Sonntag, 20. April 2008

Die soziale Verträglichkeit des Studiums - ermöglicht durch Pillenschlucken?

In der Süddeutschen Zeitung ist ein durchaus wichtiger Beitrag zum Thema Studienfinanzierung erschienen, der eine kaum thematisierte Schlagseite beleuchtet: die medizinischen Versuche, bezahlt und risikoreich.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Studenten ständig Angebote für (schlecht) bezahlte Medizintests erhalten. Im Gegensatz zum bei der SZ erwähnten "Schwarzen Brett" kommen diese Angebote bei uns per Uni-Mail. Ich habe mich selbst einmal für einen solchen Versuch gemeldet, weil ich dringend Geld brauchte. Ich habe eine dreistündige Voruntersuchung gemacht (die im Gegensatz zu vielen anderen solchen Versuchen extra mit 20 Euro vergütet war) und hätte dann an drei Terminen Medikamente schlucken sollen, deren Nebenwirkungen bestenfalls mit unbekannt eingestuft werden dürften - eine lange Liste möglicher, die sich nicht gerade erbauend las. Jeder Termin hätte über drei Stunden gedauert, insgesamt Vergütung: 50 Euro. Dafür, dass ich nachher vielleicht permanente Folgeschäden habe? Ich habe dankend abgelehnt.
Immerhin hatte ich bisher das Glück, niemals so dringend auf Zusatzeinnahmen angewiesen zu sein, dass ich das hätte machen müssen. Doch laut der SZ boomt das Verpflichten von Studenten für solche Versuche. Besonders angenehm ist das nicht.

Kommentare:

  1. Ein Freund von mir hat nun schon zweimal bei stationären Medikamententests von einer Woche Dauer mitgemacht und dafür 1-2000 Euro kassiert. Ums Geld geht es ihm dabei nicht, zumindest ist er darauf nicht angewiesen, da seine Eltern reich sind und er nicht minder. Für ihn ist das Spaß und Protest gleichzeitig, von dem so verdienten Geld hat er sich einen Urlaub nach Paris finanziert.

    Passt allerdings nur bedingt zum Thema, zugegeben. ;)

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  2. Ist doch klasse, dann sind die zukünftigen "Leistungsträger" am Ende des Studiums gleich chronisch krank oder behindert. Spätestens jetzt sollte jeder begreifen, dass es bei Studiengebühren und der mangelhaften Finanzierung des Studiums nicht um Chancengleichheit oder Steuergerechtigkeit geht, sondern darum das die bequemen Party-Studenten aus dem Bürgertum weniger Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt haben.

    Gruß

    Alex

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