Montag, 14. Mai 2007

"Wirtschaftsexperten" bei der Arbeit

Der "Sachverständigenrat" unter Oberlobbyist Bert Rürup meldet sich wieder einmal zu Wort und stellt blödsinnige Behauptungen zum Thema Mindestlohn in den Raum. Jeder Mindestlohn über fünf Euro vernichte Arbeitsplätze, einer von 6,50 Euro über 460.000, einer von 7,50 Euro (der Gewerkschaftsforderung) sogar über 620.000. Woher diese Phantasiezahlen kommen weiß niemand.

Kommentare:

  1. Nun ja, mittlerweile ist es den Wirtschaftswaisen und den sonstigen Experten zu gefährlich geworden noch mit echten Zahlen zu argumentieren.

    Im Auftrag der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten lügen sie jetzt einfach ohne Hintergrundzahlen, das macht es ihnen leichter.

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  2. @ Jochen:

    Wenn man die Bevölkerung über Jahre mit neoliberaler Propaganda verdummt hat, braucht man irgendwann keine Fakten mehr. Siehe dazu nur den Artikel zu TINA auf dem Politblog.

    Gruß

    Alex

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  3. Diese Leute haben mehr Ahnung von Wirtschaft als der gesamte Bundestag und mehr als ihr zwei je haben werdet. Von daher wäre ich mit solchen Äußerungen vorsichtig.

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  4. Diese Leute haben in der Tat sehr viel Ahnung von Wirtschaft, aber dafür umso weniger Ahnung von Menschen. In meinem Weltbild steht in einem Staat immer noch der Mensch im Mittelpunkt und nicht eine parasitäre Wirtschaft, die die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer macht. Dumm nur, dass irgendwann die Menschen als Risikofaktor dazukommen und die Ausbeuter samt ihrem "Experten" einfach am nächsten Laternenmast aufknüpfen könnten. Aber daüfr errichtet und Schäuble ja gerade den Polizei- und Überwachungsstaat 2.0, der uns direkt in eine wirtschaftsfaschistische Diktatur führt, die in der Retrospektive als Deutsches Reich 4.0 genannt werden wird.

    Und wieso sollten Menschen mit gesundem Menschenverstand sich nicht Kritik an "Experten" erlauben, die sich willig als wissenschaftliche Mietmäuler für neoliberale Think Tanks verdingen? Solche käuflichen Figuren stehen in meiner Wertschätzung noch unterhalb einer Amöbe.

    Also immer schön aufpassen, wenn Du an Laternenmästen vorbeigehst, Freibeuter. Vielleicht steht auf irgendeinem davon ja einmal Dein Name? Vielleicht nicht heute und auch nicht morgen, aber wenn es kracht, dann kracht es.

    Gruß

    Alex

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  5. 1. Die Wirtschaftswaisen haben gegenüber der Politik eine beratende Funktion. Wenn die Politik Rat braucht holt sich sich ihn, sie wird nicht beraten wenn sie es nicht will.

    2. BWL ist eine Wissenschaft, die Nichts mit dem Menschen als soziales Wesen zu tun hat.

    3. Schäuble hat mit dieser Diskussion nichts zu tun.

    4. Gegen konstruktive Kritik ist nichts einzuwenden. Nur nehme ich in Deutschland zunehmend die Tendenz wahr und auch hier im Blog, dass Leute völlig niveaulose Beitrage verfassen, nur um der eigenen Unzufriedenheit durch persönliche Angriffen auf andere Luft zu machen.

    5. Diese Leute haben die Eigenschaft sich im Zuge ihrer Beschwerde immer ein anderes europäisches Land zum Vergleich heranzuziehen, ohne dabei zu beachten, dass in diesem Land völlig andere Voraussetzungen gegeben sind. Ich persönlich halte solche Leute für nicht besonders hell, obwohl sie das gerne durch lautes Geschrei zu überspielen versuchen.

