Mittwoch, 1. September 2010

Mal was grundsätzliches...zu den Medien

Von Stefan Sasse

Den Oeffinger Freidenker gibt es nun seit über vier Jahren. Viele Themen wurden bereits mehrfach in unterschiedlichen Beiträgen behandelt, so dass es dem Autor oftmals unnötig erscheint, bestimmte Anspielungen oder Einstellungen näher zu erläutern. Seit 2006 hat sich die Leserschaft jedoch stark vergrößert, und für die, die neu dazugekommen sind, mag nicht immer alles sofort klar sein, was der Oeffinger Freidenker schreibt. Die neue Serie "Mal was grundsätzliches…" soll diese Lücke schließen, in dem noch einmal eine Zusammenfassung zu bestimmten Themen gegeben wird. Diese Folge befasst sich mit den Medien.

Die Medien sehen sich gerne als die "vierte Gewalt" in Deutschland, als die übergeordnete Kontrollinstanz, die unverzichtbar zum demokratischen Betrieb dazugehört. Diese Rolleneinschätzung ist dabei voll und ganz zutreffend. In einer Demokratie basiert das Funktionieren des Systems auf der aktiven Partizipation seiner Bürger. Hierfür jedoch ist eine solide Informationsgrundlage unbedingt notwendig. Diese Informationsgrundlage aber können nach Lage der Dinge nur die Medien liefern; gäbe es sie nicht, wären Regierungsverlautbarungen und die Inszenierung der Regierung die einzige Informationsquelle des Bürgers. Ein kritischer und selbstbestimmter Umgang mit den demokratischen Institutionen ist ohne die Medien schlechthin nicht denkbar. Was aber passiert, wenn diese vierte Gewalt ihrem Auftrag nicht nachkommt, zerrieben wird zwischen dem Diktat des ökonomischen Profits einerseits und der Korrumption durch die zu große Nähe zur Macht andererseits, das lässt sich aktuell betrachten. Die Folgen sind katastrophal.


Für den Zweck dieser Abhandlung sollen folgende Medientypen unterschieden werden: Zeitungen (sowohl Print als auch Onlineausgaben), Fernsehen und Rundfunk. Sowohl bei Fernsehen als auch bei Rundfunk müssen wir zwischen den privaten und den öffentlich-rechtlichen Sendern unterscheiden; die Regierungsorgane im Printbereich sind absolut vernachlässigbar (etwa "Das Parlament"), da sie für die breite Meinungsbildung eigentlich kaum eine Rolle spielen. Übergeordnet über diesen Komplex müssen wir uns noch Nachrichtenagenturen wie dpa und Reuters denken. Diese Nachrichtenagenturen sind die Hauptquelle der Medien. Sie jagen täglich hunderte von Meldungen über den Ticker, den die großen Häuser abonniert haben und aus dem sie das Material für ihre Berichterstattung auswählen. Was nicht durch den Filter der Nachrichtenagenturen gegangen ist wird im allgemeinen in den Medien nicht thematisiert, sofern es nicht durch äußere Anstöße wieder selbst zum Thema wird (beispielhaft an Köhlers Afghanistanaussagen zu sehen).

Im Rundfunk wie im Fernsehen finden sich meist nur relativ kurze Nachrichteneinsprengsel, selbst bei den meisten öffentlich-rechtlichen Sendern. Sie sehen ihre Hauptaufgabe eher im Musiksenden und Geld durch Werbung eintreiben, also einem auf Quote gebürsteten Programm. Gleichzeitig werden sie von der Bevölkerung abgesehen von Zeitungen als Hauptnachrichtenquelle genutzt. Analysen oder tiefergehende Erläuterungen lassen sich in dieser Zeit gar nicht bewerkstelligen, entsprechend oberflächlich ist die Berichterstattung auch. Der Zuhörer/Zuschauer fühlt sich zwar immer informiert, hat aber letztlich allenfalls einen schlaglichtartigen Einblick erhalten. Dies ist besonders virulent bei der Tagesschau (von Kritikern als Tagesshow verspottet), die den Anspruch erhebt, in 15 Minuten die Welt zu erklären und immer noch großes Vertrauen unter den Zuschauern genießt, ohne dieses in der Qualität der Sendung zu rechtfertigen. Thematisch kaum passende Sprengsel mit den immergleichen Versatzstücken gauckeln Information vor, wo eigentlich keine ist. Beispiele gefällig? Sehr häufig hört man, was Politiker zu diesem oder jenem Thema gesagt haben (typische Formulierungen "sagte X", "erklärte Y"), ohne dass das in einen wie auch immer gearteten Kontext, etwa Parteipositionen oder frühere Aussagen gestellt würde. Dies ist in der Kürze der Zeit und der Vielzahl der Meldungen auch gar nicht möglich. Wer speziell zur Tagesschau eine fundierte Kritik lesen möchte, dem sei Walter van Rossums Buch "Die Tagesshow" empfohlen, in dem der Autor detailliert die Mechanismen dekonstruiert. 
Die Hauptinformationsquelle eines Großteils der Bevölkerung sind und bleiben jedoch die Zeitungen, zum Großteil in ihrer Print-Variante, aber auch zunehmend besonders unter jüngeren Lesern in ihrer Online-Ausgabe. Es sind auch die Zeitungsverlage, die die Debatte um den "Qualitätsjournalismus" losgetreten haben und sich in ihrem Mittelpunkt befinden. Bevor wir uns dieser Debatte widmen, sehen wir uns einmal die Zeitungslandschaft etwas genauer an.

