB. Ausnahmen wie ELA- und Target'kredite', wo Besicherungsanforderungen runtergeschraubt oder gänzlich ignoriert werden, sind nicht die Regel. Die "Lösung" der Eurokrise oder bei einem Euro-Aus besteht nicht darin die Ausnahme zur Regel zu machen. Das wäre ein Systemwechsel, der kommt nicht. Schon bei der Diskussion um die Eurokrise und der Frage wie die Krisenländer wieder an den Kapitalmarkt zurückkommen, ist Marc auf einen Systemwechsel ausgewichen: Staaten soll sich direkt bei der Zentralbank finanzieren. Das ("Gelddrucken") hat er als (eine) Lösung verkauft .... das ist aber keine Lösung, das ist ein anderes System. Das wird nicht kommen. Rhetorisch suggeriert er aber sogar, dass wir das längst hätten. Unsinn, da gäbs doch keine Staatsbankrotte oder Schuldenschnitte. Heute vormittag hab ich als Erklärung irgendwo gelesen, ... ja die Notenbanken hätten das Gelddrucken verschlafen ...

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  9. Mal ein einfaches Beispiel: Ein reicher Grieche bringt sein Geld in Sicherheit, also nach Deutschland. Dort kauft er in München einen Häuserblock für 100 Millionen. Der Verkäufer des Häuserblocks hat jetzt 100 Mio Forderungen an seine Bank, als Gegenleistung hat die Bundesbank zusätzliche 100 Mio Forderungen na Griechenland, die eines Tages weg sind. Der reiche Grieche hat also jetzt einen Häuserblock in München und die Bundesbank hat bedrucktes Papier dafür bekommen. Dazwischen steht noch ein Verkäufer mit 100 Mio Geld, Forderungen an seine Bank, die dafür 100 Mio Forderungen an die Bundesbank hat.

    Ich bin ja auch Inflationist und ganz dafür, dass das Geld bald kaputt geht und die Geldsparer endlich furchtbar für ihren Unsinn bestraft werden. Aber naiv sollte man doch nicht sein und die Targets einfach für bedeutungslos halten. Sinn hat in seinem Sinn schon Recht: Wir verschenken heute nicht nur unsere Exporte, sondern auch alles, was hier im Land an Sachwerten gekauft wird für das viele Geld der Reichen, die aus den Krisenländern mit ihrem Kapital flüchten.

    Das "Kapital", das nach Deutschland fließt, sind nur bedruckte Zettel, Forderungen auf dem Papier, und bald ziemlich wertlos. Bei einem Auseinanderbrechen der Eurozone müssten die Targetforderungen real abgeschrieben werden und es gäbe also ein Bankensystem in Deutschland, das seinen Kunden Geld schuldet, dessen Gegenwert von der Bundesbank abgeschrieben werden musste, das also eigentlich pleite wäre. Dann wird man die Löhne in Deutschland weiter kürzen wollen, um das verschenkte Geld mit neuen Exportüberschüssen wieder hereinzuholen.

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    1. Ihrem Beispiel liegt die Annahme zugrunde, wir hätten ein sogenanntes Vollgeldsystem. Das ist nicht de Fall. Daher ist es so: der Verkäufer hat eine 100 Mio € Forderung an die Bank, die aber meist nur knapp oberhalb der Mindestreserve mit Zentralbankgeld hinterlegt ist. Und jetzt die Überraschung: der überwiegende Rest ist mit Krediten gegengebucht (siehe hier), die eine deutsche Bank meist im Inland vergibt. Die griechischen Sicherheiten spielen also kaum bis gar keine Rolle bei der Transaktion.

      Wir verschenken heute nicht nur unsere Exporte, sondern auch alles, was hier im Land an Sachwerten gekauft wird für das viele Geld der Reichen, die aus den Krisenländern mit ihrem Kapital flüchten.

      Wieso verschenken? Der Verkäufer des Häuserblocks hat doch einen Gegenwert erhalten! Er kann jetzt eine griechische Insel kaufen, eine Firma gründen oder es auf der Bank belassen. Es ist doch niemand ärmer geworden!

