Dienstag, 15. Juni 2010

Buchbesprechung: Thomas Hofer - Die Tricks der Politiker

Von Stefan Sasse
Seit es das Berufs-Ansehens-Rating gibt, rangieren Politiker zusammen mit den Journalisten auf den untersten Plätzen. Man hält sie für notorische Lügner, wirft ihnen beständig das gebrochene Wahlversprechen vor (ist aber immer schizophren genug, um im Falle ehrlicher Wahlaussagen eine andere Partei zu wählen) und hält das Geschäft allgemein für schmutzig. In Deutschland kommt dazu noch eine traditionelle Parteien- und Parlamentsfeindlichkeit. Dabei ist Politik gar nicht so schmutzig, man muss nur verstehen, um was es eigentlich geht. Die Vorstellung, dass die Klügsten des Landes zusammensitzen und Ideallösungen erstellen ist eine naive Vorstellung, die kurz hinter der von der „unsichtbaren Hand“, die den Markt zu aller Vorteil regelt, rangiert.


Thomas Hofer räumt mit diesen Vorurteilen auf. Es ist bezeichnend, dass sein Buchtitel mitsamt dem zugehörigen Cover genau auf der Klaviatur der Ressentiments gegenüber der Politik spielt, mit denen er im Inhalt dann eigentlich aufräumt. Es geht nämlich nicht um „Tricks der Politiker“, sondern schlicht um die Arbeitsweise moderner Politik im Medienzeitalter. Diese wird von Hofer, der gebürtiger Österreicher ist, am für Deutsche nicht immer sofort einleuchtenden Beispiel der österreichischen Bundestagswahlen deutlich gemacht; auch Obamas Kampagne findet sich aber immer wieder beispielhaft erklärt.
Doch zur Sache, um was geht es in dem Buch eigentlich? Thomas Hofer, seines Zeichens Politikberater, erklärt wie man eigentlich Wahlkämpfe führt und Botschaften kommuniziert. Das ist natürlich Gift für jeden, der sich ohnehin über den fehlenden Idealismus in der Politik ärgert, aber es ist nun einmal Realität – und wenn man erkennt, welche Mechanismen genutzt werden, kann man hinter die Kulissen sehen und die relevanten Informationen herausfiltern. Außerdem macht es Spaß, einen gut gemachten Wahlkampf zu beobachten, wenn man versteht wie so etwas eigentlich wirklich funktioniert – vergleichbar mit einem Fußballspiel, wenn man alle Regeln und die Besonderheiten der Spieler kennt.
Im ersten großen Kapitel, „Kalkül ist alles“, befasst sich Hofer mit den Strategien und Taktiken von Politikern. Dazu gehört die Gesprächsführung, die zu dem bekannten Problem führt, dass Politiker eigentlich keine Aussagen treffen, sondern nur leere Wortungetüme erschaffen, eine Disziplin, in der Merkel etwa stets brilliert. Er bespricht dabei auch die Taktiken, mit denen man Angriffe des Gegners voraussieht und eigene Stärken betont. Im zweiten Kapitel „Die Macht der Emotion“, erklärt er wie Politiker Emotionen wecken, nutzen oder gezielt unterdrücken. In „Die Geschichten-Erzähler“ werden einige stereotypische Geschichten erklärt, die Politiker gerne über sich erzählen, zum Beispiel die vom aufrechten Kämpfer für Recht und Ordnung. Die letzten beiden Kapitel beschäftigen sich mit der Kunst vom Angriff und vom Kontern politischer Angriffe. Dabei lernt man beispielsweise auch, wie man Angriffe führt, ohne dafür einen schlechten Ruf zu bekommen, wie man feinsinnige Bemerkungen oder brutale Schläge anbringt und wie man auf solche Angriffe reagieren kann.

Es gelingt Hofer dabei, ein leicht geschriebenes und ebenso gut lesbares Buch zu schaffen. Seine Beschreibungen machen richtig Lust darauf, das neu erworbene Wissen gleich anzuwenden. Man erkennt dann, welcher Politiker etwas von seinem Geschäft versteht und wer nicht. Der NRW-LINKE-Fraktion würde man das Buch nur allzu gern ans Herz legen, wenn man deren Kommunikations-GAU vor Augen hat. Wer sich für Politik interessiert und endlich wissen will, warum die Politiker eigentlich sagen was sie sagen, dem sei dieses Buch anempfohlen. 

Diese Rezension erschien erstmals auf dem Roten Dorn, der auch für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars sorgte.  



Kommentare:

  1. ich glaub, das könnte dazu passen:

    http://www.youtube.com/watch?v=LnfLhDd-Tss&playnext_from=TL&videos=JVI13A5UWec&feature=grec_index

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  2. "Wer nach oben will, muß vor allem die richtigen Fähigkeiten haben:Er muß sich verstellen können, die Interessen und Schwächen seiner Mitmenschen richtig einschätzen und ausnutzen, Helfer und Beschützer mobilisieren und im geeigneten Moment das Lager wechseln können."
    Maurice Joly - Das Handbuch des Aufsteigers - 1867

    Kraft will ihrem Clement den letzten tiefen Blick tun, das Sparpaket und vor allem die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke nicht gefährden.

    Werden die Grünen das Lager wechseln, wenn Rüttgers anbietet, die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke zu verhindern?

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