    7. Ich bin mit diesem Staat genauso wenig zufrieden wie ihr. Aber so ist es halt in ner Demokratie - auch die Idioten dürfen wählen. Und die Mehrheit hat eine Partei gewählt in der eben ein Schäuble Minister ist.

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  6. Danke Jan, nichts hinzuzufügen.

    Ihr Kasper mischt gern Schäuble, Wirtschaft und alles andere was euch nicht passt.
    Ich hasse Schäubles Taten wahrscheinlich genauso wie ihr... ich mische aber nicht alles zusammen mit dem ich unzufrieden bin.

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  7. Hallo Jan,
    gehen wir punktuell durch:
    1) Damit hast du vollkommen Recht, nur beginnt das Problem da, wo die Politik keine eigenen Experten beschäftigt, sondern auf die Wirtschaftswaisen (und ähnliche Lobbyistenorganisationen, denn nichts anderes sind sie) entweder aus reiner Bequemlichkeit oder wegen Bestechung als einzige Quelle zurückgreift.
    2) Genau das ist der Punkt, der mich an BWL und den BWLern so tierisch aufregt und warum eure ganze Theorie auch so wertlos ist und nicht funktioniert. Wirtschaft hat IMMER mit Menschen als sozialen Wesen zu tun! Nur weil viele BWLer aus reiner Bequemlichkeit, fachlicher Unfähigkeit oder was weiß ich diesen Faktor einfach ausklammern und weiter brav die Theorie vom homo oeconomicus auswendig lernen wird sich daran auch nichts ändern. Argh! Diese vollkommen unwissenschaftliche und grob vereinfachende Herangehensweise regt mich echt tierisch auf!
    3) A priori nicht, nein. Aber Alex hat Recht, wenn er den Überwachungsstaat 2.0, dessen Initator und Repräsentant die Ein-Mann-Parallelgesellschaft Schäuble ist, mit der Langzeitperspektive des aktuellen ökonomischen Systems verbindet. Auf die Dauer wird es nämlich so oder so zu Unzufriedenheit kommen; bedenkt man den Ausbruch gegen die privatisierte Bahn in Südamerika diese Woche erst wird die Verbindung geschaffen. Mit der direkten Frage der Wirtschaftswaisen allerdings hat Schäuble nichts zu tun, das ist schon richtig.
    4) Verwechsle Polemik nicht mit sinnlos, aber tendenziell hast du natürlich Recht, dass es Deppen immer wieder gibt.
    5) Richtig, kommt besonders unter Wirtschaftswaisen gerne vor.
    6) Eben nicht - die Mehrheit hat für ein Linksbündnis votiert. (Mehrheit für SPD, Grüne und LiPa) Niemand hat die GroKo gewählt.

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  8. Hi Stefan,
    ok auf diesem Niveau kann man schon eher diskutieren. Ich bezieh jetzt einfach nochmal zu den Punkten Stellung. Aber wir können das gern mal am WE weiter vertiefen wenn du magst ;-)

    1) Wenn die Politik sich Lobbyisten ins Boot holt, ist das ein Problem der Polititk. Hat mit der Kompetenz der Wirtschaftswaisen nichts zu tun. Sie geben Prognosen und Empfehlungen ab. Völlig unabhängig davon ob ein Mindestlohn in Deutschland funktionieren könnte, lautet ihrer Prognose eben, dass es Arbeitsplätze kosten wird. Dass hat auch nichts mit dem System an sich zu tun. Es heißt lediglich, dass die Unternehmen so reagieren werden.

    2)Das ist schlicht und einfach falsch. Unabhängig davon wie ich über dieses System denke, stimmt deine Aussage einfach nicht. Ich sage nicht, dass der Mensch in diesem System keine Rolle spielt. Aber die historischen Personen, die den Begriff BWL geprägt haben, sehen den Menschen mehrheitlich als Produktionsfaktor. Nicklisch hat später einen anderen Ansatz versucht, wonach Betriebe als Sozialgebilde zu verstehen sind. Aber das hat sich nicht so sehr durchgesetzt. Das hat auch nix mit Manus oder meiner Einstellung zu tun. Aber für die Wissenschaft BWL ist das Befinden eines Menschen ziemlich irrelevant.