      Ich merke immer: wir Deutsche sind in Sachen Geldsystem absolute Analphbeten.

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    2. @ „Analphbeten“
      Freudscher Verschreiber für eine selbsternannte eigentlich brotlose „Analwissenschaft“ ?
      Das Thema wird in der Elektrotechnik schon in der Berufsschule durch das 1. Kirchhoffsches Gesetz beschrieben.
      „In einem Knotenpunkt eines elektrischen Netzwerkes ist die Summe der zufließenden Ströme gleich der Summe der abfließenden Ströme.“
      Das Problem ist doch offensichtlich, dass es die Wirtschaftswissenschaftler mit dem Aufbauschen einer solchen trivialen Erkenntnis bis zur Professur im Zweifelsfall zum Nobelpreis schaffen. Was haben alle die Wirtschaftsnobelpreisträger eigentlich zur Stabilisierung unserer Wirtschafts-und Finanzsysteme beigetragen (siehe oben brotlose Anal ...)?

      Anm.: Der „Kirchhoff“ ist nicht verwandt mit dem möchtegern fast Finanzminister fast gleichen Namens! ;-)

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    3. @Marc

      Wieso verschenken? Der Verkäufer des Häuserblocks hat doch einen Gegenwert erhalten!

      Hat er? Warum beschäftigen Sie sich so ausschließlich mit Theorien - gewürzt mit eigenen Überlegungen - aber so wenig mit Empirie? Warum organisieren die Amerikaner, obwohl die Währung in ihrem föderalen System durchaus ähnlich funktioniert, den Ausgleich zwischen den Notenbanken anders und warum entstehen dort trotz großem Wohlstandsgefälle zwischen den Staaten so geringe Target-Salden? Hans-Werner Sinn hat das im Unterschied zu Ihnen getan, dennoch meinen Sie ihm überlegen zu sein.

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    4. @Marc:

      Und wenn man Alkoholiker anschreiben lässt, wo ist das das Problem für die Wirt? Der erhält doch eine Gegenleistung, nämlich Schuldscheine von Alkoholikern.

      Wird hier eklärt:
      http://www.youtube.com/watch?v=qh1aXtCm7UM

      Nur sind in Europa verstärkt Staaten involviert, in den USA waren es (wenn auch von der Regierung ermuntert) eher Private.

      Der erhaltene Gegenwert ist wertlos. Oder zumindest nicht ausreichend viel Wert.

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  10. Viel realer ist die Gefahr eines größeren Zahlungsausfalls im Bereich des deutschen "Exportwunders" , durch Schuldenschnitte u.ä., weniger durch die Faulheit der Südländer , eher durch die Denkfaulheit der Sinns und Co.

    Es ist fast schon eine alte Leier , aber wer sich die Kaufkraft seiner Abnehmer kaputtspart....

    Muß aber nicht weiter stören , schließlich profitiert von den Exporten nur eine recht überschaubare Anzahl von Leuten.

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  11. In Fußnote 5 zu diesem Artikel ist die Mechanik von Target2 noch mal ganz gut erklärt:

    http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/oktober/das-infernalische-dreieck

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    1. Diese Darstellung widerspreche ich. Die Target 2 Konten der Zentralbanken bilden im gesamten Target 2 System ein eigenständiges und unabhängiges Kontensystem. Das ist das, was ich mit mein Artikel erklären möchte!

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  12. @ Marc

    Ich habe die Fußnote in dem Link gelesen und verstehe nicht ganz, was Du mit Deinem Widerspruch meinst. Bisher dachte ich, ALLE Target2-Konten seien solche "der Zentralbanken". Und die Fußnote gibt eigentlich nur den Weg wieder, auf dem (nach meiner bisherigen Vorstellung) eine internationale Überweisung innerhalb der Eurozone abgewickelt wird. Wenn ich das Beispiel in der Fußnote richtig verstanden habe, ersetzt (buchungstechnisch) die Verminderung des Target2-Kontos der italienischen Notenbank und die entsprechende Erhöhung bei der deutschen Notenbank die tatsächliche (nicht vorgesehene) Übertragung von Kapital zwischen den Notenbanken (zur Deckung des überwiesenen Betrags). Genau so hatte ich mir bisher die Veränderung der Target2-Konten vorgestellt ... . Was ist daran nun konkret falsch ?

