Freitag, 26. September 2008

Die Unbelehrbaren

Thilo Sarrazin ist bereits so oft negativ aufgefallen, dass er sich gedacht haben muss, es käme auf ein weiteres Mal nicht an. Nachdem er einen Hartz-IV-Speiseplan erstellt und später erklärt hatte, wenn es zu kalt sei müsse man eben einen Pullover anziehen, will er nun in Berlin weiter Stellen streichen.
Berlin steht vor einem riesigen Schuldenberg (rund 60 Milliarden Euro, die überwiegend der CDU zu verdanken sind) und muss sparen, zudem versuchen Baden-Württemberg und Bayern seit Jahren, die Bundeszuschüsse für das chronisch klamme Bundesland ("Arm aber sexy") zu streichen, was den finanziellen Kollaps nur beschleunigen würde. Seit 2001 hat sich die Anzahl der Stellen im Öffentlichen Dienst von 133.000 auf 108.000 verringert, und es ist erklärtes Ziel der Koalition, diese bis 2011 auf 100.000 Stellen zu streichen. Dazu kommt, dass der 2009 auslaufende Solidarpakt mit den Beschäftigten starke Gehaltskürzungen beinhaltete.
Sarrazin nun spricht sich dafür aus, die Zahl der Beschäftigten nicht nur auf 100.000 zu senken, sondern sogar auf 93.500. Das bedeutete dann zwar, dass die Verwaltung nicht mehr richtig funktioniert, aber das ist einem zupackenden Reformer wie Sarrazin ja erstmal egal. Irgendwelche Konsequenzen seiner Vorschläge waren ihm ja bisher auch immer egal.
In meinen Augen zeigt dieser "Vorschlag" wieder einmal die unglaubliche ideologische Verblendung bei gleichzeitiger Inkompetenz der herrschenden Eliten. Die Angestellten des Öffentlichen Dienstes, deren Entlassung Sarrazin Millionen sparen soll, belasten doch die öffentlichen Kassen danach sofort wieder - als Arbeitslose. Die Kosten werden fast dieselben sein, nur die Bedingungen sind dann fürchterlich - 17.000 Arbeitslose mehr, die keine Stelle finden und deren Leben durch die Unterdrückung der Argen den Bach hinunter geht und eine kaum mehr funktionsfähige Verwaltung. Sarrazin sollte nur noch eine Stelle streichen - seine eigene.

Kommentare:

  1. >>Sarrazin sollte nur noch eine Stelle streichen - seine eigene.<<
    Volle Zustimmung.
    grüße
    kb

    AntwortenLöschen
  2. Was Du über die dann neu dazugekommen Arbeitslosen schreibst, dass kann ich nur unterstreichen.

    Ich bin selbst aus dem Öffentlichen Dienst, hänge derzeit in einem - in der Luft hängenden - Billigjob rum, und hoffe nicht wieder der Arbeitsagentur zur Verfügung zu stehen.

    Ich hätte da einen Vorschlag, aber ich weiß ganz sicher wie der ausgeht, da ich selbst schon auf die Idee gekommen bin:

    !Die arbeitslosen Verwaltungsangestellten sollen sich, statt arbeitslos zu spielen, direkt bei der ARGE bewerben!

    Mir wurde dort 2 x eine Absage offeriert, und einmal erhielt ich fast eine Leistungskürzung als ich beim Vorstellungsgespräch, der, damals noch, als Arbeitsamt bezeichneten, Arbeitsagentur.

    Nur mit tatkräftiger Hilfe einer hiesigen Arbeitslosenselbsthilfegruppe konnte ich das Mißverständnis klären, und erhielt weiter meine Leistungen - bin aber nun aktenkundig, da ich mich gewehrt habe.

    Tja, ansonsten halte ich die Idee das Sarrazin seine eigene Stelle streichen soll auch für eine super Idee - er soll nur die anderen neoliberalen PolitikerInnen mitnehmen, damit die mal die Erfahrung der anderen Seite machen statt ständig über etwas zu entscheiden von dem die keine Ahnung haben.

    Soll ich noch erwähnen, dass ich keine Umschulung erhalte, da ich gesund bin, und außerdem keine Alternative in einen anderen Beruf habe, weil mein Beruf angeblich ein sehr spezieller Beruf (der des Verwaltungsangestellten, der kein kfm. Beruf ist) sein soll. Eine Aussage, die ich heute immer noch nicht verstehe, da ich sehr wohl kfm. Inhalte während meiner Ausbildung hätte, ergo auch als Bürohilfe durchgehen könnte.

    Gruß
    Nachdenkseiten-Leser

    PS: Übrigens wundert mich, dass der Staat noch Unterstützung in der Öffentlichkeit hat, denn eigentlich hat ein Staat, der so mit seinen "Dienern" umspringt -ich rede hier von den "kleinen" Verwaltungs- sowie Krankenhausangestellten etc. und Arbeitern im Öffentlichen Dienst - seine Existenzberechtigung für mich verloren, und sollte einem besseren Gesellschaftssystem Platz machen.

    AntwortenLöschen
  3. Noch was:

    Ich durfte damals - als ich den Beruf erlernte - noch auf etwas, worauf jeder Politiker/jede Politikerin mit Ausnahme der Linkspartei heute scheißt, einen wörtlichen Eid schwören:

    Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

    Dem ich mich - im Gegensatz zu Merkel/Westerwelle/Müntefering & Co. - heute noch 1:1 verpflichtet fühlte...

    Ich bin da kein Heuchler, wie die die uns heute regieren!

    Gruß
    Nachdenkseiten-Leser

    AntwortenLöschen
  4. Man hätte eben damals die landeseigene BGB pleite gehen lassen sollen, anstatt sie zugunsten der Investoren und zulasten des Landeshaushalts zu retten. Und wenn ich das Ganze mit den heutigen Bankpleiten vergleiche, wäre das Bankensystem dadurch gewiss nicht kollabiert.

    AntwortenLöschen
  5. Ich finds lustig, dass ausgerechnet die Linke als Gralshüterin der Verfassung hingestellt wird, aber nun gut.

    Zur Sache:
    Die Frage ist doch: Braucht Berlin diese Stellen? oder nicht?
    Das ist der einzige Maßstab, der angelegt werden sollte. Denn nur um Arbeitslose zu vermeiden künstlich die Verwaltungen aufzubauschen, hat ja auch keinen Sinn.

    Wenn man die Stellen wirklich braucht und an anderen Stellen nicht (noch mehr) sparen kann. Dann bleibt eben nur eins: Die Fusion mit Brandenburg.

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.