Es gibt in Deutschland eine gewaltige Zahl an regionalen Zeitungen. Diese wurden jedoch in den letzten Jahren und Jahrzehnten praktisch vollständig von großen Medienholdings aufgekauft, die Redaktionen stark ausgedünnt und die überregionale Berichterstattung zentralisiert. Das führt dazu, dass der Großteil der Berichterstattung, besonders die wichtige politisch-meinungsbildende, von einem stark reduzierten Kernteam angefertigt und dann einfach von den zahlreichen Lokalblättern kopiert wird, die nur noch den zusätzlichen Lokal-Inhalt produzieren. Zu dieser Vielzahl an Regionalblättern mit ihrer stark gesunkenen Qualität kommen die wenigen großen überregionalen Blätter wie die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Frankfurter Rundschau, die Welt oder die Westdeutsche Allgemeine Zeitung und natürlich die BILD. Diese Zeitungen verfügen noch über große Fachredaktionen und Korrespondenten und müssen sich nicht vollständig auf die Agenturmeldungen verlassen. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen Meinungsmagazine wie der Spiegel, Focus oder die Wochenzeitungen wie die Zeit. Besonders die Letztgenannten verfügen dabei über eine besondere Glaubwürdigkeit bei den Lesern die, wie wir noch sehen werden, leider größtenteils unfundiert ist.

Sowohl die großen Magazine wie Spiegel als auch die überregionalen Zeitungen wie die SZ oder WAZ haben in den letzten Jahren wie die regionalen Blätter starke Einschnitte vornehmen müssen. Da hier jedoch mehr Substanz vorhanden war, ist der Qualitätsabfall nicht ganz so drastisch. Einige Blätter jedoch haben sich kaum verändert; hier ist vor allem die BILD zu nennen. Diese Einschnitte sind Teil eines Teufelskreises, in dem sich die ganze Medienbranche gerade befindet: praktisch alle Zeitungen haben in den letzten Jahren Leserverluste verkraften müssen. Die Gründe für diese Abwanderung sind dabei immer noch nicht ganz klar, aber sie sind zweifellos vorhanden. Gleichzeitig starb der Typus des alten Verlegers (wie ein Augstein) aus, der sein Blatt aufgebaut hat und mit Leib und Seele dahintersteht. Das Verschwinden dieser Klasse ist nicht zufällig zeitlich mit dem Verschwinden des klassischen Familienunternehmers verknüpft. In beiden Bereichen übernahmen Manager das Ruder, die keinen persönlichen Bezug zu ihrem Objekt haben und stattdessen vor allem den Shareholder Value (also die Dividende für die Aktionäre) bzw. den vorhergehenden Börsengang im Blick haben. "Qualität" ist in diesem Wertemaßstab nur insofern von Relevanz, als dass sie für Verkaufszahlen sorgt - und genau das tut Qualität leider nicht unmittelbar.