    Und was ist mit "eigenständig" und "unabhängig" genau gemeint ? Die Target2-Konten müssen doch schon rein buchungstechnisch auf irgend einem Weg mit Konten außerhalb ihrer selbst verbunden sein, sonst könnten sie sich doch überhaupt nicht ändern.

    Da dachte ich, ich hätte mal was verstanden ...

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    1. Bezieht man die Geschäftsbanken in die Betrachtung mitein, wird es richtig kompliziert. Meist wird im Sinne eines Vollgeldsystems argumentiert, was wir aber nicht haben. Einzelfallbetrachtungen sind daher oftmals irreführend.
      Was ich meine, ist, dass eine internationale Geschäftsbankbuchung von Zentralbankgeld eine reine Buchung bleibt (bleiben muss) und dabei Target 2 Forderung entstehen, die in der Summe null ergeben. Ein Substitut für Kredite können sie daher niemals sein. Im Beispiel der Fußnote wir künstlich eine Kreditforderung eingebaut, die für mich nur den Zweck der Verwirrung erfüllt.

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    2. In der Fußnote ist das richtig erklärt: Targetsalden ersetzen direkte Kredite zwischen den Banken. Wenn also der reiche Grieche in meinem Beispiel (als Keynesianer) oben die 100 Mio von seiner Bank in Griechenland nach Deutschland überweist, um den Häuserblock zu bezahlen, bekommt die Bank des Verkäufers eine früher oder später wertlose Forderung von 100 Mio an die Bank des reichen Griechen in Griechenland.

      Allerdings läuft das Spiel über die Notenbanken, so dass sich das Problem etwas verbirgt: Die deutsche Bank erhält also eine Forderung von 100 Mio an die Bundesbank, diese eine nicht eintreibbare Forderung an die EZB, die EZB eine nicht eintreibbare Forderung an die griechische Notenbank und diese hat jetzt die wertlose Forderung an die griechische Bank.

      Zum Schluss muss die Forderung an die griechische Bank abgeschrieben werden. Natürlich kann man es per Gesetz regeln, dass Notenbanken auch mit negativen Bilanzen weitermachen können, aber der Häuserblock wurde praktisch verschenkt, nicht vom Verkäufer direkt, der hat ja seine 100 Mio bekommen, sondern von der deutschen Volkswirtschaft.

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    3. @W.Waldner

      Wenn sie recht hätten und es wären echte Kredite, dann müssten die Gegenbuchung Target 2 Salden Geschäftsbankforderungen sein - das ist aber eindeutig nicht der Fall! Es sind stets Forderungen an Zentralbanken.

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    4. Ich habe Recht -> Zentralbanken sind durch das Targetsystem nur dazwischengeschaltet:

      Verkäufer hat 100 Mio Forderung an seine deutsche Hausbank, Hausbank an Bundesbank, Bundesbank an EZB, EZB an ZB der Griechen, diese an griechische Hausbank des reichen Griechen. Letztere ist eigentlich pleite, weswegen der eiche Grieche sein Geld ja abzieht, griechische ZB ist auch pleite, weswegen der reiche Grieche ja nach Deutschland geht und Immobilien kauft. Damit ist sein Geld in Sicherheit. Wäre es anders, könnte er es ja bei seiner griechischen Bank lassen.

      Eigentlich handelt es sich um eine Forderung der deutschen Hausbank an die griechische Bank, die die 100 Mio des reichen Griechen überwiesen hat. Das hätte die deutsche Hausbank natürlich nicht gemacht, der griechischen Bank 100 Mio zu leihen. Dank Target und der dazwischengeschalteten Notenbanken geht das aber. Jetzt kann die griechische Bank die 100 Mio überweisen.

      Ohne das Targetsystem hätte die griechische Regierung die Kapitalflucht verhindern müssen, also den Reichen besteuern, so dass das Geld in Griechenland bleibt. Die besteuern den Reichen aber nicht, so dass der sich für die 100 Mio den Häuserblock in München kaufen kann. Die 100 Mio müssen früher oder später bei einem Schuldenschnitt den Griechen erlassen werden.

