Mittwoch, 23. April 2008

Und er steigt und steigt und steigt

Die Rede ist, natürlich, vom Euro. Die Marke von 1,60$ hat er nun durchbrochen, und das nicht, weil die US-Notenbanken wieder irgendwelchen Unfug getrieben hätten. Der Schuldige ist, oberflächlich, in der Person des französischen EZB-Ratsmitglieds Christian Noyer zu finden. Der hatte, in einem kleinen PR-technischen Desaster, weitere "Zinskorrekturen" der EZB nicht ausgeschlossen. Im Rückschluss darauf, dass dies bisher immer "nach oben" bedeutet hat, schoss der Euro über die 1,60$, auch wenn Noyer sich zu versichern beeilte, es wären natürlich auch Senkungen möglich. Das macht seine Aussage etwa sinnvoll wie die stets richtige Wettervorhersage ("Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist" analog zu "Die EZB kann die Zinsen verändern, und sie kann das nach oben und unten").
Aber Noyer als Sündenbock herzunehmen ist trotz dessen offenkundiger Ungeschicklichkeit zu kurz gegriffen.
Die EZB sieht ihre Aufgabe - und das betont Noyer ebenfalls - praktisch ausschließlich darin, einen Anstieg des Inflationsnniveaus von derzeit etwas über 3% zu verhindern. Im Gegensatz dazu steht die amerikanische Fed, die auch auf Wachstumsziele hin orientiert ist. Laut Noyer gilt es als vordringlich, eine Lohn-Preis-Spirale (sic!) zu verhindern. Dass das Problem viel eher eine Preis-Lohn-Spirale wäre, wird hier eher verschwiegen, denn die Preise steigen zwar mit beängstigender Zuverlässlichkeit in jedem Jahr, die Löhne stagnieren dagegen seit 25 Jahren - ohne dass die erhofften Wachstumseffekte eingetreten wären. Dass die exportorientierte europäische (und speziell die deutsche) Volkswirtschaft von einem starken Euro auch nicht gerade profitiert, kommt noch hinzu.
Wichtig wäre es deswegen, die extrem schädliche Fokussierung der EZB und der Bundesbank auf das Inflationsnniveau aufzuheben und stattdessen eine zweite Variable in Form des Wirtschaftswachstums einzufügen - und damit ähnliche Wachstumserfolge wie die USA zu erzielen.

Kommentare:

  1. Vielleicht hat er entsprechende persönliche Währungsdepots und braucht ein paar Millionen mehr.

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  2. vielleicht helfen konsturkive kommentare.

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  3. Der Dollar ist seit langem überbewertet. Seit 1975, das letzte Jahr mit einer positiven Außenhandelsbilanz, importieren die USA mehr als sie exportieren. 2006 betrug das Handelsbilanzdefizit happige 838,3 Mrd. Dollar. Folge: Eine enorme Verschuldung gegenüber dem Ausland, Ende 2006 waren es netto 6.930 Mrd. Dollar. Die Dollar muss an Wert verlieren, weil die USA sonst beim Export nie wieder von den Schulden runterkommen. Und sich endlos verschulden geht nicht.

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  4. Es war ja nur so, dass der Rest der Welt lange Zeit dazu bereit war das Defizit durch Kapitalanlagen zu finanzieren...

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  5. ja und?
    Immerhin hat das die Weltwirtschaft jahrelang angetrieben...

    Aber zum Thema:
    Ich finds lustig, dass man hier gerade die amerikanische Notenbank als Positives Beispiel anführt.
    Sie hat jahrelang das Wachstum künstlich befeuert (bei hoher Inflation) und ist jetzt offensichtlich ziemlich hilflos.

    Meiner Meinung nach ist das die größte Stärke der EZB:
    Eben NICHT für Wirtschaftswachstum sorgen wollen, sondern die Preisniveaustabilität zu erhalten.

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  6. Nun, die EZB war gegenüber der nun angestiegenen Inflation ebenso hilflos. Und was an dem Wirtschaftswachstum der USA "künstlich" sein soll, weiß ich auch nicht - das waren über Jahre stabile Wachstumsraten, die deutlich über unseren lagen und liegen.
    Und die aktuelle Krise der USA liegt wohl wenigerbei der Fed zugrunde als vielmehr in der Subprime-Krise.

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  7. "Künstliches" Wachstum gerade deshalb, weil auf Pump finanziert und durch hohe Inflationsraten relativiert...

    Und ja die Subprime-Krise ist unter anderem schuld. ABER: Warum waren die Kredite für die Banken so billig?
    Richtig, weil der Leitzins der FED so niedrig war.

    Und wir hatten die letzten Jahre eine Deflation.

    Die Inflation kam recht überraschend und Änderungen im Leitzins wirken sich eben inflationstechnisch nicht so schnell aus...
    Ich finde die EZB macht das gerade klasse...keine übereilten Reaktionen, abwartend.
    Normalerweise hätte sie den Leitzins ja jetzt erhöhen müssen. Hat sie aber aus Rücksicht auf die US-Wirtschaft und der europäischen nicht.

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  8. Nun, die Subprime-Krise lag sicher nicht an den niedrigen Zinsen. Es waren eher die laxen Vergabebedingungen über mortgage broker, die zwar Provision kassierten, aber nicht verantwortlich waren. Das haben die Banken sich vollkommen selbst zuzuschreiben.

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  9. die niedrigen Zinsen haben sie aber begünstigt.

    Banken können ja wohl nur Unmengen an Krediten vergeben, wenn sie selber billig an Geld kommen... Muss sich ja rechnen...

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  10. ok, nachtrag:

    Hätte sich ja irgendwie rechnen sollen :-D

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  11. Natürlich spielt das auch mit rein, aber es ist eben nicht der Hauptpunkt.

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