Der perversen Logik der Börsen nach steigt der Wert eines Unternehmens und damit auch der Shareholder Value wenn man Mitarbeiter entlässt, weil dadurch ja Kosten eingespart werden, die man als Dividende an Aktionäre ausschütten kann. Wie auch in der Realwirtschaft geht das auf die Dauer natürlich an die Substanz, weil man gutes Personal verliert, das akkurat recherchierte Geschichten produziert hat. Korrespondenten, die vor Ort Recherche betreiben sind aber teuer. Sie fielen als erstes dem Rotstift zum Opfer, und seither verlässt man sich hauptsächlich auf die Korrespondenten der Nachrichtenagenturen. Ohne persönliche Erfahrung und Eindrücke aber ist es kaum möglich, aus deren Meldungen irgendwelche Analysen oder ähnlich erhellende Artikel zu machen, weswegen die ganze Berichterstattung oberflächlich bleibt. Der nächste sehr teuere Artikeltyp ist der Investigativjorunalismus, also der typische Journalist der sich in ein Thema verbeißt und irgendeinen Skandal ans Licht befördert, etwa Watergate, und der Held entsprechender Legenden ist. Investigative Recherche ist langatmig und aufwändig, oft mit großen Spesen verbunden und produziert kaum einen geldwerten Vorteil. Entsprechend fielen auch die darauf spezialisierten Redakteure dem Rotstift zum Opfer.

Bereits der Wegfall dieser beiden Gruppen sorgt für einen rapiden Qualitätsverlust in der Berichterstattung, da die elementare Recherche viel zu kurz kommt. Doch selbst beim alltäglichen Journalismus, also dem typischen Interview oder dem Nachhaken von Pressemeldungen, sind die Kürzungen und Verflachungen inzwischen angekommen. Das hat zwei Ursachen. Zum einen hat die Ausdünnung der Redaktionen dafür gesorgt, dass für vernünftige Nachfragen kaum Zeit ist, und zum anderen gibt es den journalistischen Herdentrieb. Wenn ein anerkanntes Leitmedium - etwa der Spiegel oder leider Gottes inzwischen auch die BILD - eine Meldung bringt, schreiben alle anderen Medien diese ab, um nicht etwas zu verpassen. Auf diese Art und Weise setzen sich bestimmte Interpretationen wahnsinnig schnell durch, da die Abschreiber natürlich keine eigenständige Recherche betreiben, die diese ja scheinbar das Leitmedium schon erledigt hat, eine Annahme die, wie wir oben gesehen haben, leider nur allzuoft unbegründet ist. Es ist dieser Herdentrieb, der den gewaltigen Erfolg der neoliberalen Reformpolitik begründet hat.  

Dies sind die Ursachen der aktuellen Malaise des gesamten Journalismus. Wenn man die Rechtfertigungen der Branche hört, lassen sich diese etwa wie folgt zusammenfassen: der Wettbewerb ist hart, und entsprechend müssen Kosten gekürzt werden. Die Verkaufszahlen brechen ein, also müssen Kosten gekürzt werden. Außerdem wollen die Zuschauer/Zuhörer/Leser keine schwierige Kost. Dieses letzte Argument findet sich besonders häufig bei den Rundfunkanstalten und den Fernsehsendern, die nicht einmal mehr leugnen dass ihr Niveau unterirdisch ist, sondern darauf bauen, dass der Proll-Instinkt ihrer Konsumenten für eine Solidarisierung sorgt. Besonders dieses letzte Argument ist hanebüchen; wo kein anderes Breitenangebot verfügbar ist nimmt man natürlich das, was verfügbar ist. Das Fernsehprogramm hat die Ansprüche des Publikums gesenkt, nicht die Ansprüche das Niveau des Programms. Mit diesen Auswüchsen brauchen wir uns auch kaum näher zu beschäftigen. Eine Branche, die ihre Konsumenten per se für dämlich erklärt und das entsprechende Produkt raushaut, dass von eben diesen Konsumenten auch noch angenommen wird - diese beiden verdienen einenander wohl.

Bei den Zeitungen ist der Fall anders. Deren Niveau ist zwar auch deutlich gesunken, aber sie geben das nicht zu. Stattdessen versuchen sie sich gerade an einer aggressiven Standortbestimmung, indem sie einen Nebenkriegsschauplatz mit den Blogs eröffnet haben, über den noch zu sprechen sein wird. Auch die Konsumenten von Zeitungen geben selten zu, dass deren Niveau schlechter ist als ehedem, weil sie im Gegensatz zum Fernsehpublikum begreifen, dass sie dies auch in ein schlechtes Licht stellt. An dieser Stelle muss ich eine Ausnahme machen: all das trifft auf die BILD und ihre Leser nicht zu. Die BILD ist gewissermaßen ein RTL-Nachmittagsprogramm in Druckform, und die Konsumenten haben eine ähnliche Geisteshaltung. Dem Rest aber ist bewusst, dass wenn er die Defizite der Medienlandschaft anerkennt er auch seine eigene Informiertheit, die ihn über die Masse abhebt, in Frage stellen muss, da nur eine absolute Minderheit sich aus mehreren verschiedenen Quellen informiert, was aber für eine selbstbestimmte eigene Standortbestimmung elementar ist. Auf diese Art funktioniert der Medienzirkus weiterhin. Die Zeitungen schreiben voneinander in einem riesigen journalistischen Herdentrieb ab, während die Leser deren Positionen in einem ähnlichen Herdentrieb adaptieren. Schließlich muss es ja wahr sein, denn es steht ja in der Zeitung!

