Dienstag, 21. Oktober 2008

Zitat des Tages

Im Moment in der Vorlesung gehört:

"Das Kaiserreich hatte mehr Meinungsfreiheit als wir heute. Mommsen konnte einen Prozess gegen Bismarck führen und gewinnen, und wenn man sich die Literatur des späten 19. Jahrhunderts ansieht erkennt man, dass die Leute damals gesagt haben was sie wollten und gestritten haben für was sie wollten. Das ging deshalb, weil es damals keine politische Korrektheit gab. Das ist heute nicht mehr möglich."
- Prof. Kolb

Kommentare:

  1. Glückwunsch zu diesem Professor. Was Du in dem zweiten Blogbeitrag von heute schreibst, ich meine dort speziell das über die Medien, so wäre an Joseph Roth zu erinnern, der noch zur Zeit des Kaiserreiches für jene Tageszeitung aus Frankfurt schrieb, die heute FAZ heißt.
    Und der ein Anhänger der österreichischen Monarchie war, weil diese ein Vielvölkerstaat war, das heißt, sie ermöglichte es - für Roth - daß menschlicher unterschiedlicher Religion und Herkunft friedlich zusammenleben konnten. (grob aus dem Geächtnis zitiert)

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  2. sorry, es muß richtig heißen:
    .... sie ermöglichte es - für Roth - daß Menschen unterschiedlicher Religion und Herkunft friedlich zusammenleben konnten.

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  3. Klar, solange man nicht etwa
    - arm war,
    - systemkritisch war,
    - eine Frau war...
    ... konnte man jederzeit sagen, was man wollte.

    2 Fragen zum Schluß:

    Der ist doch nicht vielleicht Prof. für Geschichte oder Gesellschaftswissenschaften?

    Kriegt man in diesen Fächern seine Habil jetzt bei Woolworth? Wenn ja, nehme ich auch eine.

    bel

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  4. Weil jemand so eine Aussage machte, eine mutige und aufklärerische Aussage, deswegen ist er also ein Discounter-Professor? Dazu hat der Leser Bel wahrscheinlich nicht einmal begriffen, was uns das Zitat auf soziologischer Ebene sagen will.

    Manchen wäre das Klappehalten wirklich dringend vorzuschreiben.

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  5. Womit wir dann wieder beim Thema Meinungsfreiheit wären ;-)

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  6. ...womit wir nicht nur beim Thema Zensur wären: Herr j.r. pont übersieht, dass er beim "mit dem Finger zeigen" mit 3 Fingern auf sich selbst gezeigt hat: der Professor hat möglicherweise wirklich unerhörtes gesagt, kann man aber aus dem kurzen Zitat nicht ersehen. Wenn Mommsen gegen Bismarck prozessieren konnte, dann heißt das noch nicht viel - beide Teil der Elite. Was ist mit der Jagd auf SPD'ler oder Katholiken? Beides zu Zeiten Bismarcks geschehen. Was mit der deutschnationalen hetze unter Wilhelm 2?
    Und letzten Endes: das politisch korrekte an sich ist doch nicht böse, die Ausprägung, die das heute erfährt, die ist das Problem: "Wenn Du nicht meiner Meinung bist, heiße ich Dich einen Faschist."

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