Montag, 11. Februar 2008

Türkische Schulen? - Gedanken zur Intergration

Der türkische Premier Erdogan hat in einer Rede den Vorschlag gemacht, in Deutschland doch türkische Schulen und Unis einzurichten. Dies sei kein Aufruf gegen Integration, sondern solle dieser helfen, denn wer seine eigene Sprache nicht richtig beherrscht, kann auch keine fremde lernen.
Kaum gesprochen, brach ein Sturm der Entrüstung los, getragen besonders von den allzeit bereiten Springerbrigaden und der CSU. "Nationalismus" wirft Beckstein Erdogan vor, Huber warnt vor der Schaffung einer "Klein-Türkei". Überall wird ins ausländerfeindliche Horn gestoßen, wie üblich unter dem Deckmantel der "Integration". Dass der Spruch langsam nicht mehr zieht zeigt sich am Zusatz "nicht Assimiliation".
Doch was ist überhaupt davon zu halten? Unaufgeregtheit findet man selten dieser Tage. Die Türken stehen in Deutschland häufig stellvertretend für alle Ausländer und stellen mit 1,7 Millionen auch die deutlich größte Gruppe. Was also ist von der Idee zu halten, türkische Schulen und Unis einzurichten?
Ein Blick über den Gartenzaun lohnt sich. In der Türkei leben 25.000 Deutsche. Sie verfügen in Ankara über eine deutsche Schule (aus deutschen Steuermitteln finanziert), deutsche Metzger und deutsche Bäcker, um ihre Heimat zu erhalten. Insgesamt unterhält die BRD 117 deutsche Schulen im Ausland, hat 1700 Lehrer für diese angestellt und gibt jährlich 200 Millionen Euro - die Hälfte des Kulturhaushalts des Auswärtigen Amts - aus, um die "Förderung der deutschen Sprache" aufrecht zu erhalten.
An einer ganzen Reihe von deutschen Universitäten kann man ein Studium auf Englisch absolvieren, ohne deutsche Sprachprüfung, und keiner wundert sich darüber, dass das (ab der achten Klasse einsprachige) französische Gymnasium in Berlin Wartelisten führt. All diese Unternehmungen gelten als Beförderung der internationalen Verständigung, als Erfolge des Dialogs zwischen den Kulturen. Geht es aber um die Türkei und die Türken, gelten die Regeln nicht mehr. (Quelle)
Warum ist das so?

Tatsächlich gibt es die "Klein-Türkei", vor der sich Erwin Huber fürchtet, hierzulande schon lange, obwohl sie mit der großen Türkei nur wenig zu tun hat. Sie ist vor allem eine Folge einer großen und nicht enden wollenden politischen Unreife. Sie ist die Konsequenz einer arroganten Weigerung anzuerkennen, dass man mehr als zwei Millionen Einwanderer im Land hat. (Quelle)

Genau hier liegt das Problem. Doch es gibt auch noch ein anderes. Wenn Ali, der Türke, endlich jeden Sonntag Schweinebraten isst und sich zwischen den Ave Maria in perfektem Deutsch zur Demokratie und Gleichheit der Frau bekennt, während seine Kinder Hans und Jürgen die Universität besuchen - wird Bayern-Schorch ihm dann sein Lieschen zur Frau geben? Nein. Bayern-Schorsch wird Ali immer noch als Türke wahrnehmen. Lieschen wird jemand mit hellerer Hautfarbe heiraten. Wer dieses Fakt leugnet, ist blind.
Warum also sind die Türken immer Gegenstand heftigster Diskussion? Warum fordert man gerade bei ihnen so gebetsmühlenhaft ein Bekenntnis zur deutschen Sprache und Kultur, das sich in seiner Radikalität so nicht einmal im Kultusministerium findet, das zweisprachigen Unterricht in allen Schulen obligatorisch machen will? In Englisch, wohlgemerkt, nicht in türkisch.
Die Idee Erdogans hat nämlich etwas für sich - 117 deutsche Schulen im Ausland beweisen es. Warum also weigert man sich hierzulande so verbissen, entwickelt so ausgeprägte Beißreflexe gegen die Türken?
Wie will man [Erdogan] erklären, dass französische oder englische Schulen hierzulande willkommen sind, nicht aber türkische? Und wer wollte ihm die Wahrheit sagen: dass es hier nicht um Sprache oder Kultur, sondern um die Abwehr einer Unterschicht geht. (Quelle)
Weiterführender Link: ad sinistram

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