Die meisten Menschen verstehen überhaupt nicht, wie Massenmedien funktionieren, und man hat wenn man deren Rechtfertigungen hört oftmals das Gefühl, dass die es selbst nicht verstehen. Es ist ein häufiges Missverständnis, dass Massenmedien die Wirklichkeit abbilden würden. Das Gegenteil ist der Fall: Massenmedien schaffen Wirklichkeit. Ein Ereignis, über das die Massenmedien nicht berichten, findet effektiv nicht statt. Ein Ereignis, über das Massenmedien berichten findet statt, selbst wenn es in Wahrheit gar nicht existiert. Wer auf unterhaltsame Weise sehen will, wie man diesen Mechanismus ausnutzen kann, dem sie der grandiose Film "Wag the Dog" empfohlen. Da die Massenmedien selbst aber Wirklichkeit erschaffen, sind sie mitnichten neutrale Beobachter, die vielzitierte "vierte Gewalt", sie sind vielmehr selbst Akteure. Gerhard Schröder hat das verstanden und meisterhaft auf den Punkt gebracht, als er lapidar erklärte, dass er zum Regieren nur "BILD, BAMS und Glotze" brauche. Er hat in der Aufzählung eigentlich nur den Spiegel vergessen, der in den letzten Jahren mit den genannten Springer-Blättern eine unheilige Allianz einging. Man muss sich dabei aber bewusst sein, dass diese Funktion der Massenmedien inhärent ist und kein Symptom der oben beschriebenen Malaise ist. Luhmann hat die konstituierende Funktion der Massenmedien ausführlich analysiert und erklärt. Wer sich für dieses Thema mehr interessiert, dem sei das Einsteigerwerk "Luhmann leicht gemacht" ans Herz gelegt. 

Es ist schwierig zu sagen, ob der Aufstieg der Blogs eine Reaktion auf diesen Qualitätsverlust war oder auch so stattgefunden hätte. Die gestiegene Popularität der Blogs beruht sicher auch auf dem Phänomen der zumindest von einem kleinen Teil der Bevölkerung wahrgenommenen Defizite der traditionellen Medien, aber die internetaffine neue Generation hätte sich auch so ihr Medium gefunden. Lange haben die Massenmedien die Blogs dabei nur belächelt, doch besonders in den letzten Jahren der Großen Koalition wurden sie deutlich stärker - eine interessante Parallele zur Entwicklung der APO während der ersten Großen Koalition. Plötzlich begannen sie, die Blogs als eine Gefahr wahrzunehmen, und von einem Tag auf den anderen begannen die Größen der Branche eine wahre Flut von Diskussionsbeiträgen loszutreten, die zwischen Blogs und Massenmedien Vergleiche zogen. Dies war die Geburtsstunde des "Qualitätsjournalismus", der hier auf dem Blog immer in pejorativen Fragezeichen stehen wird. 

In einem unglaublich selbstreferentiellen und selbstverliebten Diskurs redeten die Großen der Branche von Schirrmacher zu Jörges darüber, welche unglaublichen Vorteile der "Qualitätsjournalismus" gegenüber den mit allerlei pejorativen Bezeichnungen bedachten Blogs habe. Dabei wurde interessanterweise beständig aufgelistet, was in der obigen Mängelliste auftaucht und gerade zu dem Defizit geführt hat, in das die Blogs gestoßen sind. Für die Diskursteilnehmer, die alle auf Seiten der "Qualitätsjournalisten" sind, kann per definition nur der Print anspruchsvollen Journalismus liefern. Das Internet ist dazu per se nicht in der Lage. Das hat keine reale Grundlage; es beruht auf der Furcht vor dem Neuen, das diese Leute eint, auf dem Unverständnis vor dem Phänomen Internet. 