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    5. @W.Waldner

      Verkäufer hat 100 Mio Forderung an seine deutsche Hausbank, Hausbank an Bundesbank, Bundesbank an EZB, EZB an ZB der Griechen, diese an griechische Hausbank des reichen Griechen.

      Diese Kette gilt nur für ein Vollgeldsystem. In unserem jetzigen Geldsystem ist es so: Verkäufer hat 100 Mio. Forderungen an seine Bank. Die Bank hat diese Sichteinlagen/Forderungen zu wenigen Prozent mit Zentralbankgeld hinterlegt, der Rest ist mit deutschen Krediten gegengebucht.

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    6. @Marc

      Lasst Euch doch bitte nicht mit dem Vollgeldgeschwurbel verwirren. Es gibt kein Vollgeld. Wenn die Geschäftsbanken jeden Kredit zu 100% mit Zentralbankgeld "hinterlegen" müssen, dann ändert sich nur eines: Bankenbankrotte finden nur noch zum Schaden der Zentralbank statt, weil die ja die Kredite der Geschäftsbanken mit ihrem Zentralbankgeld abgesichert hat. Das finden die Privatsparer an dem "Vollgeld" so super.

      Ansonsten wird eben eine Geldüberweisung aus Griechenland nicht mit deutschen Krediten gegengebucht, sondern mit dem Kredit an die griechische Bank, auch wenn das (zur Verwirrung des Publikums) über die Zentralbanken läuft, weil die griechischen Banken ja schon längst keine Kredite mehr bekämen, außer von der Bundesbank über die EZB und die ZB der Griechen.

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  13. @ Marc

    Du störst Dich also nicht an der Erklärung, wie in der Fußnote die Abwicklung der internationalen Überweisung erklärt wird und wie diese die Veränderung der Target2-Salden beeinflusst, sondern daran, dass Bofinger behauptet, dass die TARGET2-Salden "... in erster Linie ein Substitut für Kredite zwischen den Geschäftsbanken der Währungsunion ..." seien. Da bin ich ja erleichtert, in diesem Punkt stimme ich Dir zu. Auch nach meinem Verständnis dienen die Target2-Salden nur dem buchungsmäßigen Ausgleich zwischen den nationalen Notenbanken und können nicht als "Kreditsubstitute" bezeichnet werden, schon weil sie keine realisierbaren Werte (und keine realen Zahlungsverpflichtungen) der nationalen Notenbanken repräsentieren.

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    1. Und was haben wir dann davon? Warum verkauft Deutschland etwas gegen wertloses Buchgeld? Weil es so schön aussieht, wenn man hier in Deutschland viel Geld hat, dem aber in Girechenland nicht der entsprechende Gegenwert gegenüber steht?

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    2. @ Techniknörgler

      Ich weiß nicht genau, was Du mit "wertloses Buchgeld" und "nicht der entsprechende Gegenwert" meinst. Deutsche Unternehmen verkaufen Güter gegen Euro - auch nach Griechenland, und solange der Euro besteht, ist ein "griechischer" Euro exakt so viel oder wenig wert wie ein "deutscher" Euro.

      Oder meinst Du einen Verkauf an griechische Abnehmer auf Kredit, bei dem ein im Vergleich zu deutschen Abnehmern höheres Kreditausfallrisiko besteht ? Ein solcher Verkauf würde vor Beginn der Tilgung die Target2-Salden nicht verändern, die Frage ist deshalb in unserem Zusammenhang eigentlich off topic. Warum aber ganz generell deutsche Unternehmen solche Kreditrisiken eingehen, kann ich nur vermuten. Wahrscheinlich auch, weil sie ihre Produkte mangels inländischer Kaufkraft sonst nicht in diesen Mengen absetzen könnten ...

      Nur um es noch mal klarzustellen: kein Unternehmen verkauft Waren "gegen" Target2-Forderungen. Target2 ist nur ein buchungstechnisches Ausgleichssystem der nationalen Notenbanken untereinander. Mit der Bezahlung von Waren durch irgend welche Abnehmer hat das nichts zu tun, genau so wenig wie mit dem Wert des Euro als Zahlungsmittel.

