Sonntag, 6. Januar 2008

Deutsche, Waffen, deutsches Geld, bleiben nicht allein in dieser Welt

...denn inzwischen sind auch deutsche Soldaten wieder daran beteiligt, vom Kap bis zum Hindukusch die unzivilisierten Eingeborenen mit den Segnungen der Zivilisation zu beglücken. Nun ist es nicht mehr das deutsche Wesen, das unter Kanonendonner exportiert wird, sondern die "westlichen Werte", was auch gleich den Vorteil hat dass man mit den früheren Konkurrenten gemeinsam das Land ausbeuten kann.
Doch in den oberen Etagen von Marine, Heer und Luftwaffe ist die Sorge groß: wie kann klein Michel gegen Marianne und Sam anstinken, mit diesen lächerlich kleinen Selbstverteidigungsstreitkräften? Schiffe, die die Ostsee patrouillieren und Soldaten, die Straßen bauen, das kann ja nichts werden! Deswegen haben findige Offiziere im Verbund mit noch viel findigeren Politikern Lösungen für das Dilemma gefunden.
Dilemma 1: Die Marine
Unsere Marine ist zu klein, das wusste schon Wilhelm II. Deswegen ließ er, mit bekanntem Ergebnis, ordentlich aufrüsten. Heute ist die Gefahr nicht mehr gegeben, die Franzosen dürfen indessen eine größere Flotte als die Engländer unterhalten ohne dass es zum Krieg kommt, da sollten einige deutsche Dickschiffe auch kein Problem sein, besonders, da man ja gar keine Flugzeugträger will. Stattdessen hat man bei Thyssen-Krupp, ebenfalls ein alter Bekannter aus den Schlachthaus-Europa-Tagen, vier "Fregatten" vom neuen Typ F125 bestellt. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie die ersten deutschen Schiffe seit 1945 sind, die Landziele beschießen können, zwei Jahre nonstop auf See operieren und den Anspruch der Bundesmarine, eine "Expeditionary Navy" zu sein, unterstützen sollen. Eigentlich sind es gar keine Fregatten, sondern Zerstörer (in Wikipedia werden sie als weltgrößte Fregatten bezeichnet), aber das kann man dem deutschen Steuerzahler wegen des brutal klingenden Namens wohl nicht verkaufen, "Fregatten" klingt da viel humaner und irgendwie mehr nach einem alten Weib als einer todesbringenden Kampfmaschine. Kostenpunkt der Chose: 2,6 Milliarden Euro, plus X.
Dilemma 2: Friedliche Soldaten
Dem Geiste des Grundgesetzes entsprechend sind deutsche Soldaten demokratische, voll integrierte Staatsbürger, die nicht schießen und Straßen bauen. Das ist doof, weil man sich dann an so viele Gesetze halten muss und auch noch ein paar Konventionen wie die aus Genf, weil man sich Sorgen um die Moral machen muss und und und. Da gibt es zum Beispiel dieses unsinnige Gesetz, nach dem Sanitäter keine Soldaten sind. Deswegen befiehlt der Vorgesetzte gerne mal, die Armbinde einfach abzulegen, das Gewehr zu ergreifen und dann Kampfaufgaben zu bewältigen. So richtig einfach und unbürokratisch, ganz dem Geist der neuen Zeit entsprechend - Edmund Stoiber wäre stolz.
Dumm nur, wenn ein paar Bohnenköppe nicht mitmachen. Eine Sanitätssoldatin in Afghanistan beispielsweise hat sich mit Verweis auf bestehendes Recht geweigert. Sapperlot! Sie wurde deswegen zu einer Strafe von 800 Euro verdonnert und nach Deutschland zurückbeordert, wo ihre Beschwerden von allen Gerichten abgeschmettert wurden. Kosten der Chose: Nur ein paar Bürgerrechte und zivilisatorische Errungenschaften.

Der Beitrag versteht sich als Satire.

Kommentare:

  1. nichts neues.
    Wer behauptet, dass dt. Soldaten nicht schießen, sondern nur mit Aufklärern und Tornados herumfliegen, den nenne ich einen Lügner.
    Wenn es heiß rangeht, dann wird bestimmt scharf geschossen. Nach einem Gespräch mit einem Ex-Veteranen aus Afgahnistan, der viel zu Gefechten erzählen konnte (was da stimmte kann ich natürlich nicht beurteilen), weiß ich, dass dt. Soldaten auch in Kämpfe verwickelt sind und eingesetzt werden.

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  2. Naja, wenn wir das übersetzten des britischen Expeditionskorps zur Unterstützung der Franzosen verhindern wollen macht diese Marinesache schon Sinn.

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  3. Wann begreift die Bundesregierung endlich, dass moderne Kriege nicht mit Waffen, sondern mit Geld geführt werden? Wann hören wir endlich auf, Geld in sinnlosen Auslandseinsätzen zu verbraten, dass man so schön in modernstem Kapitalkolonialismus nutzbringend verwenden könnte? Warum schicken wir bitte Soldaten ins Ausland - die will da doch eh niemand ernsthaft haben. Stattdessen könnte man mit ein paar geschickt verschobenen Zahlen wesentlich mehr erreichen. Aber das ist wohl in den Köpfen der oberen Zehntausend noch nicht angekommen. Die führen ihre Kriege immer noch in mittelalterlichem Stil mit Panzern und Soldaten. Peinlich, peinlich... die sollten mal Clausewitz lesen, da könnten sie eine Menge lernen...

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  4. Werter Shurak,

    insofern es sich um einen Satirebeitrag Ihrerseits handelt, bitte ich die folgenden Zeilen zu ignorieren.

    Ein Plädoyer für einen "modernen Kapitalkolonialismus"? Meinen Sie das ernst? Wenn ja, sollten sich das Ding beim Namen nennen und aus dem "modernen" einen "mordenden Kapitalkolonialismus" machen. Da wirkt der "direkte Krieg" ehrlicher, denn da weiß man, wer der Feind ist, während jede Form der versteckten Ausbeutung wie an ein Anrennen an unsichtbare Mauern erinnert.

    Nein, es ist der schöne Schein des Liberalismus, des radikalen Laissez-faire, keine Soldaten mehr ins Ausland zu schicken, sondern das Ausland auszubeuten. Wirtschaftlich motivierter Rassismus!

    Und was, mit Verlaub, sollten die Krieger heutiger Zeit bei Clausewitz lernen, was nicht selbst schon wüßten, bzw. selbst so praktizieren: "Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mittel."

    Aber ich bin frohen Mutes, daß sich dahinter Satire verbirgt. Ich will nicht immer vom Schlechten ausgehen, auch wenn uns die Erfahrung lehrt, daß das angenommene Schlechte oft noch besser ist, wie das eintretende Schlechte.

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