Mittwoch, 10. September 2008

Fundstücke 10.09.2008

"Er war überfordert"
DLF - Der SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi hat seiner Partei vorgeworfen, sie habe sich in den letzten zwei Jahrzehnten nicht den veränderten Bedingungen der Weltwirtschaft gestellt. Die Arbeitszeit in Deutschland sei zu kurz und die Stückkosten zu hoch. Kurt Beck sei an der Rückwärtsgewandtheit eines Drittels der SPD-Mitglieder gescheitert, die "glauben, eine Welt vor sich zu haben, die wie die Welt vor 50 Jahren aussieht", so von Dohnanyi.
Anmerkung: Wer einmal die typische Weltsicht eines SPD-Rechten lesen will, ist hier bestens beraten. Ich warne allerdings vor heftigem Erbrechen und der Bildung von Magengeschwüren.
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Die SPD kasteit sich selber
NZZ - Warum nun ausgerechnet dem Agenda-Mitgestalter Steinmeier die Zähmung der widerspenstigen Partei gelingen soll, ist nicht einleuchtend. Sicher, die Arbeitsteilung des neuen, dynamischen Duos ist klar: Steinmeier gibt die Richtung vor, Müntefering – der Mann, dem so gar nichts von der «sozialen Kälte» der Agenda-Politiker anhaftet – erklärt sie der Basis. Bei Lichte betrachtet erscheint dieser Modus allerdings auch nicht überzeugend. Müntefering ist zwar Meister darin, aufmüpfige Mitglieder durch Oden an schwielige Hände und Arbeitersolidarität zu sedieren. Doch das ist heute weitgehend Staffage: Bei seinem Wiederauftauchen in München hat er jüngst eindringlich für die Versöhnung linker Ansprüche mit der Agenda-Politik plädiert. Viele Linke betrachten ihn als Wolf im Schafspelz.
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"Diese Studien werfen mehr Fragen auf, als sie Antworten geben"
Telepolis - Seit Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre gibt es solche Vergleichsstudien. Am Anfang bezogen sie sich zunächst auf Daten, die in den einzelnen Ländern vorlagen, also zum Beispiel auf die Art der Schulabschlüsse und die Anteile der verschiedenen Absolventen. Es hat sich aber schnell herausgestellt, dass diese Daten nicht vergleichbar sind, und man begann, den "Output" der Schulen verschiedener Länder zu messen. Ein weiteres Problem ist, dass in der politischen Debatte suggeriert wird, mit den Ergebnissen von Studien wie PISA ließen sich politische Maßnahmen sozusagen wissenschaftlich begründen. Es ist außerordentlich schwierig, interkulturell aussagekräftige Tests zu entwickeln, international vergleichbare Stichproben zu bilden. Und vor allem auch den Kontext, in dem die Leistungen stattfinden, international vergleichbar zu erfassen. Aber diese Studien beweisen nichts. Sie sagen nichts darüber, wie man ein Bildungssystem gestalten muss. Sie werfen höchstens Fragen auf und regen zum Nachdenken an.
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Münte, was nun?
SZ - Hinter allzu großen Erwartungen steckt ein Missverständnis. Der bisherige SPD-Machthaber Kurt Beck war zuerst und vor allem hinderlich für die eigene Partei, das Land insgesamt hat ganz andere Probleme. Deutschland krankte bisher nicht an einem schwachen SPD-Chef, sondern an weitgehend verlorenen vier Jahren in der Wirtschaftspolitik.
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Widerliches TV
Knowledge brings fear - In der Schule meines Sohnes wurde gerade in der Elternversammlung debattiert, ob die Klasse an einem “TV-Projekt” teilnehmen möchte. Sozial sollte es sein, engagiert und interessante Fragen aufwerfend. Das Konzept, mit dem plakativen Namen “Geld zu Verschenken”, geht etwa so: man castet sich über solche Anzeigen ein paar notleidende Menschen zusammen. Die dürfen sich dann, getrieben von der Aussicht auf den Gewinn von 5000 Euro, einmal komplett exhibitionieren und erklären, warum gerade sie besonders bedürftig sind. Dann nimmt man sich eine Gruppe behüteter Gymnasialschüler und lässt sie entscheiden, welches der drei auf möglichst telegenes Notleiden zurechtgecasteten Opfer die 5000 Euro bekommt.
Anmerkung: Wie unterste Schublade hätten Sie es denn gerne? Ich empfehle für weitere Kommentare den verlinkten Artikel.

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Kommentare:

  1. An welchem Satz des Interviews hat bei dir der Brechreiz angefangen? Ich finde es durch und durch eigentlich ziemlich gut.

    "Mein Lieblingssatz über die Linke:
    Aber solche Dummköpfe, die solchen Unsinn sowohl außenpolitisch wie innenpolitisch vertreten, die glauben, man könnte wieder die Energiewirtschaft verstaatlichen, während man sie gleichzeitig in Europa verflechten muss, solche dummen Leute, die solchen Unsinn erzählen, mit denen kann man nicht koalieren, auch wenn man mit ihnen reden kann und auch ein Glas Bier trinken."

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  2. Das häufige Pöbeln des Enfant terrible Wolfgang Clement gegen Sozialschwache und sein andauerndes Stänkern gegenüber der eigenen Partei ist ärgerlich und überflüssig wie ein Kropf. Das vornehme Gesabbel des Klaus von Dohnanyi ist aber um keinen Deut besser und für die Volkspartei SPD einfach nur noch peinlich.

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  3. Man könnte das auch Pluralismus nennen...

    Und das war keine Antwort auf meine Frage :-)

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  4. @ "heuschrecke"

    Wo gibt es in der SPD heute noch Pluralismus? Wenn das, was gegenwärtig dort abläuft, etwas mit Meinungsfreiheit und -vielfalt zu tun haben soll, dann möche man nicht wissen, wie es aussieht, wenn bei den Genossen erst mal autoritäre Seiten aufgezogen werden. Bessser spricht man aber auch nicht mehr von Genossen, das hört sich zu sehr nach Solidarität an - und von dieser Art gelebter sozialdemokratischer Solidarität dürfte aber (nicht nur) Kurt Beck die Nase voll haben.

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  5. Nunja, ich würde mal sagen, dass alleine die bloße Existenz von 2 Flügeln schon einiges mit Pluralismus zu tun hat.

    Dass das bei der SPD immer in Intrigen und Machtkämpfen ausarten muss...ist ne andere Geschichte

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  6. Zwei Flügel? Die Clements und die Dohnanyis also. Interessant.

    Nur, daß man weder mit den einen noch den anderen "Flügeltieren" sprechen kann. Der Clemnet-Flügel duldet sowieso keine "abweichenden Meinungen"; und der Dohnanyi-Flügel kommt zwar jovial daher, macht sich aber nicht weniger arrogant über Andersdenkende her.

    Nur gut, daß Münte jetzt Schluß macht mit dem Pluralismus und parteiinternen Konformismus befiehlt. Die Alibi-Linke Nahles hast du richtigerweise nicht auf deine Rechnung gesetzt.

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  7. Diese "Alibi-Linke" hat die Schröderianer schonmal geärgert ;-)

    Und dass die Linken in der SPD sich nicht dauerhaft durchsetzen können ist aus meiner Sicht ihr Problem.

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  8. Mit einem "am Bart zwirbeln" bei den Schröder-Leute sollten man sich nicht zufriedengeben. Deshalb sind viele Linke aus der SPD raus und bei der Linkspartei rein. Das wiederum ist für die SPD ein Problem.

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