Denn bislang waren abgesehen von SpiegelOnline die Online-Ableger der großen Zeitungen hauptsächlich ein Verlustgeschäft, und SpiegelOnline hat seinen Erfolg mit einer furchtbaren Boulevardisierung und niedrigem Niveau erkauft, das das Magazin nicht nur geschäftlich in deutliche Nachbarschaft zur BILD gerückt hat. Es ist den Verlagen bisher nicht gelungen, tragfähige Geschäftsmodelle für das Internet zu entwickeln. Sie versuchen ihre Produkte zu verkaufen wie Print: ein bisschen Werbung, möglichst viel, möglichst billigen Inhalt, und dann wird der dumme Konsument es schon fressen. Nur im Internet hat der Konsument die Wahl, hat sich schnell weggeklickt und ein Konkurrenzangebot benutzt - was bei Print so nicht geht. Damit kommen die alten Größen nicht klar, das ist es, was sie nicht verstehen und was ihnen Angst macht, und das ist es, was sie dazu bringt sich in eine Traumwelt zu flüchten, in der alles auf Papier gedruckte per se Qualität ist und alles im Internet per se Blödsinn. Dabei muss man nur einen flüchtigen Blick auf die BILD werfen um zu wissen, dass im Print wahrlich nicht alles Gold ist, was gedruckt wurde.

Entscheidend ist also, dass die von den Medien geschaffene Realität nicht zwingend mit der wahren Realität kongruent ist. Man sieht dies beispielsweise darin, dass die Medienlandschaft in überwältigender Mehrheit positiv gegenüber dem Militäreinsatz in Afghanistan und negativ gegenüber Mindestlöhnen eingestellt ist und oftmals den Anschein erweckt, als ob dies eine Art Konsens sei, obwohl die Bevölkerung zu rund 70 bis 80% gegenteiliger Ansicht ist. Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass die Medien in irgendeiner Art und Weise neutrale und zur Objektivität fähige Beobachter wären; sie sind subjektiv handelnde Akteure. Trotzdem haben sie natürlich für unsere Information ihren Nutzen, wir müssen uns nur dieser Tatsache bewusst sein und einen gewissen inneren Filter etablieren.

Links:
Die Medien trifft keine Schuld (Niggemeier) 
Die Fußballreporter von Berlin (Sprengsatz)

Kommentare:

  1. Sehr guter Beitrag aus meiner Sicht.

    Anmerk.: Oben am besten klar unterscheiden zwischen "Realität" und "Wirklichkeit". Hoch philosophische Debatten können entfacht werden, wenn man die beiden Begriffe vertauscht.
    Meiner Ansicht nach ist "Realität", das was die Medien schaffen und die "Wirklichkeit" ist das, was hinter den endlosen "Realitäten" steckt.

    Frage: Wieso ist eher von "Die Medien"(tm) die Rede und nicht länger von "Die Presse"? Es scheint, dass nur noch in juristischen Sachen "Presse" verwendet wird.
    Ein Medium ist doch ein Träger von Inhalten - gut nach McLuhan ist auch die Wahl des Mediums eine Botschaft - aber irgendwie behagt mir der Begriff "Presse" noch eher.

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  2. Ich musste an deinen Artikel denken, als ich heute Nachmittag nach langer Zeit wieder mal die Printausgabe der FR gelesen habe.
    Ich hatte nach der Lektüre das Gefühl, genauso informiert zu sein, wie nach der Tagesschau.
    Die wirklich interessanten Artikel konnte man an einer Hand abzählen und hatten eher weniger mit den akuten und aktuellen Problemen bzw. Themen des Landes zu tun.
    Zum Kabinettswechsel in Wiesbaden gab es zwar drei Seiten, aber nichts Substantielles: nur ein halbseitiger Artikel darüber, dass es bei der Wahl Bouffiers offensichtlich keine Abweicher gab, zwei Artikel über den Groll der Taunus- und Osthessen-CDU darüber, dass sie nicht mehr im neuem Kabinett vertreten sind und einige nichtssagende Kurzbiographien über neue Minister, die gänzlich ohne die Erwähnung politischer Positionen auskamen (Die Biographien, nicht die Minister ;-) )
    Und nun bin ich so klug wie zuvor.
    Zum Glück hatte ich die Zeitung über einen Gutschein erworben....

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  3. Hallo Herr Sasse

    an Ihrem medienkritisch gemeinten Text zur angeblich "4. Gewalt" in Ganzdeutschland konnte ich nichts Grundsätzliches finden.