    3)Wie gesagt, ich denke zu diesem Thema haben wir alle eine ähnliche Ansicht. Aber wenn du mal eine Umfrage machst, die eine Möglichst breite Bevölkerungsschicht abdeckt, wird sich vermutlich herausstellen, dass die Mehrheit von diesem Thema nichts gehört hat, nichts wissen will, oder es ihr egal ist. So ist der Mensch. Unmündig.

    4)Leider zunehmend häufig. Aber ich sehe es schon ein, dass es oft bequemer ist zu motzen, als sich vernünftig mit einer Sache auseinander zu setzen. Das mach ich ja auch manchmal.

    5)Ja, da geb ich dir Recht. Aber du musst auch zugeben, dass sich Wirtschaft eher dazu eignet andere Beispiele heran zu ziehen. Schließlich haben viele globale Unternehmen die gleiche Zielgruppe und ähnliche Strukturen. Länder hingegen haben völlig verschiedene Ausrichtungen. Daran ist nicht zuletzt die EU Schuld. Ich sag nur Planwirtschaft. Da stellt man ganz interessante Dinge fest, wenn man sich mal damit beschäftigt.

    6)Niemand hat für ein Linksbündnis gewählt. Vielleicht hat die Mehrheit darauf gehofft. Aber das ist etwas anderes. Außerdem, was hätte uns das gebracht?

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  9. Sers Jan,
    ich denke am Samstag dürfte sich die eine oder andere Gelegenheit ergeben ;)
    1) Es hat insofern mit ihrer Kompetenz zu tun als dass ihre Aussage eben nicht auf wissenschaftlich-objektiver Forschung, sondern eben bezahltem Lobbyismus beruht. Das schlägt dann direkt auf die Kompetenz des Wissenschaftlers zurück. Ein Historiker, der für Geld behauptet, der Holocaust habe nicht existiert, dürfte durchaus ebenfalls Zweifel an seiner Kompetenz wecken. Dass die Politik sich diesen Verein ins Boot holt ist Teil eines sehr komplizierten Wechselspiels zwischen Wirtschaft, Politik und Unis und absolut verdammenswert.
    2) Richtig, und genau das kreide ich ihr an. Nicht nur Arbeitspsychologen, sondern auch Happiness Economists predigen seit Jahren, dass das Befinden der Mitarbeiter ein vollkommen vernachlässigter Einfluss auf die Unternehmenseffizienz ist, gleichzeitig aber von den ganzen Managern wie vom Diskurs allgemein vollkommen beiseite gelassen wird. Ein schlecht gelaunter und unmotivierter Arbeiter arbeitet schlechter, das ist eigentlich jedem klar. Trotzdem nimmt die BWL die Menschen als vollkommen austauschbare Produktionsfaktoren wie jede andere, sei es Boden oder Kapital, sei es eine Maschine, die man bei Nicht-Funktionieren nur austauschen und reparieren muss. Auf diese Art und Weise des Wirtschaftens werden nicht nur massiv Menschen geschädigt, sondern auch ebenso massiv potenzielle Effizienz verschenkt - und das alles wegen einer dogmatisch zementierten Sicht.
    3) Und aus dieser selbstverschuldeten Unmündigkeit des Geistes gilt es auch 250 Jahre nach Kant auszubrechen.
    4) Wer nicht? ;) Ich meine, ich versuche selbst so viel wie möglich über den Gegenstand zu erfahren, mit dem ich mich auseinandersetze und lerne intensiv über Wirtschaft, wenn es meine Zeit zulässt. Ich verurteile aber inzwischen pauschal alles, wo Schäuble drauf steht.
    5) Wie meinen?
    6) Relativ irrelevant; meine Aussage bezog sich nur darauf, dass die Menschen schwarz-rot eben NICHT gewählt haben. Die Leute haben Stimmen abgegeben entweder für schwarz-gelb oder rot-grün, oder sie wollten eine oppositionelle Linkspartei, um den Murks der beiden erwähnten niedrig zu halten. Aber niemand hat schwarz-rot gewählt. Das ist so das typische und vielzitierte Legitimationsproblem der repräsentativen Parteiendemokratie. Wobei ich die einem Mehrheitswahlrecht trotzdem noch immer deutlich vorziehe. Aber diese Wahl zeigt eben, dass der Dogmatismus der Eliten den Willen der Leute ignoriert - die Mehrheit der Menschen, die rot, rot oder grün gewählt haben wollten ein Bündnis dieser drie Parteien gegen schwarz-gelb. Auch die Basis der Parteien ist überwiegend auch heute noch für das Bündnis, nur ihre Führungsriege nicht.