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  14. "das Gelddrucken findet nicht mittels des Target-Systems statt, sondern vorher. Und exakt aus diesem Grund ist es eine Phantomdiskussion."
    Marc Schanz: Warum schreiben nicht SIE den nächsten Harry-Potter? Nicht als Roman, sondern als Ratgeber; Titel: "Schulden machen ohne Reue" (bzw.: "ohne Schaden"). Dann können Sie uns auch erklären, wieso Debatten ums Gelddrucken, das sich buchhalterisch in Target-Salden niederschlägt, eine "Phantomdiskussion" sind.
    Aber klar: Wer Buchaltung für eine "zwanghaft pedantische Denkweise" hält (die übrigens, in ihrer doppelten Form, just von den eher weniger als zwangsneurotisch bekannten Italienern erfunden wurde), für den ist money "only money". Vor allen Dingen dann, wenn es sich um einen großen Topf (Nationalbank bzw. Volkswirtschaft) handelt, und nicht um das Soll oder Haben auf dem eigenen Bankkonto (das in der Bankbilanzen durch die erforderlichen Gegenbuchungen natürlich ebenfalls zur "Null" wird).

    Wer (hypothetisch) sich selber Geld druckt, und damit einkaufen geht, nimmt aus dem volkswirtschaftlichen "Topf" der Realwirtschaft etwas heraus, ohne selber ein Produkt oder eine Dienstleistung wieder einzubringen.

    Im Verhältnis etwa der deutschen zur US-Volkswirtschaft wurde ein solcher Sachverhalt durch hohe Devisenbestände der Bundesbank abgebildet. Innerhalb einer Währungsunion durch entsprechende Verrechnungssalden der nationalen Zentralbanken (egal, ob die als solche bestehen bleiben oder am Ende des Tages über die EZB als 'zwischengeschaltetes Clearinghouse' verbucht werden).

    Der Unterschied zwischen der, sozusagen, "Seignorage" der Falschmünzer und dem kreditfinanzierten Kaufrausch von sowohl den USA (außerzonär) als auch Griechenland & Co. (innerzonär) liegt allein darin, dass unsere realwirtschaftlichen Gegenleistungsansprüche in Form von Schuldscheinen in Gestalt der T2-Salden noch in den Büchern stehen (bzw. gegenüber USA als Dollars, sagen wir mal: in den Tresoren liegen). Theoretisch könnten sich also (um mich jetzt auf die Situation in der Eurozone zu beschränken:) die Porsche-Arbeiter für die von ihnen nach Athen gelieferten Porsche den Gegenwert in Metaxa zurückholen.

    Bei der Risikoanalyse (d. h. zur Beurteilung der Frage, ob die Porsche-Arbeitnehmer - "wir" - irgendwann garkeinen oder deutlich weniger Metaxa mehr damit kaufen können) erhält man unterschiedliche Szenarien für einen Erhalt der Eurozone und für einen evtl. Zerfall (bzw. Austritt Deutschlands oder eines anderen Landes).

    Wie es dann weitergehen könnte, bzw. voraussichtlich weitergehen würde, habe ich in meinen beiden Blog-Einträgen "Pestärzte der Volkswirtschaftslehre in der Target2-Debatte" (http://beltwild.blogspot.de/2012/10/bevor-sie-mit-dem-lesen-des-nachsten.html) und (kürzer) "Sinnsuche in den Schluchten des Euro: Target-Fallen, Transferfallen, Denkfallen, Trägheits-Fallen" (http://beltwild.blogspot.de/2012/10/sinnsuche-in-den-schluchten-des-euro.html) beschrieben (und dazu natürlich auch die Hintergründe der T2-Salden erläutert).

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    1. Aufgrund der Target Salden entstehen keine realwirtschaftlichen Gegenleistungsansprüche. Das ist nicht möglich, weil ihre Summe null ergibt. Sie heben sich gegenseitig auf. Das ist Logik pur.

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