Mittwoch, 31. März 2010

Krieg als Normalzustand?

Von Frank Benedikt

Nachdem sich der Krieg im Irak unlängst zu einem siebenjährigen ausgewachsen hat, der medial aber kaum noch Beachtung findet, da es dort "recht ruhig geworden" scheint, ein kurzer Blick auf den Stand der Dinge dort, in Afghanistan und auf "Ökonomie".

Im nunmehr achten Jahr der US-geführten Invasion ist der Irak immer noch nicht zur Ruhe gekommen, auch wenn er zumindest bei den europäischen Medien unterhalb des Ereignishorizonts  gerutscht zu sein scheint und als quasi befriedet gilt. "Befriedet" aber sieht anders aus als das Bild, das allein die IBC-Statistik vom 22. bis zum 28. März zeichnet: Während die jüngsten Bombenanschläge in Moskau ein weltweites mediales Echo erzeugten, stellt sich die Frage, warum beispielsweise der Anschlag von Khalis am letzten Freitag, bei dem mehr Menschen getötet wurden, in den Medien praktisch keine Resonanz fand. Liegt es daran, dass wir inzwischen Bombenanschläge im Irak als "normal" empfinden und dies somit nicht mehr "News" sind oder ist es amtlichen Versuchen geschuldet, die Lage zunehmend als "stabil bis ruhig" zu propagieren? Diese Frage kann nicht so einfach beantwortet werden - schon gar nicht von einem simplen Blogger. Sicher, es läßt sich wohl festhalten, dass die Zahl der spektakulären Anschläge im Irak und damit auch die Zahl der Opfer zurückgegangen ist - aber um welchen Preis?

"Preis" ist auch ein gutes Stichwort für die Kosten dieses Krieges/dieser Kriege: Zwei US-geführte Koalitionen führen Krieg im Irak und in Afghanistan, seit sieben beziehungsweise neun Jahren - mit wachsenden Opferzahlen auf beiden Seiten und mit wachsenden Kosten. Die Verluste an Menschenleben wurden zumindest in den alternativen Medien bereits häufiger thematisiert und diese Verluste sind ja auch der wesentliche Grund, sich damit auseinanderzusetzen, nur kommt (nach Ansicht des Autors) ein Aspekt dabei zu kurz: Die ökonomischen Folgen des Krieges.

Rund 100.000 bis über 800.000 Tote im Irak und zwischen 18.000 und 300.000 Tote in Afghanistan - und die Aussicht auf weitere zahllose Opfer in nicht zu gewinnenden Kriegen - erlauben eigentlich nicht die Frage nach den Kosten, dennoch muß sie gestellt werden, da ja auch volkswirtschaftliche und letztlich soziale Dependenzen existieren. So stellte sie zum Beispiel Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 2008, in der Washington Post, so werden sie auch andernorts von weniger Prominenten gestellt und zumindest für die USA existiert ja bereits länger ein "Counter", der die rein finanziellen Kosten der beiden Kriege akkurat zu zählen versucht und festhält, dass mit dem Ende des laufenden US-Fiskaljahres im September die Eine-Billion-Dollar-Grenze überschritten werden wird.

Dass ein Entzug an Haushaltsmitteln in dieser Größenordnung nicht ohne Folgen für eine Gesellschaft bleiben kann, sollte keiner näheren Erläuterung bedürfen und Initiativen wie "National Priorities Project" oder "Brave New Foundation" opponieren nicht nur gegen Krieg, sondern versuchen auch deutlich zu machen, wie Leben und Geld anderweitig besser investiert werden  könnten - in Bildung, Sozialfürsorge und nachhaltiges Wirtschaften.

Natürlich lassen sich unter "Kriegsrecht" auch komfortabel Meinungen und der Schutz persönlicher Daten unterdrücken, nur gilt es zunächst, die "elementaren Interessen" wahrzunehmen, die dem folgenden Video durchaus entnommen werden können:


Eine Randnotiz noch zu (Al) Khalis: Dort beschirmen die USA derzeit eine lokale Terrororganisation, aber gemäß der gängigen Definition handelt es sich dabei ja um "unsere Terroristen", äh ... "unsere Schweinehunde",  die notwendig im Kampf gegen den Terror sind.

[fb]

Kommentare:

  1. Dazu paßt, dass die Oscars für einen ausgezeichneten Hollywoodfilm diesmal an einen US-Kriegsfilm gingen, den ich via DVD sehen durfte, und der mir - nicht allein - stellenweise als reine Kriegsproganda für die Kriege von George W. Bush (bzw. nun Barack Obama) vorkam: "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" von Kathryn Bigelow. Die Iraker im Film kamen mir alle vor als, erstens Al Quaida gesteuert, und wenn nicht naive, sehr rückständige Opfer. Ja, sogar ein Selbstmordattentäter dem der Bombenspezialist nicht helfen konnte wurde als hilfloses, benutztes Opfer hingestellt, aber da er ein Iraker war mußte der Bombenspezialist - statt zu helfen - zusehen wie der in die Luft flog. Andere Filmszenen waren auch nicht besser. Egal, der Film erhielt 6 Oscars, unter anderem als bester Film. Mein Fazit: Reine Kriegspropaganda.
    Leider sind Filme, die die Kriege der USA im Irak, und in Afghanistan, in realistischer Perspektive zeigen - eben ganz ohne US- bzw. NATO-Propanda - wohl erst in 100 Jahren zu sehen, wenn überhaupt. Die Wahrheit kommt ja erst nach so langer Zeit ans Licht, und manchmal gar nicht mehr....