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  10. 3) Und aus dieser selbstverschuldeten Unmündigkeit des Geistes gilt es auch 250 Jahre nach Kant auszubrechen.

    Haha, guter Witz...

    Was fällt mir noch ein.
    Was du über Wirtschaft lernst sind oft Volkswirtschaftliche Ansätze und die sind von denen der BWL doch oft verschieden.
    Wobei ich Jan wieder recht gebe. Wir studieren keine Soziologie oder sonst was... der "Mensch" oder dessen Wohlbefinden sind nunmal nicht Schwerpunkt eines solchen Studiums. Über die Wichtigkeit dessen kann man sich streiten, aber tu du mit nem Studium auf Lehramt bloß nicht so als wärst du ne moralische Instanz. Du entwickelst langsam Ansichten meines ehemaligen Deutschlehrers!

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  11. Wir bewegen uns momentan vom eigentlichen Thema weg.
    Aber um der Diskussion willen: Das menschliche Befinden spielt in Unternehmen schon eine Rolle. Und ob dus glaubst oder nicht - man rechnet sogar mit dieser Größe. Aber auch hier ist es eine rein mathematische Spielerei. Da spielen noch andere Faktoren mit rein und dann ist die Rechnung relativ einfach: Welcher Faktor lässt sich am leichstesten oder billigsten beeinflussen um das Maximum herauszuholen? Hat nix mit der Einstellung der Leute zum Thema zu tun. Außerdem ist diese ganze Mindestlohndebatte von den Leuten teilweise auch selbst verschuldet worden. Bsp: Wenn ich bei Daimlers arbeite, fahr ich doch auch nen Daimler, allein um meinen Job zu sichern. Aber nee, da fährt man dann lieber ne Japsenschleuder und trägt das Geld mit nem teuren Urlaub ins Ausland. Und daheim wundert man sich dann, wieso der Daimler billger werden will, damit er den Japanern konkurrenz machen kann. Kant lasst grüßen.

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  12. @König: Ich glaube, die meisten Daimlerarbeiter (wir reden von den Arbeitern, nicht dem mittleren Managment, oder?) haben schlicht nicht das Geld für ein Auto von denen. Und auch nicht für den superteuren Urlaub ;)
    Davon abgesehen: erstens sehe ich mich nur bedingt als moralische Instanz und zweitens leite ich das mitnichten aus dem Lehramtsstudium ab.

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  13. Teuer ist mMn ein Begriff der immer in Relation zu den zu Verfügung stehenden Mitteln zu sehen ist. Ich sehe das mit den Autos etwas anders. Wenn ich an die ganzen Sonderkondis denke, die man da als Mitarbeiter hat. Außerdem würds ja auch ein Gebrauchter tun. Der ist den anderen trotzdem noch Lichtjahre vorraus. Aber das ist auch genau das was ich meine, ab einem gewissen Punkt wird einfach nicht weitergedacht. Was ja angenehm sein mag, aber man sieht verdammt blöd aus wenn man aus dieser Situation heraus zu argumentieren versucht.

    PS: Wenn du mich schon König nennen willst, dann red mich bitte mit Eure Majestät an, das fände ich angemessener ;-)

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  14. Ist natürlich richtig, haben wir ja gestern bereits geredet ;)

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