Dienstag, 18. März 2008

Der Ruf nach dem starken Staat [Update]

Jahrzehntelang haben die Neoliberalen in das gleiche Horn geblasen: der Staat muss Deregulieren, privatisieren und sich aus der Wirtschaft zurückziehen, da der Markt bekanntlich alles selbst besser regelt. Nun fordert ausgerechnet Ackermann (!) ein Eingreifen des Staates in der Hypothekenkrise: der Staat soll die faulen Kredite aufkaufen. Es brauche eine "konzentrierte Aktion", man müsse "alles tun, um wieder Vertrauen zu gewinnen".
Wieder einmal sieht man die herrschende Mentalität: verantwortungslos hat man auf dem globalen Casino-Finanzmarkt gezockt und sich persönlich bereichert, Mitarbeiter entlassen und sich mehr bereichert, und jetzt, wo die ganze Chose kracht und den Bach heruntergeht, soll der Staat eingreifen und das Vergnügen zahlen. Das ist freie Marktwirtschaft!
Treffend formuliert es Orlando Pascheit von den NDS:
Herr Ackermann sollte sich an die eigene Nase fassen und einmal überlegen, welchen Anreizen und welchem Druck sich Banken aussetzen, wenn sie vollkommen von der Realwirtschaft abgehobene Renditeversprechen in die Welt setzen. Es ist heute viel von Vertrauen die Rede, von der Krise des Vertrauens, aber warnt man bei solchen Renditeversprechen auf dem grauen Markt sonst nicht immer vor unseriösen Angeboten? Warum bzw. wie sollten sogenannte seriöse Institute solche Versprechen einlösen? Rentabilität auf diesem Niveau und Sicherheit sind sich widersprechende, uneinlösbare Versprechen.
Josef Ackermann hat vollkommen Recht, der Staat muss her. Ausgangspunkt staatlichen Eingreifens sollte aber sein: Brauchen wir solche Banken? (Quelle)
Nachtrag: Jetzt fordert auch der Spiegel (!) mehr Regulierung.

Kommentare:

  1. Es ist an der Zeit, das die Neoliberalen zugeben das sie auf voller Breite vollständig versagt haben.

    Ackermann aber ist ein anderer Fall.

    http://www.duckhome.de/tb/archives/2191-Rotzfrecher-Ackermann.html

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  2. Ja, die Neoliberalen haben versagt. Weil sie eine inkonsistente Theorie haben und das macht sie unglaubwürdig. Weil sie der Unterschicht Marktvertrauen vorbuchstabieren, daß sie für die Oberschicht meinen außer Kraft setzen zu dürfen. In der Tat sind gouvernementale Rettungsaktionen für Banken und Konzerne verabscheuungswürdig.

    Das sagen konsequente Libertäre (die ausdrücklich KEINE Neoliberalen sind!!!) aber schon lange.

    Und immer wieder: "Sheldon Richman

    Privatized Profits, Socialized Losses"

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  3. Ich bin mal gespannt, wann diese Erkenntnis endlich mal bei unseren "Wirtschaftsweisen" ankommt. Diese verlogenen Hirnis leugnen nahezu alles, was den Neoliberalismus in Mißkredit bringt, bar der Realitäten.

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