    Gruß
    Bernie

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  2. Verhält es sich bei der Kriegsberichterstattung in Sachen Irak vielleicht so wie bei der über die Krise? Die darf ja auch nicht sein, und nach dem wohl dringenden Appell der Kanzlerin an die Medienfürsten (siehe Anmerkung Hr. Augstein), findet die ja auch kaum noch Beachtung in den Medien.

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  3. @Martin W.

    Eine gute Frage.

    Es ist ja nicht nur bei der Kriegsberichterstattung in Sachen Irak so, sondern auch in Afghanistan - Die Gegner der NATO-Truppen bzw. der USA kommen kaum in Berichten vor, und wenn, dann kommen einem diese Berichte vor als wären die von der CIA gesponsert.

    Ich bin wirklich so pessimistisch, und sehe, dass es vielleicht 100 Jahre geht bis spätere Generationen wirklich die ganzen Lügen über die Kriege im Irak, und Afghanistan, aus neutraler Sicht beurteilen können, d.h. übrigens zus. aus der Sicht der Opfer der NATO- bzw. US-Truppen und deren Geheimdienste....

    Gruß
    Bernie

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  4. Ergänzung:

    Man erkennt übrigens, am Beispiel der USA selbst, dass meine These, dass die Opfer, wenn überhaupt erst 100 Jahre später zu Wort kommen, gar nicht so abwegig ist. Die Native Americans haben nun erst unter Obama eine Entschädigung für das an ihnen begangene Unrecht erhalten, wenn ich richtig informiert bin. Die sogenannten "Indianerkriege" waren, nach heutigen Maßstäben, ein versuchter Völkermord, der teilweise sogar aufging. Eine Entschuldigung der USA? Sicht aus der Perspektive der Opfer der US-Kavallerie? Wie bereits erwähnt erst über 100 Jahre später ist man bereit darüber auch nur zu sprechen....von anderen Opfern der US-Interventionen ganz zu schweigen....Der "Hinterhof der USA" - Lateinamerika - wacht erst jetzt auf, und sieht die Geschichte aus der Perspektive der Opfer der US-Aggression - dank Chavez, Morales, Kirchner, Castro & Co.

    Die Antwort der USA? Ein Putsch in Honduras, der die Ausweitung dieser Kräfte auf den Rest des amerikanischen Kontinents verhindern soll, und die Unterstützung einer rechtsgerichteten Demokratur im Bürgerkriegsland Kolumbien....

    ...Fazit: Der nächste Konflikt ist schon vorprogrammiert....

    Die Bundeswehr- bzw. NATO-Truppen sollten schon einmal den Dschungelkrieg üben - unter lateinam. Bedingungen....

    Traurige Grüße
    Bernie

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  5. Hallo Frank,
    ich bin mit der Irak Body Count Zählung der getöteteten im Irak auf keinen Fall einverstanden! Die Lancet Studie (medizinisches Fachjournal) von 2006 ist von der Methode her geeigneter Standard, die Zahl der getöteten festzustellen. Irak Body Count zählt hingegen nur die getöteten, von denen in Medienberichten und vom irakischen Gesundheitsministerium berichtet wird, während die Lancet Studie (Deren Methode von der US Regierung zur Ermittlung der Toten in Darfur anerkannt wird) mit einer epidemiologisch korrekten Erfassung der Toten arbeitet. Dabei liegen realistische Zahlen bis heute bei mehr als 1 Mio. Todesopfer durch den Krieg.
    http://www.jhsph.edu/bin/k/m/Human_Cost_of_WarFORMATTED.pdf

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  6. Unbemerkt von der öffentlichen Debatte um Iran macht sich die US-NATO-Koalition auf einen weiteren Kriegsschauplatz gefasst, der weder mit Al Quaida noch Taliban etwas zu tun hat, sondern einfach die falschen - nämlich anti-neoliberalen - "Reformen" betreibt, zum Vorteil der Unter- und Mittelschichten in ihren Ländern:
    Kolonialkrieg gegen Venezuela?

    "[...]Niederländische Medien debattieren Möglichkeiten einer bewaffneten Auseinandersetzung mit Venezuela um koloniale Überseegebiete[...]"

    Quelle und kompletter Text:

    http://www.amerika21.de/nachrichten/inhalt/2010/apr/nl-725372.venezuela

    Gruß
    Bernie

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