    Der Sarrassismus der letzten Wochen war eine in der letzten Augustwoche 2010 begonnene BILD-Campagne.

    Das hat sich sogar bei Telepolis-Heise, gewiß kein Linksblog, rumgesprochen


    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33301/1.html


    Die alte 68er Losung ENTEIGNET SPRINGER finde ich so richtig wie grundsätzlich,


    Gruß


    Zeitgenossin

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  4. Was genau ist Ihr Problem? Ich verstehe Ihre Kritik nicht ganz...

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  5. @Sasse


    Wieso soll ich´n "Problem" ham? Sie ham eins.
    Vermutlich oszilliert Ihr IQ irgendwo zwischen Zimmer- und Körpertemperatur ... lassen Sie Ihr´n IQ einfach mal messen ... wenn nicht heut noch dann spätestens übermorgen

    Gruß

    ZeitGenossin

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  6. Na Herr Sasse,


    hat´s geklappt bei Ihnen mit´m Gratis-IQ-Test im Netz? Und - zwischen 19 und 39? Oder doch mehr? Etwa 114? 117? Oder im großen Sprung nach vorn auf Anhieb gleich 140? Oder 170?

    Nachfragt ZeitGenossin am 18. Sept. 2010;-)

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  7. Sehr geehrter Herr Sasse,

    seit wenigen Wochen gibt es ein neues Radioprojekt im Netz – Jungle Drum Radio. Jan Karl-Heinz Bihy (yoice.net) und ich, Jürgen Apitzsch (denkbonus), wollen diesen Stream nutzen, um regelmäßige Sendungen zum aktuellen Weltgeschehen auszustrahlen.

    Dabei geht es uns neben der Information unserer Hörer vor allem darum, anspruchsvolle Blogs von Autoren mit Hintergrundwissen und analytischem Sachverstand vorzustellen, deren Themen in unsere Sendungen einzubinden und deren Sichtweise zu präsentieren. Auf diesem Wege wollen wir das Weltgeschehen so realistisch und faktentreu als möglich abbilden.

    Wenn Sie, was sehr schön wäre, Interesse daran hätten, dass wir auch Ihr Blog in unserer Berichterstattung berücksichtigen, dann würden wir uns über eine kurze Rückmeldung freuen, damit wir Sie in unsere Gästeliste aufnehmen können. Ihnen und Ihrer Arbeit wünschen wir auch weiterhin viel Erfolg

    mit besten Grüßen

    Jürgen Apitzsch
    --
    jungle-drum.de
    josch@jungle-drum.de

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  8. Ich bin heute über die Nachdenkseiten auf Ihren Blog und diesen netten Artikel gestoßen. Was mir an der Analyse noch fehlt, das ist der Sozialisationsaspekt heutiger Journalisten. Ich meine diese Impfung mit neoliberaler Ideologie durch die heutigen, teilweise privatisierten "Universitäten". Unübertroffen dazu (wenn auch "nur" auf Satire-Ebene) immer noch Volker Pispers "BWL Studenten - Die Gezüchteten Zahnrädchen Der Elite" von anno 2004 (http://www.youtube.com/watch?v=teHe-GRoyrY).

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  9. Bin ebenfalls über nachdenkseiten.de auf diesen Blog gestoßen worden, ... und bin erfreut. Gefühlt - also nicht verifiziert - erscheint mir die heutige Jugend zu "geduldig" mit den herrschen Medien und generell mit den Herrschenden. Da bekommt man hier im Blog ein wenig Hoffnung für die Zukunft.
    Die Medien sind nunmal Machtinstrument der herrschenden Klasse, da läßt auch Friede Springer nicht dran rütteln. Es geht - meiner Meinung nach, die muß ja nicht stimmen - nicht nur um Gewinne sondern auch um Steuerung der gesellschaftlich Handelnden. Zu den Medien:
    Ein Vortrag in HH machte mir kürzlich deutlich wie schädigend das Fernsehen ist, dabei besonders für Kinder und Menschen mit höherem IQ. Es verändert die Gehirnstruktur. Nun, ich selbst habe keinen, der flog raus bei Scharpings Lügen zu einem angeblichen Hufeisenplan März 1999; Sorge macht mir allerdings, daß ich immer häufiger "ferngesteuerte" Menschen treffe. Die Dinge tun, die sie nicht erklären können. Hilfreich waren da in letzter Zeit die Bücher von Robert Pfaller und Richard Sennett.
    Danke für diesen Artikel.

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